Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 17 (17.10.1933)
- Date
- 1933-10-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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13.Jahrgang Nummer 17 3ttöifdHibetflle 3eHung Beilage 17. Oktober 1933 Sturmzeichen Ober Palästina? Araber und Juden. .miiiclist drei .Weidlingen: ■ Arabische Protestaktionen gegen die jüdische ' Palästina-Einwanderung. Jerusalem, 0. Oktober (J .T.A.) Der Sekretär des „Kongresses der moliammcdamsch-pahtsttnensischen' Nation“ (Alo. bammedtmisehe OppositionsparieiJ, Hassan Sttdkv Htijtinv, ' sein Anti niedergelegt. Er erklärte, er wolle'durch di.. Schritt gegen das dauernde Einströmen jüdischer /Einwanderer und die fortgesetzten. Bodenyerkäu/e au Juden in einer '/.eil, in der, wie er behauptet, die wirtschaftliche Lage der Molitimmedaner sich von Tag zu Tag verschlechtert, protestieren. Hie Untätigkeit, die seine Kartei angesichts dieser Stichtage an den Tag lege, .mache es ihm immöglich, weiter die Verantwortung für i/ns Parteibüro zu träum. Amman, 8. Oktober (J.T.A.) Jilf der Volkspartei t gehörende Mitglieder der gesetzgebenden Versammlung-bet., sichtigen, an/ der am l. November beginnenden neuen Tagung der Versammlung fine-Politik der Non-Cooperation gegen:" der Regierung timir Abdullahs, die sich als schwach und fähig, der wirlsrhaflfichtn Nöte Herr zu werden, erwt habe, feierlich zu verkünden. Die Volkspartei, der Scheichs and T (ihrer von Beditinenstämmen ■ tingehörett, wilt auf ihrer nächsten Sitzung eine Resolution annehmen, in der die indische /Einwanderung nach Palästina verurteilt wird. Hie Wiederaufnahme aktiver anlizionistischer Politik .durch die arabische Palästina-Exekutive ist die Tot ge einer in letzter '/.eit in der arabischen Presse Palästinas intensiv betriebenen Hetze gegen die jüdische /Einwanderung. Heu arabischen /eiiungen zufolge stehen „viele l/uuderltausendc von Juden" vor ihrer unmittelbaren ■Niederlassung in Palästina. Unter dem Urtivit der Presse haben sich die arabische Ext--' kutive, der arabische Jugendverbahd, die Istiklal-Partei lind . die niohammedanisch-christliehe Vereinigung von Jaffa e schlossen, zum TEinwiiiidertingsproblcm in besonderen V Sammlungen Steilung zu nehmen. Ha mit isi aus ein bloßen Zeit it n gsk a m pa g ne eine ernstere po, ■ tische A n g I c g cn h ei i geworden. Im übrigen hin ß festgestellt werden, daß die Kampagne gegen jüdische TEittwatlderung aiissr/iliefilirh auf die stäillisrhen arabischen Kreise beschränkt geblieben ist, während die Landbevölkerung s' ' der politischen. Agitation völlig unzugänglich zeigt. Hem stellvertretenden High Comissioiter John Hathorn Hai! wurde anläßlich eines Besuches in Nablus ein von zehn Notabeln unterzeichnetes Memorandum Tiberreicht, in dein gegen die angeblich übermäßige jüdische .TEinwiinderuiig Ile- ' schwerde geführt und behauptet wird, sic schädige die arabischen Interessen. In dem Memorandum heißt es tt. a.: „Wenn die Araber Maßnahmen ergreifen, um die /Einwanderung von Juden zu verhindern, so betrachten sie dies als einen Akt der Selbstverteidigung; jeder Versuch, sie von solchen Maßnahmen abzuhalten, wird von ihnen als Uiiterdrückiingsversiich empfunden werden. Dies ist die gegenwärtige Stimmung der Araber Palästinas; wir haben versucht, sie-klar darzustelletj.