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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-11-07 · 23 (7.11.1933) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
23 (7.11.1933)
Date
1933-11-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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i offensichtlichen Bekennermutes, der Namen liegt,-nicht die bange Frage zu unterdrücken, ob hier nicht auf ein bedeutsames geschichtlich gewordenes Moment, das integrierender Bestandteil der C.-V .-Ideologie und der C.-V.-Politik wurde, bewußt Verzicht geleistet wird: auf den stets bewährten Aktivismus. Mit tiefer Besorgnis, wie sie nur innerer Bindung entspringt, haben viele Anhänger seiner Bestrebungen die sonderbar veränderte Haltung ihres C.-V. letzthin beobachtet, der, zu dem Behuf; eingesetzt, die rechtliche Emanzipation zu einer tatsächlichen zu gestalten, mit dem nunmehrigen Verlust der rechtlichen seine eigentliche Aufgabe scheinbar als beendet ünsicht. Ohne uns der Erkenntnis verschließen zu können, daß bedeutungsvolle Änderungen in der Methode ein selbstverständliches Erfordernis in der gegenwärtigen Situation gewesen sind, stellen wir erneut und nachdrücklich die Frage, ob die bisherige Wirksamkeit des C.-V. nur an die eine Methode gebunden und nicht durch gleichgerichtete, wenn auch mellt gleichbeinhaltete zu ersetzen war; Scheinbar nicht, denn in Ermangelung einer besseren verlegte der C.-V. seine Zuständigkeit auf das Gebiet praktischer Hilfe. Hier hat er in aufopfernder Arbeitin der Tat Vorbildliches und fiir immer Dankenswertes geleistet. Aber indem er diese, praktische Arbeit zur Hauptaufgabe machte, beschied er seine idealen Ziele nicht ohne Wehmut und Stolz mit dem pietätvollen Gedächtnis, das man liebgewordenen, aber ausgedienten Werkzeugen der täglichen Arbeit gemeinhin ent- . —* ein^Ausweg nicht zeigte, zog man sich .. . „ , bedachte aber nicht, daß jede Idee praktiziert werden will, wenn ihr Existenzberechtigung zuerkannt werden soll. Damit begab sich der C.-V. in jene charakteristische Haltung, in der sich große Teile der deutschen Judcnheit befinden und die man am treffendsten vielleicht als sogenannte ,,E i n h e i t s i d e o 1 o g i e“ bezeichnen kann. Null stellt er in einer Front mit all jenen Bestrebungen, die in der augenblicklichen „Reichsvertretung der deutschen Juden" ihre piäginntesfe Ausdrucksform gefunden haben. Der Ernst unserer Fragestellung läßt es nicht bei einer Untersuchung der. geschilderten Vorgänge im C.-V. und auch nicht etwa bei einer kritischen Stellungnahme gegenüber der Reichsverlretung Jiewenden. Für uns, die wir heute das Schicksal der deutschen Judenheit nur kurzfristig zu übersehen und zu berechnen in der Lage sind, geht es um Grundsätzliches, für das die C.-V .-Begebenheit und die Reichsfiihrung nur beispielhafte, aber charakteristische Spiegelbilder sind. Für die Juden Deutschlands vollzieht sich ein Neues. Seit Beginn ihrer Geschichte in Deutschland haben die Juden das geschichtliche Geschehen ihrer Umwelt in den verschiedenartigsten soziologischen Gestaltungen reflektiert. Die strenge Exklusivität des mittelalterlichen Ständestaates trieb sie ins Ghetto, der welloffene Geist der Aufklärung besorgte ihren Eingang in den dritten Stand, das nachfolgende Zeitalter des ungehemmten Liberalismus löste letzte rechtlicht Beengungen, lockerte aber in der Folge in mehr und mehr beschleunigtem ZeitmaH geistige und soziale Bindungen und bereitete den teilweisen Abstieg in das Proletariat vor. Letztlich war die politische Geschichte der Juden in Deutschland wie überall das Werk der nichtjüdischen Umwelt, und so brachte es kraft historischer Folgerichtigkeit die geographisch gegebene, kulturell und volklich gewordene Gemeinsamkeit mit sich, daß die sogenannte Erscheinung Deutsches Judentum in ihrer geistigen lind sozialen Struktur getreulich nachgebildet