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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-10-10 · 15 (10.10.1933) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
15 (10.10.1933)
Date
1933-10-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Der Jude auf der Lokomotive. Ein Beitrag zur Rassen Wertung. Von Heinrich' Kurtzig. Wer hat sie nicht schon gesehen, diese kräftigen Männer mit den meist von Kohlenstaub und Ruß etwas ge- . schwärzten Gesichtem, mit ihren prüfenden Blicken auf ihren unter hohem Dampf stehenden Maschinen, die vorgespannt vor dem Eisenbahnzug die Last von Waren oder die viel wertvollere von Hunderten von Menschen. .hinaus, oft weit hinaus, in fremde Städte und Länder befördern soll? Aber wer ihn etwa beobachtet, sieht den Lokomotivführer doch gewöhnlich nur dann, wenn der ihm anvertraute Maschinenkoloß auf dem Bahnsteig sich noch in Ruhestellung befindet, nur erst gerüstet, zur Ausfahrt. Hier gleicht die Tätigkeit des Maschinisten fast ganz dem seines Berufskollegen, des Meisters, der eine stationäre Dampfmaschine in geschlossenem Raume zubeobachten und -zu warten hat. Eine Tätigkeit, die wob! Fachkenntnisse verlangt, aber gerade keine besonderen Ansprüche an Eigenschaften' der Seele und des Charakters stellt. Aber sobald der Stationsvorsteher das Zeichenzur Abfahrt des Zuges gegeben hat und durch das öffnen eines Ventils die Kraft des gespannten Dampfes in die Zylinder, strömt, beginnen die Seelenkräfte bei dem Lokomotivführer sich zu regen. Weder das Publikum auf den Bahnsteigen noch viel weniger die Insassen der Eisenbahnabteile sehen — Nachdenkliche ahnen es vielleicht — wie alle Sinne des auf höchst verantwortungsvollem Posten Stehenden sich spannen, zt: welchen Energien er für eine vielleicht plötzlich notwendige Geistesgegenwart bereit sein muß. Hunderte, Tausende solcher Mutigen stehen und standen mit bewundernswerter Festigkeit auf ihrem lebensgefährlichen Posten. Wer kennt ihre Namen? Aber den Namen eines einzigen fühle ich mich gedrungen zu nennen und in weiteren Kreisen bekannt zu machen. . Warum diese Ausnahme? wird der Leser fragen. Aus welchem'Grunde gerade heute dieses Interesse beanspruchen? Weil die kleine .Lebensgeschichte dieses' Mannes ein Beitrag sein kann zu einem der Probleme, die jetzt die Welt bewegen. Ich will von einem jüdischen Lokomotivführer erzählen, einem einfachen jüdischen Manne, dem niemand, wenn er von ihm, weiß, die hervorragenden notwendigen Eigenschaften wird absprechen können, die ,ein Lokomotivführer besitzen soll: Arbeitsfreudigke'it, Mut, Kraft, Zuverlässigkeit, Selbstlosigkeit, Energie und Verantwortlichkeitsgefühl. •Jacob Bernstein, im ersten Viertel des vorigen. Jahrhunderts in Danzig geboren, war der zweite von drei Söhnen eines kleinen frommen Ladenbesitzers, der auch eine Leihbibliothek betrieb. Der Älteste, Aron, sollte einer Familientradition gemäß Rabbiner werden, der zweite und der jüngste Sohn Handwerker. Moritz, der jüngste, war für die Kunst der Schriftgießerei ausersenen, Jacob erlernte^ das Klempnerhandwerk. Nachdem er nach beendeter Lehrzeit sein Gesellenstück zunftgemäß verrichtet hatte, ging er nach Zunftgebraüch' auf -die Wanderschaft, durchzog eineij großen Tejl Norddeutschlands und kam schließlich im Jahre 1S36 nach Berlin. Hier erdichtete er eine Klempnerwerkstatt, bei der er aber durch den Bankrott eines großen Bauunternehmers sein ganzes Vermögen verlor. Da sah er sich nach einem neuen Erwerb, um und wählte den eines Eisenbahners." Er wurde bei der damals neu eröffneten Berlin-Anhaltischen Eisenbahn nach