Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 4 (12.1.1934)
- Date
- 1934-01-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2613366-2613519-2613522--4674-2616385- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Diese Politik, heißt es in dem Schreiben weiter, kann am besten und zutreffendsten durch die Tatsache charakterisiert werden, daß der. Anteil der luden an der Gesamtbevolkerung Palästinas, der 1925 bis' gegen 20o0 gestiegen war, 1931 auf etwas über 17«/o gesunken ist und Ende 1933 noch etwas weniger ausmacht. Diese Politik bedeutet eine djrekte und vorbedachte Verletzung der elementaren Grundsätze des Mandats. Welche Meinungsverschiedenheiten immer Y,oI,k“ — e'ne Bezeichnung, die nach unserer auf offizielle Dokumente sich stützenden Meinung von den Unter-' Zeichnern der ßaifour-Deklaration und des Vöikerbundmandats zur Definition eines jüdischen Staates gewählt worden ist — bestehen mögen, so muß es eine Grenze auch für eh» einschränkende Auslegung geben. Niemand kann den Begriff eines Jüdischen Nationalheims so weit verstümmeln, daß daraus ein Land werden soll, in dem die Juden, obwohl sie seinen Gesamtwohlstand heben, verurteilt sein sollen, stets eine machtlose und verhältnismäßig sich vermindernde Minorität zu bleiben und vermutlich letzten Endes das Schicksal anderer jüdischer Minderheiten zu teilen ... Wir müssen aus diesen Erscheinungen den Schluß ziehen, daß die Politik der Mandatarregierung nicht von wirtschaftlichen Erwägungen, sondern von .politischen Motiven geleitet . wird, die ihrem Wesen nach im Widerspruch zum Mandat Stehen. Seit langem hat das Regime der. Mandatarmacht in Palästina einen Charakter angenommen, der sich mit Geist .und Buchstabe des Mandats nicht vereinbaren läßt. Bodenkauf zum Ausbau jüdischer Landwirtschaft wurde faktisch unmöglich gemacht. Transjordanien, der ausgedehnteste und am schwächsten .bevölkertste Teil des Mandatsgebiets, ist jüdi-, scher Siedlung hermetisch verschlossen. Das palästinensische Schatzamt, dessen Einnahmen zu mehr als 50o/o von Juden stammen, bestimmt in seinem Budget für jüdische Bedürfnisse kaum ein Sechstel dessen, was es für die Bedürfnisse der nicht-. jüdischen Bevölkerung ausgibt. Im Staatsdienst bilden die Juden eine kleine und untergeordnete Minderheit; dasselbe ist der Fall bei der Durchführung öffentlicher Arbeiten und ganz besonders in der Polizei, obwohl die' jüdische Bevölke- rung dauernd von einer Wiederholung der Gewalttätigkeiten eines mörderischen Mobs bedroht ist. Hierzu kommt, daß die Bürokratie irt Palästjna fast durchwegs von einem Geist beherrscht wird, den die Palästinenser trotz allem Widerstreben als eine häufig sogar ganz unverhohlen'dem westlichen Antisemitismus entsprechende Stimmung auffassen müssen. Das jüdische Volk, so heißt es in-dem Schreiben weiter, kann diese Zustände nicht länger ertragen; die Zeit ist gekommen, da es'sich genötigt sieht, seine Stimme zum Protest zu erheben, gegen die Mandätarmacht .und die Palästina- Verwaltung die Anklage offener systematischer und bewußter Verhöhnung und Verletzung des Mandats zu richten, und eine Untersuchung, Revision und Wiedergutmachung zu fordern. Diese Bewegung, wird dann ausgeführt, habe bereits. . eingesetzt; verschiedene Schritte revisionistischer Gruppen bilden den „spontanen Anfang einer weltumfassenden Anstrengung des jüdischen Volkes auf dem Gebiet internationaler politischer Aktion gegen einen ebehso ungerechten wie •unerträglichen Zustand“. Sie solle die Form einer jüdischen Weltpetition annehmen, die gleichzeitig an