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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-01-16 · 5 (16.1.1934) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
5 (16.1.1934)
Date
1934-01-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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an die JfflHfdMibetale 5eitonfl“ Jüdlsdies Nadiwort zu den ranlbaber-Predigten Berlin SW öl, 14. Januar 1934. Bdle-Alliance-Platz 20 II.. Die Bedeutung der Predigten des Kardinals Faulliaber als’ einer Ehrenrettung des Alten Testaments und damit des Judentums "ist in diesen- Blättern bereits gewürdigt worden. Ich möchte aber weitergehen und darauf hinweisen, daß diese Predigten des katholischen Kirchenfürsten auch manches enthalten, was .wir Juden uns als Mahnung dienen lassen können. In einer der Predigten hieß es: „Es braust’ ein Sturm durch unser Land, der die Hl. Schriften, weil sie Jüdenbücher seien, vom deutschen Boden wegfegen soll. Ich habe die Überzeugung, dieser Sturm wird eher bei allen Bekenntnissen ein heiliges Eeucr neuer Begeisterung für die Hl. Bücher entzünden“, und diesen Worten fügte der Prediger die Mahnung hinzu: „Mehr Bücher von Bildungswert auf den Weihnachtstisch! Der Vorrang vor allen Büchern aber bleibt dem Buche der Bücher, dem Evangelium und den anderen Schriften des Neuen Testaments.“ Kluge Ermahnungen, die auch für uns Juden in der jetzigen Zeit Geltung haben. Das heilige Feuer neuer Begeisterung für die heiligen Bücher ist auch bei uns Juden entzündet. Beweis dafür die überfüllten Gottesdienste in den Synagogen,’ die Veranstaltungen und Vorträge aus der Bibel und über die Bibel. Diese Vorträge finden stets begeisterte Zuhörer, für welche die Heilige Schrift sich als etwas Neues und Unbekanntes darstellt. Jetzt erst beginnen viele Angehörige des Judentums und solche, die zu ihm zurückgekehrt sind, die Schönheiten der Bibel zu erfassen, die sittlichen und sozialen Erfordernisse der Heiligen Schrift, die Leiden, die das Volk durch Jahrtausende erlitten, den Heroismus,, mit welchem das einstige jüdische Volk seinen Glauben verteidigt hat. Und nun: wieder ertönt der Ruf nach einer wohlfeilen Hausbibel, welche sich . jeder Jude zum Gebrauch in der Familie kaufen kann. Aber, man sollte es nicht für möglich halten: damit hat es seine Schwierigkeiten. Es ist geradezu grotesk, daß die Juden als Empfänger der Offenbarung, als Träger und Verbreiter der Bibel in alle Lande, als Hüter des 'Gesetzes.keine Volksbibel in billiger Ausgabe erhalten können, ja daß Buchhandlungen und Verlage hebräischer' Schriften nicht einmal eine solche billige Volksausgabe zum Verkaufe anbieten. Natürlich denke ich in diesem Zusammenhänge an eine wohlfeile Volksbjbel in der Sprache, in der allein alle1 diese sich innerlich öder sogar äußerlich neu ans Judentum bindenden Glaubensgenossen die Heilige Schrift lesen können: an eine deutsche Bibel.' Was da an Übersetzungen von jüdischen Autoren vorliegt (Auerbach, Zunz, Bentfeld u. a.), das sind alles ziemlich teure Bücher. Hier beschämen uns die Protestanten mit ihren außerordentlich billigen Ausgaben der Luther-Bibel. Und für das, was ich jetzt sagen will, kann ich mich auf einen Rabbiner berufen,, der hier in Berlin bei einem seiner Vorträge üby „Einführung in das Judentum“ Stellen aus den Psalmen und Propheten vorlas —: aus einer Luther-Bibel, da diese, wije er sagte, „eine kraftvollere Übersetzung“ enthalte. Er verfehlte nicht die Mahnung auszusprechen, daß eine Bibel in jedes jüdische Haus gehöre, und "auf den Einwurf eines Hörers, sie sei zu teuer, erwiderte er, indem er das Buch weithin sichtbar hob, „sie koste nur 1,— 3Ut“. Das war richtig, aber diese Bibel war keine jüdische Ausgabe, sondern eine Luther-Bibel! Was uns bitter nottut, ist eine wohlfeile Ausgabe einer jüdischen Bibel, welche aber auch die „apokryphischen Bücher“, wie das Buch! der Makkabäer, Tobias, Sirach u. a. enthält, damit wir Juden auch unsere eigenen Helden kennen lernen und uns au ihrem Tun und Schicksal erbauen; denn wiederum grotesk ist es, daß wir Juden zum Chanukkahfest, das ja gerade hinter uns liegt, die Taten der Makkabäer nur aus einer Luther-Bibel kennen lernen konnten. Wir wollten, mehr als" in anderen Jahren, der Zeit entsprechend das