Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 17 (27.2.1934)
- Date
- 1934-02-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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14. Jahrgang Nummer 17 tföiftjl'libetale 5eUuit0 Beilage . 27. Februar 1934 Ein neuer Gesichtspunkt ■ ■ v 0 ,lcin Steril um die Bewertung der „Akedah", der Eczuldung van „Isaaks Jcssciimg" haben wir in der letzten /.eit mehrere Aufsätze veröffentlicht. Oer nachfolgende Aufsatz bringt zu diesem an sieh schon außer gewöhnlich bedeutsamen Thema so neuartige Betrachtungen, daß die Veröffentlichung uns ganz unerläßlich erschien. » Rabbiner Gustav Cohn und Justizrat Dr. Wittclshöfer ballen dieses Thema liier /war schon ausgiebig erörtert, es ist aber dazu doch, wohl noch einiges zn sagen, was gerade von jüdischer Seite gesagt werden acilte. ' Vor allein muH mau sich klar darüber seiftVas eigentlich von nichtjüdischer Seite au der bekanntet] 'JjP/iihlung im 1. Bliche Mosis . Kap. ’22 als Angriffspunkt^ ''fesehen wird. Uas ist natürlich nicht etwa die Opferungl|Saks; denn er wird ja gar nicht geopfert; es ist überhaupTMiifcht so sehr das Verhalten Abrahams als die in der Erzählung zum Ausdruck kommende Gottes-Auffassung, die als undeutsch, als deutschem Empfinden widersprechend bezeichnet worden ist. Wenn die Berechtigung eines solchen Vorwurfs geprüft werden soll, so hat man sich vor allen Dingen streng an das zu halten, was im 1. Buche Mose Kap." 22 steht. Alles, was später von irgend jemand' dazu gesagt oder darüber geschrieben, was ausgelegt und hineingelegt worden ist, spielt keine Rolle. Vor allem interessiert es auch die Angreifer nicht, denen man gewill nicht übelnehmen kann, wenn sie sich an das halten, was in der Bibel steht. Der Text der Erzählung ist ganz klar und eindeutig. Gott will den Abraham „versuche n‘‘. Das wird sofort betont, und es wäre überhaupt besser, die ganze Geschichte' nicht Isaaks Opferung, sondern. Abrahams Versuchung zu nennen. Worin besteht die Versuchung? Gott befiehlt dem Abraham, seinen einzigen Sohn Isaak, den er, wie besonders festgestellt wird, liebt, zu opfern. Abraham gehorcht ohne jedes Zögern, macht sich auf den Weg zur Opferstätte, lädt auf der letzten Wegstrecke Isaak selbst das Opferholz tragen, gibt dem Knaben, um ihn nicht vorzeitig zu ängstigen, auf dessen verwunderte Frage nach dem Opfertier eine ausweichende Antwort, baut an Ort. und-Stelle den Altar, bindet den Sohn darauf fest,, „und Abraham streckte seine Hand aus und nahm das Messer, tu sc-hlachten seinen Sohn“. (Vers 10.) Da erst greift der Engel des Herrn ein und spricht: „Strecke Deine Hand nicht nach dem Knaben aus und lue ihm nicht das Geringste; denn nuit weill ich, daß Du gottesfürehtig bist, da Du nicht Deinen Sohn, Deinen Einzigen, mir verweigert has-t (Vers 12).“; Und weiter heißt es (Vers 16/17): „Bei mir hab ich geschworen, ist des Ewigen Spruch, daß, weil Du diese Sache vo 11 f ii U r t und' Deinen Sohn, Deinen Einzigen, nicht verweigert hast, daß ich Dich segnen werde und vermehren Deinen Samen wie die Sterne des Himmels...