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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-10-24 · 19 (24.10.1933) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
19 (24.10.1933)
Date
1933-10-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Interessen mit denen unseres deutschen Volkes, sondern auch die Geister, der Geist unserer Bibel mit demjenigen, den Deutschland hei der Begründung seiner jetzigen außenpolitischen Schritte proklamierte. A.I I e Völker sollen „ihre Schwerter zu Winzermessern und ihre Lanzen zu Pflugscharen umschmieden“, nicht aber soll ein einziges Volk allein wehrlos und ehrlos dastehen dürfen; die — wie der Kanzler verkündete — „gegenüber dem Verhältnis von Siegern und Besiegten edlere Auffassung vom gleichen Lebensrecht aller“ entspricht jenem Geiste, der „einerlei Gesetz für den Fremden wie für den Einheimischen“ fordert — wieviel mehr also einerlei Gesetz für die, die in Tat und Wort beweisen, dal! sie nicht fremd, sondern einheimisch sind; und was den erstrebten inneren und äußeren Frieden aühelangt, so gilt für uns das Psalmwort: „Suchet den Frieden und jaget ihm nach!" Wie Deutschland seinen Frieden nach außen sich erkämpft, so sei auch den jüdischen Stellen, die für uns deutsche Juden den Frieden anstreben, zugerufen': Lallt die Zuversicht nicht sinken, dieser Friede kömmt, nur —jagt ihm nach! . Sowjet- Martyrium jüdischer politischer Gefangener i Rußland. Das Martyrium der jüdischen politischen Gefangenen in Sowjetrufiland gellt "aus einer Nachricht hervor, die die Auslandsdelegation der Zionisten-Sozialisten. soeben erhalten hat. Am. 14. September sind die seif sieben Jahren gefangen gehaltenen Zionisten Dr. Abraham Wintz und Akiba im Gefängnis von Bvsk (Sibirien) z.um Protest gegen eine Verfügung der ■G.P.U., dcr/.ufolge. sie in ein Konzentrationslager auf den Solowkiinseln gebracht werden sollten, in den Hungerstreik getreten. Der Zustand der beiden Gefangenen ist nach 24tägiger Dauer des Hungerstreiks besorgniserregend. Trotz kommunistischen Drucks halten jüdische Kollektivbauern in Sowjetrußland an den religiösen. Über- - lieferungen fest. Wie. die Charkower Tageszeitung „Stern“ berichtet, sind an den hohen jüdischen Feiertagen 03 Mitglieder der jüdischen Kollektiybauernwirtschaft „Oktjabr-Feld“ im Rayon Neu-Zlatppol ungeachtet des von antireligiös-kommunistischer Seite auf sie ausgeübten Drucks nicht zur Arbeit angetreten. Im Hause des ersten Traktorführers wurde ein Minjan abgehalten. Die Charkower Zeitung knüpft an diese Mitteilung längere polemische Ausführungen, in denen sie insbesondere gegen die Zlatopoler Zeitung „Kolwirt-Stern“ den Vorwurf erhebt, die anbefohlene antireligiöse Kampagne vor den jüdischen Feiertagen nicht mit. gehörigem Nachdruck betrieben zu haben. Der Vorsitzende der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburg zurückgetreten. In Hamburg trat der Vorsitzende der Deutsch-Israeliti Gemeinde, Herr zurück, das er seit 1901 bekli Schritt damit, dal) er sich den h grollen Hamburger Gemeinde _ __ nicht mehr gewachsen fühle. Der scheidende Vorsitzende Deutsch-Israelitischen Gemeinde hat sich um seine Vaterstadt hohe Verdienste erworben. 1932 überreichte ihm der damals .. 