Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 31 (5.12.1933)
- Date
- 1933-12-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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t liier eine Verwechslung und unzulässige Gleichsetzung von Judentum mit hebräischer Kultur vorliegt. Warum hat keine andere Religion dergleichen nötig? Warum kann mau ein guter Christ und zugleich ein guter Amerikaner, Franzose oder Deutscher sein und sollte guter Jude nur sein können bei völliger Beschränkung auf eine, einzige Volkskultur? Die Kinder beilage der „Jüdischen- Rundschau“, die einen ausgezeichneten Anschauungsunterricht erteilt, bringt eine Zuschrift aus einer Jugendgruppe, in der die drei Stufen jüdischer Entwicklung durch drei Bilder gekennzeichnet werden. Das erste Bild zeige das Ghetto, daneben werde ein Tempel und nebendran eine Kirche dargestellt, dazu ein assimilierter europäischer Jude und darüber ein Schild: „Judentum ist Religion.“ Das dritte Bild aber zeige einen Chaluz mit einem Pferd, und das sei Palästina! Ist es wirklich erforderlich, erst näher zu kommentieren, wieso in solchen Anschauungen die niedrigste, kleinste und engste Auffassung vom Judentum sich manifestiert? Reichsinnenminister Dr. Frick über das Rassenproblem Her „Illustrierte Beobachter“ veröffentlicht ein Gespräch mit dem Keichsiimenminister I)r. Frick über das Rassenproblem, in dem sich der Minister u. a. auch zu den Maßnahmen Regen die Juden in Deutschland äußert. Reichsinnenminister Dr. Frick erklärte: . . „Jedes Volk schafft seine Kultur auf Grund seines rassisch bedingten Erbgutes. Die rassische Zusammensetzung des Juden weicht aber von der des Deutschen weitgehend ab. Folglich .mußte eiiie Einflußnahmen des Judentums auf die deutsche Weltanschauung und Sitte zerstörend wirken. Die Beispiele, die wii (u den letzten Jahren auf dein Gebiete •des Theaters, der Kunst, der Literatur usw. erlebt haben, sind warnende Zeugen des zersetzenden jüdischen Einflusses. Doch am schwersten für unser Volk tragbar war die jüdische politische Führung, die ja letzten Endes wieder nur eine Folge des allgemeinen Einflusses des Judentums war. Man geht wohl nicht fehl, wenn man sagt, schon vor dem Kriege und im Kriege war der jüdische Einfluß über das Parlament und zum Teil aucli über Fürstenhöfe auf die deutschen Regierungen so groß, dal» wir diesen Einwirkungen viele Fehler zuschreiben müssen, die \on unseren Regierungen gemacht worden sind, aber nach der Revolte von 1918 wurde die jüdische Herrschaft so offen ausgeüht, daß Deutschblütige von der Mitbestimmung über Deutschlands Schicksal fast ausgeschlossen waren. Da kam es denn so weit, wie es kommen mußte: Deutschland ging wirtschaftlich, kulturell und in seinem völkischen Bestand zugrunde.'Es war an den Rand des Abgrundes, des Bolschewismus gebracht. Der Nationalsozialismus unter Führung Adolf Hitlers hat das große Verdienst, diese Entwicklung' aufgehalten und ins Gegenteil gewandelt zu haben. Darum waren unsere Maßnahmen gegen das Judentum berechtigt als Abwehrkampf für das Leben der Nation. Sie sollen unser Volk wieder frei machen und damit den Weg bahnen fürun- gehemmte Entfaltung des wertvollen deutschen Erbgutes, das im deutschen Volke noch vorhanden ist. Auf diesem Wege können wir uns auch nicht beirren lassen, wenn andere Volker uns nicht verstehen, weil kein Volk der Welt so schwer um sein Dasein zu ringen hat wie das deutsche!