Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 10 (2.2.1934)
- Date
- 1934-02-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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I! HuCtur&pie$eC Kleine Studienreise durch jüdische Kabaretts Liebe Ruth! . Als unser gemeinsamer Freund Mackie am Sonnabend .....tag seine an diesem Tage übliche Frage: „Was machst- Du heute abend“? stellte, gab ich ihm durch das Telefon zur Antwort, daß ich mir einen Wochenendspaziergang durch sämtliche jüdische Kabaretts vorgenommen habe. Nachdem Grundsatz: Man kann nicht mit einem Stuhl in zwei Kabaretts sitzen, entschlossen ■ wir uns, im Laufe eines Abends vier derartige Unternehmungen zu besuchen. Wir begannen unsere Reise im König von Portug a 1, jenem historischen Hotel, .dessen Gästebuch die Namen der größten Dichter und Denker vergangener Zeiten enthält. In dem Raum, in dem Lessing und Schinkel ihre Abende verbracht haben, befindet sich seit einiger Zeit das „Brettl im Zentrum“. Der ebenso sympathische wie schlagfertige Conferencier Arthur Zander servierte in humorvoller Weise das überaus reichhaltige, gelungene Programm. Edith Bach. vielen von uns von der Schallplatte und dem^Berliner Rundfunk noch in bester Erinnerung, sang mit glockenreiner Stimme Opernarien und feinempfundene Lieder. Immer wieder zwang sie das begeisterte Publikum zu neuen Zugaben. Die Alitternacht zog näher schon — als Willy Rosen die kleine Bühne betrat und einige seiner alten und neuen Schlager — „Text und Musik von mir“ — in den gutbesuchten Saal hämmerte. Man freute sich, in Rosen einen alten Bekannten -wiedergetroffen zu haben, und zeigte sich dankbar, als man, ein neues, junges Gesicht auf der Kleinkunstbühne zu sehen bekam. Hans Meyer, der mit seinem Witzfeuerwerk zündenden -Beifallerrang, der ungewöhnliche Ausmaße annahm, als'der charmante Lausbub von seiner kleinen Braut Louise mit kultivierter Stimme ein Liedchen am Flügel gelehnt flüsterte. Alan kann der rührigen. Direktion Richter zu diesem amüsanten Abend nur gratulieren und' hoffen, daß sie weiterhin jüdischen Künstlern Auftrittsmöglichkeiten gibt. Im Theatersaäl des Tinge 1-Tangels in der Käntstraße war schon längst vor Programmbeginn das Haus überfüllt.- Erik Elken, der routinierte, liebenswürdige-Ansager und Direktor des Hauses, stellte in launiger Weise die mitwirkenden Künstler vor: Walter Steiner, der Altmeister des Humors, den wir schon oft in diesem Hause sahen, bewies wieder einmal, daß er nicht mit Unrecht den Namen des besten Humoristen trägt. Die schöne, blonde Rita Atlaß sang Lieder von der Liebe und anderen Sachen, die scheinbar nie unmodern werden und fand damit ebenso wie die übrigen Auftretenden reichen Beifall. \ Im F r a n k o - K a b a r e 11 in der Hardenbergstraße, wo Alfred Jansen das Szepter schwingt, traf sich 'die jüdische Jugend Berlins. Nach den rhythmischen Klängen der feinabgestimmten Franko-Kapelle tanzte das Publikum in den nächsten Tag hinein. Ein paar nette Kabarettdarbietungen füllten die Tanzpausen-aus. Eine Bombenstimmung herrschte im großen Saal des Cafe.Leon'am Lehniner Platz. Dieses Unternehmen, das vor einigen Monaten das Wagnis unternahm, derartige Veranstaltungen aufzuziehen, verdient eine ganz besondere Beachtung. Nicht nur, weil es die "Direktion, versteht; durch geschickte: Programmzusammenstellung' und gute Musik dem Publikum von vorne herein einen fröhlichen, immer glänzend besuchten Abend zu sichern, sondern weil die Unternehmer den Mut haben, neue