Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 15 (20.2.1934)
- Date
- 1934-02-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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14. Jahrgang Nummer 15 3ftQlfiHU)etflle 3eUtmg Beilage 20. Februar 1934 Zur Diskussion über die Volksschul-Richtlinien , D'e ',°n der „Reichsvertretung derdeutschen Juden“ vor kurzem herausgegebenen Richtlinien für die Aufstellung von Lehrplänen ah den jüdischen Volksschulen haben in der jüdischen Öffentlichkeit eine lebhafte Erörterung gefunden. Es liegt in der Natur der Sache, daß ein derart grundlegendes Programm sich unter den verschiedensten Gesichtspunkten betrachten läßt, daß der es Bejahende nicht altem zustimmen, der es Ablehnende nicht alles verneinen wird. Nachdem in Nr. 11 der „Jüdisch-liberalen Zcitung“ vom 6. Februar 1934 Herr Stadtrabbiner Dr. Paul Rieger (Stuttgart) grundsätzlich zu den Richtlinien Stellung genommen hat, soll die Erörterung in unserem Blatt fortgesetzt werden; es wird sich zeigen, daß diese Richtlinien nicht schematisch unter dem Gesichtspunkt der beiden religiösen Richtungen des Judentums auf der einen und des Nationaljudentums auf der anderen Seite betrachtet werden können, sondern' daß auch innerhalb des von uns vertretenen religiös-liberalen Judentums sich manches für und manches gegen die' Richtlinien im ganzen und im einzelnen sagen läßt. Wir geben nachstehend zunächst Herrn Professor Dr. Ismar Elbogen das Wort, sodann folgt ein .Beitrag von Herrn -Rechtsanwalt Heinrich Stern. Insbesondere die Schulmänner unter unseren Lesern sollen aufgefordert sein, sich mit weiteren Beiträgen an dieser Diskussion zu beteiligen. Beseelte oder seelenlose Religion? Von Professor Dr. Ismar Elbogen W". __ Dr. Rieger in Stuttgart die zusätzlichen Richtlinien für den Lehrplan jüdischer Volksschulen die Worte von den zwei Urerlebnissen des jüdischen .Kindes in Deutschland, dem jüdischen und deutschen, und er findet .darin sofort eine „Zweiseelentheorie“. Das steht nun in einer Zeitung wenige Zeilen unter deren Zweckbestimmung, „für deutsches Judentum“, was doch wohl beweist, daß es auch ein anderes Judentum gibt, und wenige Spalten vor lobenden Auseinandersetzungen über die Synthese.von Deutschtum und Judentum — woraus doch, wieder heryorgeht, daß. die zwei Begriffe, wenn sie auch durch'das amt verbünden sind, immerhin zwei sind' und erst einer Synthese bedürfen. Heutzutage sollte doch bekannt sein, daß selbst die Identität des christlich-religiösen und des deutschen Urerlebnisses nicht allgemein . anerkannt wird und gerade'das jüdisch-religiöse und das deutsche Urerlebnis sollten völlig identisch sein?? Lassen wir einmal unsere Zeit außer acht und denken wir uns in dfe Jahre vor 1914 zurück,, wo noch keine sichtbare Spur irgendeiner revolutionären Zuckung bemerkbar war. Stellen wir uns einen der Zehntausende von Juden vor, der die deutsche Landschaft tiefst erlebt, sich mit deutscher Sprache und Kultur völlig identifiziert hatte — war’es dann für diesen wirklich selbstverständlich, daß am Freitag Abend für ihn ein vier- Ündzwarizigstündiger Ruhe- und Feiertag begann,? Führte wirklich von diesem deutschen Erlebnis irgendeine Brücke zu den großen Feiertagen im Monat Tischri? Vielleicht konnte man zur Idee eines Erntefestes gelangen, aber daß dieses nun gerade in einer Vollmondnacht beginnen, in einer Hütte und mit einem so eigenartigen Feststrauß gefeiert werden sollte, das konnte wirklich