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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-01-09 · 3 (9.1.1934) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
3 (9.1.1934)
Date
1934-01-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Zentrum heute möglich ist' es ist das einzige Land, wo jüdische Leistung sich bewerkstelligen läßt.“ Was Oskar Wassermann hier über die „Sendung“ der Juden im allgemeinen sagt, ist so ausgezeichnet und entspricht so der Auffassung, die in diesen Blättern stets vertreten^wormich dein nur rückhaltlos ansciilielSe. Es ist sehr bezeichnend, dal! ein Mann des praktischen Lebens; ein Mann, der mit Tausenden von Juden in Berührung gekommen ist, es heute für wichtig und richtig hält,, diese Idee der Sendung Israels zu der seinen zu machen, und Wassermanns nächste zionistische Mitarbeiter in der Agency sollten daran denken, wenn sie das nächste Mal wieder diesen grollen jüdischen Gedanken verspotten und verketzern! Ebenso ist es von einem Manne wie Wassermann selbstverständlich, daß er sich gerade in der ’ heutigen Zeit zu seinem deutschen Volkstum bekennt. Wogegen wir aber mit allem Nachdruck Einspruch erheben müssen, das sind die Schlußworte. Diese Schlußworte werfen nach meinem Dafürhalten in ihrer Zuspitzung, wenn die J.T.A. richtig zitiert hat, all das, was Wassermann vorher gesagt hat, über den Haufen. Ist es richtig, daß die Aufgabe der Juden darin besteht, ein „Am kodosch“ zu sein, so ist es ganz, unverständlich, wie Wassermann sagen kann, daß diese Aufgabe restlos.nur in Palästina gelöst werden könne, das heißt gewissermaßen da, wo die Juden unter sich sind. Sittlichkeit, Lauterkeit, Seelengröße, gerechtes Leben, sollen sich doch gerade dort bewähren, wo Juden und Judentum umkämpft sind. Wenn heute die deutschen Juden gerade in ihren sittlichen Werten angegriffen werden, so haben sie aus -Gründen des Juden/nms gerade jetzt alle Ursache, „ihre Sendung“ hier zu bewähren, alles das gerade hier zu bewähren, was Oskar Wassermann so ausgezeichnet als den -Beruf des Juden und die Sendung des Judentums bezeichnet. Wenn Palästina wirklich die einzig vollkommene Heimat des jüdischen „Volkes“ sein würde (wir lassen in diesem Augenblick einmal alle Zweifel linier den Tisch fallen, die sich aus weltpolitischen Gründen, aus der Araberfrage etc. dieser Aussicht in den Weg stellen), wenn also Palästina wirklich der rein jüdische oder überwiegend jüdische, blühende und friedliche Staat sein würde, dann .ist es keine Kunst, vollkommen gut zu sein. Ein Verdienst, gut zu sein, erwerben diejenigen, die auf ur kämpftem Posten sich als ganze Menschen behaup*-- Ir-"“ die Clialuzim, die Pioniere in Palästina scnen, ““ ’lt sich und ihr Judentum bahnbrechend ir deutschen Juden Vor- , Frühe die gegen _ __ _ _ ... behaupteten. Heute müssen gerade kärapfer der Ideale des Judentums sein, unu wir werueu aucu von unsern Brüdern im Ausland, und nicht nur. von ihnen, als diejenigen empfunden, die heute auf deutscher Erde den Streit um den Wert und Bestand des Judentums austragen. Erweist das Judentum au uns seine innere Aufbaukraft, so bewähren sich nicht nur die deutschen Juden, sondern es bewährt sich auch das Judentum, und ich meine:, es hat sich bereits bewährt. Demgegenüber darf aber mit aller Deutlichkeit an Herrn Wassermann und seine Freunde die Frage, gestellt werden: Fünfzehn Jahre lang ist das jüdische Nationalheim in Palästina der Gegenstand eingehendster Werbung von Juden und 'Nichtjuden