Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 28 (24.11.1933)
- Date
- 1933-11-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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»««er nur einmal oder selten ins Gotteshaus kommt, wird bald empfinden, wie schwer es ist, dieses eine Mal seine Seele im Gebet zu sammeln und sich der Weihestimmung zu erschließen. Religiöse Weihe fordert nicht nur den ganzen Menschen, sondern bedarf auch der Zeit, der „Exerzitien“, die aus der Stimmung des Tages heraus enstanden, auch zur Stimmung des Tages hinführen." So schrieb ich einst. Und diese Auffassung hat sich mit den Jahren verstärkt. Das ist nicht Bigotterie des Alters, nicht Rückkehr zu konservativen Gewohnheiten der Jugend. ' Denn ich weiß wohl,' Gottesdienst (awaudo) ist noch nicht Religion, ebenso wenig wie Wissen (tauro); und gewohnheitsmäßige Erledigung kultischen Pflichtpensums ist Tod jeder wahren Religion. Jene. Worte sind der Ausdruck meiner Überzeugung vom religiösen Erziehungswert alles Gottesdienstlichen. Dieses läßt uns wahre Gemeinschaft erleben mit Mensch und Gott, führt uns hinaus über äußeres Geschehen, über das Zufällige, über das Zeitliche zum eigenen Innern, zum Wesentlichen, zum Ewigen und läßt uns stark und aufrecht werden in den Stürmen des Tages, der Zeit. Hermann Falkenberg Adoption bei rassischer Verschiedenheit unzulässig Gesetz gegen Mißbrauch von Ehe und Adoption Die Reichsregierung hat ein vom Reichsjusti/minister Dr.. Gürtner vorgelegtes Gesetz gegen Mißbrauch der Ehe und der Annahme an Kindesstatt verabschiedet. Durch dieses Gesetz sollen Eheschließungen,- die nur zum Zwecke der Übertragung eines alten, insbesondere adligen Namens er-' folgen, in Zukunft verhindert werden. Solche Ehen, die ohne Aufnahme der tatsächlichen Ehegemeinschaft geschlossen wurden, sollen auf Klage des Staatsanwalts von dem Landgericht für nichtig erklärt - werden. Ferner ist nach dem neuen Gesetz einem Adoptionsvertrag die erforderliche gerichtliche Bestätigung u. a. zu versagen, wenn zwischen Adoptiveltern und Adoptivkindrassische Verschiedenheit besteht. Das Gesetz hat rückwirkende Kraft. Zur Frage der Anfechtbarkeit jüdisch-arischerEhen Wie das Vdz-Büro meldet, behandelt Landgerichtsrat Schumacher (Altona) in der „Deutschen Juristenzeitung“ die interessante Frage, ob jüdisch-arische Ehen auf Grund des § 1333 BGB angefochten werden können. Das Anfechtungsrecht hat nämlich danach ein Ehegatte, der sich bei der Eheschließung über solche persönlichen Eigenschaften des anderen Ehegatten geirrt hat, .die ihm bei Kenntnis der Sachlage und verständiger Würdigung des Wesens der Ehe von der Eingehung der Ehe abgehalten haben würden., Schumacher verneint die Anwendbarkeit dieses Paragraphen im allgemeinen. Er hebt hervor, daß von einem Irrtum keine Hede sein .kann, wenn der Anfechtcnde zur Zeit der Eheschließung « wußte, daß der andere Teil Jude war, oder wenn .er siep darüber überhaupt keine Gedanken gemacht hat. Die Erwägung, ob die rassische Verschiedenheit der Juden vom Arier erst in letzter Zeit dem Volke zum vollen Bewußtsein gekommen und ob früher mehr an den religiösen Unterschied gedacht ist, möge dahingestellt bleiben, denn selbst wenn sie richtig sei, komme der anders gewordenen Einstellung des Volkes zur Arierfrage für die älteren jüdisch-arischen Ehen keine Bedeutung bei, weil maßgebend die Einstellung zur Zeit der Eheschließung sei. Eine Lösung der älteren jüdisch-arischen Ehen nur