Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-02-09 · 12 (9.2.1934) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
12 (9.2.1934)
Date
1934-02-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2613366-2613519-2613529--4725-2616451
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nochmals: Die Opferung Isaaks Von Justizrat Dr. Wittelshöfer, Fürth (Bayern) Der Streit um den Wert der biblischen Erzählung von „Isaaks Opferung“ will nicht zur Ruhe kommen; mit Recht hat Rabbiner Gustav Cohn (Leipzig) in diesen Blättern („Zurück zur Bibel“; Nr. 1 der „J.-l. Z.“ vom 3. Januar) dies Thema wieder aufgenommen. Wie immer nichtjüdische Kreise zu dieser Erzählung sich stellen mögen, wir Juden fühlen durch sie weder unsere Religion, das Judentum, mit einem Makel behaftet, noch auch den jüdischen Stamm oder die jüdische Rasse, wenn wir diesen Begriff gelten lassen wollten. Und auch das alte jüdische Volk besteht in Ehren. Denn zu jener . Zeit führten nicht die Hebräer, wohl aber viele andere Völker des Orients ihre Kinder „den Göttern zu Ehren“ durch das Feuer. So lesen wir z. B. bei Ranke („Weltgeschichte“ Bd. 1, S. .335 f.), daß die Punier oder Karthager noch bei der Belagerung ihrer Stadt durch den König Agathokles von Syrakus im Jahre 340 v. Chr. zweihundert und noch mehr erstgeborene Söhne ihrem Gotte Moloch verbrannten, in dem Wahne,- hierdurch die Rettung ihrer Stadt zu erkaufen. Aber war (Jies Greu$lwesen dreieinhalb Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung, so hören wir noch tausend Jahre später Ähnliches. Denn (ebenfalls laut Ranke, Bd. 3, S. 27) noch im Jahre 620 nach Chr. soll der Großvater Mohammeds die Absicht gehabt haben, einen seiner zehn Söhne seinem Götzen Hobol.zu schlachten, und nur auf Zureden seiner Familie soll er es unterlassen und dem Götzen dafür hundert Kamele geschlachtet haben. — Daß auch die -Hellenen noch diese gräßliche Religion mit Kindermord hatten, wird durch die bekannte Sage von Iphigenie klar bewiesen, nach der der hellenische Oberbefehlshaber Agamemnon seine Tochter Iphigenie opfern .mußte, um die Gunst der Götter für den trojanischen Krieg zu erkaufen. Wir wollen auf" diese Iphigenie nachher noch in einem anderen Zusammenhang zu sprechen kommen. Sind wir bei Betrachtung der Hellenen bereits aus dem Kreis-der semitischen Völker herausgetreten, so sehen wir vollends, daß die Greuel des Menschenopfers nicht an eine bestimmte Rasse gebunden sind, sobald wir uns den Indern zuwenden, deren Verwandtschaft mit den Germanen oft nachdrücklich betont wird. Bei ihnen hat sich dieses menschliche Erbübel aus barbarischer Vorzeit bis in die neueste Zeit erhalten. Jedenfalls habe ich im Unterhaltungsblatt des. „Fränkischen Kurier“ (Nürnberg, 10. Mai 1915) eine Notiz folgenden Inhalts gefunden: „Laut eines Artikels von Sauter in der österreichischen Wochenschrift für den Orient glauben die Inder, daß sie ein Menschenopfer darbringen müssen, wenn sie einen Schatz finden wollen, den sie in ihrem Eigentum, vergrabenglauben. Siewerden von ihren Astrologen so gelehrt. Sie glaubenferner, von ihrem Gotte belehrt zu sein, daß sie großen Reichtum erlangen werden, wenn sie ihr Kind, sogar ihr einziges, opfern, und sie tun dies daher. Der Gott habe ihnen auch versprochen, das Kind wieder zum Leben zu erwecken. Auch bei