1' “ ' 1 Goldene Medaille der Stadt dete. . Er begründet seinen ite an den Vorsitzenden der lerantretenden Forderungen Ham! Breslauer Brief. H.M.D. Mit l Abschluß d Herbstfesl und wirksam Am 15. ^Oktober begannen nahm die uvmscu-juuiscue ivuiiuraroeu in nresiau einen vieiversprechen- Auftakt. Um der durch die neue staatliche Schulgesetzgebung drohenden Bildungsnot der jüdischen Jugend rechtzeitig zu begegnen, hatten führende Persönlichkeiten religiös-liberaler Denkweise zu einer jüdischen Elternversammlung, geladen, die am 10. Oktober im großen, bis auf den letzten Platz gefüllten Saal der Lessingloge stattfand und zum Ergebnis hatte, daß am gleichen Abend der „Neue Jüdische Schulvcrcin“ gegründet wurde. Der bereits seit einigen Jahren bestehende alte „Jüdische Schulverein“ unterhält eine jüdische Volksschule und ein jüdisches Realreformgymnasium. Die Tatsache, daß diese bereits bestehenden Anstalten sowie die von jüdischer Hand geleiteten Privatvorschulen Brann und Wohl nicht alle eventuell noch ein- und umzuschulenden jüdischen Schüler Breslaus aufnehmen können, vor allem, aber der Umstand, daß die Anstalten des alten Schulvereins auf streng religiös-konservativer Grundlage geführt werden und die von die Majorität bildenden religiös-liberalen Gemeindemitgliedern erhobenen Forderungen nach einem liberalen Religionsunterricht eine Berücksichtigung nicht.gefunden haben, ergeben die die Notwendigkeit, ein Schulwerk vorzubereiten, welches den Anforderungen der religiös-liberalen Eltern vollauf gerecht wird. Wenn auch die staatliche Schulgesetzgebung de iure für eine ganze Anzahl jüdischer Schüler Aufnahmemöglichkeiten bietet, so besteht doch die Gefahr, daß der Numerus clausus sich eines Tages als .Numerus nullus auswirkt. Die Versammlung wurde geleitet und eröffnet von dem als Vorsitzenden des liberalen Vereins der Synagogengemeinde bekannten Herrn Philipp Lachs. Als Redner des Abends sprachen die Herren Gemeinderabbiner Dr. Vogelstein und Rechtsanwalt Erich Spitz. Die Redner, machten zum Gegenstand ihrer mit größtem Interesse aufgenommenen Ausführungen die Notwendigkeit der Gründung des „Neuen Jüdischen Schulvereins“,, der in keiner Weise mit dem alten „Jüdischen Schulverein“ rivalisieien will, sondern Sorge tragen müsse für die etwa notwendig werdende Um- und Einschulung der aus religiösliberalen Häusern stammenden Kinder. Der Unterricht in der neuen Anstalt solle auch keinerlei Entfremdung von der deutschen Kultur und Heimat bringen, sondern im Gegenteil eine Garantie dafür bieten, daß diese hohen Kulturwerte durch die staatliche Schulgesetzgebung nicht einem großen Teil der jüdischen Jugend im Totalitätsstaate unzugänglich gemacht werden. Schließlich sei auch die Einigkeit intra muros mehr als je geboten, und die Redner hofften, daß bald beide Schul- : für das große Kulturwerk im Dienste der Jugend ver- _ der Neuen S y n a go g e’ rchgeführten Lehrvertrage, die. im “wischen dem Nachmittagsdie&maC %u ßcüditcn tvetß: Einer, der ungebeugt blieb. \A/ das Leben zerzauste, der aber sich dem Schicksal ent- * gegenzustemmen wußte und ungebeugt den Kampf ums Dasein wiederaufnahm. In einer unserer deutschen Städte sah sich eines Tages ein jfidischei Rechtsanwalt durch den Umschwung vor das gleiche Los gestellt, das mit ihm so manchen seiner Kollegen betroffen hatte. Die Gesetze schlossen ihn von der Ausübung des Berufes aus und nahmen ihm damit Brot und Existenz. Wäre er einer der vielen gewesen, die ohne seelische Widerstandskräfte verzweifelten, die hilflos dem Geschehen gegenüberstandeii,-so hätte auch er die Waffen gestreckt. Unverzagt sah’ er sich jedoch nach einer neuen Existenzmöglichkeit um und nahm den,Posten eines — Schammes in der Gemeinde seiner Heimatstadt an. . Ein Rechtsanwalt, der Schaimnes wurde, rümpft, inan da nicht die Nase, spricht man da nicht von mangelndem Standcsbewußtsciu und fehlender Berufsehre? Wir meinen, daß der Beruf des Schammes so ehrenwert ist wie jeder andere auch, hrt, si t. Dartie Zeit bei i Vorurteil über hinaus beweist unser Rechtsanwalt, daß die n aller Tragik doch mit manchem althergebrachte aufgeräumt lut. Nicht mehr um den Schein geht , . .... um das Sein. Wer da zufaßt, unbekümmert die ihm dargebotene Lebensmöglichkeit jergreift, der schützt über äußere Sein hinaus auch das innere. Wer aber an alte W< sich klammert, nicht mit