Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 25 (14.11.1933)
- Date
- 1933-11-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Einzelnummer 20 Pf. gflr bcuttdies Subcntum uttb reliotöjcn IHufbou Nr. 25 13. Jahrgang Bezugspreis: Monatlich 1,35 RM. zuzüglich Bestellgeld. Einzelnummer 0,20 OM. Abonnements werden bei allen Postämtern angenommen. — Anzeigen nach Tarif. — Bel Nlditerscheinen Infolge-Strelks oder höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder ROckerstattung der entsprechenden Bezugs- ■ gebühren. . i ■ Herausgeber: Hanns Loewenstein und Willi Tisch Verlag SehliitK-itun«;: George Goetz Berlin, 14. November 1933 Dle„JQdlsch-llberäloZeliung“ erscheint Dienstags und Freitags. - Redaktion und Geschäftsstelle: Berlin - Charlottenburg 4, Mommsenstr.40. — Fernruf: J 6 Bleibtreu Sammel-Nr. 1545. - Bankverbindung: Kreditverein für Handel und Gewerbe e.G.m.b.H., Berlin N 24. Postschedckonto: Jüdisch-liberale Zeitung, - Berlin 22764. Die Jüdisch-liberale Zeitung" ist das einzige Blatt deutsch-jüdischer Richtung, das zweimal wöchentlich erscheint NS-Volkswohlfahrt und jüdische Gemeinde Das Wohlfahrtsamt der Berliner Jüdischen Gemeinde veröffentlicht in der neuesten Ausgabe des „Gemeindeblattes“ folgende Notiz: Anträge für die Winterhilfe (Winterhilfswerk des deutschen Volkes) sind laut Vereinbarung mit der NS-Volkswohlfahrt bei unseren jüdischen Bezirkswohlfahrtsstellen einzureichen. Die Anträge werden von dort an' die NS-Volkswohlfahrt weitergegeben und gemeinsam bcarheitet. einzige Lösung . Freitische für jüdische Hilfsbedürftige Nach Vereinbarung mit der NS-Volkswohlfahrt (Winterhilfswerk des deutschen Volkes) bittet das Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde Berlin, ihm Freitische für jüdische Hilfsßedürftige im Rahmen des allgemeinen -Winterhilfswerks aufzugeben. Wichtiger Hinweis: Zwischen dem 15. und 25. Novem- -ber legt der Briefträger die -Abcnnementsquittung für den Monat Dezember in Höhe von Mk. 1,35 .. zuzüglich Post-Bestellgebühr vor. - Nur pünktliche Einlösung sichert: den Weiterbezug der „Jüdisch-liberalen Zeitung“. Sammlungen verboten Vom Winterhilfswerk des deutschen Volkes ist beim Vorstand der jüdischen Gemeinde Berlin ein Schreiben, datiert vom 4. 1.1 1933, eingelaiifen, in dem mitgeteilt wird: Bezugnehmend auf unsere gehabte Unterredung teilen wir Ihnen mit, daß auf Grund der Reichsyerfügung Nr. 21 vom .25. '10. 1933 das Sammeln innerhalb des Gaues Groß-Berlin allen Verbänden bis auf weiteres verboten ist. Es folgt eine Aufzählung der Hilfsorganisationen, denen Sammelgenehmigung erteilt-wird. Ungarn ehrt seine Jüdischen Kriegsgefallenen Feldmarschalleutnant SAvoy feiert das, Andenken der jüdischen In Szegedin fand in-Anwesenheit des Kommandanten der Szegedcr Gemischten Brigade, Feldmarschalleutnant Dr. Koliv nian Shvov, eine Heldengedenkfeier und Kranzniederlegung an dem auf dem Szegeder jüdischen Heldenfriedhof errichteten Denkmal statt. Feldmarschalleutnant Shvov hielt eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: Die mörderische Grausamkeit des Krieges kennt keine konfessionellen oder sonstigen Unterschiede. Im Tode sind wir alle vereint. Auch dieses Denkmal mahnt uns an diese Wahrheit; wir Szegeder Sordaten kennen ja auch im Leben keine Unterscheidung nach Glaubensbekenntnissen, darum haben unsere jüdischen Mitbürger dieses Denkmal errichtet, das ersl in unserem ungarischen Vaterlande. Die Konfessionen i Szeged haben stets Verständnis füreinander bekundet Und si haben Recht daran getan. Diese Seelenharmonie wollen wi auch künftighin im Interesse einer schöneren Zukunft unseres Vaterlandes bewahren. So we.rden wir dem Andenken der Helden huldigen, der. Christen und Juden, die Schulter an Schulter gekämpft, die größten Leiden des Lebens erfahren und, einander umarmend, ins Jenseits eingegangen sind. -Wer weiß, wie viele von ihnen auch jetzt noch in Umarmung in gemeinsamen Gräbern ruhen? Von dem Glauben durchdrungen, daß diese Feier das Volk von Szeged noch stärker zusamr schmieden wird, lege ich in tiefer Ehrerbietung und mit richtigen kameradschaftlichen Gefühlen für die toten Helden den Kranz unserer Pietät im Namen der Offiziere und der Mannschaften der Garnison an diesem Denkmal nieder. Nach diesen Worten bekränzte der Kommandantdas Denkmal, während die Ehrenkompagnie und das Offizierskorps die Ehrenbezeujgung leisteten. Der Stein der Weisen, obwohl gar nicht “existierend, übt seit je eine große Anziehung auf die Massen aus. In der allgemeinen Politik des früheren.