Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 17 (17.10.1933)
- Date
- 1933-10-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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vor allem die Gemeinde.' Das kann aber auch im einzelnen der .(Erwerbslose selbst, allein oder in Kollektivarbeit mit anderen Schicksalsgenossen. 'Sie müssen natürlich oft über ein, wenn auch noch so bescheidenes Kapital verfügen. Ihnen sei die Anregung, gegeben,'einmal den Haushaltsverbrauch einer Familie im einzelnen näher zu prüfen. Sie mögen einmal feststellen, zu welchen Zwecken das Einkommen der Erwerbstätigen verwendet wird. Sie dürften wissen, dall bei der eigenartigen. Wirtschafts- Struktur der deutschen Judenheil selbst im Handel, sogar noch im Einzelhandel eine Fülle von Möglichkeiten offenstehen.. Sind doch nur einige Zweige des Einzelhandels (Textilien, Wasche, Schuhe us w.) in starkem Mal Je jüdisch durchsetzt, wählend ein verhältnismäßig grober Teil von 'Zweigen des Einzelhandels Wenige jüdische Erwerbstätige aufweist (Obst und Gunüsc, Milch und Molkereiprodukte und viele andere.) 1 J.isä-Ihe ‘ gilt für eins Dienst Ir ist lingsgew erbe (Wäscherei, Pläturci, Fotokopieranstalt u. a.). Sie alle werden bei klarer lind intensiver Überlegung finden, dall hier eine grobe Anzahl von '.Möglichkeiten, die seither leider kaum von jüdischen Deutschen in Erwägung gezogen worden sindrsich von selbst anfzeigen. . Einige Beispiele: Viele alleinstehende ältere jüdische Personen oder Ehepaare »vollen ihre Wohnung, die ihnen einen zu groben Teil ihres Verbrauchsetats verschlingt, verkleinern. Das gelingt hei der Kleinwohiiungsuot nur selten. Wieviele könnten Arbeit und Ernährung finden in der Leitung und liidikmmg von neu zu bildenden Wohngemeinschaften? Ein Teil; dis Einkommens wird in jedem Haushalt zum Einkauf von 'Kartoffeln verwendet. Gibt es jüdische Kartoffelhändler, welche die Ware bei persönlichem Besuch verkaufen und in Mengen von ltl Pfund aufwärts frei Haus zustellen? Noch ein Beispiel: Ein Teil des Einkommens verwendet jedermann für 'Zeitungsabonnements. Viele würden gerne noch mehr Zeitungen auher den abonnierten lesen, wenn es mir ihr Geldbeutel vertragen würde. Wie wäre dieses Bedm tuis zu befriedigen unter gleichzeitiger Beschaffung von Ai biilsmöglichkeiten für eine ganze Anzahl von erwerbsfähigen Menschen? Gibt es einen jüdischen Lesezirkel, der Zeitungen föhnt, die den Wünschen dieser Verbraucher entgegenkomirieii? ■.So kann man den ganzen Etat einer Familie durchrechnen. Imifier; neue Möglichkeiten werden sich erschließen. Und wenn es sich um die kleinsten Beträge handelt! Das -ist für den mii.dcrbeniittelten Erwcrbsttchenden geradezu gut so. Je kleiner die Eiiizelheträge, desto weniger Betriebskapital wird erforderlich -sein. Abei viele-kleine Eiiizelheträge nähren den Menschen Die liauptträger aller Arbeitsbeschaffung werden jedoch wohl die selbständigen Erwerbstätigen bleiben. Wir denken hier vor allem fairden Aushau der lebensfähigen Betriebe; die Sozietät und'Kooperation.'bei'Betrieben, die auch heute noch gewinnbringend arbeiten, eröffnen eine Fülle von neuen Ervvcriismöglichkciteii.Wir denken vor allein auch an die Arbeitsteilung in Berufen, bei denen behördlicherseits eine Arbeitsbcgri'iiziiiig vnrgcschrichcu ist, z. B. dürfen Hausverwalter mir eine besliinmie Anzahl Häuser verwalt n. Schließlich muH auch im ciue.virtikale Persuualsehichtung gedacht worden, die nicht um ir den höheren Positionen jiidisclics Personal beschäftigt, solidem aueli in untergeordneten .Stellungen, z. 11. Lageristen, t'.hniif