Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 11 (6.2.1934)
- Date
- 1934-02-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2613366-2613519-2613528--4717-2616442- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
lebendige Natur wahren geschichtlichen Geistes hat den Juden immer auf den Blick nach außen hingewiesen, Außen und_ innen mußten das Gleichgewicht erstreben und gewinnen." Oer moderne Jude hat diesen Zustand erst zu erkämpfen. Einige große jüdische Persönlichkeiten haben im 19. Jahrhundert den Ausgleich hergestellt. Die Masse stand nicht hinter ihnen. So hat die pos i t i ve Auseinandersetzung des Judentums mit der allgemeinen Kultur kaum begonnen, und es ist der Sinn unserer qualvollen Tage, diese schwere Aufgabe endlich aufzunehmen und eine Antwort auf die Frage der Zeit zu finden. - III. -fragt u t wird sich nur ergeben, s ihr a "I gewii" i die Ge- _ , hen Existenz. Die Judenheit war sich selbst und vor dem Richterstuhl der Weltgeschichte die Vertreterin einer Idee, ohne die der Mensch und die ^Menschheit'nicht zum inneren Frieden komnien kann. Es ist die Idee des religiösen Geistes. Für diese Idee haben wir gelebt, haben -wir jedes Opfer gebracht und durch das Wirken für sie haben wir uns behauptet. Sie war unsere Leistung und unser Schicksal. Wir waren politisch immer in der Defensive, nur wo es um. den religiösen und sittlichen Gedanken ging, waren—tvir schon allein durch unsere Treue 1 1 .*' it liter; :r Offen: . Es is arid e Idee Dal aiisharr der Tagesordnung, erfälschcn oder mit n bleibt selbst die Bibel nicht mehr das heilige Buch der Menschheit, sondern berichtet wesentlich von Gestalten der körperlichen Kraft und naiver Volkssitte, von „Jesaja und Jeremia, die zweifellos Vollblutjudeii, waren“. Dann geht auch Erez Israel über Schnia Israel. Wir aber wissen, daß auch unser Zukunftsweg der schwere Weg dieser religiösen Idee ist und nur in ihr unser Sein oder Nichtsein beschlossen ist. Für Palästina brauchen wir einen Mandatar und eine Garantie der Großmächte, ohne sie wird es nie das Land der Juden werden und sein können. -Das heilige Land kommt in das Wechselspiel der Politik, auf die Vertrauen zu setzen die jüdische Geschichte verlernt hat. Für die religiöse Idee aber garantieren wir selbst und — der einzige Gott. Auch die arg verlästerte Emanzipation hat ihren starken Sinn im. Kampfe für diese Idee. Die Emanzipation ist die Brücke und der Übergang von dem Judentum des Ghetto in ein neues Judentum der Bewußtheit und Reinheit des jüdisch-religiösen Gedankens und Lebens. Und gerade die deutsche Judenheit hat das Verdienst, an dieser Brücke durch das Denken bedeutender jüdischer Männer neue Pfeiler eingebaut zu haben, an denen, nur der achtlos vorübergeht, der von dem Sinn geschichtlicher . Entwicklung keinen stärkeren Hauch verspürt hat. Jüdische Wissenschaft, jüdisch-religiöser Liberalismus, jüdische Neuorthodoxie und Zionismus sind nur auf diesem Boden der Emanzipation gewachsen und allein aus ihm zu erklären. Daß die Massen der Selbstbehauptung in der Zeit des Übergangs nicht in ganzer Bewußtheit treu geblieben sind, wird den nicht verwundern, der die Geschichte kennt. Und daß viele sonst Tüchtige die größte Tüchtigkeit und Tugend, nämlich die der Gesinnung, nicht geübt haben, wird den nicht verwundern, der mit den Irrgängen menschlicher Triebe vertraut ist. Aber das Ziel ist aufgerichtet, der Weg ist gezeigt worden zu einem , neuen Leben des jüdisch-religiösen Geistes. Mit ihm werden wir auch in der Zukunft uns behaupten. Es gibt noch viele Möglichkeiten für unsere Erhaltung, wie es Lerov-Beaulieu mit intuitiver Sicherheit ausgesprochen hat: „Das Leben hat bei dem Juden verborgene Rabbiner Dr. A. Loewenstamm (Spandau). Jenseits der