niemand aus jenem deutschen Erlebnis entnehmen. Dazu bedarf es schon des Beispiels der Eltern und der aufgespeicherten Tradition von vielen Generationen. In jedem jüdischen Kinde liegt nun einmal eine solche Erbmasse, und es ist Aufgabe des Erziehers, sie aufs beste zu entfalten. Wenn die Richtlinien daher von einem jüdischen und einem .deutschen" Urerlebnis des Kindes sprechen, so wollen sie keine „Zweiseelentheorie“ aufstellen, sondern nur der Tatsache Rechnung tragen, daß auf die eine Seele des Kindes die verschiedensten Eindrücke einwirken. Das ist eine unabänderliche Tatsache, an der auch der alte Baal nichts ändern kann. Anstoß mag Herr Dr. Rieger vielleicht an der Ausdrucksweise nehmen, aber so redet nun einmal die heutige Generation, und wir Aelteren müssen uns fügen. Uns Aelteren ist auch die Auffassung der Heimatkunde fremd, die den allgemeinen preußischen Richtlinien für den Unterricht in den Volksschulen zugrundegelegt ist. ln ihm handelt es sich nicht mehr nur um die Heimat, sondern üin das Heim, um alles, was das Kind in seiner engern und weitern Umgebung sieht; Zu diesen Eindrücken des jüdischen Kindes gehören nun einmal viele jüdische Dinge, unleugbar sogar manche, die bis nach Palästina lünweisen. Berechtigt ist Dr. Riegers Bemerkung, daß iin deutschen Unterricht auch der .Einfluß der jüdischen Kultur auf die deutsche behandelt werden muß; das stand ursprünglich in den Richtlinien, ist wahrscheinlich nur darum gestrichen worden, weil es selbstverständlich ist. Warum aber eine Übersetzung von Herder oder Kuckert nicht Berlin W8, Krausenstr.8 Erstklassige Küche bestgepflegte Getränke wie Pilsener, Dortmunder und Kindl-Bräu Deutschunterricht behandelt werden soll, ist nicht ein/iten; alles hat ja nicht im Religionsunterricht Platz. In der Hauptsache ist zu beachten, daß die Richtlinien eine Anleitung für den Lehrer sind und alles darauf ankommt, mit welchem Geist er sie erfüllt. Religionsunterricht und Heimatkunde Von Heinrich Stern Meine Ausführungen'sind die eines Laien. Uber den pädagogischen Wert der „Richtlinien“ kann ich also nicjit sprechen. Wenn ich trotzdem hier das Wort dazu nehme, so geschieht das, . sie ein klein wenig in Schutz zu nehmen neuen die hie da auftretende Behauptung, sie seien mit der religiüsalen bzw. mit der deutsch-jüdischen Weltanschauung vereinbar. Der verehrte Stadtrabbiuer Dr. Rieger Richtlinien gesprochen. Dabei hat er insbesondere auf den Satz hingewiesen, daß jedes in. Deutschland lebende Kind ein doppeltes Urerlebnis habe, das jüdische und das deutsche. Die Richtlinien fordern, daß beide Urerlebnisse gleichmäßig ausgebildet werden sollen. Sie sprechen fernerhin von der Wechselwirkung jüdischen und deutschen Geistes aufein- Ich gestehe, daß ich persönlich so geheimnisvolle Worte' „Urerlebnis“ im allgemeinen nicht sehr liebe, weil sie - zu einem Schlagwort auszugestalten pflegen, das namentlich die gebrauchen, die sie nicht verstehen. Der Sinn aber dieser" vielleicht philosophisch angreifbaren Terminologie ist ganz klar. Es wird hier festgelegt die Synthese Von Judentum ’ Deutschtum, wie sie etwa Eugen Eiirlis in. seinem •geßlichen Aufsatz „Glaube und Heimat“ aufgestellt hat. _: Synthese ist von den Zionisten von jeher bekämpft worden und es gibt selbst heute im Centralvereinslager Anschauungen, die sie für überwunden halten. Ich halte an ihr fest und begrüße es daher, daß die Richtlinien sie ganz eindeutig festlegen. Das ist ein bedeutender