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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-12-22 · 36 (22.12.1933) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
36 (22.12.1933)
Date
1933-12-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Umschwung der Seele Von Hans Bloch, Hamburg Ist Judentum Schicksal, ist es Sendung? Eine Frage, die wohl Juden zu vielen Zeiten bewegt hat, eine Frage aber, die . heute viele bewußte Juden stärker berührt, denn lange zuvor. Und seltsam, gerade immer dann, wenn es den Juden nicht zum Besten ging, empfanden sie ihr Judentum als Sendung, als von Gott, gegebene Aufgabe, ln anderen Zeiten vernachlässigten sie es nur zu oft oder versuchten gar, es als unbequem zur Seite zu schieben. Einer Zeit, die unsere Gebetbücher scharfer Durchsicht unterzog lind vieles, manches darunter gewiß berechtigt, strich, ist auch ein Gebetwort, zum Opfer gefallen, dessen Kern wohl zu den kostbarsten Stellen unserer Gebete zählt: Gepriesen seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der mich als Jude geschaffen hat. . Fürwahr, ein großes, ein gewaltiges Wort. Aber mehr als das. Ein aus tiefster Seele ansteigendes Bekenntnis beglückter Giatibcnstreue, der Ausdruck dankbaren Stolzes auf die Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft. Eine seltsame. Kraft geht von diesen Worten aus. Aiit unwiderstehlicher Gewalt ziehen sie jeden1/ dem sie ein einzig Mal inneres Erlebnis werden, der sie nicht mir mit'dem Ohre hört, sondern mit dem Herzen erfaßt, in ihren Bann. Bis ins Mark aber erschüttern sie den, der weiß, daß sie nicht geprägt wurden zu einer Zeit, in der ein jüdisches Reich'in Blüte stand und ein jüdisches Volk mit Wohlstand und Frieden gesegnet war, sondern daß ein frommer, unerschütterlich gläubiger Jude sie zum ersten Male gesprochen haben mag in jenen Tagen tiefsten Mittelalters, da Judenhaß und Judenhetze, Judenbedrückung und Judenverfolgung das Judenleben mit Judennot, Judenschicksal mit Judeneleud gleichbedeutend machten. Welche grenzenlose Gottesliebe, welch unwandelbares, schrankenloses Gottvertrauen mußte in solchen Menschen wohnen, die, um ihres Judentums willen geknechtet und gequält, sich eben zu diesem Judentumfreudig und standhaft bekannten, die, für ihr Judesein entrechtet und erniedrigt, ihrem Schöpfer dankten, daß er. sie Angehörige dieses verfemten und verachteten Volkes hatte werden lassen. Nur in tiefster Ehrfurcht können wir im Geiste zu diesen Menschen attfblicken, denen ihr Judentum, das ihnen ihr Leben so sehr erschwerte undfür das sie so oft und bitter leiden mußten, das Höchster, das Schönste war, und nur mit inniger Dankbarkeit können wir ihrer gedenken, deren Gläubigkeit über die Generationen hinweg noch uns zu begeistern, uns und unseren Nachkommen Vorbild zu sein vermag. Wir modernen Juden haben dieses Wort vergessen, nicht, nur drinnen ini Gotteshaus, sondern auch, was schwerer noch wiegt, draußen im Leben. So manches Mal, wenn wir Zurücksetzungen und Kränkungen erfuhren, nur weil wir Juden sind, ■ haben wir unserem Judentum gegrollt, nur zu'oft, wenn .wir dieses Judentums wegen Entsagungen und Entbehrungen tragen mußten, blickten. wir wohl gar mit sehnsüchtigen, neiderfüllten Augen auf die, deren Konfessionen ihren Bekcrmern das Leben nicht auf Schritt und Tritt erschwerten. Ganz besonders aber wieder in jetziger Zeit, da Juden, denen der' Boden unter den Füßen zu versinken scheint, ihre Heimat verlassen, um draußen die Grundlagen für ein neues Leben zu suchen, da Existenzen zusammenbrechen, Hoffnungen stürzen, da materielle Not und seelischer Kummer uns überall entgegenstärren, mag wohl, mancher, der sieh vergeblieh die Frage nach dem Warum stellte, der unter der erdrückenden Last des Leides sehwach