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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-02-16 · 14 (16.2.1934) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
14 (16.2.1934)
Date
1934-02-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Jenseits der Grenze Hohe Ehrung Lord.Readings Eine neue hohe Auszeichnung ist dem Marquis von Reading zuteil geworden. König Georg II. hat ihn anstelle von Earl Beauchamp, der dieses Amt vor kurzem niedergelegt hat, zum „Lord-Hafenmeister der Fünf Häfen“ (Lord Warden of th'e Cinque Ports) ernannt. Das Amt eines Lord-Hafenmeisters der Fünf Häfen stammt aus altsächsischer Zeit, als noch die fünf Häfen Sandwich, Dover, Hythe, Romney und Hastings eine besonders bedeutende Rolle für die Landesverteidigung spielten. Später wurden dem Hoheitsgebiet des Lord Warden auch noch Winchalsea und Rve angeschlossen. Amtssitz des Warden ist Schloß Walmer. Anläßlich der Ernennung Lord Readings schreibt „Sundav Times“: Die Berufung zum Lord Warden der Fünf Häfen ist eine außerordentlich begehrte Auszeichnung'; der König hat - eine glückliche Wahl getroffen, als er dieses Amt dem Marquess of Reading übertrug. , Zu den bisherigen Lord Wardens gehörten William Pitt, der Herzog von Wellington und andere berühmte Männer. Lord Reading hat eine besonders hervorragende Laufbahn hinter sich. Unter den Männern des öffentlichen Lebens gehört er zu denjenigen, die sich größten . Beliebtheit und stärksten Vertrauens erfreuen. Während der langwierigen Fehden innerhalb der Liberalen Partei während des Krieges und nachher konnte er sich in bemerkenswertestem Maße das Vertrauen aller Gruppen erhalten. ' . I> er Etat der Wiener Kultus« gemeinde Wirtschaftlicher Niedergang der Wiener Judenheit Mit Rücksicht darauf, daß das Budget-Provisorium" der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde abläuft, begannen die öffentlichen Budgetberatungen für das Jahr 1934. Als Gesamteinnahmen werden für 1934 6 521 670 Schilling, als Gesamtausgaben 6 575 210 Schilling präliminiert, so daß sich ein Gesamtabgang von rund 53 540 Schilling ergibt.. Unter Hinzurechnung der Defizite aus den früheren Jahren per- 166 236 Schilling ergibt sich ein Gesamtdefizit von 219 776 Schilling. Auf die einzelnen Kapitel werden die folgenden Summen präliminiert: Kultus- und rituelle Angelegenheiten S 1 178 470; Schul- und Unterrichtsangelegenheiten S 571 800; Friedhofu. Beerdigungswesen S 1460 580; Fürsorgewesen S 2 394 110; Deutschlandhilfe S 50 000; Spenden für Vereine und wohltätige Zwecke S 80 000; Gemeindeverwaltung S 433180; Steueramt S 260470; Gebäudeverwaltung S 126140; Materialverwaltung S 22400; Technisches Amt S 29180; Reservekonto S 80 000. , Der größte Posten im Budget ist nach wie vor der für Fürsorgezwecke mit S 2 394110. Mit Rücksicht auf die außerordentliche Verschlechterung der' wirtschaftlichen La; der Wiener Judenschaft, die es dazu bringt, daß ungefäl ein Fünftel der jüdischen Bevölkerung auf direkte oder ii direkte Unterstützung der jüdischen Gemeinde angewiesen ist, sieht sich die Gemeinde veranlaßt, in ihren diesjährigen Voranschlag für Fürsorgezwecke um S 90 430 mehr als im Jahre; 1933,, resp. um S 142 000 mehr als im Jahre 1932 einzusetzen.' ' . Generalversammlung der Fester israelitischen Religionsgemeinde Die Gemeinderepräsentanz der Pester Israelitischen Religionsgemeinde hielt unter Vorsitz des Präsidenten Hofrates Samuel Stern ihre ordentliche Jahresgeneralversammlung ab, an der die Mitglieder in großer Zahl teilnahmen. Hof rat Stern berichtete ausführlich über verschiedene Phasen des konfessionellen und Gemeindelebens. Mit