Gewinn. Wenn für das Unterrichtsfach der Heimatkunde ebenfalls gefordert wird, daß darin auch jüdischem Heimatseriebnis größerer. Raum eingeräumt wird, so hat hier offenbar Herr Dr. Rieger, allerdings verführt durch den „orphischen“ Wortlaut, etwas herausgelesen, was bestimmt nicht darin enthalten sein sollte. Gemeint ist nicht, daß eine doppelte Heimat gelehrt werden .soll, nämlich Deutschland und Palästina, sondern gemeint ist, daß neben der Kunde von dem, was landschaftlich, kulturell und geschichtlich für das deutsche Erleben wichtig ist, auch gelehrt werden soll, was die deutsch^ Heimat an geschichtlichen, religiösen und kulturellen Erinnerungen für die Juden bietet. So wird das Frankfurter' Kind in die Judengässe geführt werden, man wird ihm das- Rothschild-Haus zeigen, die.alte Synagoge usw. .Der Berliner SchüTer wird auf den alten Friedhof in der GroTTST Hamburger Straße mit dem Grab von Moses Mendelssohn, er wird, in das jüdische Museum, in das Veitel-Ephraimsche Palais geleitet werden; man wird ihm die ehrwürdige Synagoge in der Heidereutergasse zeigen und ihn darüber aufklären,' daß unsere deutsche Heimat auch starke jüdische Erinnerungen bietet. Auch das ist etwas, womit jeder deutsche Jude einverstanden sein kann. Zu dem ganzen deutsch-jüdischen Fragenkomplex muß iberhaupt mit allem Nachdruck darauf Hingewiesen werdaß die Richtlinien in ihrer Einleitung ganz unmißverdlich zu erkennen geben, daß die staatlichen Richtlinien i für die jüdischen Schulen gelten und daß unsere Richt- ._n nur Ergänzungen hierzu bringen. Das bedeutet ganz einwandfrei,: daß diese Schulen ' deutsche Volksschulen sind und daß sie das.zu leisten haben, was die deutschen bzw. preußischen Volksschulen leisten, nur mit dem erheblichen Mehr an jüdischer Lehre und dem Erwecken jüdischen Gemeinschaftsbewußtseins. Daß sich diese beiden Ziele, das deutsche und das jüdische Ziel, nicht ausschließen, können und müssen wir mit allem Nachdruck unterstreichen. . Wichtiger noch erscheint mir der Teil, in dem die Richtlinien ihr Eigenstes zu bringen haben, nämlich die Bezugnahme auf das Jüdische. Herr Dr. Rieger, gewiß ein strenger Richter, ist hiermit einverstanden. Ich möchte darauf hinweisen, daß diese Richtlinien für uns Religiös-Liberale darum so Wichtig sind, weil in ihnen das religiöse Moment nit aller Eindeutigkeit voransteht. Gleich am Beginn heißt;s in Ziffer 2 hei der Behandlung des Konzentrationspunktes: .Ewigkeitswerte der jüdischen Religion.“ In den Unterrichts- Tichern stellt Religion an erster Stelle. Über das Hebräische st gesagt, daß es in erster Linie dazu dienen soll, die Teilnahme am häuslicheiFuiid öffentlichen Gottesdienst vorzuhereiten und — übrigens an letzter Stelle — den Zutritt zum gesprochenen lebendigen Hebräisch zu finden. Die Bibel wird ausdrücklich in den Mittelpunkt des hebräischen Untefcrichti gestellt. Aus der späteren Literatur sollen nur Werke jüdisch-religiöser Grundlage ergänzend herangezogen werde«; Auch bei der Musik ist die liturgische Musik, nicht die weltliche Musik, in den Mittelpunkt des Unterrichts gestellt. ' Mit all diesen Punkten wird sich der Religiös-Liberale durchaus einverstanden erklären können. Es entspricht dem. was unsere Vereinigung vor Jahren in ihrem Leitsatz festgelegt hat, daß „Grundlage und Wesen des Judentums die Religion“ ist. Ob es heute richtig ist, überhaupt noch den alten Religionsunterricht zu gebenv möchte ich sehr bezweifeln. Diesen Religionsunterricht habe