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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-01-19 · 6 (19.1.1934) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
6 (19.1.1934)
Date
1934-01-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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14. Jahrgang Nummer 6 3üÖifd)'libecale 3eifnng Beilage 19. Januar 1934 StetQMMe der Wocfte | Df. Altred Goldulunidt | Uns erreicht die schmerzliche Nachricht, daß der Großsekretär des Ordens B. B. in Deutschland, Sanitätsrat Dr. Alfred Goldschmidt, nach kurzem Krankenlager im achtundsechzigsten Lebensjahr verschieden ist. Mit ihm scheidet ein Mann, der, wenn auch nicht an äußerlich sichtbarster Stelle des deutschen Judentums stehend, doch das jüdische Leben Deutschlands in nicht unbeträchtlicher Weise beeinflußt und gefördert hat. über das, was ür. - Goldschmidt für .diedeutschen Logen geleistet hat, kann liier natürlich nicht ausführlich gesprochen werden, . Hs darf aber doch gesagt werden, daß er als Vertreter der Großloge in zahlreichen sozialen und insbesondere kulturellen jüdischen Organisationen tätig gewesen ist und sie durch seinen Geist und seine Persönlichkeit wesentlich beeinflußt hat. Geistig war Alfred Göldschmidt ein Mann von ungewöhnlich umfassender allgemeiner Bildung, der auch die moderne schöngeistige und politische Literatur weit über das gewöhnliche Maß hinaus beherrschte und zu verwerten verstand. Vor allem stand ihm alles nahe, was mit jüdischer Kunst zusammenhing.' Diese Kunst und diese Künstler werden seinen Tod am schmerzlichsten beklagen. . Mehr noch aber als seine geistige Leistung Stand Alfred Goldschmidt all denen, die ihn kannten, durchsein vornehmes, ausgeglichenes, im. wahrsten Sinne liebenswertes Wesen nah. Er war eine anima candida im edelsten Sinne des Wortes, lauter von Gemüt, verbindlich in seinen Umgangsformen und von einer überströmenden Güte des Herzens. Innerjüdisch konnte er naturgemäß in seiner Stellung nicht bestimmend hervortreten. Wer ihn kannte, wußte, daß der alte KC’er zeit seines Lebens ein deutscher Jude und ein. ■ Anhänger des religiösen Liberalismus gewesen ist. Auch die Ereignisse der letzten Monate haben ihn in seiner Stellungnahme nicht erschüttert, sondern eher gefestigt. ln den Kreis seiner engeren Logenbrüder hat sein Hinscheiden eine schmerzlich empfundene Lücke gerissen. Unddas deutsche Judentum wird wenig Menschen finden, die an Geist und Gemüt seine Stelle ausfüllen werden. Reichswirtschaftsministerium über jüdische Handwerker und Mittelständler Offizielles Schreiben an die jüdischen Berufsorganisationen. Auf Grund einer am 24. November 1933 zwischen dem zuständigen Dezernenten im Reichswirtschaftsministerium und- Vertretern des Zentralverbandes jüdischer Handwerker Deutschlands sowie des Reichsverbandes des jüdischen Mittelstandes stattgefundenen Besprechung ist den genannten Organisationen auf die gestellten Fragen die nachfolgende schriftliche Antwort unterm 8. 1. 1934 ,IH A 18335/33 vom Reichs- . wirtschaftsminister erteilt worden:_. . ,!.) Zur Frage der Lehrlings-Einstellung. Ein gesetzliches Verbot der Einstellung 'nichtarischer - Lehrlinge bei arischen oder nichtarischen Meistern ist nicht ergangen. 2.) Zur Eingliederung der Handwerker und Mittel- Ständler in ihre Berufs-Organisationen. Es sind weder gesetzliche Vorschriften noch Richtlinien über die Zugehörigkeit von Nichtariem zu bertifsständischen- Organisationen erlassen worden, insbesondere ist der Ausschluß von Nichtariern aus solchen Organisationen nicht angeordnet worden. 