dem Ausdruck tiefen Bedauerns erwähnte er die unerfreulichen Vorkommnisse! an den Universitäten, wobei er die Hoffnung aussprach, daß durch entsprechende. Maßnahmen der kompetenten Faktoren die Ruhe wiederhergestellt werden könne. Der Präsident ausdrückte, daß Ungarn eine Insel des Friedens und Verständigung inmitten des europäischen Chaos sein möge. Die ungarische Judenheit wolle auf dem Wege der traditionellen Verbundenheit des Judentums mit dem Ungartum für die bessere Zukunft tätig sein. Der Präsident berichtete sodann überT die finanzielle Lage der Gemeinde und teilte mit, daß das Defizit von 100 000 Pengö im Spitalsbudget für 1933 dank einer neuen Vereinbarung in der Angelegenheit des englischen Darlehen» ausgemerzt werden konnte. Für 1934 - sind Ausgaben in Höhe von 4 091 000 Pengö präliminiert. Das eigentliche. Gemeindebudget ist somit auch diesmal defizitfrei, ein Ausfall zeigt sich wiederum nur bei den Spitälern, die in den heutigen Zeiten ohne konfessionelle Unterschiede auch eine soziale Mission erfüllen. Innerhalb von vier Jahren konnten dankrationeller Sparmaßnahmen die Gemeindeausgaben um 800 000 Pengö gesenkt werden, während im Hinblick auf die w/:-+_ schäftskrise die Kultussteuer in derselben Zeit um d< Pengö ermäßigt wurde. 400 000 Ägyptischer Ministerpräsident beim Begräbnis eines jüdischen Notablen Einer der hervorragendsten jüdischen Notablen Ägyptens, der Bankier Joseph Bcv Mosserei, ist im Alter von 54 Jahren in Alexandrien gestorben. Er gehörte einer der ältesten jüdischen Familiens Ägyptens an und hatte im jüdischen Leben seiner Vaterstadt eine große Rolle gespielt. An seinem Begräbnis nahmen ein Vertreter des Königs, der Minister-, ,.r.ri andere Mitorlieder des Kabinetts, zwei Die Konferenz beschloß ferner, an einzelne Regierungen mit dem Ersuchen heranzutreten,' gewissen Kategorien von Staatenlosen Gleichstellung mit den Staatsangehörigen, insbesondere in Bezug auf Freizügigkeit zu gewähren. ORT-Arbeit für deutsche Juden In Kaunas (Kowno) ist die erste Gruppe deutsch-jüdischer Jugendlicher, für die ein Sonderkursus bei der ORT- Schule in Kaunas eingerichtet ist, eingetroffen. Von den 28 Kursusteilnehmern, die sämtlich deutsche Staatsangehörige sind, kommen 13 aus Berlin, die anderen 15 aus den verschiedenen Städten des Reiches (Halberstadt, Gleiwitz, Langendorf, Sagän, Schönlanke-, Königsberg, Elbing, Frevstadt u.a.). Am Bahnhof wurde die-Gruppe, die sich in Begleitung des ORT-Bevollmächtigten, Herrn Ing. D. Klemeniinowsky, befand, von den Vertretern des hiesigen ORT-Komitees und angesehensten Repräsentanten der jüdischen Gemeinde aufs herzlichste empfangen und begrüßt. Die jüdische Bevölkerung der Stadt bringt den deutschjüdischen Jugendlichen, deren Aufenthalt hier auf anderthalb Jahre berechnet ist, sowie der Initiative der Zentralverwaltung des ORT-Verbandes freudige Sympathie entgegen. Diese Stimmung bringt die jüdische Presse in längeren Begrüßungsaufsätzen zum Ausdruck. Hier heißt es u. a.: „Wir besitzen zwar nicht die großen Möglichkeiten und die .mustergültigen Einrichtungen, deren sich Deutschland rühmen darf. Die deutschjüdische Jugend wird aber hier Liebe, Freundschaft, ständige Hilfsbereitschaft seitens der jüdischen Bevölkerung und weitestgehende Aufmerksamkeit des Lehrpersonals des ORT finden. Wir begrüßen die Gäste und sagen ihnen unser herzlichstes Willkommen.“ Für die. Unterbringung der Gruppe ist aufs'beste gesorgt worden. Sämtliche Kursusteilnehmer sind in einem schön eingerichteten Hause untergebracht. An das Zentralbureau des ORT-Verbandes haben die Kursusteilnehmer folgendes Telegramm gerichtet: „Indem wir an die Arbeit am Schraubstock herangehen, übermitteln wir der Zentralverwaltung des ORT- Verbandes unseren herzlichsten Gruß und Dank.