aus dein Gesichtspunkt der Kassenverschiedenheit sei daher nach deutschem Recht der Gegenwart nicht möglich. Eine andere Frage sei es, ob künftig die Schließung jüdisch-arischer Ehen verboten sein solle; Schumacher hält ein solches Verbot für rechtlich-denkbar, rassische Gründe sprächen dafür. Er glaubt aber, daß es selbst niit der außerkirchlichen ethischen Anschauung unvereinbar sei, einem für das Leben geschlossenen Bunde, der zur denkbar innigsten Gemeinschaft geführt habe, dem möglicherweise Kinder entsprossen seien, ein vorzeitiges Ende zu bereiten wegen Unbequemlichkeiten und Nachteilen, die weniger schwer sind als ein keine Ehe« lösungermöglichendes langes Siechtum und Krankenlager. Abgesehen vom religiösen und sittlichen Anstoß würden durch die Einführung einer Lösungsinoglichkeit die in jenen Ehen geborenen Kinder schwer betroffen. Die rassische Zuspitzung unserer Tage wird übrigens nach Meinung des Verfassers in manchen Mischehen ohnehin den Konfliktstoff so vermehren, daß bereits das bestehende Scheidungsrecht zur Lösung ausreicht. „Höhere Werkschule“ in Scheveningen Vor kurzem wurde in Scheveningen unter der Leitung von Dr. Danziger die mit einem Internat verbundene „Höhere Weiksdiule“ eröffnet. Die Schule besitzt folgende Abteilungen: Kindergarten (für Kinder von 3 bis 0 Jahren), Grundschule. (für Kinder von 0 bis 10 Jahren), die eigentliche „Höhere Werkschule“ (für Kinder zwischen 10 und 15 Jahren) und Sonderlehrgänge. Die „Höhere Werkschule“ soll mit den Lehrfächern der Realschule bis etwa zur mittleren Reife '(Obersekundareife) führen, wobei Französisch als erste Fremdsprache durch Holländisch ersetzt wird. Daneben wird dem Werkunterricht der Knaben und Mädchen ein großer Raunt im Lehrplan eingeräumt. Fakultativer Unterricht ist eingerichtet für Neuhebräisch; Französisch, Lateinisch und Griechisch. Die Sonderlehrgänge sollen Schüler, die dies ausdrücklich wünschen, zum Übergang auf holländische höhere Schulen oder zur holländischen Reifeprüfung vorbereiten. Schule und Internat werden dauernd ärztlich überwacht. Die Schule untersteht einem Kuratorium, dem auch ein Mitglied der holländischen Staatsaufsicht für das mittlere Schulwesen angehört. Das Sekretariat der Schule befindet sich in Scheveningen, Gevers, Deynootweg 10. Sofia. (Der Präsident des Zcutralkousistor i u m s der bulgarischen Juden Mitglied des Parlaments.) Das durch den Tod des früheren Ministerf»residenten Liapischeff erledigte Parlämcntsmandat wurde dein ’räsidenten des Zentralkonsistoriums der Juden Bulgariens Haim Farchy als Vertreter der Partei der demokratischen Entente übertragen. Der neugewählte Abgeordnete wurde durch den Oberrabbiner von Sofia, Dr. Ascher Jdananel, vor v« -sammeltem Hause vereidigt. Das Werden eines Gottesdienstes Zum 10jährigen Jubiläum einer Ausgangsstätte des religiös-liberalen Judentums Von Direktor Jonas Plaut, Berlin V o rbc m c r k u n g der Redaktion Alte Arbeit für eine Idee beruht letzten Endes auf den Menschen, die ihre Träger sind. Deshalb muß die Bewegung des liberalen Judentums unserem Her m a n n Falke n b erg dankbar sein, daß er mit seinen Gelreuen im Norden Berlins einen Menschenkreis geschaffen hat, der sich verbunden fühlt für und durch die gemeinsame Idee. Wer die Einzelheiten kennt, der weiß auch, daß es sich bei dem heutigen Jubiläum nicht um eine mehr oder minder rege besuchte „Vereinssynagoge“ handelt, sondern um eine Schöpfung, die befruchtend und beispielgebend auf