Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 15 (20.2.1934)
- Date
- 1934-02-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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nationalen .Minoritätenrechten für ein wirksames Mittel gegen den Antisemitismus zu halten. Ganz im Gegenteil gilt es, zu erkennen, dall durch die Etablierung nationaler Minderheiten das Anderssein noch besonders unterstrichen und betont wird IJas ist keine Behauptung, das ist Tatsache, die bewiesen werden kann. Und der Beweis ist um so schlüssiger, als er durch Vorgänge in einem ausgesprochenen Nationalitätenstaat, in Polen nämlich, erbracht worden ist. Vor wenigen .Tagen hat im polnischen Sejm der nationaldemokratische Abgeordnete Bielecki die Aussprache über den Etat des Innenministeriums, dazu benutzt,'um, wie die ITA unter dem 12. Februar aus Warschau meldet, eine „hallerfüllte Hetzrede“ gegen die deutsche und insbesondere die jüdische Minderheit in Polen zu halten, liie ITA berichtet darüber: ' Der Abgeordnete machte der Regierung zum Vorwurf, dall sie die Juden. besser behandele als die Polen. Die Juden würden von ihr favorisiert. Man löse nationale Festversammlungen auf,-während die jüdischen und die deutschen Organisationen sich ungestört cntwickeln_ könnten. Dieselbe unterschiedliche Behandlung sei nischer bzw. jüdischer Mrallcnkinidgehungt ■ Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen AbgugjJuete, die judenfeindtichen .Ausschreitungen seien nicht i künstlich hervorgerufen, sondern der spontane Ausdruck der Massenstimmuiig. Man müsse die Ursachen dieser Vorkommnisse, beseitigen, und dies könne nur dadurch geschehen, dall die zu hohe Zahl der Juden in Polen verringert werde Persönlich könne er sogar Mitgefühl für die Juden in ihrer schlimmen Lage empfinden, es könne aber nicht zugclassen werden, dall die Juden der ganzen Welt sich in Polen konzentrieren. Ein Teil der Juden müsse Polen ...1 Falle pol- 1 festzustellen, behauptete der i Pilsudski-Keg renges Regim dn.^. r. Anefiil,Hinnen widersprochen worden. So soll zunächst der Vizcn.arschall des Sejm, J'oliakiewiez, den Nationaldemokraten 'zugerufen haben: „Der bei Euch angehäufte Hall macht jede Aussprache mit Euch unmöglich. Darin liegt der wahre Unterschied zwischen uns und Euch: Ihr habt den Weg des Hasses gewählt und wir den der Liebe zu Staat und Volk.“ Noch einige andere Redner widersprachen dem nationaldemokratischen Abgeordneten, und schließlich ergriff der Innenminister Pieracki das Wort zu einer Erklärung, in derer sich gegen Rassen- und Natiojjalitütciikampf äussprach und die Auffassung der polnischen „Regierung' dahin präzisierte, dall Rassentheorie und überspitzter Nationalismus weder gegenüber anderen, aullerpolnischen Völkern, noch, innerhalb Polens, gegenüber den nationalen Minderheiten Platz, greifen dürfe. Die ganze Debatte und die Tatsache, daß'sie überhaupt möglich war, zeigt jedoch, daß das llekennlitis zur eigenen Art, so sehr dieses Bekenntnis auch von den bewußten Religions- und -Emanzipationsjuden bejaht werden Wird, kein Sdrutz gegen den Antisemitismus ist, nicht einmal daun, wenn " es in seiner extremstem Form, in der einer autonomen Minderheitsnationalitat, auftritt, und nitht einmal in einem ausgesprochenen Nationalitätenstaat, denn auch in Polen empfindet, wie diese ganze Sejm-Debatte zeigt, die eigentliche Landesnationalität das Vorhandensein von Minderheitsnationalitäten als fremd und störend, spricht von einem ungebührlichen'-Einfluß und wehrt. sich gegen ihn. Die Juden in Österreich und in Deutschland können daraus lernen, wie sehr sie sich gerade in diesen, kritischen Zeitläuften vor falschen Parolen luiten müssen, da