Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 34 (15.12.1933)
- Date
- 1933-12-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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\ •' Meiisi-hluil gcwordci!. Die Erzählungen und die Lehren unserer, jüdischen Bibel durchströmen und erfüllen die ganze Menschheit.* Das von Juda gerettete .sinaitische Zelmwörf'ist die Grundlage unseres Kechislebens“; die Lehre der Propheten und die Verkündungder Psalmen sind anerkannte Herren all unserer Zivilisation; Philosophie, mag eine ihrer Quellen auch in Hellas zu suchen sein, ist doch ohne Anknüpfung an den Geist der Bibel undenkbar; die Reiche der Kunst und Literatur werden von der Bibel beherrscht, tmd es ist nicht nötig,- hier nur die Namen der GrolS.cn, Michelangelo, Reinbrandt, Goethe (im ,;Paust“) zu nennen, alle Schaffenden jedes Ranges in 'jedem.' Laude 'sind von der Bibel inspiriert. So ungeheuer groll ist diese-Tatsache und ist■ die Wahrheit dieser . Tatsache, dall es wohl nur dieser ihrer Grolle z.u/uschrcibeu ist, wenn sie von vielen nicht gesehen .wird. Denn es ist dem gewöhnlichen Menscheuauge nicht möglich, das Grolle mit einem Blicke zu umfassen, das Auge gewahrt meistens nur die Einzelheiten und muß sie mühsam summieren. In diesen Tagen aber wird der Blick auf solche Einzeldinge hinge.lenkt, die uns den ungeheuren Zusammenhang des Ganzen symbolhaft erschließen: ein kleines Licht ist es: das bringt auch den anderen Kerzen Licht. Israel ist der Diener am Leuchter der Menschheit, und mag vielfach im Diener der Knecht .verachtet werden, so bleibt es doch unumstößliche geschichtliche Wahrheit, daß im Gange der Menschheit ein Volk nach dem andern am Lichte Israels sein eigenes Licht entzündet hat, und dieser Wert unseres "Seins kann'uns durch keine Verkennung und durch keine äußere Macht genommen werden. Das. ist Chanukkah. Das ist der Sinn der Kerzen, "die wir in-jüdischen Häusern entzünden; in diesem Jahre auch in Häusern* in denen sie’ bisher nicht strahlten. Wenn heute an einer anderen Stelle unseres Blaftes auf die Verkehrtheit hingewiesen wird, daß viele Juden sich für berechtigt-hielten, das christliche Weihnachtsfest zu feiern, so glauben wir hier dargetan zu haben, daß weit eher Christentum und Islam Recht und AnlafT hätten, das jüdische Chanukkah zu begehen, denn ohne das diesem Fest zugrunde liegende Ereignis würden sie nicht existieren. Es wird lange dauern, bis diese Wahrheit sich Bahn bricht, aber ' unter uns Juden soll sie leben. Wenn man in ünsern Häusern die Menorah entzündet, so wird ein allbe¬ Palästina - Übersee - Ausland Mlt1900 U^\ZÜGrE ,cil 1900 Möbelspeicher auch durchheizte Kabinen Carl Deyke Nachf., Berlin 0 17 Weichsel04241T3 kanntes Lied nach einer wahrhaft hymnischen Melodie angestimmt. Abtr die traditionell lebenden Juden fügen noch einige Verse hinzu über die Bedeutung „dieser Lichte“. Der sephardische Ritus, der hiervon dem deutschen glücklich abweicht, hat an den Schluß dieses kurzen Spruches ein Prophetenwort gesetzt, das, viele Jahrhunderte vor der Einsetzung des Chanukkahfestes geprägt, Sinn und Bedeutung dieses unseres Festes und all unseres jüdischen Seins, darum auch die wahre Bedeutung „dieser Lichte“ mit letzter und erhebendster Konsequenz ausspricht: „Damit alle Völker erfahren, daß der Ewige Gott ist, keiner sonst!