Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 22 (3.11.1933)
- Date
- 1933-11-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Voran für den uralten Glauben, für Heimat und Vaterland. Wir lassen den Mut uns nicht rauben, uns eint ein starkes Band!“ Diese Verse, die ein Bundeslied eines Jugendbundes sind, sie sollen auch uns Motto sein für unsere Arbeit. „Voran für den uralten Glauben“: wir kämpfen für unser Judentum, bauen auf dem, was vorher geschaffen worden ist, auf, um uns unser Judentum so zu gestalten, wie es uns, den Menschen der Gegenwart, entspricht; „für Heimat und Vaterland“: wir kämpfen um unser Deutschtum, halten es fest mit allen Fasern unseres Herzens, da wir es lieben, da wir mit ihm verwurzelt sind und es nicht lassen können, mögen es uns auch noch so viele nehmen wollen. „Wir lassen den Mut uns nicht rauben“: als aufrechte Menschen gehen wir durch die Welt, lassen uns durch nichts beirren, sondern gehen den Weg, den .-wir gehen müssen, um an das Ziel zu kommen, das wir alle erstreben; „uns eint ein starkes Band“: wir halten zusammen als Deutsche und Juden und sehen mit ruhigem Gewissen in die Zukunft, denn wir glauben an den Sieg der Gerechtigkeit, an den Sieg des Guten, und daß einst auch wieder der Tag kommen wird, an dem wir zusammenstehen und sprechen werden: „Haben wir doclf alle einen Vater, ein Gott hat uns erschaffen. Warum sollen wir lieblos sein einer gegen den andern?“ Alfred Hadra. Verfassungsänderung in Palästina erwecke Besorgnis, -weil durch.sie die Juden als Minderheit gestempelt werden könnten, weil durch sie den Juden die Stellung einer Minderheit in dem Lande zugewiesen werden könnte, in dem die Frage, ob die Juden eine Minderheit oder, eine Mehrheit bilden, nicht gestellt werden dürfte. Palästina solle das Land der jüdischen Nation sein, in der dieser der Status einer Nation mit allen jenen nationalen Freiheiten gegeben werden müsse, ohne die das Leben einer Nation zwecklos sei.“ . Diese Stellungnahme Brodetzkys ist aus den praktischen Nöten des Zionismus heraus zwar verständlich, birgt, aber zwei schwere Fehler in sich. Erstens steht es den Juden, die gerade mit Hilfe demokratisch-politischer Methoden überall in der Welt ihre Freiheit und Gleichberechtigung erstritten haben, schlecht an, diese Methoden zu verleugnen, wenn sie einmal keinen Vorteil davon haben; sodann aber spricht aus dieser zionistischen Stellungnahme eine völlige Verkennung der für England bestellenden palästinensischen und gesamtbritischen Realitäten. Diese weisen England in die den zionistischen Wünschen entgegengesetzte Richtung, und man erinnert, sich, daßgerade in den Tagen, die den arabischen Unruhen unmittelbar voraufgingen, die Zionisten selbst in der größten Unruhe gewesen sind: weil wie auch wir in unserer Nr. 20 berichteten, auf die z. Z. vorliegenden 23 000 Einwanderungsgesuche seitens der Mandatarmacht nur etwa __5300-Zertifikate bewilligt werden; die „Weltunion, der Zionisten-Rcvisiönisfen“ behauptet sogar, es seien nur 3000, und hat einen flammenden Protest in die Welt hinausgesandt, in dem sie das System, nach dem England die Einwanderung regelt, mit den’Prädikaten „jämmerlich“, „untragbare Absurdität und Ungerechtigkeit“, „Kurzsichtigkeit und Willkür einer ■ Bürokratie“, „gewollte Sabotage“ belegt. Nun, das ist weit ^üher&-Ziel - geschossen.