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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-12-22 · 36 (22.12.1933) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
36 (22.12.1933)
Date
1933-12-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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13.Jahrgang Nummer 36 3fiÖiftiHibecflle Reifung Beilage 22. Dezember 1933 Bausteine oft genug verworfen... Von Tapezierermeister Louis Wolff Fragt man, welche Aufgabe uns deutschen Juden heute gesetzt ist, so läßt sich die Antwort in einer zusahimenfassenden Formulierung geben: Die ewige und darum zeitlose Glatibensidee unserer Gemeinschaft soll in Einklang gebrächt werden mit den zeitgebundenen wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen unserer Tage, um damit zugleich auch Klarheit zu schaffen, wie in Zukunft das wirtschaftliche Gesicht der deutschen Judenlieit ausschcn muß. wenn es überhaupt bestellen soll. Die Sonderstellung, die uns Juden im Wirtschaftswie auch im' politischen Leben zugewiesen werden soll, wird von uns niemals als endgültiges und abschließendes Ergebnis hiiigenoinmei: werden dürfen. Der zweite Emanzipationskampi wird unter dem Gesichtspunkt geführt werden müssen, daß die deutschen Juden nicht die schlechtesten Söhne ihres Vaterlandes gewesen sind, daß unzählige unserer Glaubensbruder seit der Emanzipation tur Deutschlands Wohlfahrt gearbeitet, für deutsche Ehre gekämpft'und gelitten haben, für Deutschlands Freiheit gestorben sind. Der Kampf wird aber auch unter dem Gesichtspunkt einer vollkommenen Neuordnung in der Berufsschichtuug unter den deutschen Juden Die Angriffe gegen die falsche Berufsstruktur sind bereits seit Jahrzehnten immer wieder, und besonders von jüdischer Seite selbst, erhoben worden. Nachdem uns nun unser Platz in der Wirtschaft — wenn auch noch nicht endgültig, so doch in großen Umrissen — erkennbar wird, scheu wir, wie mit einer gewissen Hast und Überstürzung viele berufene und. unberufene jüdische Stellen in einem möglichst kurzen Zeitraum ohne jede Systematik eine Revolution im Berufsleben der deutschen Juden herbeiführen wollen. Wir kennen diejenigen, die in unseren unzähligen Versammlungen glaubten, 'uns etwas besonders Ehrenvolles zu sagen, wenn sie immer wieder darauf hinwiesen, wieviele unserer Gelehrten zugleich ein Handwerk ausiibten; das waren natürlich die Kreise, die selbst gar nicht daran dachten, ihre eigenen Söhne dem Handwerk zuzuführen. Auf ein entscheidendes Merkmal wird aber das Handwerk niemals verzichten können.. Es ist .das Überwiegen der menschlichen über die mechanische Arbeitsleistung und die allseitige Beherrschung der Berufsarbeit nicht nur durch die Arbeitnehmer, sondern auch durch' den Arbeitgeber, den „Meister“. Ganz allein der Mensch, seine inneren Werte und seine Arbeit — und zwar die in Kenntnissen und Erfahrungen, nicht die im Kapital aufgespeicherte Arbeit — bestimmen den Inhalt und den Wert des Handwerkers. Es ist eine der Ursachen jüdischer Tragik, daß ein erheblicher Teil des deutschen Judentums diese inneren Voraussetzungen zürn Handwerk nicht erkennen wollte, daß man Menschen scheiden zu müssen glaubte nach Geburt, Besitz und Stand. Die erschütternden Wirkungen dieser, Anschauung zeigen sich heute. Die jüdische Handwerkerorgaiiisation ist mit Erfolg bemüht, den verheerenden Folgen der von einer früheren Generation begangenen Fehler entgegenzuarbeiten. Das von uns herausgegebene Handbuch soll ja nicht nur gewerblichen Zwecken dienen, sondern zugleich — ich möchte fast sagen — einen friedlichen Protest und eine schlagende Widerlegung | Heinrich. Levy (Hamburg) Eine Trauerkunde kommt aus Hamburg: der Erste Vorsitzende des „Israelitischen Tempel-Verbandes“, Herr Heinrich Levy, hat kurz vor Vollendung des achtzigsten Lebensjahres die treuen Augen für immer geschlossen. Angesichts der geschichtlichen