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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-03-02 · 18 (2.3.1934) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
18 (2.3.1934)
Date
1934-03-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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„ReJchsvL*rt^etung, der deutschen Juden4* gewesen wäre, das ist eine grundlegende, altumfassende Arbeit zur Wahrung unserer in den Kriegs- und Friedensleistungen vieler Generationen wohlerworbenen Gleichberechtigung als Glieder des deutschen Volkes und der deutschen Nation. Vielleicht ist es der „Reichsvertretung der deutschen Juden*4 zugute z.u halten, dal! die äußeren Umstände Schritte solcher Art noch gar nicht möglich gemacht haben und die allgemeine Situation für dergleichen nicht reif ist. Käme der gegebene Augenblick, so müßte sich in der „Reichsvertretung“ entweder die Handlungsunfähigkeit aus inneren Gründen . ergeben, oder es müßte sich die eine Richtung über die andere hinwegsetzen, um zu solchen Erklärungen, Maßnahmen oder Schritten /u gc'.angen, denen eine Wirkung beschieden sein könnte. Welchen Verlauf diese Hinge nehmen werden, das kann ganz allein die Zukunft ergehen; für heute steht es fest, daß die „Reichsvertretung der deutschen Juden4* eine politische Tätigkeit nennenswerten Umfanges, nicht entfaltet hat. * Aus diesem Mißverhältnis zwischen Absicht und Möglichkeit erwächst .aber eine gewisse Gefahr, auf die rechtzeitig hinzuweisen wir für unsere Pflicht halten. Die Absicht der Gründer — das geht schon aus dem Namen „Reichstr/7/v7////g der deutschen Juden4* hervor — war zweifellos die..Schaffung einer Stelle, die die deutschen Juden nach außen hin vertreten sollte (denn bisher war es ja so gewesen, daß jede größere Organisation sich für befugt gehalten hatte, mit den Behörden „namens der deutschen Juden** zu verhandeln; die Behörden indessen wußten ganz genau, dal! Jede Organisation nur eine. Einzelgruppe, n<cIit_r//V deutschen Juden vertritt). Da nun aber der Reichsvertretung aus den oben dargelegten Gründen die Möglichkeit zu solchem Wirken nach außen nicht beschieden ist; so sucht sie sich neue Tätigkeitsgebiete i n n e r j ü d i s c h e r Art. Das ist der Punkt, an dem grolle Gefahren sich auftun. Sit» sind mehrfacher Art. Die erste besteht darin, daß die „Reichsvertretung*4 rein gefühlsmäßig unter den deutschen Juden nicht das Ansehen und die Popularität haben wird, die sie ihrer eigentlichen, d. h. ihrer politischen Aufgabe nach haben müßte. Schon jetzt hat z. B. der Buudesführer des „Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten*4, Dr. Leo Löewefisteln, erklärt, daß die „Reichsvertretung*4 bei ihrer jetzigen Zusammensetzung die ihr ursprünglich zugedachte Aufgabe einer politischen Gesamtvertretung der deutschen Juden nicht übernehmen kann. Wenn daraufhin dem RjF. von zionistischer Seite^der. Vorwurf gemacht wird, er wolle die „Reichsvertretung zu einer Wohltätigkeitszentrale herunterdrücken*4, so .muß dem entgegengehalten werden, daß die „Reichsvertretung*4 selbst es ist, die eine erheblich andere Tätigkeit entfaltet, als man von ihr erwartet hatte. Auch wenn diese Tätigkeit in vielen Punkten zweifellos erfolgreich und segensvoil ist, so unterliegt es doch keinem Zweifel, daß sie selbst sich in der Hauptsache innerjüdischen, und zwar zunächst wirtschaftlichen Aufgaben z.ugewandt hat. Man