Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 23 (7.11.1933)
- Date
- 1933-11-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2613366-2613479-2613504--4548-2616243- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
degesamten• Menschheit aus: „Die Frommen aller Völker haben Anteil am ewigen Leben!“ Mjt diesem Hinweis aber kommen wir zu grundsätzlichen Erwägungen: Die jüdische Religion verkündet die Lehre von der Einheit des Menschengeschlechts, die vom Christentum übernommen ist. Dem Einen Gott entspricht die Eine Menschheit, der gegenüber alle’Unterschiede der Nation, der Abstammung oder Kasse unwesentlich werden. Es liegt ein tiefer Sinn in der biblischen Schöpfungserzählung von dem einen Menschen, der zu Anfang erschaffen wurde, „auf dall verkündigt werde die Grolle des Königs aller Könige, gelobt sei — welcher mit einem Stempel die ganze Welt geschaffen, £ von dem einen Stempel kamen viele Siegel. Ein Mensch prägt viele Münzen mit einem. Stempel, doch sind sie alle gleich untereinander; aber der König der Könige, der Heilige, gelo! sei er, der prägt die Menschen alle nach dci Bilde Adams, des ersten Menschen, und gleich doch keiner dem-andern.“ (Bin Gorion, Sagen di .Juden.) Hier ist das tiefste Menschheitsproblem und zugleich die erhabenste Lehre des Judentums berührt. „Gott schuf den Menschen in seinem Bilde; im Ebenbilde Gottes schuf er ihn.“ Damit ist Ursprung und Aufgabe zugleich des Menschen gegeben. Alle Menschen sollen „Gotteskinder'1 sein. Niemand welches Stammes, welcher Herkunft er sei, ist untauglich z dieser Aufgabe, niemand von ihr ausgeschlossen. Die jüdische Lehre — und mit ihr das Christentum — kennt kein .Menschengruppe, keine Rasse, die grundsätzlich vom „Heil " und von der aktiven Mitwirkung am Bau der Menschheit aui geschlossen wäre. Im Gegenteil — noch der Geringste ii bildungs- und. entwicklungsfähig; ja eigentlich ist ihm selbt die Aufgabe zügewiesen, seine Menschwerdung zu vollenden. Zu dem Satz: „Gott schuf den Menschen in seinem Bilde“ bemerkt ein Midrasch: „Bei allen Werken der Schöpfung heißt es am Ende: Und Gott sah, daß es gut war. Warum fehlt dieser Zusatz bei der Erschaffung, des Menschen? Alle andern Werke standen sozusagen fertig da, und man konnte sr~' ’ sagen, daß sie gelungen seien. Der Mensch al der Willensfreiheit; i ch allein ihm ist die Entscheidung zuin Guten oder Bösen gegeben.“ In diesem Sinne ist der Mensch Mitschöpfer der Welt oder, nach Herder, der „erste Freigelassene der Schöpfung“, der zum mitverantwortlichen Träger der Menschheit bestimmt ist. „Nicht bloß dieser oder jener kann das Ebenbild Goties-sein, sondern der Mensch schlechthin ist es; denn'er ist es von Natur aus.“ (Baeck, Wesen des Judentums.) Somit kann nach jüdischer und, wie wir glauben, auch nach christlicher Auffassung die Diffamierung der Juden als einer rassisch-minderwertigen Gruppe nicht anerkannt werden, ebensowenig wie grundsätzlich nach den Lehren, der jüdischen und christlichen Religion von einer „rassischen Verschlechterung und Zersetzung" durch - die erwähnte Blutsmischung geredet werden kann. Es liegt eben im Wesen jeder ethischen Religion, daß sie alle von der Natur geschaffenen Menschenwesen als entwicklungsfähig ansieht. Zwar läßt sich nach einem alten lateinischen Worte nicht aus jedem Holze ein Merkur schnitzen, aber es kommt beim Menschen nicht so sehr darauf an „wes’ Naitt’ und Art“, welcher rassischen Abstammung er ist, als vielmehr, was er kraft der ihm verliebelten göttlichen Fähigkeiten aus sich selber macht! Das meint auch Luther mit seinem schönen Worte: „Der Christ ist immer im Werden, nicht im Gewordensein.