Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 21 (31.10.1933)
- Date
- 1933-10-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Folgen der Mischehe. Die gesetzlichen Bestimmungen Eine Kanzel—zwei Weltanschauungen Die „Vossische Zeitung*' vom 20.- Oktober (Morgen- -ausgabe) brachte folgende Notiz: Angesichts der weittragenden Folgen, die sich aus der Ehe zwischen efner Person arischer Abstammung und einer Personnichtarischer- Abstammung ergeben, hat die nachfolgende Zusammenstellung der gesetzlichen Bestimmungen Interesse: " . Nach dem.durch .Novelle vom 30. Juni 1933 abgeänderten Reichsbeamtengesetz § la, Abs. 3, darf jemand, der mit einer Person mchtarischer Abstammung verheiratet ist, nicht als Reichsbeamtef berufen werden. Beamte, die mit einer Peison nichtarischer Abstammung die Ehe eingehen, sind zu entlassen. Wenn auch die arische Abstammung durch eine Ehe mit einer Person nichtarischer Abstammung nicht berührt wird, so sind doch die Kinder, die aus solchen Ehen hervorgehen, nichtarischer Abstammung und unterliegen damit den einschlägigen Gesetzen. Bezüglich der Aufnahme auf allen Schulgattungen mit Ausnahme der Volksschulen und auf den Hochschulen und Universitäten sind sie insofern gewissen Beschränkungen unterworfen, als der Anteil der Schüler nichtarischer Abstammung unter der Gesamtzahl der Besucher jeder Schule und jeder Fakultät den Anteil der Nichtarier, an der reichsdeutschen Bevölkerung nicht übersteigen darf. Personen nichtarischer Abstammung können nicht Beamte werden, wozu auch die Lehrer aller Grade rechnen. Ferner, können sie nicht zum Notariat, zur Rechtsanwaltschaft, als Patentanwalt oder Steuerberater und auch nicht als Arzt, Zahnarzt oder Dentist zur Kassenpraxis zugelassen werden. Nach dem bäuerlichen Erbhofrecht vom 15. Mai 1933, § 2, Abs. 2, sind sie weiter. dauernd unfähig, als Besitzer eines Erbhofes Bauer zu sein und können auch nicht die Rechte für sich in Anspruch nehmen, die das Gesetz dem Besitzer eines-Erbhofes zuweist. . James Macdönald Flüchtlingskommissar. Der Präsident des Völkerbundrates hat den Vorsitzenden der New-York'er Vereinigung für auswärtige Politik James MacDonald zum Oberkommissar für die Flüchtlinge ernannt. Die Ernennung MacDonalds erfolgte im Einvernehmen mit den Vertretern Portugals, Spaniens, Frankreichs, Englands, Italiens, der Tschechoslowakei und der Niederlande. Was die <0. - L <5 - «ßftiontß diesmal zu berichten weiß: Der gehetzte Jude. \%r Ter angesichts 'der Schreckensnachrichten aus Palästina r.^jh) iji jjeh nufkmymen ijeße.. wiedef einmal recht "bemalten zu haben, weil die Weltgeschichte sich anzuschicken scheint, ein Idealbild in Trümmer . zu schlagen, der verdient nicht, den Ehrennamen „Jude“ tragen zu dürfen, i Wer nicht. den Degen senkt, wer sich jetzt nicht schicksalverbunden fühlt mit denen, die guten Glaubens in das Land Palästina zogen, umsich eine schönere Zukunft aufzubauen, und die nun sich bedroht sehen von der Empörung einer orientalischen Volksmenge: der möge sich sagen lassen, daß er von dem nichts empfindet, was als „jüdisches Herz.