braucht sie deshalb nicht als „Wohltätigkeitszentrale44 zu bezeichnen — das-Wort ist ja von den Zionisten auch zweifellos nur wegen seines etwas fatalen Beigeschmacks gewählt worden — aber das, was die „Reichsvertretung*4 ursprünglich sein sollte und wollte, ist sie mit ihrer jetzt vorwiegend innerjüdischcn ^Tätigkeit nicht. ' " Ein weiteres kommt hinzu. Die „Reichsvertretung*4 müßte bei ihrer wirtschaftlichen Arbeit eine weise Beschränkung üben. Vor allem obliegt ihr die Beaufsichtigung und Betreuung derjenigen jüdisch-sozialen oder jüdisch-wirtschaftlichen Zentralstellen, die in enger Fühlung, teilweise sogar in weitgehender Personalunion mit ihr. arbeiten. Sie muß ferner 'die bestehenden und bewährten Organisationen neu in ihre. Aufgaben einsetzen, gegebenenfalls auch eine Neuverteilung der einzelnen Arbeitsgebiete vornehmen, um das bisher so vielfache Neben.» und Gegeneinanderarbeiten zu unterbinden. Ansätze nach dieser Richtung liegen zweifellos vor; . aber es zeigen sich leider auch Ansätze nach der entgegengesetzten Richtung —: es besteht die Gefahr, daß die „Reichsvertretung** auf der Suche nach neuen Tätigkeitsfeldern Aufgaben übernimmt, die bisher von anderen Stellen erfolgreich und unter Ansammlung vieler, nutzbringender Erfahrungen bearbeitet worden sind. Vielleicht erfordert es die Wichtigkeit dieses Gegenstandes, daß wir ihm demnächst einen besonderen Aufsatz widmen, bei dem wir mehr ins Einzelne gehen können. Für heute.soll nur mit Nachdruck darauf hipgewiesen werden, daß die Reichsvertretung ihrem eigentlichen Zweck zuwiderhandeln würde, wenn sie ihre Tätigkeit auf bereits anderweitig erfolgreich bearbeitete Gebiete erstreckte, wodurch ja die mit Recht beklagte Zersplitterung nur noch größer •Werden würde. © . Am -ullerschwierigsten liegen die Dinge bei dem anderen Zweig imierjiiüischer Arbeit, den die „Reichsvertretung“ zur Überraschung Vieler übernommen hat. Gerade weil für die ' Gründer feststand, daß die einheitliche Zusammenfassung der -deutschen Juden — das Wort sei wiederholt — nur zu praktischen Zwecken erfolgen könne, wurde jeder Versuch zur Der — zionistische Orden ist da! Wir haben eigentlich schon iimner darauf "gewartet und wußten es mir selbst nicht! Aber nachdem vor' einigen1 Wochen Wei/.mann als die drei wichtigsten Ziele des Judentums den jüdischen Staat, die jüdische Fahne und den jüdischen Pali proklamiert hat, konnte eigentlich der jüdische Orden-nieht mehr fehlen! Wir haben zwar aus der Bibel und vom Religionsunterricht her andere Vorstellungen von den Zielen und Idealen des Judentums; aber alles, was einst „von 'Jerusalem und Zion ausging**, ist vermutlich ei» wenig überholt und veraltet gegenüber der neuesten Meldung von dort; sie steht unter „Letzte Nachrichten“ in einem bekannten jüdischen Blatte der Schwei/ und lautet: Jerusalem. Die Zionistische Exekutive hat einen zionistischen Orden eingefiihrt, welcher den Namen „Örden zum Goldenen Mögen David“ trägt. Schon seit langem war der Mangel eiiies solchen Ordens sehr fühlbar geworden. Zionistische Würdenträger, welche auf ihren Reisen die verschiedene« Staatsmänner besuchen, müssen ' sich jetzt für Einladungen durch kostspielige Geschenke erkenntlich zeigen, während sie demnächst Orden verteilen können, deren Materialwert gering ist. Es sind verschiedene Klassen in Aussicht -genommen, deren höchste nur für Staatsoberhäupter bestimmt ist. Die mittleren