Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 5 (16.1.1934)
- Date
- 1934-01-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Einordnung der jüdischen Handwerker Einer der besten Söhne Deutschlands Jüdische Jugendliche können als Handwerkslehrlinge eingestellt werden Die Zeitschrift „Der Badische Schneidermeister*1 veröffentlicht in ihrer Ausgabe vom 1. Januar ein von E. Pflugmacher und Dr. Schild gezeichnetes Rundschreiben des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertags an die deutschen Handwerks- und Gewerbekammern, in dem darauf hingewiesen wird, daß nach dem Willen der berufenen Regierungsstellen eine Sonderstellung nichtarischer Handwerker bei der neuen berufsständischen Ordnung nicht zu erfolgen hat. Insbesondere sollen'auch jüdische Jugendliche von jder handwerklichen Berufsausbildung nicht ausgeschlossen werden.-' Abiturientenauslese und Rassenfrage Zu der von Reichsinnenminister Dr. Frick -verfügten . Beschränkung der Studentenzahl vom kommenden Sommersemester ab, veröffentlicht die „Deutsche Zeitung“ in Nr. 5 eine Betrachtung, in der sie u. a. auf die Bedeutung des rassischen Gesichtspunkts für die Auslese der Sludienberechtigten hinweist. „Jeder Pädagoge“, schreibt das Blatt, „weiß, daß deutsch-jüdische Mischlinge auf der Schule oft Vorzügliches leisten, im Leben aber nur ganz bestimmte Berufszweige wirklich ausfüllen können, die Beziehung haben zu ihrer Grundyeranlagung: dem talmudischen kurieren. Die jüdische Rasse gehört nicht zu den „klugeG.'.'nd tiefschürfenden Rassen, dennoch aber stand sie inwjgr Schule oft an erster Stelle. Diese Erfahrung sollte fe*en, daß die Schulleistung allein für die Auslese, nicht bestimmend sein darf.“ Wlatinee Philharmonie, Bernburger Straße 22 Sonntag, den 21. Januar 1934,11,30 Uhr veranstaltet von der Jüdischen-Gemeinde zu Berlin zu Gunsten des Winterhilfswerks des Deutschen Volkes durch den Kulturbund Deutscher Juden e. V. ' Mitwirkende: Orchester des Kulturbundes unter . Leitung von Oeneralmusikdir. J. Rosenstock Solisten: .Willi Frey (Violine), Fritz! Jokel (Sopran) Karten zum Preise von 1,— bis 4,— RM. erhältlich: Jüdische Gemeinde,-Rosenstr. 2—4, Zimmer 23, Tel.: D 1 Norden 6711, Hausapparat 50; und Buchhandlung Kedem, Cliarlotienburg, Dahlmannstr. 8 Jugoslavien weist jüdische Emigranten aus Deutschland aus ' Im Laufe der vorigen Woche haben in Zagreb 21 aus Deutschland eingewanderte Juden die Aufforderung erhalten, binnen acht Tagen das Land zu verlassen. Von der Aus-- weisung wurden in erster Reihe polnische Staatsbürger und . Staatenlose betroffen, aber auch' einige deutsche Staatsangehörige, die den Behörden als vollkommen mittellos bekannt waren. Das Zagreber Hilfskomitee hat sich an die Behörden in Zagreb und durch den Bund der Jüdischen Gemeinden Jugoslaviens in .Belgrad an die zuständigen Ministerien mit der Bitte gewandt, den Ausweisungsbefehl ,rückgängig zu machen. Das Ergebnis dieser Schritte steht noch aus. Uneinigkeit macht schwach „Jewish Chronicle“ beklagt es, daß die Londoner Konferenz für Hilfe an die deutschen Juden trotz der jüdischen Solidarität, die in ihr zum Ausdruck gekommen ist, keine adäquaten Resultate erbracht hat. Zahlreiche wichtige Beschlüsse der Konferenz konnten im Hinblick auf die Uneinigkeit im amerikanischen