— Aber ..aufh .die—pffizielle^tjewish. Agency“ befindet sich ob dieser unbefriedigenden Einwanderungspolitik in. schwerstem Konflikt mit England. Gewollt oder nicht gewollt, wahrscheinlich nicht gewoll1- “ c"‘ Wicklung der Dinge zwingt England immer mehr zionistischen Zielen entgegengesetzte Richtung, und die jetzigen Unruhen scheinen den britisch-zionistischen Konflikt m ein entscheidendes Stadium zu treiben. Denn sie haben dem Ober- .kommissar Sir Arthur Wanchope Anlaß zu seiner vielbeachtete! Erklärung gegeben, die.durch die ganze Presse gegangen Sir Waucljope hat ejpe Abordnung ' 1 " c. empfangen und ihr zugesichert, daß . geschallen werde, in dem die In Vorherrschalt in Palästina komme. r arabischen Exeki Mit dieser Erklärung ist Brodetzkv: und der hinter ihm als'untragbar für den Zionisnu damit erwiesen, daß England jüdisches Nalionalhcuii zu erricl VGemeinschaften in Palästina zu “umgekehrt, Will e: i das ingetre: stehende Zionisten-Kongreß is hingestellt hatten. Es nicht in der Lage ist, beeinträchtigen, mul dal ‘ .ermeiden, — it — das Nati Wünschen der Zionisten zu errichten venna; für den Zionismus und für die jüdische Gesan- „ benden Folgerungen möge ein jeder selbst ziehen. In diesen Blättern sind sie oft genug ausgesprochen^worden, doch Luch Verdacht auss’elzen möchten, als streuten wir Silz auf di< schmerzenden Wunden. Wer uns kennt, weiß uns von solchen Verdachte frei; denn diese Wunden sind durchaus auch imseri eigenen.' Zuviele Juden ja hangen dem Zionismus an, ah •daß sein Unglück nicht ein Unglück des^ Gesamtjudeptums mimische11 GesamtkonsteSlation m und um Palästina erläutert wurde,-so aus dem garnicht nüchternen, sondern heißen Mitgefühl heraus, das wir für die irregeleiteten Seelen der Juden in allen Landern empfinden. Denn es handelt sich nicht nur um die in Palästina Wohnenden, denen zweifellos Englands Militärmacht, Leben und Eigentum sichern wird, sondern es handelt sich um die Zahllosen, die alle Zukunftshoffnung fu das Judentum aiif ein Land1-setzen, das niemals „das Lau« der Juden“ sein wird. Das Judentum darf kein Laue haben weil es Geist ist; doch eben deshalb auch hat es all- Länder. Und die Bekenner dieses Geistes, die Glieder de religiös geeinten Judenheit wurzeln - irdisch jederin dem Lande, daraus er entsprossen. Freiheit durch den Geist und Freiheit jeder in seiner irdischen Heimat, in dem Land und unter dem Volk, dem er kulturell und national zugehort, da; ist das Ziel nach dem wir streben, dessen Erreichung alleil uns Leben und Zukunft gewährleistet. Aus der Trübsal de jetzt durchlebten Ereignisse mag die Erkenntnis dieses wahrei - jüdischen Ziels und wahrer jüdischer Zukunftsmoglichkei auf leuch len; und es möge ein jeder erkennen: „In diesen Lichte nur schauen wir Licht!“ Simonstraßein Kolberg umbenannt. Del Magistrat des Ostseebades Kolberg, der kürzlich die Entfernung tles .Hirschfeld-Denkmals anordnete, beschloß, die Simonstralie, die nach dem bekannten jüdischen Philanthropen James Simon benannt .worden ist, in Hermann-Gonng-Stra«*' urazubenennen. James Simon hat-seinerzeit das prächtige u imposante Gebäude des Kindererholungsheims in Kolberg aus eigenen Mitteln erbauen lassen. Oie Stiftung, die Tausenden armer Berliner Kinder zum Segen wurde, Kommt fast ausschließlich christlichen Kindern zugute. Das Kind im Gotteshaus. Von Rabbiner Dr. Martin Salomonski. Wenn für Kinder alle weltlichen Arbeiten; Wünsche und Ziele nur in veränderter und dem Vermögen sowie der Einfügung des ganz jungen Menschen entsprechender Umformung denkbar sind, dann ist die Frage berechtigt, ob das Kind im Gotteshause von Anfang an seinen Platz finden soll, und wie sich sein Hineinwachsen in diese Sphäre, vorzubereiten und zu gestalten hat. In alter Zeit — das geht schon ler Thora hervor (5. Buch Mos. 31, 10 u. ff!) — ver- :te man auf die Anwesenheit der Kleinen nicht ganz. Zu allerdings seltenen Fristen, im Intervall von sieben Jahren, mmer im Brachjahre und am