die Züge des vorrevolutionären Deutschland trägt: ein Gesicht der Uneinheitlichkeit und der Zerrissenheit. Gewiß ist diese Tatsache aus mancherlei Gründen heftig zu bedaileni. Aber alle diejenigen, "■ctieWelite ■ l'efdTn^ci’thch aff " der -Vertretung und Leitung des Judentums in Deutschland beteiligt sind, werden einsichtsvoll darauf Bedacht nehmen, daß nicht in der Einheitlichkeit; sondern gerade in. der Uneinheitlichkeit unsere dialektische Stärke liegt, und richtiger nach außen wie aufrichtiger nach ihnen wäre cs gewesen, an die Stelle aller Disziplinbeschwörungeu und Einheitsbeteuerungen das nüchterne Geständnis zu setzen, dal! eher von einer Gemeinschaft jüdischer Deutscher als von einer Gemeinschaft deutscher Juden die Rede sein kann. Gerade wir religiösen Juden können und dürfen behaupten, daß den Juden in Deutschland weit mehr deutsche als jüdische Gemeinsamkeiten eignen, und unsere oft wiederholte schmerzliche Erfahrung war es, daß den sogenannten deutschen Juden herzlich wenig jüdische Werte anhaftcn. Diese Tatsache außer Betracht -zu lassen, ist in einer Zeit, in der das jüdische Problem nicht eine religiöse, sondern eine politische Erscheinung darstellt, in einer Zeit, in der dieser von außen an uns herangetragenen Fragestellung durch die Konstituierung einer jüdischen Führung eine politische Antwort gegeben wird, in einer Zeit, in der durch die Unterstellung ausschließlicher oder doch etatmäßig staatlicher Zuständigkeiten auf wirtschaftlichem, arbeits- und kulturpolitischem, konfessionellem und finanziellem Gebiete unter jüdischer Verantwortung die deutsche Judcnheit ein politisches Eigenleben in bescheidenen Grenzen zu führen beginnt, ein politischer Mißgriff. Denn nach außen hin wird durch die Plakatierung der Einheitsfront der politischen Ausschaltung der Juden, die ihre giuppenmäßige Einheitlichkeit infolge des Rassendogmas zur Voraussetzung hat, eine stillschweigende Sanktion erteilt. Nach innen aber wird durch die These vom sogenannten Gesamtjudeiituni die Überzeugung vermittelt, daß die Juden in Deutschland kraft ihrer augenblicklichen Lage tatsächlich .Judentum an sich vollzogen haben und nunmehr Juden im Sinne der überkommenen Wahrheiten seien. Im ersteren liegt eine gar nicht zu unterschätzende Gefahr, weil dieses freiwillige Anerkenntnis in jedem Fall die Alöglichkeit in sich birgt, dem augenblicklichen Zustand durch eigenes Zutun Dauer zii verleihen. Im zweiten liegt eine grobe Unterschätzung jüdischer Geschichte und jüdischer Werte. Es ist freilich zuzügeben, daß auf diese Weise eine Gemeinschaft aller Juden in Deutschland festgestellt werden kann, die Zionisten und Nicht-Zionisten, Orthodoxe und Liberale in gleicher Weise das Etiquette des Juden verleiht. Die notwendige Konsequenz ist dann die im „Morgen“ aufgezeigte, die darin besteht, daß „jeder Einzelne für das Ganze zeugen kann, darf und muß“, und es ist nur folgerichtig, wenn der „Morgen“ auch dem Zionisten Sitz und Stimme gibt. Indessen, das ist eine Flucht vor der Entscheidung. Wir alle, die wir unser Schicksal ohne Überzeugung tragen, die wir den heißen Wunsch haben, in den Rang der'gleichberechtigten Persönlichkeit wieder erhoben zu werden," müssen dje Einsicht besitzen, daß ein solches Glück durch Schweigen und Duldung nicht errungen wird. Wenn wir selbst unsere Ansprüche vergessen:' ein anderer wird sich ihrer nicht erinnern. Die Frage des deutschen Judentums wird auch nicht vom Wirtschaftlichen und Technischen her gelöst werden. Es ist eben eine politische Frage, die mit Erfolg nur von denen in Angriff genommen werden kann, die sich -politisch eines Sinnes fühlen und diesen Sinn mit Energie und ohne Hemmung durch falsche Rücksichtnahme in die Wirklichkeit umzusetzen vermögen. Es scheint aber völlig ausgeschlossen, sich in diese Bestrebung mit denjenigen Menschen zu teilen, die. der ideologischen Voraussetzung für