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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-01-12 · 4 (12.1.1934) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
4 (12.1.1934)
Date
1934-01-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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innere Zwang des Juden zur Familiengründung. Das Haus nur gibt alle Gelegenheit zur Übung des religiösen Gebotes. Das Elternhaus ist die Synthese der Ahnen und der Enkel. Es stellt den lebendigen Zusammenhang, die Kontinuität des Geistes und des Herzens der Generationen dar. Wie die Gegenwart immer nur richtig erfaßt wird als Synthese'der Vergangenheit und Zukunft, nicht aber als Übergang und Brücke, so auch die Familie als die notwendige innere Verschmelzung des Gestern mit dem Morgen. Auf diesem Boden der jüdischen Familie ist der normale menschliche Konflikt zwischen der älteren und jüngeren Generation selten zur Katastrophe geführt worden, solange die Familie noch die Stätte der jüdischen, religiös-sittlichen Tradition geblieben ist. Wenn der Glaube an Gott wankt, dann spürt es überall zuerst das Haus, dann das Individuum. Selbst der verweltlichte Jude trägt seit hundert Jahren das Erbe jüdischen Familiensinns in seinem seelischen Gesamtstand in sich und erlebt das jüdische Gottesgefühl, auch wenn er in Unklarheit über sich selbst glaubt; sich davon emanzipiert zu haben. Dieses Gottesgefühl hat die Keuschheit, die allem Höchsten -gegenüber eine innere. Notwendigkeit ist. "Der jüdische Mensch spricht nicht von Gott, er lebt - und übt seine gottgegebene und gotterfüllte Pflicht. Es hat hier seinen tiefen symbolhaften Sinn, daß das Judentum deii heiligsten Namen Gottes nicht buchstäblich ausspricht und alle anderen Bezeichnungen Gottes umschreibt. Dennoch hat keine menschliche Gemeinschaft Gott so nachhaltig und dauernd erlebt wie die Judenheit. Ihre sieghafte Existenz ist die wahre Theodicee, die Rechtfertigung Gottes in allem Leiden des Menschen. Die Frage nach Gott ist heute wieder in ihrer ganzen ultimativen Wucht vor uns hingestellt. Es ist eine Zeit des Entweder-Oder. Von unserer Entscheidung hängt unser inneres und äußeres Schicksal ab. Nach einem tiefen Wort ist der Mensch mit Gott immer in der Majorität. Und Goethe hat den letzten, urgründigen Blick in die Geschichte getan, als er den Unterschied der Zeitalter des Glaubens und Zeitalter des Unglaubens konstatierte und jene die starken, diese die schwachen Epochen nannte. Rabbiner'Dr. A. Löwenstamm, Spandau. Ueber Mischehen ■ Dem Stuttgarter Neuen Tageblatt vom 4. Januar 1934 entnehmen wir folgendes: * . Oberstaatsanwalt l)r. Wodaege bat sich vor den hessischen Standesbeamten, über die Frage der Mischehen geäußert und ausgeführt: Zu beachten ist, daß. für Mischehen zwischen Juden und Christen dann ein Ehehindernis bestehen kann, wenn der eine Verlobte Ausländer, das heißt entweder fremder Staatsangehöriger oder Staatenloser ist. Dann hat der Standesbeamte zu prüfen — Ehefähigkeitszeugnis —, ob nicht im Heimatstaat des Ausländers oder in dessen letztem Heimatstaat eine solche Mischehe verboten ist. Sie kann dann auch nicht in Deutschland geschlossen werden. Ein solches Ehehindernis. der Religionsverschiedenheit zwischen Juden und Christen besteht zum Beispiel in Kongreßpolen und in Österreich. Es ist also sehr wohl der Fall denkbar, daß auch Heute schon der deutsche Standesbeamte eine Eheschließung zwischen einem Juden und Christen ablehnen muß. In jenen ausländischen Gesetzen ist für das Eheverbot .freilich nicht die Rassenfrage,' sondern die Religionsfrage der Grund für Ausführungsbestimmungen über . Ehe und Adoption Der preußische Innenminister hat umfangreiche Ausfuh- --' :- - rr" *'-* — ne Reichsgesetz