Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 17 (27.2.1934)
- Date
- 1934-02-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Religion oder Volkstum Von Dp. Manuel Joel, Breslau Vor kuivcui sind in Breslau — uiid vermutlich auch anderswo — die Mitglieder der Synagogeiigemciiide von der Zionistischen' Vereinigung zu einem Vortrag cingcladcii wordenr'dessen Thema: Entscheidung oder Verschleppung — Aufruf zum Zionismus! lautete. Damit wird blitzartig eine Situation beleuchtet, die manche immer noch nicht sehen Wullen, dal! nämlich der Kampf um die weltanschaulichen Grundlagen des Judentums auf der ganzen Linie entbrannt ist, dal! es von.allem die zielbewullte Aktivität jener Gruppe ist, . die in dem Bestreben, eine für ihre Ideen einzigartige Situation auszuniitzeii, den Anspruch erhebt, der Vertreter des allein wahren Judentums zu sein. Bei dieser Auseinandersetzung, die sich auf die allein heute wesentliche Frage, „Religion oder Volkstum?“ zuspitzt, um eines fiktiven Burgfriedens willen, dessen .Nichtbestehen jedem, der einmal einen Blick in die jüdischen Zeitungen aller Richtungen wirft, offensichtlich wird,/schweigen zu wollen oder sich damit zu begnügen, --offensichtlichen Überspitzungen mit erhobenem Zeigefinger cutiregeuzuireteu. hiebe, unseren eigenen Ideen abiruumg Mit der Tatsache, dal! zwischen den beiden Richtungen tatsächlich eine Kluft besteht, scheint es freilich im Widerspruch zu stehen, wenn auf praktischem Gebiete immer wieder eine Annäherung, ein Kompromiß, möglich zu sein scheint, wie es auch die kürzlich veröffentlichten Volksschul-Richtlinien beweisen. Fs .wäre aber falsch, hierfür allein.die äußere Lage verantwortlich zti machen, die trotz, aller Vorbehalte dazu zwingen mag, vielmehr liegt es an einer bestimmten Formulierung, die der Zionismus anwendet, durch die es ihm gelingt, den wahren Tatbestand zu verschleiern.. Dehn auch dev Zionist verwahrt sich gegen den Vorwurf, nicht Deutscher sein zu «ollen, auch Cr erkennt an, dal! Jasagen zum Judentum nicht Ncinsageu zum Deutschtum bedeutet. Wenn er aber zugleich die unaufhebbare Differenziertheit des Gruppen-.’" Schicksals betont, wenn er von einer Förderung der arteigenen Kultur'spricht — und was dieses Wort im heutigen Sprachgebrauch bedeutet, dürfte den zionistischen Führern nicht unbekannt sein — wenn er von einer nationalen Wiedergeburt spricht, so sieht man, welcher tiefgreifende Unterschied sich zwischen den glatten Worten verbirgt. Denn während für uns Deutschtum und Judentum einander durchdringen und ergänzen, weil sie auf verschiedenen Ebenen liegen, das erste auf nationaler, das zweite auf religiöser, ergibt sich für die zionistische These, über die keine noch so gewandte Dialektik hinwegzutäuschen vermag, die logische Konsequenz, dal! das Bekenntnis zum Deutschtum immer nur ein distanziertes sein kann, weil die nationale Grundlage eine andere ist. Es ist aber auch notwendig, eine reinliche Scheidung herheizuführen und über die wahren Verhältnisse innerhalb des Judentums Klarheit zu schaffen, wenn man eine dem wirklichen Wesen des Judentums gerecht werdende Lösung der deutschen Judenfrage zu erlangen hofft, was aber nur dann möglich ist, wenn sich die überwältigende Mehrheit des deutschen Judentums zu der religiösen Grundlage bekennt und allen Anfeindungen zum Trotz jener These von dem rcligiös-getavnten Volkstum, die im Zionismus eine weit-- ■ gehende Stütze findet, ein Nein! entgegensetzt. Dem Zionismus wird seine Beweisführung dadurch erleichtert, dal! man uns Juden ständig als Volk bezeichnet. Man macht sich dabei nur nicht klar, dal! im Sprachgebrauch jenem Worte - eine mannigfache Bedeutung zukommt. So spricht man von Arheitervolk, katholischem Volk, von Volk als Massenbezeiclmung genau so wie vom deutschen Volke. Daraus gellt aber