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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-02-13 · 13 (13.2.1934) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
13 (13.2.1934)
Date
1934-02-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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14. Jahrgang Nummer 13 3ttitif(fMtoet<ile 3eifung Beilage 13. Februar 1934 Vorstandssitzung des Weltverbandes für religiösliberales Judentum Am 20. Januar 1034 fand die ordentliche halbjährliche Vorstandssitzunjr der World Union for Progressive Judaism in London statt. Der Vorsitzende der Exekutive,. Rabbiner Dr. Matt ach, leitete die Sitzung in gewohnter Umsicht und Klarheit. Neben einigen formalen Organisations- und Finanzfragen standen zwei Hauptpunkte zur Erörterung. Erstens die Neuentwicklung des religiös-liberalen Judentums in verschiedenen Ländern und zweitens die im Sommer geplante ordentliche Konferenz des Weltverbandes. Die Entwicklung der unter der tätigen Förderung des Weltverbandes eingeleiteten religiös-liberalen Neuorganisationen ist sehr befriedigend. Ober Holland wurde in diesen. Blättern kürzlich berichtet. Aus - Mitteleuropa lagen die schriftlichen Berichte von Frau Margarete (ioldstcin vor — die diesbezügliche Meldung der TTÄ.i'dail Frau (ioldsteinpersönlich berichtete, ist mjliverständlich. In Ungarn hat sich unter Führung einiger jüngerer Herren eine rührige, ständig im Ansteigen begriffene Gruppe - religiösliberaler'Juden gegründet, welche zunächst in eifriger Innenarbeit ihre Reihen verstärkt,' ohne bisher Wert 'darauf, zu legen, nach außen allzusehr hervorzutreten. Mit Recht steht man dort auf dem Standpunkt, daß zunächst notwendig ist, sich selbst innerlieb so vorzuhereiteir, daß ,man, wenn man in das öffentliche jüdische Leben eingreift, auch auf sicherem weltanschaulichen Boden stellt. Es finden regelmäßige Zusammenkünfte, Kurse und Erörterungen statt und es ist anzunehmen, daß sich die Gruppe rasch verstärken wird, 'zumal aus sehr bekannten Kreisen der ungarischen Judenheii der Bewegung Wohlwollen und Förderung zugesichert ist. In Wieir ist gleichfalls eine (irüppe. religiös-liberaler Juden gegründet worden, welche zunächst ebenfalls im innern Aufbau ihre Reihen zu verstärken sucht. Es finden regelmäßig religiöse Zusammenkünfte statt,; bis die Gruppe so erstarkt ist, daß sie mit einem ordentlichen Gottes- - dienst au die Öffentlichkeit treten kann. Bekanntlich . gibt es in der großeh Wiener Gemeinde einen religiösen Liberalismus überhaupt noch nicht. Die Gegen- Sätze in der Wiener Kultusgemeinde waren bisher int wesentlichen politisch. Unter dieser rein politischen Auseinandersetzung hat die Gestaltung eines positiv fortschrittlich religiösen Judentums schwer gelitten. Neben einer kräftigen Orthodoxie stand eine große Reihe halborthodoxer oder indifferenter Juden, die politisch sich als „Nichtzionisten“ bezeichneten, aber ' für irgendwelchen religiösen Aufbau nicht zu haben waren. Es ist zu hoffen, daß hier die neue Gruppe " die erste Keimzelle einer wirklich religiösen Bewegung werden wird. Von außerhalb Europas lagen zwei sehr erfreuliche Berichte vor. In Australien hat' die religiösliberale Gemeinde in Melbournesich kräftig entwickelt und unter der Leitung ihres neuen Rabbiners Nußbaum, eines jungen Amerikaners, gute Fortschritte gemacht. Besonders interessant ist. die Mitteilung, daß, im