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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-12-22 · 36 (22.12.1933) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
36 (22.12.1933)
Date
1933-12-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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<$*£*_ im andern &and Roman von Stefan -Reginald Marknes (Copyright by Hanns Locwenstein und Willi Tisch Verlag.) 17. .Fortsetzung und Schild!. 'Das Gegenteil lag vor; nicht ein einziger wollte zurück! Vielmehrmeldeten sicli nun noch viele Nachzügler, Vereinsamte und' Koiijunkturlciite, die jetzt, nachdem die Würfel gefallen waren, den Anschluß nicht verlieren wollten und sich goldene Berge oder die Hebung ähnlicher Schätze an irgend einer Stelle Innerafrikas versprachen. Hierüber funkten die Reporter haarscharfe Kartenbeigaben mit genauester ßezcichming der Lage und einige wollten wissen, daß ein Vortrupp ausgezogeii sei und das alte, sagenhafte Ophir entdeckt habe. Merkwürdigerweise las man in diesem Zusammenhang in der Weltpresse keinerlei Bemerkungen darüber, dal! die Juden sich nun noch durch diesen — in Wahrheit ungehobenen — Oeldbesitz auch in materieller Beziehung zu Herren der Welt, machen würden. . Wir wollen den Zeitungsleuten, unter denen sich auch- Nachtredakteur Xaverius befand, über ihr Metier und einige phantastische Begabung keinen Vorwurf machen. Jeder Berichterstatter ist verloren, der sich nicht täglich einiger Unfälle bedient, die keine nähere Nachprüfung vertragen. Bin Pressemann rechnet immer dainit, dal! nach zwölf oder vierundzwanzig Stunden alle Zeitungsleser vergessen haben, womit sie gestern früh oder abends zuvor bedient wurden. . Nur eines war unverkennbar: Die Juden schienen vor -grollen Entschlüssen zu stehen und etwas noch nie Dagewesenes zu planen, obgleich ihre letzten Absichten verschlossen blieben. Eines Tages fand man sämtliche Lagertore gesperrt und verriegelt; keinem wurde der Zutritt gestattet, jeder Verkehr war unterbunden. Bei der Überfliegung der -gewaltigen Zeltstadt ergab sich, daß das Leben dort unverändert seinen Gang nahm. Auf dringende Rückfrage vonseiten der Staaten und ihrer diplomatischen Vertretungen ließ Victor Arago antworten, daß der Rat der Juden morgen zusammentrete, um einen endgültigen Beschluß über das Waiiderungszjcl zu fassen. Die Lagerstadt würde am übernächsten Tage wieder geöffnet sein. Diese Versammlung hat auch stattgefunden, und Victor und Mica waren als Redner vorgesehen. Mica konnte aber nicht erscheinen, denn plötzlich erkrankte ihr Solm Juan, der inzwischen das zweite Lebensjahr vollendet hatte, schwer und fast bedenklich. Es ist keine Zeit, das Leid der Eltern zu schildern, denen sich allgemeine Teilnahme zuwandte. Victor wies jede Rücksicht und jeden Zuspruch ab. Er sagte: „Die Rettung meines Volkes geht voran! Das Geschick des Einzelnen ist nichts, wenn das Wohl der Gesamtheit gefordert wird Ich stehe jetzt hier vor Euch und verkünde, dal! wir noch in dieser Nacht unserer neuen Heimat' entgegenziehen. Unsere Lage ist gefahrdrohender als die unserer Väter am Schilfmeer. Die Rettung, die uns zuteil wird, wenn wir all.