“ Dieses Wort würden wir Juden getrost auf uns selbst übernehmen: auch Jude muß man werden. Die Natur allein beugt sich unter das Gesetz des Zwanges, der Mensch entwickelt sich als freies Wesen. Darum ist der jüdische Standpunkt auch seitens der christlichen Theologie anerkannt worden, wofür einige Beispiele zeugen mögen: „ln einer Religion, die allein unter allen. Religionen eine klare Vorstellung von der. Abstammung aller Menschen von einem einzigen Vater hatte . . ., konnte kein Raum sein für eine Unterscheidung zwischen Volk und Volk, für eine Einteilung in höhere und niedrigere Rassen, in von Haus barbarische und nichtbarbarische Stämme ... Diese. Idee der einheitlichen Abstammung aller Menschen und Völker . . . hat eine große sozialsittliche Bedeutung für das menschliche Leben. Sie legt unabweislich den Gedanken von der, Gemeinschaft der Aufgaben und Lebens- Off« dem SEeße» unboxox gemeinden Berlin; (Repräsentantenversammlung, vom 3 0. Oktober.) Nach Eröffnung durch den Vorsitzenden, R.-A. Stern, berichtet der Vorsitzende des Gemeindevorstandes, Direktor Heinrich Stahl, über die Maßnahmen der Gemeinde hinsichtlich der Winterhilfe. Sodann erstattet der Dezernent der Wirtschaftshilfe der Gemeinde, Dipl.-Ing. Bruno Woyda, - ein ausführliches Referat über die Wirtschaftshilfe und die verschiedenen Zwecke ihrer Tätigkeit. Die Arbeit werde völlig objektiv, ohne Ansehen der Zugehörigkeit der Bittsteller zu irgend einer jüdischen Richtung durchgeführt. Oberstes Ziel der Tätigkeit der Wirtschaftshilfe sei die Rroduktivierung der Personen, die sich an sie wenden. In wohldurchdachter planmäßiger und zäher Arbeit sei es der Wirtschaftshilfe und ihren Organen gelungen, beachtenswerte Erfolge zu erzielen, wiewohl die Schwierigkeiten zum Teil erheblich gewesen, sind. Im ganzen habe die Wirtschaftsstelle bis zum 1. 9. 33 etwa 14 000 Personen zu beraten gehabt. — Vom Gemeindevorstand ist eine ausführliche. Vorlage hinsichtlich der Bemessung der -Steuerquote für .1933 eingegangen. AGR. Michaelis als Referent empfiehlt die Annahme. LGR. Rau von der zionistischen Fraktion legt dar, daß für seine Fre.unde die Verwaltung und ihre Notwendigkeiten in erster Reihe’ stehen; sic werden daher der Stcuervorlage zustimmen. Im einzelnen äußert der Redner einige Bedenken. Es wird einstimmig beschlossen, die Steuervörlage in einer für Montag, 6_. November, einberufenen Sitzung endgültig zu verabschieden. — Einstimmige Annahme findet auch eine Vorlage des Gemeindevorstandes, aus Anlaß des 80.-Geburtstages von Geheimrat Stern beim 2. Waisenhaus in Pankow eine Julius und Johanna. Stern-Stiftung in Höhe von 10Ü00.Mark zu errichten. — Nach Abschluß der Tagesordnung sprechen Herr R.-A. Dr. Kt ec als stellvertretender Vorsitzender. der Versammlung, Direktor Stahl namens des Vorstandes, Dr. Fleischer für die religiös-liberale Fraktion und Prof. Loewe für die Volkspartei dem Vorsitzenden der Verl — Sammlung aus Anlaß seines* 50. Geburtstages in warmen Worten die herzlichsten Glückwünsche aus. R.