deutlich hervor, dall dieser Begriff zunächst nichts anderes bedeutet, als eine Zahl von Menschen, die durch irgend ein gemeinsames Merkmal, sei es Beruf oder Religion, oder gerade durch ihre Merkmallosigkeit sich von den anderen unterscheiden. Linen Inhalt bekommt das Wort erst daun,' wenn mau nach dem Sinn fragt, der dieser unter dem Namen Volk ./usammeiigelallteu Gememschalt gestellt ist. Daun wird 111:111 bemerken, dal! die Bezeichnung Arbeitervolk sinnlos ist, «eil ihr keine besondere Aufgabe zukommt, da ja letzten Endes alle Menschen „Arbeiter" sind. Man «ird weiter feststeflcii, dal! der Ausdruck katholisches Volk dadurch seine ticterc Bedeutung erhält, dall mit ihm eine sinnerfüllte Gemeinschaft bezeichnet wird, der als Träger einer Gottesidee eine Aufgabe innerhalb der göttlichen Weltordmmg gestellt ist, die also übernationaler Natur ist, während das deutsche Volk usw. seine Erfüllung in sielt seihst als einem Teile der naturgegebenen Ordnung der Dinge sieht und in dieser nationalen Aufgabe seinen Teil an dem Fortschritt der Menschheit beizustcliern hat, und so erhebt sich von diesem Gesichtspunkt aus auch die zwingende Frage, was man unter dem Sinngehalt jener 'Gemeinschaft zu verstellen hat, die als jüdisches Volk bezeichnet wird. Es kann nicht bestritten werden, dal! im alten Palästina alle Voraussetzungen für die Entstehung eines nationalen Volkstums gegeben waren. Eine seßhafte Bevölkerung, ein reiches Land, diestete Auseinandersetzung mit einer "feindlichen Umwelt, alles das mußte einer nationalen Kultur förderlich sein. \V enu wir aber nach den Leheiisäulicrimgcii dieses Volkes frageit, so werden wir zu unserem Erstaunen feststeilen, daß uns im Gegensatz zu allen anderen Völkern der Aiitike davon so gut wie nichts überliefert ist, daß alles, was -wir wissen, um die religiöse Sphäre kreist. Das hängt aufs engste mit der Entstehung des Volkes Israel zusammen. Demi es ist nicht durch eine natürliche Entwicklung, die sich erst später die ihr adäquate Religionsform geschaffen hat, zum Volk geworden, sondern umgekehrt hat die Offenbarung am Sinai die völkische Gemeinschaft geschaffen; es ist Volk als Träger einer Gottesidee. Zum Staat wurde es aber, um diese ihm gegebene Lehre gegen eine heidnische, daher feindliche Umwelt verteidigen zu können, und Sieg oder Niederlage hing nicht von der jeweiligen Stärke der Gegner,-sondern stets davon ab, inwieweit _die Gqtteslehre n-i.«' und unverfälscht bewahrt worden ist. So ist die Bibel kein profanes, nationales Geschichtsbuch, wozu die Zionisten sie gern tunfälschen . möchten, sondern ein Religionsbticli. das uns am Beispiel dieses hierzu auserwählten Volkes das göttliche Wirken vor Augen . führen soll, und diese universale .Bedeutung der Heiligen Schrift ist es allein, die sie zur Grundlage der beiden anderen monotheistischen Religionen «erden läßt: Aber auch den Makkabäerkämpfen liegt keine „völkische" Erhebung' zugrunde. Es ist doch kein Zufall, daß «ir nicht die Erinnerung an de» nationalen Sieg feiern, sondern au die Wiedererrichtung des Tempels, womit die Erhaltung der Religion als das Wesentliche jenes Ereignisses .gekennzeichnet « ird, die bei einer Niederlage in dem religiösen Svnkrctismus des Hellenismus unaufhaltsam aufgegangen wäre, und die Behauptung erscheint nicht zu verwegen, daß durch die Tat der Makkabäer verhindert wordenist, dall die Welt, statt . christlich zu werden, int Heidentum stecken geblieben «äre, da ohne Judentum auch kein Christentum entstehen konnte. Weil aber das Volkstum seine Daseinsberechtigung nur durch die-Religion erhielt, deswegen mußte alles ausgemerzt werden, was der reinen Lehre Abbruch tun konnte, und es gibt keine Maßnahme, von der uns berichtet wird, die nationalen oder gar rassenhygienischen Überlegungen entsprungen wäre. Nicht