der ganzen Welt; für kein jüdisches Werk wird mit.derartigen. seelischen, geistigen und wirtschaftlichen Mitteln geworben wie für Palästina. Alle ideellen Kräfte ii besondere der Jugend werden dafür mobil gemacht. Und n Ist das die richtige Verteilung? Unter der Überschrift „Weitere' Hilfeleistung englischer Juden“ meldet die J.T.A.: ■ .. Der Vorsitzende der,, Föderation, .der Synagogen Englands, Davis, Mitglied des. Londoner“ Stadt Parlaments, hat bekanntgegeben, da fl die Föderation einen Betrag von 5000 Pfund zu dem Central British Fonds für das deutsche , Judentum beizusteuern beschlossen hat. 2925 Pfund hiervon sollen dem Jüdischen Nationalfonds zugute kommen. r Außerdem werden die einzelnen Gcmeindemitglieder aufgerufen, den Jüdischen Nationalfonds durch eine freiwillige-Sclbstbcsteucrung von, einem Penny pro Tag zu unterstützen. Diese Aktion würde einen jährlichen Betrag von SO 000 Pfund ergeben, während bisher alle Sammlungen insgesamt kaum eineti. Betrag von 20 000 Pfund im Jahre Wir verkennen keinen^ Augenblick, daß durch die Palästina-Arbeit auch vielen deutschen Juden geholfen wird, die in Deutschland keine Existenz, mehr finden. Dennoch entspricht das Verhältnis, in dem hier für deutsche Juden gesammelte Hilfsgelder auf Palästina verteilt werden, in keiner Weise dem Anteil der deutschen Juden, die den Weg nach Palästina autreten. Eine Hilfsaktion für die deutsche Judenheit muß anders aussehen. Unser Mittelstand, unsere aus den Berufen gebrachten Akademiker und Beamten, unsere Jugend, unsere jüdisch-kulturellen Institutionen —: sie alle leiden Not, sie alle wollen gestützt und gefördert werden. Man sollte in Zukunft die Palästina-Hilfe von der Hilfe für die in Deutschland verbleibenden Juden klar trennen, schon damit bei Mittel wirklich der deutschen Judenheit zur Verfügung gesteift frage ich: Von gewissen wirtschaftlichen Erfolgen, "die ich nicht leugne, abgesehen —: hat sich in Palästina bereits irgend etwas ereignet, was für das Judentum der ganzen Welt von Bedeutung sein könnte, ist auch nur ein einziger großer Gedanke, eine einzige schöpferische Idee von Judentumswegen aus Palästina gekommen, die uns hätte aufhorchen lassen? * Hat man auf religiös-wirtschaftlichem, auf gottesdienstlichem, auf sozialem Gebiet irgend etwas gehört, wovon man sagen konnte: Das ist eine Tat aus Zion, wie wir.es im Herzen tragen?! Haben z. B. die Juden Palästinas als „das jüdische Zentrum“ etwas unternommen, um die große seelische Not zu lindern, die gerade nach dem Kriege das -jüdische Ehegesetz auf zehntausende namentlich ostjüdischer Frauen gelegt hat, hat Palästina für die Gewissensnot, in die Tausende von Juden in den Ländern geraten sind, wo das Schächtverbot eingeführt wurde, die befreiende Tat getan, ja nur den Huf erhoben nach Erneuerung des Religionsgesetzes? Wir haben nur gemerkt, daß sich nirgendwo eine größere Zerrissenheit und Zerklüftung der jüdisch-politischen Parteien geltend gemacht hat und geltend macht, als in Palästina. Kapitalisten stehen gegen Sozialisten und Kommunisten, Alte gegen Junge, Orthodoxe gegen Bundisten, Revisionisten gegen Allgemeine Zionisten, und alle wieder zusammen auf der einen Seite gegen die Araber, auf der andern Seite gegen die Engländer. Wie soll in einem solchen Lande, in dem man zunächst um die Existenzgrundlage dauernd kämpfen muß, in einem Lande, das heut „auf den Bajonettspitzen der englischen Besatzung“ lebt, die große befreiende jüdische Tat geboren werden, die dieses Land