Eisenbahn- und Brückenbauten müssen nach Ansicht des Volkes Menschenopfer dargebracht Werden, um die bösen Gespenster zu bannen.. Eltern schicken ihre Kinder des Nachts mit Schmuck behängen weg, weil sie dann sicher sind, sie ermordet wiederzufinden. Die Statistik weist daher in Indien eine enorm große Sterbezahl der Kinder auf, und also nicht nur wegen der verhältnismäßig großen Jugend der Mutter, sondern auch wegen dieses Aberglaubens an Hexen und Zauberei. Wohlgemerkt —: gerade wir behaupten nicht, daß Wahn und Greuel in einer bestimmten Rasse heimisch sei. Aberglaube ist leider ein allgemein menschlicher Defekt. Aber gegenüber denen, die für alle Ltnkultur die jüdische Rasse verantwortlich machen möchten, darf doch darauf hingewiesen werden, wie sehr von diesen Indern, die man ja den arischen Völkern zurechnet, unser Stammvater Abraham sich unterschied. Nicht aus Rassegründen —; er, der Semit, unterschied sich auch von der kinderopfernden semitischen Umwelt seiner Zeit, von deren Anschauungen und Gepflogenheiten er nicht unbeeindruckt geblieben war. Denn auch er streckte seihe Hand und sein Messer aus, um seinen Sohn Isaak zu opfern. Da aber rief ihm ein Engel vom Himmel zu, er solle seine Hand nicht gegen seinen Sohn ausstrecken und ihm nicht das Geringste antun. Was ist mit dieser frommen Allegorie vom Engel, gemeint? Nichts anderes doch, als daß Abraham selbst von menschlichen und väterlichen Regungen ergriffen wurde und daß er vor allem Gott-in seinem sittlichen Willen erkannte! Der mißversteht die Himmlischen, der sie Blutgierig wähnt, er dichtet ihnen nur Die eig’nen grausamen Begierden an ~ läßt Goethe seine Iphigenie (Akt 1, 3. 'Aufzug) sprechen. Unser Stammvater Abraham hat also schon vor Tausenden von Jahren seinen Gott nicht blutgierig gewähnt und ihm keine grausame Begierde angedichtet, hat folglich schon damals der geläuterten Ansicht unseres großen Dichterfürsten entsprochen, obwohl er schon 1500 Jahre vor den Puniem [ WILLY GREGOR NW 87, Levetzowstr. 13a Möbeltransporte nach dem Ausland ) und 2400 Jahre vor dem Großvater Mohammeds lebte. Wir haben uns also schon von unserem ersten Stammvater an über den blutgierigen Glauben der uns umgebenden Völker hoch empörgehoben. Gerade die gleiche Anschauung, die in dem heutigen Streit um diese biblische Erzählung als undeutsch abgelehnt wird, gerade sie wird auch in dieser Erzählung selbst abgelehnt! Weit entfernt also, daß diese Erzählung einen Schatten auf uns wirft, gereicht sie-uns vielmehr zum höchsten Ruhme. 130 Jahre Frankfurter Philanthropin Die geistigen Grundlagen der Anstalt ■ Zum 130. Schuljahr des Philanthropins, der öffentlichen höheren Lehranstalt im Schulwerk der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M., veröffentlicht der Leiter den Anstalt, Oberstudiendirektor Dr. Driesen, Mitglied des Erziehungsausschusses der Reichsvertretung der deutschen luden, ein Merkblatt, in dem der Aufbau der Anstalt und ihre geistigen Grundlagen in einer programmatischen Zusammenfassung entwickelt werden. Der grundsätzliche Teil des Merkblatts ist im Hinblick auf die vielfachen Bemühungen zum Aufbau heuer jüdischer Schulen in Deutschland besonders beachtlich. Es heißt darin u. a.: Das Philanthropin erzieht seine Schüler und Schülerinnen zu bewußten und selbstbewußten Juden deutscher Kultur. Das