“ 9anteindoßtief au&£uxamßuts Die iuxemburger Juden sind liberal Luxemburg, im Februar 1934. „Jüdisch-liberale Zeitung“ hat kundich einmal in emem Brief die Gegensätze unter den Iuxemburger luden geschildert und die Tätigkeit der Zionisten gekennzeichnet. Der Schlußappell unseres-damaligen Artikels richtete sich an die liberal denkenden Iuxemburger Juden, ihre Gleichgültigkeit aufzügeben und aktiv zu werden. Man weiß nicht: wird die „J.-l. Z.“ dort in jedem Hause gelesen, oder wie kommt es sonst, daß nur wenig mehr als ein Monat vergangen ist und der zionistische Spuk wie weggeblasen erseneint; die von niemandem verwehrte interne-Parteiarbeit zähhya nicht! Wichtig ist aber dies: im Hinblick auf die Stellung, die die Juden im Rahmen des luxemburgischen Staates einnehmen, hatte sich das Konsistorium in einer Reihe von Sitzungen mit der zionistischen Propaganda zu beschäftigen. Denn nicht nur die zionistische Vereinigung, die jungen Zionisten, sondern auch neutralere Vereine, wie die Lektüre-Gesellschaft hatten es für richtig gehalten, in ihren Vortragsveranstaltungen zionistische Referate, halten zu lassen. Unter anderem hletmer Rabbiner in der letztgenannten Gesellschaft einen Vortrag „Erlebnis der Gemeinschaft**, in dem er zwar sehr geistvoll, ■ aber doch^ völlig zionistisch sprach, d. h. von einem jüdischen ORT organisiert landwirtschaftliche Ausbildung von Jugendlichen aus Deutschland in Litauen . Am 1. Februar ist die erste Gruppe, bestehend aus 15 Jugendlichen aus Deutschland, zur Teilnahme an dem vom litauischen ORT-Komitee auf Veranlassung des ORT-Verbandes und der ORT-Gesellschaft, Abt. Deutschland, eingerichteten landwirtschaftlichen Kursus in Ungarina bei Mariampol eingetroffen. Der Kursus, der für dm Dauer eines Jahres vorgesehen ist, wird auf einem 700 Morgen großen Gut, das mit lebendem (50 Milchkühe, 28 Pferde usw.) und totem (Traktor, Dreschmaschinen, Säe- und Schneidemaschinen) Inventar reich ’ausgestattet ist, durchgeführt. Die Ausbildung umfaßt einen gründlichen praktischen und theoretischen Unterricht^ unter Leitung von zwei Agronomen, in sämtlichen Zweigen der Landwirtschaft, wie Ackerbau, Viehzucht und Milchwirtschaft, Obst- und Gemüsebau, Geflügel-, Biencn- und Fischzucht, landwirtschaftliche Maschinenkunde und landwirtschaftliche Betriebslehre. — Für eine gute Unterbringung und Verpflegung der Schüler ist durch eine speziell-hierfür eingesetzte Damenkommission der Kownoer und Mariampoler ORT-Komitees Vorsorge getroffen worden. Eine zweite Gruppe von Schülern wird demnächst erwartet. An der jüdischen Gewerbeschule des ORT in Libau ist im vergangenen Monat auf. Veranlassung des ORT-Verbandes und der ORT-Gesellschaft, Abt. Deutschland, ein elektromechanischer Sonderkursus für deutsche, Juden eingerichtet worden. An dem Kursus nehmen 41 Jugendliche aus Deutschland teil. Das Lehrprogramm erstreckt sich auf anderthalb Jahre. Der Kursus wird von dem bewährten Lehrpersoual der. Gewerbeschule geleitet. die^FüTrerdes'ägj ptSchen Bankwesens und der Industrie teil. österreichische Völkerbundsliga für Regelung der Staatenlosehfrage Auf einer von der österreichischen Völkerbundsliga zur Beratung des akuten Problems der Staatenlosen, unter denen sich bekanntlich viele Tausend Juden befinden, einberufene Konferenz wurde eine Resolution einstimmig angenommen in der der Völkerbund aufgefordert wird, den Status der Staatenlosen sofort zu regeln. Als Vertreter der jüdischen Volkerbundsliga nahm an der