Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 3 (9.1.1934)
- Date
- 1934-01-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Begegnung mitMartinBuber Zu Martin Bubers: „Kampf um Israel“ von-Rabbiner Dr. S. Samuel Diese „Reden und Schriften 1921—1932“ (im Schocken- Verlag, Berlin, erschienen) haben ihren Schlußpunkt kurz vor dem seelischen Trauma gefunden, das 1933 den deutschen Juden traf. Der Autor würde heute kaum etwas an ihnen zu ändern finden.. Er setzt hier den Kampf fort, den er seit langem führt, gegen Gedankenträgheit und Schlagworte, für Besinnung auf das Wahre und Wesenhafte, für Ernstnahme und Verwirklichung. In Vorahnung einer allgegemeinen Entwertung des Wortes, gibt er dem seinen letzte Präzision und Farbigkeit. Jedem Gedanken die beste Fassung, jeder Forderung die treffendste Formulierung, ist sein Grundsatz. Ihm ist Reden und Schreiben nicht Selbstzweck. Viele seiner Botschaften, besonders die an Gesinnungsgenossen gerichteten, klingen'wie Mahnrufe, ohne-Verzug Hand ans Werk zu legen. Die Begegnung mit Buber ist wie eine Anrede an jedermann, die eine Antwort verlangt, insonderheit von allen Gruppen und Richtungen im Judentum. Solche Antwort kann nicht, restlos, übereinstimmend ausfallen, wo Buber sich in die „Situation“ der Zeit mit ihren wechselnden Problemen einschaltet. Doch wird die vorliegende Sammlung durch Reden und Aufsätze mit dem Untertitel „U eberlieferung“ eröffnet, die vollwichtige Untersuchungen und dankenswerte Ergebnisse bieten. Wir heben hervor: „Der Glaube des Judentums“., „Die Brennpunkte der jüdischen Seele“, „Nachahmung Gottes“, „Biblisches Führertum“; „Pharisäertum“. Auen die weitere Serie „Geister der- Gegenwart“, zumeist Huldigungen für-Verklärte und Würdigungen für Mitstreiter, gibt Aufschluß über die tieferen Zusammenhänge, in die wir Bubers Arbeit zu stellen haben. Dies gilt von Ac/iad Haam, A. D. Gordon, Ch. N. Bialik, Br. Kafka, A. Momberi, vorzüglich von Franz Rosenzweig. ■ Was Buber darüber hinaus seinen auszeichnenden Platz gibt, ist aber seine eigentümliche, vom Osten angestrahlte Frömmigkeit. Sie hat wenig" Züge der uns vertrauten, wenig gemein mit unserm Gottesdienst in Wort und Symbol; sie will das Leben selbst in seiner ganzen Breite and Tiefe zum Dienste Gottes machen. . Als Erwecker des Chassidismus teilt Buber mit diesem die Auffassung von der Heiligung des Alltags;- sie bedeutet ihm Einung von Wesen und Ding, Unmittelbarkeit zwischen dem Ich und Du, nicht durch Abkehr von den Bedingtheiten des Lebens, sondern durch Verwirklichung des göttlichen Willens. Und er sieht eine Vertiefung jenes dialogischen Charakters im jüdischen Volke, dereinst sogar in einer geeinten Völkergemeinschaft. Diese Frömmigkeit rüstet Buber mit erfrischendem Freimut aus, um auch solche theologischen Dinge in blendendes Licht zu tauchen, die andere gern im Halbdunkel verdämmern lassen. Seine undogmatische Offenheit, sein Schöpfen aus der Intuition bei allem Wissen um das Gegebene, macht Buber geeignet zum Führer einer Jugend, die ^leidenschaftlich neue Wege sucht. Ihm ist es .verliehen, unausgesprochene Fragen zu erlauschen, die als dumpfe Last die Seele bedrücken; jede seiner Antworten trägt das Gepräge verständnisvoller Einfühlung. Und es ist ihm darum zu-tun, das Licht auf den Leuchter zu stellen. Nicht vom professoralen Katheder allein, oder, in .vornehmen Zeitschriften kündet er seine Wahrheiten, vielmehr,auf Tagungen und in Kursen, zumal von Jugendbunden," am" Rundfunk"," in'geistigen Turnieren, ja einmal vor den