Gegebenen rechnet, der verliert den Boden-unterden-Füßen, verzweifelt und wird haltlos. Ein Rechtsanwalt, der Schammes wurde, das ist absolut Neues und Ungewohntes. ‘Der Rechtsanwalt, de Robe ablcgen mußte, sic aber mit der des Schammi solin“ und „Gesetz lind Brauch im Judentum“. Die Tovnbeehalle der Sozialen Gruppe für erwerbstätige I'retten und Mädchen hat es sich bereits, seit zwei Jahren zur" Aufgabe gemacht, im Winter ihren vielen Schützlingen an -.! .1 der Woche neben einem Imbiß auch geistige liefen. Die Winterarbeit wurde am 15. Oktober . _gsansprachen von Frau Rosv Grüetzer- Kryschanowitz und .Gemeinderabbiner Dr. V o g i eröffnet. Nach herzlichen, versieht getragenen Worten der b Damcnkammerchor von Werner S a beide von Frau Selma W o 1 f f - S o liehe Darb! Bürgermeisterwahl in New York Die Juden frage int Wahlkampf. In New-York ist die Neuwahl des Bürgermeisters und des Vizebürgermeisters ausgeschrieben. Im Wahlkampf spielt diesmal — eine bei'amerikanischen Wahlen höchst seltene Erscheinung — auch die -Judenfrage eine gewisse Rolle. Gegen den unabhängigen demokratischen Kandidaten auf den Bürger- Gesichtspunkte __ eines Bürgermeisters ii ntlichten Artikel antisemitische was ihn ungeeignet mache, das Amt __„_ ... einer Stadt mit so starker jüdischer Bevölkerung wie’ New 'York zu bekleiden. Gegen diesen Vorwurf nimmt Nathan Straus jr., dersich auf derselben Liste wie McKee um das Amt des Vizebürgermeisters bewirbt, diesen in Schutz. McKee selbst veröffentlicht eine Erklärung, der es heißt, „der verächtliche Versuch, Rassenvorurteile den 'Wahlkampf hineinzutragen, erfülle ihn mit Wider- .. ..len“. „Ich habe niemals Angriffe gegen irgend eine Rasse gerichtet, noch jemals Rassen- oder Religionsvorurteilegehegt“, schreibt McKee. | Die Beschuldigung antisemitischer Gesinnung wurde gegen McKee zuerst von seinem Gegenkandidaten La Guardia, einem ehemaligen Mitgliede des amerikanischen Kongresses, :-n Zusammenhang mit einem Artikel erhoben, den McKee im Iter von 26 Jahren in der Zeitschrift „Katholische Welt“ . eröffentlicht hat und in dem an die Feststellung, daß die christlichen Schüler nur 25 o/o der gesamten Schülerschaft der New Yorker Mittelschulen ausmachen, schwere Angriffe gegen angebliche jüdisch-orthodoxe Moralauffassungen geknüpft . .rden. La Guardia richtete an McKee die öffentliche ige, ob er „diesen Angriff gegen eine große Rasse, die durch den Gouverneur des Staates New York Herbert H. Lehso glänzend vertreten sei, rechtfertigen könne.“ , Nach Veröffentlichung des Auszuges aus dem Artikel McKee’s erklärte der Finanzberater des gegenwärtigen Bürgermeisters O’Brien, der bekannte New Yorker Rechtsanwalt Samuel Untermyer, wenn die Stelle aus dem Artikel richtig wiedergegeben sei, so stelle die Äußerung McKee’s eine schwere Verleumdung dar, die bitter empfunden werden würde. Er hoffe, McKee, den er lange Zeit geachtet und 1 ’undert habe, werde eine offene Erklärung geben. Täte dies nicht, so wäre dies eine schwere Enttäuschung für alle —le jüdischen und nichtjüdischen Freunde. Sollte sich die Behauptung La Guardias als richtig erweisen, so werde niemand, der Selbstachtung besitzt, für die Kandidatur McKee’s ’-önnen, denn wer eine engherzige bigotte Meinung - - großen Teil seiner Mitbürger habe, könne nicht Anspruch erheben, Bürgermeister der Stadt zu werden, die von allen Städten der Welt die größte jüdische Bevölkerung aufweist. Die nunmehr veröffentlichte Erklärung McKee’s bezeich- Untermyer als unbefriedigend. Jüdischer Handel in Dünaburg bedroht. Ein folgenschwerer Beschluß des Stadtrats. Der Stadtrat von Dünaburg hat beschlossen, daß die Geschäfte künftighin nicht nur an Sonntagen und katholischen Feiertagen, sondern auch‘an den protestantischen, griechischorthodoxen Feiertagen geschlossen zu