-Parteistaates war es so, daß all die Vielen, die den komplizierten wissenschaftlichen Gedankengängen eines Karl Marx nicht zu folgen und seine Schriften überhaupt zu lesen.nicht imstande waren, sich an den Zauberworten „Eigentum ist Diebstahl! — Es muß alles gefeilt werden!“ berauschten, an Worten also, die .mit dem auch von den Gegnern — und zu den Gegnern gehört das Judentum schon deshalb, weil diese Schriften antireligiös sind — als wissenschaftliche Schöpfung von hohem Rang anerkannten Werk nur wenig zu tun haben. Und genau wie in früheren Zeiten derjenige einen schweren Stand hatte, der einer solcherart von Zauberformeln berauschten Menge ein ernsthaftes wirtschaftspolitisches Programm vorsetzen wollte, so ist cs auch im jüdischen Leben schwer, mit ernsthaften Argumenten zu überzeugen, zu wirken. Auch die jüdische Menge ja wird vielfach von Zauberformeln beherrscht, die mit dem wirklichen Judentum wenig oder nichts zu schaffen haben, deren dialektische Einfachheit und Schcinlogik aber von der Menge ^als „eipzige. Lömmg-der Judenfrage“ empfunden^ Oberall in der Welt befinden^ sich die Juden in. einer komplizierten Lage. Die alten Hebräer waren ein Volk, eine Nation auf eigenem Boden, mit eigener Sprache und Kultur. Aus ihrem Schoße entsprang eine Lehre für alte Völker, deren Anhänger aber auch nach der Zerstörung des jüdischen tes und nach dem Untergang der jüdischen Nation als die Abkömmlinge jenes einen Volkes angesehen wurden und viclseither vergangen; das Judentum ist eine Religion, aber die Juden haben es nicht verstanden, gleich den Christen nichts weiter zu sein als Juden der Religion und im übrigen Angehörige ihrer Völker. Weder hei den Juden selbst mul noch viel weniger in den Augen der Außenwelt wird unter dem Begriff „Jude“, als Analogon zum Begriff „Christ", nur der Bekenner der jüdischen Religion verstanden, sondern immer -och spukt die unklare Vorstellung von einem bcsoiulercnüdischeu Volke mit hinein und wird von der Tatsache der icsonderen soziologischen Struktur der Juden noch genährt, ml mau nicht daran denkt, daß überall m der Welt religiöse Minderheiten auch au bestimmte Volksschichten gebunden sind. Alle diese Dinge trügen dazu hei, daß die Emanzipation unvollendet lilieb; die Tudcnlieit ist immer noch halbwegs.eine Volksgemeinschaft geblieben, sie ist noch weit davon entfernt, eine Religionsgemeinschaft geworden und als solche restlos unter den Nationen aufgegangen zu sein —, eine wahrlich komplizierte und schwierige-tage, -..••e:-__ mite vorfand und die er mit seinem Zauberwort' zu lösen versprach. Religion schien den meisten etwas Abstraktes, vielen auch etwas Überlebtes; Selbstcmanzination forderte Selbstüberwindung mul brachte Unhci|uemliclikcitcumit sich, auch erheischte sie einen geschichtlichen Blick, der Vergangen- Judengegnerische Bewegung in Südafrika Der „Tag“ bringt in seiner Ausgabe vom 29. Oktober folgende aus London telegraphisch übermittelte Nachricht':. _ Der Korrespondent der „Morhing Post“ in Johannesburg meldet: ln Kapstadt hat gestern eine Versammlung stattgcfundcu, auf der die „Afrikanische, arische nationalsozialistische Bewegung“ gegründet wurde. Die Organisation bezweckt, in allen Teilen der Union nationalsozialistische Propaganda durchzuführen: Bedruckte Zettel mit Aufschriften „Briten, gestattet es* Juden nicht, sich mit weißen Mädchen einzülassen“ und „Der Krieg war ein jüdischer Krieg1: sjm| in die Bücher der öffentlichen Leihbibliotheken in Kapstadt eingeklebt worden. Auch an jüdischen Häusern wurden diese - Zettet befestigt. ■ vor den Folgen antisemitischer Propaganda Der Vizepräsident des Ministerrats von Südafrika, General Smuts, erläßt einen Aufruf, in dem er nachdrücklich davor warnt, die sich in Südafrika entwickelnde „finstere und gefährliche antisemitische Propaganda“ zuztilasscn. Das Justizamt, erklärt General Smuts, erfährt, daß in Verschiedenen Teilen des Landes antisemitische Flugblätter verteilt und von Judenfeinden