Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 25 (14.11.1933)
- Date
- 1933-11-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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heit, Gegenwart und Zukunft der Juden synoptisch zu umfassen vermochte; kurz, sie stellte Anforderungen, denen nur wenige gewachsen waren. Der andere Weg aber schien auch' dem Kurzsichtigsten einleuchtend: „Wir Juden sind ein Volk, verstreut unter die anderen Völker, und wenn wir nur unser eigenes Land wiederhaben, dann ist die Judenfrage gelöst.“. Dies war die Zauberformel, die der Zionismus den Juden als einzige Lösung vorsetzte, die aber mit dem Gei “ Eheten wahrlich nichts zu tun hat und auch agc der Juden in den verschiedenen Ländern reälen Gegebenh letzt! i Zeit v ird. über diesen .nschlul! an die Araberunruhen „ . Aber die Erörterung aller dieser Dinge darf nicht eingestellt werden, denn es zeigt sich leider, daII die verantwortlichen jüdischen Gremien aus den blutigen Tatsachen nicht die erforderliche Lehre ziehen. In London ist in diesen Tagen eine Jüdische Weithitfskonfcrrnz abgehalten worden, auf der die Juden fast aller Länder vertreten waren, ebenso auch alle großen jüdischer. Hilfsorganisationen, und es wird behauptet, daß sie die repräsentativste aller bisher abgehaltenen jüdischen Konferenzen gewesen sei. Mit großer Befriedigung haben wir bereits in Nummer 20 unseres Blattes mitgeteilt, daß irgendwelche antideutsche Boykottanträge von vornherein nicht nur nicht von der Abstimmung, sondern auch von jeder Erörteruiig ausgeschlossen wurden. Befriedigt sind wir deutschen Juden hierüber sowohl aus Gründen der Gesinnung wie auch aus solchen der .Zweckmäßigkeit: denn werden wir heute auch von der Teilnahme am allgemeinen deutsclikulturellen Leben mehr oder minder ausgeschlossen, so ist es doch andererseits' klar, daß jede Schädigung Deutschlands sich auf uns, die wir innerhalb des deutschen Wirtschattskörpers leben, schädigend auswirken muß. Aber der Ausschluß solcher Boykottbestrebuhgen von der Konferenz ist ja nur etwas Negatives; was hat sie Positives gebracht? So gewiß es ist, daß die weitaus meisten deutschen Juden i Deutschland \ r einen Blick in die Blätti ■ andererseits, daß viele schon ausgewandert sind, auswandern müssen. In den Ländern der Erdt Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit, kein Land kan.. _ Bewerber um Arbeitsplätze aufnehmen, nur Palästina macht zur Zeit eine Ausnahme, aber gerade nach Palästina gehen die Juden nicht nur so, wie zu allen Zeiten Menschen aus den verschiedensten Anlässen gewandert. sind, Sondern sic gehen dorthin mit nationalen Aspirationen, um das Land als „ihr Land“ wieder in Besitz zu nehmen. Solches Vorgehen aber, vom Zionismus als „einzige Lösung“ verkündigt, ist das Gegenteil einer Lösung, ruft den Widerstand des erwachenden arabischen Nationalismus hervor und bringt den Juden, auch denen, die vielleicht für den Augenblick Hilfe erlangen, auf die Dauer doch nur neue Schwierigkeiten. Vor mehr als 30 Jahren schrieb Theodor Herz!: „Die Judenfrage besteht überall, wo Juden in merklicher Anzahl leben. Wo sie nicht ist, da wird sie durch einwandernde Juden eingeschleppt. Wir ziehen natürlich dorthin, wo man uns nicht verfolgt;, durch unser Erscheinen entsteht dann die Verfolgung.“ Diese Worte, dem Herzlsclien Buche „Der Judenstaat“ entnommen, sind, so paradox es scheint, der bündigste Beweis gegen den 'Zionismus. Denn die Konsequenz, die Herzl zog, hat sich als unrealisierbar erwiesen. Noch heute gibt es ja Anhänger des Judenstaatsgedankens, und —— e|ne Leitung dieses Namens. Aber man werfe .1. :.. ,i:„ m::*.