versammelten „Deutschen Gesellschaften für Judenmission“. Und die Verantwortlichkeit erhöht nur seine erfrischende Deutlichkeit. Eine scharfe Grenzziehung liegt ihm. vor allem am Herzen. Gott ist ihm nach jüdischer Auffassung das einzige Du, mit dem; zusammen das Ich eine sinnhafte Einheit bildet. Glaube ist das Geloben, Sich-Gott-Angeloben, der Mensch der einzig rechtmäßige und gesprächsfähige Partner Gottes. Es gibt keinen-oder nur einen stetigen Sündenfall. Jeder Mensch kann wie Adam, sich neu entscheiden; Das Triebleben ist nicht an sich böse; es darf nur nicht ohne Richtung auf Gott bleiben. Keine Ethik ohne Gott, weil keine Verantwortung ohne Anrede. Jüdischer Monotheismus ist strenge Einheitsschau in der Vielfältigkeit von Welt und Leben, im Unterschied vom Heidentum, das Gott nicht wiederzuerkennen fähig ist und daher' Götzen an die Stelle Gottes setzt. Wahre Verbundenheit mit dem Schöpfer hat das Judentum sich erhalten, indem der Dreiklang seiner Weltzeit lautet: Schöpfung, Offenbar u n g, E r 1 ö s u n g. Die jüdische Seele kreistnoch heute um zwei Brennpunkte. Der eine ist Unmittelbarkeit; die Seele kann sogar eigene Gott nachahmen. Nicht einen Gott selbst, der als Geheim endung der Seele zum Ebenbild Gottes L ...... Arbeit; sie besteht in der Liebe. Der andre Brennpunkt ... Teilnahme am fortschreitenden Werke der Erlösung. Es kann keinen Bruch in den Zeiten geben, kein Heil geschehen sein einer Welt, die noch voller Unheil ist. Darum wartet die jüdische Seele auf das Kommende. Doch sollten sich Judentum und Christentum von Gott her in einer Einheit schauen, weil sie Ein Buch und Eine Erwartung gemeinsam haben. Dem Führer Buber enthüllt sich das Gesetz der religiösen Geschichtsschreibung Israels in der: Idee des Führertums und der Nachfolge, In der. Rede „Biblisches Führertum“ zeigt er, daß überall Neubeginn nur von Gott-Erwählten ausgeht; sie mögen Patriarchen oder Richter heißen, Könige oder Propheten. Aus dem „Versagen des Volkes", der „Nichtverwirklichung in der Geschichte“, den „Enttäuschungen Gottes“ stammt der Glaube an, den Gesalbten, der nicht versagt. Die Leidenserfahrungen der Propheten sammeln sich in der "Gestalt des Knechtes Gottes; das Ende wird das Offenbarwerden des heimlichen Führers. sein. Fern jeder flachen Apologetik, weiß Buber doch beachtliche Gtgesprochene Vorurtede aufzuklären; _ _ _ er gegen Otto Oskar H. Schmitz, Wilhelm Alichel das Thema Pharisäismus und Gottbeziehung oder den wahren Sinn jüdischer Lebens- .und Sterbensfrömmigkeit ins Licht setzt. Mehr als die Hälfte des Buches nehmen die Reden und Aufsätze ein, die aus der „Situation“ erwachsen sind. Gemeint ist die Lage des Zionismus im ersten Jahrzwölft nach der Balfour-Deklaration. Sie rief Martin Buber wiederholt auf den Plan, um zu den Problemen Kolonisation, Nationalismus und Araberfrage, Sozialismus und Friedensfrage Stellung zu nehmen. "Die gemeinsame Plattform, die ihn mit dem Zionismus verbindet, macht seine Kritik um so wertvoller. Auch er spricht von der „unerhört verwegenen Unternehmung" der Kolonisation in Palästina, lehnt aber die Berufung auf historisches Recht ab. Er sucht den höheren Anspruch der Judenheit auf Palästina in andern Momenten: in dem ewigen Antrieb des Menschengeschlechts, der dort von ihr ausging; in _der Pröduktivierung des verwahrlosten Landstrichs durch unsere Arbeit; in dem Recht des Werdenden und Kommenden. Der Sinn sei nicht Expansion, sondern Konzentration; die Dauer- Leidenschaft einer machtlosen Minderheit, die sich als Werkverband von Pionieren