Gegensatz, zu vielen andern Ländern, die offizielle Gemeinde und die auf anderm religiösen Boden stehenden Gruppen der neuen liberalen Gemeinde sehr freundschaftlich entgegengekommen sind und sie als gleichwertiges und gleichberechtigtes Mitglied der jüdischen Gemeinschaft-.aufgenommen haben. Man ist dort in Australien eben weitsichtiger als in europäischen Ländern. Man sieht, daß durch die liberale Arbeit eine große Reihe jüdischer Menschen, die dem Judentum schon entfremdet waren, der religiösen Gemeinschaft wieder zugefuhrt werden. Hierüber empfinden mit Recht auch die Genugtuung, die selbst auf anderm jüdischen Boden stehen. Auch in Südafrika ist es einem jungen amerikanischen Rabbiner, Rabbi Weiler, gelungen, mit Hilfe einer schon lange interessierten Gruppe von Johannisburger Juden eine kräftige und schnell aufblühende Gruppe ins Leben zu rufen, die nach wenigen Monaten Arbeit bereits einige hundert Mitglieder zählt und sich so stark fühlt, daß sie schon den Baugrund für eine liberale Synagoge gekauft hat und mit dem Bau demnächst zu beginnen hofft. Übrigens haben sowohl die australische wie die südafrikanische Gruppe in Aussicht gestellt, daß ihre Vertreter an der nächsten Konferenz teilnehmen werden. Diese Konferenz wird in der ersten Juliwoche, voraussichtlich am S. und 9. r'Jüli stattfinden. Der Tagungsort steht noch nicht ganz: fest, doch ist wahrscheinlich, daß die Tagung diesmal in Paris stattfinden wird, um unsern französischen Gesinnungsgenossen einmal Gelegenheit zu geben, in näheren Verkehr mit den andern Freunden zu kommen, nachdem bisher Deutschland, England und Holland die Ehre einer derartigen Konferenz gehabt haben. Neben den Regularien der' Weltkonferenz, insbesondere Vorstandswablen usw., steht ein außerordentlich interessantes Arbeitsprogramm auf der Tagesordnung. Das Generalthema lautet: „Judaism. und human Destiny“, was wir in Deutschland wohl als „Die Bestimmung des Menschen nach den Lehren des Judentums“ übersetzen müssen. Das Thema ist in drei Abschnitte gegliedert: . . .. 1) Die Aufgaben Israels als religiöser Gemeinschaft; - 2) Judentum und Menschheitsaufgaben; 3) Judentum und die Bestimmung des Einzelmenschen. Die Themen werden teils in öffentlicher Sitzung, teils in der in unsern Konferenzen schon üblich ge-, wordenen Form als Erörterung „am runden Tisch“, das heißt als interne Diskussionen, behandelt werden. Es sind eine Reihe hervorragender jüdischer Männer als Redner gewonnen; insbesondere werden Claude Montejiore, Dr. Bueck, Dr. Silver und Dr. Schulmann aiis Amerika -und der ausgezeichnete Leiter der französischen religiös-liberalen Bewegung, Rabbi Oermain Levy, sprechen. Neben der Haupttagung wird, wie in den letzten Jahren regelmäßig, eine Jugendtagung stattfinden. In Aussicht genommen ist ein Thema, das als „Der Beitrag der Jugend zur Lehre und Arbeit des liberalen Judentums“ bezeichnet werden kann (der genaue Wortlaut wird noch formuliert werden). Die Tagung wird-selbstverständÜch der Zeit entsprechend im allereinfachsten geschäftsmäßigen Rahmen stattfinden. Uiid doch ist zu hoffen, daß die Zusammenkunft von religiös-liberalen Juden aus allen Teilen der Welt unserer Sache neuen bedeutsamen Auftrieb geben wird, . /-/. St. Hausfrauen helfen Von Etly Hirsclifeld i Judentum is >c. Jüdische Wohlfahrtspflege haben vc - waren und sind ein Gebot :ht erfüllt, der weil! nicht v h heute darauf beruft, F.est