Judentum (Nichtübereinstimmung zwischen American Jewish Committee und American Jewish Congress) bisher nicht zur Durchführung gelangen. Vielleicht sei es überflüssig, das „Verbindungs-Amt“ zur Aufrechterhaltung des Kontaktes zwischen den jüdischen Organisationen zu schaffen; wichtig aber wäre die Durchführung von Beschlüssen betreffend Bildung eines Generalrates und einer Exekutive; dies unterblieb infolge der amerikanischen Unstimmigkeiten. Darunter leide auch die Hilfsaktion für die deutschen Juden. Obwohl das amerikanische Judentum zwolfmal so groß ist wie das englische Judentum, sei in England Unter den vielen Würdigungen, die die Persönlichkeit Carl Melchiors gefunden hat, scheint eine von besonderer Bedeutung. Unter der Ueberschrift „Einer der besten Söhne Deutschlands“ widmet Hubert Freiherr von Eltville im „Kleinen Journal“ (Ausgabe vom 5. Januar) dem Verstorbenen einen Nachruf, den wir im vollen Wortlaut hier wiedergeben: Rückwärts wanderten die Gedanken in diesen Tagen, tief ■berührt von zwei Todesfällen, die nicht nur in den nächsten Kreis der Entschlafenen empfindsame Lücken gerissen. h Carl Melchior, einer der besten Deutschen, ist nicht Es war iin Frühling 191S. Auf kurzen Urlaub war man von Brüssel in das gesegnete Holland herübergekommen. Das Land, das — obwohl es die Wirkungen des Krieges auch verspürte —, durch seine Neutralität, doch wie eine Insel der Seligen wirkte. Als deutscher Gesandter war Minister Dr.( Friedrich Rosen für uns drüben. Ihn und seine Frau hatte ich bereits auf^früheren Posten in Tanger und später in Bukarest gc- Eine Wohltat schon, die Begegnung mit diesem vielseitigen Diplomaten und Menschen, der sich außerhalb seiner Amtsgeschäfte als orientalischer Sprachforscher Weltbedeutung errang. Ein Mann, dessen feiches Leben, dessen tiefgründige Bildung und umfangreiches Wissen durch ein glanzendes Erzählertalent vervollständigt wird. Er ist außerdem ein Linguist, wie .es wohl nur wenige gibt, und dabei einfach und anspruchslos in seinen Gewohnheiten. Sein Haus war auch damals ein beliebter Mittelpunkt der auf Posten stehenden Deutschen im Haag. ' Im übrigen war die deutsche Gesandtschaft in jener Zeit ein riesenhaftes Gebilde, zu dem nicht nur die üblichen Legationsräte und Sekretäre gehörten. Unzählige Stellen waren ihm koordiniert, jede mit einem eigenen Stab. Als Leiter solcher Stellen war zum Beispiel der viel zu früh verstorbene spätere Botschafter in Washington Freiherr „Ago“ von M a 11 z a h n drüben. Außerdem der weit über die Grenzen Deutschlands als Sammler uralter ostasiatischer Kunst bekannte Freiherr Eduard von der Heydt, Präsident der August-Thyssen-Bank; Legationsrat Eberhard von Pannwitz, heutein der Abteilung 1 des Auswärtigen Amtes mul Gatte der schönen Gräfin Dagmar Dankeimann, in deren Adern sich, holländisches mit deutschem Blute paart. In diesem Kreise lernte ich Dr. Carl Melchior,, einen der klügsten Männer, denen ich je in meinem Leben begegnete, kennen. - Ein wenig erstaunt, sah ich aut den schmächtigen, eher unscheinbaren Mann, der, mit einfacher Eleganz gekleidet, eines Tages zu einem Herrenfrühstück erschien. Allerdings fielen sofort die durchdringenden grauen Augen mit der großen Pupille auf, in denen leise Schwermut dämmerte. Kaum eine Viertelstunde