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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-10-20 · 18 (20.10.1933) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
18 (20.10.1933)
Date
1933-10-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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im andern dattcl Roman. von Stefan Reginald Marknes tanris Locwcnstein und Willi Tisch Verlag.) : Teil des Romans auf Be- Wieder schaltete Victor ein, und in absoluter Treue erschien auf der Leimvaud der kleine Avesner Bahnhof. Man sah dort einige Soldaten stehen; ihre abgenutzte Uniform, ihre .schwerbepackten Rücken, die Erschöpfung ihrer Gesichter spiegelte die Echtheit des Krieges wieder. Ein langsames Dröhnen rückte näher, eine deutsche, Lokomotive alten Typs tauchte auf. Zurufe der Soldaten, die auf den Wagen sprangen, vorher noch einladende; Gesten des Maschinisten; der Zug fuhr weiter, umfuhr den" gefährlichen Bahnhof von Aulnoye, der als bekanntes Ziel der französischen und englischen Bombenflieger auch von den Mutigsten gefürchtet wutde Dirtypische nordfranzösische Landschaft giitt vorüber; die kleinen Städte und Dörfer lagen im Abendfriedcii. Dann kam Le Cateau, und alles war so sichtbar, wie Onkel Fritz es geschildert hatte. Man sah die Hcrabspringenden flüchten und sich auf den Boden werfen. Man sah die endlosen Wagenreihen und erkannte sogar die Beschriftung nach Eisenhahndirektionen und die Wagennummern. Jeder Achsenstol! war hörbar. Das Wunder des menschlichen Vorstellungsf piozesses trat in lim'iaiibhche Erscheinung, und cm seltsames borgenes für die Vergangenheit mehr geben konnte, legte sich! lähmend und beschwerend auf den Kreis im Cohnschen Salon. ■ Die Versammelten hörten noch, wie ein junger Soldat im Bahnliofsausgang sieh erschreckt iimwandte und rief: „Donnerwetter! Ich habe beim Ahspritigen meine Kartentasche verloren.“ — „Lall sie liegen,“ antwortete ihm Onkel Cohn, auch jung und feldgrau, und klopfte ihm derb auf die linke Schulter: „Sei froh, da» Du mit dem Leben davongekommen . Das werden wir nicht vergessen!“ Damit entschwand Hing trat ein; denn Frau Susi und lica waren anklopfend eingetreten und reichten in angench- 1er Weise den Gästen eine kleine. Erfrischung. Der hohe leamte, dem Kr.üise'lraiicli Seiner Zigarette verträumt nachlickend, hob an: e Bild. n Hcri sen Sie r Wall die Ehre geben. Die Erfindung Ihres Herrn Neffen, lieber Dr Cohn, ist wirklich liochhedcutsam. Aber, aber,. — — der Aspekt, den sie denkbar werden-lallt,, ist ja im höchsten ' Grade wellunnvälzend, in vielen Fällen änderst gefährlich und für unsere Nerven untragbar. Ich stelle ■ mir vor, da» dieses Patentes in die Hand des Staates legt. Wenn Deutschland auch in diesem Betracht führen dürfte, sähe ich das Gewissen und die Zukunft der Welt geschärft und geborgen. Doch -wehe, .wenn Unberufene, wenn schnöder Unternehmergeist jemals die reine Absicht dieser Idee antasten sollten. Wenn Sie wollen, mein lieber Herr Arago, werde ich meiner Vorgesetzten Behörde Meldung erstatten. Im übrigen seien Sic meiner .Diskretion sicher!“ ■ Victor verbeugte sich nochmals und Onkel Fritz sprach statt seiner: „Das ist es ja, was unser Neffe will. Er ist ja hierher geflüchtet, weil in seiner Heiniat die Kapitalisten in ihrer Profitgier sich seiner geistigen Errungenschaften bemächtigen wollen. Er .wird vertrauensvoll seine Arbeit in die Hand von Menschen legen, denen er sich durch die Verwandtschaft mit uns durchaus verbunden fühlen darf.