teure, Botemneister, Hausdiener, Fahrstuhlführer n. a. , i Eine grolle Anzahl von jüdischen Bctriebsmhaliern hat hrie.it:'. vor dci Revolution ihr jüdisches Personal aus den IletrjFber. entfernt oder überhaupt nur ungern jüdisches Personal beschäftigt. Warum? Es muH liier einmal offen gesagt »veuleii: sie wußten sich damit selbst in jedem Falle in Sicherheit i bringen. Was haben sie damit erreicht? Der Appell an den (Gemeinschaftsgeist.wird gerade bei diesen unseren Schicksals! inic! Glaubensgenossen doppelt. laut erschallen müssen, damit sie . die Stunde erkenmii. Bei ihnen wird ein segensreiches W irken der Gemeindevertretungen und ihrer Führer inpersönlicher, zäüier und rastloser Kleinarbeit eiusetznn müssen. Das bedeutet auch, dall man mit grundsätzlich neuen Methoden einen .»ollkoiimieneii Umbau der jüdischen Stellen- und: Arbeitsvermittlung von Grund auf wird herbeiführcii iiuni-iii, dem die erforderliche Schlagkraft iiinewohnt. Den Bclciebsjnhaberii seihst aber muH wieder und wieder der Satz, ms Gewissen gehämmert werden: zeiget Mut lind Opfersilm; mirjdurch diesen Geist erhaltet ihr andere Schicksalsgenossen Judenfrage und Olympiade. Az ur Beratungen des Olympischen Komitees Amerikas. ] Das olympische Komitee Amerikas hat im Hinblick darauf,! dall seiner Meinung nach die von den deutschen Sporthehörden gegebene Zusage, jüdische Sportsleute aus Deutschland in »lei Frage ihrer Beteiligung an den olympischen Wettspielen nicht unterschiedlich zu behandeln, nicht eingehalteii wurde, den Beschlull gefallt, die Frage der Beteiligung Amerikas an der nächsten Olympiade,, die in Berlin abgehaltcn werden soll, neuerlich 'ituf der für November cinbcrufenen Tagung'der olympischen VcreiuiL’tmg Amerikas zu behandeln. Es liigcn' Anträge vor, in denen die Verlegung der Olympiade nach einer anderen Stadt, resp. die Zurückziehung Amerikas von! der Olympiade, gefördert wird. i Auf dem im Juni in Wien abgchaltenen olympischen Kongreß hallen die Delegierten Amerikas, Englands und Frankreichs die Frage Üei Beteiligung jüdischer Sportsleute an der Berliner < Jlympiade zur Sprache gebracht. Der Führer der deutschen Dcloj. Ein symptomatisches Ereignis. Werner Kran!) setzt sieh durch", so lasen wir kürzlich in einigen deutschen Zeitungen. Der Tatbestand, zz: der diesen Meldungen z.iigrimdelag, ist bekannt: Weyner Krauß, der nationalsozialistische deutsche Schauspieler, ist ihei seinem Auftreten in London durch Kufe aus Parkett und Galerien provoziert und gestört worden; ei» Appell seiner englischen Hauptpartnerin blieb vergeblich; die Polizei mußte eingreifen tmd ctiva .zwanzig Störenfriede aus dem Publikum entfernen, .dann erst konnte die Vorstellung weitergellen: sie endete mit einem großen .Triumph für-Werner'Krauß. I -Werner Kraul! soll in Kopenhagen einem dänischen Piessevertreter gesagt haben, bei den Demonstranten muss: es sich seiner Meinung nach um Kommunisten oder Juden gehandelt haben. - Au diese Gleichsetzling von Kommunisten und Juden sind wir~ja mm nachgerade gewöhnt, obwohl es sich allmählich herumgesprochen haben sollte, dal) der Kommunismus in der ganzen Welt, vor allein auch in seinem SJammlaiide Rußland, in ausgesprochenem Gegensatz, zum Judentum stellt und überhaupt antireligiös ist, wodurch allein schon das Verhältnis von Judentum und Kommunismus als ein - gegensätzliches sich kennzeichnet. .Wenn aber z. B. auch die „Kreuz-Zeitung" ihren Bericht' über die Vorgänge um Werner Krauß mit einer Zweitüberschrift „Reinfall der jüdischen Störenfriede in London“, versieht, so steht das in einem selt- - sameti Widerspruch zu der Mitteilung, die