“ ‘ Zulassung für Krankenkassenärzte nicht rückwirkend Die vom Reichsarheitsminister vor kurzem verfügte Zulassutigssperrc zur Krankenkassenpraxis für nichtarisehe oder mit Nichtarieriimeu verheiratete Ärzte in Städten über 100 000 Einwohner hat nicht rückwirkende Kraft. Die bereits erfolgten Zulassungen werden durch die Verordnung nicht berührt. Dagegen gilt die Zulassungssperre für die Zukunft ohne jede Ausnahme, sodaß hier zum ersten Mal das dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums entlehnte Prinzip einer Sonderstellung der jüdischen Frontkämpfer durchbrochen wird, v ' Dein Büro des Vereins Deutscher; Zeitungsverleger wird von unterrichteter Seite mitgeteilt, mit der neuen Vorschrift *sei beabsichtigt, das auf dem Gebiet der Zulassung nichtarischer Ärzte in den Großstädten noch immer bestehende Mißverhältnis iu beseitigen. So seien z. B. in Berlin noch Jede Erläuterung könnte nur abschwächen. Die deutschen Juden sollen zurücklenken zum Geiste des Judentums, mit ihm sich füllen, in ihm sich festigen. Dieser Geist des Judentums ist — daran hat Dr. Bruno, Weil.m seiner vorhin erwähnten Rede mit vortrefflichen Worten erinnert — in seinen letzten Grundauffassungen und Konsequenzen identisch mit dem Geist des Humanismus; dieser Geist hat die Herzen unserer Väter zu ihrem sieghaften Freihcitskanrpf entflammt. Er allein vermag auch uns zuerst in die geistige und dann in die bürgerliche Freiheit.zu führen, denn in ihm fand eine ungeknechtete jüdische Generation dasjenige, was unmöglich ein entjudetes Judentum gewesen sein kann, weil es das größere Judentum war und ist. Verlieren wir dies aus dem Auge —das ist die neue Gefahr — so werden wir unsern deutschen Paß endgültig verlieren, jedoch mit jüdischem Paß und jüdischer Flagge vielleicht eine hebräische Kultur, niemals aber den Geist dis Judentums unser eigen nennen. etwa ü0"-i aller zur Kassenpraxis zugelassenen Ärzte Nichtarier, während „an sich der normale Anteil der Nichtarier vielleicht bei einer Grenze von 5°.« liegen sollte“. Ob im Hinblick auf die für nichtarische Frontkämpfer usw. schon getroffene Ausnahmeregelung dieses zahlenmäßige Mißverhältnis überhaupt irgendeinen Ausgleich ermögliche, darüber' könne zur Zeit noch nichts gesagt werden. Diejenigen Nichtarier, die nach den einschlägigen Bestimmungen an sich berechtigt wären, zugelassen zu werden, hätten jetzt noch die Möglichkeit, sich au die kleineren Plätze zu wenden, wo das Mißverhältnis nicht so groß sei. Zu diesen Mitteilungen bemerkt die „Frankfurter Zek tung“, daß sich die Verhältnisse' bei denjenigen nichtarischen Ärzten, die nach den geltenden Bestimmungen zur Kassen-' praxis zugelassen bleiben, verschieden gestaltet haben. Zum Teil habe sich eine Entwicklung aiigebahnt, bei der nichtarische Ärzte trotz der Zulassung zum Beruf praktisch in ihrer Betätigungsuiöglichkeit in einem außerordentlich starken Umfange lahmgelegt sind. Mitteilungen darüber kämen vor. allem aus dein Kreise der Fach- und Spezialärzte (oder z. B. auch von nichtarischen Leitern von. Laboratorien), soweit sie auf eine Zusammenarbeit mit Krankenhäusern, mit arischen Kollegen usw. angewiesen sind, weil solcher Zusammenarbeit vielfach die berufsstäudischen Anordnungen entgegenstehen. Nur Arier als Heilpraktiker zugelassen - .Auf der ersten Landestagung der NS-Fachschaft der bayerischen Heilpraktiker und des Landesverbands Bayern im Reichsbund deutscher Heilpraktiker teilte der Kommissar der •ärztlichen Spitzenverbände Dr.' Wagner mit, daß in den letzten Wochen ein Heilpraktikergesetz ausgearbeitet worden sei. In Zukunft werden neben den Ärzten unter gewissen Voraussetzungen auch Heilpraktiker staatlich zugelassen werden. Nur Volksgenossen arischer Abkunft dürfen nach diesem Gesetz Heilpraxis ausüben. Reichsarbeitsgericht zur Frage i der fristlosen Entlassung jüdischer Angestellter Wie in den „Reichsgerichtsbriefen“ mitgeteilt wird, hat ein arischer Unternehmer einen leitenden jüdischen Angestellten fristlos entlassen, weil der gegen sein Geschäft durchgcführte Boykott offensichtlich nur wegen der Person des ortsbekaiir.ten nichtarischen Angestellten