auch das „Bekenntnis zur eigenen ändert. träges, den Hans Klee, der Sohn des bekannten zionistischen Berliner Gemeindeführers Dr. Alfred Klee, in Basel gehalten hat, gibt die Baseler „Nationalzeitung“, Nr. 58 vom 5. Februar dieses Jahres, unter der Überschrift „Jüdische Neuorientierung“ eine Darstellung des Zionismus. Sie schreibt: „Theodor HerzI, der Begründer des politischen Zionismus, lehrte: die Juden sind ein Volk ohne Land; die ludenfrage ist nicht eine konfessionelle, sondern eine nationale Frage. . . Die Ereignisse im Dritten Reich haben die Richtigkeit der Herzischen Diagnose und Therapie zweifellos bestätigt. Als Nationalisten stehen die Anhänger Herzls dem deutschen Nationalismus ohne Ressentiment gegenüber, und auch das Auflodern des Antisemitismus ist ihnen ein Anlaß mehr, nationale Selbstbesinnung zu üben und den Wiederaufbau des jüdischen Staates zu beschleunigen.“ Es ist klar, dall der nichtjüdische schweizerische Leser eine derartige Darstellung nicht nur auf die deutschen, sondern auf alle, auch auf die schweizerischen Juden bezieht, und wenn er in dem Bericht, liest, dall der Redner gesagt hat: „Ihre Mission können die Juden am besten erfüllen, indem sie ihr eigenes Land aufhauen und ihren nationalen Genius so wird der schweizerische Leser daraus nur entnehmen, dall seine jüdischen Mitbürger der schweizerischen Nation nicht angehören, dall nicht die Schweiz, sondern Palästina das Land der schweizerischen und aller Juden ist. Das Unheilvolle dieser zionistischen Emigranten-Propagaiida kommt jetzt auch den verantwortlichen Führer der eingesessenen Schweizer Judenschaft zum Bewußtsein, sie wenden sich mit Energie gegen das sie . fremdmachende und gefährdende Nationaljudentum, wie z. B. ein Vorgang in der Baseler jüdischen Gemeinde deutlich zeigt. Wir lesen darüber das folgende: Zürich, II. Februar (J.T.A.). Wie der JTA aus Basel gemeldet wird, ist in der dortigen Israelitischen Gemeinde anläßlich eines Antrages der zionistischen Vorstandsmitglieder auf Subventionierung des Keren Hajessod ein ernster Konflikt ausgebrochen. Der Antrag wurde in der letzten Vorstandssitzung mit 4 gegen 4 Stimmen abgelehnt, wobei die .Stimme des Gemeindepräsidenten, des Herrn Jules Drevfus- Brodsky, den Ausschlag gab. Die zionistischen Mitglieder des Gemeindevorstandes haben für die am 4. März, stattfindende allgemeine Gemeindeversammlung ein Minoritätsvotum angekimdigt. Die Ablehnung der Keren Hajessöd- Subvenfion durch die Basler Gemeinde hat unter den zumal der Präsident der Basler Gemeinde Vertreter der Schweiz in der Jewisli Agency ist. Wo aber, so wird der Leser fragen, liegt die Möglichkeit zu wirksamer Abwehr des Antisemitismus oder, positiv ausgedrückt, zu jüdischer Selbstbehauptung? Das- Nationaljudentum —■ ob es mm in der Form des Zionismus sich der Utopie hingibt, einen Judenstaat in (dem immer noch: arabischen) Palästina zu bauen, oder ob es sich im „Galuth“ von den Völkern absondert und fremd macht — ist ein Irrweg, und die Emanzipation scheint gescheitert. Nun: der gläubige Jude weiß hierauf die Antwort. Zunächst ist die Emanzipation keineswegs überall gescheitert;-in vielen und großen Ländern besteht sie unerschüttert und wurzelt fest im Bewußtsein auch der nichtjüdischen Volksteile großer Nationen, so daß man von ihrem prinzipiellen Versagen nicht sprechen darf. Aber weiter: wie wir nicht nur nach den Verhältnissen in einem Staate urteilen, so auch nicht nach denen einer Zeit. Auch die Emanzipation ist keine „Patentlösung“, und immer wieder wird sie Rückschläge erleiden. Aber ihre Ideen sind ewig, und wie in einer Anzahl autoritär regierter Staaten die Emanzipation nie angetastet worden ist, so