- lEs wäre unzweckmäßig, der.- Regierung nicht anseinanderzttselzen, welch tiefe Besorgnis unter den Arabern infolge der Törderung jüdischer /Einwanderung entstanden ist; diese T'örderting hat die Araber veranlaßt, der Truge einer Gegenaktion ernste Aufmerksamkeit zuzuwenden.“ ' In jüdischen Kreisen ist man der Ansicht, daß u verhüllte Urohitng nicht unbeachtet bleiben darf. Arabische Exekutive und jüdische Einwanderung — Eintägiger Proteststreik proklamiert. Jerusalem, 9. Oktober (J.T.A.). Hie palästinensischarabische /Exekutive hat am 0. Oktober eine Vollsitzung abgehiiltcn, in der beschlossen wurde, am Treitag, den TI. Oktober, einen eintägigen arabischen Generalstreik zum Protest gegen die fortdauernde jüdische Einwanderung nach Palästina und gegen den Verkauf von Botten an Juden durchznführen. In Jerusalem und in detf bedeutenderen Provinzorten sollen große Demonstrationen veranstaltet werden. Bezüglich. der Einberufung tlcs tickten arabischen Kongresses, die gleichfalls auf dieser Sitzung besprochen wurde, kam ein endgültiger Beschluß nicht zustande. III. Jerusalemer Kundgebung gegen jüdischEinwanderung verboten. Jerusalem, 1(1. Oktober (J.T.A.). Hie von der arabischen Exekutive Palästinas für Treitag, den TI. Oktober im Zusammenhang mit dem;ttr diesen lag proklamierte Generalstreik als Protest gegen jüdische Einwanderung null jiitlischcu itoilenkanf angekendigte Kundgebung in Jerusalem wurde von der Palästina-Regierung verboten. Hs sei uns gestattet, aiisehliellend an diese Naehrieliteu zunächst in eigener Sache einmal ein offenes Wort zu sprechen. Wir bringen diese Meldungen nur äullerst ungern; allzu.leicht könnte der Verdacht entstehen, dalt wir bei unserer Stellung zum Zionismus ans Prinzip nur die ungünstigen Naelirieliten über Palästina brächten. Wer aber unsere Zeitung genau verfolgt, nullt feststellen, dalt wir unsere.Auslese über Palästina- Naelirieliten nach einem ganz anderen Gesichtspunkte treffen. Wir bringen nämlich — Günstiges oder Ungünstiges — nur immer das wirklich Wichtige. Wie. wir z. B. keineswegs jede Meldung über ein iieiiaugelegtvs Wasserwerk in Haifa oder irgend einer anderen Stadt bringen, so haben wir, um ein weiteres Beispiel hier zu erwähnen, auch die Meldung filier den Zwischenfall, der sich am Schild) des letzten Versöliuungsfestes au der Klagemaller ereignete, nicht für wichtig genug gehalten, um in unseren Spalten darüber zu berichten. Alle Tage kommt es irgendwo zu Raufereien zwischen Zjonisteji mul Arabern, mul genau wie in allen Ländern der Erikgibl es auch in Palästina Menschen, die bei derartigen Anlässen das Messer oder den Revolver allzu lose sitzen haben. Daraus Schlüsse auf die schlechte Lage des Zionismus ziehen zu wollen, wäre verfehlt und einer ernsthaften Zeitung unwürdig. Den 'Meldungen hingegen, um die es sich heute handelt, kommt eine ganz andere Bedeutung zu, und es liegen ihnen Vorgänge zugrunde, die nicht unbeachtet bleibeif dürfen und die .zu kennen auch gerade für die deutschen Juden von allergröltler Wichtigkeit ist. Noch vor wenigen Wochen ist. im Zusammenhang mit dem sogenannten French-Hericht mul den daran anschlieliciideii Debatten im englischen Unterhalte, darauf liiugcwicscii worden, dalt das durchaus n i c h t a u 11 s e in 111 s