Klassen kommen vor allem für Niehtzionisten in Betracht, die sich in der Jewisli Agency verdient gemacht haben. Die "untere Klasse und das allgemeine Ehrenzeichen soll in größeren . . Mengen an bewährte Veteranen der zionistischen Ortsgruppcu verteilt werden. Auch in der Schweiz ist eine Anzahl Personen zur Dekorierung vorgesehen (die Redaktion erteilt auf Anfrage nähere Auskunft); Die eingeklainmerten .letzten-Worte beziehen sieh natürlich aut die- Redaktion des Blattes, dem wir die Notiz entnehmen; denn welche Auskunft' ütiserc Redaktion über diese neueste Errungenschaft des Zionismus zu erteilen hat, dürfte unsern Lesern kaum zweifelhaft sein. Leopold Nathansohn. Herstellung eines W e 11 a n s c h a u u n gs k om p r om i ss es bei der Gründung von vornherein als unehrlich abgelehnt. Religiöses Judentum und Nationaljudentüm, Orthodoxie und Liberalismus — das sind Gegensätze, die sich nicht auf eine „gemeinsame Linie** bringen lassen. Um so überraschender war es, daß die „Reichsvertretung** nun doch eine kulturelle Arbeit versucht und dabei — cs konnte nicht anders kommen — ihr Ansehen aufs Spiel gesetzt hat. Die von ihr herausgegebenen „Richtlinien für die Aufstellung von Lehrplänen für jüdische Volksschulen“ haben ja in der Tat ein Avahres Trommelfeuer von links und rechts gegen die Reichsvertretung entfesselt, weil sie den Versuch machen, allen Richtungen gerecht zu werden. Gewiß gibt es hüben und drüben sujjerkiuge Leute, die hei der Auslegung dieser Richtlinien emsig bemüht sind, ihre Rosinen aus dem Kuchen zu pflücken. Aber im ganzen hat dieser Versuch, „durch Vieldeutigkeit der Form ulicrnngen dem Streit der Richtungen vo r z u b e ii gen**, in Wirklichkeit den Stfeit der Richtungen erst neu entfacht! Der „Bildungsverein der deutschen Juden“, eine der Berliner jüdischen Reformgemeinde nahestehende Organisation, hatr in einer grollen Kundgebung, in der .Prediger Dr. Rosenthal, Studienrat Dr. Wuchsner und Rabbiner Dr. Gottschalk referierten, eindeutig gegen die Richtlinien Stellung genommen. In unserer „J ü d i s c h - I i b e r a l e n Z e i t it n g“ hat der Sttutgarter Stadtrabbiner Dr. Paul Rieger die den Richtlinien unbewußt zugrundeliegende „Zweiseelentheorie“ bloßgelegt. Auf der Beiratstagung lut Rechtsanwalt Heinrich Stern, der Vorsitzende der Vereinigung für das r e I i g i ös -1 ibera 1 e Judentum sich dagegen wenden müssen, daß nun — nach dem „neutralen4* Programm für die Schulen — auch der Versuch, einer „Neutralisierung*!, der Lehrerbildung gemacht werden soll. .Mit der gleichen Energie aber wie Heinrich Palästina — Übersee - Ausland TJTWZtTGKE -*»1900 Möbelspeicher auch durchheizte Kabinen Carl Deyke Nactif., Berlin 0 17 Welchsef424143 Stern wendet sicli^gegen diese Überschreitung der dzr „Reichsvertretung“ gegebenen Kompetenzen auch die unabhän-' gige Orthodoxie. Sie hat nicht nur in einem groß angelegten Leitartikel ihres Zentralorgans „Der Israelit“ auf alle diese Dinge hingewiesen, sondern sie hat auch die Konsequenzen gezogen und gehandelt, indem sie sich ■eine eigene öffentliche Vertretung geschaffen hat. Die offizielle Notiz darüber hat folgenden Wortlaut: Vertretung der unabhängigen jüdischen Orthodoxie , Deutschlands Der Reichsbund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden in Halberstadt, die Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums in Frankfurt a. M. und die Lnndesorganisation