kann sie auch invalideren Ländern ähnlicher Regierungsform sich durchsetzen, ohne daß das autoritäre Regierungsprinzip selbst im geringsten. nur durchbrochen wird Die religiöse Hoffnung, daß der Mensch, und also auch der Jude, nach seinem persönlichen Wert und Leistung beurteilt werde, ist vereinbar mit jeder Staatsform, und unser ganzes [lolitisches Emanzipationsstreben ist deshalb auch in keiner Weise als Einmischung in die Frage nach Regierung und Staatsform aufzufassen; es ist die reale Seite unserer religiösen Hoffnung, unseres Messiasglaubens. Und es zeigt sich, daß jedes Volk da, wo es in die Minderheit oder in die Position des -Schwachen gerät, diese gleiche Hoffnung hat. Dem aufmerksamen Leser wird es aufgefallen sein', daß die Ausfälle des nationaldemokratischen Abgeordneten im polnischen Sejm sich gleicherweise gegen die deutsche wie gegen die jüdische Minorität in Polen richtete. Und oft genug ist von jüdischer Seite darauf hingewiesen worden, wie sehr die Argumente, mit denen gewisse deutschfeindliche Kreise des Auslands gegen Deutschland und Deutschtum hetzen, den Vorwürfen ähnlich sind, die der Antisemitismus gegen die Juden erhebt —: man denke an die gesamte deutschfeindliche . Literatur während des Weltkrieges. Deshalb ist es so, daß, wer die deutschfeindlichen Bewegungen im Auslande bekämpft, gleichzeitig, zumindest unbewußt, unsere Abwehr gegen den Antisemitismus rechtfertigt. Und die .Einheitlichkeit der Judenfrage, von der oben gesprochen wurde, besteht darin, daß der-Antisemitismus lediglich eine besondere Form der jedem Psychologen bekannten allgemein menschlichen Gruppenfeindschaft ist. Je weniger also die Juden durch Absonderung Anlaß zu solcher Gruppenfeindschaft geben, je mehr „sie es verstehen, durch'berufliche und kulturelle Einordnung in allen Schichten ihres Heimatvolkes Wurzel zu fassen, desto eher werden sie Aussicht haben, nicht als. Fremde und Andere, sondern als_Landsleute und Heimatberechtigte erkannt zu werden. Immer bleiben wird, da wir, rein zahlenmäßig,' eine religiöse Minderheit sind, eine gewisse Stammesbesonderheit. Immer bleiben wird ferner das religiöse Anderssein. Aber gerade in ihm liegt unser kulturgeschichtlicher, unser ewiger Auftrag. Denn dieses Andersse/n der Religion nach ist dazu bestimmt, die Welt anders zu machen. Erst wenn die Welt sich so weit selbst überwindet, daß mit allen menschlichen Schwächen auch die Gruppenfeindschaft schwindet, erst dann wird die Judenfrage gelöst -sein. Bis dahin tragen wir unser Schicksal. Wer um den Sinn dieses Schicksals weiß, trägt es mit Stolz, in ungebrochener, freudiger Kraft. Denn ihm ward jener köstlichste Besitz zuteil, durch den erst wühres Menschentum sich vollendet: daß der Mensch wisse, wofür er lebt. , , Die Lage in Österreich Jüdisches Leben und Eigentum nicht gefährdet Es kommt hinzu, daß eine jüdische Minderheit bl jedem Lande noch eine andere Beurteilung finden würde als jede andere Minderheit. Denn wahrend zum Beispiel jedermann weiß, daß die deutsche Minderheit in Litauen nichts mit derjenigen in der Tschechoslowakei zu tun hat, stehen wir Juden bekanntlich allerorten unter dem Verdacht, eine einheitliche Gruppe zu sein, die sich unrechtmäßig in die anderen Völker Völker und Länder eingcdräugt habe. Diese Meinung findet neuerdings wieder Nahrung dadurch, daß die Juden vieler ' Ländejetzt zum Wandern gezwungen sind. Unter den vielen "Gründen, die die verantwortungsbewußten jüdischen Führer jeder übertriebenen Auswanderung entgegenarbeiten ließen, war einer bekanntlich auch der, daß die Anhäufung landfremder und fremdsprachiger Juden in jedem Lande den Antisemitismus schüren müsse. Das bekannteste