— .i:--..- u.;Wegung: „Weder die »luuiiiuimcu cmti uucmuiiciiut.li i uiusuiia-Administration noch die Revolten arabischer Extremisten werden die Errichtung, des Judenstaats verhindern können“, heißt es in Sperrdruck in einer der uns vorliegenden Zeitungen. Zwar auch diese jüdischen Extremisten sind für „friedliche und freundliche —Nachbarschaft mit den Arabern“,, aber sie. schreiben. dieser Wunsch dürfe „nicht zu ejnem immerwährenden Nächgeben führen, das schließlich seitens der arabischen Extremisten als Schwäche und Unsicherheit ausgelegt wird“. Das sind haargenau die Floskeln, die uns aus allen diplomatischen Konflikten zwischen -den Völkern bekannt sind, und sie zeigen, daß die Juden in Palästina mit den Arabern verkehren wie ■ ein Volk mit einem fremden. Ihre Position ist also noch schwieriger als die der Juden unter den europäischen Nationen, von denen die Juden sich als Bestandteil fühlen, sogar dann noch fühlen, wenn die nicht jüdische Umwelt mit Antisemitismus durchsetzt ist. In allen Ländern ist es so, daß schlimmstenfalls der Nationalismus die Juden ausschließt und bekiimpft (daß es auch bessere Fälle gibt, daß nicht jeder Nationalismus so handelt, zeigte die neulich hier veröffentlichte Rede des Oberrabbiners von Rom über.den Anteil der Juden am italienischen Faschismus.) Aber ganz allein in Palästina ist es so, daß dem Nationalismus der (Unweit ein jüdischer Nationalismus gegenübersteht und daß diese beiden Nationalismen sich wechselseitig herausfordern und verschärfen. Um diese Entwicklung, die seit vielen Jahren vorausgesehen wurde, zu vermeiden, ist schon seit langem von gewissen Kreisen des Zionismus der Begriff des „binationalen Staates“ geprägt worden, das heißt also, Palästina solle das Land zweier Nationen werden. Aber auch dieser Gedanke ist undurchführbar. Denn die Araber fühlen keinen Anlaß, in ihrem Lande eine neue Nation aufkommen zu lassen, und die Juden würden in einem binationalen Staat in völlig der gleichen Lage sein wie in den Westländern; sie würden ja unter der arabischen Bevölkerung Palästinas, um mit Herzl zu sprechen, „in merklicher Anzahl“ leben, die Judenfrage würde „durch die liinwandernden Juden eingeschleppt". Alles dieses ist hier oft genug dargestellt worden, und wir meinen, eine jüdische Welthilfskonferenz hätte die Aufgabe gehabt, sich mit den Möglichkeiten der Juden in allen Ländern zu befassen, neue Einwanderungsmöglichkeiten überall zu erschließen, für eine ordnungsgemäße Eingruppierung und Normalisierung der jüdischen Beritfsstruklur. überall zu sorgen. Das ist schwierig, ist kompliziert, aber es ist der wirkliche; Weg zu einer „Lösung“, ist die Fortführung der Emanzipation. . Staltdessen mußten wir erleben', daß in dem geplanten Hilfswerk Palästina eine überragende Rolle zugewiesen wird. Zieht man in Betracht, daß schon jetzt infolge der wirtschaftlichen Prosperität und durch die Arbeit der rein zionistischen Institutionen viele Einwanderer nach Palästina gezogen werden, so ist es gewiß nicht nötig, nun noch durch die Jüdische Welthilfskonferenz die Palastmawanderung künstlich zu erhöhen, wodurch die Schwierigkeiten in Palästina nur wachsen können, während die wirkliche - Aufgabe in einer besseren Verteilung des: Emigrantenstromes und in einer Besserung der jüdischen Position in allen Ländern hätte erblickt werden müssen.