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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-02-16 · 14 (16.2.1934) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
14 (16.2.1934)
Date
1934-02-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1931. Aber trotz der verschiedenartigen, intensiven Anstrengungen' in diesem Zeitraum von 12 Jahren betrug der Gesamt zu wachs der jüdischen Bevölkerung (Einwanderung plus Geburtenüberschuß) nur 117 000, der der arabischen Bevölkerung aber in dem gleichen Zeitraum 202000! Kann so von Palästina als'„Erez Israel — dem Land der Juden“ nicht gesprochen werden, so erschüttern noch weit mehr Feststellungen über die Berufs- und Wirtschaftsstruktur der palästinensischen Judenheit. Wurde nicht die Palästinaarbeit mit der Erwartung verknüpft, in Palästina eine Normalisierung desjüdisclien-Berufskörpers herbeizuführen? Ja, oft meinen ' Unkundige, Jude in Palästina sein, bedeute Umschichtung zur Landwirtschaft. Die Hoffnungen, die in dieser Hinsicht bestanden, haben sich bisher nicht bewahrheitet. Ist bei der arabischen Bevölkerung das Verhältnis von Stadt und Land 2:1, so umgekehrt beim jüdischen Bevölkerungsteil: auf 3 Städter kommt ein Landbewohner! Dementsprechend sind von den jüdischen Arbeitnehniern'auch nur 22o'0 in der Landwirtschaft tätig. Das ist gewiß ein beachtlicher Prozentsatz im Vergleich zu der Berufsentartung der Juden in anderen Ländern. Aber bedenkt man, daß hier ja durch die Zuteilung der Zertifikate und finanzielle Einflußnahme bei der Auswahl der Palästinawanderer und ihrer Berufsumstellung eine andere berufliche Zusammensetzung an sich herbeigeführt hätte'werden können, so muß-das Ergebnis überraschen. Und nun zwei Bemerkungen über die materielle Bilanz. Gerade gegenwärtig, da das Hilfswerk für die deutschen Juden, jedenfalls das, das in klingender Münze besteht, in seiner völligen Unzulänglichkeit — soweit es sich um Hilfsmaßnahmen in Deutschland handelt — allseitig erkannt wird, sind wohl einige Vergleiche am Platze. Wie groß ist denn jetzt die Zahl der Juden in Palästina? So groß wie die Zahl der Juden in Berlin! Und die Aufwendungen? Der Keren Hafessocl hat in der Zeit vom 1. April 1921 bis 31. März .1933 in Palästina-4 S21 510 Pfund investiert, der Keren Kaiemelh (Nationalfonds) hat seit 1901 in Palästina 2 04S73G Pfund dort hingebracht. Rechnet man’s Sm, so ergibt es 100—140 Millionen Mark. Will man aber feststellen, ob mit diesen Beträgen .'auch nur die wirtschaftliche Basis der jetzt in Palästina Lebenden gesichert ist, so sind weitere Zweifel berechtigt. Ich zitiere einen Teil der Angaben, die in der erwähnten Schrift zu dem Thema „Export und Import“ enthalten sind. ' „Die Expbri- und Importziffern Palästinas in den Nachkricgsjahrcn sind ziemlich stabil. Der Export Palästinas beträgt in den letzten zehn Jahren ungefähr ein Viertel des Importes. Obwohl das'Defizit der Handelsbilanz außergewöhnlich hoch ist, leidet die Wirtschaft darunter in keiner Weise. Durch die ständige Einwanderung von Juden, durch den starken Touristenverkehr und durch Zuwendungen aus dem Ausland an philanthropische, reli-' giöse, wissenschaftliche und nationale Institutionen herrscht ein ständiger Kapitalimport.