Konferenz Dr. Emil Margulie teil, der Kongreß der europäischen Nationairtaten (Minderheitenkongreß) war durch seinen Vorsitzenden Dr. Wilfan vertreten. jüdischen Journalisten.) Zu Ehren des 25jährigen Jubiläums des holländisch-jüdischen Jomalisten Dr. AI. ran Blankenstein als Redakteur der großen holländischen Tages-, zeitung. „De Nieuwe Rotterdamcr“ fand im Hag eine Feier statt, an der führende Persönlichkeiten der diplomatischen, politischen, literarischen und journalistischen Kreise teilnahmen. Dr. van Blankenstein nimmt nicht nur in der Journalistik Hollands einen besonders hohen Rang ein, sondern ist nach dem Urteil hervorragender Staatsmänner auch eiue der bedeutendsten Erscheinung der Weltjournalistik. Belgrad. (Zehnjähriges Amtsjubiläum des G roß rabbiners von Jugoslavien.) Der Großrabbiner von Jugoslavien, Dr. Isaak Alkalay, ist anläßlich seines zehnjährigen Amtsjubiläums Gegenstand von Ehrungen durch die jugoslavische Judenheit. Dr. Alkalay, der 1881 in Belgrad geboren wurde, hat seine philosophischen und theologischen Studien in Wien absolviert. 1911 wurde er zum Oberrabbiner des Königreichs Serbien ernannt. 1914 und 1915' weilte Dr. Alkalav in England, 1917 und 1918 in den Vereinigten Staaten, wo er in der Öffentlichkeit für die Idee der Vereinigung aller Jugoslaven in einem Reiche warb. Im vorigen- Jahre wurde Oroßrabbiner I)r. Alkalay als offizieller Repräsentant der jugostavischen Judenheit zum Senator des Königreiches ernannt. Er betätigt sich aktiv im öffentlichen Leben und wurde für seine Verdienste mehrfach ausgezeichnet. Von seinen Schriften ist eine instruktive Studie über die jugoslavische Judenheit hervorzuheben. Belgrad. (Dreifaches Jubiläum von D r. Bukich Pijade.) Dr. Bukich Bi jade, einer der Führer des jugoslawischen Judentums, war in den letzten Tagen Gegenstand Vielfacher Ehrungen in der jüdischen und nichtjüdischen Öffentlichkeit aus Anlaß seines dreifachen Jubiläums: seiner 25jährigen öffentlichen Tätigkeit, seines 25jährigen ,_ __ Silbernen Hochzeit. Dr. Bukich Pijade war mehrere Jahre Präsident der Bne Briss-Loge, ist langjähriger Vizepräsident der Belgrader Jüdischen Gemeinde und Präsident des großen Wohltäti'gkeitsvereins „Potpora“.' Er ist Präsident der Belgrader Ärztekammer und war lange Zeit Mitglied des Stadtrats von Belgrad. Auch als medizinischer Schriftsteller genießt er hohes Ansehen. Er wurde mehrfach ausgezeichnet. Budapest.' (Antisemitische Ausschreitungen werden in Ungarn nicht geduldet werden.) An den Innenminister wurde im Parlament die Frage gestellt, warum man es der Pfeilkreuzorganisation gestatte, Versammlungen abzuhalten und Ausschreitungen, die meistens gegen Juden gerichtet sind, zu begehen.'Der Innenminister erwiderte, die Regierung lasse jede legale Betätigung zu, werde aber Verletzung vdn Gesetz und Ordnung verhindern. In Steinamanger hatten Mitglieder der Pfeilkreuzorganisation eine Kundgebung gegen die Aufführung des Stückes eines' jüdischen Verfassers im dortigen Theater veranstaltet. Volk umf eigenem jüdischen Land. Diese „Vortragsabende hatten zwar keinen großen Besuch zu verzeichnen, ein Beweis wie man in der luxemburgischen judenheit über diese Dinge denkt,- aber man durfte im Interesse des Ansehens der luxemburger Juden — diese Veranstaltungen 'finden in Hotelräumen statt —eine weitere Verbreitung dieser-Idee nicht zuhssen, zumal es in Luxemburg aus den Reihen der alteingesessenen Luxemburger nur zwei oder drei zionistisch organisierte Leute gibt, während das Gros der an und für sich zahlenmäßig kleinen -Bewegung aus Ostjuden und Emigranten .au*-. Deutschland besteht, die nun glauben, diese