unbekannte Künstler herausziistellen; gemeinsam mit ihnen die. Repertoirefrage zu besprechen und ihnen auf diese. Weise, neue" Wege auf de'm Gebiet der Kleinkühst zu ebnen. In der vergangenen Woche bewunderte man hier die vollendete Rezitationskunst des jungen Schauspielers Theo Lebach, die treffsicheren Parodien Gerda Kopplers und die „Pfiffigkeiten“ des neuen Kunstpfeifers Margolin. Liebe Ruth, jetzt bist Du also im Bilde, wie ich das Wochenende in Berlin verbracht habe. Ich würde mich freuen, recht bald von Dir zu hören, und bin bis zum nächsten Programmwechsel, indem ich allen jüdischen Künstlern Hals- und Beinbruch wünsche, Dein Hännemann. Plaut in Plauen Der in unserer Gemeinde gegründete Kulturausschuß hat seine Veranstaltungen damit begonnen, daß er Josef Plaut zu einen Vortragsabend verpflichtete. Der bis auf den letzten Platz gefüllte üemeindesaal gab Zeugnis davon, daß diese Wahl der heiteren Kunst die Zustimmung der Gemeindemitglieder gefunden hat. In bekannter formvollendeter Weise brachte Plaut zu Beginn beschaulich-heitere Märchen von Andersen zum Vortrag, denen Werke von Fontane, _ Fritz Reuter und Manfred Kyber folgten. Der zweite“ Teil des Abends stand ganz unter dem Eindruck fröhlicher Mitgerissenheit durch die Anekdoten aus der eigenen Kindheit Plauts und ferner durch seine Dialektdarbietungen, die wir auf seiner „Reise durch Deutschland“ kennen lernen konnten. Alles in allem: ein gelungener Abend. VV. G. Kammermusik-Abend in Bonn Der Jüdische Kulturbund Rhein-Ruhr brachte in diesem Alonat in Bonn, Bochum, Gelsenkirchen und Aachen ein Kammermusik-Programm von abwechslungsreicher Folge mit Ilse Saß (Klavier), Ernst Drucker (1. Geige), Dora Loeb (2. Geige) und tda Oppenheimer (Bratsche). Ilse Saß und Ernst Drucker eröffneten den Abend in vorzüglich ausgeglichenem Zusammenspiel mit Beethovens 1. Klavier-Violinbonate op. 12. Man hörte die beiden Künstler weiterhin in einer Sonate von Ernst Toch op. 44. Das neuzeitliche Werk, das im Stil zwar nicht in den klassisch-romantischen Rahmen des Programms paßte, ist mit seinem verträumten langsamen Satz, dem reizvoll kapriziösen Scherzo und dem von übermütiger Laune sprudelnden Finale ein wertvoller Gewinn für die Kammer-Alusik. Ilse Saß, eine vorzügliche Begleiterin, erwies sich in Solo-Stücken von Atendelssohn und Moszkowski auch als Virtuosin mit feinem, musikalischem Geschmack, ln Ernst Drucker lernte man einen Violinisten mit ausgezeichnetem technischen Können und mit einem großen tragenden — wenn auch hie und da im Forte etwas scharfen Ton — kennen. Er erspielte sich mit Ernest Blochs herrlicher Komposition „Baal Sliem“ (Nigun) und de Falla Kreislers „Spanischem Tanz“ großer. Beifall. Den nachhaltigsten Eindruck hinterließ das selten gehörte Streich-Terzett op.‘ 74 von, Anton Dvorak, ausgeführt von Ernst Drucker, Dora Loeb und Ida Oppenheimer. Nach den von Alelodien überströmenden Eingangssätzen bricht im schwungvollen Scherzo Dvoraks" urwüchsiges slavisches Temperament durch; das Finale — etwas leer und äußerlich — wirkte durch großen, orchestralen Klang. Die Trio-Vereinigung brachte das Werk durch ihr klangschönes temperamentvolles und vollendetes Zusammenspiel. zu stärkster Wirkung. A. M. Konzert in Karlsruhe Am Sonntag, 21. Januar veranstaltete Kapellmeister Curl Stern mit seiner Gattin Hedwig Stern-Schöning und dem ton Ernst Wolff aus Frankfurt einen Lieder- und Arienabend, Frau Stern sang mit ihrer schönen, gut ausgebildeten Sopranstimme eine Auswahl von Liedern