“ Schwarz.auf weiß: der Export beträgt seit zehn Jahren ungefähr ein Viertel des Imports-jeder Sextaner weiß heute, was das für ein Land bedeutet, da doch jedes Land, wie jeder Einzelmensch nur leben kann, wenn es mehr verkauft, als einkauft: Palästina aber gibt seit zehn Jahren dreimal soviel aus, als es einnimmt; das Riesendefizit wird durch immer neuen Menschen- und Kapitalimport auf mehr oder minder philanthropischer Grundlage gedeckt. Man mäle sich aus, wie es um Palästina bestellt sein wird, sobald die Einwanderung und damit auch der Kapilalzuwachs einmal aufhört oder auch nur auf längere Zeit unterbrochen wird, was ja' notgedrungen irgendwann eintreten muß. Erez Israel — das Land der Juden? Es ist nicht wahr, was mit dem Titel der Ausstellung gesagt wird. Aber wir müssen der- Ehrlichkeit wegen hinzufügen, es ist frivol, heute in Deutschland unter diesem irreführenden Motto eine Ausstellung zu veranstalten, denn welches Echo dies hervorrufen muß, ist klar. Sagen die Juden es selbst — so wird-die nichtjüdisclie Umwelt, auch die wohlwollende, urteilen —, daß Palästina ihr Land ist, so gehen sie damit zu, daß Deutschland nicht ihr Land ist. Daß sie nicht heimatberechtigt sind in Deutschland, sondern Fremde und, bestenfalls, Gäste. Wir jedoch, die wir das Judentum als Religion auffassen, in unserem nationalen Sein und Wollen aber deutsch sind und deutsch bleiben wollen, wir gehen weiter unseren Weg. Und unsere Antwort auf die Proklamation der Palästina-Ausstellung lautet: Die Geschichte zweier Jahrtausende kann nicht sinnwidrig gewesen sein. Sie muß einen Auftrag enthalten haben, eine Berufung. Wenn Menschen die Geschichte gestalten, so war unser Weg selbstgewollt, wenn aber göttlicher Wille Geschichte prägt, wie könnten wir an dem Weg Israels Kritik üben? Nicht, so dünkt uns, ein Weg eines Volkes in die Völker und Länder vollzog sich hier, nein, eine stammgebundene, volkhaft begrenzte Religion streifte ihre Erdgebundenheit ab, wuchs und wuchs,' wurde Religion schlechthin, band neu den Menschen als Ebenbild Gottes, in Gotterkenntnis, durch Gottverbundenheit, zum Gottestun. Israels Zentrum war nicht und wird nicht sein ein Land, Israels Zentrum heißt: Gottes Geist. Und wenn wir Juden die eigene Freiheit suchen, wir finden sie nicht im „Land der Juden“, unsere Freiheit ist anderer Art, wie auch die Freiheit unserer Väter anderer Art war. Sie ist geboren aus dem Wissen, daß die Ewigkeit den Alltag überwindet, aus dem Ahnen, aus der jüdischen Vision des Messias, aus dem Fühlen, daß wir in uns mehr Wert schaffen können, als Erde zu geben vermag. Unser Suchen nach Freiheit ist Suchen nach Gott; nähern wir. uns ihm, werden wir freier; nähert sich die Welt göttlicher Vollkommenheit, so wächst die Freiheit. Unser Weg in die Freiheit — es ist kein Weg der- Politik, kein Weg der Wanderung, unser Weg in die Freiheit ist der Weg der religiösen Verwirklichung. . Unsere Freiheit ist kein Zurück, ist keine Flucht aus der Welt. Wo immer Cine segensreiche Einrichtung Hausratsverwahrung — Wohnungsberatung und Wohnungsvermittlung Um dem vielfachen Bedürfnis nach vorläufiger Unterbringung von Möbeln und Hausrat zu entsprechen, hat die Gemeinnützige Hausratsverwahrungsand -verwertungs- G. in. b. H. Speicherräume eingerichtet, in denen solche Einrichtungsgegenstände, deren Aufbewahrung noch lohnt, gegen mäßige Gebühren untergebracht werden können. - Wenn die Mittellosigkeit durch jüdische Wohlfahrtsstellen bescheinigt wird, können die Gebühren auch ermälii"* oder, in besonderen dringenden Fällen, gestundet werden. Für den Transport zum Lager haben sich mehrere jüdische Speditionsfirmen unter Gewährung von Vorzugsbedingungen zur Verfügung gestellt,' falls dieser Transport nicht durch die Einlagerer selbst erfolgt. Die Anträge zur Aufbewahrung können im Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde, .Oranienburger Straße 20, parterre, täglich von S—10 Uhr sowie im Lager Greifswalder Straße 140/Ml, Gebäude