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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-12-15 · 34 (15.12.1933) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
34 (15.12.1933)
Date
1933-12-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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13. Jahrgang Nummer 34 3fiöif(l)'lU)etale Leitung Beilage 15. Dezember 1933 Die Lichte der Verheißung Von Hans Bloch, Hamburg Lebenskraft unserer. Gemeinschaft uns alle/eit voranleuditcu soll. Und üir, die ihr die gewaltige .Wacht und Bedeutung dieses Tages vergessen oder nkv gekannt habt, lernt-ihn schätzen und Heben. Vor allen Dingen aber lehrt unsere Jugend das Chanukah-Fest wahrhaft kennen. Lallt sie Mut und Kraft schöpfen aus den Heldentaten des Mattathia, des Juda und seiner Brüder, lilaubenstreue und Opferwilligkeit aus dem Märtyrertod des neunzigjährigen Lileasar, der Mutter und ihrer sieben Söhne, von denen uns die Makkabäergeschichte berichtet, damit auch die heutige lugend stark und fest sei; stark und fest, ihr. Judentum Jioch/uhalteu in unbeugsamem Bekenuerstolz, stark und fest, es zu schützen uml zu veetvidw gen,- ein unerschütterliches Bollwerk jüdischer Standhaftigkeit und jüdischen Gottvertrauens. Wirhaben — freuen wir uns darüber! — heute wieder eine Jugend, die zuruck will zu ' ihrem Judentum, die mit offenem Herzen kommt und tiefer eindringen möchtein die Religion der Väter. Geht ihr den Glauben, gebt ihr das jüdische Heim, nach dem sie sich sehnt. Der fruchtbare Boden ist da. Streut die Gottessaat ans, niul unser Judentum wird reiche.Früchte aus ihr ernten! Stnöct - ^hanutlah nicht'mi verlassen. Da, in Hier höchsten Not schickte tiott ihnen einen. Keller. Der löwcnstarkc Jiula Mak- - kabi, der ans einer frommen l'ricsterfamilie stammte, kämpfte mit - ein paar tapferen Streitern gegen den tausendfach überlegenen Feind und besiegte ihn. (iäii/ besonders gefiel, der kleinen Rutil das Wunder des Ölkrfiglciiis. Mitten im tobenden Kriege reinigte Juda Makkabi den heiligen Tempel iii Jerusalem von den Götzenbildern und zündete den Leuchter an. Das Oel im Krug, das sonst mir einen Tag reichte, hielt den Leuchter,, o Wunder, acht Tage hell. „Seitdem“, schloß die Lehrerin, „feiern wir alljährlich . im Glanze des achtarmigen Leuchters das Chumikkahfest.“ Mit diesen Worten zeigte sie den kleinen Mädchen einen ganz besonders schönen silberglänzenden -Leuchter, eine ganz kostbare kleine Menorah. Ruth stutzte. Daheim, bei ihren Eltern gab es doch auch so einen Leuchter, der brannte aber nie. Er stand wie ein gewöhnliches Zierstück unter anderen Silberkrügen und Bechern. Ja, bei Baumanns kannte man schon lange keine jüdischen Feste mehr. Papa hatte seine Geschäfte" und Mama ihre Teeabende. Jüdische.Feste, ja, gab es .die überhaupt noch? Die kleine Ruth bekam plötzlich Sehnsucht danach. Kaum war sie zuhause ' angelangt, begann sie emsig zu suchen. Richtig, da stand er, der Leuchter. Abends stellte sie ihn auf den Tisch und zündete das erste Lichtlein an, diis sie auch, aufgestöbert hatte.' Dann sang sie, erst zaghaft, dann beherzter: Moaus “zur jcstiiuolli... . _ Leise waren Vater und Mutter zugleich näher getreten. Sie sagten nichts, ihr Kind war ihnen nicht fremd dabei, nein es war ihnen ganz, vertraut. Sie I stimmten mit ein in die "schöne unvergängliche — Chanukkahmclodie imd — Klein-Ruth braucht seitdem kein jüdisches Fest mehr zu missen. iiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiim Kunstschaffen von Juden Praktische Hinweise für produktive Känstlerhilfe Von Professor Dr. Arnold Abderhalden Der Feiertag ging über die Welt, aber die Menschen merkten es nicht. Ihre Seelen waren taub für den Ruf, den ihnen der Verkünder des Feiertages, ein schlichter Leuchter, entgegenrief. Sie brauchten den gleißenden Flitter, den eitlen Tand rauschender Feste, um Festtage zu feiern. Das Wesen und die edle Weihe jüdischer Feiertage mit ihrer stillen, prunklosen Einfachheit konnten die ihrer Religion völlig Entfremdeten nicht einmal ahnend begreifen. Das war das Chanukah der letzten Jahrzehnte, das Chanukah einer Zelt religiösen Niederganges. Menschen, denen religiöses Verständnis und Empfinden mangelte, denen religiöse Erziehung und familiäre Tradition fremd waren oder die