Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 6 (19.1.1934)
- Date
- 1934-01-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ginge unter, wenn der „jüdische Stamm“ imterginge. Judentum als Religion aufgefaßt hingegen ist Dienst an einer auf jeden Menschen zielenden, alle Menschen umfassenden Idee, und solch ein Judentum kann niemals untergehen, weil die Gemeinschaft seiner Bekenner eivig sich erneuert. Mag daher jeder den Lebenskampf für sich und die Seinen so kämpfen, wie ihm und uns allen eine schwere Zeit ihn uns auferlegt — aber eine jüdische Gemeinschaft wird es nur geben, wenn wir der jüdischen Idee leben, in uns selbst sie stark machen und ihr Anhänger gewinnen. „Alle Voraussetzungen und alle Ziele des. Judentums führen dazu, daß es die Welt zu sich zu bekehren .sucht“, beginnt Baeck das letzte Kapitel seines Werkes. Und es ist nur scheinbar eine Verengung, wenn er fortfährt: . nicht sowohl zu bekehren' als vielmehr sie belehren sucht“. Hier ist der Punkt, wo alle Schranken fallen, die dem Judentum gesetzt scheinen. Die luden sind eine nur kleine Gemeinschaft und leben in der Enge. „Aber die Gedanken zogen immer hinaus.“ Sie warben und werben neue Scharen. Von ihnen kommt uns, wenn wir aut sie uns besinnen, gegen alle Berechnung, die Regeneration. Einem engen Landgebiet, und es braucht nicht nur Troja zu heißen, läßt sich ein Ende Vorhersagen, ein Stamm kann untergehen, der Gedanke nie. Und aus dem jüdischen Gedanken kommt immer wieder neues jüdisches Leben. Zeitiudentum — zeitloses Judentum Von Rabbiner Dr. Benno Gottschalk Eines der häufigsten Argumente, das gegenwärtig als Be dafür angeführt wird, daß die Anteilnahme an Palästina unbedingt nötig und deshalb unbedingt richtig sei, ist die Tatsache, daß eine Anzahl Juden dort Zuflucht gefunden haben und eine gewisse. Zahl sie vielleicht auch noch finden wird. Es ist klar, daß dieser - Hinweis etwas Bestechendes hat. Aber es ist ebenso klar, daß bei allen Überlegungen, : die zur Zeit um des Judentums willen angestellt werden, zwei Ding?, haarscharf zu scheiden sind: die praktische und die grundsätzliche Frage. Es sieht fast so aus, als ob der Zionismus diese Unterscheidung aufgegeben, habe. Wahllos, das heißt ohne Prüfung der Gesinnung, öffnet er jetzt jedem Tür und Tor in Palästina, der entweder -Geld' oder Arbeitswillen mitbringt. Man könnte darin einen Beweis jüdischer Weit- und'Hochherzigkeit sehen, wenn man nur darauf verzichten wollte, aus diesem praktischen, zufälligen Gelegenheits- und Konjunktur7„Zionismus“ einen Erfolg des idealen Zionismus zu machen und in die Welt hinauszuschreien. Wer von Berufs wegen mit Übertritten zum- Judentum zu tun hat, weiß, w‘ schnell man sich heutzutage auf „Zionismus“ umstellt, Wirklichkeit aber nur Palästinenser wird und nichts anderes. Tatsächlich sollte man, um die Verführung der Geister und Verwirrung der Gefühle nicht noch. fortschreiten zu lassen, Zionismus selbst sollte sich' den Mißbrauch mit diesem Worte ■„Zionismus“ verbitten, an dem so viel Glaube und Hoffnung hängt. Was soll man dazu sagen, wenn sich jemand, wie es mir selbst begegnet ist — und die Fälle sind nicht selten in diesen Tagen — „begeistert“ für den „Zionismus“ einsetzt und plötzlich zugibt, vom Grundsätzlichen dieser Bewegung nichts zu wissen! Er meinte also in Wirklichkeit