Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 18 (20.10.1933)
- Date
- 1933-10-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2613366-2613479-2613499--4514-2616204- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
13/Jahrgang Nummer 18 3fiöifd)‘Kftetfl!c 3^Uung Beilage 20. Oklober 1933 Wie Isaak nicht geopfert wurde. Von Abraham Geiger. Wie unsere Leser sich erinnern, ging kürzlich durch die Presse eine Notiz, daß in einigen Gegenden Deutschlands die Erzählung von der „Opferung“ Isaaks aus dem christlichen Religionsunterricht gestrichen werden solle. Es ist nicht unsere Absicht, uns in Fragen des christlichen Religionsunterrichts einzumischen. Da aber die oben gekennzeichneten Bestrebungen Hand in Hand gehen mit einer abwertenden Beurteilung jener alttestämentarischen Stelje, so muß es uns gestattet sein, unsere eigene jüdische Auffassung über dieses Kapitel des jüdischen Schriftums klar herauszustellen. Das ist von Abraham Geiger, dem Systematiker der Theologie des religiösliberalen Judentums in meisterhafter und klassischer Form geschehen. Im fünften Kapitel seines 1864 erschienenen Werkes „Das Judentum und seine Geschichte — Zwölf Vorlesungen über das Judentum“ behandelt er die Stellung des Judentums zum Opferdienst, auch zum Tieropfer, von dem er dartut, daß es vom Judentum zunächst nur geduldet und später überwunden worden ist. Wir wollen an dieser Stelle jedoch lediglich den Teil aus dem vorgenannten Kapitel zum Abdruck bringen, der das Menschenopfer im Zusammenhänge m t der Erzählung von Abrahams Versuchung behandelt, und aus-weichem hervorgeht, daß die dieser Erzählung zugrundeliegende Auffassung eine tief religiöse ist, die dem. Judentum zur Ehre gereicht und ihm einen der ersten Plätze unter den grossen Menschheitsreligionen sichert. Die Verschiedenheit der Stufe, auf welcher die Völker sich befinden, mul! sich namentlich kmul- - {(eben in der Gottesverchnmg; in der Art, wie man Gott naht, muß es sieh entscheiden, oh mau in Gott nur die höhere Macht-ahnt, vor ihr zittert, sie zu versöhnen versucht, oder den Heiligen ehrt, zu ihm emporblickt, als zu dem Vorbilde der höchsten Sittlichkeit, dem reinsten Ausdrucke des Erbarmens und des Wohlwollens. Wo in Gott zunächst die Macht anerkannt wird, ist das Streben vorherrschend, ihn sieb wohlgeneigt zu machen; mau beugt sich vor ihm, damit er nicht seinen Zorn ergieße, man versucht, sich solche freundliche Gesinnung zuzuwenden mit irgend welcher äußerlichen Tat, ihn durch-Geschenke, die man ihm darbringt und die mit Entbehrungen verknüpft sind, sich geneigt zu machen, das Übelwollen von sich abzuwenden. -Das ist der Ursprung des Opferdienstes. Das Opfer ist das Bestreben, durch irgend etwas, was .man sich entzieht, und sei es auch das Liebste, den etwaigen Zorn des Gottes zu dämpfen oder ihm doch jedenfalls zu zeigen, wie man ihm tief unterwürfig ist, da mail ja Alles hingibt, wenn es ihm ein Wohlgefallen ist. Der roheste Ausdruck eines solchen Gefühls, das auf der untersten Stufe des religiösen dann derjenigen Menschen, die uns am nächsten stehen, am liebsten sind. Das rohe Heidentum opferte den Göttern die Kinder. Das Liebste und Werteste, was ich habe,'— das drückt, das Opfer aus, — bringe ich meinem Gotte dar, und er wird Wohlgefallen daran finden, da ich nicht anstelle, wegen seiner eine jede Regung und Empfindung