das genannte Blatt selbe»- unter dieser Überschrift bringen muß; I Der Deutsch-jüdische Verband faßte am Freitag auf einer Sonder» ersammlung eine Entschließung, in der Werner Krauß volle'‘Unterstützung zugesagt und das Bedapern über die „unangebrachten Unterbrechungen gewisser Antinazis" ausgesprochen wird.; Diese Mitteilung widerlegt nicht nur die Überschrift, sondern sie ist auch noch aus einem anderen Grunde von Den Gemeinden erwachsen in dieser sch»veren Zeit ganz neue, früher nicht gekannte Aufgaben. Sie müssen die Brot- und Berufslosen betreuen. Das ist eine wichtige Mission. Mindestens ebenso hervorragend scheint .uns aber im Augenblick und in der nächsten Zukunft die Erhaltung und die Sicherung ■ jüdischer Betriebsstätten, die Förderung und der Ausbau an sich leistungsfähiger Produktivbetriebe. Sie sind der Boden, aus dem die Einzelexistenzen ihr Leben erhalten. Deshalb sollte man auch das jüdische Darlehnskassen»»'esen unter allen Umständen stärker aushaucn. Die Möglichkeiten hierzu sind vorhanden. Wenn die Gemeinden oder andere Organisationen oder auch Einzelpersonen Kapital bereitstellen, dann kann die „Zentralstelle für Jüdische Darlehnskassen“ den bereits vor-' handelten oder den noch zu bildenden Darlelmskassen, gestützt auf die Hilfe der „American Jewish Reconstruction Foundation“, Kredite in der Höhe des Eigenkapitals unter sehr günstigen Bedingungen (3"., Zinsen p. a. und vorteilhafte Amortisation) zur Verfügung stellen. Durch derartige Maßnahmen würden auch die Gemeinden in ihrem Arbeits- und Verantwortungsbereich eine »vesentliche Entlastung erfahren. Die Hilfe und Unterstützung der Betriebe muH aber im Interesse ihrer Erhaltung unbedingt abhängig gemacht werden vor allem von einer stärkeren Einflußnahme in personalpolitischer Beziehung, von einer prüfenden und beratenden Betriebskonirolle, die den Erfordernissen der Zeit mit ihren vervielfachten Leistuiigsanspruchcn Rechnung tragt. Bei der Betreuung dieser Betriebe sollte in erster Linie folgenden Gesichtspunkten Rechnung getragen werden: 1. Es müssen arheitsintinsive Betriebe sein, d. h. Betriebe, welche die Unterbringung möglichst vieler 'Menschen gewähr- 2. Es müssen lebensfähige Betriebe sein. Eine sachverständige Prüfung der Marktverhältnisse wird hier erforderlich. Es mul! vor allem verhütet werden, daß eine-Subventionierung schwacher Unternehmungen die Widerstandskraft gesunder Betriebe lähmt. 3. Es müssen marktmiillig wenig gefährdete Betriebe sein, d. h. Unternehmen, die Erschütterungen bekannter Art, auf die der Betrieb keinen Einfluß hat, nicht in starkem Malle ausgesetzt sind. •I. Es müssen Produktivbetriebe sein, d. h. Betriebe, die im allgemeinen volkswirtschaftlichen Interesse liegen, sowohl im Handwerk wie in der Industrie. Dies gilt auch'für die Landwirtschaft, z. B. Hühnerfarmen, Abinclkställe in-der Großstadt zur Frischmilchvcrsorguiig usw. 5. Es müssen Betriebe in nichtiihersctz.ten Wirtschafts- /»veigen sein. (>. Es sollen Betriebe sein,. an denen die Regierung erhöhtes Interesse nimmt, d. h. .Betriebe mit starkem Export- 7. Es sollen auch Betriebe sein in der Sphäre des jüdischen Eigeiikonsiims. Die Gemeinden sollten ihre Hilfe auch für Gründungen von Betrieben bereitslellcn, die diese Voraussetzungen erfüllen. Allerdings dürften hierbei m der Kegel diejenigen, die schon seit langer Zeit aus dem Wirtschaftsleben allsgeschaltet sind, in erster Lime nicht selbständig gemacht werden. Die Gemeinden sollten dafür andererseits in größerem Maßstabc, als dies bereits hier mul dort geschieht, auf der Grundlage der Leistung und der