Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 23 (7.11.1933)
- Date
- 1933-11-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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13. Jahrgang Nummer 23 3ftdlf(fi'(i^ecale 3eUnng Beilage 7. November 1933 Heinrich Sterns Wirken im Dienste der jüdischen Gemeinschaft. Bedeutsame Äußerung des Berliner Gemeindevorsitzendeii. In der vorigen Woche wurde hier Heinrich Sterns Persönlichkeit anläßlich seines 50. Geburtstages gewürdigt. Dem Vorsitzenden der. „Vereinigung für das religiös-liberale Judentum1galten einführende Worte von Verlag und Redaktion dieses Blattes, dem Freund und Mitarbeiter für religiös-liberales Judentum widmete Herr Rabbiner Dr. Leo Baeckeinen vielbeachteten Aufsatz über das Wesen einer jüdischen Gemeinde. Nunmehr hat auch Direktor Heinrich Stahl, der als Vorsitzender des Vorstandes dem Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde besonders nahesteht, die Verdienste des Jubilars öffentlich gewürdigt und der „Jüdischen Telegraphen-Agentur“ . folgendes Schreiben zugehen lassen: Der 50. Geburtstag kann in unserer Zeit nur Beachtung verdienen, wenn es sich um Leute handelt, die besondere Verdienste uni die Allgemeinheit oder bei uns um die jüdische Gemeinschaft haben. Das ist der Fall bei Heinrich Stern, der am 1. November 50 Jahre alt wird. Ein Berliner Kind, ist Heinrich Stern in einem Elternhaüse erzogen worden, das hervorragenden Wert; legte auf gute Erziehung und religionstreue Belehrung seiner Kinder. Seine jüdische Laufbahn hat Heinrich Stern in der Jugendbewegung begonnen. In ihr hat er die Kunst der Einordnung und Disziplin gelernt und damit für sich die Voraussetzungen geschaffen, die für seine spätere leitende Tätigkeit im Gemeindeleben grundlegend waren. So darf man von Heinrich Stern, dem Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung unserer Berliner Gemeinde sagen, daß er wie .kaum ein Zweiter in diese Stellung hineingewachsen ist und sich mit. ihr innerlich verbunden fühlt. Heinrich Stern ist so objektiv wie der Leiter einer Körperschaft sein muß, er ist aber auch so temperamentvoll wie der Mann auf dem Präsidentenstuhl es sein soll, wenn er die Fäden der Debatte in der Hand behalten will. Das hat Stern nicht nur in der Reprasentantenversammlung bewiesen, auch bei den Tagungen des Preußischen' Landesverbandes jüdischer Gemeinden bewährt er sich als. der objektive und dennoch temperamentvolle Förderer der Verhandlungen, dem als oberstes Prinzip die Notwendigkeit vor . Augen stand, ln möglichst kurzer Zeit ein möglichst reiches Maß sachlicher Arbeit zu leisten. Auch als Vorsitzender der Vereinigung für das religiös-, liberale Judentum in Deutschland hat sich Heinrich Stern um die Wahrung jüdischer Interessen verdient gemacht. In ihm verbinden sich Liebe zur Tradition, Achtung vor der Vergangenheit mit dem Respekt vor den Ideen der Gegenwart und den Idealen der Zukunft. Heinrich Stern zeichnet sich besonders aus dadurch, daß er immer Verständnis für die Ansichten des Andersdenkenden hat. Die Achtung, die er für die eigenen Ansichten in Anspruch nimmt, ist er auch bereit, jeder anderen ehrlichen Überzeugung Die ethischen Grundforderungen der jüdischen Religion, das soziale Pflichtgefühl, welches die Propheten des Judentums verkündeten, haben das religiöse Wirken Heinrich Sterns entscheidend beeinflußt. Die Einheit des Judentums ist ihm ein wertvoller Begriff, den er in der Praxis und in seinen Ämtern zu verwirklichen sucht. '' Die Berliner-) üdische 'Gemeinde schuldet dem ' Vorsitzenden ihrer Repräsentantenversammlung für seine hingebende Arbeit Dank. Diesen! Gefühle will ich namens der Gemeinde Ausdruck, geben. Damit will ich die Hoffnung verbinden, daß Heinrich Stern noch viele Jahre als Sachwalter jüdischer Interessen zum Wohle unserer Gemeinschaft und zu seiner eigenen Befriedigung wirken möge. Hierzu möge ihm eine recht gute er .Jüdischen Volkspartei-, KeaiiUer Wes9 Nom’ und Art Von iptedigex Jh. Haxi ftvscntiiai Herren-Maßkleidung 1861 Dualität, au di Im Stabsyttem J. Stock & Co., und nur I* m. b. H. Vor kurzem meldete die „Jüdische Telegraphen-Agentur": ln der Denkschrift zur Strafrechtsreform, die der preußische Justizminister Kerrl der Reichsregierang übergeben hat, wird in dem dem Schutze der Rasse gewidmeten Kapitel nicht nur ein Verbot von Mischehen, sondern auch eine Strafvorschrift gegen jede geschlechtliche Vermischung zwischen Deutschen und Eremit rassigen gefordert. Strafbar sein sollen beide Teile. Der formulierte Leitsatz tautet: scheu mit einem Angehörigen fremder Muts r Rasst Biutsgcmeinschaft d i der Dr. Ludwig Tietz gestorben Mit größter Erschütterung erfahren wir nach Redaktionsschluß, daß Dr. Ludwig Tietz, der bekannte Führer der deutschjüdischen Jugendgenieinschaft und stellvertretende Vorsitzende des Central-Vereins, im '17. Lebensjahre plötzlich gestorben ist. Dieser Todesfall ist um so tragischer, als Dr. Tietz, der seit Jahren bemüht war, die gesamte dentsclijüdische Jugend unter seiner Führung zu vereinigen, gerade in diesen Tagen seitens des Reichsjugendfiihrers die Anerkennung erhalten hatte, derzufolgt der von Herrn Dr. Tietz geleitete „Reiclisausschuß der jüdischen Jugendverbände“ die alleinige verantwortliche Zentralorgamsation der. jüdischen Jugend in Deutschland geworden ist. Ludwig Tietz hat in früheren Jahren als liberaler Abgeordneter im Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden Erhebliches auch für unsere Bewegung geleistet. Waren auch seit einiger Zeit Gegensätze zwischen ihm und seinen alten Freunden aufgekommen, so sind doch seine eminenten Fähigkeiten, sein stets opferbereiter Idealismus zu jeder Zeit anerkannt und gewürdigt worden. Es wird keinen deutschen Juden geben, der nicht mit Bestürzung und Trauer die Nachricht von dem-Heimgange dieses wertvollen Menschen aufnimmt. Mit ihm ist Einer dahingegangen, der ln vorbildlicher Treue für die vonihm für recht erkannten Ziele der jüdischen. Gemeinschaft gekämpft hat. f zur rassischen Verschlechterung und Zersetzung des di sehen Volkes beizutragen, macht sich des Rasseverr schuldig. ■ ' Rasseverrat liegt auch dann vor, wenn die V mischung unter Verwendung von die Empfängnis i hütenden Mitteln begangen wird. Als besonders schwere Bälle sind auch anzuseh " 1) der Rasseverrat u, der Zugehörigkeit gemeinschäft oder mittels einer lauscnung Hierüber begangen ist, 2) der Rasseverrat in der Ehe begangen ist, und der eine Eheteil unter arglistiger Verschweigung der Zugehörigkeit des andern Eheteils zur fremden Rasse oder Blutsgemeinschaft oder mittels einer Täuschung hierüber zur Eingehung der Ehe verleitet worden ist. deutschen Kulturmul Wirtschaftsleben bringt die oben zi Denkschrift Vorschläge, welche die Mischehe mul jei geschlechtliche Vermischung zwischen Ariern mul“ Nicht; unter Strafe stellen sollen. Es ist nicht unsre Aufgabe, j etwaige behördliche Maßnahmen eine Polemik zu Intimi Allsführungen zu diesem Problem gemacht werden, \vnhl mag die geplante Slralrechtsreform Anlaß für uns sei rdeu, mit denen die Ehe eüi/ugchcii t: „DjE sollst dich mit ihnen nicht neu Sciliu nehmen.