“ in das Vokabularium des Judentums eingegangen ist. Was wüßten wir alle früher, in Geborgenheit lebend, von Ahasver, .dem; ewig Wandernden, dem nie zur Ruhe Kommenden? Jetzt, da das Unglück hier und draußen über uns hereingebrochen ist, vermögen wir uns eine Vorstellung von dein - zu machen, was jüdische Geschichte uns lehrt, indem sie uns das Schicksal des gehetzten, immer gequälten Juden in tausendfacher Variation aufzeigte. - Es ist schwer; mit denen zu rechten, die die Zukunft der Juden in Deutschland schwarz in schwarz malen, die aber in überschwänglichen Optimismus verfallen, sobald sie von ' einer Wiedergeburt des „jüdischen Volkes“ sprechen. Einmal ' nur sollten sie die immer wieder an sie gestellte Frage ’ beantworten, wo ein Stückchen Land auf dieser Erde zu finde» sei, das noch keine Bewohner trüge, die sich nicht bis zum äußersten gegen ein überfluten durch Einwanderer verteidigt Sie müssen unrecht behalten, die Unentwegten, die Optimisten, denn xs wird Palästina für sie alle nicht das Land des AusruKens, der Geborgenheit werden. Vielleicht, sicherlich sogar, wird es für diesmal gelingen,"der Unruhen Herr zu werden, aber die unterirdische, von Arabern ent- . fachte Flamme wird weiterfressen und immer wieder auf- Deutsche Juden sind von denen abgeschnitten, die in Palästina ’ ansässig wurden-und in Gefahr schweben. Eltern haben ihre Kinder hergegeben, weil sie wähnten, das, was sie erleben mußten, könne dem jüdischen Nachwuchs erspart - bleiben. Altere Juden selbst haben sich hr Scharen, aufgemacht, weil sic im „gelobten Lande“ Sicherung der Existenz zu finden glaubten. Sie sehen, daß jetzt ein greller Brand ihre Hoffnungen in Asche legt. Jeder Jude, trägt er auch noch so schwer an der augenblicklichen Last des Daseins, wird verstummen, wenn er daran denkt, was deutsche Glaubensgenossen leiden mögen, die-in diesem Augenblick ihre’ Lieben in der Ferne wissen, dort, wo die Schicksalsfaust sich dän Kolonisten und ■ den ^Stadtbewohnern Palästinas entgegenstreckt. Juden hetzen durch die Länder der Welt. Es ist Bestimmung. Mögen aber die, die noch das Atom einer Existenzmöglichkeit in Deutschland haben, sich vor Augen halten, daß?ie den Weg des Abenteuers beschreiben, wenn sie den nach Palästina einschlagen. Die Tatsache, daß unendlich viele der bisher Fernstehenden heute unter dem Zwange der Verhältnisse zum Judentum zurückfinden, daß sie, durch äußere Umstände auf ihr Judentum zurückgebracht, nun auch die innere Beziehung zum Judentum zu gewinnen suchen, diese Tatsache ist im Lauf der letzten Monate von den verschiedensten Seiten beleuchtet worden. Auch in diesen Blättern. Doch muß der Hinweis auf diesen Tatbestand und auf die aus ihm sich ergebenden Aufgaben immer und immer wieder erneuert werden; denn die Lösung all der Fragen, die damit im Zusammenhang stehen, gehören zu dem allerhöchst Wichtigsten, was jüdischer Führung heute auferlegt ist. Das Judentum, klein gemacht in seiner äußeren Wirksamkeit, ist heute oder könnte doch sein: groß nach innen. Ja, was viele nicht ahnen, ist dennoch ein weithin sichtbares- Ereignis: das Judentum hat in diesem Jahre 1933 seine große, welthistorische Stunde; zum ersten Male seit Jahrzehnten, vielleicht seit einem Jahrhundert, treten seine Massen — und zwar seine Massen aus allen Schichten ohne Unterschied: Jung und Alt, Arm und Reich, Intellektuelle und Nichtintellektuelle — mit geistigen Ansprüchen an das Judentum heran. Daß dies bislang nicht der Fall war, darüber haben wir Jahre und Jahrzehnte geklagt, haben an eine geistige Regeneration des Judentums fast schon nicht mehr geglaubt. Heute nun dürfen wir — unter Tränen — jubeln; heute sind wieder Menschen da, die von dem so lang in die Ecke gestellten Judentum etwas erwarten. Wahrlich, eine große .Stunde, eine Stunde der Prüfung zugleich, die unserer Führung die Pflicht zuweist, zu zeigen, daß sie dieser Stunde gewachsen ist, daß das Judentum den Anforderungen solcher Zeit gerecht zu werden vermag. Eine der