Selnsthiitc. ueiueiiuiutzige Betriebe erunden. um damit für bestimmte Gruppen von Erwerbslosen Arbeit zu schaffen. Es ließe sich für besonders gelagerte Fälle, in denen eine Eignung für einzelne Berufe nicht vorhanden ist, die Einrichtung einer produktiven Erwerbslosenfiirsorge durch Einrichtung von Adrcsscnhiiros, Schreibstuben und dergleichen' erwägen. Alle diese Anregungen können in vielem nur für die mittleren und größeren Gemeinden Geltung haben. Sie sollen im wesentlichennur kurzfristig die erste Not lindern, wenn möglich, abstcllen. Auf weitere Sicht wird inan aber zu großzügigen, einheitlichen Planungsarbeiten kommen müssen. - Di»fse Arbeitj-u -verlangen-jedoch» die geniales-und-sachlich-- durchgreifende Führung, die mit starker konstruktiver, Gesialtuugskialt eine gesunde und wetterstarke Schichtung der deutschen Judenhcit energisch und z.ielbewußt, in rücksichtsloser Unterordnung der Betreuten, herbeiführt. Zu solcher Tat gehört die wirkliche Kenntnis vom Wirtschaftsleben der deutschen judenhcit. In einer der nächsten Nummern wollen wir lins mit Aufgabe und Zweck einer solchen'Planungsarbeit eingehender befassen. . ' Internationaler Schutz für Leben, Eigentum und geistigen Besitz religiöser und rassischer Gruppen? Internationale Konferenz für Reckt satt gleichang ini Strafrecht. Neueinführung strafrechtlicher Bestimmungen zum Schutz von Leben, Eigentum und geistigen Interessen religiöser lind rassischer Gruppen beantragt. Am 14. Oktober »viril m Madrid die fünfte internationale Konferenz für Rechtsangleichung auf dem. Gebiet des Strafrechts unter Beteiligung der Vertreter von ungefähr 20 Staaten eröffnet. Die Teilnehmer an der Konferenz, deren Arbeiten im-Einverständnis mit dem Volkerbmidsekretariat durchgeführt werden sind durchweg Juristen von internationalem Ruf. Unter ihnen befinden sich der belgische Justizminister, der griechische Richter am Internatipiielen Gerichtshof im Haag Calovanni, die Pariser Professoren Doimedieu'de Fabres und- Roux, der Engländer Professor Teinple Grey, der Rektor der Universität Lausanne Alercier, Professor Rappaport (Warschau), der rumänische Minister Pela, Professor Azua und Professor Lopez und andere bedeutende Strafrechtslehrer. Die Konferenz befaßt sich mit der Ausarbeitung von Strafvorschriften für sogenannte „internationale Verbrechen“, für die die Täter auch in einem anderen Lande als dem, in dem das Verbrechen begangen wurde, zur Verantwortung gezogen werden müssen. Auf ihrer Madrider Tagung wird sielt die Konferenz insbesondere mit drei Gruppen solcher Verbrechen beschäftigen, nämlich verbotenen Waffentragen, Verlassen der Familie (besonders wichtig im Fall der Emigration) und Terrorismus. Zu diesem Punkt werden der ehemalige Rektor der Berliner Universität Professor Kohlrausch, der belgische Professoi Ginibourg, der Bnkarester Professor Radulescu und als Spezialreferent der Warschauer Staatsamvalt Lemkin Vorträge halten. Staatsanwalt Lemkin beabsichtigt, in diesem Zusammenhang die Einführung von zwei neuen strafrechtlichen Kategorien zu beantragen, die bestimmt sind, nicht nur dem einzelnen Individuum, sondern vor allem gewissen durch gemeinsame Religion oder gemeinsame Rasse gekennzeichneten Meiischengruppeii. Schutz zu gewahren. Internationaler Strafverfolgung sollen diesem Vorschlag gemäß Personen ausgeselz.t sein, die gegen Angehörige der erivähnten Menschengruppei: Gewalttaten verüben, die deren Leben, Gesundheit, Freiheit, Ehre und wirtschaftliche Existenz, bedrohen. Als solche Verbrechen-werden u. a. bezeichnet: Pogrome, Brutalit-.ten, Erniedrigungen, die die Menschenwürde