Chanukkahfest' feiern, aber in den „jüdischen“ Bibeln fehlen die Bücher der Makkabäer, fehlt die Chanukkah-Erzählung! Das muß geändert werden. Im übrigen, aber sollte, wie bei den andern Konfessionen, dem jüdischen Brautpaar nach der Trauung vom Rabbiner das Buch der Bücher, die Bibel, für den ferneren gemeinschaftlichen Lebensweg überreicht werden. Nun haben die Rabbiner und Schriftgelehrten das Wort! Justizrat Dr. Ernst Schlesinger. Künsflerhilfe istPablikninsbllfe Berlin W 15, 10. Januar 1934. Wiederholt stand etwas in Ihrer Zeitung von Hauskonzerten, — aber immer, wenn ich von ihnen las, hatten sie schon stattgefunden. Das war dann jedesmal eine große Enttäuschung für mich. Nicht nur, weil ich gern gute Musik höre, und leider nicht mehr in den Verhältnissen bin, mir immer Eintrittskarten zu musikalischen Veranstaltungen kaufen zu können. Nein, zu dem einen oder anderen öffentlichen Konzert langt es doch schon einmal, und wenn ich auch nicht mehr so oft gehen kann, wie ich es als, regelmäßige Musikhörerin früher tat, so haben wir uns alle ja wohl daran gewöhnen müssen, unsere Ansprüche — jedenfalls - -,:~ ’etrifft - delt es sic :S anderes. Überall liest man heute, wir Juden müßten uns nicht nur „organisieren“, sondern auch menschlich fester aneinander-" schließen. Wie viele sind heute seelisch vereinsamt; die Musik im Konzertsaal vermag für kurze Zeit aufzurichten, aber man kennt den Nebenmann, Hintermann und Vordermann nicht, und aus dem vollen Konzertsaal geht es wieder in die leere Wohnung. Ist man in einem Privathause, so lernt man einander kennen, spricht, tauscht Gedanken aus, kommt einander näher, Seele findet Halt an Seele. Bleibende Freundschaften können auf diese Weise entstehen, wir alle werden eine große Familie. Und richtiges Familienleben ist es auch, was in ein Haus ‘einkehrt, das auf diese Weise zur Musikpflege einladet, denn alle Verwandten werden wohl dabei sein wollen, wo ein solches Kunstfest arrangiert wird. Verwandte sind auch sonst beieinander: zu „Kaffee und Kuchen“. Aber die Unterhaltung ist dann oft nicht sehr gehaltvoll; die Musik aber und der; gute Zweck des Hauskonzertes geben dem Beisammensein seinen Inhalt. So kommt unser geselliges Leben wieder auf das wünschenswerte Niveau. „Große Aufmachung“ ist dabei nicht nötig, wäre sogar taktlos! Ist aber doch einmal jemand in der Lage, für ein derartiges Hauskonzert gewisse Mittel aufzuwenden, so soll er sie, statt für ein pompöses Äußere, das schlecht in die Zeit passen würde, den mitwirkenden Künstlern zugute kommen lassen —: wird mit der Veranstaltung ein guter Zweck verbunden, so werden sich die Künstler aller Kategorien gern für ganz geringe Entschädigung zur Verfügung stellen; bei vielen derartigen Veranstaltungen würden sich obendrein die Verdienstgelegenheiten mehren, so daß die Honorarforderung pro Abend gesenkt ’ werden könnte. Auch macht der einzelne Künstler sich bekannt: beim Publikum und in der Presse, denn die jüdischen' Zeitungen würden natürlich über alle diese Abende oder Nachmittage berichten. Aber — das bitte ich mir aus, und das ist der Zweck, warum ich dies schreibe— nicht nur nachher! Die Hauskonzerte müssen frühzeitig, mindestens 14 Tage vorher, in der Zeitung angekündigt werden, denn wir wollen nicht nur über sie lesen, wir wollen auch hingehen! Sorgen Sie, verehrter Herr Redakteur, daß dies alles recht bald geschieht. Wir haben eine Stelle, die sich „Jüdische Künstlerhilfe“ nennt und schon viel Gutes getan hat; wenn sie solche Hauskonzerte in allen Stadtteilen einrichten läßt, so wird sie sich auch als „Jüdische Publikumshilfe“ überall großen Dank erwerben. Hochachtungsvoll Frau J. Kirchberg. Nodimals: Richard Wagner — Jndenfrennd and Antisemit Mainz, 8. Januar 1934. Große Bleichen 56 1/10. In der letzten Nummer des vergangenen Jahres (38) brachten Sie einen bemerkenswerten Aufsatz über die Einstellung Richard Wagners in seiner Jugend und im späteren Alter zum Judentum aus der Feder von Dr. Paul Riesenfeld, Breslau. Auch für den Kenner fand sich in den Ausführungen manches weniger Bekannte. Es dürfte aber interessieren, daß auch in späteren Jahren Richard Wagner gegen Nichtarier trotz aller, seiner Äußerungen keineswegs unbedingt feindlich gesinnt war, ja sogar deren Mitarbeit an