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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-11-24 · 28 (24.11.1933) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
28 (24.11.1933)
Date
1933-11-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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liehen jüdischen Bildung, hat das Gebetbuch für .den Freitag:. Abend-Gottesdienst und im wesentlichen die Liturgien für die zahlreichen1 Sondergottesdienste geschaffen, ln diesen und verwandten Fragen ist er immer unser wissenschaftliches Gewissen gewesen. Sein zehnjähriges Jubiläum im Dienste unserer Synagoge kann unser aller Freund, unser trefflicher Kantor, Herr Kurt Jakubowski, begehen. Durch seine seelenvolle Andacht, durch unablässiges Arbeiten an sich und tief innerliche Hingabe an sein heiliges Amt hat er weit über den Kreis unserer Gemeinschaft hinaus Anerkennung und Wertschätzung gefunden. Aufs vorzüglichste unterstützt wird er durch den Chor, der unter * dei ausgezeichneten Leitung des Dirigenten Max Kohn Hervorragendes für die künstlerische Ausgestaltung unseres Gottesdienstes geleistet hat und hoffentlich noch recht lange leistet. Ein Unternehmen eigener Art wie das unsrige hat auth eine besonders bedeutungsvolle technische Seite. Wer aus eigener Anschauung den Umfang all der geschäftlichen Dinge: die Vorbereitung der Gottesdienste an den hohen Feiertagen und der Sonderveranstaltungen, den Kreis des ganzen inneren und äußeren Betriebs und der finanziellen Fragen kennt, wird verstehen, daß wir Herrn Moses Gottfeldt neben Falkenberg das größte Verdienst für Werden und Sein unserer Synagoge, zuschreiben. Durch nie erlahmenden Fleiß, durch Umsicht, Organisationstalent und aufopfernde Selbstlosigkeit hat er eine Musterverwaltung geschaffen, und wenn der Uneingeweihte ihn wegen, einer angeblichen äußeren Schroffheit manchmal kritisieren 2U müssen glaubt, darf er als gewiß hinnehmen, daß es für Gottfeldt nur ein „Eifern um Gottes Willen“ gibt. Und weil so treffliche Männer an diesem Werke beteiligt sind, hoffen wir zuversichtlich, daß es auch im Wirbel dieser Zeit bestehen wird als eine kleine, aber fruchtbare Zelle-inmitten der großen Gemeinde Israels.. Aas den Gemeinden Gießen. (Persönliches.) Plötzlich vom Tode ereilt wurde der erste Vorsteher der hiesigen Religionsgesellschaft, "Herr Alfred fröhlich. In einer Sitzung der Landjudenschaft, in der die Neubesetzung des Rabbinats zur Debatte stand, starb er am Herzschlag. Unter außergewöhnlich starker Beteiligung fand die Beisetzung statt. Kassel. (Neue Gemeinde-Ältesten.) Für zwei ausgeschiedene Ältesten der Gemeinde sind die Herren Eduard Kaufmann und Hans Mosbacher zu Ältesten der Gemeinde bestellt und von der Vorgesetzten Behörde bestätigt .worden. — Die Gemeinde beabsichtigt, unter Leitung der Herren ür. K- Heilbrunn und Rudolf Nußbaum einen Kursus über „Erste Hilfe bei Unfällen“ einzurichten, der hauptsächlich junge Leute mit entsprechenden Kenntnissen im Sanitätsdienst ausrüsten soll. Offenbach a. M. (Todesfall.) Durch den Tod ihres ersten Vorstehers, des Herrn Justizrat Dr. Max Goldschmidt, ist die hiesige jüdische Gemeinde in große Trauer versetzt worden. Drei Jahrzehnte hat-der Verstorbene dem Vorstand angehört und seit 1011 den Vorsitz geführt. Seine Menschenfreundlichkeit, seine vornehme und lautere Gesinnung, sein unermüdliches Wirken im Dienste der Gemeinde sichern ihm bei allen, die ihn kannten und schätzten, über das Grab hinaus dauernde Verehrung. (Aufnahmen in diese Rubrik kostenlos.) Barmizwah: Frankfurt a. M., Mainstraße 23. Samuel, Sohn des Herrn S. Rosinef und Frau. 25. 11. 1933. 