Hüttenfeste wurde der Volksversammlung Israels die Thora vorgelesen, und für diese Veranstaltung erging der Befehl: Versammle das Volk, die ___die unmündigen .. . Schon zu talmudischer Zeit hat man sich mit diesem Gebot beschäftigt und die Frage aufgeworfen, was denn die Kleinen im Gotteshause zu suchen, und zu finden hätten. Rabbi Eleasar vertritt den Standpunkt, daß die Kinder, obwohl ihnen die Reife für den erhabenen Inhalt der Thora noch fehle, doch durch ihre Hinführung, ihren Führern — gemeint sind die Eltern und Lehrer —hohen Lohn brächten.. Wir müssen das von vornherein richtig verstehen! Der Wille der älteren Generation, ihre Kinder bedingungslos dem jüdischen Leben und seinem Gottesideale anzuschließen und durch ihre Anwesenheit diese innige Verbundenheit und den unauflöslichen Bestand der Geschlechter sowie ihr Festhalten au der Tradition zu dokumentieren, rechtfertigt an sich noch nicht hinreichend das Erscheinen an heiliger Stätte. Ein anderer bedeutender Gelehrter faßte sein Urteil etwa dahin zusammen, daß das Ergötzen der Eltern am Anblick der Kinder genügend Berechtigung für ihre Zulassung biete. Diese beiden Motive, so zartfühlend sic auch empfunden sind, reichen für unsere Fragestellung und Beantwortung nicht aus, die sich vielmehr in der Erwägung präzisiert: Was hat das jüdische Kind von seiner Anwesenheit im Gotteshause? Im zitierten Thorasatze ist auch dir Rede von den Frauen, von denen man so leicht erzählt, daß sie im alten Israel von allein Geistigen ausgeschlossen gewesen seien. Hier ist ein glücklicher Gegenbeweis erbracht, der auch bei anderen erhabenen Schilderungen der Bibel nicht fehlt, daß die Offenbarung der Gesamtheit und nicht nur den Männern gebühre. Daraus allerdings läßt sich ohne Künsteln ableiten, daß auch die Pflicht zu Gott für jeden Menschen gilt und daß mit der Anbahnung heiliger Beziehungen nicht früh genug begon- Das jüdische Kind gehört ins Gotteshaus in dem Augenblick, wo die Begriffe der Ernsthaftigkeit, des Vertrauens, das Bewußtsein einer Führung in ihm zu dämmern beginnen. Ein kleines Menschenwesen, dessen Funktionen sich nur in der Nahrungsaufnahme und im Lärm erschöpfen, hat für Gott noch kein Verständnis. Daß der werdende Mensch seine physischen Kräfte regt und hieran Lust empfindet, genügt für seine göttliche Erweckung noch nicht. Seine ersten Besuche im Gotteshause werden selbst dann, wenn man sie für angemessen halten darf, noch ein halbes Spiel bleiben, und das Lustgefühl treibt das Kind wie zu allem Unbekannten und Erwartungsvollen und Bestaunten' auch in die Synagoge. Was geschieht nun dort oder vorher, um das Kind mit einer gänzlich fremden Welt vertrauter zu machen? Wo es sich um Kinder handelt, denen der liebe Gott (so wollen wir ihn hier bezeichnen, weil er mit Recht so genannt wird, noch ehe man ihn kennt) schon im Elternhause durch Übung und Gebet ein Begriff geworden ist, dann ist de^Ausdruck kind- -dicher-Vet-wunderungvnotlr ithmertzif %»spuftnv wenn' der junge Mensch ins Gotteshaus eintritt. Unsere -Kinder wollen dasselbe, was die Menschen vor und seit Jahrtausenden gesucht und ringend erfleht haben: sie wollen Gott haben lind ihn sehen. Auf dieses Verlangen ist sehr schwer Antwort zu erteilen, weil ja das .Kind nicht einsehen wird, warum die Synagoge einen Vorzug vor dem Elternhause hat. Es kann nicht verstehen, daß der tiefere Sinn unserer Gebetversammlungen au einer erwählten Stätte in dem erhabenen. Bewußtsein gipfelt, das durch die Vereinigung der Gesamtheit I Rat,wenn Rabbiner Dr. Benno Göttschälk, ~ der neue Prediger der „Jüdischen Refonngemeinde“. „Offenbach und. die' Operette“ Im Rahmen des Kulturbundes