Palästinismus, für ihn ist „Zionismus“ ein Asyl für Obdachlose, ob sie'nun deutsche .oder andere Juden sind^ Es ist nicht bloß Sache der Zionisten,, diese Dinge zu bereinigen und so klarzustellen, wie es die Wahrheit und der Ernst der Tage verlangt. Nicht selten nämlich sind es diese Palästinenser, ist es dieser Palästinismus, der sich mit derselben „Begeisterung“ und „Sachkenntnis“ gegen uns wendet, der glaubt, unsere grundsätzlichen Einstellungen durch Hinweis auf Praktisches und Zeitgebundenes geistig erschlagen zu können. Die so vorgehen, übersehen natürlich völlig, ja können cs gar nicht verstehen, daß wir kein Zeitjudentum kennen und wollen, sondern nur ein zeitloses. Wir stecken den Kopf nicht in den Sand, wir sehen nicht kühl über Not und Elend der Gegenwart hi^weg„wir .trösten uns nicht voller Befriedigung, damit, daß hoch zahlreiche Menschen ihre Lebensmöglichkeit in Deutsch-, land besitzen. Muß man das überhaupt betonen? Aber wir1 lehnen uns mit aller . Macht dagegen auf, daß man r— Bewegung — .wie die des Judentums — die unter dem Bai..... „des Ewigen“, dem Ewigkeitsaspekt also, begründet wurde, zu einer zeitlichen Angelegenheit irgendeines zufällig so so datierten Jahres herabwürdigt. Jude sein heißt uns, es den führenden religiösen Geistern seit Mose' immer h sich als Glied der Ewigkeit zu fühlen und von diesem Gesichtspunktaus einfach alles zu betrachten und zu erleben, zu erleiden und zu überwinden. Jener Bibelsatz, der davon spricht, daß Gott den Vätern zwar als „Gott der Allmächtige“ erschienen ist, sich aber Mose als „der Ewige“ offenbart habe, stellt zwei Welten gegenüber. Macht kann etwas Zufälliges sein, trägt in jedem Fall nicht die Sicherheit des Bestandes in sich, braucht nicht immer ein innerlich begründeter Besitz zu sein, aber die Ewigkeit verbürgt die Dauer. -Kann man leugnen, daß die Auffassung, die wir bei Mose finden, sich immer wiederholt? Es ist der Prophet, der. den Satz geprägt hat, der dem brauchfrommen Juden tägliches Gebet geworden ist: „Ich verlobe Dich mir für die Ewigkeit, (und deshalb) verlobe ich Dich mir durch Recht, Gerechtigkeit, Liebe und Barmherzigkeit“: es ist im Mittelalter. Jehuda Halevi, der die Geschichte des Judentums betrachtet und ihm gleichsam das Motto gibt: „Gottes rechte Hand Vertriebs, Gottes linke nimmts in acht, ewig,. ein Naturgesetz dauert es, wie Tag und Nacht“; es ist der jüdische Religionsphilosoph, der mit Zahlenspielerei zu dem Ergebnis kommt, daß Echod („einzig“) dasselbe bedeutet wie „Liebe“, so daß also unser. Hauptspruch heißen würde: „Höre Israel, der Ewige, unser Palästina - Übersee - Ausland UMZÜGrE Möbelspeicher auch durehhelzte Kabinen Carl Deyke Hachf., Berlin Ö 17 \ Gott, der Ewige, er ist die Liebe“; mit andern Worten: die ewige Liebe ist ein Grundpfeiler des Judentums. Es ist in der Neuzeit Hermann Cohen, der in der „Religion der Vernunft“ darauf. hinweist: „Es ist bedeutsam für das jüdische Sprachbewußtsein, daß das hebräische Olam für „Welt“ zugleich die „Ewigkeit" bedeutet. Diese „Welt“ ist auch die „Ewigkeit“. Und schön ist auch der Ausspruch Steinthals in der Erklärung des 90. Psalms: „Von-Ewigkeit zu Ewigkeit bist Du Gott — der Dichter wollte sagen, wozu ihm seine Sprache das Wort nicht darbot: Gottes Dasein sei von keiner Zeit umgrenzt. Besser hat der Dichter des „Jigdal‘.