kurzer Zeit der vorgeschriebenen Lehrzeit erst Heizer und dann Lokomotivführer. Volle dreißig Jahre steuerte er ununterbrochen seine Maschine bis zu seiner Pensionierung. Einige markante Züge aus dem Berufsleben dieses Beamten sollen hier wiedergegeben werden. In seinen Lebenserinnerungen „Kindheit und Jugendjahre“ erzählt der im vorigen Jahre verstorbene Eduard Bernstein von diesem Lokomotivführer, der; sein Vater war, daß dieser an einem Weihnachtsfeiertage, der für ihn dienstfrei war, sich gerade behaglich auf einem Stuhl niedergelassen hatte, als es an die Tür klopfte und auf das „Herein“ der Sohn eines anderen Lokomotivführers ins Zimmer trat mit den Worten: „Herr Bernstein, mein Vater bittet Sie, ihn heute für den Nachtzug zu vertreten, er hat sich einen Finger erfroren.“ Eduard Bernstein fährt dann in seiner Erzählung wörtlich fort: Daß mein Vater der Bitte Folge gab, konnte ich allenr falls begreifen, obwohl es kein kleines Opfer war. Denn der 25. Dezember war sein Geburtstag, wo neben anderen Besuchern sein von ihm mehr als je verehrter Bruder Aron mit seinen Kindern sich einzustellen pflegte, und es in schöner Heiterkeit zuging. Aber daß Vater keinen Ton des Unmuts über die Zumutung vernehmen ließ, das wollte nicht in meinen Kopf hinein. So aber geschah es. Ohne den geringsten Versuch eines Einwands stand er auf, schritt zur Ecke des Zimmers, wo sein Schafpelz hing, zog ihn an, küßte meine Mutter, sagte uns Kindern „Gute Nacht“, und Hinaus ging es in die recht kalte Winternacht ... Späte: lief einmal eine Notiz durch die Presse, daß ein Lokomotivführer namens Bernstein dem König Wilhelm I.', dem späteren deutschen Kaiser, dadurch das Leben gerettet habe, daß er sich weder durch das Drängen von Hofbeamten noch dmch Anrufe des Bahnvorstehers bewegen ließ, mit einem Zuge, in dem der König saß, von der Station, wo er gerade hielt, weiterzufahren. Er wisse genau, habe er erklärt, daß von der entgegengesetzten Richtung her ein Zug unterwegs sei, und ehe dieser nicht eingelaufen sei, würde er gegen seine Pflicht handeln, wenn er ihm, wie die Hofleute .wollten, mit Schnellzugsgeschwindigkeit entgegenführe. 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Unter seinen hinterlassenen Papieren befand sich ein Anerkennungsschreiben, in welchem ihm die Eisenbahndirektion „für die dabei an den Tag gelegte Umsicht und Tatkraft, durch die er größeres Unheil verhütet habe“, ihren besonderen Dank ausgesprochen hat. Im Jahre 1865 erhielt der Lokomotivführer dann auf Veranlassung der’ Direktion der Berlin-Anhaltischen Eisenbahngesellschaft beim Ordensfest das Allgemeine Ehrenzeichen, aber Jacob Bernstein hat es oder das es anzeigende Band in seiner geradezu grenzenlosen Bescheidenheit niemals angelegt. Das war ein deutscher Jude mit den hervorragenden Eigenschaften von Mut, Kraft, Zuverlässigkeit, Selbstlosigkeit, Güte und Bescheidenheit. — Ich glaube wohl sagen zu dürfen: auch eine beachtenswerte Erscheinung zuin Problem der Rasseiiwertung. Gedanken einer Neunzehnjährigen: Versöhnungstag einöt und jetzt. Der Versöhnungstag war mir immer ein Erlebnis besonderer Art; mancherlei habe ich an diesem Tage empfun-" den, die verschiedensten Eindrücke haben mich bewegt. Ich kann nicht sagen, daß das im Sinne des Feiertages religiöse Gefühl allein vorherrschend war; natürlich ist mir der hohe Gedanke des AU-Verzeihens in seiner Erhabenheit und Wucht mit jedem Jahre ein tieferes Erlebnis geworden; der Gottesdienst, den ich, halb als Kind noch, manchmal schwer nur als treuen Träger dieser großen Idee empfand, gewann allmählich