c h e England eine ausgesprochen a u t i z i o n i s t i s c h e Politik verfolgt. . Was kann der Grund sein? Niemand wird glauben, dalt England eine Aflcktpolitik, jedermann wird wissen, dalt es Realpolitik treibt;. England keimt die tatsächlichen Kräfte der arabisch-' patriotischen Bewegungen in Palästina, und es weilt auch sehr wohl abzusdiätzcu, wieJweit bei den Gegensätzen zwischen Arabern und Zionisten die ersteren im Rechte sind. Die deutschen Juden aber, unter dem Eindrücke der Entwicklung in Deutschland, sind zu einem grollen Teile von einer wahren Psychose -ergriffen, -Weit -in-der -Tat.-was ün diesen-Btätternstets nachdrücklich anerkannt' wurde, Palästina heute einen gewissen Prozentsatz jüdischer Eimvatidcrcr aiifnimmt, deshalb wiegen sich null so viele in dem Traume, Palästina sei ein Land ohne Hcimatbevolkcrung, das wir Juden als das „Land unserer Väter“ nur eben wieder in Besitz zu nehmen brauchten, um eine gesicherte Existenz und eine ,;Heimat“ zu haben. Solche Illusionen werden von einer.gewissenlosen zionistischen Presse, die angesichts des in Deutschland herrschenden Antisemitismus ihre Stunde gekommen glaubt, obendrein unterstützt und genährt — ein verhängnisvolles und verantwortimgslos.es Beginnen! Denn die deutschen Juden werden durch eine solche Trugpropaganda kraftlos gemacht. Anstatt — „und im .Unglück nun erst recht" — in sich den Willen zu stählen, sich das volle Bürgerrecht in ihrem wirklichen Heimatlandc aufs neue zu ertingen, verfallen sie mehr und mehr darauf, seelisch alles auf eine Karte zu setzen, wählen statt des geistigen und ehrlichen Kampfes einen romantischen, utopistisclien „Ausweg“, der aber kein Ausweg ist. Palästina ist kein unbewohntes Land, und wie es 1029 — in denselben Tagen, als ui Gent unter den Auspizien des Völkerbundes die „Jewislt Agency“ gegründet w urde in Palästina zu Mutigen. Unruhen kam, so könnte auch am Ende der jetzigen jüdischen .Massen- ’ Wanderung nach Palästina mul am Linie all der heute grassierenden PalastiiinhoffIllingen das furchtbarste Ereignis Stehen: der Bürgerkrieg! Rechnet man hinzu, dalt auch die /ie.uisteu selbst in Palästina in zahllose Parteien gespalten sind, denkt man an den zur Zeit noch unaufgeklärten poli- - tiseluu Mord, der au dem zionistischen Arbeiterführer Arlosi rolf in I cl’Aw iw unmittelbar vor dein Prager ZioitfStenkongiell begangen wurde, denkt mau sclilielllieh'iu die religiösen Gegensätzezwischen Mohammedanern,' Christen und Juden,, so beweist dies alles zur Genüge, dall das Land, das so viele unserer mutlos gewordenen Glaubensgenossen für eilt “..“ ’.1 '■ “ Wirklichkeit Man gehe sich keiner Iauseliimg Inn:'dalt die englische Palästina-Regierung tut letzten Augenblick die arabischen Kundgebungen gegen die jüdische!. Um änderung verboten hat, ist weder ein araberfeiudhelier noeli ein jiiileiifreimdlieher Akt; es-gesehah aussehlieliheh, lim tlie hei derartigen’Kundgebungen Iim.iishleihlielieu Zusaiimieiislölle zu vermeulen. Die deutschen Juden aber sollten sieh ernstlieh fragen, wie es um die lleweguu;; in Palästina atisscheu mag, rieten einzige reale Sicherheit in den Karabinern mul sonstigen Waffen, der engffselien Streit*-ralle bestellt!' Sie sollten aiifhören, in blindem Glaubt n alle ihre Hoffnungen auf dieses eruptive Land zu setzen'; denn,-kommt es dort zu den Entladungen, die Englands Mililärinaelit beule nitiltsam iffederhält, dann ist den liCute so ist die .Gefahr, vor der wir warnen! ** Werden es gelassen hinuchnfeti, wenn man diese . 