der Agudas Jisroel in Deutschland haben eine gemeinsame „Vertretung der unabhängigen Orthodoxie Deutschlands“ geschaffen, die mit weitgehender Vollmacht ausgerüstet wurde. Mitglieder der Vertretung sind die Herren Rabbiner Qr. P. Cohn, Ansbach-Berlin, Rabbiner Dr. E. Munck, Berlin, Rabbiner Dr. M. Schlesinger, Halberstadt, Dr. S. Ehrmann, Frankfurt a. M. und Jacob Rosenheini, Frankfurt a. M. Stellvertreter sind die Herren Rabbiner Dr. M. Auerbach, Berlin, Rechtsanwalt Dr. J. Breuer, Frankfurt a. M., Wolf S. Jacobsohn, Berlin, Rabbiner Dr. A. Klein, Nürnberg, Rabbiner Dr. J. Merzbach, Darmstadt. Der Reichsvertretung der deutschen Juden hat die •Vertretung der unabhängigen Orthodoxie Zusammenarbeit in der Bearbeitung und Vertretung aller mit der Rechtsstellung der deutschen Juden und ihrem moralischen Schutz, sowie mit deren wirtschaftlichen Interessen und ihren Einrichtungen im Zusammenhang stehenden Angelegenheiten vorgeschlagen. Aus alledem mag man entnehmen, daß wir von der wahren und dringend notwendigen Einigkeit der deutschen Juden noch iimner sehr weit entfernt sind. Schuld daran ist aber diesmal nicht die oft beklagte Selbstherrlichkeit jüdischer Einzelgruppen, sondern die Ursache ist darin zu suchen, daß inan die Einigkeit auf Gebiete erstrecken will, wo sie unmöglich ist, weil sie nicht besteht. Zu der Un-ehrlic.hk e i t, sic v o r z u t ä u s c h e n , zeigen sich die deutschen Juden erfreulicher \ve i s e nicht f fi h i g. Erst wenn alle lernen, die Vereinheitlichung auf die rein praktischen Gebiete zu beschränken, und wenn alle den Mut aufbringen, in allen anderen Fragen klare und rnötigenfalls — harte Entscheidungen zu treffen, anstatt wie bisher ihnen aus dem Wege zu gehen —: erst dann werden wir unser Schicksal meistern. „Westdeutscher Beobachter11 zur Frage der Eingliederung deutscher Juden in Handwerk und Landwirtschaft Der „Westdeutsche Beobachter1nimmt in Nr. 7-1 zu einem die Umschichtungsbestrebuneen innerhalb der deutschen Judenheit und ihre Förderung durch die Reichsvertretung der deutschen Juden betreffenden Aufsatz Dr. .Otto Hirschs folgendermallen Stellung: Zunächst stellen wir richtig, daß das Überwiegen der Juden in den geistigen Berufen mit der geschichtlichen Entwicklung kaum etwas zu tun hat. Die jüdische Überschwemmung fast aller geistigen Berufe begann in einer Zeit, als für Juden jegliche Möglichkeit bestand, sich auch als Arbeiter, Handwerker und Landwirt zu betätigen. Nur lag diese „schmutzige“ Arbeit der Händlernatur des Semiten nicht . . . Solange noch ein Deutscher arbeitslos ist, kommt eine Diskussion dieses Themas überhaupt nicht in Frage. Erst nach völliger Beseitigung der Arbeitslosigkeit kann man dem Problem nahetreten. Wir glauben jedoch nicht, dal! der knappe deutsche Lebensraum auch nur im geringsten die Möglichkeit bietet, fremdrassige Elemente in den genannten Berufen unterzubringen.. Zur Frage der Ablehnung jüdischer Richter Die „Juristische Wochenschrift“ veröffentlicht eine Entscheidung'des Landgerichts Berlin zur Frage der Ablehnung eines jüdischen Richters. Das Gericht kam zu .