zum Zentrum des Judentums macht? Wir wünschen von ganzem Herzen, daß Palästina sich wirtschaftlich und geistig voll entwickeln möge, wir sind auch heute noch bereit, in den allerdings sehr verengten Grenzen unseres Könnens daran mitzuarbeiten, wir warnen aber davor, alles auf diese eine Karte zu setzen. Hier in Deutschland, wo wir, nicht nur, weil wir wirtschaftlich nicht anders können, leben müssen, sondern wo ein Bestes unserer Seele seine Heimat hat, in all den Ländern, die ihren jüdischen Burgern nicht „Verbannung“ bedeuten, sondern das Land der Erfüllung jüdischer Sendung, wollen wir als' Juden für die jüdische Gemeinschaft unsere Pflicht tun, genau so und in dem Sinne; wie es Oskar Wassermann ausgesprochen hat. Wir glauben daran, daß gerade hier,' wo jetzt alle Kräfte angespannt werden, wo neben dem Willen, sich zu behaupten, auch der neue jüdische Wille steht, etwas zu schaffen, mindestens ebenso rasWi etwas für das Gesamtjudentum erreicht werden wird, was zentrale Bedeutung hat, wie auf dem Boden, der zollweise erkämpft werden muß. Wir deutschen Juden stehen im schweren Kämpf, unser Leben zu behaupten. Ehe wir der “ ita Morgana eines neuen jüdischen Zentrums ichjagen, da: ’ ’ .. samtjudei und ge l~. as große Z u behaupte ja' i für lang" Tr< „. _ .. e Juden der Welt ... 3 _-..einen Kampf gegen Palästina, _bedeutet noch weniger eine Geringschätzung dessen, was dort geleistet wird, das bedeutet nur, daß man das dortige Werk auf das richtige Maß dessen zurückführen soll, was es für Juden und Judentum bestenfalls bedeuten kann, eine Heimstätte Nie aber, darf man über der Aussicht, einige Hunderttausend in Dezennien dort anzusiedeln, die Millionen vergessen, die in Europa und Amerika noch immer den Kernvon judenheit, Judentum .und Judenpolitik zu bilden haben. Nie vor allem dürfen die deutschen-Juden ihr Eigenleben und - streben aufgeben und den Platz freiwillig räumen, auf dem sie sich in anderthalb Jahr-. tausenden jüdischer Geschichte zum Ruhm des Judentums bewährt haben! ,' ' Heinrich Stern. £reigniA&e dex Woefte Tagung des Ausschusses der Reichsvertretung der deutschen Juden Richtlinien für die Volksschullehrpläne fertig gestellt (Amtlich.) 'Am Dienstag, 2. Januar, trat der Ausschuß der Reichsvertretung zu einer seiner regelmäßigen Tagungen zusammen. Neben organisatorischen Fragen wurden eine Reihe von.Problemen des Wirtschaftslebens behandelt. Im Mittelpunkt der Tagesordnung stand die Durchberatung und endgültige Genehmigung der vom Erziehungsausschuß der Reichsvertretung aiifgesteliten Richtlinien, die zur Ergänzung der staatlichen Richtlinien für die Aufstellung von Lehrplänen für jüdische Volksschulen dienen sollen. Diese Richtlinien sollen in Kürze der Öffentlichkeit übergeben werden. Da in der nächsten Zeit eine größere Anzahl von jüdischen Volksschulen neu errichtet werden sollen und die Arbeit der bereits bestehenden nacheinheitlichen Grundsätzen zusammengefaßt werden soll, kommt diesen Richtlinien eine außerordentliche Bedeutung zu. .. Der jüngste Freiwillige der deutschen Armee gestorben In Breslau ist das Mitglied des Reichsbundes jüdischer 'Frontsoldaten, Joseph Zippes,'an den Folgen seiner im Kriege erlittenen schweren Verletzungen gestorben. Der Verstorbene, der sich mit noch nicht 14 Jahren dem deutschen Detachement an der Palästinafront zur Verfügung gestellt hat, dürfte wohl der jüngste Freiwillige der deutschen Armee gewesen sein. Obwohl er durch einen Unfall beide Beine verloren hatte, vervollständigte