erfolgt sei. Die Weiterbeschäftigung eines wegen seines Judentums unmöglich gewordenen Angestellten — so führte der Arbeitgeber zur Begründung an — auf die Gefahr hin, erhebliche Veriuögeusverluste zu erleiden und alles Prestige zu verlieren, könne einem arischen Unternehmer nicht zugemulet werden. Der fristlos entlassene Angestellte berief sich auf Billigkeitsgrundsälze und verlangte die Einhaltung seines bis Ende 1930 laufenden schriftlichen Vertrags. Das Landesarbeitsgericht Frankfurt a.O. verurteilte den Arbeitgeber zur Einhaltung des Vertrages. Es führte aus, daß die von der Gesetzgebung und öffentlichen Meinung anerkannte Tendenz zur Zurückdränguug des Judentums dem Arbeitgeber an sich einen wichtigen Grund zur fristlosen Entlassung von Juden liefern könne. Indessen müsse der einzelne Fall immer dahin geprüft werden, ob dem Arbeitgeber die Vertragsfortsetzung unter den veränderten Zeitverhältnissen zuzumuten sei1 oder nicht, so daß nicht in ausnahmsloser Allgemeinheit gesägt werden könne, daß jüdische Angestellte aus leitender Stellung fristlos entfernt werden dürften. Im. gegebenen Falle hätte der Arbeitgeber einen Niedergang des unter jüdischer Leitung stehenden Geschäfts nicht befürchten müssen. Hinzu komme, daß eine Wiederholung des Boykotts kaum anzunehmen sei und daß die Kundschaft sieh auch nicht am Judentum des Angestellten stoße, dem übrigens, als bewährtem Kriegsteilnehmer die persönliche Achtung nicht zu versagen sei. . Nunmehr hat das Reichsarbeitsgericht zu dem Fall im gleichen Sinne Stellung genommen. Aus der Begründung ist von grundsätzlichem Interesse: Vom Rcchtsstandpunkt aus ist die Frage des zur fristlosen Entlassung berechtigenden Grundes .immer nach den Umständen des Einz'elfalles zu beurteilen. Dazu gehört allerdings auch der Umstand, daß ein Angestellter nichtarischer Ahstammung ist. Alles das hat aber das LAG zusammen mit den übrigen Tatsachen gewürdigt, so daß seine abschließende Annahme der ^Hangelnden Berechtigung zur fristlosen Entlassung rechtlich jedenfalls nicht beanstandet werden kann. (RAG. 22U 33. — 2S. Oktober 33.) Erneuerungsbewegung der jüdischen Deutschen und Reichsvertretung Eine offizielle Erklärung Die Leitung der' „Erneuerungsbewegung der jüdischen Deutschen“ gibt zum Bericht über die letzte Berlmer Repräsentantenversammlung (vgl. die heutige Beilage) folgendes bekannt: Die Behauptung des Herrn Dr. Moses, unsere Bewegung habe sich die Bekämpfung der Reichsvertretung zum Ziele gemacht, entspricht nicht den Tatsachen. Die Erneuerungs-. Be\\egung soll dem jüdischen Deutschen in seinem Deutschtum und in seinem Judentum neue Kraft geben und ihm das geistige und seelische Heimatrecht in seinem deutschen Vaterlande neu erkämpfen. Sie soll die geistige Entscheidung jedes einzelnen Juden in Deutschland erzwingen und die Lebenshaltung der jüdischen Deutschen heu formen. Sie will die jüdische Gemeinschaft in Deutschland erneuern, indem sie ihre Glieder erneuert. Die Erneuerungs-Bewegung will der Zersplitterung der deutsch-jüdischen Organisationen ein Ende bereiten und die in zahlreichen Vereinen organisierten und die große Zahl der organisationslosen deutschbewußten und deutschfühlenden Juden in einer einheitlichen Bewegung zusamtnenfassen und in der Frage der deutschen Gesinnung in den einzelnen Verbänden stärken. Man hat den Satz in unserem Gründungsaufruf, der den Kampf um eine zwiespaltfreie Führung in Gemeinde, Gemeindeverbänden und Reichsvertretung fordert, dahin gedeutet, daß wir gegen diese Gremien als solche kämpfen. Das ist völlig abwegig. Wir wollen auch in den jüdischen Vertretungskörpern die deutschbewußten Mitglieder stärken und in ihrer Arbeit unterstützen. Wir erwarten von diesen Organisationen, daß sie sich mit aller Entschiedenheit dafür