veranstaltete Versammlungen abgehalten werden. Diese Vcr-' anstaltiingen zielen darauf ab, Storungen von Ruhe und Ordnung hervorzitrufcn. Bedauerlicherweise sind Anzeichen dafür vorhanden, daß durch eine organisierte Bewegung. Rassen- und Klassenhaß in unserem Volk verbreitet werden soll. Der Versuch, den Haß und die Ranküne der alten Welt nach Südafrika in einem Augenblick zu verpflanzen, da' dieses die größten Anstrengungen mache, um unglückselige Spaltungen früherer Zeit zu überwinden, sei höchst unerwünscht. General Sinuts warnt zum Schluß idie antisemitischen Agitatoren und erklärt, auf diese würde'die Schuld fallen, wenn ernste Uninhen ausbrechen sollten. " In ähnlichem Sinne äußerte sich gelegentlich einer Ansprache der südafrikanische Minister Grobler. ' Parade jüdischer Frontkämpfer in London Admiral Sir Roger Keyes rühmt jüdischen Kampfgeist Auf dem Horse Guards Paradefeld zu London nahm der Admiral der englischen Kriegsflotte, Sir Roger Keyes, am Sonntag, den 5. November, eine Parade über 4500 jüdische Frontkämpfer aus London und der Provinz ab. Nach einem von Chief Rabbi Dr. J. H. Hertz und dem Rangältesten jüdischen Feldkaplan der englischen Armee, Rabbi Gollop, zelebrierten Gedächtnisgottesdienst für .die jüdischen Gefallenen des Weltkrieges defilierten die unter dem Kommando von Oberst J. H. Levey stehenden jüdischen Frontkämpfer vor Admiral Roger Keyes. . Die Abteilungen marschierten sodann zum Grabe des unbekannten Soldaten, wo durch Leutnant Keysor und Jack White ein Kranz im Namen der jüdischen Kriegsteilnehmer niedergelegt wurde. Abends fand m der Albert Hall ein kameradschaftliches Treffen statt, bei dem der Schatzmeister der britischen Legion, Major J. B. Brunei Cohen, den Vorsitz führte. Nach Verlesung eines Telegramms“ das der König auf eine Begrüßung der jüdischen Frontkämpfer gesandt hatte, hielt Admiral Sir Roger Keves eine Ansprache,, m der er seiner Genugtuung darüber Ausdruck gab, au einer so machtvollen Kundgebung der Treue und Kameradschaft jüdischer Frontsoldaten in einem Augenblick teilnchinen zir können, da viele voll deren Glaubensgenossen schwere /.eiten durchzuinaclieii-haben. Die vielen Auszeichnungeil, die er hei habe, hätten ihn aufs neue den Beweis gegeben, daß den Juden hoher Kampfgeist inucwolmt. . Der Festgottesdienst und die Ansprachen heim KameradschaftstrcTtcn wurden durch den. englischen Ktindfiiiik uher- Der .König von Rumänien gegen politische Betätigung der Studenten Ansprache hei der Semestereröffnung in Jassy. - Kein Resn'ch. des Königs im cuzistisr/ien Studentenheim. — Antisemitische . - Protestkundgebung. . Die feierliche Eröffnung des Wintersemesters an der Universität Jassy, trug .durch die Teilnahme König Carol.ll., der eine bedeutsame Ansprache au die Studentenschaft hielt, eine besondere Note. Die Rede des Königs in Jassy, das bekanntlich eine Hochburg des rumänischen Antisemitismus und der Ausgangspunkt der insbesondere unter der Stiidenteuals entschiedene Ablehnung der politisch-antisemitischen Betätigung der Studentenschaft .aiifgefaßt. König Carol riehtclc an die Studenten u: a. folgende Worte: — „Macht Euch bereit zum Kampf für den-morgigen Tag. Eure Stärke aber soll nur das Buch sein. Das aii/nslrelien, ist Eure einzige Pflicht!“ Die Presse kommentiert diese Worte des Königs als Verurteilung der unter der Studentenschaft herrschenden politischen .Tendenzen. Für die Stellungnahme des Königs zu diesen Fragen, ist auch charakteristisch, daß der König es unterlassen hat, das Heim der christlich-nationalen Studentenschaft zu besuchen, obwohl dort Vorbereitungen zu seinem. Empfang' getroffen waren. Das Unterbleiben des Königsbesuchs im cuzistischcn Heim wurde von der antisemitischen Studentenschaft als eine auf die Einflußnahme des Rektors Professor Traian Bratu zurückzuführende Beleidigung aufgefaßt. Es kam ixt einer antisemitischen Protestkundgebung, bei der die Fensterscheiben der Wohnung des Rektors zertrümmert wurden. An den König wurde ein Protesttelcgramm abgeschickt, in dem diejenigen scharf angegriffen werden, die es „nicht zugelassen“ hätten, daß der König das Studentenheim besuche- Es ist zu erwarten, daß gegen die Veranstalter der Kundgebung mit scharfen Disziplinarmitteln eingeschritten