-dem Ergebnis, dal) S 42 ZPO. nicht erfordert, daß der Richter objektiv befangen ist: es genügt nach dieser Vorschrift zur Ablehnung, daß eine verständige Partei aus sachlichen Gründen berechtigt ist, Befangenheit zu besorgen. Die Beklagte hat mit Anführungen in ihrem Schriftsatz bestimmte einzelne Juden in ihrer Ehre angegriffen. Sie hat darüber hinaus den Angehörigen der jüdischen Rasse vorgeworfen, sich aus Gewinnsucht und ohne Rücksicht auf Sitte und Recht, selbst durch Betrug unci Erpressung, am Vermögen Deutscher zu bereichern. Inhalt und Form ihrer Angriffe verletzen naturgemäß die Empfindungen eines jüdischen Richters, der sie lesen und anhören muß. Es ist deshalb ohne weiteres verständlich, dal! cs die Beklagte für schwer vorstellbar hält, daß nach solchen •Angriffen ein jüdischer Richter ihr gegenüber poch völlig unbefangen bleibt. (LG. Berlin, 63 ZK., Beschl. v. 10. 11. 1033 — 32. 0. 407. 32). Der Oberrat der Israeliten Badens zum 125-jährigen Jubiläum der Badischen Xandessynagoge ‘ Anläßlich des 125jährigen Bestehens der Badischen Landessynagoge veröffentlicht der Oberrat der Israeliten in seinem Verordnungsblatt folgende, von seinem Vorsitzenden Professor Dr. Nathan Stein Unterzeichnete Erklärung: Hundertfünfundzwanzig Jahre sind seit Gründung des Oberrats der Israeliten vergangen; seine Errichtung bedeutete die Eingliederung der Juden Badens in das Staatsgefüge.' In tiefer Dankbarkeit gedenken wir des Großherzogs Carl Friedrich von Baden, der die Israelitische Religionsgemeinschaft Badens geschaffen hat, und seiner Nachfolger, insbesondere des Großherzogs Friedrich L, unter dessen Regierung uns die Synodalverfassung gegeben wurde. Dankbar gedenken wir auch der landesherrlichen Kommissare, die bis zum Jahre 1020 an der Spitze des Öberrats standen; sie alle haben verständnisvoll geholfen, unsere Aufgabe zu erfüllen. Die Neuordnung der Dinge nach dem Kriege hat auch eine neue Regelung unserer Verfassung veranlaßt; seitdem ist die Landessynagoge auf sich selbst gestellt. Auch heute fühlen wir uns eng verknüpft mit unserer badischen Heimat und dem deutschen Vaterland. Sein Wohl’ist unsere Sehnsucht, an seinem Gedeihen wollen wir nach unseren Kräften arbeiten, wo immer wir einen Weg hierzu finden. Treu unserem ererbten Glauben, treu unserer jüdischen- Gemeinschaft wollen wir in Einigkeit zusammenstellen; wir wollen unser Schicksal m Würde tragen, wir wollen der Verantwortung; die auf uns liegt, gerecht werden. Ans den Gemeinden Berlin. (Mitteilung der Künstlerhilfe der Berliner Jüdischen GemEinde.) Die Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde teilt mit, daß sie der neugegründeten Vereinigung jüdischer Bühnenangehöriger e. V. fernsteht und keinerlei Verantwortung für deren Veranstaltung trägt. 1 :Berlin. (Jüdische Wirtschaftsstelle und Ka- b a r ett „B ii h n e und Brettl.) Die „Wirtschaftsstelle der Jüdischen Gemeinde“ teilt informatorisch mit, daß das Unternehmen „Bühne und Brettl“, Berlin W 15, Joachimsthaler , Straße 13, mit dem 28. Februar 1034 aus der Leitung der „Wirtschaftshilfe der Jüdischen Gemeinde“ ausscheidet und ab 1. März ds. Js. von Herrn Heinz Faft übernommen wird. Die Wirtschaftsstelle betont, daß sich Herr Fuß.im Vertrage 'verpflichtet hat, das Kabarett mit dem Ziel einer. Arbeits- . beschaffung für jüdische Künstler, Musiker und sonstige Angestellte weiterzuführen und deshalb nur Mitglieder einer jüdischen Gemeinde zu beschäftigen. Die weitere Unterstützung dieses Unternehmens . 