war vergangen, als ich mich ■ vollkommen im Banne dieses Geistes befand. Ich die gleiche Summe für die Hilfsaktion aufgebracht worden wie in Amerika. „Jewish Chronicle“ fordert die amerikanischen Juden auf, endlich einen Zusammenschluß herbeizuführen, damit an die Lösung der dringenden Probleme der Hilfe an die deutschen Juden herangegangen werden kann. Anweisungen der arabischen Exekutive für die geplante Kundgebung Die pälästinensich-arabische Exekutive hat eine Sitzung abgehalten, nach der eine Proklamation veröffentlicht wurde, die Anweisungen, für die Durchführung zur Kundgebung am 16. Januar enthält. Der Demonstrationszug soll vom Gebiet der Omar-Moschee ausgellen und sich bis zum Zion Tor bewegen, wo eine Protest-Resolution verlesen und Reden gehalten werden sollen. Die Kundgebung soll auf die Altstadt beschränkt bleiben. Dem Distriktskommissar für Jerusalem, Campbell, wurde der Demonstrationsplan mitgeteilt, die Städte und Dörfer in der Provinz sind telefonisch aufgefordert worden, gleichartige Kundgebungen zu veranstalten. Das Organ der gemäßigten arabischen Richtung „Meraat el Shark“ veröffentlicht einen Leitartikel, in dem die Regiemfgefordert wird, entsprechende Vorkehrungen n\ und Blutvergießen zu vermeiden. reffen Lloyd. Triestino muß den Schiffsverkehr nach Palästina einschränken Wie der Ita-Vertreter in Triest erfährt, hat sich die Direktion der Schiffsgesellschaft Lloyd Triestino an die italienische Regierung um die Erlaubnis gewandt, den Schiffsverkehr nach Palästina auf die Hälfte des bisherigen. Umfanges einschränken zu dürfen, da infolge der durch die Palästina-Regierung vorgenommenen Einwanderungseinschränkung die Zahl der jüdischen Schiffspassagiere auf der Linie Ufieatetf Haftateü, Hinö \ Kunvtlorspiolo ELOW konferiert ein tolles Januar-Programm! Das müssen Sie gesehen haben! Eintritt M. 1,-, kleine Preise Hausfrauen-nacnminage Kanne Kaffee nnd Kochen M. 1,- Eintritt frei Großfürstin Alexandra KOM6DIE Direktion: Hans Effenberger Kurfürslendamm206.Bism.904/5 Täglich 8V2 Gespenster von Henrik Ibsen Preise von 1—6 Mk. Vorverk. ab 10 Uhr ununterbr. Auar,SjMitr£ J6Blaibtrau04TI Drucksachen ln tistnr los tanraig. Billigt fyiifiHQ und öfriQÜt ui 15, Jaachlmsinaier strafle w Täglich (außer Freitag) 83° Uhr abds. Wieder Neues Kabarettprogramm Willy Prager konferiert Hedl Haas. Jacks, Martin Hattner. Marlon Haegal. «Krad reiz. Willi Prager. Baatrict Wagnaltar am Flügel: Erich Ronis Kapelle: lack Polischuk Donnerstag, 18. Januar Donnerstage, nadim. 4,30 Sonnabend u. Sonntag 4,30 Tanz*Tee Vorverkauf täglich 11—I Uhr an der Kasse und Abendkasse (J 1 Bismarck 6979) & genial erfaßte, übersah und bis in iin yn beurteilte. erste Stunde, die ich mit Dr. Melchior v unvergeßlich. Trotzdem er wenig sprat iesem Mann ruht der Mittelpunkt des au Noch oft hatte ich später Gelegenheit, mit ihm /u rechen. Ob draußen oder in Hamburg, stets boten diese Mcrhaitungcn für mich tiefste Bereicherung.