Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 22 (3.11.1933)
- Date
- 1933-11-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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13. Jahrgang Nummer 22 3&öif(HU>etale Rettung Beilage 3. November 1933 JOdlsdie winschattsiragen. Gefahren des Spezialistentums. Von Dr. Horßoxi Hahn. Die jungen jüdischen Deutschen müssen.-nach'dem Sieg der herrschenden Bewegung die Beziehung zirihrer Umwelt, neu gestalten. Und das wird auch für ihre wirtschaftliche Zukunft entscheidend. Iler Umbruch der. Entwicklung bringt ihnen — wir sprechen hier rein wirtschaftlich und darum nüchtern — zunächst Nachteil. Er verschließt der intellektuellen Jugend, die in übergroßer Zahl vorhanden war, die Aussichten auf die akademische Laufbahn mit dem Ziel beruflicher Verwertung des Hochschulwissensvorläufig nahezu ganz. Er brachte manchen jungen wirtschaftstätigen Menschen im ersten Ansturm der i evolutionären Geschehnisse aus seiner Arbeitsstelle, tr stellte zeitweise oft das Verhältnis des jungen Menschen zu seinem christlichen Lehrherrn, Betriebsführer oder Kollegen auf eine schwere Probe. - Das sind Erlebnisse des Augenblicks. Die erwerbsfähige Jugend hat aber den größten Teil des Lebens noch vor sich. Sie trägt auf bisher unbelasteten, immer mehr erstarkenden Schultern vieles leichter und mit Geduld. Für sie handelt es sich um die Gestaltung einer weiteren Zukunft im Rahmen einer Entwicklung, die vor wenigen Monaten die Herrschaft gewann und fürs nächste bestimmt. Det Umbruch der Entwicklung eröffnet jedoch auf der andern Seite dem jungen Menschen, im Gegensatz zu seiner seitherigen Lage, innerhalb der Gesamtwirtschaft auch günstigere wirtschaftliche Znkiinftsaiissichten. Für alle wirtschaftliche Betätigung soll im neuen' Reich fürderhin - eins entscheidend sein: die Leistung der EinzclpersönlichkeH. Und das muß der Ausgangspunkt werden für alle 'Arbeit der . deutsch-jüdischen Jugend an sich selbst und für ihre Ausbildung durch Einrichtungen der jüdischen Gemeinschaft. Von größter Bedeutung ist diese Aufgabe aber für die.jungen jüdischen Deutschen, die bereits im Erwerbs- bzw. Berufsleben oder auch-in der Berufsumschichtung stehen. Sie müssen sich darüber, klar sein, daß die Zukunft an sie allergrößte Anforderungen stellt, von deren Erfüllung ihr Wohl und Wehe abhängen wird. Vor allen persönlichen oder sonstigen Ressentiments steht für sie auf die Dauer immer das Können. Die Leistung wird aber im neuen Staat anders aussehen als bisher. Sie wird auch anders zur Geltung kommen bzw. sich durchsetzen können. Die Entwicklung des letzten Jahrzehnts war bestimmt von der forcierten Herausbildung der - GroHur.teinehnning, zumeist mit Hilfe bedeutender ausländischer Kapitalfonds, auf allen Gebieten wirtschaftlicher Tätigkeit. Sie führte zu schwerer-Gefährdung einer der wichtigsten Pfeiler des' Staatsgefüges, nämlich des Mittelstandes, z. T. sogar zu dessen völliger Verarmung und Verelendung.’ Der Wunsch des jungen Menschen früherer Jahrzehnte, dereinst wirtschaftlich frei und unabhängig im eigenen Betrieb zu Wirken, blieb für allzuviele seit Krieg und Inflation ein me erfüllter Traum. Der Großbetrieb wurde zum autonomen Automaten, den die Menschen wie einen mythischen Götzen verehrten. Die Werktätigen wurden zu Spezialisten innerhalb des grollen Rädergetriebes. Sie übten nur noch Teilfunktionen ■-ausj-dicy-nrnner-wieder-werterzerlegt, ür ibrer damit. wachsenden Primitivität nahezu einen Jeden aus der großen Masse der Menschen zum Werkzeug statt z.uin Herrn der Arbeit machte. Diese Zeit ist vorbei. Wenn es in Zukunft möglich wird, eine noch so bescheidene 'Selbständigkeit zu begründen, so werden von dem Einzelnen umfassende und vielseitige Kenntnisse des wirtschaftlichen Wirkens verlangt. Die Bedeutung der Kapitalgröße tritt immer mehr zurück. ij»enn dazu der oft unqualifizierte und markt- - schreierische -/Wettbewerb in gesunde und solide Bahnen gelenkt wird.