70. Geburtstag: Altona, Sonninstraße 16. Frl-Fanny Levy. 22. 11. 1933. KAUFT KUPFERHKUSER FÜR PALÄSTINA HodwerUgite Isolierang Hygienisch« Wohnen BESTE KAPITALSANLAGE Vertangen Sie .unteren Palästina- Prespekt DEUTSCHE KUPFERHAUS-GESELLSCHAFll n Berlin NW 7, Unter den linden 65 . DAS HAUS DER GUTEN HERREN-u. KNABEN-KLEiDUNG :St;t übet JO Jttirei* Jr*Jj kipiyiltt Prche '. nur kesic Qualitäten Betto: SdtöntbCTg.Houplskl Ihre Blumen Blumenhaus Gereon Berlin W18, Met nekestr. 2 J 1 Bismarck 3448 Blumenspenden nach allen Städten der Welt. 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Anfrage im englischen Unterhaus über geplante antijüdische Maßnahmen in Österreich Im Unterhaus richtete Colonel Wedgwood an den Außenminister die Frage, ob er bekannt geben wolle, welche Erklärung zu der Mitteilung der österreichischen Regierung an die Regierung Seiner Majestät betreffend die in Österreich geplanten antisemitischen Notverordnungen abgegebenworden sei. .. i' Sir John Simon antwortete, daß die Regierung Seiner Majestät keine Mitteilung der österreichischen Regierung zu dem erwähnten Gegenstand erhalten habe. „Welches Recht hat die Regierung Seiner Majestät, irgendwie einzugreifen?“ warf Abgeordneter Peter MaeDonald ein. Die Frage des Abgeordneten MaeDonald blieb, unbeantwortet. Der amerikanische Gesandte in Wien warnt vor antisemitischem Kurs Der neue Gesandte der Vereinigten Staaten in Wien George Earle hat nach einer zum Studium der Möglichkeit einer Verstärkung des amerikanischen Touristenverkehrs nach Österreich unternommenen Reise durch die österreichischen Kurorte eine Erklärung abgegeben, die als Warnung vor dem Einschlagen eines antisemitischen Kurses aufgefaßt wird und .starken Eindruck auf die öffentliche Meinung Österreichs gemacht hat. Gesandter Earle ist voll des Lobes über die landschaft-1 liehen Schönheiten Oesterreichs, die eine starke Anziehungs-! kraft auf den Fremdenverkehr ausüben und verspricht, sich * nachdrücklich dafür einzusetzen, daß amerikanische Touristen^ nach Oesterreich kommen. „Ich habe auf meiner Reise“, erklärt der Gesandte weiter, „im Hinblick auf die mir genau bekannte Stimmung des amerikanischen Publikums besonders darauf geachtet, festzustellen, ob in den einzelnen’Gegenden Antisemitismus herrscht, da dieser amerikanischer Mentalität entgegengesetzt ist. Die Amerikaner werden niemals irgend« welche Sympathiefür ein Land bekunden, in dem cs Antisemitismus gibt und es liegt deshalb in Oesterreichs Interesse, so zu handeln, daß es sich die Sympathien Amerikas nicht verscherzt, Sympathien, die nur dort gezeigt werden, wo e> keine Zurücksetzung aus Gründen der Rassen- oder Religionszugehörigkeit gibt. Ich seihst, fügt Gesandter Earle hinzu, bin nordischer Rasse und habe keinen Tropfenjüdischen Blutes in mir.- Ich entstamme einer seit langer Zeit in Amerika ansässigen Familie preußischen Ursprungs.“ Rundfrage des Wiener amerikanischen Gesandten - an_die österreichischen Bürgermeister Die Warnung dvs amerikanischen Gesandten Earle vor dem Antisemitismus hat mit Rücksicht daranf, daß sic die erste derartige Erklärung eines ausländischen Diplomaten darstellt, in ganz Oesterreich tiefen Eindruck gemacht. Die taktvolle Form, in die der Gesandte seine Bemerkungen gekleidet hat, erspart ihm den Vorwurf der Einmengung in innere Angelegenheiten Oesterreichs, derihm sonst sichcrlicligemacht worden wäre. Gesandter Earle hat sich darauf beschränkt die Stimmung der amerikanischen Kreise wiederzugeben, die Anspruch darauf haben, über die Verhältnisseder Gegenden, in ..denen sie ihren Urlaub zubringcn wollen, im Klaren zu sein. Der Gesandte hat auch eine