ich in grausiger Erinnerung. Er bestand aus dem Auswendiglernen von unverstandenen Dogmen, von Jahreszahlen und Psalmenstellen, die einem solange vorgekaut wurden, bis sie uns zum Halse heraushir.gen, wie etwa damals Hermann und Dorothea von Goethe. Erst mit dem nötigen Abstand von diesem Religionsunterricht habe ich wieder einen Psalm lesen können. Vor solchem „Religionsunterricht“ werden hoffentlich unsere Kinder bewahrt bleiben. Ich komme zu dem Schluß: Die Richtlinien mögen pädagogisch oder wissenschaftlich angreifbar sein; darüber haben die Fachleute zu urteilen. Vom jüdisch-politischen Standpunkt aus sind sie zweifellos auch für die Erziehung religiösliberaler Menschen ein gutes Instrument. Das Instrument wird um so wirksamer sein, je mehr es gelingt, gute Lehrer heranzuziehen, insbesondere solche Lehrer, die von der allgemeinen Schule herkommen, mit religiösem, insbesondere rclioiös-libcralem Geiste zu erfüllen. Hierauf wird die Reichsvertretung, hierauf werden die liberalen Mitglieder des Ereil, daß die Reichsvertretimg die gesamte .Lehrerbildung in— ine noch so gute Schule legt, die auf'rein orthodoxer tiiiiml - ige aufgebaut ist. Sollte dies der Fall sein, so weiden wo iheralen mit aller Schärfe opponieren. Wir wünschen eine tichaef Hol/man mul Josef (iiitmanu unsere Kinder ci/u-;cu die Richtlinien Wert haben, auch wenn sie in einem oder ein Punkt angreifbar sind. Fehlt es au solchen Men- Das neue jüdische Museum?n Breslau Von Dr. Willy Colin Int Jahre 1929 hatte der Verein Jüdisches. Museum ui llieslan eine sehr umfangreiche Ausstellung „Das Jmleutuui ui der cDrtj1üd'!-eh^l'v*it,lT M s“'"“-*.- 1 Der^Katalng der damaligen .Ausstellung gcln.ii heule yieljähriger Saiiiiiielarbeit gelungen, dem jüdischen Museum .... ....nstlerisclie Beratung hatte der Maler .lohlui'iii ul.ei nominell. Belm Betreten des Museums umfängt einen sogleich eine wirkliche Atmosphäre jüdischer Innigkeit, iiiut es wäi ein besonders glücklicher Gedanke den Hauptraiim glcich/eilig als Betraum .auszugestalten. Es grüßt uns hier .von den Worten: i.Wisse vor weni^Du stehst. Dies ist nichts’ anderes als ein Gotteshaus und hier ist" die Pforte zum Himmel, öffnet die Pforten, das Einzige ein redliches Volk, das die Treue hält, öffnet mir die Pforten der Redlichkeit, daß ich durch sie eintrete und Gott preise. Diese Pforte ist des Ewigen.“ An den Wänden hängen köstliche Tlmravorhätige. die unsere Mütter und Urmutter in Liebe zur Letire des Ewigen einst gestickt hatten. Die beiden anderen Räume der Sammlung sind teils einem geschichtlichen Überblick im besonderen über die luden Schlesiens, die sich bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurückverfolgen lassen, teils einer Darstellung jüdischen Kunstgewerbcs gewidmet. Die Pracht der Thorakronen, der Zeiger fiir die Verlesung der Lehre, der Bessoinimbüchsen, der Cederschiisseln und ähnliches ist schwer zu schildern. Der Sammler wird vielleicht in stundenlanger Betrachtung von dem einen oder anderen Gegenstand vciweilen, wie etwa vor jenem alten Zinnteller, der eine besondere Leistung darstellt. Aber auch derjenige, der nicht über die genügenden Kenntnisse verfügt, uni ermessen zu können, welche Leistung hier vorliegt, wird von dem Geist gepackt werden, der von.diesen Werken atisgeht. Wenn wir'vor einem mit köstlichen Verzierungen geschmückten Machsor stehen und in ihm blättern, so können wir vielleicht fühlen, welche Innigkeit von diesen Blättern auf den ausströmte, der berufen war, am Neujalirstage oder am Versöhmingstage vor - der Gemeinde zu beten. Zahlreich sind-, die Dokumente, .die unser, geschichtliches Interesse wach rufen. Da erblicken wir beispielsweise eine Huldrgungsadresse in deutscher und hebräischer Sprache, die die Juden Breslaus am 15. Oktober 1780 König Friedrich Wilhelm II. bei seinem Einzuge in die schlesische Hauptstadt darbrachten. Wir sehen ein Bild des Friedhofs in Dylicrm.