auch für mich eine neue, tiefere Bedeutung. Ebenso stark aber wie das religiöse Erleben, vom Gedanklichen her,, war mir das „Untertauchen in der Atmosphäre“, wie ich es bei" mir nannte. Wenn die Orgel urgewaltig ertönte, ihre bald demütigen, bald freudigen Melodien durch den Raum sandte, wenn die Lichter in dem halb erleuchteten Raum still wie immerwache Wächter, glühten, wenn der Vorbeter unseren Gott.mit frommem Gesänge pries und die im mystischen Halbdunkel sitzende Menge tief ergriffen verharrte — dann wurden mir solche Minuten zu einer geheimnisvollen Offenbaiung; im künstlerisch-ästhetischen Erleben, das mich dann mit der ihm eigenen Intensität ergriff, fühlte ich mich meinem Gott nahe, ahnte, daß ethische Vollkommenheit mit echter Schönheit wesensverwandt sei. Ganz anders dieses Jahr: Die ungeheure Freude' am' Schönen war wieder da, der Sinn des Tages diesmal als besonders schwer empfunden. Aber etwas Neues, vorher nur im Unterbewußtsein Geahntes kam hinzu:'Die starke, unlösbare Verbundenheit mit den Menschen, die mit mir im gleichen Haus diesen höchsten Tag begingen, die — gleich mir — aus den lasfendsten Sorgen ‘heraus, versuchten, sich n u r in die Bedeutung dieses Tages hineinzuversenken. Die Weite' und Größe von Schicksal und Gemeinschaft wurden .mir klar, nicht mehr als Begriff, sondern als wahrstes, wärmstes Leben. Ehrfurcht — und Stolz fühlte ich im Innersten; Verantwortung für jeden als Glied der 'Gemeinschaftskette und neuen Mut im Bewußtsein des innerlich starken Zusainmengehörens. C i 11 y W e i 1. .. Juden und Judenfreunde ausgeschlossen. Unter der Überschrift „Juden und Judenfreunde ausgeschlossen“ meldet Wagners Südwestdeutscher Nachrichtendienst aus Hungen, die Generalversammlung der dortigen Molkereigenossenschaft habe beschlossen, alle Juden aus der Genossenschaft auszuschließcn. Außerdem sei beschlossen worden,'auch alle die Mitglieder von der Milchlieferung auszuschließen, die mit Juden geschäftlichen Verkehr unterhalten. Die Generalversammlung war von etwa 500 Genossenschaftsmitgliedern besucht. Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten und Jüdische Jugendverbünde. Wie der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten mitteilt, wurde das Gerücht verbreitet, der R.j.F. habe in einer Eingabe die Auflösung der bestehenden jüdischen Jugendverbände verlangt, um sie unter seine eigene Führung zu bringen. Der Reichsbund legt Wert auf die Feststellung, daß ein derartiges Ansuchen von seiten des R.j.F. niemals erfolgt ist. Die Eingabe, von der bestimmten jüdischen Kreisen nur aus dem Zusammenhang gerissene Teilsätze, zum Teil sogar in veränderter Form, bekanntgegeben worden seien, wurde, so erklärt die Leitung des R.j.F., vor ihrer Absendung dem Präsidenten der Reichsvertretung, Herrn Rabbiner Dr. Baeck, zur Begutachtung vorgelegt und von diesem in ihrem Gesamtinhalt gebilligt. Sie wurde in der von Dr. Baeck gebilligten Form abgesandt. Privatschulkonzessionen nur für Arier. Ausnahme für den Unterricht nichtarischer Kinder. Nach einem Erlaß des preußischen Kultusministers soll bei Anträgen auf Erteilung von Unterrichtserlaubnissscheinen oder deren Verlängerung, sowie bei Anträgen auf Erteilung einer Privatschulkonzession in Zukunft ebenfalls geprüft werden, ob der Antragsteller arischer Abstammung ist. Bewerber nichtarischer Abstammung werden nach diesem Erlaß im Sinne des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April künftig nicht mehr zugelassen. Die Ausnahmen des Gesetzes treffen auch hier zu. Weiter können solche Antragsteller nicht mehr zugelassen