“ Das ist gewiß klar und eindeutig. Jede Auslegung, die; den Schwerpunkt von Abrahams Tat auf die Unterlassung der Opferung verschieben will, tut dem klaren Wortlaut Gewalt an. Abraham wird n i c h t gesegnet, Weil er sieh weigert, Isaak zu opfern, er wird nicht belohnt, weiter von selbst zu der Einsicht gekommen wäre, daß Gott diese Opferung nicht will, sondern er wird belohnt, weil er. bereit war, den einzigen Sohn, den er liebt' tatsächlich zu'opfern, weil er gehorsam gewesen ist, selbst da, wo übermenschliches an Gehorsam von ihm verlangt'wurde, ln der Bibel bestellt die „Versuchung“ Abrahams. zweifellos nicht etwa darin, daß ihn eine eigene irreführende innere Stimme verleiten will, Isaak zu opfern, sondern darin, daß sein Vaterherz versucht sein könnte, gegen einen so unerhörten göttlichen Befehl 'zu rebellieren. In dem Augenblick, da Abraham das Messer hebt, nicht, da er es sinken lallt, hat er die furchtbare Probe. bestanden. ' Ob der Verfasser der Erzählung an eine Wirkung seiner Darstellung auf etwaige menschenopfernde umwohnende Heiden gedacht hat, sei dahingestellt. Unmöglich ist es nicht, aber der Wortlaut der Bibel enthält nicht einmal eine Andeutung davon. Von anderen Leuten, die etwa ihre Kinder opfern, ist in dem ganzen Kapitel keine Rede. Wenn wir mm au Hand des tatsächlichen Wortlauts die Erzählung auf ihren s i 111 i c h em G e Ii a 11 prüfen, so kann zwar kein Zweifel sein, daß das Positive überwiegt, aher es liegt doch auch einiges darin, worüber man zum mindesten streiten kann. Es fällt zunächst auf, daß Abraham so gar keinen Versuch macht, das Leben seines Sohnes zu retten. Er hat doch den Mut. gehabt, Gott für die Sünder von Sodom und Gomorrha zu bitten, die ihn weniger nah angingen als sein eigenes Kind. Dieses unbedingte, prompte Gehorchen wirkt doch etwas peinlich, aber schließlich ist ein Mensch, der dem Befehl .Gottes gehörcht, i m m e r entschuldigt. Ist auch der entschuldigt, der den Befehl ■gibt’ Wir Menschen sollen bekanntlich „Gott nicht versuchen“. Entspricht ein Gott, der. den Menschen bewußt in Versuchung führt, der einen Vater in den furchtbarsten seelischen Konflikt bringt, so ganz einer wahrhaft idealen Gottes-Auffassung? Die Stimmen aus jüdischen Kreisen, über die Rabbiner Gustav -Cohn berichtet, scheinen das doch auch zu bezweifeln, und ich. möchte ganz energisch bestreiten, daß idazu erst eine Beeinflussung von außen, durch Feinde des (Alten Testaments, nötig gewesen sei. Diese Empfindung ist Keineswegs unjüdisch,. sondern sie beruht,auf Gefühlen, die lern guten Juden wie dem guten Christen, dem Arier wie lern SWniten der heutigen. Zeit gemeinsam sind. Ja, auch der Verfasser des 1. Buches Mose hat etwas von dieser Empindung gespürt, ganz wohl ist ihm bei der Geschichte nicht eweseir denn nicht umsonst ist in. diesem Kapitel der Name aras nicht erwähnt. Gegenüber einer Mutter Ware die gottche Forderung denn doch von vornherein allzu fürchterlich rschienen. Die Geschichte der „Opferung“ Iphigeniens bildet ich hier ein interessantes Seitenstück zu der biblischen Darellung. Klytämnestra rächt an Agamemnon, was sie an der Lhuldigen Gottheit nicht rächen kann. Wie hätte der ohne inen Sohn zurückkehrende Abraham vor die Auge» seines ».eibes treten sollen? Die ganze Problematik der Situation wird sofort offener, wenn wir uns vorstellen, Abraham hätte dem göttlichen “fehl tatsächlich den Gehorsam