unsere Ausschaltung, dem Rassendogma, in Theorie und Praxis ein prinzipielles „Ja“ zurufen und die — man verfolge nur die einschlägige Literatur des. Nationalsozialismus — von den bedeutendsten Interpreten der nationalsozialistischen Rassenlehre als Kronzeugen aufgerofen werden. Hier soll nicht der Vorwurf der Böswilligkeit und nicht einmal der des Verschuldens erhoben werden, es soll lediglich Verwahrung dagegen eingelegt werden; daß "die Menschen die durch ihre Einstellung und durch Kommt eine Steuererhölmng in der Berliner Gemeinde? Von besonderer Seite wird uns-geschrieben: „Die Berliner Jüdische Gemeinde ist auch in den letzten Jahren, in denen sie mit einer ansteigenden Zahl von Wohlfahrtsbetreuten zu rechnen hatte, mit-dem Steuersatz von 13"o ausgekommen. Diese Leistling war an sich schon hervorragend und nur zu erzielen durch einen systematischen Aufbau der Verwaltung, den die liberale Mehrheit unmittelbar nach ihrem Amtsantritt im Jahre Ul31 eingeleitet hat. Der Verwaltungsaufbau ermöglichte erhebliche Ersparnisse, abgesehen von der Sicherheit, daß der Apparat in allen-seinen Teilen reibungslos funktionieren konnte. , Auch in den ersten Monaten des Jahres 1933 sind durchgreifend; Sparmaßnahmen vom Gemeindevorstand beschlossen und mit unbeugsamer Energie durchgeführt worden. Nur so konnte ejne geordnete Kassenlage und eine gesunde Finanzgebarung erzielt werden. Die neueste Entwicklung hat aber die Gemeinde vor ungewöhnlich umfangreiche Aufgaben in sozialer Hinsicht gestellt. Neben dem Wohlfahrtsamt beansprucht die Wirtschaftshilfe erhebliche Mittel, die in erster Reihe für produktive Zwecke Verwendung finden. Die Winterhilfs-Aktion, bei welcher die Gemeinde den am meisten in Not befindlichen Gemeindemifgliederii mit den dringendsten Bedürfnissen'helfen will, ist ohne neue Mittel nicht durchzuführen. Naturgemäß sind auch auf der Einnahmenseite des Gemeinde-Etats Verminderungen zu erwarten, weil angenommen werden muß, daß die Steuerkraft der Gemeindemitglieder eine erhebliche Senkung erfährt. Unter allen diesen Umständen glauben wir nicht, daß die Gemeinde um eine Erhöhung der Steuerquote herumkommen wird. Uns liegt aber daran, daß die notwendige Erhöhung sich in mäßigen Grenzen bewegt, daß der Mittelstand, wenn irgend möglich, geschont wird und für die sozial.am schlechtesten dastehenden Angestelltenkreise die Möglichkeit der Steuerbefreiung vorgesehen bleibt. Wir möchten aber die Gemeindeverwaltung auf eine Steuerquelle aufmerksam machen, -von der wir glauben, daß sie nicht nur gerecht ist, sondern auch bei dem gegenwärtigen Stand xler Dinge in Betracht kommende Beträge liefern kann. Soweit das Reich von denjenigen, die Deutschland verlassen und ein erhebliches Vermögen besitzen, eine Flüchtlingssteuer erhebt, sollte auch die Gemeinde auf diese Steuerquelle nicht verzichten. Die Gemeinde hat in den vielen Jahren ihre Einrichtungen getroffen im Hinblick auf eine, bestimmte Zähl von Gemeindemitgliedern und in Berücksichtigung von deren Steuerkraft. Fallen diese Kreise als Steuerzahler fort, und fallen sie dauernd weg, dann ist es nur recht und billig, daß sie in Form einer einmaligen Abgabe zu den Leistungen der Gemeinde beitragen. Wir religiös-liberalen Juden sehen im Sozialen eine der wichtigsten Funktionen der Gemeinde, im Augenblick sogar ihje wichtigste. Und wenn das soziale Hilfswerk nur aufrecht zu erhalten ist und seine Funktionen nur gesichert werden können -durch eine Erhöhung der Steuerquote, dann glauben gutheißen wird, weil jeder hei von den sozialen Einrichtunj Person Gebrauch zu machen.