unsere Gesamtbewegung sich ausgewirkt hat, um eine Gemeinschaft, die auch heute noch durch ihre Aktivität und durch das Vorbild, das sie bietet, ihren scgenvollen Einfluß auf das .jüdisch-religiöse Lehen aiisübt. Mil Bedacht wird hier nicht nur vom go 11 e sd i e n st ii c h c n , sondern vom religiösen Leben gesprochen. Denn die „Liberale Synagoge Norden“ hat nicht nur allerorten zur Gründung von Synagogen mit ihrem besonderen Ritus den Anstoß gegeben, sondern ihre Besucher und diejenigen der nach ihrem Vorbild gegründeten weiteren „Liberalen Synagogen1' in Berlin sind einander auch menschlich so nahe gekommen, daß sie alle an Freud und Leid eines jeden teilnehmen und eine echte Gemeinschaft geworden sind. Eine Idee,'die ihre Anhänger zu Brüdern macht, und ein Kreis von Brüdern,-die für eine gemeinsame Idee leben, — wer wollte leugnen, daß dies das Idealbild der großen jüdischen Gemeinschaft ist, das~ wir nun im Kleinen hier verwirklicht sehen? Daß die „Liberale Synagoge Norden“ solcherart si'it zehn Jahren uns zeigt, wie wir sein sollen, und viele von uns zu dem gemacht hat, was wir sein sollen, mit einem Wort: daß sie ein wirksames jüdisches Erziehiingszentrum ddrstellt, das ist cs, was ans alle ihr Jubiläum als unser Fest empfinden läßt. I. Die Liberale Synagoge, Norden, vor zehn Jahren noch mitten in den Tagen des Billionentaumels von einigen beherzten und wägemutigen Männern ins Leben gerufen, hat den Mittelpunkt ihrer Arbeit — neben gewiß dankenswerten Leistungen anderer Art — stets im Gottesdienst erblickt. In der stetig steigenden Besucherzahl liegt der Beweis, daß gottesdienstliche Veranstaltungen ihre Funktion nicht nur nicht eingebüßt haben, sondern bei richtiger Anlage und Ausgestaltung fortgesetzt zu steigern fähig sind. Bei Sonderveranstaltungen, bei Seelenfeiern, bei Einstiminungsgotlesdienslen ist das Gotteshaus regelmäßig — oft sogar in bedenklicher Weise — überfüllt. Dabei vergessen wir bei der Eigenart unserer Gemeinschaft nicht, daß viele unserer Mitglieder nicht bloß .Erbauung suchen, sondern in unseren verschiedenen Veranstaltungen oft die einzige Möglichkeit geistiger Anregung und Belehrung finden. Esra hat einst die. Montag- und Donnerstag-Thora-Vorlesungen geschaffen, um den Leuten, die au diesen Tagen vom Lande in die Stadt kamen, Gelegenheit zu geben, Gottes Wort zu hören. Tun wir im abgewandelten Sinne nicht dasselbe? Nur wollten wir religiöse Bedürfnisse nicht bloß befriedigen, sondern. auch wecken. Wie schon angedeutet, wohnen in unserem Stadtteil vorwiegend einfache, bescheidene Menschen, die in hartem Tagesringen ihrem- Erwerb nachgeben. Aber gerade mit Ihnen kann man jeweils Gotteshäuser bauen. Die Sage erzählt, daß die Koßül maarovi — die Westmauer des Tempels — von den Ärmsten und Geringsten errichtet worden sei, und sie allein hat alle Stürme überdauert. Wenn unsere Synagoge auch erst ein Jahrzehnt besteht, so hat auch sie doch schon manche Krise durchlebt. Aber sie hat diese Krisen stets besiegt, lind deshalb glauben wir bei ihr an ein Werk von Dauer. Die Liberale Synagoge Norden begann ihre Tätigkeit zunächst mit Gottesdiensten am Freitag-Abend, und zwar Sommer und Winter aus wohlüberlegten Gründen stets um 7,15 Uhr. (Dauernder Vollgottesdienst wurde ab Peßach 1925 eingerichtet.) Wenn auch späterhin sich manches geändert hat: die Grundlinien sind ipi großen und ganzen dieselben geblieben. Vermeidung jeder unnötigen Wiederholung, der „einmalige Kaddisch, die