einsetzen, daß neben der Schaffung und Sicherung der Existenzgrundlage in unserer deutschen Heimat eine glückliche Zukunft in Ehren und Würde für freie jüdische Deutsche in ihrem .deutschen Vatcrlande wiedererkämpft wird. . Berlin. (Vakanz am Krankenhaus.) In der neurologischen Poliklinik des-Krankenhauses der Jüdischen Gemeinde (Prof. Schuster) kann ein. Volontärassistent Beschäftigung finden. Meldungen an die Direktion des .Krankenhauses, Berlin N 65, Exerzierstraße 11a. Auslands-Chronik Bukarest. (Überfälle d e r * „E i s e rn e n Garde** in Piatra-NcamtZi) In Piatra-Neamtz überfielen Codreanu-Studenleu jüdische Kaufleute und verletzten mehrere von ihnen Die Polizei nahm viele Verhaftungen vor. Saloniki. (Verstärkte J u d e n a u s w a n d e r u n g nach Frankreich — eine Folge der eingeschränkten Palästina-Ein w a n d e ru n g.) Die vom Colonial Office und dein High Commissioner von Palästina angekündigten Maßnahmen gegen jüdische Einwanderung nach Palästina haben zu einem starken Rückgang der in letzter Zeit erhöhten Auswanderung von Juden aus Saloniki nach Palästina geführt. Dagegen hat die Emigrationsbe\vegutig nach Frankreich, die 1928 und 1930 sehr bedeutend war, wieder eingesetzt, in einer ciuzigen Woche haben sich'etwa 30 Familien in Saloniki nach Marseille eingeschifft. Angesichts der drückenden Wirtschaftsnot und Arbeitslosigkeit ist mit dem Anhalten der Auswanderungsbewegung zu rechnen. dba& 3* 3ynagQQenßoH$ert in öfrtQ&Cau Ein Symbol der Justitia ist die Binde vor den. Augen. Heute aber drückt die Justitia der Kunstkritik in Deutschland fast immer ein Auge zu, manchmal sogar beide. Man erkennt das auch in den Besprechungen jüdischer Konzerte; ihre Kritiker glauben, daß ‘sie unter allen Umständen Gnade vor Recht gehen lassen müßten, und verkennen dadurch die Notwendigkeit, mit ungeschminkter Kritik die gute Sache gerade dort zu fördern, wo die Organisation der jüdischen Kulturinteressen noch in den Anfängen steckt, wie z. B. in Breslau. Das jüdische Publikum ist an die allgemeinen Opern- und Konzertaufführuiigen gewöhnt und wird daher auch bei -den jüdischen Veranstaltungen Befriedigung nur in hochwertigen Darbietungen finden können; sie sind auch eine Hauptbediugung für den materiellen Erfolg. Er wurde dem 3. Konzert ,iri der llreslatter Setten Synagoge zuteil; denn das schöne Haus war stark besucht. Das kam der Unterstützungstdcasse für. jüdische Künstler ebenso zugute wie der launischen »fjvkusti.k, aber in künstlerischer Hinsicht .blieb mancher Wunsch tunerfüllt. r w f Der erst vo~ kurzem entstandene „jüdische Kanunerchor“ j klingt noch unedel.; namentlich die Soprane haben einen grellen : und zuweilen unreinen Klang. Werner Sander, der für die : Auswahl und Heranbildung der Stimmen die Verantwortung; trägt, erwies sich als sehr partiturkundig und dirigiertechnisch I sehr gut informiert. Einen viel besseren Eindruck machte das | „jüdische Kammerorchester“, ebenfalls eine s.ehr junge Schöpi fung. Das. kleine Cembalo wirkte als ^kurzatmiger Mitläufer i bei Handels Orgelkonzert in F-dur freilich wie eine Karikatur; I der es bedienende Herr hatte daran keine Schuld. Die Sopra-; nistin Lotte Schlcßkow sang mit oft mühsamen, unreinen und resonanzarmen Töneii. Durch eine bessere Aufführung hätte; der Mangel an polychromen Reizen in A. Kellermanns hebräischem Psalm Nr. 1 IS Vielleicht verdeckt werden können. Der j rühmlichst bekannte Baritoiiist Hermann ScJtey erfreute die Hörer durch runde, edle Kantilenen und „schonen Ton'*. (Er stammt aus der Töpferstadt Bunzlau; dort kennt man den „schönen Toii“). Der Organist Erich Schaff rt dessen Manualtechnik nicht immer flüssig genug ist, sorgte durch feine Registrierung für aparte, farbige Wirklingen. Dr. P. R. 1^oten6onntags^on$ext der (faextittex