3. ) Handwerker-Ausweis (Handwerker-Karte). Gesetzliche Vorschriften über die Ausstellung von tland- .. rker-Aiisweiseu sind nicht erlassen worden. Der Besitz eines Handwerker-Ausweises ist nicht Voraussetzung für die Gewerbe-Ausübung. 4. ) Vergebung von Arbeiten und Lieferungen durch staatliche und städtische iiehurden. Der Ausschluß nichtarischer Unternehmungen von Arbeiten und Leistungen für staatliche und städtische Behörden ist gleichfalls reiclisseitig nicht angeordnet worden; im übrigen verweise ich auf den Inhalt meiner Richtlinien vom 14.-Juli 1933 (veröffentlicht im Reichsanzeiger vom 4. August 1933). ä.) Wohifahrtslieferungeii. Das gleiche gilt für sogenannte Wohlfahrtslieferungen. 6.) Ehestandsdarlehen. Eine Änderung der Vorschriften über Ehestandsdarlehen itelit nicht zu erwarten. . 7.) Boykottierung niehtarischer Firmen. Beschwerden über Boykottmaßnahmen gegen nichtarische Firmen sind an die übergeordneten Stellen derjenigen Steilen zu richten, die diese Boykottierungsmaßnahinen veranlaßt Im Auftrag gez. Dr. Hoppe. — Beglaubigt gez. Hiesecke, Ministerial-Kanzleiobersekretär. Richtlinien zur Aufstellung von Lehrplänen für jüdische Volksschulen in Deutschland Die Reichsvertretung der deutschen Juden veröffentlicht „Richtlinien zur Aufstellung von Lehrplänen fiir jüdische Volksschulen“, die das Ergebnis sorgfältiger Arbeit eines aus Fachleuten aller jüdischen Richtungen gebildeten Unterausschusses des Erziehungsausschusses der Reichsvertretung darstellen. Eine ausführliche Würdigung wird in einer der nächsten Nummern unserer Zeitung erfolgen. Bekleidungsindustrie und Ariergrundsatz Kennzeichen für Erzeugnisse arischer Fabrikanten Vor kurzem haben sich arische Konfektionsfirmen in einer Arbeitsgemeinschaft deutsch-arischer. Fabrikanten der Bekleidungsindustrie E. V. (Adefa) zusammengeschlossen. Ober eine von diesem-Verband in Berlin eröffnete Ausstellung wird berichtet, daß für die Produkte des der Arbeitsgemeinschaft angehörenden Betriebe ein"gesetzlich geschütztes- Kennzeichen'’ eingeführt würde, das der Kundschaft Qewähr dafür biete, daß das betreffende Kleidungsstück durch deutsche Arbeits- . händeund deutschen Untemehmergeist hergestellt wurde. Bei der von vielen Vertretern der Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden besuchten Eröffnungsfeier hielt Landeswalter Spiewok eine Ansprache, in der er erklärte, diese Ausstellung sei ein hundertprozentiger Beweis dafür, daß auch deutsche Arbeit und nicht nur die nichtarische, wie man früher meipre, das Konfektionsgcwerhe aufhauen kann. Mit der'Umstellung .der Konfektion auf arische Vplksteile müsse die unbedingte Ehrlichkeit des Verkaufenden gegenüber dem Käufer wiederkommen Die Adefa habe die große Aufgabe, daß bald voneiner deutschen" Konfektion gesprochen werden könne, die im . Auslände als Zeichen fiir deutsche Arbeit, deutsches geistiges— und handwerkliches- Gut zu gelten habe. ' Ausbüa ücr Jüdischen | Darletinshassen inDenfsdiland Der Ausbau der jüdischen Darlchnskasscn durch i - der jiuhs_ ___ ... ralstelle fiir jüdische Darlclinskasscu t Charlottenhurg 2 ... - i Berlin- .