“ Wer, wie wir es oben versuchten, den Ablauf der menschlichen Kulturgeschichte an sich vorüberrollen läßt, dem wird dieses Prophetenwort nicht hohl und leer klingen, wie eine unreligiöse Zeit vor uns alle derartigen Worte empfand. Nein, wir haben gesellen: unsere gesamte Kultur ist eingetan in die Wirkung des Geistes, der von Israel ausging. Die Kette dieser Wirkung aber wäre abgerissen ohne Juda- Makkabis rettende Tat. Nun reicht sie fort, und niemand kann uns vorwerfen, es wäre zuviel gesagt gewesen, wenn wir behaupteten, daß dies die Kette ist, die unsere ganze Erdenmenschheit an den Himmel knüpft. Noch einmal, ihr Juden alle und besonders ihr, die ihr wieder Jpden werden wollt: das istChanukkah! Die beiden Adler Angesichts der engen Beziehungen zwischen Deutschland und Italien, die sich auch auf geistige Fragen erstrecken, muli eine literarische Neuerscheinung gewisses Aufsehen erregen, die u. a. auch an die Judenfrage rührt. Zwar gibt es, worüber wir in der letzten Zeit hier mehrfach berichteten, in Italien keinen Antisemitismus, aber es scheint' doch, als wäre man auch dort nicht überall einem Gedanken vom „latei-. nischen Blut“ und sogar vom „lateinischen Ahnherrn“ abhold. Als Vorkämpfer des arischen Rassegedankens tritt seit einiger Zeit mehr als bisher der einer Patrizierfainilie nordisch-normannischen Ursprungs entstammende Römer Baron Evola (Evola, abgeleitet von Hevelar) hervor. Sein Hauptwerk ist’ unter dem Titel „Heidnischer Imperialismus“ soeben auch deutsch (im Armannen-Verlag in Leipzig) erschienen. Wie Hermann Wirtli _ (beeinflußt von Nietzsche, Bachofen und Frobenius) -tritt er für- Rückkehr zur nordisch,heidnischen Tradition ein, fiir Wiederkehr „der Macht eines neuen Mittelalters und eines Aufstands von barbarischer Reinheit“. Dieser gegen den Semitismüs, die Kirche und das -Christentum gericlilele „gibcllinische Extremismus“ im Rahmen der faschistischen Bewegung spielt heute noch eine geringe Rolle in Italien; aber es wäre immerhin möglich, dal! auch eine bisher noch unbeachtete Richtung sich allmählich einen größeren Kreis gewinnt. Deshalb wäre es gut, daß auch die Juden das Evolasche System vom „solaren“. Herrentum und von den „göttlichen Herrschern“ wenigstens dem Namen nach kenneniernen. Baron Evola predigt einen „magischen Idealismus"; da er selbst, wie oben angeführt, seine Familie auf normannischen Ursprung zurückführt, so sieht er die deutsch-italienische Verständigung im Bilde eines-„Alythos von den beiden Adlern“, das ist die geeinte, römisch-germanische Welt. Interessant ist die Tatsache, daß nach Evolas Lehre der römischgermanische Idealismus sich gegen den „Semitismus“ in Verhüllungen jeder Art richten soll, und daß er unter die Verhüllungen des Semitismus u. a. das Luthertum rechnet. Gerade- Luther gilt als Prototyp des Deutschtums, und auch wir deutschen Juden sehen ihn so, weil er mit seiner Bibelübersetzung der Schöpfer der neuen deutschen Sprache und, falls dieser Superlativ gestattet i§t, einer der deutsche^ sten Männer ist. Der Italiener Evola aber, der -als Sprecher des Germanentums auftritt, sieht .in Luther geradezu einen Repräsentanten des Semitismus und macht gegen das Luthertum den leidenschaftlichen literarischen Ausfall: „Die Reformation ist der große Sturz der nordischen Menschheit . . . das Sichüberschlagen ins Negative und Semitische jener Kraft,: die den Kampf des Kaisertums gegen das römische' Joch beseelt hat.