1 iegt daher im Sinne der Arbeit der Wirtschaftshilfe der Jüdischen Gemeinde. Hamburg. (Neuwahl und Sitzung in der Repräsentanten Versammlung.) Kürzlich fand in Hamburg eine Sitzung des Repräsentantenkollegiums der Deutsch-Israelitischen Gemeinde statt, in der auch die Bürowahl vorgenommen wurde. An Stelle des verstorbenen Ersten Vorsitzenden, Herrn Heinrich Levy, übernahm Herr Dr. Urins,, der, wie der Verstorbene, der liberalen. Fraktion angehört, den Vorsitz. Die weitere Verteilung der Ämter verhält sich wie folgt: zweiter Vorsitzender wurde Alexander Levy. (Aciiduth), erster Schriftführer Bernhard Heinemann (Wirtschaftspartei) und zweiter Schriftführer Herr Heckscher (Unpolitisch-Konservativ). Als weitere neue Mitglieder des Vorstandes werden die Herren Dr. Friiz Warburg und Jacob Landauer genannt. An Stelle des aus der Repräsentantenversainmlüng in den Vorstand gewählten Herrn Dr. Loewenherg tritt Herr Moritz Volk in die Repräsentantenversammlung ein. — Die vom Repräsentantenkollegium für den Synagogenverband bewilligten 24 000 RM werden vom Vorstand als zu hoch betrachtet und auf 10 300 RM herabgesetzt. Hierzu kommt noch der 10 prozentige Anteil an der Gemeindesteuer. — Im Verlauf der Sitzung taucht ferner die Frage auf,, ob der in Zukunft einzurichtende Kursus für die Berufsvorbildung der schulentlassenen männlichen lind weiblichen Jugend, der den beiden jüdischen Schulen, der Talmud Thora-Schule und der Mädchenschule der Gemeinde, ungegliedert werden wird, der Berufsberatungsstelle der Gemeinde oder dieser direkt unterstellt werden sott. Die Angelegenheit wird vertagt, ohne daß eine grundsätzliche Einigung über diese Frage erzielt worden ist. Kodniu. (Synagoge in- Ostpolen eingeä s c Ii e r t.) Die Synagoge des Städtchens Kodniä im Kreis Brest-Litowsk ist vollständig abgebrannt. Die Thorarollen konnten nicht mehr gerettet werden. Aus der Bewegung des religiös-liberalen Judentums Berlin. (Vereinigung für das religiös-liberale Judentum, Ortsgruppe Berlin.) Am 20. Februar fand eine sehr gut besuchte Versammlung dep Bezirks- Gruppe Wedding-Reinickendorf im Restaurant „Zum Steinacker“, Seestr. 41 statt. Cirka 150 Personen nahmen an der Veranstaltung teil. Der Vorsitzende, Herr Rorkmarher, begrüßte die Anwesenden und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß gerade diese Veranstaltung, die er wegen Fortzuges aus diesem Bezirk zum "letzten Maie leitete, so gut besucht ist. In seinem allgemeinen Bericht über die Arbeit im letzten Jahr wies er darauf hin, daß von jetzt ab die Zusammenkünfte regelmäßig in jedem Monat stattfinden sollen, flie Gottesdienste an jedem . Freitag Abend abgehalten werden, daß eine Frauengruppe gegründet worden ist und ein Sederabend in diesem Bezirk von dem Sviiagogenvereii» veranstaltet werden wird. Er wünschte der neuen Leitung des Bezirks erfolgreiche Tätigkeit und sprach die Hoffnung aus, daß sie . die Bezirksgruppe in seinem Sinne weiter ausbauen werde. In der .vorangegangenen Mitgliederversammlung wurden auf Vorschlag des Herrn Rockmacher Herr .Reinhold Grün zum Vorsitzenden, Herr Ludwig Geisenberg zum stellvertretenden Vorsitzenden, Frau Irma Blumk/dtz zur Schriftführerin und zu Beisitzern Frau Margarete La'tdsberg, Frau Margarete Gut mann und Herr Dipl.-lng. Blumenthal gewählt. — Das Referat des Abends hielt der Repräsentant Herr Louis Wo!ff, der Vorsitzende des Jüdischen Haiidwerkervereiris, über das Thema „Der jüdische Mittelstand im neuer. -Deutschland.“ Die sehr interessanten und trotz der Kürze der Zeit ergiebigen Ausführungen wurden durch reichen

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