er mit seltener Energie in seiner Wahl- ■ Heimat Deutschland seine Bildung und. war zuletzt als Ge- . Werbeoberlehrer tätig. Silbernes Sportabzeichen für einen Sportler des R. j. F. Der Reichsportführer Freiherr von Tscimmmcr, hat dem Mitglied des Reichsbundes jüdischer Fro Dr. Ernst Goldmann, Leipzig, das Sportabzeichen and Osten 'in Silber' Die reichsten flänner der Welf Unter den Vorurteilen, die über uns’ Juden verbreitet sind, geht eines auch dahin, daß wir Juden die Beherrscher des Kapitals seien. Es ist nun nicht uninteressant, in einem Blatte, das sich diesesjudengegnerischen Arguments oft bedient hat, eine Liste der siebzehn reichsten Menschen der Welt zu finden. „Die Wahrheit“ schreibt in ihrer Ausgabe vom 30. Dezember 1933: Unter unseren Zeitgenossen leben siebzehn Menschen, die zusammen soviel besitzen, daß sie die Staatsschulden aller Länder bezahlen könnten, wenn sie ihr Vermögen der Bank für internationale Zahlungen übereignen wollten. Diese siebzehn reichsten Leute können in folgender Reihe aufgezählt werden: l.Edsel Ford (Amerikaner), 2. Henry Ford (Amerikaner), 3. Edouard de Rothschild (Franzose), 4. Herzog von Westminster (Engländer), 5. Kaiser Wilhelm 11., 6. Gealiwar von Baroda (Hindu), 7. Sir Basil Zaharoff (Grieche), S. Simon Patina (Bolivianer), 9. Lord Ivcagit (Engländer), 10. Fürst Aga Khan (mohammedanischer Inder), 11. Niiam von Heidcrabad (Hindu), 12. G. tie Wende! (Franzose), 13. John D. Rochcfcller (Amerikaner), 14. John D. Rocke- ■ feiler (Amerikaner), 15. Louis ' Louis-Dreyfus (Franzose), 16. Andrew IV. Mellon (Amerikaner), 17. Fritz Thyssen (Deutscher). phot. Arno Kikoler Berufsumschichtungskursus ' der Berliner Jüdischen Gemeinde Ansicht der Glaserwerkstatt Wir wissen nicht, ob diese Liste tatsächlich richtig ist. Aber es ist uns wichtig, daß auch ein antisemitisches Blatt unter den siebzehn reichsten Menschen nur zwei Juden (Rothschild und Drevfus) aufzuzählen vermag, von denen der eine obendrein an vorletzter Stelle steht. Selbst wenn, wie oft behauptet, aber niemals bewiesen worden ist, Sir Basil Zaharoff jüdischer Abstammung sein sollte, wären es immer noch nur drei unter siebzehn. Mein Freund Hugo Von Hermann Sinsheimer Hugo war der Bruder eines Schulkameraden u Jahre älter als wir. Ein unglücklicher Sturz auf den Kopf hatte dem Zehnjährigen eine weitere j Entwicklung vorenlhalten. er blieb zehnjährig. So alt war auch ich, als ich mit seinem Bruder Lateinschule kam und dadurch Hugokennen lernte, Eltern in einem Nachbardorf wohnten. Er wurde mein und aller Knaben Freund, die aus einer Reihe von Dörferr . zu Full in das Amtsstädtchen zur Schule gingen. Was an Denkfähigkeit Hugos Gehirn versagt v war an Empfindungsfähigkeit seinem Gemiit zehnfach zuteil Liebe ‘und Diensthereitscl s gutmütig, ja zärtlich, und Verhältnis zu dem seines Geistes. Er war ein Hirne und ein besiegelte zuerst. unsere Freundschaft, denn was imponiert zehnjährigen Knaben mehr als körperliche Überlegenheit? Und gar eine,.die sie nicht zu fürchten haben! Auf dem Weg zur Schure oder auf dem Heimweg gesellte Hugo sich zu.uns und war unser Schirm und Schutz. Insbesondere gegen die Fuhr- und Bauernknechte, mit denen wir Lateinschüler auf einem traditionell schlechten Full lebten. Er selbst fürchtete sich vor keiner Peitsche und keinem Stock, er griff an und schlug 'zu. Er hatte keine Furcht vor Menschen und keine Angst vor Schmerzen. Er befand sich im Stande der Unschuld, der ein mächtiger Stand ist, wem