verweigert. Hatte der Bellende daraufhin vielleicht den bereits vor Isaaks Geburt Von Dr. Richard Sternfel rhemerkung der Schrift / II II fr Auf neuen Wegen Zur Berufsumschichtung der Frauen Von Etly Noch weiß mau natürlich sehr wenig über die praktischen 'Auswirkungen einer Berufsumstelliing, wie sie für so . , viele unserer Glaubensgenossen, notwendig geworden . ist. Doch, in anderer’ Hinsicht . sind Beobachtungen zuregistricren, die tiefen Einblick in die Wesensart jüdischer tc*iischc:l von heute gewähren, ans denen richtunggebende Schlüsse gezogen werden können. Es zeigt sich insbesondere eine auftallende ideologische Angleichimg der deutschen Juden und ihrer christlichen Kollegen innerhalb bestimmter Bernfskategorieu. Gleichartige Gedankengänge sind allerdings nicht verwunderlich hei Atenschen, die gleiche Erziehung erhielten, und die., die gleichen Kulturgüter besitzen, ganz, abgesehen von der typisierenden Auswirkung durch die jahrelange Gemeinsamkeit in der Arbeit. So findet man jetzt auch häufig bei jüdischen Beamten und älteren Angestellten jene als „Verheanitung“ zu bezeichnende Einstellung, die das charakteristische Merkmal nahezu aller Personen ist, die sich lange Zeit in scheinbar gesicherter Stellung befanden. In unseren Berufsheratungsstellen kann man diese lieobaehtung in stärkstem Ausmaß bestätigt finden. „Mir ist es selbst auch so ergangen, als ich meine Stellung verloren hatte“, sagte mir eine ehemalige Gewerkschaftsbcamtin, „ich konnte es zuerst gar nicht fassen, daß ich auf einmal mein bestimmtes Einkommen verloren hatte . ich kam mir vor, als ob ich .nun für immer frierend draußen auf der Straße bleiben müsse, ohne jeden Schutz vor Hunger und Kälte.“ Auf der Berufsberatungsstelle konnte ich mich von der Wahrheit dieser Beobachtung überzeugen. Da kam, während ich dort war, eine ältere Behörden-Angestellte. Abgebaut. Natürlich wollte sie wieder arbeiten. „Ganz gleich, was — nur wieder in die Arbeit zurück!“ Aber was ihr auch vorgeschlagen wurde, wies sie ab. „Ich — ein kleines .Geschäft anfangen — einen Mittagstisch einrichten? — nein — unmöglich. Wer kann mir dafür garantieren, daß die Sache geht?“ „Aber versuchen Sie es doch wenigstens, gerade Ihnen würde sich hier eine gute Chance bieten . . — Nein, sie will lieber auf eine ausgezeichnete Chance verzichten, wenn sie dagegen auch nur die leiseste Sicherheit eiutauschen könnte. „Die kleinste feste Stellung mit einem ganz bescheidenen Gehalt ist mir lieber.“ '— Das hört man immer aufs neue von den abgebauten Beamten und lAngestellten: nur wieder einen festen Posten mit einem, wenn auch noch so geringen regelmäßigen Einkommen. Sie wollen von einer aussichtsreichen, .aber nicht hundertprozentig sicheren Verdienstmöglichkeit nichts wissen . . . mir Sicherheit! — die typische Denkweise des verbeamteten Menschen. Mit Männern ist da noch weniger anzufangen als mit Frauen. -feierlich geschlossenen Bund widerrufen sollen, weii er mit einem „Unwürdigen“ geschlossen war? Oder hätte er den Ungehorsam einfach in Kauf nehmen sollen? Das eine ist so absurd'wie das andere. ■ - . .. . . . . .. Wir wollen die Sache doch einfach ganz unbefangen nehmen, wie sie liegt. Der Verfasser des I. Buches Mose oder des betreffenden Kapitels hat