in mjr abzutöten, zu seinem Wohlgefallen das Teuerste mir zu entziehen. Es ist eben das niedrigste religiöse Gefühl, das darin sich ausdrückt, eine vollständige Verkennung des göttlichen Wesens, das versöhnt werden muß durch knechtische Entwürdigung, auferlegte Härte. Auf dieser Stufe 'fürchtet man in der Gottheit das Grausame und Willkürliche und nährt dadurch auch Grausamkeit und Willkür in dem Menschen. Das war die Religion, die Israel umgab, die Gottesverehrung oder Götterverehrung unter jenen Völkern, welche zuweilen über Israel herrschten, immeraber doch so nahe es begrenzten, daß notwendig diese Gesinnung-ihm bekannt wurde und auch hie und da Einfluß auf es ausübte. Der Molochdienst war. bekanntlich ein solcher Dienst, rier Menschenopfer verlangte; im Feuer seine Kinder verbrennen, war der schrecklichste Opferdienst, wie er als Gottesverelinuig bezeichnet wurde. Das Judentum führt einen energischen Kampf gegen diese Herabwürdigung des göttlichen Wesens; . gegen diese Art des Opferdienstes kennt es kein Erbarmen. Allerdings, es sind auch die Spuren davon in seine Geschichte eingegraben, er ist nicht ohne Einfluß geblieben auf die schwachen Gemüter innerhalb Israels, die in dieser Selbstbekämpfung der zärtlichsten Gefühle einen Akt der Hingebung an Gott zu sehen glaubten; aber mit welcher Entrüstung kämpfen die Propheten gegen diesen wildesten Ausbruch des rohesten Heidentums! Schon an der Schwelle des Julien-’ tums läßt es im Innern des einzelnen Stammvaters diesen Kampf führen und siegreich überwinden. „Elohiin versuchte den Abraham." Verschiedene Gottesnamen sind in der heiligen Schrift gebräuchlich, und die alten Lehrer geben uns dafür eine sinnige Erklärung: Elohirn heißt Gott als der Mächtige, der Strenge, der gleichfalls in Gott verehrt wird, wie auch dieanuern. Völker dies in ihm in irgend einer Weise anerkennen; aber der andere Namen „Er ist“, wie wir früher schon ihn kennen gelernt, der Unaussprechliche, das ewige Sein, das allem irdischen und geistigen Sein zu Grunde liegt, „der Gott der Geister für alles Fleisch“, er ist der Gott des Erbarmens, des Wohlwollens, der innigen Liebe und Güte gegen die Menschen. Elohirn nun versuchte den Abraham. Der alte Gottesbegriff, wie er damals herrschte, war auch in Abraham mächtig, die Anerkennung dieser göttlichen Macht ist in ihm.so lebendig, daß er als deren treuer Diener sich beweisen will. „Opfere Deinen einzigen lieben Solm!“ Was hast Du Höheres empfangen, womit kannst Du Deine Unterwürfigkeit besser an den Tag legen? Er ist bereit dazu, alles ist dafür gerüstet; da ruft der Botedes Gottes „Er ist“ vom Himmel hernieder: „Strecke Deine Hand nicht aus gegen den •Knaben.“ Die höhere Gotteserkenntnis regt sich mm in ihm: Wie, Gott ist mächtig, aber ist er nicht auch allgütig? Gott ist allmächtig, aher ist diese Macht eine tyrannische? Verlangt sie von dem Menschen, daß er seine Gefühle nicht veredle, sondern daß er .sie hinschlachte? Ist das Gottesdienst, Gottesdienst die eigene Verstümmelung oder die Verstümmelung des Einzigen, was Dir gehört? Nein! Strecke Deine Hand nicht aus gegen den Knaben, das ist wahre Verehrung des AIlerbarmenden, und Abraham opferte den Knaben nicht. Nicht die Bereitwilligkeit /.uni Opfer ist die wahre Frömmigkeit Abrahams, sondern die Unterlassung desselben, nicht, daß er' sein Kind darbringt, sondern, daß