‘ dies so ausgedrückt: zu seinem Dasein gehört nicht Zeit, während wir zum Dasein jedes Dinges die Zeit hinzudenken müssen.“ Aber auch in die, natürlichsten Beziehungen greift der Gedanke der Ewigkeit ein: Kinder sind dem Psalmisten ein „Geschenk der Ewigkeit“, also nicht bloß ein Geschenk an Vater und Mutter, und jedes EhebündjBö. wird ja noch, heute als „Bau für die Ewigkeit“ bezeiclprati,. So gesehen, versteht man den Gegensatz zwischen universalem und nationalem Judentum erst ganz und damit auch unsern unbeugsamen Willen zur Synthese Deutschtum und Judentum. Es ist richtig, daß man früher bei den Propheten das ewige Judentum sich nicht als „Volk ohne Raum“ denken konnte, aber es ist ebenso wichtig, daß dieser Gedanke in dem Augenblick seine ungeheure weltgeschichtliche Erweiterung erfuhr, das Volk ohne Raum zum Raum ohne Volk (ohne jüdisches Volk) erhoben wurde, als der bekannte Rabbi seine Jünger nach der Zerstörung des Tempels mit dem Hinweis auf „Liebe und Gotteserkenntnis“, also auf ewige' Güter tröstete, die in Zukunft den Altar ersetzen sollen, derselbe Rabbi, der sich damals die Erlaubnis zur Errichtung eines Lehrhauses erbat und damit neben der Liebe in dem ewigen Geist die Grundlage des Judentums erkannte. „Ich beneide,“ schrieb mir vor einiger Zeit ein liberaler Mann, „die Orthodoxen, sie haben jetzt an ihrem Glauben einen stärkeren Halt als ich an meinem .Liberalismus.“ Ich antwortete ihm, wenn der Liberalismus nur für die Stunden des Glückes einen Wert bedeutete, lohnte es sich nicht, sich auch nur einen Augenblick für ihn einzusetzen. Es ist klar, daß jener Schreiber das Letzte liberal-religiöser Auffassung noch nie begriffen, noch nie erlebt hat. 'Wenn er schon je vom zeitlosen Judentum, vom: Gedanken der Ewigkeit überwältigt gewesen wäre, er wüßte, wo gerade in jetziger Zeit seine Stärke liegt. Er wäre bereit und imstande, die Ereignisse der Gegenwart in jenen ewigen Ablauf einzureihen, vor dem und in dem das Einzelne und der Einzelne nur Glieder in jenem ewigen Geisterkampfe sind, bei dem sich der Mensch immer wieder an der ihm übergebenen Welt versucht, versucht, Schöpfer zu spielen, Schicksal zu gestalten, das Geheimnis der Welt zu entschleiern, versucht, mit Sandkörnern Ewigkeit zu formen; versucht, die unsichtbar, unerbittlich, ehern, ewigwaltenden Gesetze unsichtbarer Mächte (der (Wahrheit, der Gerechtigkeit, der Liebe, der Treue, des Geistes, der Seele) in ihrem Siegeszug zu durchbrechen, abzuleiten, aufzubalten oder die Menschen auf deren Bahn zu zwingen. Zeitloses -Judentum — wer dieses erstrebt , und nicht das Zeitjudentum, der kann kein Selbstbewußtsein als ((/-jüdisch anerkennen, das dauernd vom englischen Selbstbewußtsein gegängelt-wird, er kann nicht da das Muster jüdischer Einheit finden, wo der Richtungsstreit genau so herrscht wie überall. Er wird am Beispiel zahlloser jüdischer Großer erkannt haben, daß man auch ohne, Emanzipation - — wenn es so sein muß — jüdische. Würde, Größe, Ehre, an den Tag legen, jüdische Leistungen, mit einem Worte, jüdische Ewigkeit schaffen kann, und nicht bloß in einem bestimmten Lande, in' Palästina. Er wird seine Arbeit für Deutschland in jetziger Zeit nicht bloß unter dem praktischen Gesichtspunkt, Err.