Beispiel": die vielen deutschsprechenden Juden auf den Pariser Boulevards; sie sind in Frankreich nicht nur formaliter, der Staatsangehörigkeit und dem Reisepaß nach, landfremd, sondern sie fallen durch ihre Spiache auch als fremd auf, erregen instinktive Abwehr, die obendrein eine sachlich berechtigte stutze erhält, sobald man an die Belastung des Arbeitsmarktes durch diese Fremden denkt. Es kann nicht ausbleiben, daß Gefühle und Gedanken über die ausländischen sich auf. die einheimischen Juden Überträgen.. So ist es ja auch bei uns in Deutschlana gewesen. Auch liier hat man ausländische, fremde Juden gesehen und dann vielfach geglaubt, die Juden seien Ausländer und Fremde. Das war bestimmt verkehrt gesehen; aber Tatbestand und Wirkung waren so in Deutschland und sind so in dem von jüdischen Emigranten überschwemmten Ausland. . Das Bedauerlichste aber ist, daß die Juden . selbst dieser Meinung neue Nahrung geben, und zwar nicht nur, im Sinne ■ des Vorhergesagten, durch <izs,Vorhandensein der Emigranten, sondern auch, wie im nächsten Abschnitt gezeigt werden soll, “ durch ihr Wirken. Schon neulich - wurde, in anderem Zusammenhänge, hier darauf hiiigewiesen, daß die Zionisten aus in der Sache liegenden Gründen über stärkere ausländische Beziehungen verfügen als wir, die .wir als deutsche Juden uns fühlen und in unserem deutschen- Heimatlande verbleiben wollen. 'So kommt es, daß viele Länder heute mit zionistischen Veranstaltungen, Vorträgen'lind Kundgebungen geradezu,überschwemmt werden. Ein Land, -das hierunter besonders leidet, ist die deutschsprecheitcie Schweiz.. Schon sind wir so weit, daß nicht nur .die Antisemiten von einem Fremd- und Anderssein der Juden sprechen, sondern daß auch durchaus - wohlwollende Kreise diese Gedanken aufnehmen. Aus Anlaß eines Vor- Im Anschluß an den Bericht in der vorigen Ausgabe unseres Blattes bringen wir heute die weiteren aus Österreich uns vorliegenden Meldungen. Obwohl die Judenfrage bei den politischen Auseinandersetzungen in Österreich eine Rolle spielt, darf das Unglück efnes Bürgerkrieges oder auch nur blutiger Unruhen gewiß nicht unter irgendeinem besonderen jüdischen Gesichtspunkt betrachtet werden, und die deutschen Juden sind, wie in allem anderen, auch darin Deutsche, daß sie von den österreichischen Vorgängen vor allem berührt sind, weil es sich'um Schicksal und Erleben unseres Nachbarstaates und Brudervolkes handelt. Daran ändert auch der Umstand nichts, daß das Ergehen unserer Glaubensbrüder uns besonders am Herzen liegt, über das die nachstehenden Meldungen — für deren Richtigkeit wir die Verantwortung wiederum der „Jüdischen Telegraphen-Agentur (J.T.A.-)“ überseheine für Angehörige jüdischer Organisationen. — Aufforderung an den jüdischen Vroiitkümpferbund, sich der staatlichen Exekutive anzuschlieficn. Wien, 13. Februar (J.T.A.) Von den bluti in Österreich ist die jüdische Bevölkerung, ■ d Weisungen ihrer Führung entsprechend, dem streng fcrngelialten hat, bisher nicht unmitteiuai m «mleidenschaft gezogen worden. Der den 2. und 20. Bezirk umfassende große Stadtteil auf der durch Donau und Donaukanal gebildeten Insel, der eine besonders dichte jüdische Bevölkerung aufweist, ist militärisch abgeriegelt. Alle in den Stadtteil führenden Brücken sind durch Abteilungen der Polizei und des Bundesheeres besetzt. Diese Maßnahme wurde 'indessen' weniger im Hinblick auf befürchtete judenfeindliche Ausschreitungen als vielmehr deshalb getroffen, weil dieser Stadtteil als Durchzugsgebiet für Demonstranten aus dem am linken Donauufer' gelegenen Arbeiterviertel Floridsdorf nach dem Stadtiimereu bilden könnte. Die örtlichen Kämpfe in den von Arbeitern bewohnten Teilen des 