Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 18 (20.10.1933)
- Date
- 1933-10-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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(lein Rrichsiiälirxtanilgesi-t/ jüdische I innen von jeder Mitwirkung an (in (ietri-idt-wii ImIkiII aiisio-siiilnsscn sein kiiirm-ii. . Die Mhwi-rwicgcudc Frage, die für viele l'aiisende von Existenzen IL läligimg und Urnt bi-di-nlci, erhebt sieh mm: Werden die militärischen lietrenlehandelstirinen m irgendeiner Form in den Reichsnährstand eiiigegficdert? Werden die langgifnigeii handelsteelnnselien lirlahrurifJen und Kenntnisse inclitariselter I innen hei der Neitj'CsTaltnnjr der Getreidewirtschaft (lerange/ügeii ' Diese Frage ist um so ernster, als eine Entschädigung durch das Reich,, wegen eines durch das Reichsnührstauds- „esel/ entstehenden Schadens nicht gewährt wird und der Herr kcii'lenihiister hctiinn.en kann, da», wer den auf Grund des Nährs'andsgesei/es erlassenen Vorschriften zuwidcrhandelt, mit Gefängnis null mit 'Geldstrafe bis zu hunderttausend Mark „der mit einer dieser Strafen bestraft wird. - : Iler (ietreidchandel hat die verschiedensten Lcisfimgstiiuktioueu. Er ist Sammler und Einkäufer; d. Ii. er übernimmt um eiii/viuen Hauern das Getreide nach dem Drusch. Er ist Lagerhalter'; d. b. er lagert das Getreide, für das der Bauer - Leine i. Aufbewahrungsraum hat, in scinciuSrhuppcii und Silos und sorgt während der Lagerdauer für die ständige, liearlieiiniig, nislnsondeie für. Lüftung und Trocknung des Getreides. I i ist Verteiler d. It. er verfrachtet das Getreide in bestimmten Mengen /n hesltmmten Zeitpunkten nach bestimmten Orten. Und 1 r ist letztlich Kreditgeber; d. It. er finanziert sowohl den Üanern wie den Verbraucher mit seinem Kapital und, als sicherndes Zwischenglied, mit fremden Mitteln. i'ür die Neugestaltung der Getreidewirtschaft im Sinne der erlassenen I iesetze kommt den spezifisch liaiidelsleclmischeu (nicht spekulativen-} Leistungen des Samniei- und Verteilungs- „rganisuiiis erhöhte Bedeutung zu. Bei dem starken Anteil der uiehiarischeii Tinnen am Getreidehandel würde eine Beteiligung 'dieser Tiriuen die Uinstellung der Getreidebewirtschaftung wesentlich erleichtern. Ihr Ausschlull aber würde bewirken, da» sich neue Firmelt vielleicht erst mühsam aufbauen müßten. Neue Lägermögliclikeiteii wären zu schaffen lind erforderten ' nein.- Kapitalinvestitionen, während alte nicht voll ausgenutzt Wären l):is grolle Aktivuni alter langjähriger' Kenntnis der Sämtlich und Absatzbedingungen der jüdischen Uctrcideliändler ginge mit einem Schlage verloren und damit zugleich Wirkungskreis und Existenz der nichtarischen Firmen, ihrer Angestellten und Arbeiter. Die Zahl derjenigen, die neben Getreide und Futtermitteln noch andere Waren führen, auf die sie sich beschränken könnten, ist relativ sehr gering. Sie würden ihren Mann deshalb kaum ernähren, weil sie zumeist ganz auf dem Tauschgeschäft aufgebaut sind. Wir denken z. B. au die Betriebe namentlich auf dem Lande oder an kleinen Plätzen, die Düngemittel, Kohlen oder Baumaterialien au die Landwirtschaft liefern. oder gar ein Gemisclitwarengesihäfl bei lei hell. 1 . Durch das jüngste Kundschreiben des'Raiffeisen-Verbandes, wonach der Geschäftsverkehr-zwischen Genossenschaften und Juden .unterbunden’ werden soll, durch all die anderen -Malluahmeii einzelner' Organisationen, die mit anderen Mitteln dasselbe Ziel verfolgen, hat die wirtschaftliche Betätigung der