- Die jüdische Welthilfskonferenz wird in Zukunft mit dem Emigrantenkommissar des Völkerbundes, Mister Macdonald, Zusammenarbeiten müssen; die Organe der Konferenz haben nur geringe Vollmachten, können in der Hauptsache nur Pläne ausarbeit.cn und Gelder aufbringen. Sie sollten aber ihr Hauptaugenmerk darauf richten, daß den Juden in allen Ländern neue Möglichkeiten erschlossen werden. Dies kann wohl kaum von einer internationalen Stelle aus gesehen, wohl aber kann eine jüdische Zentralstelle darauf hinwirken, daß die Juden eines jeden Landes, in diesem Sinne arbeiten. Alle Gelder, die aufgebracht werden, müssen in dem Gedanken zur Verfügung gestellt werden, daß es sich bei solcher Aktion nicht um Almosen wohlhabender für verarmte Juden handelt, sondern um das Schicksal der Gesamtjudenheit, also auch derer, die selbst die Gebenden sind! Aus diesem Grunde wäre es nötig gewesen, auch den deutschen Juden Mittel zum produktiven Wiederaufbau zur Verfügung zu stellen, damit die deutschen Juden durch wirtschaftliche-Leistung ihre bürgerliche Achtung wiedererringen. Leider hat aber die Konferenz — nach einem Vorbild, das schon früher hier kritisiert worden ist — den Juden in Deutschland nur Gelder für die Unterstützung von Schulen und anderen Kulturinstitutionen in Aussicht gestellt, die sicherlich für die Zukunft sehr wichtig sind, für die drängende Gegenwart mit ihrer schweren Not aber nichts helfen können. Der Emigrantenkommissar Macdonald trifft aus Amerika dieser Tage in Genf ein und will alsbald den aus Vertretern von fünfzehn Staaten bestehenden Verwaltungsrat des internationalen Emigrantenhilfswerkes einberufen. Von den jüdischen Organisationen werden fünf bis acht Sitze in diesem Verwaltungsrat beansprucht. Wir . wollen hoffen, daß die Arbeit in einem Sinne erfolgt, der die Juden weder in einzelnen Ländern noch in einzelnen Berufskategorien massiert auftreten läßt, sondern im Gegenteil sie verteilt. Wenn dann die Juden nach wirtschaftlichem Wiederaufschwung sich auf die geistige Mission des Judentums besinnen und ihrer Lehre in allen Ländern, aus allen Völkern Anhänger zu werben suchen, dann wird das diejenige Lösung der 'Judenfrage sein, an die heute zwar nur wenige denken, die aber das Werk der Propheten fortsetzt und somit die einzige, weil von Ewigkeit her vorgesehene Lösung der Judenfrage ist. Heilige oder Profansprache? Zum hebräischen Sprech- und Sprachunterricht Von Dr. H. Sachs. Die Umwälzung in der sozial-wirtschaftlichen Lage der deutschen Juden hat die Auswanderung, auch nach Palästina, in höchstem Grade gesteigert. Es ist daher liegend, daß alle diejenigen, die an eine Übersiedlung en, sich mit den Landessprachen vertraut zu machen iht sind. Die Gelegenheit, hebräisch sprechen zu lernen, _ji Berlin in ausreichendem Maße gegeben, und all diese Einrichtungen werden von den Gemeindebehörden tatkräftig gefördert. Die Gemeinde sieht hier eine ihrer vielen Aufgaben, ihren Mitgliedern in der Umstellung jeder Art behilflich Neuerdings gellen nun Bestrebungen dahin, diese rein wi rt schaf 11 i c h - p r a k t i s ch en: Zielen dienenden Sprechkurse nicht hur zu einer festen Einrichtung zu machen, sondern das Hebräischsprechen zu einem planmäßigen Bestandteil des Religionsunterrichtes zu erheben. So enthielt die Tagesordnung der letzten Sitzung des Schul- und Talmud- Torali-Vorstandes nicht weniger als sieben dahin zielende Anträge! Ein Religionsschulleiter forderte den hebräischen