Grenze Die Neuordnung in Polen Vizepresident des Parlaments über Polens Jiulenpolitik Bei der Annahme der neuen polnischen Verfassung im Sejm hielt dessen Vizevorsitzend :r Car das Referat, in dessen Verlauf er 'versicherte, die neue Verfassunjg bedeute nicht, Diktatur; Joseph Pilsudski sei kein Diktator, sondern eine moralische .Autorität. Die nationalen Minderheiten werden in Polen immer mit einer Toleranz behandelt, wie sie ihresgleichen in der Geschichte nicht hat. Polen wird diese Politik weiter führen und allen Ratschlägen einer gewissen Partei des rechten Flügels (gemeint sind die Nationaldemokraten), eirien.Teil unserer Mitbürger, die Juden, der politischen Rechte ganz zu berauben, nicht folgen. Polen macht keine Unterschiede bezüglich der Religion oder der Nationalität (Beifall auf den Bänken der Regierungspartei). •" . In Warschau wurde eine neue Partei der polnischen Faschisten gegründet, die ihre Mitglieder hauptsächlich aus den Reihen der von der Regierung aufgelösten antisemitischen •Organisationen Rozwoj und Obwiepol rekrutiert. Wer die neue Partei, der anscheinend große Mittel zur Verfügung stehen’und die im Zentrum der Stadt, in der Marszalkowskastraße, luxuriös eingerichtete Parteiräume, eröffnet hat, finanziert, ist ein die polnische Öffentlichkeit lebhaft interessierendes Geheimnis. Die neuen Maßnahmen der-Regierung gegen die Opposition haben die' antisemitische nationaldemokratische Partei veranlaßt, ihr Hauptquartier von Warschau nach Lodz zu verlegen. Aber auch hier gehen die Behörden gegen die Rechtsradikalen scharf vor. Im Lodzer Bahnhof wurde eine Anzahl von Koffern, die regierungsfeindliche Literatur enthielten, beschlagnahmt. Im Zusammenhang damit wurde der Sekretär der nationaldemokratischert' Partei Wladislaw Krzv-, muski verhaftet. -Es; heißt, daß noch weitere Verhaftungen fühlender Nationaldemokraten vorgenommen wurden. Die ursprünglich vor allem gegen die Regierung gerichtete Bewegung in den nationaldemokratischen Kreisen ist mancherorts in ausgesprochen antisemitisches Fahrwasser geraten. In Lemberg überfielen Gruppen nationaldemokratischer Studenten, nachdem eine von ihnen veranstaltete Protestversammlüng gegen die neue Verfassung polizeilich auf-' gelöst worden war, in den Straßen jüdische Passanten. . Polizei vertrieb die Angreifer. Jn dem bekannten Kurort! Otwock sprengten antisemitische Excedenten eine Versammlung der dortigen Misrachi-Ortsgruppe und verwüsteten das Misrachi-Heim. Mehrere Misrachisten wurden verletzt. Kanadische judenheit bürgt für die deutsch-jüdischen Einwanderer Der zweite Kongreß der kanadischen Judenheit hat beschlossen, der Regierung mitzuteilen, -die kanadischen Juden seien bereit, die Verantwortung für jüdische Einwanderer aus Deutschland zu übernehmen. Gleichzeitig wurde beschlossen, eine Viertelmillion Dollar für Hilfsarbeit aufzubringen. Der Kongreß, an dem 250 Delegierte teilnahmen, nahm ein 25 Punkte umfassendes Programm an. An der Eröffnungssitzung des Kongresses nahmen der Bürgermeister von Toronto Stewart und Vertreter der Provinzialregierung teil und richteten an den Kongreß Begrüßungsansprachen. Deutsch-jüdische Gelehrte im Ausland Das Hilfs-Komitee für die aus Deutschland ausgewanderten Wissenschaftler teilt mit, daß 36 deutsche Professoren, davon IS jüdische Gelehrte, an insgesamt 31 amerikanischen Universitäten eine Anstellung gefunden haben. Einheitliche Tracht jüdischer Jugendbünde Nur für die dem Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände an geschlossenen Gruppen Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände teilt folgendes mit: 1. ) Der Führerrat hat zum Leiter der Gruppe „Jugendpflegeverbände“ an Stelle des aüsscheidenden Herrn Fritz Schwarzschild den neuen Vorsitzenden des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, Herrn Dr. Paul Eppstein, in den Führerrat der jüdischen Jugend berufen. Fritz Schwarzschild behält weiterhin den Vorsitz im Fachausschuß für Berufsumschichtung und Berufsberatung. 