Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 19 (24.10.1933)
- Date
- 1933-10-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage 24. Oktober 1933 13. Jahrgang Nummer 19 3üÖij(f)-liberale 3citung Der Derllncr Gemelndevorstand aeßen zlonlsttsdie Sabotageversndie. Die Katze läßt das Mausen nicht, und Kenner der jüdischen Dinge haben, sich eigentlich schon lange gewundert, dal) die Zionisten die'relativ einträchtige Arbeit der Berliner Gemeinde nun schon seit einiger Zeit mitansehen, ohne der vom zionistischen Temperament scheinbar unabtrennbaren Störungslust zu frönen.' Indessen: aufgeschoben war nicht aufgehoben, und so Beglücken denn die Zionisten unsere schwer um die Existenz der Berliner Juden ringende Gemeinde n " einem Störungsversuch, der hoffentlich geeignet ist, auch de unentschiedensten Kopf noch zu zeigen,welches in Wahrlu die aufbauenden und welches die destruktiven Elemente u seres.Gemeindelebens sind. Der Hergang ist folgender: Wie erinnerlich, stand der vergangene Septembermoli für uns deutsche Juden nicht nur im Zeichen der Hohen Fe: tage, sondern auch in dem der Verhandlungen über eine .ei heithche jüdische Führung. Unsere Leser denken noch dara dal! es über Wesen und Zusammensetzung dieser neu zii gründenden Zentralinstanz zwei grundverschiedene Meinungen gab: die eine Strömung wollte wahllos alle jüdischen Gruppen b*-i der Bildung der Spitze berücksichtigen; die ändere erkannt dal) zur Vertretung und Leitung der deutschen Juden m Männer befugt sein können, die in Deutschland zu verbleiben gewillt sind, die Deutschland als ihr Vaterland betrachten, auch wenn diese Gefühle heute reichlich einseitiger Natur sind. Die Versuche, zwischen diesen' widerstreitenden Meinungen einen Ausgleich zu finden, zogen sich, wie unsere Leser ebenfalls noch wissen, aullerordentlich in die Länge,-und allerorten wurde inzwischen in Presse und Versammlungen dieses jüdische Führungsproblem erörtert. Da angesichts der hell zutageliegenden Ungeschicklichkeit, mit der die Verhandlungen geführt wurden, ihre Dauer unabsehbar war, so wollte auch die Redaktion des Beiliner „Jüdischen Genicindeblattes“ sich an den Debatten über die Führungsfrage beteiligen, oder anders ausgedrückt, der Berliner Geineindevorstand wollte seine immerhin nicht ganz unmaßgebliche Meinung in de: entscheidendsten Frage der deutschen Juden zum Ausdruck bringen. Gibt es einen Menschen, der dem Berliner Gemeinde Vorstand das Recht bestreitet, in seinem eigenen Publikation organ seine Auffassung über die allerwichtigsten jüdischen Dinge der Öffentlichkeit mitzuteilen? Ja, es gibt solche Abscheu in der Tat: mit dem ganzen Pomp moralischen I rüstctscins schreibt das zionistische Hauptorgaii einen sonderbaren Artikel, in dem angedeutet wird: sofern der Berliner üemeindevorstand seine jüdisch-politische Meinung in seinem eigenen Puhlikationsorgan bekanntgibt, so sei das — man höre und staune — Mißbrauch mit den Geldern der jüdischen Steuerzahler! Als seinerzeit in der glorreichen Ära Kareski das Berliner Jüdische Gemeindeblatt uns, die wir doch mm einmal in Berlin leben, in jeder Nummer lange Aufsätze und vielt Bilde: aus P a 1 ä s t i n a vorsetzte, da war das natürlich völlig in der Ordnung. Nun aber die jetzigen Vorsteher sich, getrieben von VerantwortungsbewulitSein, zu deutschjfidischeii Fragen von größter Tragweite äußern, nun ist das natürlich unerlaubte Parteipolitik, Bruch der Neutralität und Verbrechen ani Steuerzahler! . ... IDoch glaube man nicht; daß die Zionisten'sich mit einem papierenen Protest in ihrer Presse begnügt hätten. Nein, sie lassen alle Finessen des parlamentarischen Apparates spielen, und ihr Vertrauensmann im „Direktorium“ des Gemeindevorstandes, Herr Dr. Moses, hat mit einem im Stile anl" Größe abgefaßten Briefe seinen Sitz im Direktorium nie gelegt. Nur schade, dal) er bei diesem offenbar als Staatsaktion gedachten Vorgehen die übliche staatsmännische Höflich-, keit vergessen