“ , ,;Bevor wir scheiden, und ich Ihren Damen, lieber Herr Rechtsanwalt, unseren Dank für die gastliche Stunde sagen kann, hätte ich, doch noch, wenn cs nicht zu dringlich erscheint, eine Bitte an Herrn Arago. Sie werden lächeln, meine Herren, aber mein Abituricntenexamcn, die letzten Wochen der Schulzeit, den ganzen Horror und die Erregung, die mit der Prüfung verbunden war, das möchte ich noch einmal vor meinen Augen sehen! Ich bin ja jetzt auch nach und nach ‘in die Reihe der ganz alten Semester gekommen; (es war -schwer zu glauben, wenn man so den Gcheimrat in seiner Schlankheit sah), aberich habe so oft davon geträumt und immer wieder denselben Unsinn! - Also stellen Sie sich vor: Ich bin nun im Einimdscchzigsten, und wenn ich so nachts in meinem Bett liege und redlich müde bin und eindrasele, dann kommt das Examensgespenst über mich. Ich sehe mich — nicht etwa mit achtzehn; oh, ich war ein ganz programmäßiger. Abiturient —, nein! — das ist cs eben: ich sehe mich mit eintindscchzig, und eine Stimme in mir spricht: „Agathon! — das ist nun leider mein Vorname .—, jetzt wird es aber Zeit, daß-Du Dein Abifurium machst. Du wirst den Anschluß versäumen, Agathon , Du wirst das Examen nicht bestehen, Agathon, Du hast zu häufig die Schule geschwänzt. Das. ging im Grauen Kloster ohne Entschuldigungszettel sehr gut. Du bist für zwanzig Pfennig von morgens 8 Uhr 10 bis mittags 1 Uhr 40 zweimal ur den Nord- und Südring gefahren — auf eine Fahrkarte, Aga'fhon! — Das ist noch ein -Delikt, und Du hättest gefaßt werden können, und Du-wärst nie Ministerialrat geworden!“ Und dann kommt der Augenblick-, wo man uns in der Klasse mitteilt, daß alle zugclassen sind und nur einer, der längste und dünnste, obwohl nicht der dümmste, zurückgestellt ist Dann trete ich vor und sage zu dem alten Professor Tiedge: „Jetzt denken Sie, Sie haben mich zurück-gestellt, aber ich habe ja noch ein anderes Examen in der Tasche, ' hier ist mein Reifezeugnis, hier ist mein Doktorexamen, hier ist meine Assessorenprüfung! Von diesem Traum muß mich Ihr Neffe, Herr Arago, endgültig befreien: ich will noch einmal die Wirklichkeit meines Abifuriums sehen.“ ~ Abermals schaltete Victor ein, nachdem er den Gcheimrat . mit den. Kopfhörern und der sogenannten Inductorbrille geschmückt hatte. Nun bot sich den'interessierten Zuhörern ein allgemein fesselnder Ausschnitt aus vergangenen Jahrzehnten in echter Lebendigkeit dar. Das war also die Oberprima-des Grauen Klosters bei der mathematischen Prüfungsarbeit des Abifuriums! Auf dem Katheder, scheinbar schlafend, ein hutzeltcs Männchen, mehr Zwerg als Professor. Blickte .scharf auf ihn, dann konnte man durchaus erkennen, wi . äugte, um Unregelmäßigkeiten der Examinanden zu entdecken zu ahnden, ln taktmällig geregelten Abständen, - Metronom nicht unähnlich, hielt er sich ein kariertes Sacktuch rs Gesicht, in dessen Mitte der alte Blücher auf hohem >ß zu entdecken war.. Dies benutzte er gleichzeitig für : Nasalfunktionen und die Reinigung seiner Brillengläser, jlclie Doppclarbeit ihm in hohem Malle zu schaffen machte, sodall er sich durch ein rauhes und aus den Tiefen des Schlundes hervorkommendes blem, bient aufpusten n Die schreibende Klasse schien derweil nach besonderem System zu arbeiten. Hier konnte man erkennen, daß kleine Kügelchen von einem Platz, zum anderen flogen, die recht geheimnisvolle Freudenbotschaften enthalten mußten, denn der verdüsterte Blick der Nichtmathematiker erhellte sich -nach Empfang solcher Kettungsbälle ganz bedeutend. r!’ scheußliche Stunden! letzt werden Sie gleich sehe ch mich melde und ins Nebenzimmer, die Lehrerbibli thek, abtrete. Dort habe ich das fürchterlichste Ei' ' .