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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-02-02 · 10 (2.2.1934) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
10 (2.2.1934)
Date
1934-02-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Leistungen für den geringen Monatsbeitrag von 2,50 Mark geboten werden, dann kann man sich selbst ausrechnen, was nach Abzug der Unkosten für die Gehälter übrig bleibt. Man muH sich vor Augen halten, daß die Gemeinschaft ihren Etat allein nach den Einnahmen aus den Beiträgen aufstellen und ihn ohne irgendwelche Zuschüsse balancieren muß. Ein organisatorisches Wunderwerk ist die Struktur des Bundes, dessen Gründer, Dr. Singer, auch heute seine Seele ist. Er hat die Gesamtleitung, und er ist Führer auch auf künstlerischem Gebiet. Für die ihm unterstehenden Abteilungen, in die der gesamte Arbeitskreis innerhalb des Kulturbundes gegliedert ist, hat er sich Persönlichkeiten zu sichern verstanden, die, auf ihren Spezialgebieten durch Leistung hervorragend, auch die menschliche Eignung für ihr Amt besitzen. So; wirkt an der Spitze der M us i k-Abteilung Generalmusikdirektor Rosenstock — aus seiner früheren Dirigententätigkeit in Wiesbaden, Mannheim, New York weithin bekannt; ihm zur Seite steht ein Konzertdirigent vom Range Michael Taubes. Julius Bub und der ehemalige Intendant des Kömgsberger Schauspielhauses, Dr. Fritz Jcfiner, leiten die Abteilung Schauspiel. Die K o n z e rt-Abteilung-.untersteht so angesehenen Faclmiusikern wie Dr.- Schihlb'crgee lind Professor Leonid KrTutzcr. ■ . Zur Vortragstommission, deren Leiter gleichfalls Julius Bah ist, gehören Dr. Fioesser, Professor Gutttnnnn Z/„«,/«« ISr Mnv Z1. /i,i... Dann gibt CS „ „ t i o n und V e r - .1 Dr. Werner Levie geleitet wird. Diese Abteilung tritt natürlich äußerlich sehr stark in Erscheinung. Dr. Levie kann auch aus seinem Revier vieles berichten, das allgemein interessieren wird. „Es waren zu Beginn natürlich allerlei besondere Schwierigkeiten zu überwinden, die sich aus den Zeitgegebenheiten erklären lassen. Z._ B. sind unten unserem technischen Personal viele beschäftigt, die sich erst beruflich umstellen müßten; fast alle unsere Bühnenarbeiter sind „Umgeschichtete“. Natürlich war das Einarbeiten nicht ganz, leicht, aber es ging dennoch überraschend schnell. Es war eben sehr viel guter Wille da, und unser Werk nimmt gerade Menschen, die selbst Kultur besitzen, rasch gefangen. Älutlich erging es übrigens mit den Garderobenfrauen — ganz wenige sind vom Fach, die anderen kommen aus den verschiedenartigsten Berufen. Wir haben Wohlfahrtspflegerinnen, Erzieherinnen, kaufmännische Angestellte unter ihnen.“' i" Das besonders angenehme Wesen der Theater-Garderobieren bei den Kulturbund-Veranstaltungen ist schon allgemein aufgefallen; da haben wir nun des Rätsels Lösung: gute Kinderstube verleugnet sich nicht, und jede Arbeit wird durch den, der sie tut, geadelt. Jetzt ist es am Publikum, die Tugend freundlicher Geduld nicht ferner mehr vor der Garderobe abzuiegen,-sondern" sie dorthin mitzubringen. Ein neuer Beruf für unsere Glaubensgenossen hat sich beim Kulturbund auch, ergeben; es mußten nämlich erst Bläser ausgebildet werden, die bisher wenig vertreten waren. Garderobe und Programmheft hat die Gemeinschaft ii ener* Regie, deren Preise denkhar Pfennige. Genüsse willen vielleicht auf substantiellere verzichten müssen, dieses Opfer so wenig fühlbar wie möglich gemacht. ‘ Die Leistung „Als ich zuerst einer der Proben zum „Figaro“ beiwohnte und die belebte Bühne" erblickte — es wirkten 101 Personen bet dieser Aufführung mit — wurde es mir ganz eigen zumute“, erzählt Dr. Levie. „Es waren ja noch keine sechs Monate vergangen, seit Dr. Singer allein mit uns Mitarbeitern die Pläne zu seinem Werk beriet. Und nun führen wirschon eine Oper mit über 10Ü Mitwirkenden auf — wer wäre da nicht erschüttert!“ „Sie wollen wissen, was wir bisher geleistet haben? Der Kulturbund unternahm vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember nicht weniger als 151 Veranstaltungen, davon 48 Theater-Abende, 47 Konzerte und ebensoviel Vorträge. Von den Konzerten waren 30 Orchester-Konzerte, b Liederabende und wir zugezogen haben. [ernnl^Zahlen.