offenbar die Absicht gehabt, in seiner Erzählung einen drastischen Beweis für Abrahams Gottergebenheit zu liefern und damit die Berechtigung des bereits geschlossenen Bundes der Verheißung nochmals nachdrücklichst zu unterstreichen. Er hat sich aber bei dieser löblichen Absicht doch etwas in der Wahl der Mittel vergriffen und Gott ein Verhalten, unterstellt, das heute, gut 3000 Jahre später, Juden wie Nichtjuden, Deutschen wie Franzosen, Italienern wie Amerikanern, überhaupt jedem, der .ein feineres religiöses Empfinden besitzt, nicht restlos gefällt. Es hat ja, wie wir gesehen haben, ihm selbst, dem Verfasser, auch nicht restlos gefallen. Nun, und was weiter? Sind wir etwa verpflichtet, uns für jede irgendwo im Alten ■Testament vertretene Anschauung verantwortlich zu fühlen oder sind wir gar .an jede solche Anschauung gebunden? Da gibt es denn doch Auffassungen im Alten Testament, die, wenn man sie lediglich vom moralischen Standpunkt aus betrachtet, noch viel bedenklicher erscheinen als gerade die Versuchung Abrahams. Man denke einmal an die Gottes- Auffassung im Buche Hiob, wo Gott dem Satan Vollmacht, gibt, seinen getreuesten Knecht bis zur Verzweiflung zu peinigen. Und doch hat dieses Kapitel des Buches Hiob den größten Dichter des deutschen Volkes so unwiderstehlich Ungezogen, daß.er im größten Werke der deutschen Literatur eben dieses Kapitel des Alten Testamentes in genialster Weise kopiert hat. Das sollte denen zu denken igeben, die da glauben, der deutsche Christ fühle in diesen Dingen anders als der deutsche Jude. Wir aber wollen offen und ehrlich zugeben, daß irgend einer unserer Vorfahren vor dreieinhalb Jahrtausenden eine Vorstellung von Gott gehabt haben kann, die nicht der entspricht, an der das Judentum späterer Jahrhunderte sein Bjjd von Gott, und der folgend wir unser Bild von Gott formen. Wer auf Grund dieser Tatsache uns, den heutigen Juden, einen Vorwurf machen will, der mag uns das bessere Buch zeigen, das seine Vorfahren in der gleichen Epoche geschrieben haben. - - > Zu dem vorstehenden Aufsatz wird uns von besonderer Seite geschrieben: Man sollte am besten die trage, ob man die Akedah- Erzählung in den l Inlerriclil ein fügen soll und wie, gar nicht als trage grundsätzlicher Erwägung, sondern als eine des Taktes betrachten, den der Unterrichtende zu bewähren hat. Es maß seine Kunst sein, es von Anfang an herauszuarbeiten, daß eine Prüfung gedacht war, daß Gott nie ein solches Opfer in Wirklichkeit gef ordnet hat und fordern konnte, weit cs dem Wesen Gottes widersprochen hätte. Zugleich aber muß herausgearbeitet werden, daß Gott an Abraham solch eine Prüfung vornehmen konnte, weile er dessen sicher war, daß er sie bestehen wird, daß er nicht au/begehren würde. Daß also (Ter ganze Hergang ein Mittel Gottes war, um Abraham in seinem Bewußtsein der Gottverbundenhvit zu kräftigen. Man - entfernt ■ sich damit nicht, von der Linie der Alten. Sie betonten oft mit Nachdruck den Satz: „Gott prüft den Tram men“, den Frommen; denn nur ihm ist zuzutrauen, daß er die Prüfung besteht, ist eigentlich schon gegenüber den Stinunen, die heute die Entfernung der Erzählung aus dem Unterricht verlangen, darauf gebührend hingewiesen, daß im Kriege grad auf diese Erzählung von