gegen Mißbräuche der Annahme an Kindesstatt errungsanweisungen Zustimmung zu Vertrag - Vertrag z chtarischen Vertragsteil geschlossen u Reichsarbeitsgericht zur Frage der fristlosen Entlassung jüdischer Angestellter lediglich \ gründung s eilt ( rär Kassenzugehörigkeit fristlos'entlassen n der erst jetzt bekanntgewordenen Bes höchste Arbeitsgericht ausdrücklich fest, körnte fristlos entlassen werden, nicht nicht unter der veränderten Einstellung gegenüber de... .,_ 111111 im nationalsozialistischen Staat. Immerhin könne die Zugehörigkeit zur jüdischen Rasse einen Grund zur fristlosen Entlassung abgeben. Doch seien dabei stets die Verhältnisse des Einzelfalls zu prüfen, und zwar, „aus den geklärten Anschauungen der Gegenwart heraus". Keinesfalls r Boykott vom 1. April 1933 für. sich als Grund •*•= sich I'"' , da i gehende Maßnahme gegen die jüdischen Geschäfte gehandelt Auch die bloß subjektive Befürchtung des Arbeitgebers, die Weiterheichäftigung des jüdischen Arbeitnehmers werde sich schädlich für das Unternehmen auswirken, genügt nach dem Iteichsarheitsgcricht keineswegs. Es bedarf vielmehr stets einer genauen Prüfung, ob in Wirklichkeit Umstände corhanden^sind, die^ objektiv ^cine Weiterbeschäftigung als gefährdend erscheinen lassen können. Schriften-Beschlagnahme in , Thüringen Für das Land Thüringen ist die im „Nationalen Verlag in Berlin-Wilmersdorf erschienene Broschüre „Gerechtigkeit .Zur Lösung der Judenfrage!" von Dr. e. On/ielu-Bruuikowsk ferner das im Verlag von Jakob Kevner in Leipzig erschienen Buch „Entlarvte Geschichte*' von Werner Hegemann polize lieh beschlagnahmt und eingezogett wordeit. Schritt Die Revisionisten beschweren sich bei Frankreich über England Mehrmals in den letzten Monaten mußten wir darauf hinweisen, daß — nachdem ursprünglich " England es gewesen war, das durch seine Balfour-Deklaraticm die stärkste offizielle Stütze des Zionismus bildete—, heute die Gegensätzlichkeiten zwischen England und den Zionisten immer unverhüllter hervortreten. Widerspruch gegen die englische Palästina-Politik erhebt heute der ganze Zionismus, nicht, etwa nur seine extremen Flügelparteien. Der ganze Ernst der Situation spricht u. a. aus der Tatsache, daß auf der letzten Jahres-Konferenz der englischen Zionisten kein Geringerer als Dr. Weizmtmn die zionistische Bewegung davor warnte, das traditionelle Wohlwollen Groß-Britanniens aufs Spiel zu setzen,' da England heute fast die einzige unter den großen Nationen sei, die ein Bollwerk gegen die Brandung der judenfeindlichen Bestrebungen in aller Welt darstelle. Daran ist zweifellos seflr viel Richtiges. Aber es scheint, als ob auch hier die Interessen der in den europäischen Ländern emanzipiert lebenden Juden, einschließlich sogar derer in England, von den Palästina - Obers» - Ausland TMZÜftE -=sjb_ Möbelspeidter auch durchheizte Kabinen Carl Deyke Nachf., Berlin 0 17-wSLTiJ.i Interessen des Zionismus durchkreuzt werden. Man erinnert sich, daß! England von etwa 24 000 beantragten Einwanderungszertifikaten nur etwa 5000 genehmigte und daß die daraufhin von der Jewish Agency geführten Protestverhandlungen ergebnislos abgebrochen wurden. In der Jewish Agency aber ist der offizielle Zionismus maßgebend vertreten, ebenso auch in der Wiener Kultusgemeinde und in all den anderen Stellen, die im Laufe der letzten Wochen Protestresolutionen nach England gerichtet haben.. Der Protest ist also allgemein; lediglich Form und Temperament sind verschieden, und daß in dieser Beziehung die unter .Führung von Wladimir Jabotinsky stehenden Zionisten-Revisionisten die Hemmungslosesten sein würden, war nach der ganzen Vergangenheit dieser Partei zu erwarten. Trotzdem hätte man es wohl kaum für möglich gehalten, daß die Revisionisten einen