jüdischen Betriebe Tut Getreidehandel schon so empfindlichen- Schaden erlitten, da» die Existenz manchen Betriebes bereits jetzt als' verloren gelten kann. Die Ausschaltung aus dein Reichsnährstand würde für die jüdischen Finnen auch eine schwere Enthülle an ihrem V mögen bedeuten, das sich zum .weitüberwiegenden Teil t noch auf hypothekarisch verschuldete Liegenschaften \ Lager-, Verwaltung*- und Wohnhäuser, und ihre Einrichtung erstreckt. Sie würden auch diese Anlageinvestitionen noch weiter entwerten. Von weit gröberer Bedeutung ist jedoch , die Gefährdung eines anderen grollen VerntögensaktiVunis, dessen der Atilienstäude. Die den Bauern vermittelten Kredite würden dazu noch festfrierenj weil sie nur_in ständigem Geschäftsverkehr immer wieder erneuert werden können. Hypotheken- und Kreditbanken müßten bei der feingliedrigen Verflechtung des Kreditgefüges mit der Gesamtwirtschaft emp- : filidlicltcit Schaden erleiden. - , , - ‘ Die Erhaltung aller dieser wertvollen Aktiven'der deutschen Volkswirtschaft dürfte-im Interesse einer reibungslosen Durchführung der Planung unter rein volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten gesehen notwendig sein. Der jüdische Ge- 1 treidchandel ist — mit Ausnahme der spekulativen Elemente — seit vieler. Generationen ortsansässig und auf das engste mit dem Bauerntum verbunden; im Dienste nationaler Arbeit - er hier an die üetreideversorgung im Weltkrieg, ja schon in napolennischen und sogar in den schlesischen. Kriegen erinnert hat er Hervorragendes geleistet. Er wird sich, gleich allen arischen Händlern, auch iu den ihm durch die neuen (iesetze gestellten Aufgaben- und Wirkungskreis eiuoruuen und als sachverständiger Walter eines verantwortungsvollen Amtes bewähren, wenn jliin auf Grund seiner Jahrhunderte alten Erfahrungen, -Sachlind Personeukeiuilnisse nicht allein die'erzieherische Schulung für diese Aufgabe wie jedem arischen,.Händler zuteil und der Zweck der Gesetzgebung ihm so möglichst verständlich gemacht wird, sondern wenn ihm darüber hinaus auch die Mitarbeit und der Einsatz seines Kredites, seines Sach- und Geldkapitals mit seinem vollen Zweckwert ermöglicht wird. Sanitätsrat Dr. Julius Stern zu seinem 80. Geburtstag am 22. Oktober. Zehn Jahre ist es her, dal) ich als Vorsitzender der Berliner Re|iraseutaiiteiiversauiinluug meinem verehrten Freund und liehen Vetter, dem damaligen Vorsitzenden des. Gemeinde- Vorstandes kurz vor seinem Ausscheiden aus-dem Gemeinde-’ Vorstand den Hank der Gemeinde auss|irach. Trotz der damaligen Hoehinflation rechnete man-mit Beruhigung mul stetiger Aufwärtsentwicklung, glaubte, dal! der Mann, der in das biblische Alter ciugcfreten war, nach fimfimdzwaiizigjahriger Tätigkeit im Genicindcvorstaiid ein otiiim cum dignitatc gc- Wie ganz anders haben sich die Zeiten entwickelt! Zunächst einmal innerjiidiseln Die Wahlen von 1926 liraeilten jene Zersplitterung der nichtnationaljiidischen Parteien, welche auch Julius Stern vorübergehend aus den Reihen der Liberalen heraustrieb und zum Kandidaten der damals wieder erstehenden „Mittclpartci" machte. Die ihn kannten, wuliten, da» ihm dieser Schritt, der ilm von seinen langjährigen nächsten Mitarbeitern und Freunden trennte, nicht leicht war. Immerhin war es dieser eigenartigen Konstellation zu danken, da» Julius Steril nun noch einmal in überaus'stürmischer Periode den Vorsitz m der Rcprascutaiitenvcrsammluug iiheriiahiii: so hat' er, als Einziger, die beiden höchsten Posten, die