Philanthropin wird, ohne jeden Gewissenszwang, als Schule-innerer-Einheit-erlebt; - - - - - Jedes Elternhaus wird von Lehrern und Schülern als unantastbar überlieferte, ehrwürdige Gemeinschaft in selbstverständlicher Ehrerbietung als vorbehaltlos gleichberechtigtempfunden. In seiner maßgeblichen Geltung für die Schule wird das Elternhaus in Rücksicht auf seine innere Richtung und ohne Rüchsicht auf seinen äußeren Rang gern anerkannt: ln Zweifelsfällen jüdischen Gewissens entscheidet, nach seiner Tradition, das Elternhaus. Die innere Einheit ist so groß, daß die Anstalt die freie, taktvolle Bestätigung aller jüdischen Jugend-Bände innerhalb des staatlich gesetzten und staatlich beaufsichtigten Rahmens ruhig gestatten und mitgestalten kann. Seit 130 Jahren, seit seiner Gründung, lebt im Philanthropin und seinen Generationen von Schülern und Schülerinnen die innere Verbundenheit mit der engeren und weiteren | <tfieatetr Haßcneä, Hino (fyufitte und (fyiüiti i ui 15, JoadMaier Straße 13 Täglich (außer Freitags) 83° Uhr abds. Willy Prager konferiert ab 1. Febr. wieder neues Kabarettprogr. Rita Atlasz, Jaks, Martin Kettner, Marion Koegel, Leni und Mamut, Dunio und Partner, Heinz Rogland. Am Flügel: Erfdi Ronls Kapelle: ladt Potediuk Donnerstag, 15. Februar u. folg. Donnerstage, nachm. 4 Uhr Tanzen ^"4a^tua E1lOmRM.0^'elhing ““ Sonnabend u. Sonntag 4,30: Tanz-Tee Vorverkauf täglich 11-1 Uhr an der Kasse und Abendkasse (J 1 Bismarck 6979) Kabarett der Komiker KurtOrrtmdlram 15« ■»*, 7»* Täglich 9.15 Uhr Dienstag,Donnerstag u.Sonnabend4vJhr Nachmittage der Hausfrau Sonnibend» 9.30 t „Brett'lim Zentrum“ im Hotel J<3nlg 9. Portapit*, Berlin C2, ßtugsiraße J6 abds'flho'wältei Steiner tuiEintrJ tAzTAN Z*STI M M U N G ^Wo ttaaeaofr ns eatar ns gat aarfsitfea? „Caf£ Trianon“ inh. Barnsteln Bayerischer Pietz lv Tel. ß 6 0835 Mitjjl. d. jüd. Gemeinde TSgUch nachmittags und abends TANK •Etntrltttrei Anerkannt beste Wiener Küche bei ganz billigen Preisen. Wochentags nachm. 1 Tasse Kalfee 33 Pt Gedeck 55 Pf-Abends 1 Tasse Ka(fee46 Pf. Sarast u. Sonnt Abend 1 KSnnch.Kaffee62Pf. iKommandantenhof“ Das originellste Herfen- Restaurant d. Westens Erstklass. Küche — Grog-Stube — I a Biere — Hamburger Hafenmusik — Seemanns-Songs [ Regensburger-Modelle Die vornehme Herren- und Damen- . Maßkleidung zu billigsten Preisen Berlin W 15, Kurfürstendamm 224 hochparterre (Ecke Meinekestr.) Tel. J 1 Bismarck 2450 | t Vertreterfirmen)^ gesucht für leistungsfähige v Bremer Kaffee-Großrösterei Carl Max Josephs Herren- Komfort* Zimmer in gepflegtem Haushalt, mit Telefon, parterre, zt Apfel, Schwäbischest. 6 Tel. B 6 3895 Heimat. Sic blieb lebendig, wohin auch Schicksal oder eigener Entschluß die ehemaligen Philanthropiner in der Welt führen mochte. Die Verbundenheit mit der Heimat blieb lebendig, nicht nur aus relgiöser Verpflichtung, im Sinne prophetischer und rabbinischer Überlieferung, für die Heimat zu beten und ihr freiwillig zu gehorchen. Sie lebte im Herzen,- wie in der Bildung aller Philanthropin-Generatiouen. als natürlich . gewachsenes Gefühl aufrichtigen Dankes und treuer Anhänglichkeit an die deutsche Heimat, ihre Menschen, ihre Landschaft, ihre Sprache, ihre Lieder, ihr Schrifttum, ihre Geschichte, ihre Sitte und ihre hohe Kultur. Auch heute — und morgen — soll unsere Schülerschaft