diese Dinge als vermeintlich unnützen Ballast über Bord geworfen hatten, sie freilich wüßten mit dem einfachen Leuchter, dem Chanukah-Svmbol, nichts zu beginnen, weil sie den Geist des Festes nicht verstanden. Wieviel bittere Wahrheit liegt in diesen Worten! Wie groß ist die Bedeutung des' Chanukah-Festes, und wie viele jüdische Menschen gehen achtlos an diesem Fest vorüber! Wie arm sind diese Menschen, denen solcher Feiertag nichts zu geben vermag, — brauchen wir, ihn doch heute nötiger denn je. Es mag nun auch anders geworden sein. So mancher, der seinem Judentum innerlich längst den Rücken gekehrt hatte und heute den Rückweg zum Väterglauben sucht, wird , in diesem Jahr, vielleicht zum ersten Mal, sinnend vor den Chanukah-Lichten stehen, und sie werden ihm den Weg weisen, wenn sie also zu ihm sprechen: . „Eine dreifache Aufgabe hat Gott uns, den Chanukah- Lichten, gegeben. Wir sind die Lichte der Erinnerung, der Verheißung und der-Ermahnung. Erinnern sollen wir an jene große Zeit, .da-Gott die Juden aus tiefster Not errettete und sein Volk durch die Großtat der Makkabäer vor dem Untergang bewahrte/ Wie Gott den Kindern Israel Prüfung* um Prüfung auferlegte, wie er sie aber auch in Zeiten schwerster Bedrängnis nie verließ, so wird er auch .euch weiter schützen und den Tag herbeiführen, an dem alle Menschen seine Macht erkennen, seinem Willen sich beugen und sich zu dem Aufbau seines Reiches zusammenschließen. Vertieft euch in die Gotteslehre und befolgt ihre Gebote! Wie wir Chanukah- Lichte Tag für Tag mehr Licht verbreiten, so wird euch die Thora heller und hdler strahlen. Erleuchten wird sie euch den Pfad, auf dem ihr wandelt, und euer Leben wird gesegnet sein.“ Wir sehen die Lichte der'Erinnerung, und unsere Gedanken wandern zurück in jene Zeit, da unermeßliche Feindesmacht unser Judentum mit restloser Vernichtung bedrohte und doch in höchster Not die göttliche Hilfe nicht ausblieb. Wir blicken über die Geschichte unserer Religionsgemeinschaft hinweg: dte ägyptische Fron; Zerstörung des Tempels; babylonisches Exil; Bedrückung durch Antiochus Epiphanes, den Syrerkönig, von dem Juda der Makkabäer uns befreite; Zerstörung des zweiten Tempels; die Judenverfolgungen des Mittelalters -r5 überall das.gleiche Bild: immer bedrängt und immer bedrückt* immer gehaßt und immer verfolgt,, war das Judentum wieder und wieder dem Untergang nah. Doch jedes Mal hielt der Ewige seine Hand schützend über Israel und rettete es vor dem Verderben. So werden uns die Lichte der Erinnerung zu Lichten der Verheißung. Auch heute wieder lastet die Sorge um das Schicksal unseres Judentums schwer auf uns, und manches Mal glauben wir, ohnmächtig verzweifeln zu müssen. Und dennoch stehen wir fest, denn wir wissen es, und die Chanukah-Lichte, die Lichte der Verheißung, rufen es uns wieder zu, wir sollen und müssen nicht verzagen; nicht schlummert und nicht schläft der Hüter Israels. Er, unser Gott, der Gott unserer .vier, steht uns bei und wird uns helfen, wie er den Vätern immer und immer geholfen hat. Doch treue Pflichterfüllung ist Voraussetzung für die .göttliche Hilfe. Nicht umsonst heißt es in dem Gebet, das wir tagtäglich sprechen und das unserem Herzen unauslöschlich eiugegraben sein soll: „Hütet euch,, daß euer Herz nicht betört werde und ihr von mir abweicht. Denn dann würde der Zorn des Ewigen gegen euch entbrennen.“ Deshalb dürfen wir nicht vergessen, daß die Lichte der Verheißung auch Lichte der Ermahnung sind, Träger einer Mahnung, die gerade heute nicht eindringlich genug in die Seele eines jeden Juden geschrieben werden kann; fordern sie doch von uns, auch in schwerstem Leid und bitterster Not die heilige Lehre in Ehren zu halten, die der Ewige uns gegeben, für die unsere Väter gestritten und geblutet haben’ „in jenen Tagen zu dieser Zeit“, und für diese Lehre zu wirken und zu. kämpfen mit mit unserem ganzen Herzen, unserer ganzen Seele und unserer ganzen Kraft! Mari zählt zwar Chanukah zu den kleineren Feiertagen; aber der. Geist, ,der dieses Fest durchweht, erfüllt es mit Größe und unschätzbarer Bedeutung für unsere Glaubensgemeinschaft. Er läßt es mit Purim zu einem unserer größten Feste treten, zu Pessach, und läßt es mit ihnen einen Kreis schließen der Feste, die erinnern an die Errettung des