Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 29 (28.11.1933)
- Date
- 1933-11-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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alte Begriffe, sie ändern sich, feststehender Glaube beginnt zu wanken. Nicht in der Dauer, in dem Vorüber, in dem Fremdlings- und in dem Beisaßdasein ist unser Wert, ja unsere Aufgabe beschlossen. Es ist ganz gleich, ob es uns angenehm ist oder nicht; ganz gleich, ob Glück schöner als Unglück,-nur in dem Vorüber liegt unser Gewinn, nur da die ■ Möglichkeit für uns zu reifen, die Gelegenheit da, das Leben in seiner Fülle zu ,umspännen, nur da die Möglichkeit, Kraft zu erproben, nur da der Boden, auf dem der „harmonische“ Mensch erwächst, nur da der Reiz, der Reichtum des Lebens. Wir brauchen nichts in diesem Punkte zu wünschen, es kommt von selbst, es war nie anders. Nichts in der Geschichte hatte -Dauer, nichts in der Wissenschaft, nichts in der Kunst •— alles, alles war zeitgebunden; alles, alles zwang den Menschen,sich tausendmal umzustellen, gleichzuschalten. ‘Wie wenig kennt der seine Fähigkeiten, wie wenig der dieses Menschenleben, der Tag für Tag dasselbe erlebte. Haben wir das aber erkannt, bekommt unser Leben ein völlig anderes Gepräge. Wir werden nicht Stoiker, die alles gleichmütig über sich ergehen lassen, wir werden nicht orthodox und sagen: Was Gott tut, das ist wohlgetan; wir jammern nicht 'und wir sind nicht erstaunt, wir empfangen alles, was auf uns zukommt, als Stoff, an dem wir uns zu bewähren haben. Es reizt uns, das Neue zu bewältigen, immer mehr, immer mehr möchten wir auf üns einstürmen sehen, um immer mehr, immer mehr bewältigen zu können. Was sind nun noch Einzelheiten, was noch die Gegenwart, was sind noch Gegner, was noch Begeisterung, die sich an Neues klammert, als wäre es von ewiger Dauer und nicht auch nur ein Fremdling und BcisaU'auf Erden! Unberührt zwar nicht, aber ungebrochen stehen wir daher unserer Zeit gegenüber. Wir sind gerüstet, denn wir kennen das ja; unberührt zwar nicht, aber doch frei, groß, erhaben, unabhängig, so daß wir uns unseren Blick nicht für das trüben lassen, was trotzdem am Leben schön ist. Nein, nein, wir hängen von ihnen nicht ab, von den Menschen der Dauer, der Einseitigkeit; das Gesetz unseres Handelns bestimmen wir und sind so froh und fröhlich dabei. Froh und fröhlich — sind wir erst so weit, dann haben wir das Tiefste der Religion erreicht. Doch nur der freilich wird dahin gelangen, der jenem jungen Menschen bei Wassermann gleicht. In seiner „Rede an die Jugend“, die er vor zwei Jahren in Bern, Zürich, Basel und Wien gehalten hat, erzählt er: „In einer Stadt kam ein junges, ärmlich . und leidend aussehendesj Mädchen zu mir, um mich sehr eindringlich, sehr streng über einen Widerspruch zur Rede zu stellen, den sie in einem meiner Bücher gefunden hatte und der sie seit langer Zeit quälte. Sie zog mich zur Rechenschaft, sie gab sich mit meinen Erklärungen nicht zufrieden. Sie stand als Richterin vor mir und verwarf mich. Darin lag nicht die Spur von Dünkel oder Oberhebung, nur die Unnachgiebigkeit der geistigen Forderung, nur der glühende Idealismus eines Menschen, der in allem verzichtet hat, außer in dem einen, wo es um seine innere Welt geht. Ich gestehe; daß mich selten etwas so erschüttert hat, denn ich sagte mir, wenn es dergleichen noch gibt, wenn in einer jungen. Seele solche Konflikte noch als lebenswichtig zur Entscheidung stehen, dann haben wir zum Verzweifeln keinen Anlaß. Immer und überall ist es der einzige, einzelne Menseh, der für seine Brüder und Schwestern zeugt und um dessentwi.llen Gott Sodom und Gomorrha verschont.