und Helfern organisiert und das Herz für die ermattete Diaspora wieder zum Schlagen bringt. Scharf will Buber von Zion, dieser ewigen, unvergleichbaren Idee, den jüdischen Nationalismus geschieden wissen," jenen Nationalismus, der heute eine ganze Völkerepoche kennzeichnet. Dieser gilt Buber als Krankheitsanzeiger, Reaktion auf den Widerspruch zwischen der immanenten Idee der Nation und ihrem wirklichen Zustand. Auch Israel hat;,flammend“ den Mangel einer Bodenständigkeit auf eigenem Boden empfunden, die ihm unentbehrlich für allseitige Erneuerung wurde. Trotzdem muß es sich vor einem Nationalismus hüten, der als Oberbewußtheit die Idee zum Zweck und Programm herabsetzt und . leicht über seine Grenze hinausgreift. Ungeachtet der vollen .Lebensrechte einer Nation. dürfen' y/riL \ in ihrer Erneuerung nicht nur die - besondere nationale Artung-J- und den besonderen sozialen Willen einbeziehen,' sondern vor allem unsere geheiligte, religiöse Lebensordnung. Grade durch diese seien wir mehr als Nation, eine leibseelische Gemeinschaft mit übernationaler Verantwortung, mit unserer Erwählung als Bindung und Hingabe an die Aufgabe, an der wir vom Sinai her zur Nation wurden. Die Bekämpfung jedes „illegitimen Nationalismus“, die; Buber manche Gegnerschaft in den eigenen Reihen eingetragen hat, erleichtert uns die Verständigung. Wir teilen nicht seine Geringschätzung der „Galut“, die er „parasitäres Dasein“, „Schuld an einem nur fiktiven, wurzellosen Judentum“ nennt. Aber wir begrüßen seine Forderung, zu einer Verständigung mit den Arabern zu kommen, die ja zumindest das gleiche vitale Interesse an Palästina haben wie die Zionisten. Buber. bejaht die Vollständigkeit jüdischen Lebens nur-im heiligen Lande, weil überall sonst die Umklammerung durch artfremde Umwelt zur Assimilation führen müsse. Aber er bm'aht zugleich die Echtheit jüdischen Lebens, das nicht aus. Weltzusammenhängen isoliert werden soll, auf jedem Boden, erkennt die Möglichkeit der Heiligung Gottes überall an. Diese Stellung Bubers, die auch" bei der Erweiterung der Jewish Agency für ihn ' Wirken aüszeichnet, gibt seinen Worten in allen Lagern erhöhte Resonanz. . . Dies um so mehr, als auch Bubers Auffassung vom sozialistischen Aufbau Palästinas die einleuchtendste Synthese darstellt. Kein Wort von Vorherrschaft eines Standes; lebhafte Warnung vor Entfachung von Klassengegensätzen. Zuin Aufbau müssen Kapital und Arbeit, Bürger und Bauer sich verbünden. Auf dem ganzen Wege, in allen Methoden muß Gerechtigkeit herrschen; ungerechte Politik ist ihm schlechte Politik. Ebenso verdiente die Botschaft „Wann denn?“ zum Thema Israel und der Weltfrieden weit hinaus gehört zu werden. | HctßateUf Hine KiiiiiufirjuvijBrc utÄUItfuiidocV UttFUBTtMUMiai -Direktion: Flatow-Elow ELOW konferiert ein . tolles Januar-Programm I Das müssen Sie gesehen haben! Eintritt M. 1,-, kleine Preise KOMODIE Kurfürstendamm 206. Bistn. 904 Täglichst Georg Alexander in AmTeetisch mit Lia Eibenschütz und Franz Schönemann HausfpaueiMiacnniittage Kanne Kaffee und Kuchen M. 1,- Eintritt frei Flügel/ Pianos kauft Mchatoaht. f.-S5M3 Druck-! Sachen Dilieriatlonen iü ÜBltir «Uliniraig. Billigt ff»]»* . 