- glauben undmarschieren, wird aber wunderbarer sein als die einstige Erlösung. Um die Mitteriiachtsstundc versammeln wir uns alle; alle und schreiten, nur getragen von der Macht des unbedingten Vertrauens, dem unbekannten Ziele entgegen. Wir gehen nicht zurück! Wir müssen vorwärts! Hinter uns liegt die Erstarrung und der Untergang; vor uns Lehen, Hilfe, Zukunft, Ewigkeit!“ Mica und Ruth standen in später Abendstunde an der . Bettstatt des-kleinen Juan Zeinach, und alles Lcjd, das diese dunkle Erde bringt, durchtobte das Herz der unglücklichen Mutter, die in ihrem jungen Leben schon so viel Schweres hatte tragen müssen. In dieser Stunde Wurde die Freundschaft der beiden Gefährtinnen besiegelt. Mict sprach zu Ruth: „Du wirst mich verstehen, wenn ich eine große Bitte an Dich richte. Nimm mein Kind, das ich über alles liebe, in Deine Obhut und in Deine Arme. Ich werde, ich mul! mich von meinem Sohn trennen, denn ich kann und darf mich nicht von meinem Volke' und von Victor lossagen. Ich hübe das alles so gewollt und ich will bei Israel bleiben, wenn wir uns erheben oder ins Nichts zerfallen.“ In überströmendem Weinen gelobte Rutil Treue und Fürsorge mit den Wörtern _ “ich”habe sehr, viel an Dij~gutzumachen, Mica! Verlaß ' Dich auf mich; ich will ihn hegen und pflegen und ich weiß: es gibt ein-Wiedersehen!“ So nahm Mica von ihrem. Kind Abschied und trat Victor zur Seite, der wartend vor dem Zelt stand. Er sagte: „Ich habe mich nicht getäuscht. Ich wußte, Du würdest kommen. Du kannst Dein Volk nicht verlassen!“ Am .Hideicne Morgen fand man die Zeltstadt wie immer geöffnet, undf Hunderte, die auf den Eintritt gewartet hatten, zogen ungehindert in die breiten Straßen. Ein überraschender, gar nicht zu-fassender Anblick bot sich dar. Das Lager war leer, nirgends1 war ein .Mensch zu finden. Pber.ill" sali man die Sechpatrouilleti der internationalen Wachttruppeu fieberhaft au ihrer Spürarbeit. Jeder Bezirk, jeder Winkel wurde durchforscht. Die Fliegergeschwader überquerten weite Ge-' bi:ie; alle kehrten unverrichteter Sache und ohne Botschaft Zelt gefunden, leise weinenden In dem großen Versaniinluiigshaus, das in der Mitte des Lagers errichtet worden war, fand sich auch nichts, irgend eine Spur verriet. Es war leer, ganz, leer, um zeigte sich, daß auch der Schrank, in dem die aus <-_ Ländern initgebrachten Gesetzesrollen gestanden hatten, geräumt war. Anscheinend hatten die Juden ihre Heiligtümer, ihre Thorarollen mitgenommen. Der Welt bemächtigte sich eine ungeheure Bestürzung, als die Schreckenskunde die Länder durcheilte- Die nächtlichen Stunden, in denen der rätselhafte Auszug der Juden - sich vollzogen hatte, waren ganz ruhig verlaufen. Kein Beben, keine Beunruhigung der Erde wurde seismographisch festgestellt. Nur einige Astronomen behaupteten, bei ihrer Betrachtung des nächtlichen Himmels - len rätselhaften Vorgang entdeckt zu haben. Wahrend des programmatischen Verlaufes einer Mondvcrfinstenmg habe man inmitten des Schattenkegels ein bisher unbekanntes Flimmern festgestellt, aller das könne nach aller Wahrscheinlichkeit auf einer Täuscliiiiig beruhen. Je schärfer die grollen Teleskope und Refraktoren w ürden, um so leichter kämen zarte Schwingungen l“ K'-"1'111'' Unebenheiten auf die höchst cmplimiliehen I latten mul täuschten das überanstrengte Auge Bis /lim heutigen