ährungsmöglichkeitfür Kinder und Enkel zu schaffen, sondern unter den einzig und allein entscheidenden, auch damit seinerseits zum Bau des ewigen Judentums einen Beitrag zu liefern, betrachten; denn wir sagten ja schon,-das ist der letzte Sinn, der vielgenannten Synthese: das religiöse Judentum mit seinem Grundsatz Raum ohne Volk (ohne jüdisches Volk), von dem es genau so besessen' ist wie der Zionist von dem Streben, Volk im Raum (im jüdischen Raum, Palästina), geht ganz gleichmäßig seine Bahn, fühlt dauernd die Berufung zum heiligen Kampf, zum geistig-seelisch heiligen Kampf gegen alles, was ihn auf seinem Weg behindert, für alles, was es auf .diesem Wege vorwärts bringt. Und so versteht es auch, um auch das einmal zu sagen, die „Stimme des Blutes“. Gewiß, diese Stimme spricht urgewaltig, sie spricht seit Ewigkeit. Das bedeutet aber nicht, daß dieses Blut nicht gewissermaßen — und darauf allein kommt es doch an — immer wieder neu durchblutet werden,,durch neue Blutströme genährt, verwandelt werden"könnte', wenn wir erkannt haben, daß auch bei dem zeitlosen Deutschland, in der Vergangenheit wie in der Gegenwart, das Ewigkeitsmoment den höchsten Wert, das höchste Ziel, die tiefste Sehnsucht der besten Oeisier darstellt, und wenn wir diese Erkenntnis seit je urid je in. nser Blut aufgenommen haben und es auch jetzt immer wieder tun, dann ist das nun die Stimme des Blutes, die doppelte, die aus uns spricht. Dann ist die Synthese in ihrer letzten Tiefe gelungen, ja geradezu geheiligt, „ich habe meine Bestimmung ergriffen“, sagte der deutschesten Einer, HnHnrDnnd Pcnlschcr luden Sonderveranstaltungen im Februar BERLINER THEATER, abends 8,15 Uhr Donnerstag,!. Febr.-Nathon der Welse RM. 1,— Sonnabend, 3. Febr. Oie Hochzeit d.Flgaro Rm. 1,50 Sonntag, 4. Febr. Die Hochzelt dos Figaro Rm. 1,50 Montag, 5.; Februar Nathan der Welse RM. 1,— ri|) 1\ Mo estr. 2. KEDEM. Dl * 3 Memhardstr. 4. Buc 5, KQchstc.^64, (Montag^ bis Freitag da/HHgUadskaWv^D^ch^ Mitgliedern Sowie den ..Abwechsler :htblld in der Mitgliedskarte neben c scwldberger; M1TGUEDSBC : gegeben. „Die neugierigen Frauen“ Zweite Oper im Kulturbund deutscher Juden IVJurde „Figaros Hochzeit“ als erste Opemauffühiung des \\f Kulturbundes von allen mit einstimmiger Begeisterung * * aufgenommen, was wohl bei diesem Unikum-Wunder der gesamten Opernliteratur eine Selbstverständlichkeit ist, so sind doch bei der Wahl der zweiten Oper, Stimmen laut geworden: warum es denn gerade „Die neugierigen Frauen“ von Ermanno .Wolf-Ferrari sein .mußten? Um ein für alle Mal alle, auch zukünftigen Fragen /u beantworten, die in dieser Richtung liegen, möchten wir folgendes sagen. Der Kulturbund kann in seinem Opernrepertoire nicht nur auf sein Wollen bauen, sondern muß sich nach der Decke strecken, d. h. Rücksicht nehmen auf die Zusammenstellung des Orchesters, auf die vorhandenen Solisten, auf die nicht vorhandenen Chormasseri usw. — Bei fieser Gelegenheit wollen wir auch den andern, oft gehörten /örwurf erwähnen: warum werden keine „jüdischen" Opern löfgeführt? Aber — wo sind denn die jüdischem Opern? ,Die Jüdin“ Halevy’s, „Die Königin von Saba“ von Goldmark (um nur diese zwei Opern zu erwähnen) stellen keinesfalls in dem Sinne „jüdische“ Opern dar, wie es sich beim „Freischütz“ bei der „Verkauften Braut“ und „Boris Godunow“ um typische deutsche, tschechische bzw. russische Nationalopern handelt. Aus allen