als lernende, wissende und könnende Erbin eines Jahrtausende, alten, einzigartigen, zu Charakter, Haltung und Vorbild ^yerpflichtenden Stammbaumes und eines in der Schule täglich ~ erlebten religiös-geistigen Gutes, ohne jede Tarnung, aber auch ohne Überbetonung, natürlich, frei, stark an Körper und Seele, der heimatlichen Gegebenheiten in Ehre, Würde und Ruhe sieh bewußt bleiben. Schäler und Schülerinnen! Diejenigen Schüler(iuiten), die Ostern die Schule verlassen, bitten yvir, sich schon in der nächsten Zeit bei der Berufsberatung der Jüdischen Gemeinde zu melden. Sprechstunden finden statt: Montag bis Freitag, außer Mittwoch, 9.3U bis 12.30 Uhr, Kosenstr. 2 4 und Donnerstag Nachmittag- 4 bis 7.Uhr, Kleihtreustr. 2, Sondersprcchstmutc für die»zu Ostern abgehenden Schüler: Montag bis Mittwoch 3.30 bis 5 Uhr -Rosenstr. 2. - Vereins-Nachrichten. Berliner Sport-Gemeinschaft 1933 im Sportbund des RjFr Unsere Kegclabtcilung kegelt Donnerstag abends 8 Uhr .-im'-Keglerheim, ßerliu-Cliarlottcnbnrg, Spreestraße ' 11, aut Wilhelmsplatz. Auskunft erteilt: Willi Neumaiin, W 30, Münchener Straße 14. Tel. B (»„Cornelius 221b, . Bund Deutsch-Jüdische Jugend Prinzregentenstraße Jeden Montag, ahends S.30 Uhr, Zusammenkunft der Oruppe I) (ab 16 Jahre) im Vortragssaal der Synagoge, rechter Aufgang, 3 Treppenr Arbeitsgemeinschaft: Leitung cand. pliil. et theol. Gerhard Graf. Der Schriftführer: Hans Kempuer. Synagogenverein Friedenstempel Am 11. Februar, vormittags 11 Uhr, Generalversatnm-■ lung im Cafe Leon, Kurfürstendamm 156/157. — Am 14. Februar, abends 8.30 Uhr, im Cafe Leon Lichtbildervortrag der Leiterin der Kunstsammlung der Jüdischen Oetneinde, Fräulein Erna Stein, über Megilloth und Haggadoth.. Eintritt frei für Mitglieder und Gäste. — Am 3. Marz, abends 8.30 i Uhr, im Cafe Leon Gesellschaftsabend mit künstlerischen Darbietungen. Eintritt für Mitglieder (und 2 Angehörige) 50 Pfg. pro Person, für Oäste 80 Pfg. pro Person.’ Jübifdjer Theater-Verein „Rijeingolfr 19“ — Zusammenkünfte jeden Mittwoch, 9 Uhr, Hermanns Restaurant, Jägerstr. 18. Gäste herzl. willkommen. Auskünfte erteilt: Abros Zigarrengeschäft, Köpenicker Straße 170. F 8 7088. . , Nach langjähriger Tätigkeit habe ich mich - in. Berlin, Siegmundshof 12, als prakt Arzt niedergelassen Dr. med. Hirsch, simmdiiior tz C 9 Ttergirten 9118 Dr.KateÄ"^ Bern. W 5T Bajmtlnn TtU B 5 äliüuou* 45K „wmo1 Bertta.ScMflcbeti Möbel- Kamerllng Willi Wa«Mr I 1 Oranienburger Str. S* 50-Pf.-Speisehaus Die seriöse bnmudd (•In Bedienung»* .lUß-A» Ulfs Unter rieht llinnof Dahhindf erteilt Erwachsenen und Jugend- Jllliytif KQUUIIICI liehen hebräischen Einzelunterricht, auch Konfirmations-Vorbereitung. Abfragen erbeten unter L 428'an die „Jüdisch-liberale Zeitung“, Berlin-Charlottenburg 4. ENGLISCH bei geborener Engländerin, Kurfürstendamm 50 (Ecke SchlüterstraBe) - Tel. Bism. 983 ZeltgemiBe Preise . Uhlandstr. 22-23 für nfrfltflflHhf Kinder zunächst Santa—Quarta SprechiL J2*2 llbr. Rcrenib itudlBwrrt m, P. Pt jüdisches laitdhelm Ahlem bai Hannover Eigene staatl. anerkannte Volksschule Herrliche Parku. Spielplatzanlagen Zu April 1934 können noch Knaben und Mäd- . chen imT Alter von 6'bis 10 Jahren Aufnahme finden. Anfragen sind zu richtet <2raaewal4,Bl«aarekalke3S*37, An ii

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.