T 'geschrieben wird, iKit keii aü-- den Juden geworden ige, an dem dieser- Bericht nieder- Erdeiimensch erfahren können, was st. Sie sind und bleiben verschwunden, und der Name „Israel“ gehört seitdem nur noch der Geschichte an. ’ Eine überraschende Losung, die aber wahrscheinlich nur utopische Bedeutung hat, fand sich durch Zufall in einem Roman, der um diese Zeit erschienen war. Als der Nachtredakteur Xaverius aus Afrika in seine Heimat und das Büro der „Mitternachtspost“ zurückkehrte, fand er beim Kramen, unter seinem Bücherstoß einen Band, den er vor mehreren Jahren hatte lesen und besprechen sollen. Welche-Hand ihn führte, als er das Exemplar herausgriff, kann niemand sagen. Der Titel lautete: „Zwei im anderen Land“. Nach berühmten Mustern begann Xaverius mit dem Ende, denn dann ist die Besprechung viel leichter. Irgend etwas jedoch zwang ihn in den Bann der Lektüre, und zu seinem Erstaunen las er da Dinge, die in unserem Bericht — es sei zugegeben! — so mangelhaft geschildert sind. Da der Autor sich zweifellos in das Geheimnis eines Pseudonyms gehüllt hat, ist es zwecklos, nachzuforschen und immerhin das bequemste, hier abzudrucken, was dort geschrieben stellt: Auf Seite 193 ff. heißt es: Als die Juden uin die Mitternachtsstunde sich in einem ungeheuren, riesenhaften Zuge versammelt hatten, erschienen vor ihnen ein Mann und eine Frau. Diese befahlen ihnen immer dichter zusammenzunicken, bis sie sich berührten und die Leiber aller sich so eng aneinander preßten, daß sie ein Ganzes bildeten. Als das erreicht war, stellte sich der Mann vor sie und die Frau an den Schluß des Zuges und beide riefen mit übermenschlich lauter und erschütternder Stimme: Blickt nach oben! Hinauf! Hinauf! Da haben sich die Massen im Bruchteil einer Sekunde vom Boden gelöst und seien unter dem dichten Schutz einer Mondverfinsterung, völlig unerkannt, von einer höheren Gewalt von der Erde abgerissen worden und in-den Weltenraum hinaufgestiegen. Weil sie glaubten, dal! sie, auch ohne den E r u g r u n d zu treten, marschieren könnten, li a 11 e e i n unge kau Utes Gesetz der Natur ihnen gehorcht und sie allesamt;-ohne daß einer fehlte oder verloren ging, zum Monde geführt, wo alles für ihren Empfang vorbereitet war. In tiefster Nacht, wie einst beim Auszug aus Ägypten — so -heißt es in dem merkwürdigen Buche — entfernten sie sich; bei strahlendem Sonnenschein kamen sie aut dem Monde an. Als der Zug aut die Oberfläche des Trabanten hcrahschwebte, erwachten alle aus der tiefen Erstarrung, und sie sahen sich von einem gewaltigen Halbrund festlich gekleideter Menschen umgeben. Ein Chor von vielen tausend Kindern grüßte sie in einer, vielen neuen und doch verständlichen Sprache, mit herrlich brausendem Gesang: Lobet Gott! Lobet Gott in seiner heiligen Macht. Lohet ihn in seiner Himmelspraclit, Lobet ihn und seine Stärke, Lobet ihn tuid seine Werke. Lobet ihn mit starkem Schofarhall, Lobet ihn mit süßem Harfenschall. 7 Lobet ihn mit Pauken und Geigen, Lobet ihn mit Liedern und Reigen. Lobet ihn mit schmetternden Trompeten, Lobet ihn mit Hörnern und Flöten. Alle Seelen loben Gott, Alle Seelen loben Gott! Diese erhabene Musik wurde von unzähligen Instrumenten begleitet, und ebenso bewundernswert wie der ergreifende Zusammenklang war die staunenswerte Präzision des Ganzen. Danach trat ein greiser Mann vor und sprach: „Seid willkommen, meine Kinder, seid willkommen, alle meine Kinder in Eurer neuen Heimat, im Land des Friedens, hei Euren Brüdern, bei Euren Schwestern!