-s ganzen Schülerdaseins gehabt: Man ...ißtraute uns . __ ___ _I gestattete nicht mehr, zu ben Zweck nach unten zu gehen. Kümmerliche Vorrichkl.-issischer Primitivität waren dort getroffen. Oh!, gerade dabei, eine Situation -».t.—- . .. die mathcmatisc hesten Freundes Levy zu entziffern er Klassengenius in Differenzial- und da raschelte es in der Bibliothek, und elirer ließ sich sehen. Das war der Schülcrscharcri gerade keiner rar sicher anständiger, als wir ihn eintaxiert haben. Mit;etwas schlürfendem Gange, nachdem er vorher noch umständlich ein Buch zur Erde warf, näherte er sich mir und gab mir armen Seele in der-Zwischenzeit Gelegenheit, das peinliche Dokument zu verbergen.“ — Und so geschah es. Man sah den Jüngling Agathon mit seinen mageren Wangen und kneiferbewehrten Augen, man hörte den dumpfen Aufstoß eines fallenden Buches von ei lieblichem Gewicht; Professor Noll! kam zögernd näher. Alles begab steil bis ins einzelne, —c-'-— beschrieben hatte. Danach si s Bild, und der Ministerial- _. _ . „ Sünder ei idor irgend einen Hebel, um, und mall sali die Atnturienten oei der mündlichen Prüfung im wunderbaren, bildgeschmückten Lehrerzimmer des Gymnasiums. Der theologisch gebildete Professor Kinzel hatte s‘ ‘ erhoben und leitete die Prüfung mit einem Stoßgebet c Er faltete die Hände und sprach: „Gib, o Gott, daß die Abiturienten ihr Examen g... bestehen!“ Dann setzte er sich, und die Prüfung, die Direktor Bellcrmann — wie gewöhnlich — vornahm, begann. Man sah, wis sich eine freundlichere Stimmung der Prüflinge bemächtigte; denn der erste Teil' (Mathematik) bestand nun traditionsgemäß darin, daß der Direktor — gänzlich ahnungslos in der Disziplin — seine Schüler durch aufmunternde Zurufe kräftigte und bei den dümmsten Antworten dem Mathcmatiklehrer das Heft aus der Hand nahm, indem er gnädig nickend konstatierte: „Sehr gut, - mein junger Freund! So war -- richtig, Warum denn-sieht gleich?“- Viclur schnitzte ~fin letztes Mal tim, und da sah 1. die Abiturienten noch einmal in der alten Aula im üblichen Halbkreis stehen, ihnen gegenüber den Chor. Sie traten einzeln vor und empfingen aus der Hand des Direktors ihre Zeugnisse: „Agathon Rogalla von Bieberstein verläßt die Anstalt, um Jura, und Nationalökonomie zu studieren!“ Agathon verneigte sich linkisch, er packte das wertvolle Dokument, aber in der Aufregung entfiel es ihm. Hierüber unitlierte die gefüllte Aula mit lautem Lachen, und der Chef des Klosters flüsterte, als Agathon sein Zeugnis aufhob, indem er ihm auf die Schulter klopfte: „Schwer errungen, mein lieber Agathon! Halten Sie e fest!“ rat bekannte: „Meine Herren, es ist buchstäblich so gewesen! stehen am Beginn einer neuen Ära, aber ich wünschte, daß diese Erfindung tatsächlich lange verborgen bleibt. Es ist nicht auszudenken, welche Folgen sich einstellen werden. Die ganze Juristerei kann sich pensionieren lassen. Wenn das so weiter geht, Herr Arago, dann werden Sie noch'die Ereignisse und Gedanken bannen, bevor sich beides voll- Ei nahm sein Taschentuch, tupfte nerVös auf die Stirn und verschwand unter Geleit und Verbeugung des Hausherrn. Die Trennung; jeder von beiden (erklärender Zusatz des Übersetzers!) im andern Land. Auch nachdem die übrigen Geladenen sich verabschiedet hatten, tiat bei der Familie Cohn noch keine Nachtruhe e: „Ich weiß nicht, ich weiß nicht,“ bekannte Onkel Fritz, „diese Sache, mein lieber Neffe, hat etwas Gewaltiges und Unheimlfchcs zugleich. Das ist die Büchse der Pandora!