Gruppierung der Liturgie um Höhepunkte, die abendliche (deutsche) Vorlesung aus dem Wochenabschnitt, die regelmäßige kurze knappe Predigt, die stärkere Verwendung des deutschen Gebetes: im wesentlichen war das Gerüst gebaut, das sich in zehn Jahren bewährt hat. Innerhalb des gespannten Rahmens war das „unstarre System“ von ausschlaggebender Bedeutung. Jeder Gottesdienst sollte Träger einer besonderen Idee sein, die mit wechselndem Einleitungs- und Schlußgebet, mit Ansprache und Vorlesung und mit den durch die Kunst des Predigers immer neugeformten Gebetsphot. Irma Cohn Seminaroberlehrer Hermann Falkenberg, der Gründer der „Liberalen Synagoge Norden“ Übertragungen herausgearbeitet werden mußte. An den Rabbiner wurden so von Anfang an größte Anforderungen gestellt. Auch die Besucher sollten nicht zum bloßen Mithören, sondern zum tätigen Mitwirken berufen sein. Daher wurde die alte Einrichtung der Alijaus bei der Thora-Vorlesung sowie die der P’sichaus beibehalten und dem Gemeindegesang ein größerer Raum zugewiesen. Insbesondere wurde auch die Jugend (nicht etwa nur bei den speziell für sie bestimmten Gottesdiensten, in denen sie allein Träger der Veranstaltung ist) durch Aktivierung aufs stärkste interessiert. Sie liest häufig die Thora-Abschnitte mit-Trop, den Maphtir hebräisch (mit Nigun) und sitzt überhaupt sozusagen bei uns auf dem ersten Platz. Die starke Zunahme an jugendlichen Besuchern ist darum nicht weiter erstaunlich. Schon nach wenigen Jahren begann sich ein Netz von Fiiialgottesdiensteh in den verschiedensten Stadtteilen auszubreiten: 1927 Liberale Synagoge Wilmersdorf (bis zur Eröffnung der Gemeindesynagoge Prinzregentenstraße), 192S Westend,. 1929 Osten, Anfang 1933 Nordosten und Reinickendorf-Wedding. Durcli die Zeitverhältnisse gezwungen, mußte der letztgenannte Gottesdienst wieder eingestellt werden; aber wir haben begründete Hoffnung, daß er bald zu neuem Leben ersteht. II. Wie kamen nun solche Ergebnisse und weitreichende Wirkungen zustande? In der Geschichte aller Religionen sind nicht selten Laien für die innere Wandlung des religiösen Lebens entscheidend und richtunggebend gewesen. Solche Taten epochemachender Art reifen langsam und werden in allmählichem Fortgange vorbereitet, bis sich der Zeitpunkt erfüllt, der den Durchbruch des Neuen sicher und siegreich entscheidet. Einesolche reformatorische- Tat wird wohl durch viele angestrebt, durch den Entwicklungsgang einer ganzen Gemeinschaft bedingt, aber immer nur durch?///£//-entschieden. Denn sie erfordert allemal hervorragende persönliche Kraft. Nun ist das von unserer Synagoge Geleistete gewiß keine Reformation schlechthin, und ihre Träger sind keine Reformatoren. Dafür war und-ist ihr Aktionsradius zu gering, zumal an der Grundrichtung tmd Wesenheit des Gottesdienstes nichts Entscheidendes geändert worden ist. Aber das Erfüllen gegebener und starr ge¬ Palästina — Übersee — Ausland Klt 1900 UAXZtlGrE —^llW0 Möbelspeicher auch durchheizte Kabinen Carl Deyke Nacht., Berlin 0 17 wordener Formen mit einem neuen Inhalt und Geist, die Verbannung der Gleichgültigkeit und Eintönigkeit, die Disziplinierung auch ^nf xiem Gebiet'des rein OefüßlSfnäßigen, die einheitlich ästhetische Ausgestaltung, die Erfassung aller Besucher als Glieder einer ihrer selbst bewußt gewordenen Gemeinschaft: auch das war etwas Neues, war eine schöpferische Tat. Denn es kommt in der Reformation geistiger Objekte nicht bloß auf das an, was man sagt und lehrt, sondern wie mail es sagt, auf den persönlichen Charakter voller Zielbewußtheit und Energie, der jedes Wort durchdringt und seine Mitarbeiter mit derselben leidenschaftlichen Kraft erfüllt. Dabei genügt es nicht, daß man vorschreibt, wie die Dinge geschehen und umzugestalten sind; man muß selbst Hand ans Werk legen und tun, was man sagt. Das tatenlose Wort bewegt die Dinge nicht von der Stelle.