“ So weit Wassermann. Brauche ich viel hinzuzufügen? Brauche ich noch viel von Aufgaben für unsere deutschjüdische Jugend zu reden? „Unnachgiebigkeit der geistigen Forderung — glühender Idealismus, der in allem verzichtet hat, außer in dem einen, wo es um seine innere Welt geht,“ das sind die Grundforderungen für eure Arbeit. Ja, geht nur hin und legt euch eine zweite Bibel an, eine Lebensbibel, möchte ich sagen. Und als Motto für sie wählt zwei Worte, die in einem jugendkreis heimisch sind: Lichte Stunden. Ja, in die Lebensbibel schreibt es hinein, wie ihr an dem Vorüber gewachsen seid, wie ihr immer und immer trotz allem und allem lichte Stunden zu erleben gewußt: lichte Stunden mit herrlichen Menschen, lichte Stunden mit herrlichen Büchern, lichte Stunden, da ihr den Menschen geholfen, lichte Stunden im Reiche der Kunst, lichte Stunden im Reich der Natur und ihrer unvergänglichen Schönheit, lichte Stunden, und dies nicht zuletzt, mit eurem herrlichen Judentum. Vor Jahren hat uns Richard Beer-Hoffmann mit „Jaakobs Traum“ entzückt und uns auf unser Judentum stolz gemacht. Jetzt, gerade jetzt spricht er wieder zu uns. „Der junge David“, so heißt sein Werk und wendet sich an eure junge Seele: „Wir sind erwählt. Bist Du’s? Nur solang Du zu tausend schweren Pflichten selbst Dich wählst, bereit, Dich hinzugeben, wenn es ruft, so lang bist Dü erwählt.“ Und weiterhin spricht er vom „Wort“, dem Worte unseres Gottes: 1 „Wort strahlte Euch und will nun allen leuchten. Flammt, lodert mit ihm . . . nicht kalt, nicht sicher seid, nicht weltzufrieden.- Bangt, ringt, laßt immer neu hinein Euch reißen in Gottes Braus, sein heilges Slurmeswelm.1' Gerichtliche Prüfung der „Protokolle der Weisen von Zion“ Der schweizerische israelitische Gemeindebund und die Israelitische Kullusgemeinde der Stadt Bern haben vor einiger Zeit gegen eine Reihe von Buchhändlern und Kolporteurenwegen Verbreitung der „Protokolle der Weisen von Zion", bekanntlich einer Fälschung zu antisemitischen Zwecken, Klage vor Gericht'erhoben. Das Gericht hatte daraufhin die :Bcschlagnahme der Schrift verfügt. Vor dem Berner Strafrichter wurde nunmehr der Prozeß gegen die Beklagten eröffnet. Der Gerichtsvorsitzende ordnete die Durchführung einer Expertise über die „Protokolle“ an, bei welcher jede Partei einen Vertreter und das Gericht den Präsidenten des Saclt- -verständigenkollegiums bestimmen soll. Die Beklagten stellten den'Antrag, daß der Präsident der Expertise ein Arier sein solle. Das Gericht lehnte dieses Begehren mit der Begründung ab, daß nicht Rassenzugehörigkeit, sondern wissenschaftliche Befähigung für die. Bestellung eines Sachverständigen ausschlaggebend sei.. . . “ Rigaer Erzbischof gegen Rassenhaß Der soeben in sein Amt eingeführte Erzbischof der Icltländischen Luther-Kirche, Professor Dr. Grünberg, erklärte Pressevertretern, er sei ein entschiedener Gegner von Rassenhaß. und werde für Zusammenarbeit aller Schichten der Bevölkerung