die Gemeinde verleihen konnte, den Vorsitz, in Vorstand u n d Repräsrntan/. Lange jedoch hat cs Julius Stern in der ihm w-esensfremden Umgebung nicht ausgehalten und ist schon bei den nächsten Wahlen wieder in den Kreis seiner liberalen Freunde z.urückgekehrt, ein Schritt, der ihm um so höher anz.uiechnen ist, als er in seiner vorherigen Gruppierung sicherlich noch weiterhin an sichtbarer ijtelle hätte stehen können. Ihm aber war es lieber, in Reih und Glied zu treten, und er war es müde, als Anhängsel der ihm im tiefsten Grunde wesensfremden national-jüdischen Bewegung .gine Paradcstclhmg einzimehmen, die seinem ganzen auf Tätigkeit und nicht auf Schein gestellten Wesen nicht ziisagte. Es kann kein gewöhnlicher Mensch sein, den die jüdische Gemeinschaft zweimal an so verantwortungsvoller Stelle in den Vordergrund gestellt hat. Julius Stern stammt aus der kleinen oberschlesischen Stadt Sorau und aus echt jüdischem Milieu; was sich die heutigen Menschen erst mühsam selbst erarbeiten müssen,'wuchs ihm m seinem Elternhause Und im Kreise seiner Geschwister spielend an: jüdisches Gemeinschaftsgefühl- und jüdisches Wissen. Beides hat er Zeit seines' Lebens iu der jüdischen Öffentlichkeit bewähren können. Es gibt wohl kaum eine Stelle in der jüdischen Gemeinde, in der er im letzten Mensclienaltei nicht entscheidend mitgewirkt hat. Jahrelang hat er im Schulvorstand, in den sozialen Kommissionen, in den vereinigten Svnagogenvorslandeu durch sein nobles, ausgleichendes, allen Gcitvn (.»recht werdendes Wesen vorbildlieh .uiilgewirkt. Nach dem ,Tode Heinrich Eisners berief ilm das Vt trauen seiner Kollegen an die Spitze aes ucmemoevorsianui und in Julius Siems Amtsperiode.fällt auch das Eintreten der Jüdischei' Volkspartei in die Gemeindebehörden mul die damit eiutretende Politisierung der Geineindekörperschafteii, die heute gewili nicht zu den erfreulichsten der letzten Epoche gerechnet werden kann. Als die Dinge einen Weg gingen, den er nicht mehr mitmachen konnte, ist er bei der letzten Wahl still beiseite getreten, um nur noch als interessierter Zuschauer Entwicklung seiner geliebten Gemeinde z.uz.iiselien. Leider ist ihm nicht -das geworden, was alle seine Freunde ihm gewünscht hätten, der ruhige Genu» des Alters, «' redlichster .Arbeit als Lohti vnrsclnvcht. Die; wirtschaftliche Not, die aneh. an ihm nicht vnrheiging, hätte er im Kreise -der Seinen, gestützt auf die reichen Seilätze seines Innern, wohl überwinden können. Die Not der heutigen Zeit hat ilm aber um so tiefer getroffen, als ihm vor kurzem die Frau genommen wurde, die ihm, dem schwer Arbeitenden, das Haus erhellte. Die Liehe der Nächsten ist schwer zu ersetzen. Wenn ihm etwas Ersatz bietet, so soll es die Gewiliheit sein, da» heute viele Tausende in der jüdischen Gemeinde Berlin und darüber,hinaus iu treuer Verehrung und höchster Achtung an ilm denken als au einen Manu, der vierzig Jahre im Vordergrund jüdischen Schaffens gestanden hat. Sei es ihm heschicdett, nach dem tiefen Fall nun auch noch den Aufstieg des deutschen Judentums in Frische mul Krall mitzuerlebcn! Clus dem äteßen unsexex Gemeinden Berlin. (Lehranstalt — f r ü It e-r H o ch sch u 1 e — für die Wissenschaft des Judentums.) Die Lehranstalt' ladet zu einer am Dienstag, 11. November, nachmittags 5,3.0 Uhr, pünktlich ■ stattfinden aulierordentlielieu Generalversammlung ein. Näheres siehe Inseratenteil. Berlin. (E r ö f f n u u g d e s Wintersemesters an d e r L e li r a ii s I a 11 für die