Judentums: aus der Gefahr völliger Vernichtung. Zeigt uns das Pessaehfest die Befreiung Israels durch die göttliche Allmacht, die einen Mose berief und Wunder wirkte, versinnbildlicht Purim die Hilfe durch das Verantwortungsgefühl der Einzelpersöniiehkeit, das sich in .den Gestalten Mordechais und Esthers ausprägt, So erkennen wir in der, Geschichte des Chanukah-Festes die schützende und rettende Kraft, die dem Judentum aus Einigkeit und Gemeinschaftssinn erwächst. Und darin wiederum liegt eine Mahnung des Chanukah-Festes au uns, in dieser Zeit ernster Sorgen die innere' Zerrissenheit zu überwinden. ‘ Chanukah, so recht verstanden, könnte ein Segen für das Judentum sein. Ihr, die ihr das Chanukah-Fest kennt und liebt, haltet in Treue an ihm fest, an diesem Festtag, der als Symbol jüdischer Religionstreue, Opferbereitschaft und unzerstörbarer Festlied unserer Kleinen ■ (Nach der Chanukkali-Mcbidic zu singen.) Kinder, heut' ist Chanukkah, Und ihr seht acht Lichtlein da. Und ihr denkt dabei zurück, An Makkabi^ Heldenstück. Der für seineif Glauben stritt’ Als ganz Juda furchtbar darum litt Tapfer war Die kleine-'Schar, Nun unvergessen immerdar. Und als er gesieget hatt’ Reinigt er die Tempelstatt’ Zündete den Leuchter an, Es geschah’ das Wunder dann: .War ums Tröpfchen Oel ihm bang. Doch es langte acht Tage lang Drum Kinderlein, ' ' Groß und Klein, Laßt.uns heut recht fröhlich sein! E. /.. Klein-Ruths Ctjanukkatj Von El ly Ludwig Wie gebannt hingen die Augen der kleinen Ruth Baümann an den Lippen der jungen Religionslehrerin, die die Chanukkahgeschichte erzählte. Ja, die Juden mußten bitter leiden, als der grausame König Antiochus sie einst zurrt Heidentum zwingen wollte. Wie viele starben, um ihren Gottesglauben Nicht von „jüdischem Kunstschaffen“ soll hier die Rede sein — das würde in das sehr problematische Gebiet jener Frage führen, ob es überhaupt eine jüdische Kunst gibt, was -ihr Wesen äusmacht und welche Voraussetzungen diejenigen zu erfüllen haben, die jüdische Kunstwerke schaffen . wollen. — Gegenüber diesem akademischen Thema soll hier eine sehr praktische, sehr aktuelle Frage besprochen werden: das Kunstschaffen jener Juden, die durch die Umwälzung dieses Jahres aus dem allgemeinen Kunstlcben ausgeschlossen wurden. Und zwar sei hier zunächst nur von den darstellenden Künstlern, von Musikern, Sängern, Schauspielern und Rezitatoren die Rede; mit einigen Abwandlungen lätit sich das hier zu Sagende auch auf die Autoren und bildenden Künstler anwenden. ' fiberall lesen wir heute von neu entstehenden Künstlerkollektiven, hier von einem Trio, dort von einem Quartett, anderswo von einer Schauspielergruppe und so fort. Es wäre eine sehr seichte Betrachtungsweise, wollte man diese Erscheinung lediglich unter dem Gesichtspunkt der Lehensnotdurft ansehen, von der diese Künstler betroffen worden sind. Künstler „wird“ man nicht, wie man einen profanen Beruf ergreift, um Geld zu verdienen; sondern mail bildet die vorhandene Kunstanlage aus, um seine innere begnadete Natur darzulcbeu, wodurch dann bei einigem Glück auch das mafmelle Lehen seine Sicherung erfährt. Und kamen nun Ereignisse, die dem Künstler seine Schaffensmöglichkeit rauhen, so ist es wiederum zunächst und zuerst die künstlerische! Berufung, "die nach .neuen Bctntigungsinüglichkcit sucht, wodurch dann freilich wiederum auch die Existenzfrage ihre Lösung erfährt. Die neue Regsamkeit, die sich unter den jüdischen Künstlern bemerkbar macht, und die liebevolle Bereitwilligkeit, mit der das jüdische Publikum diesen Bestrebungen ciitgegenkommt — das alles hat, über den sozialen Gesichtspunkt hinaus, seine tiefe Bedeutung.. Es zeigt, wie sehr die deutschen Juden, trotz allem, was man ihnen nach- ■sagt, und trotz altem, was Niederdrückendes sie erfuhren, mit ihrem inneren Sinn auf das Geistige gerichtet blichen. Und zwar keineswegs mir auf das Geistige schlechthin. SIEGESGOTTEB SUMATRA-SANDBL- SPEZIALMARKE AUSGEZEICHNETER Verfangen Sie kostenlose ndui Zusendung der illustrieren Weihnachts- Preisliste QUALITÄT £ enthaltend die aroBe Aus- ZLJ “ umi -- GRANDEZA SUMATRA-AUSLESE-SORTIMENTE ' - Sorgfältigst ausgewählte, qualitativ hervorragende. Sorten verschiedener Grössen und Formate IN KISTEN. 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