diesen Gründen begrüßten wir die Wahl der -„neugierigen Frauen" auf das Herzlichste, insbesondere auch darum, weil auch in dieser Oper der Humor, zu Worte -kommt, und dieses Lebenselixier war noch nie so willkommen In dieser musikalischen Komödie. „Neugierige Frauen“ spiegelt sich anj deutlichsten der musikalische Charakter ihres Komponisten Wolf-Ferrari. Dieser Sohn eines deutschen Malers und einer Italienerin, vereinigt - in sich die jcliarakteristischcn Merkmale der beiden Nationen: das warme südländische Melos und das gründliche deutsche Können. Er kann Ih seinen Werken die Herkunft von der .klassischen -italienischen Opera buffa nicht verleugnen, zugleich erinnert / aber seine musikalische Sprache an den Komponisten des -('„Rosenkavalier“ und der „Ariadne“. Ohne em besonders ausgeprägtes musikalisches Profil zu haben, gelingt es doch ' Wölf-Ferrari in seiner Synthese des deutschen . und italienischen Stiles der musikalischen Kdmödie Werke zu schaffen die; wie „die neugierigen Frauen“ trotz ihres Alters von ' über 30 Jahren (Münchener Uraufführung — 1903) zu den liebenswürdigsten Werken dieses Genres gehören. Die Feinsinnigkeit semer Partituren, sichern seinen Opern einen Ehrenplatz, auch im Repertoire des heutigen Opernhauses. Es ist eine alte Geschichte, doch ewig bleibt sie neu: drei Frauen verschieden in -ihren Charakteren, verschieden in ihrem Alter, werden in ihrer Neugierde zu einer Kampfeinheit zusammen getrieben. Sie wollen erfahren, was wohl ihre Männer in dem neugegründeten Club ohne Frauen treiben. Der Spiritus rector dieser Dreieinheit ist die Alte, ewig junge Colombina der Comedia dell arte (ist doch diese Opern nach Goldoni gearbeitet)'. Es ist meisterhaft, wie es dem Komponisten gelingt, musikalisch die Charaktere der handelnden Personen zu zeichnen, wie plastisch im Raume sich das Presto der neugierig-aktiven Frauen von der Behäbigkeit der derben und und polternden Männer abhebt. Es ist reizvoll, wie das lyrische Moment der beiden Liebenden wie ein Ruhepol in den bewegten Wellen der Handlung wirkt. Und über allen diesen Personen, über all diesem Drum und Drari die leichte Atmosphäre Venedigs mit den Anklängen an die Gondellieder. Daß die Leitung des Kulturbundes mit der Wähl dieser Oper recht hatte, bewies der außerordentliche Erfolg der .Premiere, der eigentlich den des „Figaro“ überstieg. Vielleicht ist diese Steigerung des Erfolges die doch keinesfalls durch das Werk bedingt war — au? die stärkere Einheit zwischen dem Hörbaren und dem optischen Bilde-zu erklären. Ist es doch Heinz Condeil' gelungen, ein interessantes geistreiches — auch im Perspektivischen — farbiges Bild zu stellen. In seiner beweglichen Buntheit — die Drehbühne wurde in jeder Beziehung' ausgenutzt — waren die Dekorationen ein reizender Hintergrund zum bewegten Spiel und trugen viel zum Erfolg der Aufführung bei. Ein uneingeschränktes Lob gehört auch diesmal der musikalischen Führung Joseph Rosenstocks. Wenn wir^ sein eminentes Können, seine Stilsicherheit und sein erzieherisches Talent schon beim „Figaro“ und bei den Konzerten zur Genüge bewundern und schätzen gelernt haben, so war es doch besonders erfreulich festzustellen, daß es ihm gelungen ist, die Ergebnisse seiner Arbeit mit dem Orchester bei dieser Aufführung auf das Plastischste zu dokumentieren, und Streicher