hat; denn er hat es für richtig befunden, das Schreiben zunächst einmal so zeitig seinem Parteiblatt zur Veröffentlichung zu übergeben, daß es noch vor dem Eintreffen des Originals auf dem Gemeindebüro in der „Jüdischen Rundschau“ erschienen ist, so daß die 'Gemeindevorsteher von -‘. Vorhandensein dieses Briefes zuerst aus dem genannten 1 Kenntnis erhielten. Fürwahr, ein nicht, sehr angemessener Weg für einen Marin, der als Motiv seines Handelns sein Verantwortungsgefühl für die Gesamtgeineinde angibt. Der Gemeindevorstand hat denn auch Herrn Dr. Moses eine Anti——* erteilt, die diesem und seinen Parteifreunden nicht sehr genehm sein wird. Um was aber handelt es sich eigentlich? In der fraglichen Nummer des Gemeindeblattes steht ein Artikel des Gemeindevorstehers Bruno Woyda, „Um die künftige Stellung der deutschen Judenheit“ überschrieben, in dem der Verfasser „Programmatische Richtlinien“ für eine gesetzliche Regelung der Stellung der deutschen Juden aufstellt. Dieser Aufsatz, in dem Herr Woyda es dankenswerterweise unternimmt, i - legen, hat es den Zionisten angeta Warum eigentlich? Daß die Verhältnisse der deutschen Jud aus dein jetzigen Zustande der Rechtsunsicherheit heraus ... gesetzlich geregelte Bahnen gelenkt werden müssen, darüber sind sich heute wohl alle deutschen Juden einig. Aber ei doch einmal mit aller Deutlichkeit gefragt werden, w e r uns Juden ein Recht hat, die diesbezüglichen Vorschlag: zuarbeiten. Dieses Recht haben einzig und allein diejei deren entschlossener Wille darauf gerichtet ist, in Deuts: zu verbleiben und hier ihre eigene Zukunft .und die Kinder aufzubauen, und die sich deshalb zutreffend vi< als „jüdische Deutsche“ bezeichnen. Die Zionisten hin erblicken ihre Zukunft in Pal zionistische Hauptorgan mit bezeichneten Beilage, deren w einer Unterhaltung bestand, i . Söhrichen beibringt, daß wir Juden h Gäste sind, während Palästina unser „ Junge will dann seinen christlichen Mit wir bald auch hinfahren werden!" Da wohl abet kindische Auffassung der _ _ _ einmal von den Arabern sehr gründlich berichtigt wird, d. ist ein Kapitel für sich und beleuchtet grell, wie der Zionismi wahrlich ein Unglück der Juden' ist. Was aber uns hi anbelangt, so wünschen wir, daß Leute, deren Ziel oluieh die Auswanderung ist, sich nicht darum kümmern, wie w unsere Angelegenheiten zu ordnen gedenken. Wie die Verhältnisse der hier beheimateten, hier verbleibend Jude. . :1s „Kinder-Rmidschaii" e jüdische Mutter ihrem ‘i Deutschland nur :es“ Land sei; der lern erzählen.^ „daß au, denen Deutschland ohnehin : diejenigen u iiimiganysstatiuii {triefe davon spricht, daß derjenige Teil der jüdischen Jugend, der 'hinter ihm steht — und das sind doch die, die nach Palästina wandern — eine „Neugestaltung der Berliner Jüdischen Gemeinde an Haupt und Gliedern fordern und durchsetzen wird“, so erwidern wir darauf, daß auch die Ordnung Sache derer ist, die als Mitglieder dieser Gemeinde hier in Berlin verbleiben. Diese Auffassung scheint auch der Berliner Gemeinde-Vorstand zu teilen, wie insbesondere aus dem letzten Absatz seines Briefes hervorgeht. Der Hrifrf selbst hat folgenden Wortlaut: Vorstund der Jüdischen Gemeinde Berlin N 27 Oranienburger Str. 26 IS. Oktober 1033. Herrn Beeid stin wall Dr. Siegfried .1/ o s es, Berlin IV 50 Wir sind im Besitze Ihres Schreibens vom 16. d. Mts. und nahmen mit Bedauern davon Kenntnis, daß Sie sich veranlaßt sehen, uns dem Direktorium auszuscheiden. Wir könnennicht anerkennen, daß hierfür ein berechtigter Grund Vorgelegen lud, und sehen uns veranlaßt, die in Ihrem Schreiben erhobenen Angriffe gegen die Geschäftsführung des Gemeindevorstandes ■ mit Bntsrhiedeuheit zurückzu- . Wir versagen es uns, auf Ihre Bemerkungen einzugehen, die die Verhandlungen vor der Neubildung der Keichsvertretung der deutschen Juden betreffen. Wir halten aber eine nähere Erörterung im Interesse der Würde der Reichsvertretung nicht für angebracht. Wir protestieren