Verbundenheit zwischen dem Hamburger Tempel und der Bewegung des religiös-liberalen Judentums darf gesagt werden: was Heinrich Levy dem Tempel geleistet, das hat er uns geleistet; was in ihm der Tempel verliert, das Verliefen auch wir. Seit dem Hinscheiden Joseph Lippmanns, seines Vorgängers im Jahre 1923, bekleidete er das hohe Amt des Vorsitzenden, aber fast drei Jahrzehnte schon gehörte er dem Vorstände der Tempelgemeinde an, mit der er so eng verwachsen ist, daß man sich die Gottesdienste und Veranstaltungen des Tempels kaum vorzustellen vermag ohne ihn. Im Grunde seines Wesens tief bescheiden, wirkte er nicht so sehr durch sein Auftreten als vielmehr durch seine bloße Anwesenheit; er war nicht zu übersehen, wie er auch nie zu überhören war, wenn er sein gebietendes Wort in die Wagschale warf. Und mit welcher Wärme, welchem Eifer, welcher inneren Hingabe tat er dies, sobald es sich um seinen — ja wirklich seinen Tempel und überhaupt um. jüdische Angelegenheiten handelte! Wie stand er tatfreudig in vorderster Front, als das wundervolle neue Gotteshaus in der Oberstraße gebaut wurde; wie gab er seine ganze Persönlichkeit daran, daß Tempel und Tempelgememde m der jüdischen Gemeinschaft von heute den Platz, bewahrten, den sie in der jüdischen Geschichte als „Muttergemeinde des neuzeitlichen Judentums", des religiös-liberalen Judentums innehaben! Der so seine eigene Persönlichkeit mit der Sache - des Tempelverbandes identifizierte, der wurde für viele Gemeindemitglieder der personifizierte Tempel-Gedanke —: ‘wer Heinrich Levy sah, der wußte, daß der Israelitische Teihpel eine Mission zu erfüllen hat, die, 1817 von den Gründern erstmalig erkannt, auch Heute nicht „überlebt“ ist. Im Gegenteil: Heinrich.Levys Wirken wird von allen, die ihn kannten, als das'empfunden,, was es war: als heiliges Vermächtnis. Sein Platz steht nun leer, aber das Werk seines Lebens wird fortgesetzt —: tiefste Trauer und hejligste Gewißheit durchdringen einander in der Stunde, da dieser einzigartige Mann von uns geht! Wie wir hören, führte Herr Heinrich Levy seit längererrZcit auch in Stellvertretung die Geschäfte des Vorsitzenden der Hamburger Gesamtgemeinde (Deutsch-Israelitische Gemeinde), in deren Vorstand er seit Jahren wirkte. Mit dem 'Tempelverband stehen daher alle Hamburger Juden trauernd an der Bahre des Verblichenen. gegen überalterte Vorurteile darslellen. Wer dieses Büch durchbliittert, der kann nicht verzweifeln, denn hier sieht er eine Vielheit' von Menschen, die durch ihre Hingabe an die Werte erzeugende Arbeit bewußt und unbewußt für die Ehre des' jüdischen Namens streiten. Weit über tausend Handwerksbetriebe Groß-Berlins zeugen von der Produktivität jüdischer Menschen, die erst /um Teil von uns erfaßt sind. Auch au ihnen sind die Ereignisse der letzten Monate nicht spurlos vorühergegangen. Ihre Absatzgebiete haben sich verengt, seelische, zum Te:l materielle Not ist auch in ihre Häuser einge/ogeu, aber si verzweifeln trotzdem nicht. Zwar ist der Platz, der dei jüdischen Handwerker im neuen berufsständischen Aufhaü zugewieseu werden wird, noch nicht scharf Umrissen,' abi soviel glaube ich darf jetzt schon gesagt werden, daß ii.. Gegensatz zu amieren Berufen die Einordnung der jüdischen Handwerker in ihre Berufsorganisationen voraussichtlich erfolgen wird. Aber es erhebt sich die Frage: Was ist vi ’ -.