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Wer Frieden.bringt, dem wird er auch einmal. es mit Buber hoffen, von der Welt entgegeü- . gebrächt. D Kulfurbunb-Konzerfe izerte des Kulturbund-Orchesters zeigten aufs neue, unermüdliche Arbeit und unendliche Liebe zur Sache eistimgeii hervor/iibringen vermag: Wenn man über e unvermeidliche Unglücksfälle hinwegsieht — es kommt tlllicli überall mal was vor — so ist .es durchaus beißt, diese junge Gemeinschaft in eine Reihe mit bekamtälteren Konzertvereinigungen zu stellen. Einzelne Stücke inen Programms fanden sich auch in denen der andern: \ ilb sei diese Besprechung auf alle vier Konzerte a l ganzen fünf Programi r die Freude tIntel _„ .... . ... ate für Altstimme von B. essanten ■ Orchesterbearbeitung fw-blhorteu irocheu worden. Dr. Kurt Singer. Paula .. . Alt eignet sich hierfür doch wohl besser für jargonlieder. Sehr schön war auch Pergoleses Kantate für Soprau, Alt, Chor und Orchester. Hede Türk führte den Zwicgcsang mit Frau Lindbergs Alt musikalisch’ sicher und sym- ' durch, wenn auch in den höchsten Lagen ihr Sopran .. izwungeii klang. Den Schluß dieses- Abends bildetc Schuberts Symphonie B-diir. Taube ist ein guter Schubert-" Dirigent; cr_vcrstcht es, jede Feinheit liebevoll hcrauszuspiiren und die Hörer-über die manchmal nicht ungefährlichen Sclmbertschcn Längen lünwegzubringen. Programm 111 stand unter Führung Joseph Rosenstocks. Das Orchester spielte Haydns D-dur-Sinfonie und die Sinfonie Nr. S F-dur von Beethoven. Die Verbindung zwischen beiden bildete das Konzertstück F-moll von Weber. — Rosa Etkin spielte mit viel Temperament, hervorragender Technik und musikalischem Feingefühl den Klavierpart. Heiterkeit und Freude, die. in diesen drei Werken "den Urundtoii bilden, kamen glänzend zum Ausdruck. Programm" IV: Das Orchester spielte (außer Wiederholungen aus Nr. I) die Ouvertüre zu „Oberon" von Weber. Der Solist des Abends war Georg Bertram; seine Wiedergabe von Chopins Klavierkonzert in F-moll riß die Zuhörer zu immer neuem Beifall hin. Sehr sympathisch dirigierte Hans Heinz .Pcyser, dem man ohne Zweifel eine grolle Zukunft Das letzte, fünfte Programm war wohl das Gewaltigste von allen. Zuerst Händel: Conzerto Grosso—Nr. 6 G-moll. Hier entfaltete Eritz Goldschmidt sein Können als Dirigent. Ebenso sicher und feinfühlig unterstützte er den Solisten des Abends, Josef Schwarz, dessen ungekünstelte, von rein musikalischem Temperament und Gefühl getragene Wiedergabe von Beethovens Klavierkonzert c-moll einen starken Widerhall bei den Zuhörern fand. Zum Schluß kain noch einmal Schuberts B-dur-Sinfonie. Alles m allem: wir sind dem Kulturbund-Orchester dankbar für seine Leistung; wir sehen voll Spannung auf das, was cs uns nach diesem Vierteljahr des Anfangs im neuen Jahre bringen wird. ■ Liii Goctz. Saloniki. (Auflösung der antisemitischen -‘„EEE“.) Die 1927 in Saloniki gegründete radauantisemitische Organisation EEE (Etnikr E'nosis Eladis), auf deren Konto verschiedene Pogrome- und Brandstiftungen zu setzen sind, hat sich, um der Auflösung zu entgehen, in eine politische Partei iimgcwandelt. -Nunmehr hat der Innenminister die Auflösung dbr Partei verfügt. (Aufnahmen In diese Rubrik kostenlus.) larmlzwah: Berlin-Pankow, Berliner Straße 19. Siegfried, Sohn des Herrn William Flatow und Frau Selina, geh. Salonion. 13. 1. 31. Synagoge Lützowstraße. Stellenangebote Akademikern oder Kaufleuten mit guten Beziehungen zu namhaften jüd. Firmen wird gute VerdienstmÖglldikeit durch aussichtsreiche Werbung, für soziale Institution geboten. Offerten unter B 257 au die „Jüdisch-liberale Zeitung“, Berlin-Charlottenburg 4. _ Mil Allersheim Ueomiz streng rituell geführt (zur Zeit 9 Insassen) sucht per 1. - *- Offerten mit Lebenslauf, Lichtbild und Zeugnisabschriften an Rechtsanwalt Dr.Scheyer, Liegnitz, Ooldbergerstr. 3I. 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