dagegen, daß die Veröffentlichungen in der letzten Nummer des Gemeinde- . blattcs irgendwie geeignet seien, die Tätigkeit der Reichsvertretung zu erschweren. Eine solche Absicht hat bei keinl'm der Artikelschreiber vor- ' gelegen. . -; Die Reichsvertretung^ist bisher mit programmatischen Forderungen nicht in die Oeffenttichkeit getreten. Dies erklärt sich'ohne weiteres aus der Art ihrer Zusammensetzung, ganz abgesehen davon, daß auch im übrigen gewichtige Gründe für diese Zurückhaltung der Reichsvertretung Vorgelegen haben könnten. Bei dieser Sachlage kann es für die Reichsvertretung nur angenehm sein, wenn von anderen Stellen des deutschen Judentums, deren Worte Gehör zu finden berechtigt sind, programmatische Richtlinien zur- Diskussion gestellt werden. Die Reichsvertretung wird in derartigen Richtlinien' und in der .Aufnahme derselben durch die Oef feiltlichkeit wertvolles Material für ' ihre eigene Tätigkeit zu erblicken haben. - Die , veröffentlichten Aufsätze, also insbesondere auch der des Mitgliedes des Gemeindevorstandes Dipl. Ing. Woyda, sind in iTer Nummer, des Gemeindeblattes ausdrücklich als Privat arbeiten gekennzeichnet. Sie entsprechen ihrem ölige-, meinen Inhalte nach denjenigen Auf/assnuge/t, die bei der Mehrheit der Gemeindekörperschafteji bestehen. -. Wir -sind dm Gegensatz zu Ihnen der l’eberzeugung, daß diese Auffassungen keineswegs überlebt sind. Wir wissen vielmehr, daß sie tUc' Billigung der Mehrheit der Berliner und der deutschen Judenschajt finden. Wir sthen uns deshalb nicht veranlaßt, die in Frage kommende. Veröffentlichung zu bedauern, und überlassen es Ihnen, die angedrohten Folgerungen zu ziehen. Vorst Und der Jüdischen , Gemeinde gez. Heinrich S t a h I. Die Tschechoslowakei besitzt das grüßte judenakten-Archiv. ncuder Arbeit .liehen i grüß. I: organische Entstehung. Ami verschiedenartigsten Schlagworten auf. Kon sie m der Registratur der Kgl. Böhmischen Registern der Hofkanzlei mul Hofkaiiimcr, „neuen-- Manipulation, ui der Registratur ih heim Landesgtiheiiiium und in den Abteil . .“ ' r Rcgist.- ' ' 1 Hur der Kgl. B _ s 1710. Diese , deponiert waren, sind i lain mul das Piager A ,oii der österreichische usgefolgt v lofkauzh iikomiucn vom IS. Mai 10711 -ordeir und liegen jetzt im Archiv -des Innen- Judcnaktcü findet mail vorwiegend in der 4. Abteilung. Aus diesen: ungewöhnlich wertvollen Material hat Jaroslav Prokes für seine grundlegende, im Jahrbuch der . ichen Republik veröffentlichte Arbeit über den Antisemitjs- IS der Behörden mul das Prager Ghetto' in der Zeit nach c Schlacht anl Weißen BrVg geschöpft. Die tu dieser Abteilung konzentrierten Akten betreffen die Konskription der ■>- Juden und ihres Realbcsitzes,-die Versuche um Jteduk- -.- völlige Beseitigung der Juden aus Prag, aus anderen oder im ganzen Lande, die Errichtung der Rmluktiousdonen, ihre Tätigkeit mul Ergebnisse, die Organisation GOLDSCiPUDT & SCHWADE Moderne Beleuchtung Vertrieb von Stahlmöbeln Berlin ui 82. scfiliisirafleti . Fernruf B 5 Barbarossa 6412 L'TConc/tfoiei ^fc/fer CTlDijfen£ergpfafi enipße/JO siet naeö uz* ttot t/irer toetfen ■ 9Cundsc£aß. - Pt* neuxeitliche M Ernährung Vegetarisches Restaurant am Zoo »Kantstraße 162, Ecke Joachimsthaler Str. Telefon: J 1 Bismarck 6452 RudolfKrafzert Spezialhaus und GeflOgc KomtanzerStr.1 (Ec Pilsener Urquell zum Krausenhof Berlin W 8, Krausenstr-8 Erstklassige Küche und Kindl-Bräu «0- BÄCKEREI, CAFE 2^4UND CONDITOREI „Zum Wiener“ Mitglied der Judi Filiale: Berlin W, M Telefon.: B 6 Sdialz A Brand Möbeltr ansport Merkur Modellkleider FELLE JEDER ART Inh» Leopold Abraham Berlin N 4, InvalidenstrafSe 100 Spez.: Transporte nach Frankreich u. Palästina WINDMULLER Möbellagerung Kartoffel-Ahneider uenstinnioriniHiaiiniBsi Fassaden-Abputx u.Anstrich Treppenflure, Wohn* und aeeehdfterdume E. Madel, Malermeister, Charlottenburg Berlin-Wilmersdorf, IntemaUransporte S. Ackermann & Co. 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