wirken; er zähle Juden zu seinen besten Freunden. Nichtarier aus dem Deutschen Anwaltverein ausgeschlossen Der Deutsche Anwaltverein hat seinen nichtarischen Mitgliedern die Mitgliedschaft mit sofortiger Wirkung gekündigt. Die Grundlage für dieses Vorgehen sieht er in einer Satzungsänderung, die auf dem Anwaltstag, der gelegentlich der Juristenversammlung in Leipzig stattfand, beschlossen wurde. Anerkennung j'üdischer Sportverbände Der Reichssportführer v. Tschammer-Osten hat die Sportgruppe „Schild“ des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten und den Makkabiverband als einzige jüdische Sportverbände anerkannt. Zur Anerkennung des deutschen Makkabikreises und des Sportbundes des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten In Verfolg der Verhandlungen des deutschen Makkabikreises und des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten mit dem Reichssnortführer Herrn von Tschaminer und Osten erhielten beide Verbände, folgenden Bescheid: Auf die Eingaben vom 2. und 20. Oktober 1933 betreffs Sportbetätigung jüdischer Vereine. Gegen sportliche Betätigung selbständiger jüdischer Vereine, gtgen die keine polizeilichen Bedenken bestehen, habe ich nichts einzuwenden. Ich bin auch damit einverstanden, daß sich diese Vereine zu Verbänden zusammenschließen. Bezüglich etwaiger Vergünstigungen würden für jüdische Vereine sinngemäß die gleichen Vorschriften gelten wie für sonstige Sportvereine und -verbände, die dem Keichssportführerring nicht. angochlossen sind. — Her Reichssportführer: gez. von Tschaminer. Ablehnung nichtarischer Mitglieder durch Privatkrankenkassen Die großen Krankenkassen „Leipziger Barmenia“ und „Volkswohl“ Kranken-Unterstützungskass^Versicherungsverein ,A. G., Dortmund, nehmen keine nichtariscnen Mitglieder mehr auf. Dank an einen großen Menschen Von Margret Witt Daß eine schwedische Schriftstellerin, eine Nicht-Jüdin, ein Werk hergibt, ein unveröffentlichtes, damit man den Erlös für all die jüdischen Geistigen anwenden kanii, die jetzt in Deutschland ihren geistigen Beruf nicht mehr ausüben können, diese wahre Begebenheit klingt für uns fast wie eine der zauberhaften und romantischen Mären, die in den Bücheriidieser Dichterin leben. In jener selbstverständlichen Güte,' die nicht nach Konfession und nicht nach Herkunft fragt, kennt sie nur leidende. Menschen, ihr Herz treibt sie, zu helfen, sie tut es in ihrer stillen und vornehmen Art, die noch den Dank bescheiden abwehrt. Darum neigen wir uns in Ehrfurcht vor Selma Lagerlöf, weil ihr Leben und Dichten in reiner Harmonie das Goetliewort gestaltet: edel zu sein, hilfreich und gut. Vielleicht war es die frühe Krankheit, die Selma schon als Kind lehrte, geduldig zu sein, vielleicht das Vorbild ihres Vaters/ der Menschen und Tiere, Blumen und Bücher in gleicher Weise liebte, vielleicht auch die Prophezeiung einer alten Großtante, die bei Selmas Geburt ihr Kränklichkeit, Arbeit und Plage mit Büchern bis ans Lebensende, aber auch stets bleibende Güte voraussagte, gewiß ist nur, daß Selma Lagerlöf auch in all den schweren Jahren ihres Lebens, wo -sie immer wieder schrittweise um Erfolg kämpfte, einekleine Landschullehrerin, an der nichts auffiel als ein dicker Zopf, von einem seltenem Glauben an ihre Berufung und einem festen Gottvertrauen erfüllt