“ i der Gemeinde für lefzfe NadirhMen aus Palästina. Wie zu erwarten, ist die englische Militärmacht dieses Mal mit den Unruhestiftern sehr viel schneller fertig geworden als im Jahre 1<J20. Die Tatsache dieser Beruhigung wird von allen Juden ohne Unterschied freudig begrüßt. Welche Lehre aus den traurigen Ereignissen zu ziehen sei, darüber gehen die Meinungen auseinander. Wir können hier iiur wiederholen, daß England weiß, weshalb es von den beantragten 25 000 jüdischen Einwanderungsgesuchen nui 500(1 bewilligt; daß England jeden arabischen Aufstand iiniiachsichtlich unterdrücken, aber die jüdische Einwanderung konsequent drosseln wird, daß somit' die „Lösung der Judenfrage“ nicht durch Massenflucht nach Palästina, sondern nur durch zielbewußte Arbeit für die Wiedererlangung.der Emanzipation erfolgen kann. Einige Nachrichten seien hier als vorläufiger Abschluß unserer Berichte veröffentlicht: 'erlaufen. — Betlitinenztig nach Jerusalem, 2.- November (J.T.A.). Entgegen den auf Grund der arabischen Drohungen gehegten Befürchtungen ist der Jahrestag dej Verkündung der Balfour-Deklaration in früh „ „ . rkündung ___ Pajjistjna ruhig verlaufen.. Njrgenfls . .. - zu Zwischenfällen gekommen. Bloß am frühen Morgen suchten Beduinen aus Wadi Hawarith, nach Tulkarem ziehen; die sich zusammeiirotteiide Menge wurde von eir niedrig fliegenden Aeroplän aus zerstreut. Auch der Abend vor dem Balfour-Tag ist bis auf ei; kleinen Zwischenfall in Jerusalem ruhig verlaufen. Eine Tageszeitung der Regierung. Jerusalem, 2. November (J.T.A.). Die Palästina-Regierung hat mit der Herausgabe einer arabischen Tageszeitung begonnen, die die wegen des fortdauernden arabischen- Streiks nicht erscheinenden Blätter ersetzen soll. Jerusalemer Polizei bezeichnet das Intervien' des S-Uhr- Abendblattes" als lächerliche Erfindung. Jerusalem, 2. November (J.T.A.). Die Jerusalemer Polizei erklärt auf eine Anfrage über das im Berliner „S-Uhr- Abendblätt“ veröffentlichte Telefongespräch mit dem Polizeikommandanten von Jerusalem, das Interview sei reine Erfindung. Die Polizei bezeichnet die Mitteilung des Berliner Blattes als lächerlich und betont, daß die Polizeibehörde niemals ermächtigt wurde, sich mit Politik zu befassen. Keine nichtarischen Verbandsvertreter vor Gericht. Entscheidung des Landesarbeiisgerichis Berlin. Das Landesarbeitsgericht Berlin hat entschieden, daß nichtarische Verbandsvertreter vor Gericht nicht zuzulassen sind. Ein Arbeitgeberverband hatte gegen diese Abweisung seines nichtarischen Vertreters vor dem Arbeitsgericht Einspruch erhoben. Der Verband machte geltend, daß Nichtarier als Verbandsvertreter auch fernerhin zuzulassen "seien, da ja eine Ausweisung von Nichtariern auch aus diesen Posten dem Willen des Gesetzgebers nicht entspreche. Der Gesetzgeber hätte sonst jedenfalls entsprechende Vorschriften erlassen; solange sie nicht bestünden, müsse der bisherige Rechtszustand gelten. i , Das Landesarbeitsgericht hat diesen Einwand zurückgewiesen. Es spricht in seinem Urteil aus, eine Revolutionsgesetzgebung könne nicht alle Einzelverhältnisse regeln und müsse es bei vorhandenen Lücken den Gerichten und den sonst maßgeblichen Stellen überlassen, Entscheidungen zu treffen, die ijiren Grundlinien gerecht werden. Auch sei eine gesetzliche Regelung der Frage nichtarischer Verbandsvertreter deshalb wohl überflüssig gewesen, weil es nach Bildung der deutschen-Arbeitsfront als ausgeschlossen gelten könne, daß von ihr oder ihren Unterverbänden Vertreter nichtarischer Abstammung zu den Arbeitsgerichten entsandt würden. Ausnahmen würden wohl allein dann gegeben sein, wenn es sich um die Vertretung von Rechtsangelegenheiten der Mitglieder der in Aussicht genommenen Verbände nichtarischer Arbeitnehmer handelte. Die nationalsozialistische Bewegung, in deren Händen die Regierungsgewalt liege,, so erklärt dieses Urteil, I wolle unzweifelhaft - alle Personen nichtarischer- Abstammung sm —. mit gewissen, fest umrissenen Ausnahmen" — von der Mitwirkung an der Rechtspflege grundsätzlich ausschließen. Stellung der nichtarischen Frontkämpfer. Ein grundsätzliches Urteil in Kassel. Das Landgericht in Kassel fällte dieser Tage gegen den Facharzt Df. Otto