Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 30 (1.12.1933)
- Date
- 1933-12-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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cB'Mej’ auo %'iioccnvbiptc^. Luxemburg, der kleine Pufferstaat, zwischen Deutschland, Belgien und Frankreich gelagert, hat in seiner Größe und seiner Einengung durch drei Staaten unendlich viel gemeinsam mit dem Heiligen Lande. Die! Zeit hat'es mit sich gebracht, daß Luxemburg als Durchgangsland von vielen deutschen Juden, die in ihrer Heimat keine Möglichkeiten mehr haben, besucht wird. Die meisten der vielen hundert deutschen Flüchtlinge jüdischen Glaubens, die in den letzten Monaten dieses Land besucht haben, waren nur kurze Zeit hier und sind nachher weitergewandert nach Frankreich oder Belgien. Die luxemburgische Regierung erteilt keine Arbeitsbewilligungen an Ausländer. Zahlreiche jüdische Familien aus Deutschland, die'über genügend Kapital verfügen, haben sich hier niedergelassen. Ein Hilfskomitee nimmt sich der jüdischen Flüchtlinge an. ln Altwies hat man eine Siedlerschule eingerichtet, in der junge jüdische Menschen für Palästina vorbereitet werden. . Die Juden in Luxemburg sind „jüngeren Datums.“ Das heißt: ein Großteil ist erst in den Jahren nach 1860 nach Luxemburg gekommen. In diesem Jahr fielen nämlich die letzten Schranken der Zurücksetzung in staatsbürgerlicher Hinsicht. Bis zu dieser Zeit mußten die wenigen in Luxemburg wohnenden jüdischen Familien außerhalb der Festung wohnen. Der Großteil der hier lebenden Juden sind geborene eingesessene Luxemburger. Ein Gutteil stammt aus Deutschland und ein anderer Teil aus Lothringen, In der Nachkriegszeit haben sich Juden aus dem Osten hier niedergelassen. Die Organisation der luxemburgischen Juden ist das Landeskonsistorium. Der Landesrabbiner Dr. Robert Serebrenik ist Staatsbeamter und hat neben der Hauptgemeinde Luxemburg, in der naturgemäß die meisten jüdischen Familien wohnen, auch die Landgemeinden zu betreuen. Man zählte bei den letzten statistischen Erhebungen 3000 Juden. Jüdische Gemeinden außerhalb Luxemburgs 'gibt es in Ettelbrück, Grevenmacher, Esch, Bad-Mondorf, Medernach. Daneben gibt es im Lande noch eine Reihe Orte, in denen sich jüdische Familien in kleiner Zahl befinden. Hiervon sind zu nennen Differdingen, Echternach, Remich, Bollendorf. Ober die Einrichtungen und Organisationen der luxemburgischen Juden ist folgendes zu sagen: Sie unterhalten in Luxemburg eine sehr schöne, aber bei weitem nicht mehr ausreichende Synagoge, an deren Erweiterung man seit Jahren denkt und die jetzt, nachdem in diesem Jahr neben dem Hauptgottesdienst vier Filialgottesdienste an den hohen Feiertagen stattfanden, vorgenommen werden muß. Unter diesen vier Gottesdiensten befand sich auch ein ostjüdischer. Der Landesrabbiner Dr. Serebrenik, der sich neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit in erster Linie auch der Unterrichtung der Jugend in jüdischen Dingen verpflichtet glaubt, hat es verstanden, in den kurzen Jahren seines Hierseins die jüdische Jugend stärker als früher für jüdische Fragen zu interessieren. Er versteht es auch, in den bestehenden Vereinen zeitgemäße jüdische Probleme