war. Weil dieser nordische Frau, altem Pastorengeschleclit entstammend, eine echte Religiosität besitzt, darum hat sie nie verstehen können, daß Menschen; die in anderen Bräuchen zu ihrem Gott beten, schlechter oder besser sein sollen als die Gläubigen, in Christo. Nicht nur in ihrem dichterischen Werk „Jerusalem“, das schwedische Bauern zeigt, die im „Heiligen Land“ von religiöser Sehnsucht getrieben, das Wunder ihres Gottes zu erleben suchen, aber erst drüben erkennen, daß die wahre Lehre nicht finster und fanatisch ist, sondern milde und versöhnlich, tritt Selma Lagerlöf für ein Christentum ein, das dem liberalen Judentum nah ist, auch in ihrem privaten Leben helfen ihr jüdische Freunde, den Weg zu. gehen, der ihr bestimmt ist. Georg Brandes, Dänemarks größter-Literaturkritiker, ist cs, dessen anerkennende Worte alle Tore der geistigen Welt weit vor der unbekannten Lehrerin aus Landscrona öffnen, und „Gösta Berling“ heißt das Buch, das Selma Lagcrlöf diesen Welterfolg bringt. Der vagabundierende Pastor mit seinem Gefolge, die Majorin auf Ekeby, der böse Sintram und die schöne Gräfin Dohna, das alles sind nicht mehr- Romanfiguren, sondern Männer und Frauen, die mit uns gehen durch unser Leben, mit denen wir froh sind oder traurig, die uns beglücken oder enttäuschen. Ingrid in der herrlichen „Herrenhofsage“ der kleine Nils Holgersson, der mit den Wildgänsen reist, die Anna aus Dalarne, sie alle leben in einer kristallenen .Welt und weil ihre Schicksale von einer lierzbezwingenden Schlichtheit sind, darum gehören sie uns allen und zugleich der Ewigkeit. Menschliches Verständnis, das jst es, was Selma Lagerlöf alle Jahre ihres Lebens bereithielt, sei es, daß sie inmitten des Weltkrieges für den Frieden eintrat, sei es, daß sie die Gleichberechtigung der Frau erstrebte oder für die Aufhebung sozialer Standesuiiterschiede kämpfte, immer war sie da, zu helfen, zu trösten oder auch nur nah zu sein. Und so unverändert diese Grand- Züge ihres Seins lieben, so bewußt bewahrt Selma Lagerlöf auch Freundschaft denen, die einmal Seite an Seite mit ihr die gleichen Ideale erreichen wollten. Sophie Elkan, Witwe eines jüdischen Musikalienhändlers aus Göteborg war mehr als 25 Jahre als Schriftstellerin und Freundin Selma Lagerlöfs getreue Weggenossin, darum läßt die letztveröffentlichte Novelle „Begegnung mit Tavastjerna“ noch einmal, von pietätvoller Erinnerung verklärt, vor uns das- Bild dieser lebensfrohen und geistreichen Frau erstehen und wir erleben, gestaltet von der reifen Kunst Selma Lagerlöfs, das seltene ilück dieser geistigen Gemeinschaft mit. Fernab von dem Getriebe der großen Städte, versponnen in die Einsamkeit ihres geliebten Gutshofes Alarbacka wird Selma Lagerlöf auch diesen 75. Tag begehen, aus allen Ländern werden sich Telegramme auf ihrem Schreibtisch häufen, das weiße Landhaus wird erfüllt sein von den Stimmen all der Ehrengäste und vor dem Zaun werden die Dorfleute von nah und fern stehen und warten, daß „ihre“ Selma auf dem Balkon erscheint und ihnen, zuwinkt, aber dann, im Dämmern, wenn all die Festreden verklungen sind, wird die weißhaarige alte Dame vielleicht in das Wohnzimmer gehen, darin Sophie Elkans alte Möbel stehen und sie wird an die Freundin denken und dann werden auch all die Gestalten ihrer Bücher erscheinen und zu einein