“ Frau Susi nickte verständnisvoll, obwohl sie sich darunter irgendweich Besitztum einer alten Tante vorstellte. Jedenfalls kam ihr die Sache nicht ganz geheuer vor, wenn das schon einer denkt, der nichts zu verbergen wie werden erst da die Menschen urteilen, die Anlaß haben, sich zu fürchten? Als Resultat der ausgedehnten Besprechungen zwischen Neffen und Onkel ist jedenfalls zu berichten, daß Victor sich entschloß, in seine Heimat zu reisen.und sich dort unter den Schutz seiner Regierung zu stellen. Der korrekte Jurist hatte nämlich geraten: . „So sehr ich wünschte, daß mein Vaterland den rr lischen Gewinn dieser Erfindung genießt, so stark ist auch für Dich, mein lieber Neffe, die Pflicht, Dein Land nicht auszuschalten. Im übrigen sind die Beziehungen zwischen unseren beiden Staaten immer die herzlichsten gewesen, und WtAAett Sie »efton, Dr. Leo Loewenstein, der Bundesführer des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, seinen Sitz im Hauptvorstand des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens niedergelegt hat und aus dem Centralverein ausgetreten ist? ' 1 Heinz Kellermann, der verdienstvolle Vorsitzende der „Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-religiöser Jugendverzine“ (IRl’s) vor kurzem vom Jugendpflegedezernat der Jüdischen Gemeinde zu Berlin das Amt des Referenten für Bildungswesen übertragen erhielt? 1 der Kulturbund Deutscher Juden bereits über 15 000 Mitglieder besitzt? 1 nunmehr auch in Breslau ein „Schlesischer Kulturbund deutscher Juden“ ins Leben gerufen und zur Eintragung in das Vereinsregister angemeldet worden ist? 5 der Verlag Erwiii Löwe, Berlin W 50, Schaperstraße 8, beabsichtigt, eine Serie von Büchern jüdischer Autoren, Romane, Biographien, Erzählungen, Novellen usw. herauszubringeri, und Autoren, die sich mit ihren Arbeiten an dei geplanten Serienveröffentlichung beteiligen wollen, auffordert, sich mit ihm in Verbindung zu setzen? i die .Regierung von Transjordanien 'einen Gesetzentwurf vorbereitet, der Verkauf und Verpachtung von Boden an Ausländer verbietet und auch die hypothekarische Belehnung von Grundstücken durch Ausländer unter Kontrolle stellt? 1 bei dem am 13! Oktober erfolgten Zusammenstoß mit der Jerusalemer Polizei anläßlich der arabischen Kundgebung gegen die zionistische Einwanderung 22 Personen, darunter fünf Mitglieder der arabischen Exekutive, verletzt worden sind? . I für Freitag, 20. Oktober, neuerliche Kundgebungen der 2)ec!Bcießastm dec „J.d.Z.“ Rabbiner Dr. S. Vielen Dank .für Ihr freundliches Interesse und die Zustimmung! Die iij dem Leitartikel unserer Nr. 16 erwähnte Broschüre „Der1. Religionsliberalismus in Deutschland“ von Dr. Bernhard Isaak (Dresden) ist durch die Buchhandlung Carl Stransa, Dresden A 1, Waisenhausstraße 25,- zu beziehen. Der Preis ist uns nicht bekannt, kann aber nicht sehr hoch sein, da das Heft nur 76 Seiten enthält. Das Büchlein gehört aber tatsächlich in die Hand jedes liberalen Juden, weil es in außerordentlich instruktiver Weise die Bewegung des religiös-liberalen Judentums von ihren Anfängen bis heute zusammenfaßt. Kleine Schönheitsfehler ändern nichts an dem günstigen Gesamtbild. Besonders glücklich sind die Partien, die den Zusammenhang zwischen den religiösen Reformbcstrebungen und den politischen Emanzi-, pationsbestrebungen aufzeigen. „Historicus“. Was Sie alles wissen möchten! Also: mit dem Luisenorden wurde 1816 Frau Hirsch, eine Tochter des Berliner Medizinalstes Prof. Dr. Hirsch, dekoriert. Vorher hatte Frau Amalie Beer, die Mutter des Komponisten Giacömo Meyerbeer die gleiche Auszeichnung erhalten. ich kann mir denken, daß unter ihrer gemeinsamen Führung die Welt die Segnungen Deiner Erfindung in friediicnef~ Gemeinschaft genießt. Du hast zwar_seinerzeit einen großen Fehler begangen, Dein Patent dem Egbisten-Club anzubieten, aber an diese Offerte bist Du bestimmt nicht gebunden. Sieh zu, was Du mit der dicken Frau machen kannst; wie ist doch schon ihr Name?