halten haben. Der Annahme dieses Beschlusses ging eine lebhafte Debatte voraus,' in der gehässige Angriffe gegen die jüdische Kaufmannschaft gerichtet wurden. Die Kaufleute von Dünaburg, die' zum großen Teil Juden sind, würden auf Grund des Stadtratbeschlusses an 233 Tagen im Jahr ihre Läden geschlossen . müssen, was zur Vernickrttnui-te iüfetfterr' Handels , f" laburgführen würde. feie jüdische Kaufmannschaft, -. I Dünaburg i ff, aarag ebt sich v : über die Juden ___ ...it überlebten Vorurteilen behaftet, darangehen müssen^ sich eüi neues Leben zu zimmern. Sicherlich sind die heute besser daran, denen das Judentum nicht Bürde ist, sondern Erfüllung. . Die. in wahrer, tiefer Religiosität Halt, finden 1 materiellen Mit Grauen sah inan seit langen Jahren schot] die Abwendung weiter jüdischer Kreise von den geistigen Gütern des Judentums, die gedankenlose Zuwendung zum rein Materiellen. Mußte sich eine solche Einstellung nicht bitter au denen rächen, die sich eines Tages vor dem Nichts sehen? Die nicht, einscheii konnten, daß das Jtidcscm tausendfaches Leid ir. sich schließt, aber auch tausendfache Freude? Mau hat es ihnen so oft vorgehalten, daß das Judentum den Hohen dem Niederen gleichstellt, daß es nur den Menschen wertet lind von sozialen Unterschieden nichts wissen will. Nun verzweifeln sie, da sie nicht hören wollten und von ihrer imaginären Höhe stürzten, ’ Sie sollten auf den Mann sehen, von dem hier die Rede war. Er könnte ihnen aufzeigen, was ein' Jude zu leisten vermag, wenn eine neue. Zeit anbriclit, die nicht mehr fragt . nach dem Stand des Einzelnen, sondern nur die Persönlichkeit in Rechnung stellt. Sehen sie. die Verzweifelten, Gebeugten, auf diesen wahrhaft jüdischen Mann, dann werden sie neuen Mut schöpfen, erstarken. und wieder hoffen, und das wird ihnen und mit ihnen dem ganzen Judentum zum Segen gereichen. Hanns Loewenstei _ Hoffnung und Zuiden Redner brachte der l d e r und Trude B e h r, e r s k i begleitet, gesang- . 16. Oktober eröffnete die „Freie Jüdische Volkshochschule zu Breslau“ das Wintersemester (ihr 29. und 30. Halbsemester) im großen Saal' der Lessingloge. Nach einem Harmoniumvorspiel des Synagogenorganisten Erich Schaffer ergriff das Wort Dozent Dr. Albert Lewkow i t z zu dem Thema „Die Aufgaben der jüdischen Volkshochschule“. Ein Gang durch die Geistesgeschichte des Judentumes zeige, daß die Juden sich stets als selbstbewußte Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft gefühlt haben. Erst jdie AufklärungsphiiGsophie und die Verwirklichung ihrer Ideale brachte eine Auflockerung des jüdischen Kollektivbewußtseins lind der Bindungen zum Judentum, bedingt durch die Wertung des Individuums; die Folge war, daß viele Juden die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft abstreiften oder nur noch mit rein abstrakt-philosophischen Gedankengängen zu retten suchten.' Die durch den gegenwärtigen Staat aufs äußerste gefährdete Emanzipation müsse dem einzelnen Juden wieder mehr die Bedeutung seiner Gemeinschaft als eines geschichtlichen Phänomens klar machen. Weiten Kreisen die wissenschaftlichen Grundlagen zu den gegenwärtig notwendigen Erkenntnissen zu vermitteln, sei die Aufgabe der jüdischen Volkshochschule, die in diesem Wintersemester mit einem be-. sonders umfangreichen Programm an Kursen, Vorträgen und Aibcilsgemeinschaften vor die Gemeindemitglieder tritt. Ein in Breslau nur sehr selten von so hohem künstlerischen Rang getragenes Ereignis bildete das am 15. Oktober im Mozartsaal von Hans Baron veranstaltete „2. Konzert jüdischer Künstler“, welches wohl unstreitig als Höhepunkt aller in Breslau in diesem Winter bisher stattgefundenen künstlerischer Darbietungen angesehen werden kann. Dieses Konzert wird in diesem Blatte von der musikfachlichen Seite her an anderer