Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 14 (16.2.1934)
- Date
- 1934-02-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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14. Jahrgang Nummer 14 3ttöifdHU>ettile 3eifung Beilage s 16. Februar 1934 Zur Über windung der Judenfrage Kritische Bemerkungen zu einer Palästina-Ausstellung Von Dipl.-Ing. Bruno Woyda Fast will es scheinen, als müßten wir die Judenfrage als eins der unlösbaren Welträtsel ansehen. Durch die Jahrhunderte, ja Jahrtausende füllt sie die Blätter der Geschichte, im Osten und Westen offenbart . sie sich als ungelöst, einmal in Spanien- und einmal in . Rußland, einmal in Ägypten und einmaHn Palästina, einmal in Deutschland und einmal in Frankreich.? Wodurch, so muß 'immer wieder jeder,, der zu ihrer Lösung beitragen will, fragen, wodurch ist sie bedingt, welches sind die Voraussetzungen ihres Entstehens, wie können ihre Ursachen überwunden werden? Man schätzt die Zahl der Menschen, die den Erdball bevölkern, auf 1,8 bis 2 Milliarden. Und man schätzt die Zahl der Juden in der Weltauf 1.5 Millionen. Aber niemand würde wohl ernsthaft zu behaupten wagen, daß durch das Zählenverhältnis die Bedeutung der Judenfrage ermittelt werden könnte. Der quantitative Maßstab versagt hier. Und damit sollte _ eigentlich auch die vielfache Annahme eines unheilvollen Einflusses der Juden ad absurdum geführt sein. Denn wenn man weiß, daß. politische Machtinstrumente, Heere, Waffen, der Judenheit ja nicht zur Verfügung stehen, daß in den Hauptstaaten Europas, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, das Verhältnis 100:1 ist, z. T. sogar noch geringer, wer könnte da meinen, daß ein „ungebührlicher Einfluß“ gegen den Einen und nicht gegen die Hundert spräche, wenn es ihn,überhaupt gäbe? •. Und doch gibt es eine Judenfrage, sie läßt sich nach dem Gang der Geschichte und den Erfahrungen im Orient und.im Abendland nicht leugnen. Man'hät C@lt©l£fotc°,°9"8 Puder Zu hoben in allen einschlägigen Geschäften sie im Staatsleben der Gegenwart auf mannigfaltigste Art zu lösen getrachtet. Im einen Lande hat man die Juden als Nation anerkannt und ihnen nationale Minderheitsrechte eingeräumt, im anderen Laude hat man sie bei voller Achtung ihrer religiösen Souderart als vollwertige, gleichgeartete Glieder der Gesamtnation erkannt und ihnen die vollen und gleichen Rechte jedes Staatsbürgers gewährt. Und in unserem deutschen Vatertande durchleben wir ja gerade jetzt das Suchen oder doch zumindest das Bewußtsein von der Notwendigkeit einer neuartigen Lösung. Ist so schon das Problem für den Außenstehenden von einer kaum zu erforschenden Kompliziertheit, so wächst die Fülle der Fragen, je mehr man sich der . Behandlung der Judenfrage nähert. Wollte etwa jemand die Juden selbst nach dem Wesen der Judenfrage befragen, wie könnte er eine einheitliche Antwort erhalten? Was ist denn Judentum? Der Jude Osteuropas antwortet anders als der des Westens,- beide anders,als der Palästinenser antworten wird; der Ziönist, der Orthodoxe, der Liberale, sie alle haben .-eine eigene Antwort — und wie groß ist die Zahl der Richtungen in jeder Richtung, wie groß ist die Zahl eigener Auffassungen von Einzelnen? Und wie ungeheuer erst die Zahl von grundverschiedenen Meinungen Außenstehender über das Wesen des Judentums? ' Wir Juden aber haben wohl als Erste die Pflicht, an. der ■ Klärung und Lösung der Judenfrage mitzuarbeiten. An uns ist es, Klarheit über uns selbst zu gewinnen, aus uÄserem Sein und unserem Wollen den Weg der Vergangenheit zu-überprüfen und-den Weg der Gegenwart in die -Zukunft zu suchen. Wenn also jetzt in