wie Bläser^ (ein extra Bravo!) zeigten, daß sie in einem noch höheren Maße imstande' sind, die Vorschriften der Partitur und die Zeichen des Dirigenten zu verwirklichen; und so kamen sowohl das rhythmische wie das melodische Element dieser , musikalischen Komödie voll zur Geltung. Unter den Mitwirkenden muß wieder — sowohl der Bedeutung der Rolle als ihrer schauspielerischen und gesanglichen Verkörperung nach — die Colombina von Fritzi Jokl an erster Stelle genannt! werden. Wie diese Dienerin vieler Herrinnen allen Situationen gewachsen ist, zeigt Fritzi Jokl mit überlegener Liebenswürdigkeit und musikalischer Sicherheit. Wie der schüchterne. Cherubim der Susanne Stein sich m eine außerordentlich bewegliche, temperamentvolle Leiterin der ganzen Frauenkampagne verwandelt hat, war sehens- und horenswert, und sie kann auf den Heiterkeitserfolg stolz sem, doch hüte sre s(ch vor Uebertreibungen. Ein „Zuviel“ wirkt leicht unkünstlerisch. ” Die lyrische Partie unter diesen Amazonen — die Rosaura — sang Hanna Brand. Sie verfügt über einen schönen warmen, hohen Sopran und brachte ihre Arie und ihre Duette wirkungsvoll zum Vortrag. Die noch fehlende schauspielerische Beweglichkeit wird sie sich leicht durch die Wiederholungen dieser Oper aneignen. Ebenso die schöne Erika Stimme3 S E eonora’ mit ihrer gutsitzenden und tragfähigen. . Pa“lfc<“:[ ~ als Florindo — ist den Berlinern noch von seiner Tätigkeit an der Städtischen Oper in bester Erinnerung, und sein weicher lyrischer Tenor hatte auch Cm Berliner. lheater des Kulturbundes dieselben Erfolge zu verzeichnen. Den lustigen Partner der charmanien Colombina' den Arlecchino, gab beweglich in Stimme und Spiel Walter Olitzki. Emen schönen Bariton, verbunden mit großer Musikalität und schauspielerischer Gewandtheit präsentierte uns Hermann Kant als Pantalone. Auch in der kleinen Rolle des Lelio kam die schone Stimme und das vornehme Spiel von Fritz Lechner voll zur Geltung. Dagegen fehlte es Erich Fachs als Ottavio sowohl an Humor als auch an Klangschönheit der Stimme. Alle anderen Mitglieder der fröhlichen Amicitia-Verbindung, inclusive des gelehrten Lealjdro von Marcel Noe seien loben«! erwähnt, Frf„l!?i^Rehgie,fÜSrte puriB™mann. Er versuchte z. Tmit Erfolg die bunte Beweglichkeit der Geschehnisse mit ordnender Hand zu leiten. Schade nur, daß es auf der Bühne an der notigen Präzision (die die Partitur aufweist und aus dem Orchester emporstrahlte) und Stileinheit mnachmal fehlte. AS bjr ,den »Unterschied zwischen Text und Musik“ a.r.°P.er d.?nh™ wie I?an will, „der.Sinn der Inszenierung J f E!’]ohune, em“ derbe«, operettenhaften Stoffes au?, d?r, Grundlage der Wolf-Ferrarischen Musik zu der geistreichen und edleren komischen Oper“. Wir sind darin hat.?™ k mÜnnr{s' Programmheft) einer Meinung; ge- “f"1"1“ der Durchbruch der Beatrice durch die Wand °der d'e wackelnden Bilder an der Wand und dergl. - wenn kLS™ n Lacherfolg erzielten .— .zum Bilde einer edleren ■ 1101er’ cVm -el dle °per »Neugierige Frauen“ ist ieifer MW i?- r S ]e'n]'-e,!t lst das unentbehrlichste Kriterium w£ rfv S * iL he5 Ausführung und in dieser Einheit ersehen wn die dankbare Aufgabe jeder Regie. „rJJKr auch mit diesecr Einschränkung war es ein außer- KidturhunH8?-, “Ik erfol£re,cher Abend, für den wir dem Kulturbund nür dankbar sein können. ß. p.