zur Diskussion zu stellen. . ' Die Luxemburger Juden haben einen Landesfriedhof in der Landeshauptstadt. Hier werden alle in Luxemburg ster-, benden Juden beerdigt. Außerdem gibt es noch einen alten längst geschlossenen Friedhof, auf dem man Grabsteine feststellen kann, die aus dem Jahre 1S10 stammen. Vorher wurden die jüdischen Toten aus Luxemburg in den angrenzenden jüdischen Gemeinden Lothringens zur letzten Ruhe gebettet. .Wer sich über die Geschichte der hiesigen Juden vor 1S10 informieren will, der muß sich in die benachbarten ■lothringischen jüdischen Gemeinden begeben. Unter den Juden, die in der Oeffentlichkeit des Landes eine besondere Rolle im politischen und wirtschaftlichen Leben spielen, sind zu nennen der Kammerdeputierte Marcel Cohen und der Großkaufmann Edinond Marx. Innerjüdisch stehen die meisten luxemburger Juden auf liberalem Boden. Die Synagoge hat eine Orgel, und ein Chor verschönert den Gottesdienst. Die Predigten und das Gebet' für den Landesherrn werden in deutscher Sprache gehalten. Abschließend ist zu berichten, dal! das jüdische Leben in Luxemburg auch außerhalb der Zeiten der höhen Feiertage sehr rege ist und daß sich die dortigen Juden ihrer wichtigen Mittlerrolle bewußt sind. R. M. Keine Sonderbehandlung von Juden bei Auktionen Aus Aurirfi wird der J.T. A gemeldet: Gelegentlich der Abhaltung von Versteigerungen und Verpachtungen durch einen beeidigten ostfriesischen Auktionator ist es dadurch 741 Aus* * schreitungen gekommen, daß dieser Auktionator Aufträge von einer nichtarischcn Person angenommen hatte. IX*r stellvertretende Regierungspräsident in Aurich weist infolgedessen in einem Schreiben an die Ortspolizeibehörden seines Bezirks darauf hin, daß ein beeidigter Auktionator alle Aufträge, ganz gleich, ob sic von Ariern oder .Nichtariern kommen, auuehmen muß, es sei denn, daß es sich um einen unvollständigen oder nicht zweifelsfreien'Auftrag handle. Dies ergebe sieh einmal aus seiner Beamteneigenschaft, zum anderen aber auch aus dernur beschränkten Anzahl der zugelassenen amtliche« Auktionatoren, ferner aus den Vorschriften für die beeidigten Auktionatoren in Ostfriesland und Harlingerland sowie im Regierungsbezirk Osnabrück vom 10. Juli 1002. Ans den Gemeinden Berlin. (Der Ehrenpräsident der Chewra Kadischa gestorben.) Am vergangenen Sonntag wurde Eduard Wfcchnitz, der Ehrenpräsident der Chewra Kadischa, zur letzten Ruhe bestattet. Die Friedhofskommission der Jüdischen Gemeinde war unter Führung ihres Vorsitzenden Carl Fuchs erschienen. Hunderte von Mitgliedern der Chewra Kadischa mit ihrem ersten Vorsitzenden Siegbcrt Seckelsohu gäben dem Verstorbenen die letzte Ehre; der Raum vermochte die große Anzahl der Teilnehmer nicht zu fassen. Ein wehmutsvoller hebräischer Gesang des Oberkantors Magnus Davidsohnjeitete die Feier stimmungsvoll ein. Dann: nahm Rabbiner Dr. Link Abschied von seinem verewigten Mitarbeiter. Rabbiner Dr. Kober aus Köln zeichnete mit beredten Worten das Bild des nahen Verwandten, der erfüllt von jüdischem Wissen, in seinem Ehrenamte eine Familientradition ausübte, die ihm aus der oberschlesischeu Heimat überkommen war’ Neben zahlreichen prominenten Persönlichkeiten der Jüdischen Gemeinde