eine Sünde an sich war es, Frauen aus anderen Völkern zu heiraten — dafür ist das Buch 'Ruth beredtes Beispiel —, sondern dann, «-enn dadurch die eingeselileppten Greuel die reine Gotteslehre entweihten. So findet aber das scheinbar so rätselhafte, dal! ein in alle Winde zerstreutes Volk die Jahrtausende überdauern konnte, «ährend nationale Kulturen entstanden und vergingen, seine natürliche Erklärung: das Judentum war auch in der Zeit seiner Seßhaftigkeit eine religiös-geistige Gemeinschaft, fiir die die nationale Form nur Mittel zum Zweck war, und diese Bindung im Religiösen «ar es, die das Fortbestehen ermöglichte, nachdem der leibliche Zusammenhalt unwiderruflich dahin war; es ist der Triumph des Geistes über die Materie. ' III. Ein Eimvand, der gemacht werden könnte, ist nun der, dal! auch das in alle Welt zerstreute Judentum nicht nur als Volk, sondern sogar als Nation bezeichnet wird. Tatsächlich entstammt diese Charakterisierung nicht dem Judentum selbst, sondern eine mißverstehende Umwelt hat cs mit diesem Ausdruck belegt. Dazu kommt, daß auch dieses Wort im Sprachgebrauch nicht eindeutiger Bedeutung ist, sondern einmal nur die Abstammung (natio - Geburt, Abstammung), dann aber auch das zum Staat gew ordene Volk bedeutet, eine Anw endung, die besonders im heutigen deutschen Sprachgebrauch üblich ist. Daß aber hierzu alle Voraussetzungen fehlen, wird beim besten Willen nicht bestritten werden können. Tatsächlich kann die Bezeichnung Nation nur aus der erstgenannten Bedeutung des Wortes verständen werden, und die Entstehung erklärt sich dann aus dem Spannungsverhältnis zwischen der katholischen Einheit der christlich-abendlandischen Welt und dem Judentum, das in ihr eine fest in sich geschlossene Gruppe, eine religiöse Kaste bildete, die sich infolge ihrer abweichenden Ritualien nicht in das übrige Weltbild einfügte. Auch das 'Zerbrechen jener abendländischen Einheit infolge des Aufkommens der echten Nationalstaaten und der durch die Reformation bedingten Glaubensspaltung änderte an diesem Zustand nichts, da der Grundsatz cuius regio, eins religio (wessen Gebiet, dessen Religion, d. h. die Religion des Herrschers bestimmt die Religion der Untertanen) eine Eingliederung unmöglich machte. . Immerhin war aber das Mißverhältnis zwischen den Ideen der Aufklärung und den tatsächlichen Verhältnissen so groß, daß, als die Ideen der französischen Revolution — nicht mit dem Schlagwort von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, sondern mit dem Durchbruch des weltlichen Staatsgedankens — die Emanzipation durchsetzte, Jüdische Haltung Zu einer der grandiosesten Veranstaltungen dieses Winters gestaltete sich der Berliner Gemeindeabend-an der Synagoge Prinzregentenstraße: mehr als dreieinhalbtausend Menschen füllten den Riesenraum bis auf den letzten Platz, und nicht berechnen läßt sich die Zahl derer, die mangels Einlaßkarte vor der Tür umkehreil mußten. Erlesene künstlerische Darbietungen, die den Abend durchzogen, versetzten die Hörer in gehobene, weihevolle Stimmung. Envin Jospe, der auch späterhin am Füigel die Sänger vollendet begleitete, begann den Ahend mit dein Orgelpräludium in D-moll von Mendelssohn. Dann sang Oberkantor Kart Ncummiu in wahrhaft virtuoser Weise die Arie aus dem Samson-Oratorium von Händel. — Nach ihm sprach Wilhelm Graetz vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde. Jüdische Haltung, so sagte er, sei heute eine Forderung der Gemeinde an ihre Mitglieder, eine Forderung auch der Umwelt — oder doch der in ihr bestehenden Verhältnisse — an die Juden. Alle Besinnung auf das Judentum aber ist religiöser Art; ohne Gott wären wir verloren in der chaotischen Welt. Darum sei jeder jüdische Parteistreit zu begraben; wenn «ir das allen jüdischen Richtungen zugrundeliegende religiöse Judentum neu