S, zwischen 11 und 3 Uhr gestellt erden. Soweit Nachfrage besteht, ist beabsichtigt, die Möbel auf msch auch zum Verkauf zu stellen: Für den Anr—' Verkauf von Möbeln außerhalb des Lagers werden Adres usgetauscht. Es wird noch darauf 'hingewiesen, daß Einzelgegenstände, Bücher, Hausrat, Geschirr usw. in festen Gclasr" verpackt und diese signiert sein müssen. Polstermöbel i— Teppiche sind sorgfältig einzumotten. Unsaubere Möbel sind von der Verwahrung ausgeschlossen. Gegenstände, deren Verwahrung nicht mehr lohnt, werden am besten der Jüdischen Brockensammlung „Peah“, N 54, Choriner Straße 26 (Telefon: Humboldt D 4 07S9), übergeben. In enger Zusammenarbeit mit der Hausratsverwahrungsstelle stellt die „Gemeinnützige Wo/mungsbcraiungsstelle“. Diese Stelle hat sich zur Aufgabe gemacht, unentgeltlich in allen wohnungswirtschaftlichen Angelegenheiten Rat zu geben und eine Vermittlung von Wohnungen und Zimmern für jüdische Familien und Einzelpersonen zu betreiben. Sie unterhält auch einen Adressenaustausch, dessen sich zahlreiche Familien und Einzelpersonen bedienen, die entweder für ihre Wohnungen Ersatzmieter oder Mitmieter für größere Wohnungen suchen. Bei der überaus regen Inanspruchnahme dieser Stelle, deren Benutzung für alle Interessenten kostenlos, liegt ständig ein großes Angebot von "leeren und möblierten Wohnräumen jeder Art und Größe vor; so sind im Oktober 1933 etwa 230 neue Angebote, meist für Zimmer, eingegangen. Es bleibt allerdings noch dringend zu wünschen, daß wir leben, da. entsteht für uns die Aufgabe unserer Einordnung; wo immer wir aber leben, da können wir frei sein. Juden waren frei und waren unfrei „im eigenen Land“, Juden waren frei und waren unfrei im Ghetto des Mittelalters, Juden waren frei und waren unfrei in den Jahrzehnten der Gleichberechtigung. Und wenn man uns erwidern würde, nun sagt ihr, wie ihr die Lösung der Judenfrage seht, so kannich hier nur Weniges sagen. An anderer Stelle*) habe ich darüber geschrieben. Ist die Emanzipation ‘gescheitert, so gilt es, sie neu zu erringen. Nicht der Weg der Emanzipation ist irrig, wenn auch gar mancher Irrtum denen, die ihn gingen, unterlief. Wir sind und bleiben jüdische Deutsche — und .keine Rechtssatzung wird diese Tatsache unseres Seins ändern können. Wir wollen dem Deutschtum die Treue wahren, wir können es ja auch gar nicht anders, aber wir wollen wissen auch um den Wert unseres Judeseins, wollen durch Erfüllung uns den Stolz auf das Judentum erwerben. Dann wird uns religiöse Gewißheit das Wort werden, das in Beer-Hofmanris Meisterwerk Gott zu: Jaakob spricht: Wenn andre, knieend, zum Erbarmer flehen, Üb ich Erbarmen — wie der Herr am Knecht! Doch du — sollst aufrecht vor dem Vater stehen, Erbarmen — weig’re ich! Fordere du —dein Recht! Um meinen Namen magst duUn-Erhörtes dulden — Doch, noch in Martern, fühl’, daß ich—. dich nie Ich will ja nur — mein Sohn — mich dir so tief verschulden, Daß ich — zur Sühne — dich erhöh’n vor allen darf! Werden wir Israeliten, Gottesstreiter! Dann wird uns die Welt achten — oder wir werden die Achtung entbehren können. *) Gemeindeblatt der Berliner Jüdischen Gemeinde. jüdische Hausbesitzer und Verwalter sich in stärkerem Maße als bisher an der Meldung freier Wohnungen, und zwar besonders kleinerer, billiger Wohnungen beteiligen. Die Listen der Wohnungen und Zimmer können während der Sprechstunden von 9.30—12 Uhr (und Mittwochs auch nachmittags von 5—6 Uhr) im Erdgeschoß des Verwaltungsgebäudes der Jüdischen Gemeinde, Oranienburger Straße 29, eingesehen werden. ' ■ Judentum in dieser Zeit In dem Bestreben, zwischen