Homberger-Kassel,. der nichtarischer Abstammung ist, ein Urteil, das von großer prinzipieller Bedeutung ist. Dr. Hornberger hatte gegen die Wirtschaftliche Ärztevereinigung eine Feststellungsklage erhoben, weil der zwischen dieser und der Stadt Kassel abgeschlossene Vertrag bestimmte, daß Ärzten nichtarischer Abstammung die Zulassung zur Behandlung der städtischen Wohlfahrtsunterstützungs-' empfiinger, Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen ent- Das Gericht kam, obwohl der Kläger evangelisch getauft und Schwiegersohn eines evangelischen Pfarrers ist und sich im Weltkrieg das Eiserne Kreuz Erster und Zweiter Klasse erworben hat, zu dem Urteil, daß die Entscheidung der Wirtschaftlichen Ärztevereinigung zu Recht besteht. Wohl würden die nichtarischen Frontkämpfer in der Ausübung ihres Berufes nicht behindert und würden auch zu den Krankenkassen zugelassen, aber sie hätten keinen Anspruch, bei Vergebung von Dienstleistungen, die durch den Staat oder durch die Kommunalhehörden bezahlt werden, Berücksichtigung zu finden. Aus diesen Gründen wurde die Klage abgewiesen.; ihre Terminologie das Rüstzeug des Rassendogmatikers sam - bereichert haben, das deutschev Schicksal der deutschen Juden — und sei es auch nur das 'geistige — entscheidend gestalten und verantworten. •Wir vermögen die Einheitsideologie, die auf Schicksal und Biologie fußt, für die Dauer als verbindlich nicht anzuerkennen, weil es eine Ideologie des Abbruchs ist, eine Ideologie des Reisebüros. Das Judentum ist niemals Gegenstand der Ökonomie gewesen, niemals eine Größe, die vom Stofflichen her ihr Geistiges empfing, und es^ wird sich auch in __, „ _ __ ehrlich nicht den „deutsches Judentum“. Weder glauben tvir, da™' Zukunft nicht damit bescheiden. Wenn gestaltung so aussehen soll, stolzen Namen „deutsches , daß aus einer solchen Anschauung heraus Willensbildung“ möglich ist, noch glauben „Wertsetzungen und damit auch Autorität und Disziplin e. wachsen“ können. Eine geistige Haltung, die sich die Gegenwart zum Maßstab für konkretes Tun setzt, hat das Recht auf die Zukunft verwirkt. Eine so geborene Ideologie bedarf keiner Führung, sondern kann sich mit einem gut geschulten Verwaltungsapparat begnügen. " Auf diesem Wege wird das deutsche Judentum niemals den Morgen seiner Freiheit erleben", sondern in der Mitternacht seiner bedrängten Ratlosigkeit resignieren müssen. „Sollen Meinungen entscheiden dürfen?“ Wir fassen diese Frage des „Morgen“ nicht als rhetorisch auf, sondern sind der Auffassung, daß es allerdings Meinungen sein müssen, die über die Zukunft des deutschen Judentums entscheiden. Und gerade die Meinung, die der C.-V. in seinem ersten Paragraphen kundgibt, scheint uns noch immer die richtige, wenn auch die unbefolgte zu sein. Gerade daß-es Juden sind, die diese Meinungen geprägt haben, gibt uns die Sicherheit, daß sie auf Wohl und Wehe der Gesamtheit und nicht auf Einzelnes gerichtet sind. Es ist ein Charakteristikum in der Geschichte der jüdischen Meinungen, daß von den wahrhaft bedeutenden, auch nicht eine einzige in egoistischer Kurzsichtigkeit das Schicksal einer Gruppe, sondern in der Großartigkeit ihrer sittlichen Arroganz das Schicksal des Gesamtjudentumr zu gestalten verkündete. Das aber unterscheidet sie grundsätzlich von jener Einheitsideologie, daß ihnen die konkrete Situation nicht Standard, sondern Ausgang ist, etwas, dem sie sich nicht gefangen geben, sondern das überwunden werden mußte, daß sie nicht Genügsamkeit wollten, sondern Genugtuung. Möchte allen, denen die Sorge um Deutschtum und Judentum in gleicher Weise am Herzen liegt, mit dieser .Erkenntnis die Kraft werden, die Fesseln hemmender Resignation zu zerreißen und in die Wirklichkeit aufzubrechen, die Deutschland heißt. 3äö^fiberale3piüma M vw\'w\,e/v inK&iaööa/nX- % ioc i flUiocja&en wödxcniVxdi

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