Sprechunterricht als obligatorisches Lehrfach mit der Begründung, daß er sonst für den Bestand seiner Schule fürchten müßte. Denn die Schüler würden die Sprechkurse dem Besuch seiner Religionsschule ohne Sprechunterricht vorziehen! — Andere, stark philologisch interessierte Meinungen traten aus methodischen Gründen dafür ein, daß die Einführung in die hebräische Sprache, wie bei jedem modernen Sprachunterricht, ein Sprechunterricht sejn müßte. Ein „Neuhebräisch“ gäbe es überhaupt nicht, und die Entscheidung müßte in die Hand der allein sachkundigen Pädagogen gelegt Vom religiös-liberalen Standpunkte aus gesehen, muß hiergegen ein sehr energisches Veto eingelegt werden, und es ist wohl am Platze, den liberalen deutschen, Juden, die entschlossen oder gezwungen sind, im Lande zu bleiben, die Sachlage klarzustellen. - Wir nennen von jeher das Hebräische die „Sp-’ ' h; i; „„<• „s die Sprach» -'»» R i h »i . Heilig is et die Spr; 1 und des; Muttersprache, die Muttersprache im Gebet den Vorzug. Wir verkennen auch 'emals den Wert der deutschen Sprache in der Liturgie, und ir danken es. der heute nicht überall geschätzten Emanzipation und Moses Mendelssohns Torah-Übersetzung, daß ein onreines Deutsch auch in unsere Bethäuser einzog. Wir -ern die ausgedehnte Anwendung der Muttersprache in der Gebetordnung, aber wir können auf das hebräische Gebet in Hrnsefni~3ytiägö|^n-hk:Vii~s-irra:ci'itti;;- Die—-Urkraft -äiid—Lebendigkeit der Bibelsprache läßt sich' in Übertragungei] nicht voll erfassen, und in den Hauptstücken der_alten Gebete fühlen wir uns dem „jüdischen Urgeist“ verbunden. Darum beten wir unsere — um vieles noch zu kürzenden — Stammgebete, die den Ursprung des Monotheismus enthalten, in ihrem Urtexte, der Sprache der Propheten. — Freilich ist die Kontinuität der Vergangenheit dabei nicht vollkommen gewahrt. Denn schon frühzeitig und lange war das Aramäische, die -Umgangs- und Geschäftssprache, auch bei öffentlichen Vorlesungen in der Synagoge (Targum) im Gebrauch. Aber ohne das Hebräische als. Gebetsprache isolieren zu wollen, schätzen wir die Kenntnis des Psalters und anderer biblischer Texte in ihrer Ursprache als ein i wesentliches Bildungsmittel. Und wir wollen den Philologen darin freie Hand lassen, wenn sie die Sprechmethode als Einführung in die Sprachkunde bevorzugen. Aber, und das soll deutlich gesagt sein, der hebräische Sprechunterricht gehört nicht als obligatorisches Hauptfach in unsere Religionsschulen. Es ist offenbar an sich schon schwierig,' Großstadtkinder für den regelmäßigen Besuch von Religionsschulen zu gewinnen. Und für die hohe Aufgabe, Lehrstoff' zum religiösen Erlebnis zu formen, dazu sind nur wenige berufen. Wenn jetzt nun gar, .— und dies auf Kosten der anderen Disziplinen — die Kinder hebräische Brocken, wie die Kenntnis der Gebrauchgegenstände des Alltags oder noch anderes, ans dem „Religionsunterricht“ heimbringen, so werden kritische Eltern mit ihrer Mißbilligung nicht zurückhalten, — dies zum- Schaden des ohnedies nicht :r angesehenen Religionslehrers. Es geht also keineswegs eiito r.Li.11.11» rfin v „ t-1; „ h e Gesichtspunkte in den und Religionsschülen sind keine Vorbereitungsanstalten für den . Auszug nach Palästina. Ist der begeisterte Chaluz, bei all seinem Idealismus, etwa ein religiöser Jude, — ja, will'er es überhaupt sein? Gewiß — niemand leugnet, daß es unter den Chaluzim religiöse Menschen gibt; aber die Chaluz-Eigenschaft selbst hat nichts mit der jüdischen Religion