der Leitung der Berliner Jüdischen Gemeinde und den Glaubensgenossen in allen Bezirken die Fühlung herzustellen, hat der Gemeindevorstand in der Reihe seiner Gemeindeabende, nun auch im-Friedenstempel zu h'alensee eine Veranstaltung abgehalten, deren Titel „Judentum in dieser Zeit“ lautete. Der gutbesuchte Abend wurde durch' künstlerische Vorträge eingeleitet und abgeschlossen: Oberkantor Wilhelm Friedmann und Fräulein Hannes brachten feierliche und weihevolle Gesänge mit künstlerischer Vollendung zum Vortrag, an der Orgel von Schwarz meisterhaft begleitet. Als erster Redner sprach dann das Mitglied des Gemeindevorstandes Herr Moritz Rosenthal. Er hatte sich zur Aufgabe gestellt, das Thema des Abends aalun auszudeuten, daß es keineswegs, wie vielfach angenommen wird, für jede besondere Zeit ein besonderes Judentum gibt; das Judentum ist immer dasselbe, zeitlos, ewig, unabhängig davon, was einzelne innerjüdische Parteien aus ihm machen, ln einer systematisch angelegten Zusammenfassung legte er dar, daß die ethischen Grundsätze des altjüdischen Gesetzes sich mit jeder modernen Gesetzgebung-an- Höhe des sittlichen Willens messen können. — Hatte so Herr Rosenthal gezeigt, daß. die Ewigkeitswerte des Judentums auch für unsere Zeit nutzbar gemacht werden können, so schilderte der zweite Referent des Abends, das Mitglied der Repräsentantcnversaininlung. Herr Wilhelm Marens, was wir deutschen Juden in dieser Zeit zu tun haben. Die vielfachen, auch in dieser Zeitung oft behandelten Fragen der Berufsausbildung unserer Jugend, der Berufsumschichtung und des wirtschaftlichen Wiederaufbaues wurden eingehend und lebendig dargestellt. Von großer Wirkung war der Appell, den der Redner an alle Berliner Juden richtete, in Deutschland-auszuharren und die wirtschaftliche Aufbauarbeit nicht durch Parteihader zu zerstören. Jede Synagoge müßte in diesem Sinne ein „Friedenstempel“ sein. Beide Referate hinterließen einen starken Eindruck, sodaß es erst eines öffentlichen Hinweises bedurfte,.um die sich regenden Beifallskundgebungen mit Rücksicht aut die Heiligkeit des Raumes nicht aufkommen zu lassen. Jugendgemeinschaft der Jüdischen Reformgemeinde N 24 Johannisstr. 16 Donnerstag, 15. März: Gemeinschaftsabend (Aussprache . und Unterhaltung) in der Wohnung von Herrn Dr. Gottschalk, Niebuhrstr. 75. Beginn abends S Uhr. (Nur für Mitglieder der Jugendgemeihschäft.) J)ar Jireditverein §ür Handei u. fietverße «.$. nt. ß. H. (föetiitt 71öianienßutqei Sitaße 3 erlaubt sich, auf folgende empfehlenswerte Firmen aus dem Kreise seiner Genossen und Kunden hinzuweisen: Farben. Tapeten, Lacke 7. Bergoffen Berlin N 24, Omnlenbmscr Str. 5 M. Frankenstein Gb*enoeistcr Kanal-. Ban- und Auto-Glaserei. e der Kaiserallee) Konfektionshaus CHarlottenburg . 2- Filiale Schbg., Hauptstr. 16 Hehler. Hutes. Röcke. Nistel. Hofgcnrikte. z. T. eigene Hentellg. Kurniker St Co. Inh. Wwe. Erna Klonower W 8, Jägerstr. 70, A 2 Flora 5503 Louis Marx & Co. Schrauben und Bauartikel U nt er r i ch t Sprachensdiufe des Westens Schulzirkel d. Wettern SchSneberg, Badeasehestr. 6 ln kleinen Gruppen schncllfordernder Sexta Unterricht Amerikaner lehrt Englisch Berlin NW 87, Lessingstr. 31 Einzelstunden — Kleine Zirkel Mäßige Preise Engländer unterrichtet Einzeln und Zirkel Übersetzungen - Korrekturen Telefon B 5 Barbarossa 1438 Dr. Nauenberg. Sprechzeit 12-1 Staatlich anerkannte Lehranstalt au medizinischen Instibiten Dr.pnii.ei med. Fritz Leuy Berlin« 57. Winterfektatr.35 1 Privat-Zuschneide-Schule Eduard Pusch d steigert die Arbeitsfreude.

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