2. und .20. Bezirks, der Leopoldstadt und der Brigittenau, sind bereits fast völlig zum Stillstand gekommen. -Zahlreiche jüdische Geschäftsinhaber dieser Bezirke haben ihre Läden wieder geöffnet. Jüdische Personen; die sich mit einer Mitgliedskarte der in der großen politischen Auseinandersetzung neutral gebliebenen jüdischen Organisationen ausweisen, können die militärisch besetzten Brücken anstandslos passieren.: Vom Sekretariat der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde wird der Jüdischen Telegraphen-Agentur nntgeteilt, daß bisher keinerlei Klagen von Gemeindemitgliedern über irgendwelche an ihnen verübten Gewalttaten oder Beschädigungen ihres Eigentums eingelaufen sind. Es ist somit anzu- ' nehmen, daß es nirgendwo zu Plünderung jüdischer. Geschäftsläden oder Wohnungen gekommen ist. Die jüdischen Krankenhäuser sind zwar von Verletzten überfüllt, 'doch handelt es sich hier durchwegs um Mitglieder der an den Kämpfen beteiligt gewesenen nichtjüdischen staatlichen und Parteiformationen. Durch eine Umfrage der Kultusgemeinde konnte auch festgestellt -werden, daß keines der im Kampfgebiet gelegenen Gebäude jüdischer Institutionen gelitten hat. Die Kräfte der staatlichen Exekutive gewinnen allmählich an Boden. Der Bund jüdischer Frontkämpfer Österreichs ist von der-Regierung aufgefordert worden, sich der staatlichen Exekutivmacht anzuschließen. Auch die Crn/idealselten im Antisemitenbund..'- Wien, 13. Februar (J.T.A.) Die Großdeutsche Volkspartei hat auf ihrer soeben abgehalteiien Parteikonferenz beschlossen, an der auf Minderung der jüdischen Rechte abzielenden Aktion des sogenannten Antisemitenbundes teilzunehmen. Kein Platz jttr amerikanische und osteuropäische /iidisene Studenten an österreichischen Hochschulen. " Wien, 13. Februar (J.T.A.) Eine soeben erschienene Verordnung macht es jüdischen Studenten aus Amerika und aus Osteuropa unmöglich, ihre an österreichischen Universitäten begonnenen Studien hier zu beenden. Die vom Amts- ,blatt „Wiener Zeitung“ publizierte Verordnung lautet dahin, daß der Staat wegen Raummangels an den Hochschulen und auch im Interesse der Befriedung der Universitäten und technischen Hochschulen sich gezwungen sieht, den Besuch der Universitäten und Hochschulen in Wien, Salzburg, Innsbruck und Graz durch Ausländer zu beschränken. Dazu ist zu bemerken, daß die Zahl amerikanisch-jüdischer Studenten an der Wiener Universität, die in früheren .-Semestern im allgemeinen hoch war, im letzten Semester infolge der antisemitischen Unruhen sich stark verminderte. Es studiert in diesem Jahr an den österreichischen Universitäten eine, um 101)0 kleinere Zahl jüdischer Studenten als im Vorjahre. Jm Durchschnitt beträgt heute die Zahl der Juden an den österreichischen Hochschulen vier Prozent der Gesamtzahl der Studentenschaft (die Juden bilden in Österreich öo/u der Gesamtbevölkeruiig), wobei allerdings an manchen Fakultäten der Universität Wien die Zahl der Juden den ' allgemeinen Durchschnittssatz weit übertrifft. ln der soeben in Wien abgehaltenen Jahresversammlung des jüdischen Hochscluilausschusses Österreichs wurde von den Rednern die Behauptung der Antisemiten, daß Juden die österreichischen Universitäten beherrschen, als lächerlich zu- Wic sieht die österreichische Regierung zur Judenfrage? — Einer jüdischen Delegation werden beruhigende Erklärungen gegeben. — Mitglieder der amerikanisch-jüdischen Kolonie bereiten sich zur Abreise vor. Wien, 15. Februar (J.T.A.). Einer jüdischen Delegation, die iin Innenministerium vorsprach, um eine unzweideutige Äußerung der maßgebenden Regierungsstellen über die von der Regierung geplante Judenpolitik zu veranlassen, wurde erklärt,