“ Es steht uns Juden nicht zu, zu diesen Fragen Stellung zu nehmen, doch sind die. Thesen Evolas. wichtig genug, um auch in einem jüdischen Blatt registriert zu werden. Handwerk und Mittelstand Handwerk und Mittelstand“ war das Motto, unter dem sich der Jüdische Handwerkerverein und der Reiehsverband des Jüdisclteh— Mittelstandes zu einer großen gemeinsamen Kundgebung zusammengefunden hatten. - Nach einleitendem Chorgesang des gemischten Chors der Liberalen Synagoge Osten unter Leitung des, Chordirigenten Herrn Marlin Epstein begrüßte der Präsident des Reichsverbandes des Jüdischen- Mittelstandes, Herr Wilhelm Marcus, die Erschienenen und wies darauf hin, daß sich mit'dem Zusammenschluß des Handwerkervereins und des Reichsverbandes des Jüdischen Mittelstandes ein jahrelanger Wunsch erfüllt habe. Besondere Begrüßungsworte richtete Herr Marcus noch an das Mitglied des Gemeindevorstaudes Herrn Moritz Rosenthal, er erwähnte dabei das segensreiche Wirken,'das dieOrganisatiou in gemeinsamer Arbeit mit der Gemeindcentfaltet habe. Noch harren des Verbandes große Aufgaben, die zu lösen wir bestrebt sein müssen. Wir haben die felsenfeste Hoffnung, daß uns bei beharrlicher Arbeit die wirtschaftliche Wiedereinordnung gelingen wird; wir Juden sind mit der deutschen Wirtschaft auf Gedeih und Verderb verbunden, und wir werden alles tun, um mitzüarbeiteh zum 'Wohl des deutschen Judentums und deutschen Vaterlandes. e Als nächster Redner sprach der Vertreter des •Gemeindevorstandes, Herr Moritz Rosehlhal, der der Organisation die tatkräftigste Unterstützung der Gemeinde zusagte und ebenso auch aufforderte, am Wohl der-Gemeinde mitzuarbeiten, denn: „Das Wohl der Gemeinde ist das Wohl des Mittelstandes, und wir alle wissen nur allzu gut, daß fast alle Großen in Israel aus "dem Handwerk hervorgegangen sind.“ Der Vertreter des Handwerkervereins, Herr Louis Wolff, beleuchtete in längeren Ausführungen die. wirtschaftliche Entwicklung der deutschen Judenheit und legte dar, wie das jüdische Handwerk jahrzehntelang gegen den Kastengeist gekämpft habe. Den Ruf „Zurück zum Handwerk“ wollte man früher vielfach nicht hören; in letzter Zeit aber, unter dem Eindruck der äußeren Ereignisse, sucht man ihm, fast kann gesagt werden: in erschreckendem Maße Folge zu leisten. Es ist unsere tiefe Tragik, daß ein Teil der deutschen Juden die Voraussetzungen zur Erlernung -des Handwerks niemals erkannt hat. Nichts tut uns nötiger, als endlich zu erkennen, daß-es der Charakter ist, der den Menschen macht. Es geht heute darum, Menschen, die durch die Umwälzungen aus ihren Berufen gedrängt worden sind, Arbeit zu schaffen, und wir wollen daran au. führender Stelle mitarbeiten. Sodann sprach Herr Martin Kallmann, Präsidialmitglied des Reichsverbandes des Jüdischen Mittelstandes; er hob besonders hervor, "daß die Umschichtungsgefahr für den Mittelstand ungeheuer groß sei. In seinem Schlußwort appellierte unser Freund Wilhelm Marcus noch einmal an die -Anwesenden, Geduld aufzubringen und abzuwarten, wie die Dinge sich entwickeln werden. Das Bestreben, den Kreis des Mittelstandes zu erweitern, ist stark. Der Mittelstand wird sich vergrößern! " -Is— Eretqnh&e Oberpräsident Ktibc über nationalsozialistische Staatsauffassung Auf einer im Herrenhaus zu Berlin abgehaltenen kommiinalpolitischen Kundgebung hielt Oberpräsident Kube einen Vortrag über „Nationalsozialistische Staatsauftassung“, in dem er den Staat als den „organisierten Willen der Nation" definierte, „sich selbst nach ihren eigenen sittlichen