die Regierungen aller. Mächte, an die Regierung und das Parlament Großbritanniens und an den Völkerbund gerichtet werden wird. So viel über diesen aufsehenerregenden Schritt. In den Kreisen des offiziellen Zionismus glaubt man, Hauptzweckder Revisionisten sei die Herbeiführung innerzionistischer Konflikte, weil die Zionistische Weltorganisation und die Jewish Agency, denen auch die verantwortlichen Führer des Revisionismus angehören, diese revisionistische Sonderaktion nicht hinnehmen können. Der Nichtzionist aber wird in dem Verhaltenderverschiedenen Gruppen nur graduelle Unterschiede zu erblicken vermögen; daß die Lage der Juden auf einem anderen Wege gebessert werden muß, als ihn der Zionismus bietet, ist die .obers te ,Erk en nt n is aller,derer, die voll ernster Sorge sich um die Zukunft des Judentums mühen. Hans Berk aus Frankfurt a. M. wurde nach früherer erfolgreicher Tätigkeit am Frankfurter Künstlertheater, dann Ping-Pong-Kabarelt in Holland (Amsterdam) und nun als erster jugendlicher Charakterdarsteller an das jüdische Kulturtheater in Köln für Rhein-Ruhr verpflichtet. Hans Berk war Schüler, von Alfred Auerbach, dem Leiter der Bühnenklassen an Dr. Hochs Konservatorium, Frankfurt, bis im April 1933. || Mitteilungen des Kulturbundes deutscher Juden || Die Erstaufführung der musikalischen Komödie „Die Neugierigen Frauen“ von Erihano Wolf-Ferrari, Text-nach Goldoni von L. Sugana, im Kulturbund Deutscher Juden ist auf Donnerstag, 11. Januar, festgesetzt worden. Musikalische Leitung: Generalmusikdirektor Joseph Rosenstock,' Regie: Kurt Baumann; Bühnenbilder und Kostüme: Heinz Condell. ln dieser Aufführung ist fast das gesamte Opern- Ensemble des Kulturbundes beschäftigt. Es wirken mit: Emma Bastb-Zador, Hanna Brandt, Tilly de Garmo, Fritzi Jock),' Vera Molena, Susanne Stein, Erika Storm, Dr. Barczinsky, Paul Feher, Erich Fuchs, Hermann Kant, Heinrich Korn, Max Kuthan, Fritz Lechner, Marcel Noe, Walter Olitzki. Im Rahmen der Konzert-Abteilung des Kulturbundes Deutscher Juden Berlin finden im Januar TO Konzerte statt, die von dem soeben aus dem Ausland zurückgekehrten' Spottscheu Synagogen-Chor,. dem Opem-Chor des Kulturbundes, dem Roskjn’schen Chor und Frau Lötte Leonhard bestritten De1- Opem-Chor des. Kulturbundes wird unter Leitung seines Dirigenten Berthold Sander deutsche, und jüdische Musik zu Gehör bringen. Als Rezitator an diesen Abenden wirkt Max Koninski mit, und in den. Konzerten des Roskinschen Chores wirken als Solisten Toni Türk (Sopran) und Julius Peissachowitsch (Bariton) mit. ‘ Kurfs ber Berliner - Wirf fdtj af f sljilfc; KaufLeuten, Handwerkern und sonstigen Gewerbetreibenden, die .den Wunsch haben, sich Kenntnisse in Buchhaltung, Bilanzkünde, Mahn- und Klagewesen, Werhel'ehre, Stenographie und Schreibmaschine usw. zu verschaffen oder ihre .Kenntnisse zu vervollkommnen, wird Gelegenheit gegehen, an Kursen teilzunehmen, die von Fachleuten abgehälteu werden. In diesen Kursen sollen die Kenntnisse vermittelt, werden, die in der Praxis dringend gebraucht werden. Es soll damit erreicht werden,' daß der einzelne Gewerbetreibende in die Lage versetzt wird, seinen Betrieb den veränderten Verhältnissen anzupassen und die Ein- und Ausgaben in ein richtiges Verhältnis zu bringen. Schriftliche. Meldungen von Interessenten, die an d«r Kursen teilnehmen, wollen, sind umgehend an die Wirtschaft1, lcol hilfe der jüdischen Gemeinde, Berlin N 24, Oranienburg«^m Straße 31, zu richten. . ..! Ein gutes Wort zur rechten Zeit Seit jeher waren wir deutschen Juden an der politischen und