einer von der Berliner Zionistischen Vereinigung veranstalteten Paläs'tina-Aüsstellung der zionistische Lösungsversuch dargestellt. wird, „die nationale Wiedergeburt des jüdischen Volkes auf dem Boden der Vater-Heimat in unseren Tagen in die Wege zu leiten", so muß man das an ' sich begrüßen. Vorausgesetzt .freilich,—daß hier im vollen Bewußtsein der schweren Verantwortung, die zumal in jetziger Zeit jede Äußerung zu diesem Thema erfordert, gesprochen wird. Die Darstellung des zionistischen Lösuugsversuchcs gestattet aber auch eine Nachprüfung der - Einwendungen, die von nichtzionistischer Seite gegen das Palästinawerk vorgebracht werden. -Dabei soll es sieh zunächst nicht um die ideologische Auseinandersetzung handeln. Unbestreitbar,-daß Menschen sieh dem Palästinawerk liiugehen „mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft". Sie bringen Opfer ihrem Ideal in gewaltigstem Ausmaß, versuchen in mühseligster Kleinarbeit, unddoch beglückt durch Hoffnung auf den Enderfolg, ihr Ideal in Wirklichkeit zu wandeln. Ihre Leistungen schmälern zu wollen, würde eine Schmähung des meitschlicli(?n Idealismus' bedeuten. Aber diese menschliche Wertung darf nicht die sachliche Prüfung und Würdigung des Palästinawerks hindern. Und wenn es auch heute, in.einer-Zeit'der Unklarheit auf naltezu allen Gebieten des-jüdischen Lebens, nicht gern gehört wird, wir Niclitzionisteii haben dennoch die Pflicht, um des Judentums und . unserer eigenen Achtung willen, uiisvrc""Tcritische Stimme zu erheben. Nicht, als ob wir bestreiten wollten, daß — und zwar gerade in unseren Tagen Palästina auch vielen Juden aus Deutschland -seelischen Ausweg, materielle Rettung bedeutete. Aber das Wesentliche muß ja nicht die Prüfung der individuellen Bedeutung des Palästinawerkes, sondern seine Beurteilung für die jüdische Gesamtheit, sein Anteil an der „Lösung der Judenfrage“ sein. Die Ausstellung führt den Titel: „Ere-z Israel — das Land der Juden“. Und schon dieser Titel ist nicht Wahrheit sondern Dichtung, nicht Wirklichkeit sondern Traum, ist Palästina wirklich „Erez Israel1-“, ist Palästina wirklich das Land der Juden? Einige Tabellen der Ausstellung, wied.ergegeben auch in einem statistischen Bilderbuch von Ölte Wallisch, sagen denn doch Anderes aus. Wenn beispielsweise' der ' .. Bodenbesitz in Palästina ' figürlich dargestellt ist und es stehen 22 Arabern jetzt SJuden gegenüber, kann da vom „Land der Juden“ gesprochen*werden?' Oder gilt das etwa,' wenn bei der Darstellung der Bevölkerung 15 Arabern (760000) und 2 Christen (91 000) jetzt 4 Juden 11-75 000) gegenüberstehen? Gewiß, der jüdische Anteil an der Gesamtbevölkerung Palästinas ' fst.scitKWegsende. gestiegen, von 12o/» im'Jahre 1919 auf 23«/» im Jahre' FAMILIENVERSORGUNG KINDERVERSICHERUNG ALTBR5SCHUTZ i!$ FAMIIIEKSCHVTZ FAMILIENSCHUTZ Miet-ü Ir Betrag. Jacke*- n*ü*e. Mäntel. - Hbore, Schlesische Mpbel- Kamerling N, Kastanien* allce 56 {LFehrbclUnerStr. Ackerstra6e18 Stempel-Alteetht Berlin C2 (am Rathaus) .nur Hoher Steinweg 15 Bügelanstalt Herren-u.Damenhutumpress. Neuanfertigung ' F. Bussas. Uhlandstr. 681 B. Chyllnskl Herrenu. Damen-Moden Bin. uns. Kurfürstendamm 45 JI Bismarct tau DEKORATIONEN Georg D e u r i n g e r Berlm-Wilmersd.,Wegenerstr.3 Schweizer Spezialitäten Gebäck Schokolade . Wolf I W 50, Budäpesteretr. 13 Vornehme JfyuUkteid, n. k Adalbert Deichsel 1 Spezialist für FvtslciJenJe Kette Winttrfeldtrtr«** der neue Stil die maßschneiderei für den verwöhnten Geschmack DAMEN HERREN Berlin-W 50 Pragerstr. 33 am NOmbaratr Platt. Telataa*. Baratia-B< - SS06 . Milgll.d des. 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