zum Streit kommt. Drei Dinge waren seiner geistigen Kapazität erreichbar geblieben: er wußte, daß man fromm sein und Gott fiircl müsse; er kannte alle jüdischen Feiertage und die mit ili verbundenen Vorschriften und Gebräuche, und — er verstand etwas vom Wein lind seinem Wachstum. In diesen er ein geistiges Niveau, und in ihnen-wa für u Daher urfte ii die r hm aber auch die bittersten Konflikt.. i Sabbath an den Weinbergen vorbeiging, Trauben jedem Zugriff offen dahingen, fremdem Eigentum vergreifen und .zugleich li,c v.‘riini nm c-,M„,ti, - »i.,-„ abzureißen? pflegt, :tz, das verbot, am Sabbath e— unlösbaren Konflikt! Er konnte Hugo bis zu trauen fern. Dieser Konflikt wurde noch schärfer, wenn es ein iberg war, der Freunden oder Verwandten gehörte, so daß ch hatte Trauben nehmen dürfen. — es war aber Sabbath! Manchmal bat er dann einen von uns, ihm Trauben zu i. -War es ein christlicher Knabe, dann streichelte und fte ihm Hugo dankbar die gebenden Hände. War es Bruder oder ich, so schlug er uns auf die unfrdmmen ,.. .i—i. — — -erupften Trai' " lachend zu sagen: „Mir schmeckt’s, und du u raft. r Jud!“ Mal --_ Freundschaft ein großes Loch. Jomkippiir, und ich sollte, dreizehnjährig, zum ersten fasten. Aber ich war religiös nicht gefestigt genug u e mir Brot und Äpfel, um sie in einer stillen Straße zu •erzehren. Hugo kam dazu und — erstarrte. Ich aber bot hm, teils aus Freundschaft, teils um sein Schweigen zu •rkaufen, von meiner Zehrung an. In seinem Gesicht malte ich, da er int: Anblick der Eßwaren vom Hunger geschüttelt vurde, ein furchtbarer Konflikt ab. er knirschte, lac1 ‘ chric, tobte. Das Wasser lief ihm im Mund zusammen. Plötzlich aber riß er mir Brot und Äpfel aus den Händen, warf sie auf den Boden und, zertrat sie. Und dann er über mich her und bearbeitete mich mit seinen Fäusten, •e ich nicht atisgerissen, so hätte ich den Ausgang dieses Versöhnungstages mit zerbäultem Kopf begehen können. Die nächste Zeit war Feindschaft zwischen ihm und mir. ' er mich traf, zischte er mir in die Ohren: „Ich weiß i dir', du hast am Jomkippur gefressen.“ Dieser Satz un zwar mit der Zeit einen freundlichen Ton an, schließlich brach sogar durch den unfreundlichen Text die alte Zuneigung und Zärtlichkeit durch, aber der Vorwurf selbst blieb. Als ich ihn nach mehr als zehn Jahren wieder' einmal in der Heimat traf, war das erste, was er mir lächelnd und wie ein tes Geheimnis Jns Ohr flüsterte: „Ich weiß was von dir, Noch eines Unrechts an ihm bin ich mir bewußt,, das, ■ seiner. .Weinkenntnis zusammenhängend, von ihm ebenfalls sofort erkannt und bestraft wurde. Ich saß als Student im Hof meines Vaterhauses pnd leerte mit einem Freund eine Flasche Wein. Er war nicht schlecht,, nein, gewiß nicht, aber der Wein meines pfälzischen Heimatdorfes war ein sogenannmich .mittlerer Wein“. Hugo kam eine Stunde Wegs weit besuchen, und, wurde natürlich eingeladen, mitzutrin- """;i™ “''•■ und sagte, um ihn auf die Probe zu eine Flasche Förster!“ Wozu bemerkt nt Dörfchen Forst der beste pfälzische ken. Ich goß stellen, dazu: „uas werden muß, daß ir Wein wächst. Hugo spitzte die Lippen, machte andächtige Augen und trank. Nur einen Schluck trank er, dann schmiß er das Glas wütend gegen die Kellertür und brüllte enttäuscht: „Schwindel, Schwindel!“ Und ich; bekam von ihm ein paar Püffe und Schläge wie in der seligen Lateinscliülerzeit. Seine Weinzunge war-so unbestechlich wie seine Frömmigkeit ...

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