entdecken, dann werden wir auch in unverminderter Liebe zu Deutschland fiir unseren Neuaufbau und für die Gleichberechtigung in tmserm Vaterlande arbeiten. — Tiefernste Bußgesänge von Beethoven füllten dann den Raum;Oherkantor Leo Gollanin, selber im Tiefsten. be«'egt, trug sie in seiner verhaltenen und zu Herzen gehenden Kunst vor. Dann sprach Dr. Kurl Fleischer, unser Freund und Vertreter in der Repräsentar.tenvcrsammlung. Ausgehend von zwei sehr ähnlich lautenden Aussprüchen Bismarcks und Gabriel Rießers zeigte er, wie sein wahrhaft jüdische und wahrhaft deutsche Haltung sich in 11ns jüdischen Deutschen vereinigen können und müssen. Makkabäer-Geist ist Heldengeist; er wird uns befähigen, uns unsere Zukunft hier wieder zu erringen, jüdisches Leben und jüdische Gemeinde nach den Grundsätzen zu erhalten, die Berliner Gemeindeabend in der Synagoge Prinzregentenstraße Alexander Kipnis singt diese sich in überraschend kurzer — vielleicht zu kurzer — Zeit vollzog. Daß aber das Spannungsverhältnis von den Zeitgenossen nur als religiöses - empfunden würde, beweist die Tatsache, daß es vor der Aufpeitschung der Leidenschaften durch die Kreuzzüge gär nicht bestand, daß die Juden offensichtlich, keinerlei Beschränkungen unterworfen waren, da wir sie in allen Berufen u. a. auch als Gärtner und Ackerbauer finden, und wenn in den Urkunden der jüdischen Gemeinden vor dem 13. Jahrhundert Proselyten erwähnt werden, so haben diese bestimmt nicht daran gedacht, mit dem religiösen Übertritt auch nun einer anderen Nation beizutreten, wie umgekehrt mit der Taufe jede Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft erlosch (soweit nicht als Zu-angstaufe sie innerlich nie anerkannt wurde). IV. Man kann in der Tat die Dinge drehen und wenden, «•ie man will, man wird stets zu der Erkenntnis kommen, dal! nur die religiöse Idee dem Judentum seine Existenzberechtigung gibt, dal) mit ihr unsere Gemeinschaft steht und fällt und daß unsere Symbole und Zeremonien, die das Judentum als positive Religion'nicht entbehren kann, lediglich religiöser Natur sind. Von diesem Standpunkt aus gesehen mul! der Zionismus mit seinen nationalen Ideen, die in der Schaffung eines Nationalstaates oder wenigstens Nationalheimes gipfeln, zu einet'unerträglichen materialistischen Auffassung des Judentums führen, weil das Primat der Religion national-weltlichen Tendenzen untergeordnet wird und man sich damit der heidnischen Auffassung von der völkischen Religion nähert. Wir erblicken aber die Aufgaben des Judentums iip übernationalen (nicht et«-a Internationalen, ein Unterschied wie zwischen Wasser und Feuer), in der Erfüllung des «ähren Menschentums, während wir im Nationalen zu den Völkern gehören, in deren Mitte wir weilen, und wir werden uns von dieser Auffassung auch dann nicht abbringen lassen, wenn eine Umwelt, durch gewisse Strömungen in unserer Mitte gestärkt, es nicht wahr haben will, sondern unsere Religion als Tarnung nationaler Strömungen betrachtet. In diesem Kampf um die Emanzipation, in den unsere Generation erneut gestellt ist und der eigentlich nie völlig abgerissen ist, gelten heutewie vor hundert Jahren die Argumente, mit denen Gabriel Rießer unseren Standpunkt begründet hat: „Daß das Judentum, ohne Boden, ohne Nationalität, ohne weltliche- Macht, ohne Rang und Bedeutung, ohne irdische-Stütze von irgend welcher Art, daß es unter Druck und Verfolgung und äußerer Schmach doch fortdauern konnte, das ist jenes nach unserer Anschauungsweise natürliche, nach der entgegengesefzten allerdings unauflöslich rätselhafte Wunder, durch welches sich das Judentum eben als cm geistiges Dasein bewährt hat. und als solches Achtung fordern darf. Die Kraft und der Stab Judas sind gebrochen seit Jahrtausenden, aber sein religiöses Denken und Empfinden hat sich als ein Unvergängliches-bewährt. Die Krone Davids ist ohne Rettung in den Staub getreten, aber die begeisterten Saiten der Harfe Davids tönen durch die Jahrhunderte, Gottvertrauen und Liebe und Mut in Gefahren und treue Hingebung in den Gemütern «eckend und erhaltend.