wirtschaftlichen Sicherheit unserer Glaubensbrüder in allen Ländern interessiert. Mit Sorge beobachten wir daher das heutige vielfache Umsichgreifen der antisemitischen Bewegung in anderen Ländern —; nicht, weil wir etwa dahin emigrieren wollen, sondern einzig, weil uns der Gesamtstand der Emanzipation in aller Welt am Herzen liegt. Und es tut uns wohl, z. B. aus der Schweiz zu hören, daß unsere Glaubensgenossen dort die Wochen der Furcht, die sie durchlebt haben, als „vorüber“ empfinden. Die staatlichen und kirchlichen Behörden der Schweiz sind gegen die Aufrichtung von Rasseunterschieden innerhalb der Landesbeyölkerung; sie tun, was sie tun, nicht den Juden, sondern dem ganzen Land zuliebe. Aber doch kommt diese Arbeit, wie allen, so auch den jüdischen Einwohnern zugute, um so mehr als diese ja das erste und direkte Ziel der antisemitischen Bewegung sind. Es kann nicht ausbleiben, daß manch schönes Wort über die Juden gesagt wird: schön nicht, weil es unsere guten Seiten hervorhebt — gute Seiten zu haben, ist Menschenpflicht, alle Gemeinschaften haben, sie, und wir Juden wären mit noch so viel guten Seiten nicht besser als andere. Nein, die Worte, die hier gemeint sind, sind schön durch ihre Objektivität; denn Objektivität ist in diesen Zeiten der Härte eine seltene Tugend geworden. Der Züricher reformierte Kirchenrat hat zu Neujahr einen Aufruf an das ihm unterstellte Kirchenvolfc erlassen, der sich gegen die antisemitischen Bestrebungen in der Schweiz wendet. Weder die Zahl noch die wirtschaftliche Stellung, noch der geistige Einfluß der Juden sei derart, daß man von einer drohenden Verjudung des schweizer Volkes sprechen dürfe, heißt es in dem Aufruf. Es wird vor „ungerechten und lieblosen Verallgemeinerungen und Übertreibungen“ gewarnt, mit denen man kurzerhand „die Juden“ verantwortlich machen will für alle Krankheitserscheinungen am Volkskörper. Die Juden seien „zum großen Teil Menschen, die ihre Bürgerpflichten ebenso treu und loyal erfüllen wie andere Schweizer, und die uns Christen in der Ehrfurcht und Pietät gegen die Eltern und in der Fürsorge für ihre Armen, ihre Alten und Waisen gelegentlich sogar beschämen“. Das alles ist wohltuend für uns zu hören, und wir fühlen’s nach, daß die schweizer Juden sagen, sie lesen dieses' Dokument „mit Dank und Rührung“. Uns hier im Reiche geht es damit nicht anders. Doch haben wir unter der Wucht •der Ereignisse gelernt, mehr als früher über unsere eigenen Konditorei zum Atrium Kaiser-Aiiee 43 Das Familien-Kaffee Conditorei und Caf£ Krische am Knie Charlottenburg, Hardenbergstr. ta Versandu. BestcHnngsgeachlft f. feinste Conditoreiweren Angenehmer Aufenthalt / Gut gepflegte Biere /'Zeitgemäße Preise Telefon: C 1 Steinplatz 1357 | Tftcaictf Haßateü, ftino Bö (ßtißne und dfreitC ■ 11. U i ui 15. Joacmmstnaier strafie 13 Täglich (außer Freitag) 83° Uhr abds. Neues Kabarettprogramm Willy Prager konferiert Aloen Blando, Simon Birkouitz. Elsa onblon. Hsdl Boos, martin Kätner. Barlo Sekaplro. Heinz Scainlald u. Beatrica Vlagnaltar am Flügel: Erich Ronis Kapelle: Jack Polischuk Donnerstag, 18. Januar u. folg. Donnerstage, nachm. 4,30 Uhr t Sonnabend u. Sonntag 4,30 Tanz-Tee Vorverkauf täglich 11-1 Uhr an der Kasse und Abendkasse (J 1 Bismarck 6979) 4 Uhl Baum Iw« 8 Uhr 30 Betritt 1 H.1 i BümtjeM C<tfeL*»<.K><rfr<rxten<i,l.'l Kabarett derKomiker KOMODIE Direktion: Hans Effenberger Kurfürstendamm206.Bism.904/5 Täglich 8V2 Gespenster Unzulänglichkeiten nachzudenken, und da ist’s denn ganz besonders ein Wort in dem Aufruf, das uns ins Herz_trifft:: „Wir bestreiten nicht,“ schreibt der Kirchenrat, „daß Juden, namentlich solche, die dem Glauben der Väter dem Rücken kehrten, dazu 'beigetragen haben, eine judenfeindliche Stimmung in gewissen Volkskreisen zu fördern.