HunbtCexftUfe Das Konzert, das die Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde am Totensonntag veranstaltete, wies wiederum ein auserlesenes Programm auf. An den Anfang war diesmal ein Duett aus Handels Oper „Rodelinde“ gestellt, das durch Lva Orirnann, Fritz Lechncr und Salvador Lcy am Flügel eine durchaus stilgerechte Wiedergabe erfuhr. Eva Ortmanu, die sich später in Schubert- und Brahins-Liedem vernehmen ließ, besitzt eine tragfähige Stimme mit Mezzosoprancharakter, ln der Höhe könnte das Organ noch an Leichtigkeit gewinnen; indes gelingt auch dort manches sehr schön. In darstellerischer Hinsicht überzeugte ganz besonders die Steigerung in Brahms’ „Der Tag ging regenschwer“. — Salvador Ley, der die gesamte Begleitung des Abends übernommen hatte, zeigte als Solist in Schumanns C-dur-Toccata eine sichere Beherrschung der technischen Schwierigkeiten; in dem als Zugabe gespielten A-moll-Walzer von Chopin berührten manche Züge in der Auffassung etwas eigenwillig; nach dem.Gesamteiiidruck des Abends liegt der musikantischen Grundnatur des Künstlers mehr die formale Geschlossenheit klassischer und Vorklassischer Musik oder auch das Konstruktive . in Brahmsscher Spätkunst. Die Geigerin Charlotte Rosen ist von ähnlicher Müsizierfreude erfüllt, und so kam denn ein Allegro von Fiocco zu einer prächtigen Wiedergabe, ebenso Mozarts Es-dur-Sonate, die durch das straffe Tempo nur an Abrundung gewann; Beethovens F-dur-Romanze dagegen könnte man sich noch inniger denken. Das Konzert fand seine Krönung in den „Ernsten Gesängen“ von Brahms, einem Werk, das in seiner Altersweisheit, seiner so späten und reifen Lebensschau auch über die Generationen hinweg ergreift. ~Man kann Fritz Lechner wohl nichts besseres sagen, als daß er, gut unterstützt durch Salvador Ley, dem Werk zu einer wahrhaft würdigen Wiedergabe yerholfen hat, gleich erfreulich im Stimmlichen wie in der Gestaltung. Die Hörerschaft dankte durch reichen Beifall; doch ließ der Besuch wiederum zu wünschen übrig. Wir möchten nochmals alle Freunde, guter Musik dringend auf diese Konzerte hinweisen! ■Stvti exfoCgxeiefte WexaMbtaCtungett in Wlannfieim Inden letzten Tagen waren hier zwei bemerkenswerfe künstlerische Veranstaltungen zu verzeichnen. Die eine dankte man dem „Liederkranzder für seinen ersten, stark besuchten Vortragsabend Meinhart Mattr(Berlin) verpflichtet hatte. Der Künstler, der von 1.910— 191S;dem Mannheimer Nationaltheater angehörte, erntete mit seinen' Vorträgen, die u. a. Heines „Prinzessin Sabbath“ und eine Szene aus Zweigs ,Jjeremias“ brachten, derartigen Beifall und Aiiklang, daß der Vortragsabend am nächsten Tag wiederholt werden mußte. — Hervorhebenswert auch ein Literarischer Abend, der Martin Buber und Becr-Hofmann von der C.V.- Jugenü gewidmet war. Einer Würdigung von beider Schaffen und Persönlichkeit durch Kantor Hugo Adler folgte eine auf bemerkenswertem Niveau stehende Aufführung der Schluß- Szene aus Beer-Hofmanns „Jaakobs Traum“. Der nachhaltige Eindruck, den sie machte, war vor allem dem Jaakob der ungewöhnlich talentierten Ruth Heilbrunn zu danken, die in ihrer inneren Erfülltheit faszinierte. Nächst ihr wären der charakteristische Samael Siegfried Rosenbergers sowie als gute Sprecher Erilz Goldschmidt, Albert Eischel, Kurt Stern und Fred Salomon im Rahmen , des wirkungsvollen Bühnenbildes von »S. Kaiz hervorzuheben. Der Erfolg war derart stürmisch, daß die Aufführung am 3. Dezember wiederholt wurde.; —t.—n. . &yna.<jQ%anfcoH$<ixt in Hextte i. 90. Als rin gutes Zeichen belebenden Gemeinschaftsgefühls kann es angesehen werden, daß der Hinladung des wieder sehr tätigen Jüdischen Jugendbundes zu einem Synagogenkonzert am 14. November in erfreulichem Maße Folge geleistet wurde. Der erste Vorsitzende Erich Schiff mann zeich-