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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-12-01 · 30 (1.12.1933) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
30 (1.12.1933)
Date
1933-12-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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HuiturspieceC „Jud Süß“ Eine Uraufführung in Breslau uyen (inner, der durch „Michael Himdcrtpfum!" und „Meier Hehnbrecht" hier schon bekannt gewordene süddeutsche Dramatiker, gibt in dem „J u d S ii II“ betitelten „deutschen Volksstück aus der Zeit des Absolutismus“ einen Ausschnitt aus der Geschichte süddeutscher Hof- und Slaatsaktiohen im IS. Jahrhundert. Hauff und Feuchtwanger haben denselben Stoff episch behandelt, mit der „dichterischen Freiheit“, von der fast alle Roman- und Dramendichter auch bei der Verwertung historischen Materials Gebrauch machen. Ortner-schließt sich so eng an die Hauffsche Novelle an, dall ihm bei der Stoffgestaltung nicht viel Bewegungsfreiheit für eigene Erfindung bleibt. Der allmächtige Finan/rat des württembergischen Herzogs Karl Alexander, Joseph SiilJ-Oppenheimer, wird uns als selbstsüchtiger Ränkeschmied, Mammonsdiener und'Volkserpresser in seinem Hochmut vor dem Fall, in seinem Glück vor dem Ende am Galgen, vorgeführt. Rückschlüsse auf antisemitische Absichten werden dabei schon deshalb hinfällig, weil ja die Weltgeschichte auch eine reichhaltige Galerie arischer Verbrecher von politischer Machtfülle aufweist. Ich erinnere nur an Catilina, Nero, Ludwig XI. von Frankreich, Cesare Borgia, Richard III. von England, Philipp II. von. Spanien und Rasputin. Ortncrs drastische Zeitspiegelung' ist ein hand- und standfestes Volksstück, aber keine Dichtung im höheren Sinne; denn seine Menschen sind meist nur Klischees, nur Vertreter von Thesen und Tendenzen, und die Fäden, die er von der Vergangenheit zur Gegenwart hinüberwirft, haben eine zu theatralisch unbedenkliche Deutlichkeit. Aber das Publikum der Deutschen Bühne im Breslauer Lobetheater hielt sich während des Spiels von Kundgebungen des „aktiven Zuschauers" vornehm zurück. ’ . Dr. />. R. Wlti&iftaßend in ffteißutg Mach dem erfolgreichen Vorbild des. großen Berliner „Kulturbundes“ beginnen allerorten sich Kräfte zu regen, die in ähnlichem Sinne, mit* Berücksichtigung.der jeweiligen örtlichen Verhältnisse, eine Selbsthilfe jüdischer Künstler anstreben. So haben sich in Freiburg i. B. einige jüdische Musiker (Freya Wolfsbruck, Gaby Gros, Dr. Heinz Edelstein, Dr. Erich Katz) zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, die Mitte November erstmalig mit einem Konzert in der Freiburger Synagoge an die Öffentlichkeit trat. Dem Programm, das von eindrucksvollen Vorträgen des Freiburger israelitischen Chorvereins unter Leitung von Herrn Oberkantor Ziegler umrahmt wurde, schickte Dr. Katz einige in die Musik einführende Worte voraus, mit dem Grundgedanken: unser Ziel kann und soll nicht die Rückkehr in ein geistiges Ghetto sein, wohl aber eine Selbstbesinnung auf die Werte, die wir als deutsche Juden geschaffen haben und schaffen können. .Einer interessanten Arie mit Variationen des bedeutenden Barock-Komponisten Salomonc Rossi folgten mehrere Werke zeitgenössischer Musik: Klavierstücke von Castelnuovo-Tedesco (Choral su melodie hebraiehe) und Ravel (Jeux d’eau) sowie eine Reihe Lieder von Gustav Mahler; der zweite Teil des Abends brachte dann Mendelssohns Konzertante Variationen für Cello und Klavier und seine Arie „höre Israel!