werden, die nach ihrer bisherigen politischen Betätigung nicht die Gewähr für einen rückhaltlosen Einsatz für den nationalen .Staat bieten Diese Grundsätze gelten auch für bestehende Konzessionen. Wird der Unterricht an nichtarische Kinder erteilt, so findet der Erlaß, soweit es sich tun den Arierparagraphen handelt, keine Anwendung. Eine Liste des reinblütigen deutschen Adels. - Der Adelsmarschall der Deutschen Adelsgenossenschaft, Fürst zu Bentheim-Tecklenburg, hat an den reinblütigen deutschen Adel einen Aufruf gerichtet, in dem es u. a. heißt, der deutsche Adel solle, soweit er reinblütig und in Haltung und Lebensführung des Adels würdig ist, in der deutschen Adelsgenossenschaft und in Listen des reinblütigen deutschen Adels zusammengefaßt werden. Aufnahmeanträge unter Beifügung des Ahnennachweises-sind an, die Orts- oder Landesgruppe der Adelsgenossenschaft zu richten. Unterlassung würde ausschluß bedeuten. Rassenkunde in den Abschlussprüfungen der . preussischen Schulen. Der Preußische Kultusminister hat bis zur endgültigen' Regelung der Lehraufgaben angeördnet, daß in den Ab-' schlußklassen sämtlicher Schulen Vererbungslehre, Rassenkunde, Familienkunde und Bevölkerungspolitik sofort in das Unterrichtungsprogramm aufzunehmen sind. Ferner' sind in sämtlichen Abschlußprüfungen diese Stoffe für jeden Schüler zum pflichtmäßigen Prüfungsgebiet gemacht worden, von dem niemand befreit werden darL- Der- Minister .behält sich vor, sich durch besondere Beauftragte bei den Reifeprüfungen von der geleisteten Arbeit und dem Prüfungsergebnis zu überzeugen und bei unzureichendem Ergebnis nötigenfalls die Prüfung dieser Gebiete wiederholen zu lassen. Staatskomraissar Hinkel über den jüdischen Kulturbund und die Möglichkeit künstlerischer Betätigung von Juden in Deutschland. In einem Gespräch mit dem Chefredakteur des Conti- Nacluichtenbüros über die Genehmigung des Jüdischen Kulturbundes wies Staatskonunissar Hinkel, der Kulturreferenfim Preußischen Staatsininisterium darauf hin, daß cs sich hier um eine rein jüdische kulturelle Angelegenheit handelt, durch die größtenteils seit Jahrzehnten in Deutschland ansässigen Juden die Möglichkeit eigener kultureller Arbeit gegeben werden soll. Kritikern der Tageszeitungen soll zu den geschlossenen Mitgliederveranstaltungen des Bundes der Zutritt nicht gestattet sein. Angehörigen der jüdischen Rasse solle ebenso wie Ausländern jede Möglichkeit des freischaffenden Künstlers gegeben sein. Das gelte auch für auf Privatbühnen zur Aufführung gelangende Werke jüdischer Autoren. Für Betätigung in amtlichen Positionen gelten die Bestimmungen des Beamtengesetzes. Gründung des Reichsbundes israelitischer Ertaubter und Schwerhöriger (Riesch). Im Gemeindehaus der Jüdischen Gemeinde Berlin fand eine Versammlung, von Schwerhörigen und deren Freunden statt, in der die Gründung eines „Rcichsbundes israelitischer Eitaubter und-Schwerhöriger (Riesch) beschlossen wurde. Der Bund will sämtliche jüdische Ertaubte und Schwerhörige,- deren Verbleiben in den allgemeinen Schwerhörigcnvcreincii nicht weiter möglich ist oder auf Schwierigkeiten_stößt, zusammenfasseii und ihnen durch Beratung, Verschaffung der Ausbildungsmöglichkeit zu leichterem Verstehen,. Organisierung sozialer Hilfe, usw. Freund und Führer sein. Der Kontakt unter den Mitgliedern soll durch eine i eigene Verbandszeitschrift und durch Veranstaltung geselliger Zusammenkünfte aufrcchtcrhalteu .werden. Zum Vorsitzenden des Bundes wurde einstimmig Herr L. Uoldschmidt, Mitglied der Montefiore- Loge der Bnei Briss, gewählt. Die Leitung des Bundes