-so'kann nur die Tüchtigkeit und Leistungsfähig- - keit der Einzelpersönlichkeit im wirtschaftlichen Wettstreit den Ausschlag geben. Das erfordert eine entsprechende Ausbildung und Vorbereitung der jungen erwerbsfähigen Menschen. Ihnen winkt dann aber auch ein sicheres und lohnendes Ziel. So wird für den im Handel Tätigen die Heranbildung zum Verkäufer nicht mehr genügen. Er wird ohne Zwang und aus sich selbst heraus rechtzeitig danach streben müssen, sein berufliches Können und Wissen zu unterbauen, zu erweitern, zu vertiefen und vielseitiger auszugestalten. Er wird sich sowohl Kenntnisse in der Dekoration und im Schildermalen wie in Buchhaltung, Korrespondenz, Kalkulation und Statistik, in Waren- und Marktkunde aneignen müssen. Und dies' in ganz anderem Maße und unter ganz anderem Gesichtswinkel, als er jene Sparten betrieblichen Wissens während der Berufsschulzeit erlernt hat. Er wird ebenso in stärkerem Umfange, gleichviel wie seine Vorbildung ist, wenigstens eine Fremdsprache-pflegen müssen. Auch für die nächste Zukunft wird diese Vervollkommnung und Weiterbildung für ihn von weittragender Bedeutung sein. Vielseitigkeit hat jetzt schon in unserer allgemeinen Wirtschaftsnot bei der Personalauswahl immer den Vorzug. Sie gibt dem Erwerbstätigen bei seiner ganzen täglichen Arbeit in unsicheren Zeiten die gerade auch dem Juden nötige.größere Ruhe jmd innere Sicherheit. Das Maß von Unentbehrlichkeit eines Menschen -rneben seiner Leistung — bestimmt seinen Wert für den Betrieb. Ohne daß er einem anderen das Brot fortnimmt, muß er hei aller Daseinsschwere au der ständigen Erweiterung und Vervielfältigung auch seiner rein „handwerklichen“ Kenntnisse. und Fähigkeiten, selbst unter Opferung sonst freier Abendstunden, arbeiten. Eine Verkäuferin, die z. B. Nähen, Abstecken oder sogar Zuschneiden und Zurichten kann, wird, weil sie im Notfälle einspringen kann, oft zu einer uneiituehrlichen Kratt. An ihr können dann u. U. auch alle äußeren Ereignisse spurlos vorübergehen. Natürlich bleibt die Veranlagung entscheidend. Andere sind wiederum ergänzend zur Büroarbeit befähigt! Unternehmungen im Handel am ehesten zur lihcrnalmie' in ein mittleres oder kleineres Unternehmen. Sie werden auch als mithelfeiule Ehelrau so zur wertvollen und zuverlässigen Stütze einer gesunden Existenz für Familie und Betrieb. Das sind der erwerbstätigen Jugend zukünftig bewegen müssen. Es kommt ^darauf an. daß sie die große Richtung erkennt. Jeder .Entwicklung ciuziiordnen.' samir.enhäiigeii und in weiteren Sichten sehen >n lernen, Aufpfiegen und sich in konstruktiven und produktiven Gedankenstab an die Hand gegeben sein, Verhalten und I lallung'seihst Der neue „Brockhaus“ und die Bewertung der Juden. . In dem soeben erschienenen 1-1. Band des „Grollen Brockhaus“, des wegen seiner Objektivität allgemein anerkannten deutschen Konversationslexikons, liest man unter „Portugal“ folgendes: „Dem spantscheii Königspaar zu Gefallen, vertrieb er (König Emanuel *1. von Portugal) in den Jahren 1-UJh 07 die Juden mul die nach dem Fall Granadas ins Land gekommenen Mauren oder ließ sie zwangsweise taufen. Damit aber -beraubte er Portugal der fleißigsten . und wirtschaftlichsten Volksteile. Die Glanzzeit Portugals trug überhaupt schon den Keim des Verfalles in sieh.“ Wir glauben, es ist zu rosig gemalt, daß wir 149b dir flcißigste« und wirtschaftlichste« Volksgenossen gewesen sein sollen.1 Und wir würden gern selten, daß das, was an diesen auf -150 Jahre zurückdatierten Superlativen zuviel ist, unserem heutigen Zuwenig wieder ziigeredmet und wir als fleißige urd wirtschaftürAe Vulkstcile erkannt würden. Immerhin aber freut es. uns, daß ein heute erscheinendes lind maßgebliches Werk sich über jüdische Leistung derart positiv äußert. (Xus dem Sßeßeu unsaxex gemeinden I Berlin. (Bibliothek der J ü d i s Die Lesehalle Easanensirafte 70 i;-‘ - Donnerstags '■— ' ° ■ n Sun s bis eüffnet. Berlin. (Eine „S t e r n“ - S t i f t tt n g der Berliner J ii d i s e h c n G e m e i n d e.) Der langjährige Vorsitzende des Gemeindevorstandes der Berliner Jüdischen Gemeinde, Geheimrat Julius Stern, der zeitweilig auch Vorsitzender der Rcpräsenlanteiiversannnluug gewesen ist, war anläßlich seines 80. Geburtstages