*) So gesehen, war Hermann Falkenberg von Anfang an Schöpfer und Träger der religiös-liberalen Bewegung, soweit sie sich in unserer Gemeinschaft manifestierte. Die Wesensart dieses Mannes verbietet jedes lobende Wort. Aber, ein gewissenhafter Chronist muß in ihm die tragende Säule des zehnjährigen Baues feiern. Jeder Einsichtige, der mit jüdischen Dingen vertraut ist und niit ihnen zu tun hat, weiß, wie groß das Heer der Schwierigkeiten gewesen sein muß, das in solcher Situation zu besiegen war, ehe es in den steinigen Boden des Barliner Nordens gepflanzt werden konnte. ’ Falkenberg ist ein Eifriger und ein Eifernder. Einem so charakterlich Fundierten erwuchsen auch Hemmungen in nicht geringer Zahl, und es war einem fanatisch an seine Sendung Glaubenden zuweilen-nicht leicht, gewisse Vorurteile zu. unterdrücken und die befreiende Synthese zu finden. Virtuosität und Einseitigkeit bedingen einander. Schließlich jedoch siegte bei diesem in“ jedem Betracht Erprobten eine ideal selbstlose Hingabe und echte Herzensfrömmigkeft über alle persönlichen und Sachlichen Widerstände. Als Herz- und Kernstück des neuen Ritus sollte die Laienpredigt dienen. Sehr hald'stellte sich jedoch heraus, daß diese Predigten nicht immer befriedigten und das Weiterbestehen der Einrichtung zu einer schweren inneren Krise hätte führen müssen. Da führte die Berufung des Herrn Rabbiner Dr. Salomonski nach Berlin und seine Gewinnung für unsere Sache eine glückliche Wendung herbei. Mehr noch: Herr Dr. Saloinonski gewann sehr bald uns und schuf erst den festen Stamm der jungen Gemeinschaft. Durch hingebungsvollen Fleiß, durch kluge Umsicht wirkte er von Anfang an anregend, anfeuernd und belebend. Als er nach wenigen Jahren als Gemeinderabbiner, in einen wesentlich erweiterten Wirkungskreis gestellt wurde und seine wertvolle Kraft uns leider nur noch selten zur Verfügung stehen konnte, blieb er doch der Freund unserer Sache, für die er unbestritten Entscheidendes geleistet hat. Seine Nachfolger waren eine Reihe -junger Kandidaten, die in löblichem Eifer und tüchtigen Leistungen die ihnen gebotene Lehrkanzel zu fortschreitender Vervollkommnung benutzten. Die Herren Dr. Andorn und Dr. Hirschberg fanden inzwischen Anstellungen in Karlsruhe und im Haag. Herr Dr. Swarsenski, unter den jüngeren Rabbinern durch glühenden Idealismus und ungewöhnliche Beredsamkeit ausgezeichnet,- übt dauernd eine starke Anziehungskraft'auf unsere Gemeinde aus. Von den zahlreichen einheimischen und auswärtigen Gastpredigern (Baeck, Wcyl, Seligmann, Vogelstein u. a.) verdienen Herr Dr. Gottschajk und Herr Professor Josna triedländcr besondere Hervorhebung. Gottschalk hat am 30. November 1923 unseren Gottesdienst geweiht. Auch nach seinem Fortgange von Berlin hat er sich jnit ganzem Herzen unserer Sache hingegeben und sie stets durch Wort und Schrift aufs eifrigste gefördert. Einige seiner Predigten, Meisterwerke der Homiletik, sind noch in lebendiger Erinnerung. Professor Friedländer, ausgerüstet mit einer ungewöhn- *)Wgl. Kuno Fischer, Lessing .als Reformator der deutschen Dichtung.