Deutscher Juden sprach i Logenhaus Kleiststraße Dr. Anneliese Landau über „Offenbach und die Operette“ ’ ' . _ . Der Rednerin gelang ein Zwei- _ .... ..,.., ..jsikwissenschaftlerin, in fachlich ausgezeichneter Weise den soziologischen und künstlerischen Grundlagen des Offenbachschen Werkes nach; sie zeigte den Weg des Kölner Kantorsohnes zum genialen Satirike J— Gesellschaft des zweiten Kaiserreiches, die sich - - Werken den Spiegel Vorhalten ließ; sie analysierte das Wesen Offenbachschcr Komik und unterschied gleichsam zwischen Scherz, Satire, Ironie und tieferer Bedeutung in dem, v Offenbach zu sagen hatte. Andererseits wurden diese Gedankengänge in überaus fesselnder, allgemeinverständlicher Weise geboten, wurde der zahlreichen Zuhörerschaft ein außerordentlich lebendiges Bild des Meisters und seiner Welt e wickelt. Eingebaut in den Vortrag vvaren geschickt gewählte Beispiele aus den Werken, um ' deren Wiedergabe sich mit sicherer Vortragskunst Max Kuttner, Frieda Weber-Fleßburg gewandter Begleiter - Wilhelm Alton * dieser Frage immer wieder kommen: Man muß ihnen sagen, daß Gott vom Himmel aus auf uns blickt und uns überall, besonders aber im Gotteshause und beim Gebet mit anderen beisteht. — „Wenn Du größer sein wirst, mein Kind, dann wirst Du fühlen, wenn Gott kommt und seine Hand mit großer Liebe segnend auf Dein- Haupt legt, wie Vater und Mutter das tun.“ Dann wird sich das Kind vielleicht beruhigen und gern warten und immer hoffen, daß diese Zeit herannaht. Wir haben ein großes. Interesse, daß unsere Kinder im Gotteshause heimisch werden, und wer dieser Pflicht genügt, darf sich in der edlen Gesellschaft der biblischen Hanna wissen, die das Verbundensein ihres Sohnes Samuel mit Gott gelobt und gehalten hat. Die Hauptsache ist, daß die Kinder einmal da sind. Allesübrige entwickelt sich allein, wenn man die Fehler vermeidet, die der jüngsten Vergangenheit angehören. Es hat garnichts auf sich, daß unsere Kinder die hebräische Sprache nicht verstehen. Wenn der gottesdienstliche Vortrag harmonisch ist, dann Verursacht die fremde.- Sprache dem Kinde keinerlei Beschwerden. Es kennt nämlich der. Unterschied .der Sprache nicht, und das ist das Beste. Ob es „Vater“ sagt oder „Schma jisroel“ mitsingt, ist ganz gleich, und beides ist in seiner Seele auch gleich süß und wohlgefällig. In der alten Zeit haben darum die Kinder ohne viel Präparation und kunstvolles Dozieren die sogenannte Jüdischkeit erlernt. Das Gotteshaus war ein Lebenselement, und wenn wir dazu beitragen, werden wir mit hoher Genugtuung das Eingehen unserer Kinder in unsere Welt erleben. - Absolut beweiskräftig hierfür ist das unterschiedliche Verhalten der schulpflichtig Gewordenen mit einem Kind, das Brauch und Sitte aus dem Gotteshause kennt. Hier kann der fähige Religionslehrer alles'erreichen. Mit dem.anderen, das von den Eltern hierzu nicht angehalten wird, das ahnungslos bleibt, und im Judentum ein diskretes Geheimnis sieht, kann man sehr schwer vorwärts kommen, wenn zur Religionspraxis seitens der Schule geschritten wird. Auf dieser Basis ist der Jugendgottesdienst entstanden, dem der Schreiber dieser Zeilen stets skeptisch gegenübergestanden hat. Es sei zugegeben, daß die Andacht für Jugendliche in der Großstadt eine - Notwendigkeit war und bleibt, solange wir über Scharen von Kindern verfügen, die räumlich in der Synagoge gleichzeitig mit den Eltern nicht Palästina - Übersee - Ausland u.wzrtii- Möbelspeicher auch durchheizte Kabinen Carl Deyke Nachf., Berlin 0 17 wIÄ&U unterzubringen sind. Man kann auch noch zugunsten des Jugendgottesdienstes anführen, daß die lange Dauer Unserer Andacht die Kinder ungeduldig