“ Und dann betete er: „Laßt uns freudig und wonnesam dem Willen unseres Schöpfers dienen, dem Wahrheitsschafter, dessen Werk die Wahrheit ist. Er hat dem Monde befohlen, daß er sich erneuere, als Krone der Pracht für die Staubgeboreiien. Sie sollen sich in Zukunft erneuern gleich ihm und ihren Bildner preisen mit dem Namen der Herrlichkeit seines Reiches. Gepriesen sei Dein Bildner, gepriesen sei Dein Schöpfer, gepriesen sei der, dem Du gehörest, gepriesen sei, der Dich ins Leben riet! — Kommt an unser Herz, begrüßt unsere Seelen! Jeder Mensch hat einen Platz und eine Ruhestatt in Gottes Vaterhaus!“ Xaverius schüttelte ein über das andere 'Mal seinen ergrauten Kopf, und so energisch, daß die wirre-Mähne, die auch - VoiBedingung für zünftigen Journalismus ist, kapellmeisterähiilich flatterte: „Das hätte ich früher wissen müssen! Warum habe ich mellt damals dieses Buch gelesen. Die Sache sieht nun beinahe so aus, als wenn der unglaubliche Schelm Victor Arago, schon bevor dje Dinge sich verwirklichten, mit der Kraft der Intuition alles, erahnt und konzipiert hatte. Der Mann hätte Detektiv werden sollen. In diesem Zweig der Literatur fehlt, seitdem der alte Edgar Wallace abhanden kam, immer noch der richtige Skribent. Ich werde mich zwar weniger dazu eignen, denn zum. Geldverdienen fehlt mir das Talent. Und schließlich, was kann der Mensch mehr verlangen, als. guten Kaffee und eine Dauerpackung von Zigaretten, die sich ständig erneut. So wird man zum Wohltäter der Menschheit, denn an den beigclegten bunten Bildern oder Spielplättchen haben noch die kleinen und die großen Kinder ihre Dauertreuden.“ Soweit Xaverius. — Wir müssen ihm aber noch für zwei Eudnotizen Raum gewähren. Die erste ist für den großen Kreis vielleicht belanglos, aber einige werden sie lesen und zufrieden sein. Also A). Als Ruth Godwin geborene Laporta wieder zu sich gekommen war ,und auf ihren schlanken Beinen gesund, jung und selbstsicher dastand, war sie der gleiche frische und unverzagte Mensch wie früher. Nur ihr Gedächtnis hatte nach berühmten Mustern gelitten. Man fragte sie sanft, man fragte sie inquisitorisch. Sie konnte nichts sagen, sie wußte nichts. Ruths Erinnerungsvermögen versagte in dem einzigen Punkt, auf den es ankam. Cher das Verschwinden der Juden konnte sie keine Auskunft geben und es wäre frivol, anzunehmen, daß sie mit dieser Angabe der Wahrheit aus dem Wege gegangen ist. Ihre Heimkehr in die schöne Weltstadt am Maimier Strand gestaltete sich zu einer Tr iumphfahrt. Ruth hätte sogar Filmgröße werden können, doch uodwin, der ehehungrige Blondling, verbot jede Profanierung. -Der alte Laporta und seine durch eine verstärkte Paraffinkur zu normaler Dicke gebändigte Schwägerin Aimee hatten an den kleinen Juan Zeinach eine kindliche Freude. Wohl den Anwälten, die in einer Zeit, wo die Prozesse noch magerer geworden sind, die Streitsache Fritz und Susi Cohn gegen Laporta um das Besitzrceht des jungen Aragomers durchpauken dürfen. Wahr-- WtMen Sic jeden, daß