verletzen, Vernichtung der wirtschaftlichen Existenz u. dgl. Die zweite Kategorie von Handlungen, die künftighin international strafrechtlich verfolgt werden sollen, umfaßt die Vernichtung von Kultur- und Kunstwerken, die Ausdruck, des Geistes’ der betreffenden Menschengruppe sind. Die Stimme der Religion. Äußerungen christlicher I'ührcr zur Judenfrage in Deutschland. Das American Jewish Committee veröffentlicht unter dem Titel „Die Stimme der Religion“ eine Broschüre, in der eine große Zahl geistlicher lindweltlicher Führer der Christenheit, unter ihnen der Erzbischof von Canterbury und Dean Inge, zur Judenfrage in Deutschland Stellung nehmen und die gegen die luden gerichteten Maßnahmen vom christlichen Standpunkt aus mißbilligen. Der Erzbischof von Canterbury, das Oberhaupt der englischen Hochkirchc, hat bereits als Hauptredner auf einer im Juni in der Londoner Queens Hall abgehaltenen christlichen Massenversammlung gegen, die 'Zurücksetzung von Juden ihrer Rasse oder ihres Glaubens wegen Stellung genommen und der Versammlung eine von dieser einstimmig angenommene Entschließung vorgelegl, in der gesagt wurde, die gegen die Juiiej»-4n-Deutschland-geühtiS Diskriminierung stehe zu-dem von der modernen Welt bezüglich der Behandlung religiöser und rasscmuäßiger Minderheiten akzeptierten Grundprinzipien der Toleranz und'Gleichstellung in Widerspruch. In seinen einleitenden Worten, hatte der Erzbischof betont, er . sei zur Versammlung nicht etwa auf Veranlassung jüdischer Kreise gekommen, sondern' weil sich „die Herzen der Christen den allgemeinen Grundsätzen des Menschentums gehorchend den Juden zwwenden“. gatiou, Dr. LewaUl, hatte auf eine Frage des Kongreßpräsiilenteu Graf de Baillet-Latour im Namen der deutschen Delegation mul mit Zustimmung der deutschen Reichsregierung die bindende Erkirätmg abgegeben, daß bei der Berliner Olyntjiiade die internationalen olympischen Regeln strengstens eiugehalten und daß Juden aus den olympischen Mannschaften Deutschlands nicht ausgeschlossen werden würden. Gleichlautende Erklärungen wurden damals »on den maßgebenden Berliner Stellen unmittelbar abgegeben, wobei gleichzeitig vcr; sichert wurde, daß jüdische Teilnehmer an den olympischen Spielen in keiner Weise belästigt werden würden. Diese Versieht rimgcn »»-urclen vom Führer der deutschen Delegation auf dem Olympia-Kongreß in einer Wiener Pressekonferenz nneliuials bekräftigt. Nunmehr wird der Ausschluß der Juden aus de i deutschen Sportvereinigungen in manchen Kreisen des internationalen Sports als in» Widerspruch zu diesen Versicherungen stehend bezeichnet. In diesem Zusammenhang wird insbesondere auf den Ausschluß Daniel Prenns aus. dem deutschen Teiiuisteaui und auf den Selbstmord der früheren deutschen Tennisincisterin Neppach hingewiesen. größtem Interesse. Gerade jüdische Kreise nämlich sind es gewesen, die in früheren Zeiten auch in Deutschland sielt dagegen wandten, wenn Theater- oder Fihndafstcllungen, die der damals in 'Deutschland herrschenden Richtung -.entsprachen, durch nationalistische oder antisemitische Elemente gewaltsam gestört wurden Wenn aber damals gerade von Juden die Parole ausgegeben wurde, geistige Erzeugnisse auch nur mit lästigen Waffen zu bekämpfen, so konnte vielleicht immerhin _jr Verdacht entstehen, daß wir luden vielfach nur in eigener Sache sprächen. Da es sich bei den) Londoner Vorfall jedoch II einen Schauspieler handelt, der einer ausgesprochen antimitischcn Partei angehört und, wie sein Kopenhagener Inter- ..»