Gegenstand mannigfacher Ehrung durch weiteste Kreise. Die Berliner Jüdische Gemeinde errichtete zur dauernden Erinnerung..an sein Wirken bei dem lange Zeit seiner'besonderen-'Obhut Tfntefsteltt'en WaisetttläuS'der jüdischen Gemeinde eine Stiftung, die seinen und seiner verstorbenen Gattin Namen trägt. Namens der Gemeindebehörden beglückwünschte den Jubilar eine aus dem Gcnieindevorsitzenden Dir. Heinrich Stahl, dem Verwaltungsdirektor Dr. Breslauer und den Mitgliedern des Präsidiums der Repräsentanten-: Versammlung Heinrich Stern, Dr. Alfred Klee und Studiendirektor Dr. Guttinanu bestehende Abordnung. Gemeinde- Vorsitzender Heinrich Stahl dankte Geheimrat Stern für die von ihm in langjähriger hingebungsvoller Arbeit der Gemeinde geleisteten mannigfachen treuen Dienste. Dr. Klee überbrachte die Grüße der Gremien der JCA und der HJCEM. Geheimrat steril, der sich trotz vorgeschrittenen Alters volle Rüstigkeit bewahrt hat, ist noch heute in einer Reihe wichtiger Verwaltungskommissioiien der Berliner Jüdischen Cieineinde.leiteiid tätig. - Breslau. (Jüdische'Betriebe werden umges c Ii a 11 e t.) Der Inhaber der Firma Hielschmvsky Q. tu. b. ii., Breslau, Bciitheu O/S., Gleiwitz, eines der bedeutendsten Leinenhäuser Deutschlands, hat Veranlassung genommen, den bereits seit längerer Zeit gefaßten Plan einer Umschaltuiig zu verwirklichen. Dieser Entschluß erfolgte auch, um eine große Arbeitsstätte des Ostens und damit 700 Arbeitnehmern den Arbeitsplatz z Umschallimg nolu führetbeauftragt, . scher Wirtsehafts- . Wirlschaftsfnbrcr hat das alleinige Verfügungsrcchl in der Firma und die Aufgabe, das Geschäft im . Sinne einer Umschaltuiig in arische Hände zu überführen. Herr Bielsehowskv mul seine sämtlichen l amilieiimitglieder sind vor. der Leitung des Betriebes zurückgetreten. — Die Familie Srhalzkr, in deren Händen sieh seit fast 00 Jahren die bekannte (iroßilruckerei lind Verlag der Th. Sehalzkv Aktiengesellschaft nebst der im vorigen Jahre ciiigcglicdcrtcn ivsfcy Aktien; irkatifl.- Diisseldorf. (K.a b 1) i-n-e r - T a g n n g.) Am 22. Oktober fand hier die Tagung ,k-s Rheinisch-Westfälischen'"Rabbiner- Verbandes statt. Esehelbaeher (Düsseldorf) hielt einen halarechts“! Nach''ciWm'Xlwrat’ des dc-rzeitiglm Vorsitzenden. Hahn (Essen), über die „Reahsvertretimg der-Tletitsehen Juden“, nahm die Versammlung einstimmig folgende Resolution an: „Der Rheinisch-Westfälische Rabbiner-Verband he- ‘ " ' daß linier Führung des isehlaggeliendeii Richtungen •II Judentums anerkannte Keichsvertretung der deutschen Juden zustaiulegekomiiieu ist. Er ist gewillt, der langersehnten einheitlichen Führung Folge zu leisten. Er erwartet von jedem deutschen Juden, daß er von mm au in allen Fragen, die die Gesamtheit betreffen, keine Schritte unternimmt, die nicht vorher ausdrücklich durch die Führung gehilligt wurden. Er sieht in einer solchen Haltung die Verwirklichung der Disziplin, die seit langem vmt allen Rieh; Itiiigeu des deutschen Judentums gefordert wird.“ Güttingen. (R ab bin er M. Kosenhrrg nach G ö 11 i n g e n b e r tt f e n.) 1 )>e Jüdische Gemeinde (iüttiim-n hat Herrn Rabbiner M. Roscuherg aus Berlin, zum Gcmcimkrahhiner. gewählt. Rabbiner Roscuherg ist Absolvent ' der Hochschule für die Wissenschaft des. Judentums und war im ■Rerttner Schuldienst, Insbesonderemr der hetnsiseWm- SpwnW— iehr.nist.ilt der Berliner Jüdischen Gemeinde, tätig. Kasse!. (101) J a h r e k tt r h cssisch e J u d en-Gesetzgebung.) Am 20. Oktober sind 100 Jahre veTflossep, - “ ‘ die kurhessisebe Judengesetzgehnng in Kraft trat. r'— xoliegen Baeel Seit 50 Jahrenl Das Kaufhaus für Ihren gesamten Bedarf! MAX GIESEN Bel ErpstBoss .. nJw*k,äak1<kaa>«<i!te W Geflügel täglich Irlich und preiswert Neu eröffnet! Moabit,Turrhstr.4 2 Ecke Oldenburger Str. 8po*Io1|fkcbttft far frluuUo SSSf-AffirrSWUS Markt))» | ^JCondztotei | jd^dfQr | djDiffenSerqpfafz tergplc. rP nac* w § empfiedfa 5 vot idrer u/etfe i SJCxindscßafi* BÄCKEREI, CAFE EJSund COND1TOREI „Zum Wiener“ Cafe PreSsa , LAUS & SOOS Jerusalemer Straße 11-12 Fernspr. 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