'armuig in gewinsen Kreisen der deutschen Jlidenheit iiiiual als einen „gehässigen Kampf gegen den Zio- .,,s„.,.s hinzustellen versucht. Gegen solche Auslegung' ist niemand geleit, der einen Standpunkt kousei|iient .mul imuaeligiebig vertritt. Jeder aber, der die am Beginn dieses Artikels wiedet gegebenen Meldungen, die obendrein aus dem Nachrichtendienst der zionistischen „Jüdischen Telegraphen- Agentur (J.T.A.)“--stammen, in ihrer wirkliehen Bedeutung — erkennen .vermag, wird ciuseheii, dall unsere, negative unserer positiven Stellung ' zu _ Wurzel hat. Doch gibt es Situa- Stellung zum Ziiini; iiidciilum und Jlidenheit S|irache führen rlie I I gern . antizionistisehe Jiidisrh-lihcrnle» Zeitung" viele deutsche JudeiL. l 'l'l' "\\ ' ' raunu'ii reiltl; doch müchlcu wir wünschen, Weckruf zu kraftvollem* Lehenskani|if. tiewilt, viele lull, uns deutschen'Juden müssen sich eine neue Heimat suchen; wir wollen uns freuen mul wir wollen selbst dafür arbeiten, dall sie ihre Existenz dort finden, wo immer das Schicksal es ihnen, ermöglicht, l ui die. Gesamtheit aber gibt cs keinen „Ausweg“; es gibt nur den Kampf ums Lehen. Der alter kamt nur von Menschen geführt werden, denen kein Traumbild die Willenskraft lähmt mul die getragen werden von dem unerschütterlichen Glauben au den endlichen Sieg jener Ideen, die die Kcrugedankcn jüdischer Lehre gewesen sind seit den Tagen der Propheten. Man höre auf, die Bibel fiir-eiu ver- - gilbtes Buch zu -halten, mau lerne, dalt die Propheten, aus dem Leheu schöpfend, zu Icbcudigcu .VUiwchtnv sprschult wml noch heute sprechen. Wer für ihr Wort kämpft, tler kämpft zugleich für sein Lehen — auch der Jude vpn lO'J'i! Wer aber resigniert und die Lehre der Propheten für verloren hält, der hört alrf, ein Jude zu sein, und ist selber verloren. Es ist liarl, zu wissen, dalt wir den Emniizi|iationskampf von vorn beginnen müssen; aber gerade weil die Wirklichkeit hart ist, bedürfen wir auch, statt verweichlichender mul ahleiikender.' Illusionen, des harten Lebenswillens. Die messiaiiische Lehre des Judentums, an die wir glauben, gibt uns die Sicherheit, dalt wir jüdischen Deutschen auch in Deutschland als aufrechte, gleieldicrechtigte Bürger wieder werden leben dürfen; e gibt u zu arbeiten. Darum gilt v die heilige Lade ziiiüchsU aus realpolitisches Wort i gleicherweise religiös wii und Zähigkeit, für dic.cs Ziel unbeirrbar dieser Lehre jener Satz, mit dem unserer Gottesdienste die Tliorah in Heu, sondern der iiherdie» ein durclist r dfe ganze prophetische Lehre ist rcal|iolilisrh, und auch für uns, tlie unsere Existenz kämpfen, gilt voll tl beglückt!“ Caf6 Schneider Potsdamer Straße S9 Gemütlicher Aufenthalt E r h { k 1 n s P. Küche Frühstücks- und Mittagscedvcke , Zeitgemäß»1 Preise B RIEFMARKEN und Sammlungen kaufen gegen bar Philipp Kosack&Co. Burgstraße 13 - Preisliste für Sammler gratis Kohlenhof „MERKUR“ Inhaber L. Abraham Bariin na. i u Weidendamm Of Vergaser - Werkstatt für amerikanische — -deutsche — Kiseniahastr. 49, K. WestfäHscheStr. 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