feierlichen Menuett von ihr antreten, und wenn die derben Nagelschuhe der Dalekarlier Bauern nicht mehr zu hören sind, wenn Gösta Berling seine letzte graziöse Verbeugung gemacht hat, dann öffnet sich die Tür, und für einen kleinen Augenblick dürfen w'ir uns über ihre Hände neigen, in Verehrung und Dankbarkeit. Gesellschaft für jüdische Volksbildung e. V., Frankfurt a.M. Montag, den 4. Dezember, 20,30 Uhr pünktlich, findet im kleinen Saal der Frankfurt-Loge ein Vortrag von Frau Dr. Dora Edinger statt. Thema: Der neue Joseph-Roman von Thomas Mann. Eintritt frei! Flaggenverbot für Juden in Schaumburg-Lippe Seit einigen Wochen ist es den Juden1 verboten, die schwarz-weiß-rote Flagge zu hissen. Die Behörden erklären, das Verbot entspreche einer Weisung höchster Reichsinstanzen. Außerhalb des Landes ist allerdings von einer solchen Verfügung nichts bekannt. Die.Juden von Schaumburg-Lippe, von denen viele im .Weltkriege Unter der schwarz-weiß-roten Fahne gekämpft haben, empfinden das Verbot als schwere Kränkung. Ablehnung von Inseraten jüdischer Firmen Die Schaumburg-Lippesche Landeszeitung „Die Schauinburg“ lehnt, obwohl sic die einzige Zeitung am Platz ist, die Aufnahme von Inseraten jüdischer Firmen ab. Nichlarische Frontkämpfer als Mitglieder im Deutschen Autoklub zugelassen Der Deutsche Autoklub, der einzige nach durchgeführter Gleichschaltung in Deutschland bestehende Automobilklub, nimmt Nichtarier als Mitglieder auf, wenn sie Frontkämpfer waren. Es können somit jüdische Automobilisten, die ehemalige Frontkämpfer sind, bei Fahrten ins Ausland wieder Carnets zu ermäßigtem Preis beziehen. Nichtarier, die keine Frontkämpfer sind, erhalten die erforderlichen Carnets, wenn sie eine erhöhte Verwaltungsgebühr von 20 RM. bezahlen und die Bürgschaft einer Bank über den Zollbetrag nacliweisen können.' Der Arierparagraph im Rennsport Bei der Umbildung der Obersten Rennbehörde sind alle nichtärischen Mitglieder, in erster Linie der bekannte Renns.tallbesitzer Geheimrat Dr. A.'_ v. Weinberg una sein Schwiegersohn Graf Spretti ausgeschieden. Warburg-Bibliothek nach London eingeladen Auf Einladung der Londoner Universität wird die Kultur« wissenschaftliche Bibliothek Warburg Anfang Dezember — vorläufig für drei Jahre — nach London verlegt werden. Rassische Auslese bei Landarbeitersiedlern - In den von der Deutschen Siedlungsbank soeben erlassenen Durchführungsbestimmungen für die Kreditgewährung an Landarbeiter und Gutsangestellte, die Selbständigkeit im Rahmen der Landarbeitersiedlung anstreben, wird die Berücksichtigung von Bewerbern in erster' Reihe davon abhängig gemacht, daß sie rassisch eine Auslese darstellen. Bekanntmachung über die Einziehung von Einsteins Vermögen Der „Reichsanzeiger“ veröffentlicht folgende Bekanntmachung des Geheimen Staatspolizeiamtes: „Auf Grund des § 1. des Gesetzes über die Einziehung kommunistischen Vermögens vom 2G. Mai 1933 (RGBl.. I S. 293) in Verbindung mit dem Gesetz über die Einziehung staats- und volksfeindlichen Vermögens vom 14. Juli 1933 (RGBl. I S. 479) und der Preußischen Ausführungsverordnung vom 31. Mai 1933 (Gesetzsamml. S. 207) sind Vermögensgegenstände der Eheleute Albert und Else Einstein,- zuletzt Berlin W 30, Haberlandstraße 5, insbesondere sämtliche Bankguthaben und Depots durch Verfügung des Geheimen Staatspolizeiamts vom 7. Juli 1933/Vlll/70,23 A. Beiheft 2 b'vom 16. 