Rundfrage an die Bürgermeister der bedeutenderen Provinzortc Oesterreichs betreffend etwaige antisemitische Strömungen gerichtet. Alle Bürgermeister haben erklärt, dail in ihren Ortschaften kein Antisemitismus herrsche. — Die gesamte Presse, darunter auch die amtliche „Wiener Zeitung“ veröffentlicht die Erklärungen - des amerikanischen’Gesandten, nur die extrem antisemitischen Blätter bringen die Erklärung nicht. Gleichzeitig gehen neue Terrorakte von radikalen antisemitischen Gruppen aus. In' das jüdische Restaurant Tonclio und in das Heim der revisionistischen Vereinigung Britli Hachajil wurden Träiiengashomben geworfen. Die Einheitsgemeinde] als Religionsgemeinde Bedeutsame Erklärungen auf einem Berliner Gemeindeabend Der Berliner Geineiiidevorstand setzt die Reihe der Gemeindeabende erfolgreich fort und bringt dadurch die Masse der Gemeindemitglieder in engste Fühlung mit seiner Arbeit. Der zweite Abend dieses Winterhalbjahres wies wieder einen außerordentlich guten Besuch auf; die große Synagoge Lindenstraße war überfüllt. Es sprachen' unsere Freunde Moritz Rosenthal, Mitglied des Gemeindevorstandes, und Dr. Kurf Eleischer, der Vorsitzende der liberalen Repräsentanteiifraktion.! Dr. Eleischer ging von dein Gedanken aus, daß die* Gemeinde nur als Religionsgemeinde Gewähr für Stärke und Festigkeit biete. Die auf rässepolitische Erwägungen siclK stützende Gegnerschaft gegen die Juden habe sich keinen Augenblick gegen deren Religion und ihre Ausübung gerichtet." ’ Die Religionsgemeinde 'genieße 'dfcii Schutz des' Staates.“Sie sei die allumfassende Einheit, in der alle Richtungen, Liberale^ und Konservative, das ihnen eigene Leben entfalten kömleii.j Auch im nationalen Judentum seien alle Glaubensriclitiingcn: vertreten, vom Strenggläubigen über den Liberalen bis zum Ungläubigen. Mit ihnen allen in der Gemeinde die großen Pflichten jüdischer Religion zu erfüllen und Indifferente aller Richtungen zum Judentum zurückzuführen, sei höchste religiöse Aufgabe und der Weg, zur Einheit in der Gemeinde zu! gelangen. Es wäre .wünschenswert, daß sich die Erkenntnis,! .dal) die Einheitsgemeinde nicht der Platz zur Erfüllung inner-! jüdisch politischer Aufgaben, also auch nicht der national-! jüdischen, sein könne, überall durchsetzte. Die Gemeindearbeit: müsse zugunsten der großen Geriieinschaftsaufgaben der Reli-j gionsgemeinde in dieser Zeit, Aufgaben, an deren Lösung; Anhänger aller Richtungen beteiligt sind, von der Belastung mit politischen Problemen befreit werden. Selbstverständlicher Leitsatz werde immer sein müssen, daß der Gemeinde nichts Jüdisches fremd sein soll, also auch das Palästinaproblem nicht; für diejenigen Juden aus Deutschland, denen hier der: Lebensraum genommen ist, steht Palästina an erster Stelle] Die-Feststellung dieser Tatsache könne aber nie dazu führen; Grundauffassungen von jüdischem Sein zu verwischen oder zu vermischen. ' I Aufgabe der Gemeinde sei es, fuhr Dr. Fleischer tortj jüdisches Wissen und jüdische Lehre zu verbreiten. Die Gc-j meinde habe begonnen, ihr Schulwesen auszugestalten, und sie werde auch weiter darin ihre Pflicht tun. Die jüdischen Schulen aber müßten deutsche Schulen sein, in denen den Kindern jüdisches Wissen und deutsche Kultur vermittelt FÜRSORGLICH VORSORGEN SCHOTZT VOR SORGEN! VA VN. t /V,t ft, '0V "JV VN VW to.’" V.N ft sc l A werden sollen. Die Gemeinde werde auch in einem-gewissen Rahmen nationaljiidisclie Schulen unterstützen. Irrtum sei es ' aber, ein Trutz- und Abwelirjiidciituin schon für vollgültiges liidcscitt zu nehmen. Der Redner wandte sich gegen die. Benutzung der Kanzel zur Austragung iiincrjiidischer Gegensätze. Aufgabe der Führer einer deutschen jüdischen Gemeinde sei es, die deutschen Judenin ihrer Steilung zunr dcutschcu Vaterlande zu stärken und-zu festigen. Das Fühlen und Wissen der deutschen Juden um ihr deutsches Sein sei auch in diesen Tagen nicht gemindert; ihr Wille und ihr angeborenes Gefühl für ihr deutsches Land sei unzerbrechlich.' „Wir wollen“, sagte Dr.