-A. Stern dankt für die ihm gezollte Anerkennung. Alfred Rosenberg über Judenfrage und Minderheitenrecht. Der Leiter des außenpolitischen Amtes der NSDAP, Alfred Rosenberg, nahm in einer im Berliner Sportpalast gehaltenen Rede auch zur Judenfrage Stellung und erklärte, diese Frage könne nicht als Minderheitenproblem behandelt werden. Die Aufrollung der Judenfrage'als eine Minderheitenangelegenheit in Genf sei ein mit dürftigen Mitteln eingefädelter Versuch gewesen, die deutsche Regierung in internationale Verwicklungen Zu stürzen. Deutschland habe von jeher die These vertreten, daß erst eine eigene Sprache und gemeinsame Kulturgeschichte das Recht auf Minderheitenbehandlung gewähren können. Wenn das Judentum sich entschließen würde, sich zu einer gemeinsamen Sprache zu bekennen und auf einem gesonderten Territorium in Deutschland zu leben, dann erst wären die Vorbedingungen für die Anerkennung einer jüdischen Minderheit geschaffen. Gläubiger im Minderheitenstreit sei Deutschland. Vereins-Nachrichten. Jugendgemeinschaft der Jüdischen Reformgemeinde. Berlin N 24, Johannisstr. 16. Dienstag, 7. 11., abends 8 Uhr, im Gartensaal, Logenhaus Klciststraße 10, Redner: Rabbiner Dr. B. Gotischalk. Montags: Gruppe Norden, Johannisstraßc 16, Heimabende von 4,30 bis 6,30 Uhr. . Donnerstag: Gruppe Westen, Ort nach Vereinbarung, Heimabende von 4,30 bis 6,30 Uhr. Gäste za allen Veranstaltungen willkommen! . Der „Reichibund für Jüdische Siedlung In Deutschland e. V." ctbt bekannt: Es dische Siedlung in Deutschland e. V. sich mit Siedlungen im Auslande, insbeson- Reichshund des gesamten Menschengeschlechts __ .1 (Bischof Chrysanth, Die Religionen der alten Welt. (Aus: Lehren des Judentums.]) Für Jesus selber war (nach Daniel Schenkel, Bibellexikon IV) nicht mehr der Jude, sondern der Mensch überhaupt der höchste Gegenstand des göttlichen Schöpfer-, Zweckes. „Eben deshalb beurteilte er den Wert des Menschen nicht nach seiner äußereh Welt-, Lebens- und Berufsstellung, nicht nach Geburt, Rang, Vermögen, Herkunft, Nationalität, sondern lediglich nach seiner inneren, d. h. rein menschlichen, persönlichen Bedeutung . . . Alle Menschen sind ihm in gleicher Weise Söhne des himmlischen Vaters. Nach dem Vorbild Gottes selber soll ein jeder in demandern den Mens c h e n als solch e n achten . . .“ Der Apostel Paulus-bewährt, nach demselben Verfasser, die tiefe prinzipielle Umwandlung, die das Christentum in ihm bewirkt hat, am meisten darin, daß er „an die Zukunft einer von Christi Geist beseelten ü esam t gein ein de der* Menschheit - glaubt, in welcher alle nationalen, ja auch die konfessionellen und sozialen Unterschiede aufgehoben sein werden“. Schließlich sei hier auf Ernst Troeltsch verwiesen, der in seinen Abhandlungen „Zur religiösen Lage, Religionsphilosophie und Ethik“ den Missionsgedanken gegenüber dem Judentum bejaht und erklärt, die christliche Idee der Menschlieitsgemeinschaft sei unabhängig von den zufälligen . Besonderheiten des Einzelnen und der einzelnen Länder. Er wirft die Frage auf, ob ein Rassenkampf ungeheuerlichster Art die Menschheit entzweien soll, und kommt zu dem Resultat: „Nur die ethische Menschheitsreligion kann die Rassendifferenzen überwänden."' Auch in verschiedenen Abhandlungen des Werkes über „Die Soziallehren der christlichen Kirchen und Gruppen“ vertritt Troeltsch die höhere Bedeutung der ethischen Individualität gegenüber bloßer Natur-Gegebenheit. Die naturhafte Individualität muß überwunden werden durch r Gottesgemeinschaft zu gewinnenden Wert, der alle Naturschranken, alle Naturunterschiede verschwinden läßt. (Das. Seite 39.) Das Ethos des Evangeliums löst durch Bruderliebe alle Spannungen .und Härten des Kampfes ums Dasein, des Rechts, der bloß äußerlichen Ordnung; es überwindet nach Troeltsch „das Gleichheits- und Ungleichheitsproblem, indem es weder im Sinne der Auslese die Gewalt und den Zufall verherrlicht, noch im Sinne der egalitären Doktrin die Wirklichkeit vergewaltigt. Es nimmt die Verschiedenheit der Lebenslagen, der Kräfte und der Fähigkeiten als einen von Gott gestifteten Zusammenhang hin, den die innere Hebung der Persönlichkeit...'in . einen, ethischen Kosmos verwandelt.