2. ) Im Einverständnis mit der Jugendführung des Deutschen Reiches wird bekanntgegeben: Das Tragen von einheitlicher Tracht ist nur jüdischen Jugendgruppen gestattet, die dem Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände angeschlossen sind'und von diesen Führerausweise erhalten haben. Die Tracht der jüdischen Jugendbünde, für'die keine besonderen Bestimmungen getroffen werden, soll dem Umständen ' entsprechend so schlicht wie möglich gehalten sein. 3. ) Wir weisen darauf hin, daß zur Vermeidung' von Schwierigkeiten die Jugendbünde aufgefordert werden, die Vorbereitungen für die Erteilung der Ausweise mit größter Schnelligkeit durchzuführen.- Wir machen darauf aufmerksam, daß die. Abwicklung der Sammelanforderungen der Bünde für Führerausweise bis zum 15. Februar abgeschlossen sein muß, da sonst für die im Rückstand bleibenden Gruppen ernstliche Schwierigkeiten in ihrer Arbeit entstehen können. Sportnachrichten Erfolg eines jüdischen Fußballspielers Vor kurzem spielte Walter Vollweiler (früher F.C. 94 Ulm a. D.) in Paris mit seinem neuen Verein F. C. Rennes gegen Racing Club Paris das Spiel wurde 3:2 für Rennes gewonnen. Bemerkenswert ist, daß bei Racing Club Paris Hiden im Tor stand, welcher z. Zt. einer der drei besten Torhüter der Welt ist, wie noch kürzlich die Zeitschrift „Der Fußball“ in ihrer Nummer vom 22. Januar festgestellt hat. Alledrei Tore wurden von Vollweiler geschossen. Eine Schwimmhalle in Berlin Die B.S.G. 1933 hat eine Schwimmabteilung gegründet. Dieselbe hat die Schwimmhalle im Poststadion zu Übungszwecken für einige Abende im Monat gepachtet; auch für intensives Training der Jugend ist gesorgt. — Die Leitung der Abteilung hat Herr Ernst Flörsheim, Berlin-Mahlsdorf, Telefon E 0 8159, ein bekannter früherer Schwimmer und früherer langjähriger technischer Leiter eines führenden deutschen Klubs übernommen. Interessenten wollen sich gefl. an obige Adresse oder Alfred Lesser, Siegmundshof 8, Telefon: Tiergarten 9327, wenden. Berliner Sportgemeinschaft 1933 Berliner Sport-Gemeinschaft 1933 im Sportbund des RjF. Schivimmabledung. Der erste Schwimmübungsabend am Sonnabend, 27. Januar.war ein recht schöner Erfolg. Es wurde geschwommen, gecrawlt, gesprungen, Wasserball gespielt; auch für Nichtschwimmer ist gesorgt. Unsere Schwimmabende finden an jedem zweiten Sonnabend, der nächste am 10 Feb. von 7.45—9.30 Uhr in der Schwimmhalle des Poststadions, Lehrterstraße 57a—63a statt. Gäste willkommen. Außerdem finden gemeinsame Übungen vom 1. Februar ab jeden Donnerstag von 5,30—7 Uhr unter Leitung des Herrn Ernst Flörsheim für unsere Mitglieder statt. . Nähere- Auskünfte erteilt: Alfred Lesser, NW. 87, Siegmundshof 8. Tel. C 9 (Tiergarten) 9327. ^ITlannljeimer ITlufiker in Karlsruhe ln einem Konzert, das der Verein für jüdische Geschichte und Literatur in der Hauptsynagoge veranstaltete, bot die Instriiinentalgcmeinschaft aus Mannheim (35 Musiker) unter der schwungvollen Stabführung von Kapellmeister Max Sinzhcimcr ausgezeichnete Wiedergaben von Werken alter Meister für Streichorchester und Orgel (Fischer, 1650—174 Purcell, 1658—1695, ferner Corelli und Händel). ' Das Ziisainmeuspicl mit den ausgezeichneten Solist: verdient um so größeres Lob, als das Orchester sich zum größten Teil aus Dilettanten ziisaniinensetzt. von denen jeder an seinem Platz ein Künstler ist. Es ist nur zu bedauern, daß die Vereinigung keine weiteren Werke der Mannheimer Schule aüfgeführt hat, z. B. von Stamitz u. a. Auch hätten sicher viele