Wissenschaft des Jude n f ii in s.) Die Lehranstalt (früher Hochschule) für die Wissenschaft des Judentums eröffnet ihr diesjähriges Wintersemester am Montag, 23. Oktober, vormittags 11 Uhr. Berlin. (E i n Woh I f ä t e r.) Dr. med. William L e v.v feierte am lü. Oktober IU'3'3 in voller Frische und Arbeitsfreudigkeit seinen SO. Geburtstag,' In seiner Vaterstadt Berlin' hat er eine umfangreiche, segensvolle ärztliche Tätigkeit ausgeiibt. Als Chirurg hat er sich auch einen bleibenden Namen gescheiten durch seine wissenschaftlichen Arbeiten zur Chirurgie der Speisewege, die in den führenden Lehrbüchern als grundlegend angeführt werden. Mit,.Ernst von Bergmann schuf er die Berliner Rettuugsgesellschaft, ihre Zentrale, Beltennachweis, Krankenwagcnveriuittlung, Organisation der eisten Hilfe usw., Einrichtungen, die später von der Stadt Berlin als Rettungsdienst übernommen und noch heute im wesentlichen nach seinen Richtlinien geführt werden. Zum Schutze hilfsbedürftiger Kinder rief er den Deutschen Verein für Kinderasyle ins Leben, aus dem sich die heutigen Einrichtungen des Kiudersclmt7.es entwickelten. Schlielllicli ist er der'Begründer und 1. Vorsitzende'des Fürsorgevereins fiir hilflose jüdische Kinder, dessen Kinderheim in Niederschüuhausen sich aus kleinsten Anfängen zu einer Zufluchtsstätte fiir SO Kleinkinder und Mütter entwickelt hat. Hamburg. '(Rektor F eine r 7 U J a h re.) Am 1.1. Oktober feierte der .Ehrenvorsitzende des Reiclisverbandcs der -jüdischen Lehrcrvcmiie. Rektor Feiner, Hamburg, Olierstr. 135, seinen 70. Geburtstag. , Beschaffung von Arbeit. Offene Stellen für: perfekte Anleceriimeii für Tiegel mul Schnellpressen. Matiml Pel/aiistertij’eriu iiir Luxemburg, Konleleurbeiterh ‘Holland. Ziukhccherlöleriii lür Spanien (unverheiratet!. er indischen Arbeitsnachweise, li Arbeitsgemeinschaft . ^TCondiZoiei '%/fer dsOiihnZerßpfalz »,)„j/i-zT// , i'c/~ nac/t t; ’.-irfrer u*>ü-n ■ 9Cur,3s^a/t. Dianeuzeitliche Wtk Ernährung Vegetarisches Restaurant am Zoo n-Karitstraße 162, Eckeluachimsthaler Str. Telefon: J 1 Bismarck 6452 KudolfKratzerf unUCCcnD«el. Spezialhaus Restaurant Pilsener Urquell zum Krausenhof Berlin W 8, Krausenstr.8 Erstklassige Küche bestgeptlegte Getränke wie Pilsener, Dortmunder und Kindl-Bräu «O™ BÄCKEREI, CAFE ä^äund CONDITOREI „Zum Wiener“ Verband tu inst er Komlitorwaren 11 a ii p t g * c h U f t: Rarll/i^S 14. Küi»»HiamJo'iiei)str-_44a Mitglied der Jüdischen Gemeinde Filiale: Berlin W, Martin-Lutherstr. 91 ReirfiholtigesLager Eins der ältesten Malerelgeadiäfte Im Norden Berlins. Gegründet 1886. T«ft. De w.dding eins 10H. TIIlüS, Drontheimer Strasse 21 IWennSie Kisten aller Art benötigen, so wenden Sie sich an die I Kisftenfabrik Oskar Kämpfe I Berlin s 4», Wassertorstr. 42 A; uanhmi 3M I ~ '- Diese liefert auch Holzwolle engros | Ich empfehle mich als Lieferant von erstklassiger Kohle, Holz, engl. u. deutsch. Anthracit, Koks, Steinkohle und bitte, mich bei Bedarf mit lluen Aufträgen zu beehren. Rudolf Schelonka Kohlenhandlun« Berlin-Charlbg., Droysenstr. 6 Tel.: j 6 Bleibtreu 0531 V Dauerwurst Schlackwurst, Salami, Mettwurst, Krakauer Pfund 1,60 Mk. Polnische, Schlesische, li. Leberw. Pfund 1,20 Mk. Lieferung frei Haus 5 Kilo Postkolli Porto, Verp. frei Th. Loawenthal, Berlin W 50 Achenbachstr.4,Tc).: B-t Ua- Umzüge* Lagerung SLUPINSKI & Co. Chemische Reinigung frma Blumann TdH** Mübelreinigung im Hause Cicerostr.H part. Tel. J7 Hochm.342! 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