-Fleischer, „kein Mitleid und geben nach außeivhin keine würdelosen Proklamationen ab; aber uns siibst zu sägen, wie wir fühlen, ist unser Recht und unscro Pflicht. Denn nur beseelt, von diesem starken Gefühl können wir in dein Ringen um unsere-Existenz und um unsere Ehre in der Kette der Geschlechter des deutschen Judentums bestehen. Möchte es uns, wie Deutschland in der Welt, als Gliedern des deutschen Volkes bcschieden sein, Frieden lind Gleichberechtigung zu erlangen.“ Der nächste Redner, Gemeindevorsteher Moritz Rosenihut', gab einen Überblick über die einzelnen Zweige der sozialen Hilfstätigkeit der Gemeinde, beschrieb die Arbeit der Wirtschaftshilfe und die Tätigkeit des Wohlfahrtsamtes und richtete an die Versammelten die'Mahming, hinter den Führern der Gemeinde zu stehen und sie bei ihrer sozialen Arbeit zu unterstützen. Die Gemeindeverwaltung sei keineswegs von Tendenzen beherrscht, wie Dr. Moses sie in seiner bekannten Erklärung dargestellt habe. Gerade die von ihm angegriffenen Männer seien selbstlos in der jüdischen Arbeit tätig. Sie seien es, die das Wirtschaftswerk aufgebaut haben und ihm täglifch neu dienen. Das deutsche Judentum habe in der Vergagenlieit für die Juden anderer Länder außerordentlich hohe Summen aufgebracht; es habe daher-heute ein moralisches Recht darauf, daß ihm die' Glaubensgenossen außerhalb Deutschlands materiell helfen. Es sei deshalb nicht zu rechtfertigen, dal! von den Geldern, die im Ausland gesammelt werden, nur ein ganz geringer Bruchteil sozialen Zwecken in Deutschland zugeführt werden soll. Die deutschen Juden machten in ihren bewunderimgswcrtcn Bemühungen, durch freiwilliges Opfer der allgemeinen Not zu steuern, keinen Unterschied zwischen Juden und Juden, gleichviel woher sie gekommen sein mögen. Sie hoffen, daß inan auch ihnen gegenüber keine unterschiedliche Behandlung zulassen werde.. Die Ausführungen beider Redner wurden-von dcn Zuliörern mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Gesangliche'Darbietungen von Oberkantor Magnus Davidsohn bildeten Auftakt und Atisklang der Veranstaltung: Vortragsabend im Berliner Religiös-liberalen Verein Der Liberale Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin gibt bekannt, daß die erste diesjährige Winterveraustnilung am Sonnabend, 25. November, abends 8,30 Uhr, in der Brückenklause, Niederschöneweide, Brücken- Straße 15, stattfindet. Es spricht Chefredakteur George Cwctz über: „W i r deutschen Juden und der Zionismus. (Zeiten der Erprobung.)“ _Den bunten Teil leitet Gerhard Gnttsrhalk. Gäste und Freunde der Bewegung sind herzlich willkommen. Eintritt frei. Sportnachrichten Um die Berliner Olympiade Die „B. Z. am Mittag“ vom 21. November meldet aus New York: „Die Amerikanische Amateur-Athlctik-Vnion beschloß gestern nahezu einstimmig, an den kommenden Olympischen Spielen in'Berlin 1936 nicht teilzunehmen, wenn nicht der Boykott der jüdischen Sportler in Deutschland vonseiten der Regierung aufgehoben würde. Eine entsprechende Resolution wird morgen dem amerikanischen Olympischen Komitee auf seiner Tagung in Washington zugestellt werden. Nur der Präsident der deutsch-am-rikanischen Sportgemeinschaft, Dietrich Wortmann, Wandte ich gegen den Antrag der Union.“

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