zu tun. Wir aber sehen gerade in den religiösen Inhalten unserer Gemeinschaft die einzige Bindung, die unseren Bestand garantiert. So wenig die Erhaltung des Judentums bisher von Nationalstaat und Tempel abhängig gewesen ist, so gering.ist unsere Hoffnung, in einer „rechtlich gesicherten Heimstätte“ die gesicherte Zukunft der Judenheit zu erblicken. - Dahn aber ist der Weg, Hebräisch-Sprechen zu einem wichtigen Teile des Religionsunterrichtes zu machen, — und das Neue ist ja auch bei Jugendlichen anziehender als die alte Materie, — dann ist dieser Weg ein falscher. Man sehe sich doch nur einmal im eigenen Gesichtskreise die Interessenten für den hebräischen Sprechunterricht an. Viele haben seit Jahrzehnten kein hebräisches ..Gebet gesprochen oder gehört; mancher war aus der Gemeinde, wenn nicht aus dem Judentum ausgetreten. Hat man diesen, unserer Gemeinschaft zwangsläufig Zuströmenden und ihren Kindern nichts Besseres zu bieten als einen Sprechunterricht?! Hinzu kommt noch, daß die Palästina angepaßte, sephardische Aussprache dem Neuling in unseren Gottesdiensten hinderlich sein muß. Oder soll jetzt grundsätzlich diese Aussprache eingeführt werden? Das wäre eine bedenkliche Nachahmung der Liturgie der Reformgemeinde, — und das dürfte den Freunden des Hebräischsprechens .wahrscheinlich fernliegen! . ' Für die iifibrwiegeiid große Zahl unserer Gemeindemitglieder, die ja wohl in Deutschland bleiben werden, in . dem sie geboren und erzogen sind, und auch für alle Jugendlichen, die ihre Heimat verlassen, aber nicht nach Palästina auswandern, sehen wir im Hebräischsprechenlernen einen zwecklosen Kraftaufwand. Der hebräische Sprech unterricht gehört nicht in die R e 1 i g i o n s schule, aber auch nicht als obligatorisches Lehrfach in unsere jüdische Volksschule, und wir halten den Vorschlag, sogar Profanfächer in hebräischer Sprache zu lehren, für abwegig und unzulässig. Die gekünstelte Auffassung, es gebe gar kein Alt- und Neuhebräisch, können wir nicht teilen. Unter „Neuhebräisch“ versteht wenigstens jeder Nichtphilologe Hebräisch als Umgangssprache, es ist für den Wanderer nach Palästina notwendig, wie auch Arabisch und Englisch. Althebräisch nennen wir das Hebräisch der Bibel und des Gebetbuches. Wieweit sich beide Arten berühren oder ähneln, ist Forschungsgebiet der Sprach- -keiiner. Eür.jins ist-nicht-daran zu-deuteln-und zu. rütteln, daß'die von uns gegebene Unterscheidung auch im Unterricht ihre Geltung behalten muß, wie früher auch für die Gegenwart; darüber werden die religiös-liberalen Mitglieder der Antisemitische Unruhen an der Budapester Universität Tapfere jüdische Gegenwehr. Am 7. November kam es an der Budapester Universität zu antisemitischen Unruhen. In längerem Kampfe setzten die jüdischen .Studenten den Angreifern tapfere Gegenwehr entgegen, bis sie schließlich zwanzigfacher Übermacht weichen und das Universilätsgebäude verlassen mußten. Der Rektor der Universität hat eine strenge Untersuchung eingeleitet. Vor den Hochschulunruhen hatte die Jahresversammlung der unter der Führung des Abgeordneten Mesko stehenden ungarischen antisemitischen Partei stattgefunden, in der der Parteiführer -erklärte, die Bewegung werde trotz der Maßnahmen des Innenministers weiter wachsen. Als' Mesko hierauf eine heftige antisemitische Rede an seine Anhänger, die Grünhemden und ein Pfeilkreuz tragen, hielt, drang Polizei in den Saal ein, löste die Versammlung auf und verhaftete mehrere -t--m—i-- |n ,je[1 Straßen von Budapest beschlagnahmte ,:"» —n„ ««.