“ aus Elias. Die von feinstem Verstehen erfüllte Gesangskunst von' Freya Wolfsbruck, die ebenso virtuose wie im Ausdruck reife Pianistik von Gaby Gros, das ausgezeichnete Cellospiel von Dr. Edelstein und die vorzüglichen Leistungen des Chores, der in selbstloser Weise sich in den Dienst der Sache stellte, fanden bei dem sehr zahlreichen, teilweise auch aus der Umgebung Freiburgs herbeigekommenen Hörerkreise größten Anklang. Im Laufe des Winters werden weitere Musikabende in Freiburg und in anderen süddeutschen Gemeinden (Konstanz u. a.) folgen. —c—. dfrißelaßettd IWeinÄavt Wlaux Einen Bibelrezitationsabend veranstaltete der C.-V. mit Meinhart Mnur vom deutschen Theater, der eine Reihe der herrlichsten ßibelstellen vorlas. Ich habe den Künstler in letzter Zeit verschiedene Male aus der Bibel vorlesen hören und finde, daß er immer noch wächst, daß sein prächtiges Organ und seine Vortragskunst mit der Größe seiner Aufgabe und seines Objektes immer reifer und größer wurde. Wundervoll sprach er auch das sephardische Hebräisch, das aus seinem Munde wirklich wie eine Art „Orgel“ menschlicher Linguistik tönte. Die Bubersche Bibelübersetzung, die Maur wählte, hat gewiß auch ihre Schönheiten, ist aber nicht frei von seltsam störenden Snobismen und ungewohnten Gesuchtheiten. Die Luthersche Verdeutschung steht uns allen wohl doch näher. Ob es nötig war, zu Beginn des Rezitationsabends die Urteile berühmter Dichter und Denker über die Bibel zu Gehör zu bringen, bleibe dahingestellt. Als z. B. das Urteil Renans verlesen wurde, die Bibel sei eins der herr-«^ lichsten Bücher aller Völker und Zeiten, murmelte jemand' neben mir: „Der merkt aber auch alles!“ Reicher Beifall lohnte Meinhart Maur für den schönen und eindrucksvollen Abend. /„. D. Bußtagskonzert der Berliner Künstlerhilfe Die Künstlerhilfe der Berliner Jüdischen Gemeinde veranstaltete am Bußtag ein Konzert, dessen Programm, abgesehen von dem etwas zu großen Umfang, vorbildlich zusammengestellt war. Man hörte mir wertvolle Werke, deren Verständnis durch die Abwechslung in der Reihenfolge der Ausführenden erleichtert wurde. Rosa Ethin, die Pianistin des Abends, hatte sich mit der C-dur-Sonate von Brahms eine gewaltige Aufgabe gestellt; fehlte der Darstellung auch vielleicht die. letzte Wucht und Geschlossenheit, die dieses so männliche Werk verlangt, so konnte man doch hier schon die feine Anschlagskünst und reife Technik der Künstlerin bewundern, Eigenschaften, die dann in den Chopinstücken noch gesteigert zur Geltung gelangten und zu einem ungetrübten Genuii verhalten. Besonders die Variations brillantes kamen mit Ällerorderitlicher Virtuosität und echt Chopinschef Brillanz heraus. — Im übrigen bewährte sich Rosa Etkin den ganzen Abend hindurch als meisterhafte Begleiterin. Max Raymcrs Bariton neigt ein wenig zum Vibrieren und zu einer gewissen Sprödigkeit, hat aber einen vornehmen Klang; vornehm, ist'auch die Gestaltungsart des Künstlers, bisweilen nur zu stark zurückhaltend, was sich namentlich bei. Hugo' Wolf geltend machte; ein auswendiger Vortrag würde der Lebendigkeit der Darstellung unbedingt zugutekommen. Eine reine Freude war