“ Victor half errötend: „Aimee“. Mica warf ein: „Ekel müßte sie heißen!F Und da sie dieses Wort mit fremdländischem Akzent auf der letzten Silbe betonend als „Ekell“ aussprach, wurde die Vorstellung von Tante Laporta keine freundlichere. „Ja, Mica, Du hast Recht, das ist öfters bei den Damen so”, Anwesende ausgeschlossen! Je hübschere Namen sie tragen, desto ungenießbarer sind sie.“ Frau Susi opponierte. „Lieber Mann; Du nimmst Dir zu viel heraus.“ Der geduldige Gatte versöhnte sie leicht durch den Zuspruch: „Susanne ist doch im allgemeinen kein hübscher Name, ■ und nicht nur deshalb gefällst Du mir. Herrschaften, es wird Zeit zu Bett zu gehen, wenn uns nicht der grauende Morgen noch bei. einander finden soll. Versuchen wir zu schlafen! Euch, liebe Kinder, w-ird das nicht schwer fallen,- und Du, Victor, gräm’ Dich nicht, wenn Du mit dem Egoisten-Club einen großen Fehler begangen hast. Wer in der Jugend keine Dummheiten macht, taugt schon gar nichts.“ Mica bekannte zärtlich: - „Und mir ist es sehr lieb; denn hätte, er das nicht begonnen, so würde ich ihn niemals bekommen haben1“ Der Abschied auf dem uns schon bekannten-Bahnhof Zoo gestaltete sich bewegend und tränenreich. Mica wollte ihren Victor gar nicht loslassen, als ahnte sie, daß oft genug die Liebe im Quadrat der Entfernung sich verringert. Sie war ganz 'blaß geworden und ging zur Bahnsteigtreppe,- von Onkel und Tante gestützt, die sich nicht nur‘bei diesem Flankieren ihrer Nichte so glücklich fühlten, wie es gar nicht beschrieben weiden kann. Ja, es ist etwas Eigenartiges, wenn halbbelagte Herrschaften in den Besitz einer Pflegetochter geraten. Mica fand sich in diese Rolle und Lage mit gewinnendem Gharme, und wenn hier in der Wiedergabe das Fremdwort gebraucht wird, geschieht es mit einer gewissen Berechtigung,- zumal auch Goethe einst, italienisch entflammt, zwischen Grazie und Anmut wesentlich unterschieden hat. Langer Rede kurzer Sinn: li) das Cohnsche Haus kam einfrischer Zug, und der Reiz der Jugend, der auch die alt und müde: gewordenen so wundersam anzieht, erfüllte die Räume in der Rankestraße mit munterem Gezwitscher. Eins ist allerdings hierbei nicht' zu, übersehen. Mica machte deshalb' im Berlin von 1953 Solche Sensation, weil die jüdische Jugend dort einfast historisch.anmutender Begriff war. Die Besucher der Waldschenke des Zoo, im übrigen mit erstaunlicher Lebenskraft begabt, markierten den Lebensdurchschnitt der kleiner gewordenen Gemeinde und Gemeinschaft. (Fortsetzung, folgt in übernächster Nummer.) Kreditverein für Handel und Gewerbe e. G. m. b. H. Berlin N 2d,. Oranienburqerstrasse 3, (am Hackeschen Markt). Sammel-Nr. D 2 Weidendamm 0852 D i e B a n k d es j ü d i sc h en Mittelstandes . Ausführung sfimtl. bankmassiger Geschäfte ____ Herausgeber: Ha Willi Tisch, ch Verlag. Berlin-Charlottenburg 4. Verantwortlich für den Textteil. - —ieb: Willi Miloslawski, Wien VI, Mariahilferstraße 95/29. Verantwort!._— - Druck: Sonnendruckerei G.m.b.H. (Felix Wolf), Berlin-Charlottenburg 4,* Weimarer Straße 18. , Berlin W 50, für den Inseratenteil:*

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