Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 18 (2.3.1934)
- Date
- 1934-03-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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'J?™ Schluß-Gaben:. Beethovens „Büßlied“', das bei' dieser uestauerin aus tiefstem Innern zu quellen scheint, und als nn.,?ontrJ# Sazu ..An die Hoffnung“. Während Schuberts „Uie Allmacht“ ihr mehr im Jubel der Höhe als in der Tiefe lag, erschütterte, ergriff sie uns zu tiefst mit dem als Zugabe' gespmdeten „Der Tod und das Mädchen“. Kein Wunder, daß der von Max Sinzheimer mit letzter Einfühlung Begleiteten Sturme des Beifalls dankten. . Wie immer folgte dem Konzert ein harmonisches Zusammensein im eigenen Heim des „Liederkranz“, bei dem nicht nur der Vorsitzende Rechtsanwalt Dr. Hecht dem Dank für Solistin und Chor beredte Worte lieh, sondern bei dem „ ,.Fr,au Lindberg die Hörer noch" mit drei jüdischen Volksliedern von eigenem Reiz beschenkte. Drei Lieder,' die auch so recht ihre innere Verbundenheit mit dem Judentum dokumentierten. - —i—n Jacob Waffermann öebädjfnisfeier bes Burtbes beuffdj-jübifdjerJugenb Nicht Konvention, sondern aufrichtiges Herzensbedürfnis vereinigte die Älterenschaft des Bundes an einem der letzten Sonntage zu einer ernsten Gedenkstunde für den verstorbenen Dichter. Die ebenso schlichte wie würdige Feier wurde von Heinz Schneemann mit dem Trauermarsch aus der -As-Dur Sonate von Beethoven eingeleitet. Ein feierlich, rhythmischer- Sprechchor gelobte, über den Tod des Mannes hinaus dem Werke zu dienen. Jacob Wassermann, den Menschen,.den Dichter, den Kämpfer für Deutschtum und Judentum, führte Norbert Wollheim in seiner Gedächtnisrede noch einmal plastisch vor Augen.' Die Rede gipfelte in dem Bekenntnis, im Sinne des großen Toten stets für die lebendige Synthese zwischen Deutschtum und Judentüm zu kämpfen. Die von Heinz . Kellermann meisterhaft getroffene Auswahl aus den Werken des Dichters vermittelte eine gute Überschau über das geistige Schaffen Jacob Wassermanns. Nicht'ohne. Bewegung hörte man Wassermanns letzte in Holland gehaltene Rede. In dieser prophetisch-geistigen .Verklärung sprechen nur Menschen, die vom Todesengel gezeichnet sind. Über den Kreis der sichtbar ergriffenen Anwesenden hinaus wird ■ e S£f?“e Anhängerschar Wassermanns dem Bund für diese dem Dichter geweihte Gedenkstunde Dank wissen. B. S. KünftlerifdjG Veranftaltungen in Berlin Man darf freudig das hohe Niveau begrüßen und anerkennen, das die künstlerischen jüdischen Veranstaltungen in Berlin jetzt haben. Es gewährt eine gewisse Beruhigung, festzustellen, daß die schweren Zeiten die Kulturpflege bei uns nicht beeinträchtigen. Im Februar lud das Haus eines Berliner Anwalts zu einem Hauskonzert, des Beatrice Waghatter, die Tochter des berühmten früheren Generalmusikdirektors der städtischen Oper, ganz allein bestritt. Sie sang Volkslieder und Chansons aus aller Herren Länder, über zwei Stunden lang, englische, italienische, spanische, französische Lieder, Mozartsche und Haydnsche Weisen, mit einer etwas kehligen, nicht allzu ansprechenden Stimme. „Allein der Vortrag macht des Künstlers Glück“, Ihre Mimik, ihre Kunst der Rezitation, ist derart hinreißend, daß die zahlreich erschienenen Gäste vor Entzücken wie elektrisiert dasaßen, immer begeisterter wurden und schließlich in frenetischen Jubel ausbrachen. Zugabe auf Zugabe wurde erzwungen. Schließlich sang die junge Künstlerin noch Offenbach mit einer Verve und Drollerie, daß der Beifall eine selten beobachtete Wärme erreichte. Man kann der Sängerin, die dieser Tage nach Paris geht, mit Sicherheit eine glänzende Laufbahn Voraussagen. * Ernst und gewichtig war das Hauskonzert bei Hirschfeld in der Alommsenstraße. Gertrud Bamberger und Paul Lichtenstern spielten Klavier, Charlotte Rosen Geige und Mariquita Sechen sang." Orgelkonzert von Vivaldi-Bach, Mendelssohnsche Lieder, Robert Kahnsche Kompositionen, das herrliche Dumky- Trio von Dvorak. Es wurde untadelig musiziert und in fast andächtiger Stimmung verließ mail — dankbar gegen die Veranstalter — das Haus. ' Die Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde (Dr. Herbert Löwensteinj kam auf den naheliegenden und begrüßenswerten Gedanken, auch den bildenden Künstlern zu helfen. Es wurde ein Empfang im jüdischen Museum in der Oronienburgei Straße veranstaltet, bei dem die Malerin und Radiererin Meta Cohn-Hendel mit Lichtbildern von ihrem Schaffen und über die Art ihres Schaffens sprach. Mit herzgewinnender. Schlichtheit erzählte die Malerin von ihren schweizer und norwegischen Reisen, zeigte ihre Bilder, die Früchte dieser mühseligen Wanderungen und zuletzt ihre sehr interessanten und feinen Illustrationen zu Mozartschen, Beethovenschen Kompositionen und Morgensternschen Gedichten. Der Kontakt zwischen der Vortragenden und dem aufmerksam lauschenden Publikum war sehr rasch geschaffen. Der starke Beifall kam von Herzen. - Wunderschön sang Hede Türk Mozart und Schubert, und das Trio Rosen, Zeelander-larecki spielte das schwermütige A-Moll-Tschaikowsky-Trio. . Alan muß der Künstlerhilfe der Gemeinde für die wohlgelur.