an der estländischen Universität Dorpat die Einrichtung eines Lehrstuhls für1 jüdische Wissenschaften offiziell angekündigt wurde und - daß die Vorlesungen schon im kommenden Semester beginnen? daß Königin Wilhelmine von Holland den berühmten holländischen Staatsmann und Vertreter Hollands beim Völkerbund, den jüdischen Professor Dr. E. Moresco, zum Kommandeur des Ordens Oranien-Nassau ernannt hat? dal! bei den deutschen Adelsfamilien eine scharfe Nachprüfung .der rein arischen Abstammung eingesetzt hat und daß die arische Abstammung lückenlos bis zum zweiunddreißigsten Ahnen zurück erbracht werden niuli? daß in Polen ein Komitee gegründet wurde, das die Aufgabe hat, den aus Deutschland ausgewanderten jüdischen Gelehrten die materielle Möglichkeit zur Fortsetzung ihrer Forschungsarbeit zu verschaffen?! daß die Jüdische Gemeinde in. Groningen (Holland) eine Abgabe zugunsten der Jüdischen Gemeinde in Deutschland in Höhe von 10der allgemeinen Gemeindesteuer eingeführt hat und daß sämtliche Gemeinden Hollands angewiesen sind, dem Beispiel der Gemeinde Groningen Dez!Büeßasteu dez „J.zt.Z.“ Hausvater in Kiel. Also: die erste Chanukkähfeier, die Sie mit ihren Kindern abgelialten haben, hat Sie zu Fragen angeregt! Das ist gut —: Fragen kommen vom Nachdenken, und Nachdenken über das Judentum heißt Zurückkehren ins Judentum. Hören Sie: Vom Dichter des Chanukkahliedes „Moaus Zur“ weiß man nur, dal! er Mordechaj geheißen hat, denn die Anfangsbuchstaben der Strophen ergeben diesen Namen. Welcher Mordechaj es ist, ist völlig unbekannt. Leopold /nur., der Großmeister der jüdischen Literatur, vermutet, es sei Mordechaj ben Isaak gewesen, der um 1251) lebte; aber Zuhz vermute! es nur, ohne es belegen zu können. —■ Und nun-zu der wundervollen Melodie, die das Lied so populär gemacht hat. Sie war ursprünglich nur in Deutschland heimisch und Wurde von da in, die andern Länder .mitgenommen. Der verstorbene Königsberger Oberkantor Birnbaum, einer der berühmtesten Forscher über ‘ svnagogale Musik, schreibt in seiner Studie über das Chanukkahlied, die Melodie habe ihren Ursprung in einem deutschen Volkslied „So weil! ich eins, das mich erfreut“, das auch Luther für seinen Choral „Nun freut euch, liebe Christgeniein“ benutzte. Um 1450 scheint die Melodie den Juden schon bekannt gewesen zu seiu; fixiert wurde sie das erste Mal 1S15. Nach Birnbaum dürfte die. Melodie zuerst für den Vortrag des Chanukkah- Piuts „Sch’ne Seßim“ in der Synagoge gebraucht und dann aut die häusliche Feier übertragen worden sein. — So, nun ' wissen Sie alles, und nächstes Jahr feiern Sie wieder! (Aber lassen Sie die sechste Strophe weg; sie ist einespätere Hinzufügung, die nicht erfreulich ist!) Ausländs-Chronih Brüssel. (Denkmal für einen jüdischen General in Belgien.) Unter Beteiligung hervorragender Persönlichkeiten der belgischen Gesellschaft und der belgischen Militärkreise wurde in Brüssel ein Komitee zur Errichtung eines Denkmals für den vor zwei Jahren verstorbenen jüdischen General der belgischen Armee, Bernheim, gebildet. Der König von Belgien hat dem Deiikmalfonds einen größeren Betrag aus. seiner Privatschatulle überwiesen. Czernowitz. (Repräsentanz der Jüdischen Gemeinde Czernowitz aufgelöst.) Auf Anordnung des