Stelle gewürdigt werden'; dem Chronisten verbleibt die Pflicht der Feststellung, daß die nicht endenwollenden Beifallskundgebungen der dankbaren Zuhörer nur durch die von den Künstlern mit großer Bereitwilligkeit gewährter. Zugaben zum Erlöschen zu bringen waren. Die antisemitische Agitation in Rumänien. Im Hinblick auf die wachsende antisemitische Propaganda in Rumänien sprach der Präsident der Union rumänischer Juden, Dr. W. HIdermann, beim Innenminister G. G. Mironescu . vor, um ihn über .die Lage der durch diese Propaganda ge- "ihrdeten jüdischen Bevölkerung zu unterrichten. ’ dem Minister wies Dr. Fildermann dokumentarischen - Materials auf die ungehemmte antisemitische Agitation durch -' ‘ ' gesetzwidrigen Me- __ „_„___ die schwierigen Verhältnisse, unter denen die Juden in vielen Teilen des Landes infolge der künstlich geschaffenen Hetzatmosphäre und unausgesetzten . antisemitischen Drohungen leben, und zeigte die Gefahren' auf, die für die öffentliche Ordnung und Sicherheit bei weiterer Duldung der judenfeindlichen Propaganda belangen Unterredung an Hand eines reicl Folgen hin, di „ _ ihren anarchischen Charakter und ihre „_ theden bereits gezeigt hat. Er schilderte die^schfvi Freie Ärztewahl für jüdische Mittel Stands versicherte. Die „Reichsvertretung der deutschen Juden“ teilt gendt „Bekannfli Einschränkung ... , .. ... - vorgenommen. Diese Einschränkung gilt aber, i haben die Mittelstandsversicherui Mitglieder einmal ausdrücklich hingewiesen se?, nicht für die jüdischen Mitglieder der Versicherungsvereine,' da für jüdische Mitglieder der Versicherungsvereine die Liquidationen aller Ärzte, auch aller jüdischen Ärzte, honoriert werden, ohne Rücksicht darauf, ob die Ärzte zu den Kra oder nicht.'* Ohrenärztliche Beratung im Reichsbünd israelitischer Ertaubter und Schwerhöriger. Auf die Bitte des Reichsbundes israelitischer Ertaubter und Schwerhöriger.(„Riesch“); hat sich Sanitätsrat Dr. Alfred Peyser, Berlin, dem Bund ehrenamtlich als ohrenärztlicher Berater zur Verfügung gestellt und hat auch seine Mitwirkung Organisation zugesagt. beim Aufbau d Konzert jüdischer Künstler in Breslau. "'ver nach vieljähriger Tätigkeit am Breslauer Stadttheater I dort abgebaute Opernsänger und Spielleiter Hans Baron hat ohne Kenntnis, der Richtlinien, die ich ..-■ulichhier gab, das zweite Konzert jüdischer Künstler in Übereinstimmung mit meinen Vorschlägen gestaltet. Der Erfolg gab uns recht; denn der Mozartsaal war dicht besetzt mit lern sozial und intellektuell gehobenen Publikum, das immer den Kern der hiesigen Konzerte gebildet hat. ln der Person des rühmlich bekannten Berliner Pianisten Georg Bertram hatte Herr Baron für die stärkste Anziehungskraft gesorgt. An einem geeigneteren Instrument, als es der Schiedmayersche Flügel war, hätte manches gewiß keinen so eingewickelten und verwischten Eindruck gemacht. Bertram war an diesem Abend etwas fahrig,-aber an den lyrisch verträumten Stellen Schumanns „Carneval“ und bei Chopin zeigte er die ganze -1,i-,Klavierkunst, die er im besten Geltung brachte, rnigen Monaten Mitglied -, — - _..iehm gepflegte Altstimme Liedern von Schubert, und Brahms zugute kommen, aber die Charakteristik des Vortrags hätte zuweilen noch belebter sein sollen. Den reinsten Genuß bot uns der Violoncellist J ascha Be ms t ein. mit der fein geschliffenen Wiedergabe alter und-neuer Miniaturen. Frau Schoeps-Rogosinski war •erlässige Klavierbegleiterin. — Anfang Oktober will Delikatesse seiner.-hoch kultivi türkischen Marsch von Mozart Susanne Stein, noch vor Stadttheaters, ließ Bilder“ von Kurt Peiser stattfinden; sie haben den Titel „Warum bleibt er nicht zu Hause“. Ich hoffe, daß niemand aus dem Publikum diese Frage auf sich beziehen wird. Dr. P. R.

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