- i | jüdischen Stellen geschehe ii 11 e r t e E x i s t e n z e u sog e n a u u Auffangstellungen zu schaffen? Es ist in d... letzten Atonalen an wirtschaftlichen und sozialen Hilfsmaßnahmen mit fast übermenschlichen Anstrengungen von einzelnen jüdischen Stellen, besonders aber von einzelnen Persönlichkeiten, gearbeitet worden. Wenn ich in diesem Ziisünun hang nur zwei Namen nennen darf, so sollen damit and verdiente Männer, die mit gleicher Liebe au dein sozia Werk unserer Gemeinschaft arbeiten, nicht zurückgesetzt w den. Wir wollen dankbar sein, daß die Not uns zugleich e Zeit der Bewährung ist, und wir wollen doppelt dankbar ii, wenn Männer, wie unsere Freunde, die Berliner Gemeindevorsteher Moritz Rosenthal und Bruno Woytftt, jeder aut seinem Gebiet, in unerschütterlicher und rastloser Weise rücksichtsloser Anspannung ihrer physischen Kräfte 'j: und zu jeder Zeit dort zu finden sind, wo seelische wirtschaftliche Not sichtbar ist. Wir wissen wohl, daß in dieser für uns so stm bewegten Zeit nicht einem Jeden, der sich in seelischer o.... wirtschaftlicher Not befindet, ausreichend geholfen werden kann, wir wissen aber auch, daß das Menschenmöglichste geschieht, um die dringendste Not zu lindern. Die amtlichen jüdischen Stellen haben aber weit größere Aufgaben. Es muß unverzüglich Ernst g em acht werden ini t ei g r ii n d 1 i c Ii c n Neuordnun|< unserer Berit f s v Es sollte daher dringlichste Aufgabe der jüdischen Reichs- und Landesstellen sein, eine exakte Erforschung Tiber Berufsverteilung und, was ehenso wichtig ist, über die zahlenmäßige Verteilung ■ der deutschen Juden in den einzelnen- Gemeinden beschleunigt durchzuführen. Erst wenn <" Unterlagen geschaffen sind, wird es möglich sein, eine j mäßige und sinnvolle Verteilung vieler Klein- und Mittelexistenzen nach Erzeugung und Absatz vorzunehnien. Dazu gehören aber nicht nur unübersichtliche .Tabellen, die in einer für den Laien unverständlichen Weise summarisch Berufe zusammenfassen und sie dann nach Prozenten gliedern, sondern unser dringendstes und letztes Ziel muß doch Wohl - i möglichst kurzer Zeit eine möglichst große Zahl wirtschaftlich Strauchelnder wieder einzuordnen. Es muß nicht jeder in der Großstadt wohnen, und es muß nicht jeder auf dem.Dorfe wohnen, sondern er muß dort wohnen, w die größtmögliche wirtschaftliche Sicherheit hat. — __i wiederholt: Wirtschaft ist nicht nur Erwerb, Wirtschaft ist Gesinnung, Wirtschaft muß Seele sein. U enn wir jüdischen Handwerksmeister als die Bausteine, i t genug in den letzten Jahrzehnten von unserer eigenen Gemeinschaft verworfen wurden, jetzt zu hinein der Eckpfeiler Ti jüdischen Berufsleben werden, so sage ich: es geht u > wie der deutschen Judenhcit überhaupt. Denn , wie w innerhalb unseres Vaterlandes um unsere Gleichberechtigung kämpfen, so kämpften wir um unsere Gleichberechtigung innerhalb unserer Gemeinschaft, immer geleite, vo l . Gedanken der Liebe zu - unserer Gemeinschaft — mit Joseph der Bibel können wir auf die Frage nach dem Ziele s Weges antworten: Wenn wir auf der eipen Seite bereit sind, Opfer für diejenigen zu bringen, denen es noch schlechter geht als uns, so werden wir auf der anderen Seite nicht nur versuchen, bestehende aber erschütterte Existenzen zu unterstützen, sondern — und das weist von der Gegenwart in die Zukunft — bei der Berufsergreifung unserer Jugend ord-- nenu mitzugestalten. Wir wissen, daß die manuelle Betätigung von entscheidender, zukunftweisender Bedeutung für unsere Jugend sein wird, und wenn es auch nicht stimmt, daß das Handwerk in materieller Beziehung nun unbedingt den sogenannten „goldenen Boden“ hat, so sorgt es doch dafür, daß derjenige, der es erlernt, unter gewissen Voraussetzungen nicht hoffnungslos der wirtschaftlichen Abhängigkeit ausgeliefert wird. Aber auch das Handwerk ist nicht unbegrenzt aufnahmefähig, und es muß dringend davor gewarnt werden, daß man nicht von einem Extrem in das andere fällt und nun unsere Jugend, wie früher auf die akademischen,,so jetzt ausschließlich auf die handwerklichen Berufe dressiert. Der Neubau einer Berufsschichtung muß planvoll vorgenommen werden; Absatzmöglichkeit und gesetzliche Vorschriften regeln die Anzahl der auszubildenden Lehrlinge. Besonders schwierig ist deshalb unter den Umzuschichtenden die Lage der Angehörigem höherer Altersstufiyi, meist aus den akademischen, freien und Angestelltenberufen, aber auch der