“ (Hervorhebung von uns; J.-l: Z.) Genau das ist es, was auch wir stets behaupten: keineswegs nur Juden wirken zersetzend; die aber, die es tun, haben solche Wirkung nicht, weil sie Juden sind, sondern weil sie zu weuigf Juden sind. Ob sie nun formell aus dem Judentum austraten' oder nur ohne jüdische Beziehungen und Bindungen lebten —: je mehr sie „dem Glauben ihrer Väter den Rücken kehrten“, desto mehr war ihre Wirkung negativ. Nicht der Geist_des Judentums; sondern der Mangel an jüdischem Geist ist. es, der wurzellos und ehrfurchtslos macht. Daß eine christliche Kirch'enbehörde dies ausspricht, ist uns Trost; es sollte denjenigen Mahnung sein, die sich dieser Warnung verschlossen, solange sie nur aus jüdischem Munde erklang. Mainz. (Ein bedeutungsvolles Jubiläum.) Am 11. Januar kann Herr Kommerzienrat' Bernhard Albert Mayer aüf eine 25jährige erfolgreiche Tätigkeit als Erster Vorsteher der Israel. Religionsgemeinde Mainz zurückblicken. Der Jubilar gehört, seitdem er am 17. Mai 1904 durch das . Vertrauen der Gemeinde erstmals gewählt wurde; dem Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde ununterbrochen fast 30 Jahre an. Was er in hingebungsvoller Arbeit und unermüdlicher Schaffenskraft in dieser Zeit geleistet hat, das zeigtdeutlich die fortschreitende Entwicklung der Gemeinde. Eine große Anzahl jüdischer Institutionen in Mainz und im ganzen Lande. .Hessen danken ihre Entstehung seiner Anregung und Mitarbeit. Dem Jubilar, der u. a. auch dein Beirat der „Reichsvertretung der deutschen Juden“ angehört, werden an " seinem Jubeltage zahllose Ehrungen zuteil. Fritz Kurt Neumann Lore Neumann geb. Bttstem Vermählte Dezember 1933 Nach Ausschluß aus allen Kassen übernehme ich Beratung u. Ausführung prothetischtr, orthodontischer und keramischer Fälle, spez. Stahlbügelprothesen - Dr. med.Dr. med.dent. Max Meyer Teicf. iss; . Liegnitz, Bäumgartstraße 5 ' Nedizinisch-DiagnosL Institut Dr. med. Annellse Caspar - Berlin C 25, Landsberger Straß« 64. Ecke Aleianderpl Willi Wagner Dentist. Str^Fernspr. Hj'wMmrwlori7356 BAD.%,| um. BMir 0. initiiitnii | Zigarrenhaas Kaiser Allee 47 Kdc« Wilmhelmsaue ’ Zliapptn — Slaarattan ... uKals«rtiof”-Wgln« * Fenwpr. H 6 4IG0 R> IMosse »MuLw^tj| ÄftiÄtv. I arbtitenlMUäume.Jfonommmt ItopaA nü*trr»Atneier,mryn fZtKöni&huiUbU'A I Brillanten - Ankauf 1 EHRLICH, | (Sllllerimu). Telefi Wohmmgsgesuche möbl. Zimmer mit allem Komfort für berufstätigen Herrn. Gegend: Olivaer Platz—Stadtbahn Charlottenburg. Offerten mit Preisangabe unter B. 295 an die jüdisch-liberale Zeitung, Charlottenburg 4. Stellenangebote Vertreter (Innen) gesucht fürleistungsfähige v Bremer Kaffee-Großrösterei f kaffae-OroSrfiste tdllldjlr Carl Max Josephs Gesucht rptithL. halbtagsweise, I IM. 40,— monatl. Offerten ■ unter S 184 an die Jüd-tib. [Zeitung, Berlin -Charlbg. ‘ ü nterrlcht I FRAUENBERÜF existenzsicher ln Elektrolyse z . -.- I GOETHE-PÄDAGOGIUM I Sexta bis Prima. ilalbjahrsvi-fscUunu fund^luiali'ilwcrk. JUMflwmfl CfiiHin r« Engländer unterrichtet P lUülllS WaFXaCO Einzeln und Zirkel *■ I _ . *i«“"«*»inanatr. 11 Übersetzungen . Korrekturen | Schrauben and BauarhkeTe|efon B5 Bar6arossa ,438 Sprachan! Lehrerin Bachmann, Barmrallinr.22 B6, 3084 Franz., Engl., spanisch, nai., Portug., Ausländsaufenthalt in 4 Lindern, lehrt . Studienrat i. R- SlmOW Motzstr. 51 H 7, 7971