“ (a. a. O. Seite 978.) Kehren wir zu unserem Ausgangspunkt zurück: Die Minderwertigkeit der jüdischen Rasse soll durch geschlechtliche Vermischung zur rassischen Verschlechterung des deutschen Volkes beitragen! In Wahrheit gibt es keine eindeutig guten, und schlechten Rassen. Erst die Haltung der einzelnen Individualität entscheidet. Das mag noch zum Schluß mit einem Worte von Troeltsch (a. a. O.) bekräftigt wer * sönlichkeit, die aus* dem N a Wesensneigung mit Gott e Endlichkeit erhaben und k; durch Willens- und entsteht,'ist allein über die allein ihr trotzen.“ Beschaffung von Arbeit. (Modellkonfek- Arbeitsgemeinschaft der jüdischer inachweise,Berlin C 2, R< Geschäftliche Notizen. upstockstr.. Bogen 15. Hier erhält- Die bekannte Berliner Kammermusikvereinigung „Neues Streichquartett“ (die Herren Frey, Prager, Meyer und Weil) veranstaltet gemeinschaftlich mit der Sängerin Paula Lindberg am Montag, den 13. November 1933, abends 8,15 Uhr, im Logenhaüs Kleistsfraße 10 ihr 1. Konzert in dieser Saison zugunsten der Kunstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde. Näheres Auslands-Übersiedlung an Ueber»ee-Verpackung — moderne Lagerhäuser Spezial-Verkehr nach Paris Eigene Filialen InParls nnd-Wlen GUSTAV KNAUER, BE RUIN W 62 WIchmännstraBe 8 Fernsprecher; Barbarossa 0012 Block seit 1860 I Berlin-Wilmersdorf I | Durlaclier Str.ße 15 L Telefon H 7 Wilmersdorf 4037 Ludwig Zimmermann Berlin-Wilmersdorf, Internat. Transporte Sachgemäße und kulante Bedienung Äw Radiohaus Fi iedenau Radioapparate. Anoden, Akkus, Schalotten, Sprechmaschinen, Bln.-Friedenau. KabenUee 75 Qualitäts-Zigarren Besonders gepflegte frische Brasils AUa Sortsn Zigaretten und Rauchtabak* am Lager Kartoffel-Zchneider Hansa-Halle, Bogen 15 OOGCOCODOOOCKXXXXOO Wendt & Redlich BERUH! w Unter den Linden 29 >• - Tel. A2 Flora 5374 Herrenschneider Herrenwäsche nach Maß Harrasi-Artikel GARDINEN seit 1862 bette Qualitäten Nauaniertigung zeitgemäße Preise - Schwarfta (U-Bhf. Spittelmarkt) Auto-Reparatur-Werk für in.;u. ausländ. Fabrikate E. Schuster Vergaser - Werkstatt Irnberg-Service. -* Solei-Dienst ... Runkst, Berlln-Halense« Eiaeazahzutr. 49, E. Westfälischeste Femspr.* H 6 Emser Plate 039fi Bürobedarf Emil Unger,G2,SpandauerStr.lS (M. d. J. G-). E 2 Kupfergraben 0680 Zeitgemäße Preise Cigarrenhaus BARTHANN Berlin W15. Komtanzentr. 2 SPEZIAL-GESCHÄFT für moderne Augen-Optik uAmateurphotographle H. Riegel Nfg. .lesender Stc. 53 Telefon E n 0714 Victor Czaika 124. Elsnsicr StrJ0 01 .Norden 4082,4940 Elegante Braut- und Luxus- Kurzentschlossene Käufer für Renten-,Geschäftshäuser Villen, Hypotheken Isr. Schmidt Söhne Leipziger Straße 112 — A 2 Flora 6301 - für FOTO- ■ undFI LM- I Sorgfältige Ausführung aller Papier-, Druck-.und Bürobedarf Berlln-HannM^KarfOrtlendammlSö I Fassaden-Abputz u.Anstrich Treppanflura, Wohn- und aoachafterBuma E. Madel, Malermeister, Charlottenburg Suarezstr. SS Telef. C 4 Wilhelm 1975 I IWenn Sie Kisten aller Art benötigen, so wenden Sie sich an die Kistenfabrik Oskar Kämpfe Berlin S 42, Wassertorstr. 4g a 7 DOnhoff 3M Diese liefert auch Holzwolle engros — Kreditverein für Handel und Gewerbe e. G. m. b. HL ®r*tnienburqerstrasse 3, (am Hackeschen Markt). Sammel-Nr.D 2 Weidendamm 0852 Die Bank des Jüdischen Mittelstandes!Ausführung sämtl. bankmMssiqer Geschäfte -