andere Haltung einnehmen zu sollen. Das Konsistorium hat nunmehr angeordnet, daß in den jüdischen Vereinen religiöse und ethische Probleme des Judentums durchgesprodlien und diskutiert werden; es hat für den Fall, daß wieder von einzelnen — zionistische Propaganda getrieben'wird, offen erklärt, daß es als oberste jüdische von der Regierung anerkannte Behörde Möglichkeiten hat, gegen solche Quertreiber vor/tigehen. Die jüdische Jugcndrdie unter Führung des Rabbiners steht, hat sich dein Beschluß des Konsistoriums gebeugt und bereits ihr Programm unpolitisch gestaltet. In der Lektüre-Gesellschaft sprach inzwischen bereits ein liberaler Redner, Dr~HUlf, der ' Saarbrückener Rabbiner. Im Frühjahr sollen die Wahlen /.tim Konsistorium stattfindcu. Wenn die liberale Gcmcmdcführitug m der Weise fortarbeitet wie bisher so werden auch in der Folge nur.liberale Persönlichkeiten an der Spitze der-luxcmburger Judenheit .stehen. - S• <• FORSORGLfCH VORSORGEN SCHÜTZT VOR SORGENI &S&. mmmm der Organisation verhaftet wurden. In Zalacgerszeg und Zalaloevpe wurden die Fenster in mehreren jüdischen Häusern eingeschlagen und Stinkbomben in die Wohnungen geschleudert. Nach emer antijüdischen Demonstration drangen Demonstranten in Cafthäuser und Restau- - rants ein und mißhandelten die jüdischen Gäste. Dit Polizei verhaftete zehn Personen, die jüdische Häuser mit antisemitischen Emblemen .bemalt hatten. Zwei Pfeilkräuter wurden vom Schnellgericht abgeurteilt; der eine erhielt sechs, der andere zwei Wochen Gefängnis.) Prag. (Der jüdische Bevölkerungsanteil in der Tschechoslowakei.) Das letzte Heftjler Berichtedes Statistischen Staatsamts'enthält die Daten über .die nationale Zusammensetzung der Tschechoslowakei, wobei die Ergebnisse der Volkszählung von 1930 mit denen von 1921 verglichen werden. 1921 lebten Unter. 13 373 463 Staatsangehörigen 180 504 Juden, d. h. solche,- die sich zur jüdischen Nationalität bekannten. 1930 lebten unter 14 479565 ' Staatsangehörigen 186 642 Juden. Prozentuell haben sich die Juden von 1,35 auf 1,29 vermindert. Siehalten die 5TSfelle in der Reihe der Nationalitäten. .Ein anderes Ergebnis für die Juden nach der absoluten Seite hin erbringt die religiöse - Gliederung. Während man 1921 -353978 Israeliten zahlte, d. Ii. solche, die sich zur mosaischen Konfession bekannten, waren es 1930 356 830 Israeliten; diese haben sich-also prozentuell voir 2,60 auf . 2,42 vermindert und' halten die ■ sechste Stellejn den Konfessionen in der Tschechoslowakei. Riga. (Von deh Sowjets nach Sibirien verschickter Rabbiner in Riga eingetroff-en.) Iii Riga ist der von den Sowjetbehörden seinerzeit zu drei Jahren. Verbannung nach Sibirien verurteilte ehemalige Rabbiner von Minsk, Abraham Gotdberg, eingetroffen. Die Verurteilung Rabbi Goldbergs erfolgte auf Grund einer Verleumdung. Eis wurde behauptet, er hätte in einer Predigt die Sowjetregierung angegriffen. Der Synagogendiener war verleitet worden, in dem Prozeß gegen den Rabbiner auszusagen. - Warschau. („Den J u.d en ' so 11 k ein Unrecht, geschehen.“) Anläßlich eines Empfangs,'der zu Ehren ■ Pilsudskis in Wilna veranstaltet würde, wurde dem Marschall mitgeteilt, daß das jüdische Krankenhaus der Stadt infolge gewisser, behördlicher Maßnahmen vor der 'Gefahr stehe, geschlossen werden zu müssen. Marschall Pilsudski erklärte sofort, sich für die bedrohten jüdischen Interessen einsetzeii. zu wollen. Er sagte wörtlich; Den Juden Wilnas soll, Gott bewahre, kein Unrecht zugefügt werden. Dank dem Eingreifen Pilsudskis wurde das Fortbestehen des Krankenhauses ge-

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