Hörer lieber eine der vielen Kompositionen Mozarts für Streichorchester gehört als alte Meister aus dem 17. Jahrhundert; denn diese vermögen nur auf, Kenner und Liebhaber dieser alten Musik zu wirken, ihr Wesen ist uns fremd geworden. ... ■ 'Zwischen diesen Orcllcsterwerkeu sang Fräulein Eis mit schöner Stimme und geschmackvollem Vortrag Arien von Hiller und Mendelssohn. Die reife Kunst, mit welcher die Sängerin die schwierigen Werke darbot, verdient höchste Anerkennung. Mit großem Ton und beseeltem Vortrag sang Herr Max Uepmann aus Mannheim eine Arie aus Elias' von Men und einen rauschenden Hymnus von Fuchs. Die Begleitung der Gesänge würde t mit gewohnter Sicherheit an der Orgel durchgefülirt; auch bei den Orchesterwerken gab Herr Münz mit der Orgel den erforderlichen Untergrund zu einem schönen Zusammenhang durch vorzügliche diskrete Registerfühnmg. Dr. .4. K Zweimal ßlannljeimer „Cie&erkranz“ Im Laufe weniger Tage bot der hiesige „Liederkranz“ zwei gut besuchte Konzerte. Das erste war ein ausschließlich Mozart gewidmetes Jugendkonzert, in dem, nach Begrüßung all der Jugend wie ihrer Angehörigen durch Rechtsanwalt Dr. Hecht, Kapellmeister Max Sinzhcimcr fesselnde einführende Worte sprach. Das Konzert selbst wurde von Musiklchrkräften ausgeführt, die sich auf diese Weise einem großen Kreis der für sie in Betracht Kommenden in Erinnerung bringen konnten. War diese Sonntag-Vormittagstunde der Jugend gewidmet (der Tenor Max Lipmänn und die Sopranistin Ernmy Lußheimer-Joseph verdienen besondere Hervorhebung),, so gab' es wenige Tage später für die Erwachsenen einen „Romantischen Abend“- Er wurde zu einem Abend zwiefachen Genusses, da man an ihm außer der stimmlich wie besonders durch die Erlebnistiefe ihres Vortrages packenden Altistin Ruth Kisch-Arndt (Köln) erlesene Kammermusik, Mozart, Schubert und Beethoven, hörte. Um sie machten sich Lene Sinzheimer als ausgezeichnete Geigerin, Max Sinzheimer als stilvoll-subtiler .Kammermusikspieler am Flügel und Otto Hüttenbach als Cellist von Qualität so verdient, daß dies Trio mit Recht wahre Stürme des Beifalls Gemeindeabend in Erfurt Der dritte Gemeindeabend in Erfurt wurde vom Leip- Qer „Mendelssohn-Trio“ (Helta Chitrik (Piano),. Konzertmeister Leo Schwarz (Violine), Prof. Afrem Kinhutkin (Violoncello) mit eindrucksvollstem Erfolg bestritten. In musterhaftem Zusammenspiel bei höchster Präzision und edler Tongebung wurde das Mendelssohn-Trio op. 49 D-moll, das T-:- in Es-dur op 1 Nr. 1 von Beethoven und der schwer- ..ge Brahms, Trio op. 8, H-dur vollendet gemeistert, und so erlebten die Hörer durch die weltliche Musik in der Synagoge eine religiöse Weihestunde. Die Wirkung des Abends war so begeisternd, daß einmütig der Wunsch laut wurde, die Künstler an einem der nächsten Gemeindeabende nochmals anhören zu dürfen. G. H. S. Kindernachmittag und bunter Abend Einen netten Kindernachmittag veranstaltete die Winterhilfe der Berliner Jüdischen Gemeinde im Gesellschaftshaus „Ewest" in der Großen Frankfurter Straße 30. An die Begrüßungsworte des Leiters der Abteilung „Winterhilfe“ der . Gemeinde Gundersheim schloß sich ein bunter Teil an, der die . Kinder und alle Anwesenden restlos begeisterte. Besonderen Beifall erntete der ausgezeichnete Zauberkünstler, der unter dem Jubel der Kinder nette Zauberkunststücke vollbrachte. Auch ein Kunstpfeifer trug mit seinen vielbejubelten Darbietungen zur Unterhaltung seines begeisterungsfähigen Publikums bei. Mitglieder des „Bundes deutsch-jüdischer Jugend“ führten reizende Tänze auf und trugen Landsknechtsiieder vor. Zusammengefaßt, ein Nachmittag, für den der Leitung der Abteilung „Winterhilfe“ der Gemeinde Dank Anschließend fand in den gleichen Räumen ein bunter Abend statt, der ein voller Erfolg