oder rasseihnßigen Gesetzen zu behaupten".u; 2uni" Schluß seines Vortrages erklärte Oherpräsident Kube, die deutsche Geschichte müsse in die Hirne und Herzen hineiiigesciirieben werden und so die Grundlage jeder Staatsauffassung bilden. Der schlimmste Feind Deutschlands seien nicht die Juden oder die Franzosen oder die Polen, sondern die deutsche Zwietracht. Die nationalsozialistische Staatsauffassung' sei die Lehre voii der Unsterblichkeit.der deutschen Nation. Gegen Verwendung christlicher Symbole für jüdische Firmen Der „V.ossischen Zeitung" wird aus Stettin berichtet: Die Kreisamtsleitung der NS'-Hago in Stettin veröffentlicht eine Bekanntmachung, wonach im Hinblick auf die Einstellung weiter Bevölkerungskreise zum bevorstehenden Weihnachtstest alle nichtchristlichen Firmen ersucht werden, bei Dekorationen .und Geschäftsreklanie die Verwendung von christlichen Symbolen und Kultgegenständen, z. B. Krippen, Kreuzen, Adventssternen, Darstellungen biblischer Figuren, Engel mit Sprüchen usw. zu unterlassen. Dasselbe gilt auch für den Verkauf dieser Gegenstände. Dieses Ersuchen gilt weiter auch für die Konfirmation und für Ostern, also auch für den .Vertrieb von Gesangbüchern. Triptyks für jüdische Autobesitzer Durch das Ausscheiden der jüdischen Mitglieder aus dem ADAC ist für diese insofern ein Vakuum entstanden, als sie bisher Auslandsreisen auf Grund der Triptyks und Carnets unternehmen konnten, die vom ADAC ausgefertigt waren. Diesem Mangel abzuhelfen, hat sieh nunmehr mit dem Sitz in Glei\vij£ eine Triptyk e. G. m. b. H. gebildet, die es sieh zur Aufgabe macht, Triptyks und Carnets denjenigen Autobesitzern, die sie brauchen, zur Verfügung zu stellen. Die Bedingungen werden denen des ADAC angepaßt sein, und auch die sonstigen Leistungen werden in ihrem Umfange denen, wie sie die Autobesitzer bisher auf Grund ihrer-Mitgliedschaft heim ADAC zur Verfügung hatten, kaum nachstehen. Das Büro befindet sich in Gleiwitz, Bahnhofstr. H>. „Gellt nicht in jüdische Geschäfte! dann werden sie von selber schließen“ Aus Anlaß der ersten Generalversammlung des Gesamtverbandes Deutscher Handwerker, Kaufleute und Gewerbetreibender in der deutschen Arbeitsfront, Auitsleituug Liegnitz, hielt der Krcisleitor der NSDAP., Klieber, eine Rede, in der er u.t a. erklärte, es werde gar nicht daran gedacht, die Warenhäuser tmd die jüdischen Geschäfte zu schließen. „Das deutsche Volk", .fügte Kreisleiter Klieber unter stürmischem Beifall hinzu", hat es ja selbst in der Hand, seine diesbezüglichen Wünsche durchzusetzcu. Allen denen, welchen die Entwicklung zu langsam geht, sage ich: Geht doch nicht in diese Geschäfte, daun werden sie von selber schließen!" Vermögenseinziehung Der „Reichsanzeiger" gibt in seiner Nummer Vom 1. Dezember bekannt, daß das Geheime Staatspolizeiamt die Einziehung von Guthaben und Sachwerten .einer Anzahl von Einzelpersonen und ehemaligen- Verbänden zugunsten des preußischen Staates auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen über die Einziehung staats- und volksfeindlichen ‘Vermögens verfügt hat. Unter den Betroffenen befinden sich der Schriftsteller Emil Ludwig,, der ehemalige Ministerialdirektor Hermann Badt tmd der ehemalige Chefredakteur Leopold Schwarzschild. ‘ Aus den Gemeinden Berlin. (S tu d en t e-n-• G ot t es dienst zu Chan ukl;all.) Oie Jüdische Studentenseelsorge gibt bekannt, daß am Dienstag, 19. Dezember, um 7 Uhr abends in der