sah man eine große Anzahl von Rabbinern in der Trauer* . Versammlung: Plauen i. V. (Neuer G e m e i 11 d e v o r s t a 11 d.). Ain 23. d. M. fand eine. Sitzung des Geiueiiideratcs statt. Dcrstellvertretende Vorsitzende gedachte vor Eintritt in die Tagesordnung des bisherigen l. Vorsitzenden Herrn Dr. Gotdborg, der vor seinem Weggang in eincut^sehr herzlichen Schreiben Abschied von Gemeinde, Ucmeinderat und Vorstandskollegcu genommen hatte und dessen große, in jahrzehntelanger ücmeindearbeit erworbenen Verdienste für immer hioi' unver- .gessen bleiben. Der seit 10 Jahren die Kassengeschäfte führende Herr .1. löwvuthal hat zu Jahresende sein Amt zurVerfüguug gestellt, da ihn sein hohes Alter an der .weiteren Fortführung des Amtes hindert. Der Vorsitzende weist auf die vorbildliche Amtsführung des Herrn Löwenthal Irin tmd meint, daß es schwer fallen wird, einen Ersatz.I zu finden. Aus "den sonstigen Eingängen interessiert ein Schreiben 'der Kreishauptmannschaft Zwickau, mit welchem die gegen das vom Plauener Stadtrat erlassene Badeverbot eingelegte Auf* sichtsbcschwerde^abgewieseii wird. Das Verbot ist ans sicherhcitspolizcilichen Gründen erlassen worden. Gegen diesem Entscheid ist Beschwerde beim Ministerium des Innern eingelegt worden. Durclifilas Ausscheiden des bisherigen 1. Vorsitzenden machte sich isat/ungsgemüß eine Neuwahl des Vorstandes nötig. Es wurde einstimmig zum 1. Vorsitzenden Herr" Jacob Goldmann und zum stclIvcrtretendeu-Vorsit/cndcn Herr' Adolf Langgut gewählt. Sodann wurde beschlossen, den gegenwärtigen Gctncimhrat bis 1)1. De/emher 10'Jt /« verlängern und Neuwahlen nicht vor/uuehmen. Ferner wurde dem Vorstand eine Ermächtigung erteilt, die es ihm gestattet, duch solche Sachen zu regeln, die zu anderen Zeiten der Beschlußfassung des CiemeiuderateiL. unterliegen. Schließlich legte der Vorstand den Etatsentwurf für 1031 vor-, der auf einem Steuer- Soll von RM. 03 DUO,— aufgebaut ist. »Gegen das Vorjahr stellt das Steuer-Soll eine Verminderung von mehr als'80 00(1 Reichsmark dar. Es ergibt sich daraus,'daß auch der Zuschlag zur Einkommensteuer erheblich erhöht werden muß, doch konnte sich der Gcmciudcrat noch nicht dazu entschließen, die geforderten ItKi zu bewilligen. Die Sitzung wurde nach Mitternacht auf eine Woche vertagt, und daun soll jilcr Etat— endgültig beraten, werden. Der Vorstand hat die Bildung eines Ausschusses für geistige Interessen veranlaßt, dem es obliegen soll, auch für Plauen einen Kulturbund ins Leben zu rufen. * (Aufnahmen in diese Rubrik kostentuv) . - 70. Geburtstag: Berlin N 24, Kleine Hamburger Straße 13 11. Sofie Seinvar/. 2. 12. 1033. ■ Weinhcim an der Bergstraße. Isaac Heil. 20.. II. 1033. KAUFT KUPFERHKUSER FÜR PALÄSTINA Hochwertigste boUenug Hygienisches Wohnen BESTE KAPITMSANLAGE Verlangen Sie unseren PaiSstina- Prespekt DEUTSCHE KUPFERH AUS-CESEUStHAFI " *- Berlin NW 7, Unter den Unden 65 M.KEMPINSKI fcCO. BERLIN W 8 sr? Krausenst r. 72 rawgA FasanenStr. 20 A 2 Flora 0029 V Hfr J 1 Bismarck 8300 WEINSTUBEN WEINE- KAFFEE STADTKÜCHE v _._ _;_. U nt er r I ch t ENGLISCH bei geborener Engländerin, Kurfürstendamm 50 (Ecke Schlüterstraße) - Tel. 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