macht. Ob ungeduldiger als die Eltern, mögen diese entscheiden. L Daß die Rücksicht hinsichtlich der Predigt auf die Kinder ausgedehnt werden müsse, ist nicht einzusehen. Im i * h?i* Hi*» PrpHirrt ihrp VrillrcL-raf* HOCh nicht er- - - . die Erziehung. verstehen, nehmen sie, bestimmt —... . .iur einige Höhepunkte in der allgemeinen Andacht da sind, auf die das Kind brennend wartet, wie z. B. auf den Kiddusch, dann geschieht ihm durchaus genug. Daß' das Kind ganz allmählich zum aktiven Teilnehmer des Gottesdienstes werde, darauf scheint mir alles anzukoumen, und deshalb spreche ich mich nach reiflicher Überlegung gegen eine vorzeitige Wahrnehmung der gottesdienstlichen Funktionen durch Kinder aus. Unsere Alten haben sehr genau gewußt, warum sie erst den Barmizwoh zur Thora riefen, und es will mir garnicht gefallen, wenn man darin glänzt, ganze Gottesdienste durch Kinder ausführen zu lassen. Der Jugendgottesdienst; wo er notwendig ist, sollte immer durch die Anwesenheit der Erwachsenen geehrt werden, so wie die Gegenwart der Kinder für die Andachten der Großen eine Zierde ist. Hiervon waren wir ausgegangen. Es bleibt nur übrig, hinzuzufügen, daß das Element der Ehrfurcht für die Gestaltung und Erhaltung unserer Andachten noch besonderer Pflege bedarf. Der Zustand muß aufhören, der unsere Kinder durch die Synagoge Unarten annehmen läßt. Die Zeit muß nahe sein, wo unsere Kinder beim Anblick, beim Schauen und bei der allmählichen Teilnahme an den Verrichtungen der Gebete für Gott gewonnen werden. So wie es ganz undenkbar erscheint, daß im Heiligtum zu Jerusalem Kinder priesterliche Funktionen vollzogen, so‘ist es auch für uns nicht das Angemessene, Wenn das Kind bereits in eine Rolle hinein-, geschoben wird, die-- ihm nicht gebührt und c" Geringschätzung vergilt, wie ja alles, was wi halten, von uns garnicht gewürdigt werden kann, ursi wenn Sehnsucht und Inbrunst und heiliges Verlangen unsere Gefühle uim ihre Berechtigung reifen lassen, dann ist die Weihe echt und ihre Dauer gewährleistet. Das Kind gehört ins Gotteshaus, wenn es dort behütet und erzogen wird. Der Tag, an dem es zum ersten Mala, aktiv hervortritt, muß zum weihevollsten seines ganzen jungen Lebens bereitet werden, und deshalb sind die Begriffe „Barmizwoh“ und „Konfirmation“ Fundamente des Judentums. Für ihre Erstarkung muß noch außerordentlich viel Die ersten Statistiken der Hilfsaktion für die deutschen Juden in Jugoslavien Beim Ortsausschuß Zagreb der Hilfsaktion der deutschen Juden in Jugoslawien wurden bisher 265 Immigranten registriert. Von diesen sind 149 in Zagreb verblieben. 70«o der Immigranten erhalten materielle Unterstützung. Anstellungen . wurden nur für Wenige Spezialisten gefunden, und zwar in solchen Fächern, für die Spezialisten in Jugoslawien bisher noch nicht vorhanden waren. Ausländische Arbeiter dürfen nur beschäftigt werden, wenn inländische für die betreffenden Zweige nicht vorhanden sind. Einige Emigranten erhielten Gewerbescheine, die Gesuche anderer laufen noch. In Belgrad haben sich bis zum 1. Oktober 271- Emigranten gemeldet. 50 Personen haben nur moralische Hilfe beansprucht. 15 Emigranten erhielten Beschäftigung, 11 Aufenthaltsbewilligung für ein Jahr. Statistiken aus anderen Orten stehen noch aus. Straßburg. (Professor Paul Blum gestorben.) Die Straßburger Universität hat durch das Hinscheiden des Professors für Hydrologie und Klimatologie an der medizinischen Fakultät, einen schweren Verlust erlitten. Der Verstorbene galt auf Grund seiner zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten als eine erste Autorität in seinem Fach. Er War auch Chefarzt der elsaß-lothringischen Eisenbahnen.