es, Max Mansfeld zuzuhören, dessen schöner und tragfähiger Tenor sich durch besondere Weichheit auszeichnet; nur in der Höhe wäre mitunter noch ein kleiner Ausgleich zu wünschen. Neben der Biegsamkeit - der Stimme steht eine solche des Ausdrucks,.die sich in Liedern aus Schumanns Dichterliebe ebenso bewährte wie in Arien. Die melodischen Linien wurden mit untrüglicher Musikalität und Beseelung nachgezeichnet. Einen besonders tiefen Eindruck hinterließ „Ich hab’ im Traum geweinet“, doch wurden auch die Oratorienarien außerordentlich stilvoll wiedergegeben; mau sollte bei etwaigen Oratorienaufführungen auf diesen Säuger zurückgreifen! Die schöne Veranstaltung fand starken Beifall; leider zeigte indes der Saal noch große Lücken. Die Konzerte der Künstlerhilfe sind eines" besseren Interesses wahrlich wert! r. Berichtigung In dem Artikel „Ein Abend in der Toynbeehalle“ (siehe Nr. 27 der „J.-l. Z.‘‘ vom 21. November) mußte der Name der Pianistin laufen Beate Gold st ei n -Gumpertz. Kunstnadiriditen James Rothstein, der vor kurzem die freie Umarbeitung einer Schubertschen Klavier-Sonate zu einem Klavierkonzert mit Orchester fertigstellte, hat soeben ein Violinkonzert mit Orchester vollendet. Freunde schöngeistiger Musik geben das zweite Konzert am 2. Dezember, 8,15 Uhr abends, bei Blach, Flotowstraße 8 (Bahnhof Tiergarten). Im ersten Teil ein Vortrag: Die „Entwich 1 u n g“ der hebräischen Musik mit musikalischen Beispielen von Joe Glaß; im zweiten Teil Chaconne von Bach für Solo-Violine, Senta Pinette. Karten: Abendkasse 75 Pf. und Vorverkauf Karl Giesen, NW 21, Oldenburger Straße 49, III; Blach, Flotowstraße 8; Pinette, Halensee, Kronprinzendamm 6. „Das Kunst-Werk“, eine Aktion jüdischer Künsterhi.fe Im Einvernehmen mit dem „Kulturbund Deutscher luden“ und unter Mitwirkung bedeutender Organisationen hat Dr. Herbert Loewensteih, Berlin SO 16, Köpenickerstr. 76,; unter der Bezeichnung „Das Kunst-Werk“ ein Unternehmen begründet, das gleichzeitig eine Aktion jüdischer Künstlerhilfe darstellen soll. Als ideelles Ziel hat sich das Unternehmen die Aufgabe gesetzt, im Rahmen der jüdischen Schicksals- " Gemeinschaft bildende Künstler und Kunstfreunde einander näherzubringen. Zunächst soll eine Reihe charakteristischer Kunstpostkarten herausgebracht werden. Die erste, Anfang Dezember erscheinende Folge wird mit der Reproduktion eines der berühmten Gemälde Professor Max Liebermanns eröffnet, und enthält außerdem Wiedergaben von Werken Julie Wolfthorns, Eugen Spiros und Rahel Szalits. v Der .Initiator der Aktion ersucht jüdische Organisationen, Buch- und Kunsthändler, sich mit ihm in Verbindung zu setzen. tmpfeMenswecte ^Bezugsquellen BERLIN Vereinigte Werkstätten für Dekorations-, Polster-, Maleru. Tischler-Arbeiten Neu-Anfertlgung, Reparaturen Berlin W15 Xantenerstr, 22 (Bürgersteige) Hypothekengelder Finanzierung von Haasreparaturen ROBERT WOLPER& Kurförbtendamm 163 Telefon: J 7 Hochmeister 0565 Tempo—Tempo Moderne Schuh-Reparatur Babelsberger Str. 6 Heißmangel Benutzungsgebühr Std. 45 Pfg. — Wäsche schrankfertig .pro Pfd. 25 Pfg. Charlottenburg, Bleibtreustr. 1? Telefon J 1 Bismarck 2283 | Autoreparaturen fc J. Hobltz AntomobUschlosserxneister. Auto-Reparatur sömtl. Fabrikate. Auto-Reifen jeder Art stets am Lager. 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