und Arien. Der „Traum“ von Richard Fuchs fand durch ihren beseelten Vortrag und die meisterhafte Begleitung ihres Mannes besonders lebhaften Beifall. Am besten gefielen die beiden Kinderlieder, deren Wiedergabe so vollendet in jeder Beziehung war,' daß kein Wunsch unerfüllt blieb. Offenbar lagen diese beiden entzückenden Lieder der Künstlerin am besten. Ernst Wölff, bisher Kapellmeister am Opernhaus i_. Frankfurt, hat sich rasch entschlossen vor einem halben Jahre umgestellt und trat mit einer schönen Baritonstimme vor das Publikum. Wenn die Ausbildung dieses wirklich schönen und wohlklingenden Materials weiter fortgeschritten ist, dürfte diesem Sänger, welcher hoch musikalisch ist, eine große Zukunft offen stehen. Der Sänger, welcher u. a. Lieder von Schubert, Hugo Wolf sang, gab dann einige Zugaben, in welchen er sich selbst; ein Meister am Klavier, begleitete: auf italienisch die Champagner-Arie aus „Don Juan“, r * französisch-eine "Bergerette -ron .Pergolese-und -die Figa ie aus dem „Barbier“ auf italienisch. Schließlich gab es noch zwei reizende Volkslieder-Duette, n denen eines wiederholt werden mußte und zum Abschluß das große Duett aus der „Macht des Schicksals“ - von’ Verdi. Der dicht gefüllte Saal dankte beiden Künstlern, welche feinfühlig und meisterhaft von Herrn Stern begleitet wurden, :h lebhaften, lang anhaltenden Beifall. Dr. A. K- Ausstellung gehörloser Handwerker Im. Rahmen ihres 25-jährigen Vereins-Jubiläums zeigten ehemalige Zöglinge der Israelitischen Taubstummen-Anstalt zu Berlin-Weißensee, daß gehörlose Handwerker und Künstlerin keiner Weise hinter hörenden zurückstehen und gleichwertige Arbeit leisten. — Die Ausstellung bot eine geschmackvolle Schau Tischler-, Schlosser-, Feinmechaniker- und Juwelier-Arbeiten. — Lithoraphen und Reklamemaler zeigten viele künstlerisch wertv-"- Verke ihres Könnens. — Sehr interessantwaren auch einige Fotos aus dem Laboratorium des taubstummen Diplom-Ingenieurs W. Zeitlin. Er liefert zur Zeit eine von ihm konstruierte Verstärkerröhre an das" Laboratorium der Universität Kiel. —. Zahlreich waren die ausgestellten Kleidungsstücke. Man sah Kleider, Kostüme, Herren- und Damenmäntel, Strickwaren, Stickereien und andere Handarbeiten und Pelzsachen in mustergültiger Arbeit. — Auf einem Sondertisch waren die letzten Arbeiten der Zöglinge ausgestellt. Neben Mädchenhandarbeiten Papp- und Keramikarbeiten fiel besonders ein 1,50 Meter großer Chanukkahleuchter auf. -K. M. Wtbben Sie »eßetty daß die Wilnaer Militärbehörden die Anlegung eines Sportstadions beschlossen haben, dem nach den vorliegenden Bauplänen der historische Wilnaer Judenfriedhol zum. Opfer fallen würde, falls es den jüdischen Körperschaften nicht gelingt, eine Änderung des Bauplans herbeizuführen? — dall die anläßlich^ des vorjährigen 'Spinoza-Jubiläums nach Spinoza benannte "Straße in Czemowitz ihren Namen wieder verlieren wird, weil — wie das Czemowltzer Gericht dieser Tage entschied — die beanstandete Straßenbezeichnung geeignet sei, zu Störungen der öffentlichen Ordnung zu führen, da gewisse Kreise an der Benennung von Straßen nach Fremden Anstoß nähmen? daß der DDAC (Der-Deutsche Automobil-Club) nicht hur, wie kürzlich mitgeteilt, jüdische Frontkämpfer als Mitglieder behält, sondern bei Vorlegung der Militärpapiere auch neu aufnimmt? daß dem Mitglied des Reiclisbimdes jüdischer Frontsoldaten in Frankfurt a. M. Oberleutnant d. R. Dr. jur. Alfred Schwarz das goldene Sportabzeichen, seinem Sohn das Sportabzeichen in Bronze