Schritt tun würden, der nichts geringeres darstellt als eine Beschwerde über England bei Frankreich! Vor einigen Wochen schrieben wir, daß.die diplomatischen Aktionen, die von zionistischen Stellen heute vorgenommen werden, sich mit denjenigen vergleichen lassen, die im großen Völkerleben internationalen Verwicklungen voranzugehen pflegen. Die Gefahren und Folgen , derartiger Zwischenfälle bestehen hiermicht — aus Gründen, die ohne .weiteres erkennbar sind, wenn man die am zionistisch-englischen Zwiespalt beteiligten Partner mit denen son stiger diplomatischer Konflikte vergleicht. Man-wird es1 begrüßen, daß solche Gefahren hier nicht bestehen. Andererseits zeigt sich aber doch gerade aus der Tatsache, daß die Zionisten zu solchen Mitteln greifen müssen — zu Methoden also, deren. Ergebnislosigkeit von Anfang an kaum bezweifelt werden kann —, wie weit der Zionismus davon entfernt ist, den Juden in allen Ländern eine wirkliche Hilfe, eine „Lösung der Judenfrage“ bringen zu können. Wenn also kürzlich in einem viel beachteten Aufsatz der bekannte zionistische Bevölkerungsstatistiker Dr. Felix A. Theilhaber die These aufgestellt hat: „Für die Juden, die für sich undihre Familie dem drohenden Aussterben entgehen wollen, ist der Zionismus die Lösung“, so zeigt gerade die Situation, in der der. Zionismus sich selbst befindet, daß er unrealisierbar und darum keine Lösung ist. Oder glaubt man* wirklich, die diplomatischen Noten, mit denen zionistische Gruppen sich jetzt bei Frankreich, beim Völkerbund oder wo immer über England beschweren, würden auf England Eindruck machen, würden gar andere Länder veranlassen, dem Zionismus zulieb sich in einen Konflikt mit England einzulassen? Dies alles wird im Ernst wohl niemand glauben; unsere Leser mögen sich selber pin Bild machen, wenn sie erfahren, daß die „Weltunion der Zionisten-Revisionisten“ an den französischen Außenminister, den englischen Botschafter in Paris und an alle Botschaften und Gesandtschaften in Paris ein Schreiben gerichtet hat, aus dein wir die markantesten Stellen hier wiedergeben: ' Die Weltunion der Zionisten-Revisionisten beehrt sich, Eurer Exzellenz und der Regierung Eurer Exzellenz zur Kenntnis zu bringen, daß die durch die Verhältnisse in Palästina erzeugte Mißstimmung des jüdischen Volkes einen Grad erreicht hat, in dem sie genötigt ist, die Form einer entschiedenen Aktion gegen die Politik der Bürokratie der Mandatarmacht .anzunehmen, eine Politik, die den Mandatsbestimmungen zum Holm die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims vereitelt. Heues Sfreidjquarteft D as Neue Streichquartett (Willy her, Hans-Prager.. Rudolf Meyer und Hermann Weilj gab unter Mitwirkung von Generalmusikdirektor Josef Roscnsiock (Klavier) in der gut besuchten Singakademie seinen zweiten Abend. Es war zu begrüßen, daß das Programm drei Werke verschiedener Besetzung aufwies; eine ausschließliche Folge von Streichquartetten setzt eine besonders geschulte Hörerschaft voraus, während hier doch weitere Kreise erfaßt werden sollen (nicht nur ausgesprochenes „Kammerinusikpublikum"), deren Aufnahmefähigkeit mau mit der klanglichen Abwechslung vernünftigerweise entgegenkonmit. — In dem zu Beginn gespielten Klavierquartett' G-moll von Mozarterwiesen sich die Streicher als einheitlicher Klangkörper, der sich in der Farbe wirksam gegen das Klavier abhob; Rosenstock wiederum gestaltete straff führend. Die klangschöne Wiedergabe v von der erforderlichen Durchsichtigkeit und Feinheit; aL... kam der merkwürdig sensible Charakter des ersten Satzes voll zur Geltung. Bei dem Mendelssohnschen Streichquartett E-moll, dessen erstes Thema an das Finale von Mozarts G-inöll-Symphonie erinnert — fiel namentlich das prickelnde Scherzo auf,-das mit vorzüglicher Präzision im Rhythmischen gebracht wurde. Am Schluß stand das Klavierquintett A-dur von Dvorak, in dem der böhmische Meister seinen ganzen Klangzauber entfaltet, besonders schön im 2. Satz und in dem timmungsvollen Trio. Das sinuenfrohe Werk \t nötigen Temperament musiziert, auch seitens der ersten Vio- ... : 'i bei Mozart und Mendelssohn bisweilen ... . 