wurde, mit seinem Gott gehadert haben.. Prüfe ein jeder sich einmal ehrlich und gestehe es sich ohne Beschönigung ein — keiner unter uns, der nicht schon solche Stunden durchlebte, der nicht schon einmal zweifelte, ob das Leben als Jude es wert sei, Jude zu sein. So sahen wir nur unser kleines Ich und das oftmals nicht 1 fichte Schicksal unserer Glaubensgenossen. Aber wir vergaßen, daß ■ gerade dieses schwere Los Israel zu allen Zeiten wach gehalten hat, daß nicht zuletzt die durch die äußeren. Lebeusverhältnisse bedingte Konzentration auf jüdisches Wort und jüdischen Geist ein Aufgehen des Judentums in anderen Kulturen verhütete. Die größten Völker der Welt sind in Sattheit und W ohltag zugrunde gegangen, dem Judentum aber haben gemeinsame.Sorge und Not immer wieder unzertrennlichen Zusammenhalt gegehen, Leid und Bedrängnis haben die Juden immer fester mit der Gotteslehre verkettet, und nur so kamt Israel seine göttliche Sendung erfüllen, ein Reich von Priestern zu sein und ein heiliges Volk, Träger lind Verkünder des Gotteswortes in der Welt. ■Was Wir vergaßen, jetzt kommt es uns wieder in den Sinn. Langsam, aber stetig vergrößert sich der Kreis derer, dfe wieder wahre Religiosität in der jüdischen Lehre suchen, allmählich, aber unaufhaltsam wachst das Interesse und das Verständnis für jüdische Dinge: Noch zögernd, aber mir dem aufrichtigen Willen, zu verstehen und in sich aufzuueluuen, was das Judentum ihnen bietet, kommen sie. Eltern schicken ihre Kinder in den Religionsunterricht, den sie noch vor nicht langer Zeit als so nebensächlich, wenn nicht gar überflüssig, betrachteten, in den Synagogen mehren sieh die Gesichter derer, die man sonst nie dort sah; Menschen, die dem Judentum völlig entfremdet waren, kehren zurück, solche, die zu uns gehören, aber sich nicht als die Unsrigen fühlten, wollen hinein in unsere Gemeinschaft. Sie alle müssen es lernen, stolz zu sein auf ihr Judentum, hoch aufgerichtet, würdig die Bürde zu tragen, die das Judesein ihnen auflastet, und Gott aus tiefstem Herzen zu "danken, daß er sie würdigte, Juden sein zu dürfen. Im Israelitischen Tempel in Hamburg hat man vor etwa Jahresfrist die Worte, von denen wir hier sprechen, in den Anfang tles werktäglichen Morgciigollesdicnstes eingeschaltet. Sie erinnern den Beter au das Außergewöhnliche dessen, daß er an solcher Stelle stellen und sie .sprechen darf, sie gemahnen ihn vor Beginn seines Tagewerks der hohen Verpflichtungen, die dun sein Judentum auch uu Alltag unterlegt; auch im Getriebe des täglichen Lebens in jüdischem Sinne zu wirken, auch in aller Niedrigkeit des Lebenskampfes jüdische Ehre und jüdische Würde zu wahren. In allen jüdischen' Gotteshäusern und überall, wo Juden beten, sollten diese Worte unentbehrlicher Bestandteil ihres Gebetes sein. Wie | IZfteatei, Haßaiettt Hmo | ELB ■ Ul 15, Joachimsttiaier Sirafle 13 Täglich (außer Freitag) 83° Uhr abds. Neues Kabarettprogramm Hedi Haas, Fritz Tachauer, Eva Böhm Jani Balan, Blade and White u. a. am Flügel: Eridi Ronis . Kapelle: Jack Polischuk Donnerstag, 11. Januar, nachm. 4,30 Uhr Buntes Allerlei, Freier Eintritt. Gedeck 0,65 Mk. 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I das Bekenntnis unseres Glaubens, so sollten auch sic-unsercn Tag eröffnen, sollten auch sie ihn beschließen, lind bei festlichen .Anlässen sollten sie mit im Mittelpunkt der feierlichen Handlungen stehen. Beide Gebete verbindet ja, liegt ihre Entstehung auch Jahrtausende auseinander, ein Geist. Sclima jisroel adauuoj elauhcim adatmoj eehod Höre Israel, der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einzig. Das Bekenntnis' zu dem Ewigen, unserem Gott Und seiner Lehre. Ein Treitegelöbnis zugleich,, aber nicht gegeben in selbstverständlicher Hinnahme des Judentums als uns