9. 1933 II C./E 6/33 — zugunsten des Preußischen Staates eingezogen worden.“ Verbot des Boykotts^ lüdischer Wirtschaftsunternehmungen und jüdischer Anwälte In Nr. 6 der vom Bund nationalsozialistischer deutscher Juristen herausgegebenen Zeitschrift „Deutsches Recht“ wird eine Anordnung des Reichsjustizkommissars Dr. Frank veröffentlicht, in der den Amtswaltern des Bundes nationalsozialistischer deutscher Juristen selbständige rechtspolitische oder wirtschaftliche Verfügungen und Verlautbarungen untersagt werden. In der Anordnung heißt es: Ich verbiete hiermit ausdrücklich den Amtswaltern, in irgend einer Weise selbständig zu rechts- oder wirtschaftspolitischen Fragen oder Der Verein für Jüdische Geschichte und Literatur E. V. veranstaltet am 29. November einen Vortrag von Dr. Arthur Czellitzer „Die jüdische Familie in frohen und ernsten Tagen“ und am 7. Dezember eine Aussprache „Über die jüdische Schule“, in der die Herren Dir. Dr. H. Stern und St. Ass. H. Cölln die Referate übernommen haben. Beide Veranstaltungen finden statt im ehern. Logenhaus, JoachimsthalerStr. 13. Der Eintritt ist für Mitglieder des Vereins und der Freien Jüdischen Volkshochschule frei. Weitere Auskünfte im Sekretariat der „Freien Jüdischen Volkshochschule E. V.“, W 35, Lützowstraße 16, III. Fernruf: B 2 Lützow 5507. Voranzeige zu ChanukkaR Von Irma Dresdner ist ein Chanukkahspiel erschienen, das Vereine und Gesellschaften sich jetzt schon sichern können. Es ist auf einem einfachen Podium durch eine erwachsene Person und zehn Kinder darstellbar.. Der erste Teil „In der Laubhütte“Jst heiter; der zweite „Die Chanukkahgeschichte in Versen“ ist feierlich. Texte und Aufführungsrecht sind gegen Voreinsendung von 2,50 RM. auf Postscheckkonto Nr. 43504 \ Frankfurt am Main durch Irma Dresdner, Frankfurt am Main, : Gausstraße 10, zu beziehen. ■ Ciederkranz e. V. Mannheim . Veranstaltungen November-Dezember 1933 Dienstag. 28. November, abends 20.15 in der* .Harmonie" 1. Orchesterkonzert | der „Instrumentalgemeinschaft“. Leitung: Kapellmeister Max Sinzheimer. Solist: 'Hermann Schey (Berlin). Bariton. Werke des 17. und 18. Jahrhunderts. Sonntag. 3. Dezember, vormittags 10.30 im Vereinshaus „Stunde der Liederjkranzjugend“. WerbeveranstaUung fürdieJugendarbeit(Jugendehor.Jugendorchester. Kammermusik, theoret. Kurse u. a.). Dienstag. 12. Dezember -und Sonntag. 17. Dezember, -jeweils abends 20 Uhr! in der Hauptsynagoge (gemeinsam mit der Gemeinde Mannheim - Ludwigshafen). Musikalische Chanukafeier. Leitung: Kapellm. Max Sinzheimer. Gemischter. Chor. Kinderchor. Orchester und Orgel. Erstaufführungen von FestchOren (bearbeitet von Hugo-Adler). Orchesterwerke von J. K. F. Fischer und G. F. Hände Obetkantor Magnus Davidsöhn veranstaltet mit seiner Tochter Ifse IntratoV-Davidsohn am Sonnabend den 2. Dezember abends 8,30 im großen Saal des Logenhauses, Kleiststr. 10 einen Unterhaltungsabend. Dem Charakter deT Veranstaltung entsprechend, werden Lieder und Dichtungen heiteren und ernsten Inhalts zum Vortrag gebracht werden. Insbesondere soll das Programm Werke jüdischer Autoren enthalten. Karten zu Mk. 1,50 n. Mk 1,- unter B 4 Bavaria 5937 und J 7 Hochmeister 2557, sowie Buchhandlung Wolff, Prager Platz und Abendkasse.