1 und wärmer im Ton gewünscht hätte; die achtvolle Aufführung bildete einen schönen Ausklang. — Bemerkenswerter Solisten-Äbenb . bes tflanntjeimer „Gieberkranz“ Zu den Höhepunkten seiner bisherigen Veranstaltungen gehörte ein Solisteu-Ahend, den der „Liederkranz“ im gut besuchten großen Saal der Harmonie veranstaltete. Der bekannte Geiger Stefan Frenkcl, den man vor Jahren schon hier gehört, ist sichtlich noch an Schönheit des Tones und an Virtuosität des -Könnens gewachsen. Seine ganze, einfach stupende Technik entfaltete er in Paganinis Violinkonzert op. 1, Nr. 6, das er noch', durch eine eigene Kadenz an halsbrecherischen Schwierigkeiten gesteigert hatte. Vor und nach diesem wahre Stürme des Beifalls auslösenden Paganini machte man die Bekanntschaft der Frankfurter Pianistin Heida Hermanns. Man lernte in ihr eine Klavierspielerin voll Temperameqt und auf hohem Niveau stehender Technik kennen, die besonders Busonis „Indianisches Tagebuch" äußerst charakteristisch gestaltete, während man ihrem erstaunlich kraftvollem Anschlag manchmal, so bei Mendelssohn, etwas Moderierung wünschte. Gleich dem von Kapellmeister Sinzheimer am Flügel vorbildlich unterstützten Stefan Frenkel mußte auch sie sich zu einer Zugabe Kunstnachrichten tflafine'e in ber Pijilljarmonie Die Jüdische Gemeinde zu Berlin veranstaltet zu Gunsten des Winterhilfswerks des deutschen Volkes am Sonntag,- 21. Januar, vorm. 11.30 Uhr, in'der Philharmonie,. Bern-* bürge:* Str. 22, eine Matinee. Mit wirkende: Orchester des Kulturbundes unter Leitung des Generalmusikdirektor /. Roscnsiock. Solisten : Willy Frey (Violine), Frilzi Jockl (Sopran). Karten zum Preise von 1,— bis 4,— X.K im Vorverkauf: Jüdische Gemeinde, Rosenstr. 2 4, Zimmer 23; Telefon: D 1 Norden 6711 Hausapparat' 50 und Buchhandlung .Kedem, Charlottenburg, Dahlmannstr. 8. Hauskonzert Hauskonzert am Sonnabend, 27. Januar, abends S Uhr, n Hause Dr. Wolfsöhn, Kaiserallee 15. .Mitwirkende Künstler: Ckarloite Rosen (Violine), Hede Türk (Sopran), Georg Wolfsolm (Klavier). Programm u. a. Werke von Bach, Mendelssohn sowie neue jüdische Kompositionen (jüdische Hausmusik von Peter Gradenwitz, jüdische Kinderlieder von Georg Wolfsohn). — Karten zum Besten des Jüdischen Wohlfahrtsamtes Ch. (1 ä 2 ./), I( bei den Mitwirkenden sowie bei Frau Dr. London, Joächimsthqler Straße 7/S. , fjausfrauen-Had)miffage im „B. u. B." 4.30 Uhr, bei freiem Eintritt veranstalteten Hausfrauen- Naclunittage werden künftig außer Darbietungen von Tänzern, Sängern und Artisten mit einer Ausstellung von gewerblichen, kunstgewerblichen, Hausliältungsgegenständen, Modischem sowie Heimarbeit aller Art verbunden sein. Diese Neueinrichtung soll speziell den kleinen Gewerbetreibenden, den vielen Kunstgewerbicrinnen und Heimarbeiterinnen Gelegenheit zur Kundenwerbung geben und damit das Programm der Arbeitsbeschaffung fördern helfen. Die Leitung dieser Ausstellungen liegt in den Händen von Fräulein Suse Markus, Charlottenburg 5, Maikowskistraße 102 (C 4 7298). Auskünfte und . neldungen für die Aussteller nur dort. Uübisdje Hlufiker in Welf-, unb Sübweffbeuffdjlanb Zur Gründung eines jüdischen Orchesters werden Instrumentalsten jeder Gattung gesucht. Musiker, die sich für diesen. Plan interessieren, werden gebeten, sich sofort an den Jüdischen Kulturbund Rhein-Ruhr, Köln-Dischhaus, zu wenden.

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