verankert im Judentum ist der Gedanke der Nächsten- . liebe. Jüdischer Gemeinsinn, jüdische Wohltätigkeit und WnhlfnhrtsnfWp h.nhi-u von .i-lntr beispielhaft gewirkt; :r Religion, und wer es in Judentum. Auch der _ könne nicht helfen, weil seine Verhältnisse ungünstiger geworden seien, er dürfe jetzt nur noch an sich und seine eigene Familie denken. Gewiß ist es heute für viele unter uns schwer, immer und immer wieder geben zu sollen, aber helfen ist ja keineswegs stets gleichbedeutend mit „Geld geben“. Man kann sogar', indem man anderen. Hilfe leistet, gleichzeitig auch sich selbst Frauen haben diesen Gedanken verwirklicht und ihn zur Basis einer charitativen Organisation gemacht: der „Jüdischen Hauspflege“, die seit dem Herbst vorigen Jahres besteht, und Zwar als eine Abteilung des Verbandes Berlin im Jüdischen Frauenbund. Einen allgemeinen interkonfessionellen Verein „Hauspflege“ hat.es schon viele Jahre hindurch ge- ~ “.“- Verein löste sich jedoch im vorigen Jahre ' oder Erkrankung der Hausfrau durch tüchtige Hausfrauen die Wirtschaft der bejiinderten Frau aufrecht erhalten zu lassen. Gerade jetzt, da sich nur wenige Familien noch eine Hausgehilfin leisten können, kann beispielsweise die Erkrankung der Frau, der Mutter eine Katastrophe bedeuten. Vielleicht befindet sie sich nach schwerer Krankheit bereits im Stadium der Genesung, aber sie ist noch nicht imstande, in gewohnter Weise die häuslichen Arbeiten zu verrichten, für Mann und Kinder zu sorgen. -Hier tritt nun die Hauspflege helfend ein. Sie hat - jederzeit tüchtige Hausfrauen an der , die sich für den Ihenst uu fremden Haushalt auf iigc Zeit zur Verfügung stellen. Wenn sie auch Vonseiten ,Hauspflege“ eine kleine Entschädigung dafür 'erhalten, Hand, bedürftigen .._ _, _ __ _ Denn die Frau, die heute hingeht, um im fremden Hause die 'Mntter-m'vertreten, Hie wi^g q|K. .schwere Arbeit auf sich nimmt, muß mehr geben als Arbeit. Es wird von ihr erwartet, daß sie die Hausfrau, sie sei nun leidend oder sonstwie an der Erfüllung ihrer Pflichten behindert, und die meist bedrückt und traurig sein wird, wieder aufrichtet; ihr neuen Lebensmut einflößt; man sieht in der mütterlichen Stellvertreterin den gütigen Menschen, mit dem auch Mann und Kinder ihre Sorgen besprechen können, sie muß, kurz gesagt, ihr Herz fremdem Leid wie fremder Freude weit geöffnet halten, und dabei muß sie Arme und Hände nach Kräften regen, um die Wirtschaf.smaschine in vollem Gang weiterlaufen zu lassen. Das ist keine leichte Aufgabe, aber vielleicht die schönste, die einer mütterlichen Frau werden kann. Bei alleinstehenden Alten wird sie Tochterstelle vertreten müssen; es kommt vor, daß sich kränkliche alte Leute au die „Hauspflege“ mit der Bitte wenden, ihnen jemand nachzuweisen, der bereit ist, nachts in ihrer Wohnung zu In solchem Falle findet, sich wohl eine a Wendt & Redlich BERE.II) W Unter den Linden 29 *• - Tel. A2 Flora5374 Herrenschneider Herrenwäsche hach Maß tf&G&crnxuxfen. Sic Sei Ihren SinRaufkn dasführende , ♦KAUFHAUS - Radiohaus Friedenau ■ Fleckfort ■ holt ab zum ehern. Entdecken Ganzreinigen, Färben, Kunststopfen und Entglänzen schnell, billig, zuverlässig Anruf: Saramel-Nr. HG EmserP1.22GG: Alice Senros Wilmersdorf, UhlandstraBe 60 'Fritz Kuhn Kantstraße 130a C 1 Steinplatz 737G Tragglanr-EntTernun] £tttp{eft£etu>tverte ^rhiersaiont» Die moderne. 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