“ ■ Zur Hegrmi- 1 I II I lil I Irl 1 I g Weise voirder (jeschhisseutfu ehelichen ^Vcrhindmig zwischen namhaften jtfdi- Tochlcr eines ägyptischen' UÖWaipriestcr' thro; später heiratete er auch noch eine Kushitcrm, trotz des Widerspruch.', seines Bruders Aron und seiner .Schwester Mir-, y' litt; Sunsoii ging zweimal) eine Ehe ein mit Philisleriimeii. oas endlich heiratete Ruth, die spater vielgepriesene Stammmutter-des .Königs David mul des Messias. Auch von David mul Salomo wird die ■ Vermählung mir heidnischen Frauen Eine, grundlegende Änderung der bisherigen Situation ergab sich nach der Rückkehr aus dem bahvIonischen Exil. Damals versuchten Esrä mul Nehemia die Geschlossenheit mul. Widerstandskraft des durch die Gefangenschaft zerrütteten Volkes nett zu begründen.. Aus diesem Grunde wtirde die luliing mit Angehörigen fremder Vülkerstäm das Strengste untersagt. Alle bestell ' ' 1 für' nichtig e-'.1 .■-1 wolil die heidnischen Fra entlassen werden. Bei den erwähnten Verholen der Mischehe handelt es sich durchweg um Angehörige heidnischer Völkerschaften. Ihr Zweck war mithin die Rein ifr It a 11 u n g der i ii d i - sehen Religion; das damalige jüdische Volk sollte vor den Einflüssen des eindringenden Götzentums bewahrt bleiben. Verboten bleibt allein die Ehe mit den Angehörigen solcher Stämme und. Völkerschaften, in deren Mitte das Heid e n t u in noch besteht. Bibel und Talmud konnten von keinem .anderen Gesichtspunkte aus das Problem der Mischehe betrachten. Die Aufstellung des Verbots einer gemischten Ehe. aus völkischen und rassischen Gesichtspunkten bleibt der Gegenwart voibehalten. Mit Strafe soll auch der nichteheliehe Geschlechtsverkehr — selbst bei Anwendung empfängnisverhütender Mittel — bedroht werden. .Es ist nicht angängig, zu dieser Frage näher Stellung zu nehmen. Es 'taucht aber hier sowohl für das Judentum als auch für das Christentum ein ernstes Problem auf. Was soll aus der Ehcverbiuduug stm, oder einer zum' Judentum iihergetretenen Christin iniL einem Juden werden? Denn nicht der Unterschied des religiösen Bekenntnisses, sondern, die Verschiedenartigkeit der Rassezugehörigkeit bildet ja den Anlaß zu den geplanten gesetzgeberischen Maßnahmen. Für das Judentum liegt bekanntlich eine Mischehe damf nicht vor, wenn der nichtjüdische Ehejiartner m aller Form m die jüdische Religions- Senieinschaft aufgciiommen ist;.darin sind alle Richtungen von er äußersten Orthodoxie bis zum Reformflügel des religiösen.... Liberalismus einig. Demi das Judentum schließt grundsätzlich keinen Stamm, keine „Rasse“ von der ethischen Gemeinschaft ♦ HaßateU und Htno ♦ | 1 i'.hrwinrnwnm ElOUf konferiert das 3. Programm Es lat noch heaaar Die Klelnoper Auf Ins Metropol de^SWner^iude^^lÄ^l'Brib«, . Saften, 2 Pohliy's. AbdBs!'l6Ö*f^Ckie^ne'"preise Nachm. Eintritt frei, Kanne Kaffee mit Knchen. Mk. 1.- i; Tägl. 4’/«, ca. 7 u. 9 Ul □ienacntiniForitnaus Conditorei und Cafd Krische am Knie Charlottenburs > Hardenbergstr. ia Versandu. BeatellungsgeschSft f, felnate.Conditorelwaren Angenehmer Aufenthalt / Gut gepflegte Biete / Zeitgemäße Preise , Telefon: C 1 Steinplatz 1357 Internationales Speditionsbüro Brokerhoff&Lipschiitz ' e. m. b. H. Berlin C 2, Frommeistrasse la (Hinter der Garnisonkirche) Telefon: D 2 Weidendamm 0622 Transporte aller Art Abteilung: PALÄSTINA- TRANSPORTE Unentgeltliche Frachtu. Zollauskiinft^. Umzugsberatung. Bügeln - Chem. Reinigen - Schuhbesohlung Sämtl. Reparaturen . Zeitgem. 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