richtet an die jüdischen schwerhörigen Männer .mul Frauen aller Stände den Appell, siclwu dem besonders heute ans ideellen, geistigen und wirtschaftlichen Gründen unbedingt notwendigen Zusammenschluß die Hände zu reichen. Schriftliche Beitrittserklärungen und Anfragen, denen' Rückporto bci/tifüßcn ist, sind all den Vorsitzenden L. Goldschmidt, Charlotteiiburg, Sybelstraße -23, zu richten oder der an jedem ersten Sonnabend im Monat um. 19 Uhr 30 üi der Konditorei Dobrin, Hackescher Markt, stattfindeuden Versammlung vorzulegen. Der Monatsbeitrag beträgt 80 Pfg. . Wirtschaftsschutz der Juden in Oberschlesien. Der Regierungspräsident in Oppeln teilt'unter der Überschrift .^Anwendung der Genfer Konvention auf die jüdische Minderheit im' oberschlesischen Abstimmungsgebiet“ amtlich folgendes mit: „In öbersclilesischen Städten im Abstimmungsgebiet sind von Stadtverordnetenversammlungen im März und April d. J. Beschlüsse gefaßt worden, die eine wirtschaftliche Schlechterstellung der jüdischen Bevölkerung gegenüberder nichtjüdischen zum Gegenstand . haben. Die Magistrate der betreffenden Städte sind diesen Beschlüssen nicht oeigetreten, ■ weil sie gegen das Genfer Abkommen vom 15. März 1922 verstoßen? Die Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlungen entbehren somit ohne weiteres der rechtlichen Wirksamkeit. Sie wcrdcirdemgcmäß auch von den Stadtverordnetenversammlungen in der Praxis-nicht angewandt werden. Darüber hinaus hat der Herr Minister des Innern darauf hingewiesen, daß die Magistrate solchen Beschlüssen, die gegen das Recht des Genfer Abkommens verstoßen, auch in Zukunft ihre Genehmigung zu versagen haben.“ ' ’ Um Isaaks Opferung. Zu der kürzlich durch die Tagespresse gegangenen Nachricht (vgl. unsere Nr. 13 vom 3. Oktober) über die etwaige Ausmerzung der Erzählung von Isaaks. Fesselung (nicht Opferung) meldet die Kreuz-Zeitung vom 30. September: „Der Regierungspräsident von Schleswig hatte vor einiger Zeit augeordnet, daß im. Religionsunterricht die Geschiente von Isaacs Opferung nicht, behandelt werden dürfe, weil sie undeutsch sei. Unter Berufung-auf Artikel '21 des Rcichskonkordats verlangt jetzt die katholische Zeitschrift „Zeit und Volk“ (30. September) Zurechtweisung des Regierungspräsidenten, da die Frage des Religionsunterrichtes Sache der Kirche beider Bekenntnisse sei unu den Regierungspräsidenten nichts angehe. Warnung vor dem sogenannten „Notbund jüdischer Künstler“. Die Wirtschaftsbeihilfe der Jüdischen Gemeinde (Abt. Künstlerhilfe), Berlin N 24, Oranienburger Straße 31 (Fem- D 2 Weidendamm 5131), ist von 'mehreren Seiten auf eine „Vereinigung der Bühnen- und Filmangehürigen &rV.“ Charlotlenburg, Gervinusstraße 14, aufmerksam gemacht worden: Diese „Vereinigung“, auch „Notbund jüdischer Künstler“ genannt, wendet sich an offizielle jüdische-Stellen sowie an jüdische Persönlichkeiten mit der Bitte, Beträge zu spenden, die zu Hilfsmaßnahmen für die erwerbslosen jüdischen Künstler verwandt werden sollen. - Da trotz der -Nachforschungen dieser „Notbund“ nicht aufzufinden ist (Briefe kommen, als unbestellbar zurück), wird vor diesem Scliwindeluntcrnehmen fi achd r ückl i c h s t gewarnt und gebeten, falls irgendwelche Personen sich auf die genannte Vereinigung berufen, die Wirtschaftshilfe sofort zu benachrichtigen. Kreditverein für Handel und Gewerbe e. G. m. b. HL Berlin N 2.4, Oranienburgerstrasse 3, (am Hackeschen Markt). SammeI-Nr.D2Weiden'damm 0852 I Die Bank des jüdischen Mittelstandes _ Ausführung sämtl. bankmässlg er Geschäfte : ' 1 8

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