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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-10-31 · 21 (31.10.1933) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
21 (31.10.1933)
Date
1933-10-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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wieweit jüdische Menschen aus der allgemeinen staatlichen Ordnung herausgenommen und einer Sonderordnung zugeführt werden sollen. . > - Daß neben dieser Regelung auf spezifisch jüdischem Gebiete. eine solche hinsichtlich der geistigen Einordnung in das deutsche Kulturleben herbeigeführt werden muß, ergibt sich bereits aus dem, was im ersten Abschnitt gesagt wurde.. Mag man die Juden werten wie immer, so wird doch kein Grund ersichtlich, der Anlaß sein könnte, sie von der Teilnahme am deutschen Geistesleben fernzuhalten. Mag eine Beschränkung hier noch hinsichtlich. ihrer schöpferischen Einflußmöglichkeit begreifbar sein, so muß es doch als ein Widerspruch gegen jegliche Kulturpropaganda gewertet werden, wenn ihnen die Nutzung vorhandener Kultureinrichtungen, z. B. von Theatern, Bibliotheken oder dergleichen beengt werden würde. 3. Die berufliche und wirtschaftliche Eingliederung. Daß die Berufsgliederung der deutschen Judenheit nicht als gesund empfunden werden konnte, ist von einsichtigen Führern in den letzten Jahren und Jahrzehnten so oft betont werden, wenn auch leider nur mit geringem Erfolg, daß es nicht verwunderlich ist, wenn jetzt eine Aenderung vom Staate her herbeigeführt worden ist. Daß hierdurch im Einzelfalle Schwierigkeiten hervorgerufen wurden, berührt aber nicht die grundsätzliche Berechtigung auch des Staates, die Berufsgliederung der deutschen Judenheit zu ändern. Wesentlich und entscheidend freilich wird nunmehr sein, daß der Staat auch wieder die Wege weist, auf denen den jüdischen Deutschen in ihrem deutschen Vaterlande Lebensraum gegeben wird. Und wenn-irgendwo, so muß auf diesem Gebiete der Berufseingliederung das Interesse des Staates und das der Judenheit das gleiche sein und ihr Zusammenwirken deshalb zum Besten für beide. Dabei soll nicht etwa die Tatsache verkannt werden, daß die Zahl der Arbeitslosen in der deutschen Wirtschaft dank der zielbewüßten Bestrezahlreiche jüdische Erwerbslose geben muß, auch bisher schon gab. Das Entscheidende ist, daß für d jüdischen Erwerbsfähigen Arbeitslosigkeit nicht identisch w< den darf mit Berufslosigkeit, ja, sogar den Wirtschaftsorganismus —■— können. ' Klarheit muß auch geschaffen werden hinsichtlich der künftigen Eingliederung jüdischer Erwerbstätiger indie angesichts der künftigen Ständeordnung besonders, bedeutungsvollen Berufsorganisationen. Hier ist bisher eine Einheitlichkeit nicht feststellbar. Der Reichsverband des deutschen Handwerks hat auf eine Anfrage die Antwort erteilt, daß an der Zugehörigkeit jüdischer Mitglieder zu Handwerksorganisationen nichts zu ändern sei, soweit zwingende gesetzliche Vorschriften, wie hinsichtlich der Zugehörigkeit zur Hand: Werkskammer und Zwangsinnung, bestehen; jedoch würde in jedem Falle zu vermeiden sein, daß die jüdischen Mitglieder der Handwerksorganisationen Aemter in der- Organisation bekleiden und insbesondere Vorstaridssitze innehaben; soweit die Zugehörigkeit zur Handwerksorgänisation nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, müsse an sich den einzelnen Organisationen überlassen bleiben, die Frage der Zugehörigkeit jüdischer Mitglieder zu regeln; grundsätzlich würde aber selbstverständlich auch hier Wert darauf zu legen sein, daß jüdische Mitglieder keine Aemter bekleiden und insbesondere keine Vorstandssitze innehaben. Eine ähnliche Auffassung hat der Reichsstand des Handels eingenommen-- Völlig anderer Art ist jedoch die bisherige Handhabung hinsichtlich der Arbeitsfront, wobei freilich über ihre Eingliederung in den ständischen, Wirtschaftsaufbau, der ja zugunsten des vordringlichen Arbeitsbeschäffungsprogramms zurückgestellt wurde, noch keine Klarheit zu gewinnen ist. Die Ueberführung und die Neuaufnahme in die Angestellten- und Arbeitersäulen der Deutschen Arbeitsfront werden von dem Nachweis der arischen Abstammung abhängig gemacht. Und nach Presseveröffeiitliclumgen soll den nichtarischen Arbeitnehmern die Mitgliedschaft verwehrt bleiben, hingugen Gelegenheit gegeben werden, sich in einer besonderen, der Deutschen Arbeitsfront nicht Ungegliederten Organisation zusammenzuschließen. Schließlich bedarf der Regelung noch das Gebiet freier wirtschaftlicher Betätigung. Hier^ sind vielfach lokale Anordnungen getroffen worden, die einer einheitliehen Regelung nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten /.uwiderlatifen dürften, und es hat sich oft der Zustand ergeben, daß sogar ausländische Staatsangehörige besser gestellt wurden als jüdische Deutsche. Auch hier dürfte das Interesse ries Staates und das der deutschen Judenheit das gleiche sein. Mag;das Staatsdenken das Rassenprinzip für das geistige Leben der Volksgemeinschaft anweiideu, aus der freien wirtschaftlichen Betätigung sollte es ausgeschaltet werden*). Kein Grund ist nach meiner Meinung vom Standpunkt der deutscheil Wirtschaft ersichtlich, der eine Beschränkung der Betätigung von jüdischen Deutschen in Industrie, Handel, Handwerk und Landwirtschaft erfordern könnte. Hier sollten für Juden die gleichen Gesetze wie für die Betätigung arischer Deutscher .auf diesen Gebieten der Wirtschaft Anwendung finden. Auchetwaige Beschränkung der verschiedensten Art, beispielsweise hinsichtlich ihrer Beteiligung an Messen, Ausstellungen oder Märkten oder bei der Erteilung öffentlicher Aufträge, sollten zur Aufhebung gelangen. Ferner dürfte es erstrebenswert sein, auch die jüdischen Kräfte in die Ankurbelungsmaßuahmen des Wirtschaftsprograumis der Regierung voll einzubczichcii. Die deutschen Juden sind kein besonderer Sektor in der deutschen Wirtschaft-und wollen es auch nicht werden. Ihr Streben gilt gleich dem aller deutschen Wirtschaftstrager der Besserung der deutschen Wirtschaftsvcrhältiiisse. Daher sind Sie auch willens, mit allen Kräften bei der'Befreiung des deutschen Volkes von der furchtbaren Geißel der Arbeitslosigkeit nutzuwirken. ihre wirtschaftlichen Fälligkeiten sollten der deutschen Wirtschaft nutzbar gemacht werden, ihre wirtschaftliche Betätigung sollte der deutschen Gesamtwirtschaft organisch eingegliedert werden. 4. Programmatische Richtlinien. So ergibt sich zusammenfassend das Folgende für die Neueinordnung der deutschen Judenheit. Dahei ist selbstverständlich, sei aber noch ausdrücklich betont, daß die deutschen Juden sich bewußt sind, nur Objekt der Uesetz- .... .i-ii t; '•- t Deutschland und n sonden licht als fr. Sie halten deshalb au dem Grundsatz ihrer vollen staatsbürgerlichen Gleichberechtigung, fest und wünschen keine Absonderung innerhalb der deutschen Volksgesamtheit, voll der sie ein Bestandteil sind. 2. .Mit den luden anderer Länder sind die deutschen Juden n.ur durch -ihre Religion und die Gemeinsamkeit der Abstammung, nicht aber der Nationalität, verbunden. Palästina ist ihnen das Land ihrer Väter, das 1 ledige Land im Sinne, ihrer Keligioi), nicht ein nationales Zentrum, nicht die Heimat aller Juden. 3. Der staatlichen Ordnung in Deutschland, wie sie durch die nationale Regierung geschaffen worden ist, gliedern sieh die deutschen Juden ein, wie die Vorschrift ihrer Religion es gebietet. Sie erstreben auf thT Grundlage -- '• ' e Ordu " ' ärgerlichen Verhältnisse, die ihnen Ehre und Ficiln das geringste Maß zu crstrcl Eingliederung der Juden in nicht erreichbar ist, sind Ersat im Einvernehmen mit den schaffen. 5. Die Erziehung mul Bildung d im dcutsch-vaterläudischeii ( . -Finanzierung solcher Schulen H gültigen l. .. Der i den Hoc Irifigcu. 1 soll < -lisebei: Jugend im angemessenen Umfange ziistchciu__ reits vier Semester an einer deuischcn Hochschule studiert hat, ist zur Beendigung des Studiums zuzulassen. 7. Die Benutzung aller öffentlichen Einrichtungen stellt 8. Der Staat soll die Gesundung der Berufsgliederung der deutschen Juden unterstützen, zu diesem Zwecke ihre Siedlungsbcstrcbungcii fördern und Aiishildimgskurse, Lehrwerkstätten sowie Einzeilehrer zum Zwecke der Beriifsiimseluchtimg genehmigen. i). Die Teilnahme von Juden am Freiwilligen Arbeitsdienst ist zu .erstreben. Soweit ihre Beteiligung au den allgemeinen Einrichtungen nicht erreichbar ist, sind besondere jüdische Ersatzeinrichtungen zu schaffen, deren Finanzierung der Staat nach den allgemein geltenden Grundsätzen unterstützen soll. II). Die Behandlung jüdischer Ausländer soll sieh von der- ■liehtjüdischer Ausländer nicht unterscheiden. 11. Der. Staat soll, wie bisher, den jüdischen Kcligiuusgemeiiideu und ihren Einrichtungen seinen, Schlitz gewähren. Er soll Ihren Verbänden Zuschüsse, fiir leistungsschwache Gemeinden fiir Besoldung der Rabbiner und zur Erteilung des Religionsunterrichtes ge- ■' “ ' jüdischen Gemeinden angestellti ' biiiern und Lehren die poli l- . Betätigung hl Palästina-u.Orient-Transporte zu soliden Preisen I. Schneider d Co. GmbH. Fracht-Agentur des Lloyd-Triestino Berlin, Alt-Moablt 140b Telefon Hansa 2664 BaugeschäftBerger&Go. Charlottenburg 4, Kantstr. 69 Ältestes Spezialgeschäft lürWohimng*. Ludwig Zimmermann Gegründet 1875 Berlin-Wilmersdorf. 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