war. Heinz Günther konferierte; Martin Redner erntete mit seinem lustigen Vortrag riesigen, verdienten Beifall. Rarja Schapiro' sang drei Lieder, von Grete Friedmann am Klavier begleitet. Es folgten die Jazzparodien Werner Baschs, die den Anwesenden besonders gut gefielen. Gerhard Gottschalk sang humoristische Lieder von Otto Reutter, mit denen er die Zuhörer weiter in Stimmung brachte. Die Tänzerin trmingard Willner brachte drei Tänze, von denen besonders die Groteske gefiel. Riesigen Applaus erntete Alfred Pelz mit seinen Parodien (Pallenberg, Bendow, Hansen,, usw.) , Dft- Abend, bei dem alle Mitwirkenden ihr Bestes hergaben, wurde mit einem Sketsch „Der Streit um die Millionen“ beschlossen, der wahre Lachsalven auslöste. — Ein besonderes Lob der Pianistin Grete Friedmann, die alle Vorträge bestens begleitete. Julius Walter. Moral und Wirtschaft. Im Kulturbund Deutscher Juden (Berlin) hielt der Wirtschaftswissenschaftler und Jurist Herbert Frankenstein einen Vortrag über „Moral und Wirtschaft“. Frankenstein gab einen Überblick über die Stellungnahme der großen Kulturkrcisc zur Ethik der Wirtschaft, zur Wertschätzung der wirtschaftlichen Arbeit und zur Achtung des arbeitenden Menschen. Als vor Jahrtausenden die klassische Antike jeden arbeitenden Menschen verachtete, hatte bereits das Judentum das Ethos der Arbeit und den sozialen Wert der Wirtschaft erkannt. Das Christentum übernahm die jüdische Arbeitsethik und setzte sie im arbeitsfeindlichen Mittel- „ alter durch. Merkwürdigerweise berühren sich aber jüdische Arbeitsethik. und nordische Achtung der Arbeit im Gegensatz zu Hellas und Rom. Denn auch aus den altnordischen Heldenliedern geht ein der Antike fremdes Ethos der- Arbeit und der Wirtschaft hervor. Der Vortragende verfolgte dann die Wandlungen, die in den Wirtschaftstheorien der letzten Jahrhunderte die Ethik der Wirtschaft durchmachte, bis sie heute ihren Höhepunkt zu erreichen scheint. Er wies besonders darauf hin, daß sich das alttestamentarische Judentum für das Ethos der Wirtschaft mit aller Aufmerksamkeit eingesetzt hat und daß die Besinnung gerade auf diese Grundhaltung des Judentums für den modernen Juden von größtem Wert sei. || Mitteilungen des Kulturbundes deutscher Juden || Dfe nächste Schauspiel-Premiere im Berliner Theater ist auf Mittwoch, 7. Februar, 20.15 Uhr, festgesetzt worden. Zur Aufführung gelangen: „Paracelsus“, Vorspiel in 1 Akt von Arthur Schnitzler, Regie: Oberspielleiter Dr. Fritz Jeß- »er, Bühnenbild: Heinz Condell; Mitwirkende: Lieselotte Jacoby, Ruth Reimer, Ernst Lenart, Hermann Heuser, Emst Raden, Fritz Wisten, ferner: „Sonkin und der Haupttreffer“, eine Komödie in 3 Akten von Semen Juschkewitz, Regie: Oberspielleiter Dr. Fritz Jeßner, Bühnenbild: Walter Auerbach, Mitwirkende: Käte Foerder, Lilly Kann, Gerda Klein- Weißmann, Carola Segall, Fred Alexander, Martin Brandt, Kurt .Katsch, Fritz Lion, Martin Wolfgang. Die Konzerte finden im Februar in der Synagoge Prinzregentenstraße statt. Insgesamt werden 9 Konzerte veranstaltet, von denen 6 vom Kammerorchester des Kultur- . bundes bestritten werden. Dirigent: Michael Taube. In diesen Konzerten gelangen zur Aufführung: Vivaldi: „Concerto grosso“, Haydn: „Violin-Konzert“, Mozart: „Eine kleine Nachtmusik“, Dvorak: „Serenade für Streicher“, Bach: „Konzert D-moll“ für 2 Violinen. 3 Konzerte werden von Dr. Viktor Ernst Wolff bestritten. Das Programm bringt kammermusikalische Werke von: J. M. Leclair, Marin-Marais, Cimarosa, Haendel, Glinka, Rimsky-Körssakow, Dvorak. Ausführende Skilisten: Charlotte Rosen, Jadwiga Elsner- Frommer, Romana Hambrigk (Gesang), Hilde Heinitz (Viola), Konzertmeister Willy Frey (Violine), Viktor .Emst Wolff (Cembalo und Klavier), Hermann Weil (Cello und Gamba).