—« ■— —-“semitischen Plakaten „d)a& jüdhefte IfioCßiCied“ Der Kulturbund widmete einen Abend seiner Vortragsreihe dem jüdischen Volkslied. Arno Nadel, bekannt als 'Erforscher jüdischer Musik, kennzeichnete in seiner Einführung das Ghetto als den Boden, auf. dem jüdisches Volkslied erwächst; er beschränkte das Gebiet auf das osteuropäische Liedgut, und man hätte vielleicht wenigstens einen Hinweis auf die durch Idelsohn erschlossenen Gesänge der sephardischen und orientalischen Juden erwartet. _ Nadel grenzte das ostjüdische gegen das trotz kleiner Gemeinsamkeiten doch grundverschiedene deutsche Volkslied.ab; er wies auf textliche und musikalische Eigenheiten des jüdischen Volksliedes hin, das trotz starker Umwelteinflüsse doch seinen Sondercharakter bewahrt, musikalisch etwa in der Vorliebe für Diatonik sowie in der besonderen Tonartlichkeit der Gesänge. Anschließend trug Oberkantor Hanns John, der für Gollanin eingesprungen war, einige der berühmtesten und markantesten unter den Liedern vor. Die Bearbeitungen waren freilich nicht immer glücklich; die kunstvollen Klaviersätze zerstörten mitunter den schlichten Volksliedcharakter der Stücke. Oberkantor John sang mit vornehmer, schöner Stimme und sympathischer Vortragsart; das zahlreiche Publikum spendete'ihm und dem vorzüglich .begleitenden James Rothstein, ebenso natürlich auch Nadel, reichen Beifall und erzwang Zugaben. F. £in intotesiantel (Xßottd in Wlannholmor „yßliderfiutHg1* Einen ebenso originellen wie interessanten Abend bot der „ZzVcfrriranz“-Mannheim nach seinem erfolgreichen Werbekonzert in der Synagoge unter dem Titel „Melodramen aus zwei Jahrhunderten“. Nachdem der I. Vorsitzende,. Rechtsiwalt Dr. Hecht, die zahlreich Erschienenen herzlich, begrüßt . itte, gab Kapellmeister Max Sinzheimer eine instruktive Einführung in das Programm des Abends. Nicht für jenes unkünstlerische Melodram wolle man eintreten, auf das man mit Recht mit mitleidigem Lächeln heräbsehe, sondern auf Schöpfungen wie jene von Georg Benda, der einst, 1750, Gothaischer Hofkapellmeister war und mit dreien seiner Melodramen, nämlich „Ariadne auf Naxos“, „Medea“ und „Pygmalion“ den ungeheuersten Erfolg seiner Zeit hatte. Man hörte dann, von Herrn Sinzheimer am Flügel charakteristisch gestaltet, vom . früheren Spielleiter des Königsberger Schauspielhauses Franz Oppenheimer mitreißend gesprochen, Melodramen von Benda, Schumann, dem Russen Arenskv und Richard Strauß. Zum Schluß gab es eine erfolgreiche Uraufführung „Kreislauf der Nacht“, ein Zyklus nach Dichtungen von Bialik mit verbindender Musik von Max Sinzheimer.. Sinzheimer hat hier drei Gedichte Bialiks „Wenn der Tag erwacht'“,-„Rätsel der Nacht“ und „Mit der Sonne" musikalisch umrahmt und mit Zwischenspielen versehen mit einer die Stimmung der Gedichte charakteristisch treffenden, teilweise Themen des jüdischen Komponisten Engel frei verarbeitenden, stimmungstiefen Musik. Am nachhaltigen Erfolg der Uraufführung hatte Franz Oppenheimer als packender Sprecher wesentlichen Anteil. , ' t. n. Kunstnachrichten. Die '2. Veranstaltung des Jüdischen Kulturbundes Rhein- Ruhr bringt Ludwig Hardt am 14. November in Aachen am 15. November in Essen am 16. November in Duisburg am IS. November in Bochum am 19. November in Wuppertal am 20. November in Köln. . Im Rahmen der 3. Veranstaltung wird Herr Rabbiner Dr. Leo Baeck am 26.' November einen Vortrag in Köln halten mit dem Titel „Der jüdische, Weg“.^