- Verschlungene ■den wußte er zu'entwirren, politische und wirtschaftliche Zusammenhänge, dem Draußeiisteliendeii schwer übersehbar, t wenigen Worten plastisch zu erklären. Das Hamburger Heim in der Heiniltiuler Straße, dem; ^wlmcstcr ^ile»^ Hausherrn — eilte passionierte Hridge- ■ Atmosphäre seiner Bewohner, die Atmosphäre, die alten pflegte Kultur. Ste wählt, — geistig, i i Mittelpunkt“ '“"'■-•i, Jag, s li Bilder der Vorfahren. Altes Familicuii dem schon Generationen gespeist, auf [fdringlicher^ Luxus, sondern sorglich ger Hausherr stand, trotzdem, es :n Vordergrund zu stellen oder r die sensible Natur nelir verschärfenden n leidenschaftlichem großsprcchcr persönliche Oft konnte ich bcoh Dr. Melchiors unter der Not des Vaterlandes lit Patriotismus beseelt, dt Tiradcn äußerte, sondern in der restlosen "persönlichen Hinlie an ihn hcraiitrctciidcn Aufgaben meisternd.. Er »einen Dank, sondern strebte nur danach, seine Pflicht - .... Persönlichen Ehrgeiz kannte der in sich abgeschlossene Mann nicht. MinistcrposteiV die ihm früher mehrfach -will dringend angeboten inirden, hatte er immer abgclehnt. Es -lügte ihm, das Bewußtsein zu haben, seine besten Kräfte das Wohl des Vaterlandes einzusetzen, das ihm über es ging. - Nie hat seine Umgehung ein Wort abfälliger Kritik oder —j- Verbitterung von ihm gehört, trotzdem oft gehässige Angriffe gegen ihn vorgcbraclit wurden. Überarbeitung — und Gräm um den weiteren Niedergang seines Vaterlandes — warfen vor Jahren Dr. Melchior auf ein langwieriges Krankenlager. Er hat sich nur sclnvcr crliolt- ' 'te. Aber nie e Intelligenz, r Be: eutschlands Wiederaufstieg c Hubert I u allerletzt sogar auf 3U«/q, gesunken , -loyd Triestino möchte die Einschränkung vorläufig nur über die „tote Saison“ hinaus, d. Ii. bis Ende Febniar gelten lassen;- man nimmt allerdings an, daß .in diesem Jahre die „tote Saison“ weit langer als sonst dauern' wird, falls die Palastma-Regierung bei ihrer Politik der Einschränkung der jüdischen Einwanderung bleiben sollte. Diese von der britischen Mandatarmacht tebilligte Politik’dtr'Jerusalemer Administration wird in . Italien aus wirtschaftlichen Gründen sehr bedauert;» der jüdische Strom nach Palästina hat allen an dem Schiffsverkehr .nach Palästina Beteiligten bisher bedeutenden wirtschaftlichen Nutzen gebracht. Sportnachrichten Winterfest des ITSC 1905 Der Jüdische Turn- und Sport-Club 1905 Veranstaltet 10. Januar in den Gesainträiimen des Logcnliauscs in der tstralle 1(1 sein diesjähriges Winterfest, dessen Reinnn für die Errichtung eines Berliner Jugendheims heut ist. Neben Darbietungen erster jüdischer Künstler wertvollen Geschenken ausgestatteten Tanzkapellen für Stimmung und d - Tombola werden Erfolg der Verar beträgt 1,25 RM. orge.. tragen. Der Eintrittspreis Ein neuer Boxklub deutscher Juden Nachdem sich der JBC Maccabi dem Makkabi-Weltvcrband angeschlossen hat, haben die deutschbewußten Mitglieder ihren Austritt erklärt und unter Führung des Frontkämpfers Dr. Al I red Lexvin den' „Jüdischen Box-Club 'Berlin“ gegründet, der bereits 60 Mitglieder stark ist. . Hausverwaltungen v Firma fldoifRosenbaum Dr. uierner FreudenDerg Kaffee-GroBrösterel A FEINSTE QUAUTXTEN BILLIOSTE PREISE V Qünstigste Bezugsquelle für Wiedeiverkäufer ■ DR. MARTIN DO NI G M Tel. A 7 Dönh. 9298; Kommandaritenstr. 17III, Fürst. riefmarken und Sammlungen Unterricht lllKIHkS DahhiiiMS' erteilt Erwachsenen und Jugcnd- Jlingci KaDDIIlCI Jichen hebräischen Einzelunterricht, auch Konfirmations-Vorbereitung. Anfragen erbeten unter L 42fF an die „Jüdisch-liberale Zeitung", Berlin-Cliarlottenburg 4. ettbekannten