- furth, auf dem die schlesischen Juden lange Zeit hindurch zu ihren Vätern eingetan wurden, bevor auf Veranlassung Friedrichs des Großen jener Friedhof auf der Classeuslraßc entstand, der heute noch vorhanden ist. Die Nachbildung eines uralten Orabsteines beweist, daß der Mann, der einst unter ihm ruhte, am 4. August 1293 gestorben ist. Von den Wänden grüßen uns Bilder bedeutsamer jüdischer Persönlichkeiten meist aus der Schlesisch-Posenschen Geschichte. Wir erwähnen Abraham Geiger, Hirsch. Kalischer, die Brüder Frankel, deren Leistungen noch heute im Stadtbilde Breslaus hervortreten. Durch die Tätigkeit des überaus rührigen Vorstandes ist j mancher Kultgegenstand gerettet worden, der vielleicht in unbeachteter Bodenkammer zugrunde gegangen wäre. Für unsere jüdische Jugend stellt diese Sammlung eine reiche Quelle der Belehrung dar. aller auch fiir jeden, der heute uni neue Formen seines Judentums ringt, werden diese Räume Kraftquelle und Wiedergeburt sein.*) *) Das Mm l'J IJhr geöffnet. für nähere Auskünfte steht teliv Bert, Breslau 0, Striegauerstraße 2, jederzeit zur Verfügung. Dr. Wilhelm Feilchenfeld B Zu seinem 70. Geburtstag •i aller Bedeutung, die die grollen Orgauisatiouni lur die deutschen Juden in unseren lagen erlangt haben, hat die"Gcmeimle-als deren Grundlage ihre Kraft nicht verloren. Das hängt nicht nur mit der langen Tradition zusammen, die die Gemeinde auf/liweisen hat, sondern auch mit der Tatsache, daß es-niemals unter den deutschen Juden an Persönlichkeiten gefehlt hat, die ihre ganze Kraft dem Gciiicmwohl gewidmet haben. Es ist viel darüber gestritten wurden, oh die Laienverwaltung, wie sie das preußische Jiidengcsri/ von 1847 vorsieht, einen ■ Segen für die jüdischen (ieiiicimtcn bedeutet hat oder nicht. Wir können natürlich nicht wisse», ob eine Führung durch die dazu berufenen Rabbiner /um Vorteil für die Gestaltung des deutschen .'Judentums von größerer Bedeutung gewesen wäre. Aber das ist sicher: rückblickend auf die letzten hundert Jahre des deutschen Judentums dürfen wir sagen, daß die Gemeinden unter der Führung von Persönlichkeiten, die aus den verschiedensten Hernien gekommen sind, ihre religiösen, sittlichen und sozialen Aufgaben erfüllt haben. Insbesondere djjrf die Berliner Gemeinde stolz auf ihre Führer sein. Man bedenke doch nur, daß zumeist solche Männer in der Gemeinde arbeiten, die voll in ihrem Beruf stehen und heute ebenso wie jeder andere .»len Lebenskampf zu führen ‘haben. Vielleicht sind sie darum gerade die Berufensten für das Ehrenamt eines Vorstehers, weil sie mitten im -Leben stehen und die Herzen und die Seelen ihrer Glaubensgenossen kennen. Jgiiicr der Besten, der zwei Jahrzehnte Vorsteher der Berliner Gemeinde gewesen ist, — vorher bereits ein Jahrzehnt Vorsteher der Jüdischen Religionsgemeinde Charlottenburg —, ist Wilhelm Feilchenfeld, der am 20. Februar sein 70. Lebensjahr vollendet. Elternhaus, sein ärztlicher Beruf, seine soziale Tätigkeit in Charlottcnburg, seine gesamte Persönlichkeit haben ihn fiir