erlesenen Stätten, die diesen Bewährungsnachweis für das Judentum zu erbringen haben, ist. heute — wie immer — die Kanzel. Man höre auf, wie .es in den Jahrzehnten des Materialismus und der' seichten „Aufklärung“, üblich gewesen ist, über diejenigen zu spotten, die den wahren Geist des Judentums dort suchen, wo er in allererster Linie zu finden sein muß:-in den jüdischen Gotteshäusern. Sicher ist richtig, daß die Art unseres gottesdienstlichen Lebens, trotz aller Reformen des vergangenen Jahrhunderts, den Anforderungen und Bedürfnissen dieser Zeit und ihrer Menschen vielfach nicht zu entsprechen vermochte. Aber damit ist nichts gegen Gotteshaus und Kanzel gesagt, sondern höchstens gegen die Menschen, denen diese Stätten und die auf ihr zu vollbringenden Aufgaben anvertraut gewesen sind. . Wenn zum Beispiel der verstorbene langjährige Rabbiner des Hamburger Tempels, Dr. David Leimdörfer, in der Hundertjahr-Festschrift seiner Tempelgemeinde schrieb: „Der Pre-. diger ist Verfasser, und Sprecher seiner - Dichtungen“, so ist damit zwar das Verhältnis des Predigers zur Predigt — daß er nämlich ihr Verfasser und Sprecher zugleich sei — richtig bezeichnet; gänzlich verkehrt hingegen ist das, was über diese Predigt selbst ausgesagt wird, indem ihr der Charakter einer „Dichtung“, und das heißt in diesem Zusammenhang doch: einer poetischen, blumenreichen, aber zu nichts verpflichtenden „Erbauungsrede“ zugewiesen wird. Diese Bemerkung wird hier keineswegs gemacht, um gegen einen Verstorbenen zu polemisieren, sondern vielmehr um eine Auffassung zu widerlegen, die für die ganze hinter uns liegende Zeit, zum Verhängnis des Judentums, maßgebend gewesen ist; war doch Rabbiner Leimdörfer einer der hervorragendsten und anerkanntesten jüdischen Kanzelredner -seiner Zeit, so. daß auch sein Irrtum als der Irrtum einer ganzen Epoche erkannt werden muß. e-'uficAmigWniite'- Bahn, muß mehr sein als Dichtung. Was in Wahrheit sie zu sein hat, das liegt eingeschlossen in der großen Forderung, die gerade der religiöse Liberalismus während der letzten Jahre nachdrücklich unter dem Motto „Lebensnähe der Religion“ vertreten hat; .auch die von der Kanzel herab zu entfaltende Wirksamkeit hat lebensnah zu sein, muß den Menschen, die aus dem Leben in das Gotteshaus kommen und die vom Gotteshaus wieder in die Wirklichkeit des Lebens entlassen werden, etwas geben, was sie draußen gebrauchen können und was für sie von bleibendem Werte ist. In diesen Tagen der furchtbarsten Nöte muß diese Forderung noch dringlicher erhoben werden als je zuvor. Die Möglichkeit zu solcher geistigen Erfüllung ist gegeben. Denn ganz ebenso, wie die bisher dem Judentum Fernstehenden mit jüdischen Problemen sich wieder beschäftigen, ganz ebenso strömen auch Scharen derer, die seit der Kindheit Tagen kein Gotteshaus mehr besuchten, wieder in unsere Tempel. Die Erfahrungen der hinter uns liegenden Herbstfeiertage bestätigen das: aus. allen Gemeinden liegen Nachrichten vor, daß die Gotteshäuser in einem Maße besucht gewesen sind, wie es vielleicht seit dem aufwühlend-ereignisreichen Herbst 1914 nicht mehr der Fall gewesen ist. Wiederum muß gesagt werden: man höre auf, über diejenigen zu spotten, die in guten Tagen kein Gotteshaus kannten und bei denen es erst der schweren Not des Herzens bedurfte, unsere religiösen Stätten wieder aufzusuchen. Soweit ein solches Verhalten wirklich als aus Hilflosigkeit geborene Eigensucht anzusehen ist, gehört es ja doch nur in das große, allgemein bekannte Kapitel der menschlichen Unzulänglichkeit — was gibt es darüber viel zu reden?, und wer, der' selber Mensch, hätte ein Recht, darüber zu spotten? Worüber . aber zu reden ist, das ist die vielen noch unbekannt gebliebene Aufgabe, die aus dem allzu Bekannten nun den' Berufenen erwächst: nichts kommt auf die Motive an, aus denen heraus heute die Menschen in die Gotteshäuser strömen; alles kommt darauf an, was aus diesem als Tatsache hinzunehmenden geistigen und seelischen Bedürfnis gemacht wird; alles kommt darauf an, daß das jetzt nur als 'unklare Sehnsucht vorhandene Fühlen in ein klares, gestaltetes und gestaltendes, Wol 1 en -gewandelt werde. Dies auszurichten, ist die geschichtliche Aufgabe unsererheute wirkenden Prediger. „Viel lernte ich von meinen Meistern, mehr von meinen Kollegen, am meisten von meinen Schülern“, lautet der Ausspruch eines der alten. Talmudrabbinen, und auch die modernen Rabbiner mögen daran denken: „Der wirksamste Lehrer des Lehrers ist oft sein Schüler; der beste Wegweiser des Führers ist oft der von ihm Geführte.“ Ob auch unsere heutigen Prediger es verstehen, aus der. seelischen Verfassung der Massen, zu denen sie reden, die Richtlinie für ihr eigenes Wirken zu entnehmen, und ob sie der so sich ergebenden Aufgabe gewachsen sind, das ist die Frage, auf die alles ankommt. Wie sieht es in den Massen der heutigen Predigthörer, besonders auch der neuen Predigthörer aus, und’wie wirkt auf sie das gehörte Wort? „Zwei Propheten weissagen nicht in einer und derselben Weise“, — mit diesem Talmudspruch, der sinngemäß auf die Prediger aller Zeiten angewendet werden muß, ist nicht nur, wie es auf den ersten Blick Frankfurt q, M, Abonnenten- und Inseraten - Vertreter SUCM die Das Urteil gegen Dr. Marx. ln dem Prozeß gegen den Kriminalrat Friedrich Mührdel und den ehemaligen Syndikus der Frankfurter Landesstelle des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Dr. jur. et rer pol. Martin Marx, hat die große Strafkammer in Frankfurt a. M. beide Angeklagten zu je sieben Monaten Gefängnis verurteilt, wobei ihnen fünf Monate Untersuchungshaft angerechnet wurden. Wesentlich ist, daß das Gericht beide Beschuldigten von der schwersten Anklage, der der Bestechung, freisprach und ausdrücklich feststellte, daß den Angeklagten ehrloses Verhalten nicht zur Last gelegt werden könne. Daher schloß sich auch das Gericht dem Anträge des Staatsanwaltes, über Marx und Mührdel fünf Jahre Ehrverlust zu verhängen, nicht an. Der Verlauf des Prozesses hat gezeigt, daß die zu Prozeßbeginn in einer Reihe von Presseorganen gegen den ehemaligen C.V.-Syndikus und darüber hinaus gegen den Centralvereiii selbst erhobenen und in leidenschaftlichster Form fertigt waren. Ein Verschulden des Centralvereins wurde vom Gericht in keinem Stadium des Prozesses angenommen. Anprangerung jüdischer Ärzte in Hamburg. Ohne Rücksicht auf die jüngsten Erlasse des Reichswirtschaftsministeriums gegen schädigende Eingriffe .in das Wirtschaftsleben wurden in den Räumen' der bedeutendsten Krankenkassen in i Hamburg Anschläge am Schwarzen Brett angebracht, auf denen die Namen derjenigen gesetzlich zur Krankenbehandlung von Kassenmitgliedern zugelassenen jüdischen Ärzte angeführt sind, die „dem jüdischen Geheimbund Union of Bnai Brith“ angehören. Hinter .dem Namen eines Arztes findet sich eine anstößige Bemerkung, und ferner wird gefragt, warum es in Hamburg noch eine „Unnastraße“ — so benannt nach dem berühmten Dermatologen Unna — gebe. Am Schluß der Liste werden diejenigen, die sich über den „jüdischen Geheimorden“ näher informieren