allen Kanzeln, nicht nur den der Synagogen, die Forderung gestützt wurde, daß man willig und freudig sein ’ Kind dem Vaterlande geben maß, wenn anders man nicht die Bibel verleugnen wolle? Hirschfeld _ — f rauen Stelien sich überhaupt schneller mul leichter um; ■s. .sil1! bei ihnen auch mehr Ansatzpunkte, weil sie wirklichkeitsnaher als der '.Mann 'sind. Die meisten können docli[.nahen und kochen, viele besitzen besondere llandgeschicklielikeit, hier-kann mau dann einhaken. Da ist'beispielsweise I ran. V. verwitwet, Ostjiidin, .Mutter yon fünf Kindern. Ihr kleines Geschäft geht nicht mehr recht; sie hat aber Unternehmungsgeist, t rau X., resolut, ini sogenannten „besten Alter“, ist durchaus zuversichtlich.. „Wissen Sie ich kann ausgezeichnet backen, lind diese Fertigkeit soll mir zu, einer neuen Existenz verhelfen. Jetzt arbeite ich als Volon- {•.lrln he' (sie nannte den Namen einer.berühmten Berliner Kouditoiei) . . um noch alle Finessen kennen zu lernen, leb werde meine Kinder schon durclihrnigeu.“ Auch diese Beobachtung ist bemerkenswert: die Östjtidcn stellen sich scluieMcr und leichter um als die deutschen Juden. Kein Zweifel, sie sind noch natiirnälier, sie sind gewohnt, sich mit dem Leben licnrinztisclilageii und sie sind -- im Gegensatz zum deutschen Juden -• von jeder verbcaintctrn Lebensauffassung frei. Der Handel ist traditionsgemäß ihr Element, und sie ziehen die unsichere Chance hei weitem der „kleinen .Sicherheit" vor. .„Die, Art, wie Frau X. sieh umstellt, ist die richtige", sagt die Beamtin. „Wir empfehlen' jedem, in einem Betrieb zu lernen. Einmal der Gründlichkeit wegen, daun aber auch, um möglichst schon im Beriifsuiilicu zu (eben. Eine derartige Ausbildung in der Praxis ist den Schulungskursen stets vor-, zuzielum. Auch deshalb, weil sich weit eher dadurch eine' Verbindung mit Gleichgesinnten'ergiht, die meist von Vorteil ist." .. Deshalb wird Frau G., die die Milch- und Käscbereitung' erlernen will,- um im Auslande als Meisterin zu arbeiten, .zunächst in einer hiesigen Großmeierei tätig seilt. Dort zeigt man ihr glicht nur die nötigen- Handgriffe, sondern sie erwirbt sich auch Kenntnisse in der industriellen Verwertung von Meierei-Produkten. Hier gilt nur die Praxis; theoretisch kann man derlei nicht erlernen. Um rationelle Früchteverwertung und Marmeladenlierstellung später selbst betreiben zu können, wird Frl. P. in einer Konservenfabrik arbeiten. Sie hat die Möglichkeit, auszuwandern und in der Orangen-Plantage eines Verwandten tätig zu sein, und sie ist. der sehr vernünftigen Ansicht, daß cs auch dazu gründlicher Vorbereitung bedarf. Aus dem bisher geübten Beruf ergibt sich oftmals schon der Übergang zu einem anderen. So ist es naheliegend, daß eine abgebaute technische Assistentin ihr Spczialwissen in der Elektrotechnik weiterhin zu verwerten sucht. Sie richtet sich auf elektrische Hausapparäte ein, vervollständigt ihre elektrotechnischen Kenntnisse und erlernt noch Feinmechanik dazu. Man begegnet aber auch Menschen anderer Art in der Beratungsstelle. In manchen Menschenköpfen malen sich eben die Welt und das Leben reichlich verworren, und diesem unklaren Abbild der Wirklichkeit entsprechen'die Wünsche, die sich auf den Beruf erstrecken. Dawill also dar junge Atädchen, das jetzt erscheint, gern einen neuen Beruf erlernen. „Für mich kommt aber nur. dreierlei in. Frage“, erklärt sie: „Bluinenbinderei, Mützenmachern oder Damenputz. Alles andere interessiert mich nicht.