auf- ' gezwungenes Schicksal, sondern getragen von dem Gefühl Überstromenden Dankes für das uns anvertraute göttliche Out, . eines Dankes, den wir mit keinem Gebet schöner zum Ausdruck bringen können als mit den wenigen Worten Borucli atoh adauuoj elauhcim niclech hoatilom sclteossam Gepriesen seist du. Ewiger, unser Gott, König der Welt, der mich als Jude erschaffen hat. , Berlin-Charlottenbürg, \\ itzlvbenstraße 26. Ilse Dum-, iiauer mit Haus Mecklenburg, Chemnitz, Reielisstraße 15. Bochum i. W., 1 lorst-Wvssel-Straße •). Edith Hirsclibcrg mit Moritz Felscutlial, Frankfurt a. M., Uutcrwcg. 20. Eine Tochter geboren: - Berlin NW 87, Briiekeuallee 27. Walter Moses und Frau Edith, geh. Breslauer, 2 Mädchen. 70. und SO. Geburtstage: Bartenstein (Ostpr.). J. Meyer. 7(1 Jahre. 21. 12. 1931. Berlin W, Fasanenstraße 2S. Justizrat Ignaz Holz, Vorsitzender des Vereins Schomer Lahokcr Uimsclian Abelim. SU Jahre. 24. 12, lull. — \ Ilse Dommmer Hans Mecklenburg Chartottentwro Chemnitz. Witztebenstr. 26 Reichsstr. 15 \/ — .Ein .iincrsct/lichcr Verlust hat uns betroffen.' Der erste Vorsitzende unseres Verbandes, Herr Heinrich' Levy ist uns in der Nacht /um 17. Itc/cinbcr d. J. im SU. Jahre seines gesegneten Lebens entrissen worden. Durch Herkunft mul Erziehung tief im Judentum verwurzelt, hat der Verklärte in fast drei jahr/elmte langer Wirksamkeit als Mitglied des Vorstandes und seit 1928 als erster. Vorsitzender dem Israelitischen Tcmnel-Verbänd mit ganzem Herzen gedient. Seine Pflichttreue, seine unermüdliche Tatkraft, seine Warniher/igkeit, seine vielseitigen jüdischen Kenntnisse und vor allem seine Gottesfurcht machten ilm zum vorbildlichen Führer einer jüdischen Gemeinschaft. Der Name des Verstorbenen ist mit der Geschichte unseres Verbandes lind insbesondere auch mit der unseres neuen Tempels unauslöschlich verbunden, ln seinem Sinne am Aufstieg des Israelitischen Tempel-Verbandesweiter zu arbeiten, empfinden wir als heiliges Vermächtnis. Vorstand und Rabbiner des' Israelitischen ' Tempel-Verbandes Hamburg, den IS. Dezember 'lull Oberstraße 120 ‘ — Künstlerhilfe der jüdischen Gemeinde Konzert r Mittwoch, dem 27. Dezember, abends i Leitung: Dr. Misch, i nt P r o g r a ui nt : Klavierwerkc von Beethoven (Mondscheinsoiiatc) und Chopin (F-moll-Phantasie), Madrigalchöre alter Meister, Duette von Mendelssohn, Jüdische Volkslieder usw. Karten zum Preise von U,25, U,5U und 1,— t/t.tl, sind zu haben: Wirtschaftshilfe der Jüdischen Gemeinde, Oranienburger Straße 31 (D 2 Weidendamm 5131); Jüdische Ocmcindc, Rosenstraße 2/4 (Hauswart): Synagoge Kaiserstraße 29, llt (Kastellan); Synagoge Johannisstraße 16 (Büro); „Hiiliuc und Brettl“, Joadumstfialer Str. 13 (J 1 Bismarck 6979); Synagoge Priiizregcntcnstralie 69/70 (Kastellan). Singakademie, Sonntag. 7. Januar, 8 Uhr II. Konzert, Neues Streichquartett Mitwirkend: Generalmusikdirektor Josef RosenTtock- Karten zum Preise von 0,75 bis 2,50 'JUi ’im” Vorverkauf Wertheiin, Leipziger Platz; Kadewe, Wittenbcrgplatz; Riedel, Uhlandstraße 38; Weil, Schlüterstrallc 37, Telefon: J I Bismarck 3508; Meyer, Mommsenstraße 57, Telefon: J I Bismarck 1881, und an der Abendkasse. Hehat&gc&ucße |f|| f||f||A »pr meinen1 Sohn, Tschechoslow., 29 Jahre-, 1111 alltllc -groß, schlank, mit Existenz in Prag, passende verm. Frau. Zuschriften v. Verwandten unter „Derzeit Berlin“ erbeten an die"Geschäftsstelle der „Jüdisch-liberalen Zeitung“, Berlin-Charlottenburg 4. KclratsgesDdi " — Seriöser Kaufmann, Anfang dreißig, 'sucht Heirat mit sympathischer junger Dame aus gutem Hause. Mitgift erwünscht. Zuschriften, die streng diskret behandelt werden, unter O 75t an die Geschäftsstelle der Jüdischliberalen Zeitung, Berlin-Charlottenburg 4. 21 783923

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