wollen, auf die Lektüre der „Geheimnisse der Weisen von Zion“ verwiesen. „Arier im weiteren Sinn“.5 Dr. von Lcers definiert den 'Arierbegriff. In der Reihe der erbbiologischen Vorträge, die von der Deutschen Heilpädagogischen Gesellschaft veranstaltet werden, hielt Dr. Johann von Leers einen Vortfag, in dem er u. a. erklärte, das Wort „arisch“ sei in erster Linie ein Abwehrwort gegen Juden und kulturunschöpferische Rassen. Eine Diskrimininierung von Hochrassen enthalte es nicht. Man müsse zwischen Minderrassigen und Andersrassigen unterscheiden. Minderrassig sei das Negertuin mit allen seinen Abarten. Bei den großen osta_siatischen Kulturvölkern handle es sich nicht um minderwertige, sondern um andersartige Rassen mit vielfach nordischer Grundlage. Turanier, Ungarn, Finnen lind Esten könnten als „arisch im weiteren Sinn“ den Indogermänen gleichgesetzt werden. Deutscher Gruß von Juden unerwünscht. Die Gothaer Stadt- und Kreisleitung der NSDAP erließ folgende Bekanntmachung: „Es ist wiederholt die Frage aufgeworfen worden, ob Juden auch den deutschen Gruß' zu leisten haben. Um alle Mißverständnisse in Zukunft zu unterbinden, geben wir hiermit bekannt, daß der deutsche Gruß ein Gruß der Deutschen ist,- der von Juden nicht nur nicht verlangt wird, sondern der von ihnen nicht einmal erwünscht ist. Die Bevölkerung wird daher ersucht, Juden,' die den deutschen Gruß nicht anwenden, unbehelligt zu lassen.“ Werbeplakate nicht für Juden. Der Duisburger Einz'elhandelsverband ließ Reklameplakate drucken, die er für 0,50 RM an die Geschäfte verkaufte, damit sie die Plakate in ihren Auslagen anbrächten. Zu den Plakaten gehört u. a. eines, auf: welchem der nachfolgende Ausspruch des Reichswirtschaftsministers Dr. Schmitt enthalten „Jetzt kommt es darauf an, daß die Gesamtwirtschaft sich einschaltet, und zwar nicht nur die Großindustrie, sondern alle die vielen kleinen und mittleren Unternehmungen, bis .hinunter zu den einzelnen Hauswirtschaften.“ Dieses Plakat wurde auch von jüdischen Kaufleuten äusgehängt. Es erfolgte dagegen eine Beschwerde, worauf sich der Einzelhandelsverband an den zuständigen Treuhänder der Arbeit um Auskunft wandte. Dieser erklärte es für widersinnig, wenn jüdische Firmen die Aussprüche nationalsozialistischer Führer als Plakate zu Reklame'zwecken in ihren Schaufenstern verwenden. Minister Goebbels über autoritäre und demokratische Lösung der Judenfrage. Das „Berliner Tageblatt“ berichtet über eine Rede, die Reichsminister Dr. Goebbels auf einer großen öffentlichen Kundgebung der NSDAP in Frankfurt a. d. O. gehalten hat, Dr. Goebbels behandelte das Thema „Deutschlands Kampf um Gleichberechtigung und Frieden“. Im Verlaut seiner Ausführungen kam der Minister auch auf die Judenfrage zu sprechen und erklärte dem Bericht des „Berliner Tageblatts“ zufolge, man sei hier viel zu loyal verfahren; denn wenn die Frage nicht' autoritär, sondern demokratisch gelöst werden wäre, wäre die Lösung bestimmt anders ausgefallen. Ausschluß aus dem Verein Berliner Presse- Der Vorstand des Vereines „Berliner Presse“ veröffentlicht die Namen von ehemaligen Mitgliedern, die durch Vorstandsbeschluß aus dem Verein ausgeschlossen wnirden. Die Liste enthält u. a. die Namen des ehemaligen Pressechefs im Staatsministerium Ministerialrat Hans Goslar und des Direktors des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Dr. Ludwig Holländer. Der Ausschluß wird damit be-' gründet, daß „das Verbleiben der Betreffenden im Vereine das Ansehen des Vereins in gröblieher Weise verletzen würde“.