jungen Studenten in den verschiedenen Semestern. Bei aHen diesen kommt ein geordneter Lehrgang, der drei bis vier Jahre dauert, nicht in Frage. Eine verkürzte Lehrzeit aber von beispielsweise einem Jahr ist im Gesetz nicht vorgesehen, und das ist vom Standpunkt des Handwerkers gut so, denn der blutigste Laie wird zugeben müssen, daß jemand unter den vorhin angeführten Voraussetzungen ein Handwerk in einem oder gar in einem halben Jahr nicht erlernen kann. Und wenn wir trotzdem den Versuch machten, diese aus ihrer Bahn geworfenen jüngeren Leute bei unseren Meistern in einem begrenzten Umfange als Volontäre oder Praktikanten unterzubringen, so war einzig und allein der Gedanke leitend, daß eine' Notzeit Notmaßnahmen erfordert. So arbeitet das organisierte jüdische Handwerk für die Gegenwart und für die Zukunft; es hilft auch denen, die infolge äußerer Umstände' in besonders schwierige Lage . geraten sind Die deutsche Judeiilie I aber möge au diesen Leistungen unserer Organisation ernennen, daß wo immer Menschenkrafte Zusammenwirken, wir nullt nuitlus zu werden.—1 mul zu verzweifeln brauchen. Auf dein Wege der friedlichen' Arbeit werden wir versuchen, in unserem Vateil.iude wieder Wurzel zu fassen. (Xinhbcincrkuut; oer Schri/ileiinn);. Der vorstehend abgedruckte Artikel stellt eine gekiir/le Wiedergabe des Vortrages dar, den Herr Tapezierermeister Louis-Wolff in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der jüdischen Handwerkerorgaiiisation auf der großen Kundgebung für jüdisches Handwerk und Mittelstand gehalten hat. Vgl. den Bericht iii Nr, LI sowie die heutigen Bilder.) Eine Entgegnung Von Professor Josua Friedlacmler . Vorbemerkung. Iir Nr. 25 der „J.-l. Z." vom 11. November brachten wir aus der Feder des Herrn Dr. II. Stichs einen Aufsatz „Heilige oder l'rofanspraelie?" .Angesichts der lebhaften Erörterung, die gerade dieses Thema heute in weitesten, jüdischen Kreisen findet, dürfte die nachfolgende Erw iderung des Herrn Professor Josua I rietllacntler überall Interesse finden. - Schfifticitung. Wer sich liberaler Jude nennt, darf nicht sagen , „w ie früher, so auch jetzt". Auch in bezug auf das Lernen' des Hebräischen muß der liberale Jude insofern iim- ' lernen, als er. erkennen sollte, daß die frühere Methode deshebräischeiLUnterrichts au unseren Schulen mit ihren Minimum- Ichrplüneii Schilfbruch gelitten hat; sie hat auch für die Religion nicht das geleistet, was sie sich als Ziel gesteckt hat. Mau hat mit ihr gar nicht-die Möglichkeit gehabt, so w eit in das Verständnis der Sprache cin/udringen, daß Gebet und Bibel in iicniicusu'crlciu Umfange spontan begriffen werden konnten. Und das ist doch nötig, wenn, es iihc.rhaii|it u uh einen Sinn haben soll, in einer Sprache zu beten, die nicht die Muttersprache ist. Wie kann man sich dem jüdischen „Urgeiste", der Sprache der Propheten verbunden fühlen, wenn einem die Worte nicht vertraut sind, die den Geist vermillelii sollen! Ja, vielleicht, und das. macht die SacheJnocli schwieriger, sollen sie nicht so sehr den Urgeist; sondern unsere Auffassung von ihm vermitteln? Dazu wurde noch viel mehr gehören als jenes Minimum von Hebräisch, mit dem mau früher nuskomineii zu können glaubte, um "ein Verstehen des rcclii umfangreichen hebräischen Gottesdienstes zu erreichen. Nun will man bei der unzulänglichen Methode bleiben, das Hebräische in der Liturgie heihelialteu und-es vielleicht ergänzen durch eine Übersetzung, die zumeist auch aus dem Stegreif niehj .verstanden wird. Nein, so geht es keineswegs. „Hebräisch-Sprechen hat mit Religion gar nichts zu tun", das mag gelten, wenn wir einen scharfen Trennungsstrich machen zwischen Religion und sonstigem Leben des Juden, was wir nicht für richtfg halten. Aber gesetzt es wäre so, so müßte man doch, um Hebräisch zu lehren, den Unterricht so gestalten, daß die Kenntnis der Sprache so vermitteltWird, wie man