“ . Schwierig ist auch die Frage der Umschichtung für gebildete ältere Frauen, die noch keinen Erwerbsberuf betrieben haben. Sie verstehen meist nur Haushaltführung, und zwar die Leitung der eigenen Wirtschaft, unter eigener Verantwortung. Die ungünstig gewordenen Verhältnisse zwingen sie, ans Geldverdienen zu »lenken, und sie haben sicheriich den besten Vorsatz, ihr Leben auf der notwendig gewordenen neuen Basis ciiizurichtcii, aber sic wurzeln zumeist noch in einer vergangenen Zeit. Längst abgelegte Begriffs-Requisiten, wie „standesgemäß“, spielen noch cinc-Rollc bei dieser Art von Berufs-Anwärterinnen. Deshalb ist der Andrang zu einigen wenigen als „standesgemäß" geltenden Erwerbsarten sehr groß. „Diätküche“ uiitl „Kosmetik" stehen in der Bewertung am höchsten, schon deshalb, weil sic nicht nur für Auswaiidernde, sondern auch für hier verbleibende Frauen in Frage # kommen. Wenn maii darin aber etwas erreichen will, muß man gründlich geschult sein,'womöglich noch eine Spezialität ausiihen körnien, daun aher auch jede Arheit tun, die erforderlich ist und die — vor allem — Aussicht auf Erfolg hat. So bietet z. B. die sachgemäß ausgeführte Fußpflege mehr Chancen als der überlaufene Beruf »ler Maniküre. Doch kaum eine dieser Frauen will sich dazu verstehen, Fußpflege zu betreiben.—Man findet sie nicht „standesgemäß“. Auch die Heilmassage bietet noch einige Aussichten, jedoch nur für Mcusyheu, die iiher-genügende .Körperkräfte mul Geschicklichkeit verfügen -• ältere, der Körperarhcit ungewohnte Personen werden da versagen. - Die verhältnismäßig kurze Zeit der Umschichtungspraxis hat doch schon einige Erfahrung gezeitigt, die zu beachten Ist. Einmal ist der neue Beruf möglichst so zu wählen,-daß vorhandene Fähigkeiten liilil Fertigkeiten dahei ausgenützt werden körnien; ferner ist gründliche Schulung in der Praxis, auch wenn sie Zeit beansprucht, durchaus erforderlich. Endlich kommt Umschichtung nicht nur Jur die Auswandernden, sondern auch für diejenigen in Frage, die hier verbleiben, uie jedoch in. ihrem ehemaligen Beruf keine Arheitsmögliehkeit - mehr haben. Jede Arheit, ganz gleich, worin sie besteht und wo sie ausgeübt wird, kann aber nur dann Früchte tragen, wenn man mit Ernst und Eifer an sie herangeht — auch und gerade hier bei uns,'in Deutschland. Jüdische Ärzte und Mittelstandskassen Von ärztlicher Seite wird der J. T. A. milgeteilH In der jüdischen Bevölkerung ist stellenweise Beunruhigung entstanden, weil eine Mittclstandskasse die zukünftige Vergütung auf Rechnungen gewisser jüdischer Ärzte (Nichtfrontkämpfer) durch Aushang und Briefe abgelehnt hat. Inzwischen haben die betreffenden Kassen selbst diese Handhabung korrigiert und authentisch mitgeteilt, daß die jüdischen Kranken in jedem Falle jeden Arzt ihres Vertrauens aufsuchen dürfen. Es werden ihnen auch in Zukunft anstandslos die zustehenden Sätze auf die Rechnungen aller jüdischen Ärzte — unabhängig von' deren Kriegsteilnahme — gezahlt. Etwaige widersprechende Bescheide haben damit ihre Gültigkeit verloren.