“ (Besorgnisse und Hoffnungen fiir die künftige Stellung der Juden in Preußen 1S42. Gesammelte Schriften, Bd. 3, S..43S39, Frankfurt, Leipzig 1S0T.) , Die zionistische Lehre ist Menschemverk und -daher vergänglich, mit lins aber kämpfen die ewigen Offenbarungen jüdischen Geistes und jüdischer Gotteslehre. der Jahrhunderte alter. Tradition unserer deutschjüdischen Gemeinden entsprechen. — Alice Gcisenberg entführte die Hörer «-jeder in die Sphären, der Kunst; «ie verzaubert lauschte die Menge ihrer Arie aus Handels Elias-Oratorium. — Der letzte Redner «ar Gemeindevorsteher Jlnwo Word«. Wer die zwei Jahrzehnte seit 1914 miterlebt hat, so führte er aus, dem müsse es scheinen, als vollzöge sich ein Neubau der Welt. Auf jedem Gebiet ist unsere Epoche eine Zeit der Wandlung. Auch die Formen jüdischen Lebens mußten einen Umbruch erfahren, und dies erst setze uns richtig instand, jüdischer Haltung gemäß nach eigenem Urteil, nicht horchend auf das Urteil der Welt, Gottes Gebot im Lehen zu verwirklichen. Der von lins geforderte Heroismus «olle nicht nur Tat, er will auch Liebe. Wenn wir ziisammeiistelien, «erden wir uns erhalten undunsern Kindern eine neue Zukunft hauen. — Ausklang des Abends: Dvoraks biblische Gesänge, von Alexander Kipnis so zu Gehör gebracht, dal! lautlose Andacht in das Gotteshaus einzog. Dem Gemeindevorstand sei Dank ausgesprochen, daß er mit diesen Gemeiiideveranstaltuugcii Zusammenhalt, Hoffnung und Kraft in die Herzen aller Gemeindemitglieder pflanzt, denn jeder, der diesen Abend miterlebte, «-ar mit neuer Stärke und aktivem Lebensmut erfüllt. Das Wort „deutsch" im Firmennamen Eine Entscheidung der Berliner Handelskammer Unter der Überschrift „Kampf um die Firma" berichtete die „Berliner Morgenpost" vom 15. Februar: Darf sich ein Unternehmen einen- Firmennamen zulegen, in dem das Wort „deutsch“ vorkommt? Das ist eine alte Streitfrage, die jetzt durch eine Auseinandersetzung der Berliner Industrie- und Handelskammer mit einer Entscheidung des Kaminergerichtswieder neu aufgetaucht ist. Die Handelskammer war von jeher der Meinung, dal! das Wort „deutsch" im Firmennamen nur dann zulässig sei, wenn die Hervorhebung der deutschen Wesensart des Unternehmens dem Ausland gegenüber notu-endig ist. Das Kammergericht hat dagegen iii einer neuen Entscheidung diese Anschauung verneint, was — nach einer Darlegung der Handelskammer,— gleichbedeutend damit ist, daß sich jedes Unternehmen mit dem Firmenzusatz „deutsch" schmücken Die Handelskammer «eist nun darauf hin, daß sich dann Verwechslungen und Schwierigkeiten im Wettbewerb und im Verkehr ergeben könnten. Der Begriff „deutsche Firma" würde verwässert werden. Im Provinz-Ausschuß der Industrie- und Handelskammer wurde daher erklärt, daß mit einer Zulassung des Firmenzusatzes „deutsch“ die vom Amtsgericht Berlin eingeleitete Säuberungs-Aktion der Firmennamen in ihrem Erfolg gefährdet werden könnte. Das Wort „deutsch" im Firmennamen wäre nur in Ausnahmefällen am Platze, nämlich1 dann, wenn ein Interesse der Allgemeinheit an der Aufrechterhaltung der bisherigen Firma mit dem Zusatz „deutsch" zu bejahen ist. Kindergarten und Ariergrundsatz Das Landesjugendamt und Jugendamt Hamburg teilte den jüdischen Kindergärtnerinnen (Besitzerinnen von Kindergärten usw.) mit, daß ihnen nach den bestehenden Vorschriften, wonach die Erziehung und Pflege arischer Kinder nur durcii Arier geschehen darf, die Erziehung und Pflege arischer Kinder untersagt wird. Bis, zum 31. März 1934müssen die arischen Kinder aus diesen Kindergärten ausgeschieden sein.