-gene Veranstaltung dankbar sein. Ludwig Davidsohn. Uofeplj Plaut im Berliner Kulturbunb Nein — darüber kann ich keine „Kritik“ schreiben; über diesen Shakespeare der Mimik, der Sprechtechnik und Sprechmodulation, der Menschenschau und Situationserfassung läßt, sich nur ein Buch verfassen oder — schweigen! Joseph Plaut ist ein Wunder und wirkt Wunder; als „blödsinnig“ wollen wir jeden bezeichnen, der in ihm nur einen Komiker sieht. Wenn je universale Menschendarstellung eine ernste Sache gewesen ist, und das ist sie wohl, dannist Plauts -.Humor große ernste Kunst. Sie erfüllt uns mit Heiterkeit; aber wer diesem Künstlergenius in die Werkstatt schaut (und das könnte jeder tun; denn seine Werkstatt ist die Bühne oder das Vortragspodium), den ergreift auch Bewunderung. Plaut, komm wieder, komm oft und immer wieder! —tz. Kleinkunft im Haufe . Einen ganz besonders reizenden Abend bereiteten Herr und Frau Dr; London (Berlin) den auf ihre Einladung erschienenen Gästen' mit ihrer Kleinkunst-Veranstaltung zugunsten des Jüdischen Wohlfahrts- und Jugendamtes Charlottenburg II Groß-West. Egon Jakobsohn als Ansager führte seine Elitetruppe gleich stimmungsvoll ein und stellte den nötigen Kontakt zwischen Künstlern und Publikum in launiger Weise her. Es gab Kostproben aus den Varieteprogrammen der Vorkriegszeit, der Inflation, der Kino- und Radio-Epc den Kleinkunstbühnen der Jetztzeit, kurz einen „historischen Überblick““ über das Kabarett. Mit waren: Annemarie Haase, Monika Herrnfeld, Else Gerda Koeppler, Simon Berkowitz, Edgar Lißner,' Alfrei Leo Taubmann. Einzelnes aus der Fülle des Gebotenen h zuheben, wäre ungerecht, — es war alles. vorzüglich mehr als das! — Wie die liebenswürdige Wirtin —die a für unser leibliches Wohl' in hervorragender Weise geso. hatte —~ erzählte, besteht die Absicht, Abende mit diesi Truppe öfters zu wiederholen. Wir können nur einem Jedei empfehlen, die Gelegenheit zu benutzen, sieh einige frohe Stunden zu verschalten; mau dient damit gleichzeitig dem guten Zweck, den heute so schwer kämpfenden Künstlern wieder eine Wirkungsmöglichkeit zu geben. Lili Ooctz. Kunstnachrichten Mitteilungen des Kulturbundes deutscher Juden Die Erstaufführung des Schauspiels „Die Wildente“ von Henrik Ibsen findet am Sonntag, 4. März, S.15 Uhr, im Berliner Theater statt. Regie; Dr. Fritz Jeßiier, Bühnenbilder: Walter Auerbach. Besetzung: Consul Werle — Herrraann Heuser, Gregers Werle — Atartin Brandt, Frau Sörby — Gerda, Kiein-Weismann, Hjalmar Ekdal — Fritz Wisten, Gina — Lilly Kann, Hedwig — Atira Rosovsky, der alte Ekdal — Atartin Wolfgang, Relling — Fritz Lion, Molvik — rrecl Alexander. * Die beiden Purim-Veranstaltungen des Kulturbundes Deutscher Juden sind bereits ausverkauft. Eine weitere Wiederholung, für die der Vorverkauf bereits begonnen hat. findet am Sonnabend, 17. Marz, statt. Programm: > — I. 1. Ouvertüre „Die schöne Galathce“ von Franz von Suppe 2. „Kaiserwalzer“ von Johann Strauß. (Kulturbund-Orchester unter Leitung von Joseph Rosenstock.) 3. „Ein Ehemann vor der Tür“, Walzer von J. Offenbach; gesungen von Fritzi Jokl (Sopran). (Kulturbund-Orchester -unter Leitung von Kurt Singer. II. „Eine kleine Nachtmusik“ von W. A.- Mozart, getanzt vom . Ballett des Kulturbundes. (Kulturbund-Orchester unter Leitung von Kurt Singer. III. „Esther“, dramatisches Fragment von Franz Grillparzer. Regie: Fritz Jeßner. .— Weinbaumscljer a cappella-Cljor Das erste Konzert des Chores1, welcher unter Leitung von Alexander Weinbaum steht, findet am Sonntag, 11. März, abends 7.30 Uhr, im Beethovensaal statt. Zur ÄSfführüng gelangen 20 Volkslieder untj Madrigale, meist heitere, auf Frühlingston gestimmte Chorstücke. Solist des Abends ist der Geiger Stefan Frenket, der einige volkstümliche Weisen spielt. Außerdem wirkt die Harfenistin Ilse Nathan mit. — Eintrittskarten zu 0,60, 0,75 und 1,— Mark sind zu haben Leipziger Straße 37 und Tauentzienstraße 7 b. Kein Garderobenzwang! BERUNER HAUS- U. fiRUHDSTUOlS- Steuerberatung VERWALTUNG Hausverwaltung BERLIN-WILMERSDORF. 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