Kultusministeriums wurde die Repräsentanz der Jüdischen Gemeinde Czernowitz aufgelöst und ein Regierungskommissar mit der Führung der Geschäfte betraut. Gründe für diese Maßnahme wurden nicht bekänntgegeben. Die Auflösung gewählter Gemeindevertretungen und ihr Ersatz durch Kommissare, „Gereuten“ genannt, wird, seit jeher von den jüdischen Organisationen aller Richtungen als Eingriff in die gesetzlich gewährleistete Gemeindeautonomie bekämpft. Paris. (Senator Georges Levy gestorben.) Im Alter von SO 'Jahren, verstarb in Paris der bekannte Nationalokonom Senator Raphael Georges Lew, Mitglied der französischen Akademie. Senator Levy war der'Schwiegervater des belgischen Gesandten' in Washington, Paul May. Riga. (Auflösung a n t i s e m i t i sc lifasch i s tisch c r O r g an i s a t i o n e n in Lettland.) Der Ministerrat hat beschlössen, die antisemitisch-faschistischen Organisationen „Vaterlandsschutz“ und „Perkoukrust“ aufzulöseu. Gegen die Führer dieser Gruppen wird eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet. Wien. (Wegen a n t i s e m ft es c h e r Anfeindung in den Tod gegangen-) Dieser Tage erschoß sich im Konferenzzimmer des Villacher Bundes-Rcalgyiiiiiasiums der aus Prag gebürtige 42-jährige Professor Ernst Singer. Die Ursache für die Tat ist, wie aus einem hinterlässenen Tagebuch hervorgeht, in den Anfeindungen, denen er wegen seiner jüdischen Abstammung ausgesetzt war, zu suchen! scheit,lieh wird der Junge, der sich als gesunder Sproß erweist 'und seinem Namen Ehre macht, darüber mündig erklärt sein, lind wem, ihm die Besitztümer beider Teile zuflielien, kann er sngai unserem Xaverius, falls der noch lebt, eine Sonderstiftung, verleihen oder ihn in einem feudalen Altersheim eir.kaüfen, wobei Juan Zemach immer noch das Fahrgeld für eine bessere Ätherexpedition behält. Letzlich ,B) Wenn Xaverius, von nächtlicher Arbeit ermüdet, auf seinem Lieblingsstammplätzchen im romantischen Cafe sitzt, dann pflegt er im Kreise seiner Freunde, die er sich nur,aus der Schar der Schweigsamen wählt, auch noch aufzutischen, daß’ am Schluß des im Buchhandel nirgends erhältlichen Romans — „Zwei im anderen Land“ — eine allerwichtigste Notiz stehe, nämlich eine Botschaft Victor Aragos und seiner Micaela vom Monde an die Erde. Diese „Ihr irdischen Brüder! Wir gedenken Eurer ohne Haß, in Freundschaft und in Liebe. Israel geht es aut dem Monde wohl, und die Zeit wird nahen, in der wir uns wieder vereinigen und in Liebe und Harmonie am Wohle der Menschheit friedlich arbeiten werden.“ - „Xaverius“, echote dann der Kreis, „gib Dein Exemplar heraus und verkauf es der Quibus G. in. b. H. oder einer anderen internationalen Filmgesellschaft! Dann bist Du lebenslänglich versorgt und brauchst nicht mehr die Nacht zum Tage zu .machen.“ „Künstlerpech!“, - meinte der geplagte Journalist wehmütig — und damit sprach er'die Wahrheit —: „Ich habe es in der Untergrundbahn verloren.“ Herausgeber: Hanns Locwenstein und Willi Tisch Verlag Beilin-Charlottenburg 4. Verantwortlich für den Textteil: George Goetz, Berlin W 50; für den Inseratenteil: Willi Tisch, Berlin NW 21. Druck: Sonnendruckerei G.m.b.H. (Felix Wolf), Berlin-Charlottenburg 4, Weimarer Straße 18.

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