eben heute am besten und am erfolgreichsten ilm 'zu‘erteilen versteht. Das heißt, man wählt einen dem Kinde bzw. dem Lernenden gemäßen Stoff und sucht ilm in der auch sonst beim Sprachunterricht üblichen Weise mit dem Schüler zu bearbeiten. Natürlich kann man bald auch 'Erzählungen aus der Bibel oder anderen jüdischen Schriften verwenden. Aber das eine ist sicher: (las Gebetbuch kann erst zu allerletzt an-die Reihe kommen. Denn das ist. für Kinderzu abstrakt lind deshalb zu — langweilig! Wenn aber im methodischen Gange eines ■ regelrechten Sprachunterrichts eine Einführung in das jüdische Schrifttum erfolgt — immer vorausgesetzt ein mittleres Fassungsvermögen des Lernenden —, so wjrd ein üchet-„ühcrsctzcn“ sich sicher erübrigen. Denn wenn .überhaupt Neigung zunr Beten besteht oder das Beten in hebräischer Sprachtbereits. Gewohnheit ist, dann wird Sinn und . tiefere Bedeutung leicht mehr und mehr begriffen werden. Dann wird, der Umweg (Methode ist immer Umweg) über die richtige Spracherlefnung sich gelohnt haben, .der Umweg wird den Urgeist mul den heutigen Geist anfgezeigt haben linu den wahren Weg weisen zur wahren „Religion", d. h. /uni Jirhntl hütete, zu einer einheitlichen Formung'der Gesamtheit" unserer Lebenskräfte, wie sie von den Propheten ausgeht, aber rieht mit .ihnen abgeschlossen ist, sondern sich weiter fortset/t in dem hebräischen und jüdischen Schrifttum bis auf diesen Tag. Wenn mau diesen Umweg, der schließlich sich als gerader Weg bewährt, mit der erforderlichen' Begeisterung geht, daun wird auch eine neue Generation von Kennern des Hebräischen, von Kennern des Judentums erstellen, und der ‘deutsche Jude wird die Huber-K.iseu/weigsche Bibelübersetzung besser vcistchen, ja, er wird sie lesen können; das „Heilige", das uns allgepriesen wird, bietet sich nicht mühelos uns dar, es u.uß gefunden, anerkannt und in die Tat tungesetzt Nli11 die Aussprache: Von den nenn Aussprachen des Hebräischen, die es gibt, ist die scphardische wohl die verbreitetste und die in der Wissenschaft 'gebräuchliche; sie erleichtert das Erlernen des Formenwandels' ganz bedeutend und ist deshalb für den Anfangsunterricht das Gegebene. Trotzdem in der Liturgie die andere Aussprache hci/ubchaltcn, -durfte niemandem Schwierigkeiten bereiten, der sich einmal die Unterschiede klargemacht hat. Aber seihst wenn mau auch in der Liturgie zur sephardischcn Aussprache übergehen würde, so wäre das keine „bedenkliche Nachahmung“ der Reform — ein religiös-liberaler Jude darf das Gute aiinehmeii. wo immer er es findet —, sondern nur eine Verbesserung, die den Gottesdienst wahrer und echter machen .kann, weil sie ihn .wieder denk Lehen, hier der so noch immer lebenden Sprache, näher bringen würde,-was den Freundem des Hebräischen gewiß sehr genehm wäre, wenn die Gewöhnung sie auch oft einen anderen Weg gehen läßt, und diese.Freunde sind zum allergeringsten. Teile diejenigen, die „zwangsläufig" unserer 'Gemeinschaft. Zuströmen, ..sondern die aus einem inneren Bedürfnis heraus an dem Unpiell jüdischen Geistes neue Kraft, und Hoffnung gewinnen wollen. Sic trollen und wir müssen ihnen helfen. Keiner wird gezwungen, mitzuhalten, aber für die Suchenden muß an unseren SchnTcH eine wohl eingerichtete Stätte bereitet sein. Lassen wir die Gelegenheit nicht vorübergehen, auch unsere Freunde einem neuen Erlebnis entgegenzufiilirei: (seien wir doch bescheiden!), das — vielleicht einmal zu einem religiösen werden kann, wie es bei unendlich vielen immer der Fall gewesen-ist.. Neuhebräisch und Althebräisch: natürlich besteht ein Unterschied aber nicht ein solcher wie zwischen Althochdeutsch und Neuhochdeutsch. Er liegt inehr im Wortschatz und in der Syntax. Das Fundament des Neuhebräischen istimmer noch die Spräche-der Bibel. Deshalb führt der gleiche Weg de; Anfangsunterrichts zu beiden hin.

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