seinem Werk, wie die von Hermann Levi, gerne annahm. So war auch der jetzt im Ruhestand lebende Albert Gorter (Nichtarier) -rzuletzt Generalmusikdirektor am Stadttheater Mainz und Komponist der beiden einaktigen Opern „Das süße Gift“ und „Der Paria“ — viele Jahre bei den Bavreuther Festspielen tätig. Die Werkschätzung des Hauses Wagner dürfte auch daraus hervorgehen, daß Gorter nach dem Ableben des Meisters auf Wunsch der Frau Cosima den Leichnam des Verstorbenen vom Palazzo Vendramini in Vene-- dig zur letzten Ruhestätte nach dem Hause Wahnfried in Bayreuth geleitete und überführte. In vorzüglicher Hochachtung ’ .Justizrat Dr. Otto Lichten. Jüdische Jagend erhält die ittelngemelnden In der heutigen Zeit kann nicht oft genug von der Notwendigkeit des engeren Zusammenschlusses jüdischer Menschen gesprochen werden. Leider bleibt in dieser Beziehung in den meisten Gemeinden noch viel zu wünschen übrig, zumal der 'Zusammenschluß in vielen Fällen '"durch verschiedene Gemeindevorstände, die wenig oder gar kein Verständnis für die ,-Jugend haben, nicht gefördert wird. Es wäre dringendste Aufgabe der Reichsvertretung der deutschen Juden und des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, eine Stelle zu schaffen, die in allen jüdischen Gemeinden Deutschlands jüdisches Leben organisiert, die Gemeindevertreter berät und die diejenigen Gemeinden, die wenig oder gar kein Interesse für die seelischen Nöte ihrer Mitglieder haben, etwas energisch an diese Pflichten erinnert. Als Beispiel für die Situation möge meine Heimatgemeinde Anklam dienen. Sie hat etwa 40 Seelen; einen Kantor haben wir seit Jahren nicht mehr, nur zu Neujahr und am Versöhnungsfest wird in unserer Synagoge Gottesdienst abgehalten. Von den Männern beherrschen die wenigsten die hebräische Gebetsspraclie; die vier Kinder haben alle 14 Tage Religionsunterricht, den der Prediger der Stralsunder Gemeinde abhält-und in dem sie das Allernotwendigste vom Judentum lernen. - ■ Noch vor 30 Jahren war Anklam eine große Gemeinde,' aber viele sind in die Großstadt gezogen. Jetzt kämpfen wir noch zähe um unsere Existenz, weil wir uns .mit der Stadt und unserer engsten Heimat verbunden fühlen, aber einmal wird Schluß sein, da wir seelisch zermürbt werden; darauf ist der Zug in die Großstadt bzw. in die größeren Gemeinden zurückzuführen. In unseren Nachbarstädten Pasewalk, Greifswald und Wolgast liegen die Verhältnisse ähnlich. Seit kurzem besteht in Anklam und Greifswald der Bund deutsch-jüdischer Jugend (Ring), der versucht, seinen Mitgliedern so gut es geht, jüdisches Wissen zu vermitteln. Zu einer Seelsorge innerhalb dieser jüdischen Gemeinden kann uns nur der . Zusammenschluß der Nachbargemeinden verhelfen; aller auch die zusammengelegten Mittel werden kaum ausreichen, um einen Kantor zu besolden. , Hierzu kann uns nur der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden und die Reichsvertretung helfen, indem .; diese Organisationen Wanderrabbiner und Kantoren auf die Reise schicken würden, die jede Woche in’ einer anderen Gemeinde, Gottesdienst abhalten. Eine derartige Maßnahme hat sich ja bereits während des Krieges bestens bewährt. Hinzu kommt, daß dadurchzahlreiche arbeitslose Kantoren Beschäftigung finden werden. In einer der Nummern der „Jüdisch-liberalen Zeitung“ des vergangenen Jahres ist ja bereits über den Zusammenschluß der jüdischen Gemeinden in der früheren Provinz Posen berichtet worden, der kicli, . wie ich erfahre, gut bewährt und den dortigen Juden Seelsorge und Zusammenschluß gebracht hat. Was dort möglich war, sich sicherlich hier auch durchführen lassen. Meine Kameraden pnd ich hoffen, daß unser Appell' nicht ungehört verhallt, wir werden mit aller Macht versuchen; Seelsorger zu erhalten; wir wollen Juden sein und keine Jomkippurjuden. Siegfried Becker, Bezirksführer Pommern-West des Bundes deutsch-jüdischer Jugend (Ring). A * ..1 n ■. LÄ 1u. Apparatebau 0H6. Carmubeb-“'“ Hamar-Reklame Anfertigung v. Firmenschildern in Eisen, Vergaser - Werkstatt französische Apparate. - Einregulierung. - Reparatur. - Offizieller Stromberg-Service. - Solex-Dienst ElBeaztthnstr. 49, E. We&tföJÄBcheStr. "papierplakate UMZÖGE für Berlin u. ausserhalb BAD%. Slmtl. Bauer u. 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