-scliäftsjabr 1933 ii Die Zentralstelle hat als Spit/eiiorganisatioii der im Reich bestehenden Darlehuskasseu im Jahre 1933 an diesem Auf- und Ausbau mit allem Nachdruck gearbeitet. Sie wurde dabei unterstützt von dem immer größer werdenden Ver-, stiindnis der Gemeinden und Gememuevcrbändc im Reich für die Aufgabe der Darlclmskassen und damit für die Not- ' Wendigkeit genossenschaftlicher Selbsthilfe. So konnte nach dref Richtungen eine wesentliche Förderung der Darlclmskassen, durch Gründung" neuer , örtlicher Darlehuskasseu und durch die Schaffung von Bezirksdarlehiiskassen. Der erste Weg des Aushaus; die Erhöhung des Betriebskapitals der Darlehnskassen war erforderlich, weil das Kredit- , bedürfnis zur Überbrückung wirtschaftlicher Notstände besonders groß geworden ist. Viele Darlehuskasseu wären nicht in der Lage gewesen, diesem Kreditbedürfnis nur mit ihren eigenen Mitteln zu entsprechen. Ihre Leistungsfähigkeit wurde jedoch dadurch erhöht, daß die Zentralstelle den einzelnen Kassen einen von der American Joint Reconstruction Foundation und von dem Joint Distribution Committee dankenswerterweise 2ur Verfügung gestellten Kredit vermitteln konnte. So war es möglich, den einzelnen Kassen ein Fundament zu gehen, daß sie auch den besonderen Anforderungen entsprechen konnten. -Während in den letzten fünf Jahren in Deutschland etwa 20 leistungsfähige Orlsdariehnskaasen gearbeitet haben, konnten 1933 durch die Zcnlralstelle Tiir jüdische Darlehnskassen e. V. rund 4(1 Kassen neu gegründet bzw. ausgebäut werden. Zur Zeit bestehen in Deutscldaiid ca. 60 jüdische Darlehnskassen, deren Kapital zusammen mit dem Kredit der American Joint Reconstruction Foundation und des Joint Distribution Committee sichauf etwa eine Million Reichsmark beläuft. In‘ folgenden Gebieten Haben- Bezirksdartehnskassen ihre Tätigkeit aufgenommen oder stehen unmittelbar davor: Baden'- (Karlsruhe), Bayern (Ansbach, Augsburg, Bamberg, Bayreuth, Fürth, Kissingen, Kitzingcn, Neumarkt,- Pfalz, Regetisburg, Schweinfurth, Würzburg), Brandenburg (Berlin), 'Grenzmark Poseu-Westpreußen (Schneidemühl), Hessen-Nassau (Franko furt), Niederschlesien (Breslau), Oberschlesien; (Beuthen), Ostfriesland (Emden), Ostpreußen (Allenstein), Pommern. (Stettin), Rheinland (Köln), Sachsen-Anhalt (Magdeburg), Schleswig-Holstein und Hansestädte (Hamburg), Thüringen ,• (Erfurt), Westfalen (Bielefeld), Württemberg (Stuttgart), r i ~ Mit Hilfe" der Darlehnakassen and'der dt# “ Darrehni-^T-' kassen neu zugeführten Kreditmittel war es möglich. In ' weitem Umfange dem schwer ringenden jüdischen Mittel- ' stand produktive Hilfs- und Kreditmöglichkeiten zu vermittein. Viele tausende Existenzen sind; dadurch in ihrer Wirtschaftskraft erhalten, anderen ist neu zur wirtschaftlichen""”. Existenz verholten worden. —! BERLINER HAUS- U.GRUNDSTÜCKS- Sleuerberalung VERWALTUNG Hausverwaltung BERUM-WILMERSDORF. Kaiserallee48 h; wnm. «sa Berlin-, Sritönebetg. Houplskl f übtr SO^faen Quahiaivn das haus dep GUTEN HEPPEN-t j. KNABEN' KLEIDUNG cAr Leo Rothschild Kfb-fRlniM Qualitäten. lisch*. Kr. Pökelbrüste SpeisehaHS des Westens Kantstr. 1S« ErstUiuüge und «Wihiltliie,Gedecke Kein Bedlenuneseelil. VeltiTrintoiang Robert Heil Feinbäckerei-Kondiforei Ernst Klein . W 15. Badische R». 33 F(eiscn-u.Au1schninm ■Pension Naumann Berlin- Wilmersdorf, Nikolsburger Platt 6-7 ^YwuUtndäe'^m47Q%Str^) Hl^n£Cnlth{o7Uh'r41nur 4704° _Zfetcbe, Kurfürstendamm 235 Elegante Zimmer mit jedem Komfort billigst. Daueraufentb. 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