verliehen wurde? daß Dr. M. Kreiiiiu, der bisherige Direktor des Verbandes jüdischer Organisationen für Auswandererhilfe (HJCEM) sein Amt riiedergelegt hat, aber Weiterhin* Mitglied der Exekutive dieses Verbandes und Präsident der EMICi- . DIRECT bleibt? daß das Jüdische Museum zu Berlin m der nun einjährigen Zeit seines Bestehens von H IHR) Personen besucht) 2)ec J$cie$kasten dec J. A. In B.. Licher Freund, ist es nötig, daß Sie uns so mißverstehen? Wir bekommen eine Anfrage von einem mit vielen Ehrenämtern versehenen Manne, auf wclclte Weise er in den Beirat der Reichsvertretmig gewählt werden könne. Darauf erwidern wir an dieser Stelle: wir wüßten es nicht, wir hätten andere Sorgen. — Wie kommen Sie nun auf den Gedanken, wir hätten damit die Kcichsvertretung der deutschen Juden ironisieren wollen? Glauben Sie wirklich, wir treiben auf so kindliche Weise Politik? Bitte, lesen Sie die die Notiz, noch einmal, dann werden Sie erkennen, daß sio sich ausschließlich gegen Leute richtet, die gleich jenem Manne, der bei uns anfragte, in dieser Zeit noch Sinn dafür aufbringen, sich um noch einen Ehrenposten geschäftig zu bemühen! Mehrere Anfrager. Stawisky, der bekannte Betrüger, der Selbstmord verübt hat, war ursprünglich Pole und spater, naturalisierter Franzose.. Mit dem Judentum hat er weder der Religionszugehörigkeit noch der' Abstammung nach etwas zu tun. Seine Eltern und Großeltern waren Nichtjuden. Seine Mutter war — vermutlich bei Eingehung ihrer Ehe — ifom griechisch-orthodoxen - Glauben zur römisch-katholischen Bekenntnis-sei von einem Teil der französischen Presse dahin, mißverstanden worden, als läge ein Obertritt vom-Judentum zum Katholizismus vor. Auf Grund dieser Meldungen sei es dannin unbedeutenden antisemitischen Zirkelnzu Kundgebungen gekommen. — Wir glauben, nach. alledem die Angelegenheit Stawisky für die. jüdische Presse ats erledigt Kunatnachrichten Kflnffler-Tee Künstler-Tee ■ als Selbsthilfe der programmausführenden- „Freunde schöngeistiger Musik1* am 4. Februar, 8' Uhr abds., bei Harnet, Lessingstraßc 21 (Hansa-Viertel). Vorverkauf dortselbst. Eintritt eilisch!. Steuer, Teegedeck und .Bedienung 1,25 RM. Mitwirkende: Annie Schildberger, Violine I; Kar/. Giesen, Violine II; Geschwister Liebling, Bratsche und Gesang; Gerhard Singer, Cello; Rolf Roldtni, Klavier. Programm: klassisches und volkstümliches Konzert. Künstlerhilfe der Berliner Jüdischen Gemeinde Konzert am Sonnabend, 3. und Sonntag, 4. Februar, abends 8.15 Uhr, im Hause Dr. Meyer, Kurfürstendamm 216. Mitwirkende: Das Trio Rosa Etkln (Klavier), JadwigaElsner- Frommer (Geige), Godfried Zcctander (Cello): Programm: Trios von Mendelssohn, Mozart und Smetana. Karten zum Preise von 1,50 RM. sind zu haben: Joachimsthaler Sfr. 13 (B.B.-Kassc,' Bismarck. 6979) von 11—1 Uhr . und bei Frau Dr. Meyer, Kurfürstchdainm 216 (Bismarck'9600). _. Nau-Eröffnunv I Blauklempnerel, Installation isnyrr üMr.CNi. ramm* »lnO« ST_ C 1 SttlnpUl» tag! FÜRSORGLICH1 VORSORGEN SCHOBT VOR SORGENI o. BERLINER HAUS- U. GRUNDSTUCKS- Steuerberatnng VERWALTUNG Hausverwaltung IF.Kaiserallee48 «zw Besonders sachverständige Bearbeitung aß« GnmdvenuSgeauud Raaszhmtaaer-Aagalogaat Julius Barbe* Steuerberater- Bücherrevisor- Treuhänder Berlin-Chart, Mommsenstnl^JJ^^^^^ Wäscheverieih Billigste Preise ^iietefaMB.!iiir»^?Ä Möbelallee 56 Komm schnell xu JOSEPH INVENTUR VERHÜT Z/ßs erübrigt stch,-fi '■ zu nennen, denn Uu_ erlaubten Abteilungen sind große Warenposten rücksichtslos herabgesetztI . X.