^wi Darit a 27 Solist ait, die haben, machten damit sehr gute Erfahrungen hinsichtlich der Ankurbelung ihres Waren-Umsatzes. Aus eigener Erfahrung wissen wir wohl alle, daß man bei Bezahlung seines Mitgliedsbeitrages immer wenigstens eine Kleinigkeit kauft. . Gewiß gibt es Nörgler unter dem Publikum, wie überall. Doch im allgemeinen ist das Publikum der Kulturbund-Veranstaltungen doch eine Auslese von Menschen, die sich dessen bewußt sind, daß sie nicht nur, um sich zu bilden und zu unterhalten, in Vorträge, ins Theater oder Konzert gehen, sondern um gleichzeitig eine Mission damit zu erfüllen. Sie fühlen sich alle als Hüter hohen geistigen Besitztums, das nicht verloren gehen darf. Sie sind da, um es in sich aufzunehmen, zu bewahren und ihren Kindern und Enkeln weiterzugeben. Sie kommen als bewußte Juden. Und es sind auch manche Feicrtagsstunimmg bedeuten diese Schutz vor Not und Kummer vieler Menschen schließen sie m sich ein, die durch den Kulturbund wieder schaffen und arbeiten dürfen! Nicht nur den Künstlern und dem übrigen angestellten Personal wird Arbeit gegeben, sondern auch einer großen Zahl außenstehender Menschen. Es wird für Setzer und Drucker Tätigkeit geschaffen, Papier und Druckerschwärze werden ebenso gebraucht wie die Arbeit von Schneider und Schneiderin, Schuhmacher und Tischler. Das Handwerk wird in weitem Ausmaß in Nahrung gesetzt — wer kann genau sagen, wieviel Kreise ein so großes Unternehmen zieht; wievielen Menschen es indirekt Nahrung gibt? Publikum und Platzverteilung „Unsere Mitglieder? — nicht ganz leicht .zu behandeln; im. Dezember hatten wir beispielsweise 8500 Anträgen auf' Piätze-Umtausch stattgegeben. Das spricht aber keineswegs gegen die ganz neue, zum erstenmal bei einem Theater- Unternehmen geübte Einteilung der Plätze. Es findet zwar Verlosung statt, jedoch innerhalb unserer 3 Klassen ABC. Das bedeutet 3 Kategorien von Platzen: beste, mittelgute und weniger gute Plätze. Jedes Mitglied, das monatlich Anspruch auf je eine Theatervorstellung hat, kommt nacheinander in jede dieser drei Kategorien, innerhalb derer die Verlosung der Plätze vorgenommen wird. Es kann also niemand dauernd Pech haben und immer nur einen schlechten Platz ziehen. Aber — wer hat je lauter zufriedene Theaterbesucher gesehen? Dabei sind sämtliche Plätze von uns vorher „ausgesessen“ worden; ganz schlechte, von denen man überhaupt nichts sehen kann, werden gar nicht mitverlost.“ Übrigens sind die Ordner an den Losurnen usw. alle ausnahmslos ehrenamtlich Beschäftigte, die ihr Amt nur gegen Fahrgelderstattung und Freiabonnements ausüben. Auch die Einkassierung der Beiträge durch die Zahlstellen — es gibt in Berlin jetzt etwa 50 —- erfolgt ehrenamtlich; nur 2 Freiabonnements werden gewährt. Aber die Geschäfte, die solche Zahlstellen des Kulturbundes bei sich eingerichtet 1 Internationale-u. Ubersee-1 I Transporte ■ I Spedition - Möbeltransport - Speicherei I I Willy Kulka, Berlin W 50 I ■ B5B«tamsaM70 Bamberflerttr. 51 I Menschen darunter, die durch den Kulturbund sich erst geistigen und künstlerischen Dingen erschließen. Zu diesem Menschenkreis gehörten wohl auch die beiden Frauen, die nach einer Othello-Aufführung bei einem der Ordner sich erkundigten: „Was wird denn im nächsten Monat gegeben?“ — „Neugierige Frauen“ erhielten sie zur Antwort. Worauf eine die andere betreten anschaute: „Na, man wird doch wohl noch fragen dürfen!“ Neue Aufgaben- Der Kulturbund wächst weiter. Seine führenden Männer stellen ihm und sich selbst immer neue. Aufgaben. Die unlängst eingeführten,Kindernachmittage haben sich bewährt, und man. geht daran, Veranstaltungen für die Jugend auszubauen; solche" für Erwerbslose einzurichten. Es mehren sich die Gastspiele, deren Kreis gleichfalls weitergezogen werden soll. Man kann mit Vertrauen an neue Planungen gehen, weil die offiziellen Regierungsstellen diesem wahrhaft gemeinnützigen Unternehmen durchaus wohlwollend gegenüberstehen. Besonders konziliant hat sich vor allem der Staatskommissar Hinkel im Ministerium für "Wissenschaft, Kunst und Volksbildung gezeigt. . ' : Schon jetzt, nach wenigen Monaten seines Bestehens können wir uns den Kulturbund deutscher Juden aus unserem geistigen Leben nicht mehr wegdenken. Wir alle sind stolz darauf, daß ein-solches Beispiel produktiver Selbsthilfe — in seiner Art einzig und erstmalig — gerade aus unserer Mitte heraus erwachsen ist. Arthur Rother, Berlin C 2, Burgstr, 28 Büzohaus Börse - . Tel. D 1 Norden 0716 Neuzeitliche Wcrbepiakate — Preisschilder— Buchstaben Buch-, Stein- und Offsetdruck — Eigene Prägerei, Stanzerei H u. Schrägschnitt-Anstalt — Schaufensteru. Dekorations-Stellagen ( Konditorei zum Atrium Kaiser-Aiiee 43 I Das Familien-Kaffee - ALLE VERSICHERUNGEN! GÜNSTIGSTE PRÄMIEN!! ERSTE GESELLSCHAFTEN! tr. 45” I; 8 - C578;^.a. nnna Otto Möller ss □gelansfalt F.BSSUS. Uhlandstr Friedrich HECKTOR vonnals B. Kirschstein & Ca Feine Maß-Schneiderei " Zeitgemäße Preise BEHLIX W 8 FRIEDRICHSTRASSE 83. ECKE BE1IREXSTRÄSSE FERNRUF: A 1 JÄGER 1470. 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