er es bewahrt, nicht, da» er sich blind' der göttlichen Macht unterwirft, um das Kind von sich loszureißeii. sondern daß .er Gott in seiner höheren und wahreren Würde erkennt, ist seine wahre geläuterte Frömmigkeit. Darum ist es nicht wohlgetan, auf den Willen zur Opferung immer hinzuweisen als Akt der höchsten Frömmigkeit Abrahams, er war und ist vielmehr ein Vorbild dadurch, daß er es unterlassen. So wird uns gleich von vornherein dieser Kampf dargestellt und zugleich der Sieg des reineren sittlichen Bewußtseins, und dieser Sieg geht durch das ganze Judentum hindurch. Der Molochdienst wird als ein Greuel verabscheut, den Gott verwirft, der uns tief entwürdigt, und wenn von einem grauenhaften Orte die Rede' ist, da wird das Tal Hinnom als solcher, bezeichnet, wo dem Moloch geopfert wurde. „Ge Hinnom“, das Tal Hinnoin, Gehinnom, Geenna, ist später die Bezeichnung des Ortes geworden, wo das Böse zusammengehäuft ist, wo die Strafe ihren schärfsten Ausdruck findet, wo die Verdammnis weilt; es ist die Hölle. So ist das Menschenopfer im Judcutume mit aller' Energie bekämpft worden, da gab es keine Vermittelung. Synagogen - Neubau verboten. Die Frankfurter „Oderzcitüug" vom 17. Oktober, Nr. 21'), killt sich .unter der obigen Überschrift aus Kiistrin melden: „Aus (iriiiideu dei öffentlichen Sicherheit hat - wie uns von zuverlässiger Seite mitgeteilt wird — der Magistrat die (ieiiclimitfuiig /um Bau clor Syna^o^c abK«?lcln;t~ Die Syna^o^c sollte bekanntlich tu der Stulpiiagdstralle errichtet werden.“ JUdlsdie Wlrfscltaffsfrageri. Die Juden im Getreidehandel. von />. Harßeti Kct/i«. Atallna ulg ujeht jiidiscliel landwirtschaftlichen Erzeugnis gelimg des Absatzes sowie di ein. Er kau che Lrzeiigniss digung dei diesem Zweck Aufsiclits- und Eingr Einzelfalle 'übertragen kann. Dei Reichsnährstand bildet also I k I I r I „ t It t Org lt- Wirtschaft, insbesondere der Getreide' rifl'befngnis sehe Fi niehtari Seit 50 Jahren 1 Das Kaufhaus für Ihren gesamten Bedarf! MAX GIESEN Bef _ Er n st Boss! Gefi ugej Neu eröffnet! Moabit, Turmstr.4 2 Ecke'Oldenburger Str. Hjinziitlj'i-hrliQU fllr trU>*ir* Wild1' siVt hTifcr ‘zentral Holzbearbeitungsmaschinen neu und gebraucht für Bauu- Möbeltischlereien liefert billigst, große Auswahl , Eigene Maschinen-Reparalurwerkstalt HEINRICH G E IV IT I T Berlin O 17, Warschauer Straße 41-42 -— _ ■■ __ Ä Inland Itizuq e££%■£ M Kol!,.kl, Aulkunll und Bo„,un{ iQl Wilhelm Grassow, Inh. M. u. J. Peyser ■ -Abteilung: Palästina-Transporte PAULSCHU IPPAUL SCHURR W 35, Kurfürstenstraße 147 ”! Internationale Möbeltransporte! Moderne Lagerhäuser I Auslands-Übersiedlungen Uebersee-Vcrpackung moderne Lagerhäuser Spezial-Verkehr nach Parle Eigene Filialen in^tr li and Wien V — GUSTAV KNAUKR, BI-liMN W <»2 Züst Gl Dachmeier Internationales Speditionshaus Eigene Häuser in thiasso. Maßend. den Pützen des In- und Auslandes -Mob eit ra n s^p o r t-e Möbelaufbewahrung üiitrncbmcn Herrmann & Kaiser Elisabethufer 11 — Telefon: F.l 1270 Block Auslandstransporte Deutsche Sammelverhehre Uebersee- und Flußschiffstransporte - Umzöge Berlin W 9, Potsdamer Platz 3 (Pschorrhaus) Telefon: B I Kurfürst 0376 Trapan-u.UaDanee-aiurflsnuigen Fritz Vollmeyer Berlin W 35, Scharteberger Ufer 13 Moskitonetze, TropcnanzGge etc. seit 1860 I Berlin-Wilmersdorf | Durlacher Straiie 15 Telefon II 7 Wilmccstjcirf 4t