Woclicntagssynagoge Oranienburger Straße 30 ein Chanukkab- Goitesdieust für Studenten stattfindet, zu dessen . Besuch'die jüdischen Studenten der Berliner Hochschulen treimdliclist eingeladen sind. - - Dresden. (Aus d e r J u g e n d a r b e i t.) Die Dresd e n e r Ortsgruppe des D e u t s c h - J ii d i s e b e n Jugendkreises, bekanntlich eip Kind des C.V. und des. R.j.F., feierte ihr einjähriges Bestehen mit einem recht gelungenen Fest in Gegenwart zahlreicher Eltern der Mitglieder und Freunde des Bundes. Handelt .es sich auch an 'Jahren" noch um keine jubiläumszalil, so hat doch gerade dieses erste schwere Jalm in einer Zeit grundlegender Veränderungen und neuer Aufbauarbeit seine Bedeutung, und sie wurde in diesem Abend voll Harmonie und engster Verbundenheit zum Ausdruck gebracht. Gleichzeitig trat der bisherige verdienstvolle Führer Joe de Haas,-dem fiir seine hingehende Arbeit gedankt wurde, zurück, tim' einem jüngeren Kameraden Heinz Jacob Platz zu machen. Mit 17 Mann begann die Gruppe, jetzt zählt sie einige 80 Jungens und Mädels im Alter von 12 bis 18 Jahren. Offizielle Ansprachen wurden gehalten von .Rabbiner Dr. Wolf, Rad. Apt, R.-Anw. Wienskoxeitz und Norbert Wol/beiin als Berliner Delegierten. Dann folgten recht lustige Darbietungen, Bilder von der Arbeit, Szenen, ein Chanukkahspiel und Tänze, dadurch wertvoll, daß Text und Einstudie-' rung ausschließlich das Werk der Jugend war. Man darf hoffen, daß die Störungen, welche iiinerjüdisch die Arbeit des Bundes bedrohen, in kurzem behoben sind, ohne erst zur Auswirkung zu gelangen. Landsberg (Warthe). (Sitzung der beiden Körperschaften der S y ii a g o g e n g e m e i n d e.) In einer gemeinsamen Sitzung des Vorstandes und der Repräsentanten der Synagogengemeinde wurde zunächst der neugewählte Vorsteiier'Fabrikbesitzer Artur Heimann eingeführt. Der Rendant Lricii Cohn berichtete über die Einziehung der Steuern. Die Einkommen sind durch die bekannten ungünstigen Verhältnisse, die sich weiter erheblich verschlechtert haben, in ungeahnter Weise zurückgegangen. Auch die Anzahl der Steuerzahler hat sich durch Fortzug und Auswanderung sehr vermindert. Ebenso hat die Vermietung der Svnagogenstände noch nicht die Hälfte des im Voranschlag eingesetzten Betrages erbracht, so daß die Finanzlage der Sviiagogengemeinde eine geradezu katastrophale sei. Schließlich bewilligte die Versammlung die Mittel zum Aushau eines Luftschutzkellers nach den behördlichen Vorschriften. Es sollen Kosten-- anschläge .eingeholt werden. Da die Gemeinde infolge ihrer ungünstigen finanziellen Verhältnisse nicht in der Lage ist, genügend Minjanleute zu bezahlen, sollen his auf weiteres nur an den Montagen und Donnerstagen Frühgottesdienste abgehalteu werden. „ Plauen. (Um die S t e u e. r e r li ö ii u u g!) Hier Tand eine erneute Geineinderatssitzuiig statt, die sich mit der in der letzten Sitzung unterbrochenen Etatberatung beschäftigte. Die Gemeiiideratsmitglieder haben sich in der-Zwischenzeit davon überzeugt, daß die geforderte Erhöhung des Steuerzuschlages nicht auf den Bau der Synagoge ztirückzufiihren ist, sondern darauf, daß'einesteils eine erhebliche Anzahl steuerkräftiger Mitglieder fortgezogen ist, und andererseits das Steuer-Soll der verbleibenden Gemeindeinitglieder gegen das Vorjahr um 50e'o gesunken ist. Gegeii eine Stimme wurde beschlossen, aut die Einkommensteuer 1932 einen Zuschlag von 35»/o als Gemeindesteuer 1933 zu erheben.