■»»• zu zeigen scheint, auch selber Antisemit ist, so beweist das Verhalten des „Deutsch-jüdischen Verbandes“, daß es uns Juden mit der Beschränkung des geistigen Kampfes auf geistige Waffen ernst ist; der „Deutsch-jüdische -Verband“ in London hat in geradezu vorbildlicher Weise gezeigt, dall »vir Juden diesen Grundsatz auch unseren Gegnern gegenüber innehalten. Wir glauben, dieser Tatbestand ist wichtig genug, i ausdrücklich festgehalten zu werden. Leop. Nathansohn. Kunstnachrichteii. Gesellschaft für Jüdische Volksblldone e.V„ Frankfurt a.M. .Montan. 23. Oktober 20-10 Uhr pünktlich Im kleinen Saal der Frankfurt-Loge: Zeitcenüssische jüdische Dichtung in deutscher Sprache. Eintritt frei. Am Sonnabend, den 28. und am Sonntag, den 29. Oktober, abends 8.15 Uhr findet im Hause Dr. Hans A. Aleyer. Kurfürstendamm 216. ein Konzert zur Unterstützung jüdischer Mittcistandsküchen statt Mitwirkende: Hede Türk,.Paula Lindberg, Dr. Werner Liebenthal. Programm: Lieder und Duette von Hän- Türk, H 4. Zehl. 5352. Lindberg 3 1. Bismarck 6606. Meyer J 1. Bismarck 9600. sowie an der Abendkasse. Vorbestellung erbeten. Gegen handwerkliche Ausbildung nichtarischer Ausländer. Wie der „Berliner Börsen-Courier“ berichtet, hat der Präsident der Handu erkskammer Weimar, Reichstagsabyeordneter Knt/jnann, den Handwerksmeistern untersagt, irgendwelche Ausbildung oder Kursuserteiluug an,.Niehtarier vorzuuehmen, die sieh, aus dem Auslände kommend, besuchsweisein Deutschland aufhälten, um dem Handwerk irgend etwas ab/.uschen und für sich zu verwenden. Das Handwerk dürfe sich nicht selbst Feinde erziehen. Pläne zur Ansiedlung deutscher Juden im Ausland. Stellungnahme des Zcntralaussrhusses für Hilfe und Aufbau. Der Zenlralausschiiß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau nimmt zu gewissen in letzter Zeit aufgetauchteii Plänen für Ansiedlung deutscher Juden im Ausland in folgen- Notiz. Stellung, die m der nächsten Nummer der Mitteilungsblätter des Zentralaiisschusses erscheinen wird: tu der letzten Zeit sind wiederholt Siedlungsprojekte für Siedlungen deutscher Juden im Ausland außerhalb Palästinas befürwortet worden. Wir machen darauf aufmerksam, daß der Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau bemüht ist, diese Projekte, soweit cs möglich ist, auf ihre Ernsthaftigkeit und auf das wirtschaftliche. Risiko, das der Einzelne eingeht, zu prüfen, daß wir aber für keinen Plan, der nicht ausdrücklich von uns befürwortet ist, verantwortlich sind. hi kurzer Zeit wird eigens für diese Pläne voraussichtlich ein kleiner' Ausschuß durch den Zcntralausschuß gebildet Zum Verbot der Praxisgemeinschaft zwischen arischen und nichtarischen Ärzten. Der Rcichsfnhrer der kasseuarztlichen Vereinigung Deutschlands hat bezüglich Vertretung und Praxisgemeinschaft folgende Bestimmung getroffen: „Laut meiner Anordnung vom 10. August 1033 betreffend Vertretung und Praxisgemeinschaft können sich uichtarische Ärzte, auf die die Ausnahmebestimmungen zutreffen, nur von Ärzten vertreten lassen, bei denen die Voraussetzungen zur Zulassung zur Kassenpraxis vorliegen. Weiter ist eine Praxisgemeinschaft zwischen arischen undnichtarischei: Ärzten verboten, soweit nicht von mir Ausnahmen zugelassen »»-erden. Abweichende Stellungnahme im Einzelfalle behalte ich mir vor.“ Gegen Jüdische Händler. ln der Gemeinderatsitzung zu A rnsch wa n g"(Bayer. Wald) wurde, wie der „Fränkische Kurier“ vom 7. Oktober mitteilt, auf Antrag einstimmig der Beschluß gefaßt: „Viehjuden und jüdischen ImmobiUenhändlem ist der Zutritt zu unserem Ortschaftsbereich künftighin verboten.“ An den Orts- .eingängen ist dies durch Anbringung von Tafeln mit vorstehendem Inhalt kenntlich zu machen.